YPG/SDF haben größten Teil von Tabqa eingenommen

Die von den USA und anderen Staaten unterstützten kurdisch geprägten SDF/YPG-Kräfte haben den größten Teil der westlich von Raqqa gelegenen syrischen Stadt Tabqa eingenommen. Bis zur vollständigen Einnahme von Tabqa dürfte es nicht mehr lang dauern.

Die YPG hat sich von der Bombardierung durch die Türkei im Osten von Syrien und im Irak und den mnachfolgenden türkischen Drohungen mit einem groß angelgten militärischen Einmarsch in Syrien zum Kampf gegen die YPG nicht davon abhalten lassen, weiter an der Eliminierung der Terrorgruppe ISIS zu arbeiten. Al Masdar News meldete gestern Abend, dass die YPG/SDF in Tabqa die Bezirke Nebabile und Zahra eingenommen haben.

Die USA haben die türkischen Angriffe auf ihre Partner im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS nicht nur scharf verurteilt, sondern anschließend auch noch demonstrativ US-Spezialtruppen mit voller Beflaggung und vor versammelter Presse an gefährdete Teile der Grenze in Syrien verlegt.

Sollte der türkische Machthaber Erdogan versuchen, seine Drohungen gegen die YPG umsetzen, könnte die türkische Armee es dabei also nicht nur mit der YPG, sondern auch mit Militärkräften der USA zu tun bekommen. Für die YPG und ihre Partner, hier etwa ein deutscher Freiwilliger in Tabqa, der ein bisschen wie KSK aussieht, ist es klar, dass das Handeln der Türkei aller Worte zum Trotz nach wie vor darauf angelegt ist, die Terrorgruppe ISIS zu unterstützen.

Die YPG und ihre Partner haben derweil in Tabqa zunächst einmal den Bezirk Zuwayqat eingenommen und anschließend rund 3000 Zivilisten evakuiert. Außerdem haben die Kräfte der YPG und ihre Partner am heutigen Samstag Morgen in Tabqa noch den im Westen der Stadt liegenden Industriebezirk eingenommen und das ebenfalls im Westen liegende Nationalkrankenhaus umzingelt. Viel bleibt den Terroristen von ISIS in Tabqa damit nicht mehr.

Die Einnahme der wenigen noch unter Kontrolle der Terrorgruppe ISIS verbliebenen Wohnblocks in Tabqa dürfte sich nicht allzu schwierig gestalten. Die größte Aufgabe für die YPG und ihre Partner wird in Tabqa darin bestehen, das südliche Ende und den restlichen noch unter ISIS-Kontrolle stehenden Teil des Tabqa-Dammes einzunehmen, ohne dass es dabei zu größeren Schäden am Damm kommt.

Offen ist noch, wie der türkische Machthaber Erdogan darauf reagieren wird, dass die USA der Türkei die weitere Unterstützung der Terrorgruppe ISIS durch ihre offene Truppenpräsenz auf der syrischen Seite der Grenze nahezu unmöglich machen. Bislang heißt es, Erdogan wolle die Probleme Mitte Mai persönlich mit Trump erörtern. Aber es ist durchaus nicht undenkbar, dass es schon vorher zu einem Krach zwischen der Türkei und den USA kommt, der zu direkten Kampfhandlungen zwischen der Türkei führt und in einen NATO-Austritt der Türkei mündet.

Nachtrag 21:00h: Zwischenzeitlich gibt es Meldungen, dass SDF-Kräfte das Nationalkrankenhaus von Tabqa eingenommen haben sollen.

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29 Gedanken zu “YPG/SDF haben größten Teil von Tabqa eingenommen

  1. 2 NATO Staaten beschießen sich gegenseitig.
    Ich krieg ein Abgang.
    Das ich das noch mal erleben darf.
    B.z.w.
    Ich hoffe, ich kann das erleben.

  2. Ich versuche als Sofastratege die Lage mal anders zu betrachten:

    A) falls Interesse der US-Waffenlobby besteht einen nächsten lokal begrenzten Krieg sprich Bürgerkrieg zu entfachen bleibt eigentlich nur die Türkei als geeigneter Kandidat, denn eine direkte Konfrontation Russland – USA würde dabei wohl ausbleiben.

    B) falls Interesse besteht unbedingt Russland in einen Konflikt zu treiben, welchen Staat würde man dafür als Kriegsschauplatz wählen?

    Nur auf den ersten Blick scheint Syrien ein geeigneter Kandidat zu sein, denn ob Russland mitspielt wie erwartet ist halt die Frage?
    Russland lässt sich erfahrungsgemäß nicht so leicht provozieren und so würde ich auch die militärische Zurückhaltung Russlands gegenüber Israel bewerten.
    Weder Russland noch China werden Syrien aufgeben, jedoch versuchen den Konflikt auf einen für sie erfolgverssprechendereren Schauplatz zu verlegen.
    Ich vermute es würde „zufällig“ der Konflikt in Nordkorea aufleben und sozusagen der USA der wohl der strategisch undankbarste Kriegsschauplatz als Alternative angeboten werden, mit für Russland und China idealen Unterstützungswegen.
    In den Medien entsteht zwar der Eindruck USA will in Nordkorea einschreiten, doch die vermeintliche Projektion der Stärke dürfte sich inzwischen eher als Bumerang erweisen.
    Der US Militärkomplex hat Interesse Konflikte anzuzetteln und Waffen zu liefern etc. aber nicht selbst einen verlustreichen Krieg führen zu müssen und den Hebel dazu hat wohl eher China durch Nordkorea in der Hand.

    Auch die Ukraine scheint auf den ersten Blick ein geeigneter Kandidat zu sein aber die direkte Grenze an Russland sowie „Pufferzone Ostukraine“ schmälert auch hier die Erfolgsaussichten wohl gewaltig will man nicht weitere Gebiete in der Ukraine verlieren oder einen unkontrollierbaren Flächenbrand riskieren.

    C) die Variante direkte Konfrontation ziehe ich nicht in Betracht denn an einem 3. Weltkrieg geführt mit Nuklearwaffen hat wohl niemand ein Interesse.

    Falls meine Überlegungen zutreffen stehen mittelfristig die Chancen Syrien „diplomatisch“ zu befrieden wirklich gut und auch YPG lässt sich nicht davon abhalten weiter an der Eliminierung der Terrorgruppe ISIS zu arbeiten. Die Türkei läuft hingegen in Gefahr Spielball des US Militärkomplex zu werden und wird letztendlich wohl widerwillig die neue Situation in Syrien akzeptieren und mehr Distanz zu Nato zeigen.

  3. Da die USA anscheinend nicht mehr gross gegen Assad intervenieren sei es durch verdeckte Operationen, denke ich das die Trump Administration langfristig einen Rückzug aus dem Nahen Osten plant. Wenn mann die Militärverschiebungen in Richtung Fern Ost schaut will man wohl dort die Prioritäten setzen. In Europa will man weiterhin die Obama Politik fortführen denn Trump unterschrieb ein Dekret das Montenegro in die NATO holt. Die Abgeordneten Montenegros stimmten auch dafür.

    Sehr hässlich aber hat vielleicht denn Vorteil das man nicht weiterhin zum Opfer Grossalbaniens fällt wie das nicht NATO Mitglied FYRO Mazedonien oder Serbien. Ihre Verbündeten in Europa werden die Amerikaner nicht vergraulen ähnlich wie Griechenland die Unterstützung der Grossalbaner würde diverse Länder geradezu in die Arme Russlands treiben. Das ist der wohl einzige Vorteil sonst sehe ich nur negatives Montenegro verliert Touristen sie haben ein belastendes Verhältnis zu Russland, plus die Investitionen werden fallen aus Russland. Man sieht auch am NATO Staat Albanien das die Mitgliedschaft keine Auswärtigen Touristen und keinen Wirtschaftsaufschwung bringt. Man bleibt ein Banannenstaat.

    Ich denke Trump hat leider Konzessionen an den Deep Staate gemacht: http://www.voltairenet.org/article196141.html

    Tut mir Leid für zu viel OT.

  4. Agid Aman aus Deutschland in dem Interview stellt fest, dass Erdogan die Terroristen unterstützt. Das ist höchst interessant. Wir schreiben das Jahr 2017 und der „Bürgerkrieg“ läuft seit über 6 Jahren. Brauchen die so lange für die Erkenntnis und wer hat nochmal Gaddafi gestürzt?
    Welches Spiel spielt die USA jetzt mit den Türken?

  5. Habe gestern Kontakt zu einem syrischen Flüchtling aus Tabqa gehabt. Nach kurzer Plauder sicher nicht der Assadfanbase zuzuordnen.
    Interessantes Fazit: „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich lieber von den Türken befreien lassen. Oder von der syrischen Armee. Aber nicht von den Kurden. Die werden alle Syrer aus den eingenommenen Regionen vertreiben und uns wie den letzten Dreck behandeln“.
    Auf meine Frage, wie er sich denn die Zukunft seiner Region unter türkischer Flagge vorstellt, meinteer: „am Ende landen wir alle wieder dort, wo wir hergekommen sind. Al Nizam (syrisch für „Assads-Clique“) wird sich über kurz oder lang das Land zurückholen und mir wäre es inzwischen sehr recht“.

      1. Sehr geehrte/r sg, die Kurden die momentan in den Grenzen Syriens leben, sind in der überwiegenden Mehrheit, Menschen die aus der Türkei geflohen sind, bei den Periodisch immer wiederkehrenden Kurden Massakern, der Türkischen Armee.
        Wenn sie es den Großherzigen Syrern so DANKEN sollten, das sie sich von den Dollarbündel, der Herren“menschen“ Dynastien, von Israel und USA kaufen lassen.
        Dann haben sie KEINEN eigenen Staat und keine Autonomie verdient, den sie wollen ja Sklaven bleiben, denn unter den Herren“menschen“ Dynastien, gibt es nur Sklaven und KEINE FREIEN Menschen .

    1. Kaumi, sg

      Ich glaube zwar, dass der Flüchtling aus Tabqa befürchtet, dass die YPG in den eingenommenen Gebieten die arabische Bevölkerung vertreibt oder sie wie Dreck behandelt, aber ich glaube nicht, dass das wirklich geschehen wird, zumindest nicht in großem Maßstab.

      Das wäre nämlich in militärstrategischer Hinsicht ein ganz idiotisches Eigentor für die YPG. Sie braucht diese Bevölkerung und die Unterstützung durch diese Bevölkerung nämlich dringend, um die eingenommenen arabisch geprägten Gebiete nach der Einnahme auch halten zu können. Selbst wenn es bei Kämpfern in der YPG so idiotische Gedanken geben sollte, werden die amerikanischen Unterstützer ihnen das austreiben, denn Trump und seine Militärs haben überhaupt keine Lust, wegen so etwas den Krieg gegen ISIS zu verlieren und als Idioten dazustehen.

      1. „Selbst wenn es bei Kämpfern in der YPG so idiotische Gedanken geben sollte, werden die amerikanischen Unterstützer ihnen das austreiben, “

        Woher kommt denn sonst dieser „herrenmenschen“ Gedanke ?

        Nicht böse sein, manchmal verstehe ich euch nicht. Also ich verstehe das nicht. Ich finde die Geschichte der 5th Division bzw Legion kP wie man die richtig nennt sehr gut. Dort sind Menschen drin die wegen ihren eth. Zusammenhang familären Schaden genommen haben.

        Egal wie Al Nizam ist ( kannte diesen Begriff noch nicht ) aber das PB Statement klingt wie als hätte Assads diese IDIOTlogie in sein Land reingetragen.

        Die Schlussfolgerung des Flüchtlings
        „Al Nizam (syrisch für „Assads-Clique“) wird sich über kurz oder lang das Land zurückholen und mir wäre es inzwischen sehr recht“ klingt aber so das Assad keine reine Rasse brauch

        Hoffe ich habe euch falsch verstanden , dann Entschuldige

      2. sg

        Es gibt in Syrien Menschen, die sich als Kurden verstehen und tiefe Abneigung gegen Araber haben. Die gibt es auch in der YPG, obwohl die YPG mit dem Bündnis SDF Partnerschaft mit arabischen Syrern praktiziert.

        Es gab da in den vergangenen Jahrzehnten viel böses Blut mit einer syrischen Politik, die sich offiziell Arabismus nennt, und die von Kurden als Arabisierung verstanden wurde, und Kurden waren häufig diejenigen, die da den kürzeren gezogen haben. Und es gibt sicher auch Kurden in Syrien, denen es nun, wo sie in Ostsyrien mal an einem ziemlich langen Hebel sitzen, in den FIngern juckt, es Arabern, syrischen Arabern, für die Politik des Arabismus der Syrisch Arabischen Republik der vergangenen Jahrzehnte heimzuzahlen. Die von Kaumi wiedergebenen Bedenken eines Flüchtlings aus Tabqa sind durchaus nachvollziehbar.

        Nur, und das ist mein Argument, das wird erstmal nicht so passieren, auch wenn kurdisch geführte Einheiten arabisch geprägte Gebiete in der Provinz Raqqa einnehmen und es bei der YPG tatsächlich ausgeprägte Tendenzen in die Richtung geben sollte (wovon ich selbst nicht sonderlich überzeugt bin), denn Araber zu vertreiben oder schlecht zu behandeln wäre gerade ein herbes Eigentor für eben diese Kurden selbst, weil sie die Unterstützung der sich als Araber verstehenden Bevölkerung in den eingenommenen arabisch geprägten Gebieten unbedingt brauchen. Und auch die USA, auf deren Unterstützung die YPG baut, haben im Moment ein gewichtiges Interesse daran, dass es erstmal zu keinem ethnischen kurdisch-arabischen Konflikt kommt, weil das ISIS und ähnliche Kräfte stärken würde und US-Präsident Trump dann einen Rückschlag oder gar eine Niederlage im Krieg gegen ISIS, den er als seine erste Priorität beworben hat, anhaften würde.

      3. sg

        Vielleicht habe ich dich jetzt nicht richtig verstanden.

        Also, die Unterstützung der USA ist im Moment in der Provinz Raqqa in militärischer Hinsicht sehr wichtig für die YPG. Würden die USA sich da auf die Seite ihres NATO-Verbündeten Türkei stellen, sähe es da militärisch wahrscheinlich bald ziemlich schlecht aus für die YPG. Aus diesem Grund vermute ich, dass die YPG dringende US-Ratschläge, wie keinen Rachefeldzug gegen Araber zu führen, erstmal befolgen wird, selbst wenn es in der YPG auch andere Tendenzen geben sollte. Assad und die SAA haben damit nichts zu tun, Sie spielen in der Gegend von Raqqa einschließlich Tabqa im Moment praktisch keine Rolle, einfach weil sie da vor Ort nicht präsent sind.

      4. Danke erstmal
        und erstmal Entschuldigung

        Diese Zusammenhänge kannte ich nicht, muss mal vorsichtig nachfragen, bei den Syrern die ich hier kenne. Da ist aber kein syr.Kurde mit dabei

        ————————————————————-
        Hätte ich vom Assad nicht gedacht .
        Muss aber erstmal nachfragen.

        Trotzdem halte ich die Amis nich tfür deeskalierend dort

      5. Mir ging es darum das die Amis in jeder Region die sie okkupieren einen Familie, einen Stamm eine Region oder Religion puschen und dann diesen Auserwählten als elitär darstellen.

        Überall wo sie aufschlagen blüht der Rassismus
        mit einem blutigen Ende für alle Beteiligten

      6. sg

        Die Politik des Arabismus ist älter als Bashar Al Assad, und übrigens auch älter als die Präsidentschaft von Hafez.

        Bashar Al Assad zeigt sich schon seit geraumer Zeit aufgeschlossen dafür, aus der „syrisch-arabischen Republik“ einfach nur eine „syrische Republik“ zu machen, wie das etwa jüngst auch im russischen Entwurf einer Gesprächsgrundlage für eine neue syrische Verfassung zum Ausdruck gekommen ist. Das mag einem wie eine Wortspielerei vorkommen, aber da steckt mehr dahinter.

        Aus der syrisch-arabischen Republik eine syrische Republik zu machen, würde deutlich anerkennen, dass Syrien die ewige Heimat von vielen Menschen ist, die sich nicht, oder nicht so sehr, als Araber sehen, etwa Kurden, Armenier, Turkmenen und so weiter und so fort. Und daraus ließe sich dann leicht ableiten, dass im Großen und Ganzen alle Menschen in Syrien ein Recht darauf haben sollen, in ihrer Muttersprache Schulen zu besuchen, Medien zu haben, und so weiter und so fort, auch wenn ihre Muttersprache nicht arabisch ist. Der Arabismus tendiert hingegeen dazu, die Menschen arabisieren zu wollen.

        Und nun rate mal, wer strikt dagegen ist, die Ideologie des Arabismus in Syrien aufzugeben, die ihre Blüte unter Nasser hatte? Es ist vor allem die sogenannte Opposition, die fürchtet, die Aufgabe der Ideologie des Arabismus könnte die Beziehungen zu den arabischen Golfstaaten untermininieren und in der Türkei ähnlichen Sehnsüchten von gleichberechtigter Staatsbürgerschaft bei türkischen Kurden Auftrieb geben.

        In einem wichtigen Punkt gebe ich dir aber recht: obgleich ich glaube, dass die USA kurzfristig wegen des Zieles eines erfolgreichen Kampfes gegen ISIS keinen arabisch-kurdischen Konflikt in Syrien wollen, so könnte sich das langfristig ändern, und das ist ein gravierendes Problem.

      7. US-Aggressionskriege/Massenverelendung, US/Saudi-Sektenirrlehre, US/Saudi-Rekrutierung, US/Saudi-Training, US-Luftunterstützung, US-Kriegswaffen/Munition/Fahrzeuge und damit vollkommen abhängig von US-Nachschub und US-Wartung. Zugegeben, manche mögen es schaffen Gefahr zu laufen, gegen einen Hund zu verlieren, den sie an der Leine haben.

        Jack Murphy, ehemals US-Spezialeinheit Green Barets:
        „Zu unterscheiden zwischen FSA und Al Nusra [alias Al Qaida in Syrien] ist unmöglich, weil es praktisch dieselbe Organisation ist. Schon 2013 sind die FSA-Kommandeure mit ihren gesamten Einheiten zu Al Qaida übergelaufen. Bei denen haben sie FSA als Spitznamen behalten, als Show, um einen weltlichen Eindruck zu machen, damit sie an die von der CIA und dem Saudi-Geheimdienst gelieferten Waffen herankommen. In der Realität ist FSA kaum mehr als eine Tarnung für die Al Qaida-Terroristen in Syrien.“

      8. @PB, sg

        Richtig ist, dass die Kurden im Nordosten Syriens bereits Bereinigungen durchgeführt haben.
        Richtig ist, dass die Kurden in Syrien vor 2011 arabisiert wurden. Aber das bezog sich nicht alleine auf diese Gruppe. In einem Land, wo es von regionalem Ethno-Kolorit nur so wimmelt – Armenier, Turkmenen, Aramäer, Kurden, Palästinenser, Libanesen, Tscherkessen etc. – versuchte man zunächst im Sinne einer einheitlichen Identität, und das noch vor (!!) der Assad-Ära Ende der Sechziger, den „Panarabismus“ im Großen (Baath-Partei) und das „Syrertum“ in Kleinen. Neben all` diesen Herausfoderungen auf ethnischer Ebene sah sich das Land auch noch den nicht minderwertigeren Problemen auf religiöser Ebene ausgesetzt. Sunniten (gemäßigte und salafi-wahhabiten), Schiiten, Alawiten, Christen und Juden mussten zusätzlich zu den ethnischen Schnittkanten in diesen Kessel so eingebracht werden, dass es keine dauernde Auseinandersetzungen und Konflikte gab.
        Dieses, und hier liegt überhaupt die famose Leistung des syrischen Weges, hat in den letzten 60 Jahren sehr gut geklappt. Und diese Leistung ist es, die die Syrer dazu verleitet, aktuell in großer Mehrheit immer noch der Regierung den Rücken zu stärken. Alle haben es verstanden, aber der Westen scheint es darauf anzulegen, dieses Land in Stücke zu reißen. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ersten Ranges weil wider besseren Wissens.

        Diese „gute Zeit“ in Syrien ist in all` den Dekaden überhaupt nur 2 mal ernsthaft bedroht worden:
        Mitte der Siebziger durch den von Saudiarabien massiv unterstützen Terror der Moslembrüder, der 1982 bei der blutigen Niederschlagung in Hama, nach Tausenden von Opfern durch hinterhältige Anschläge auf Ärtze, Richter, Schriftsteller, Kadetten und Zivilisten, sein Ende fand… und 2011. Durch eine noch größere Verschwörung!!

        Hatem, so der Name des oben erwähnten Flüchtlings aus Tabqa, beschreibt nur zu gut genau dieses Phänomen. Man ist und war in Syrien immer nur solange Regierungskritisch, bis die eigene Existenz vital bedroht wurde, dann erinnerte man sich „der gutel alten Zeit“ und wollte alles vergessen und wieder da anfangen, wo man im Februar 2011 schon gewesen ist.

      9. @PB


        einparteibuch sagt:

        30. April 2017 um 01:53

        sg

        Vielleicht habe ich dich jetzt nicht richtig verstanden.

        Also, die Unterstützung der USA ist im Moment in der Provinz Raqqa in militärischer Hinsicht sehr wichtig für die YPG. Würden die USA sich da auf die Seite ihres NATO-Verbündeten Türkei stellen, sähe es da militärisch wahrscheinlich bald ziemlich schlecht aus für die YPG. Aus diesem Grund vermute ich, dass die YPG dringende US-Ratschläge, wie keinen Rachefeldzug gegen Araber zu führen, erstmal befolgen wird, selbst wenn es in der YPG auch andere Tendenzen geben sollte. Assad und die SAA haben damit nichts zu tun, Sie spielen in der Gegend von Raqqa einschließlich Tabqa im Moment praktisch keine Rolle, einfach weil sie da vor Ort nicht präsent sind.“
        .

        Bitte Reg Dich ab und fange nicht wieder an zu Hyperventilieren. Fangen wir mal an den „Faden“ auseinander zu dröseln. Die USA unterstützen die Kurden im Augenblick gegen den IS und die Türkei, das ist richtig. Nur sie sind nicht die einzigen. Die Kurden in Syrien werden sowohl von den USA als auch von Russland und auch aus Damaskus inzwischen unterstützt. Die Kurden haben also schon etwas Wahl und ich denke sie wissen schon welche die richtige Seite für sie ist und welche sie bisher immer verraten hat.

    2. Kaumi, mir scheint, die Amis haben ihr Scipt auf das albanische Szenario umgeschrieben. Dh, sie werden versuchen die syrische Kurdenregion zu einem neuen Kosovo zu machen: einem total von ihnen abhängigen Kuststaat, der ihnen Machtprojektion in die Region ermöglicht, auch wenn Assad an der Macht bleibt. Mit einem „Camp Bondsteel“ ist zu rechnen. Um das Szenarium zu verhindern müssten die vier betroffenen Staaten gemeinsam Front dagegen machen und gleichzeitig ein für die Kurden akzeptables Gegenangebot machen. Danach sieht es gegenwärtig aber nicht aus, im Gegenteil spielt die idiotische Politik der Türkei dem in die Hände.

      1. @urkeramik

        Ja, so oder so ähnlich sehe ich das auch.
        Die Gründe sind vielfältig: Kurden pflegen gute Beziehungen zu Israel, Syrien würde – a la carte – dauerhaft destabilisiert, der Zio hätte seine Füße direkt auf syrischem Boden (US-Base), die Türkei könnte man wieder etwas leichter führen (Druckmittel Kurden), man wäre ein Stückchen näher an den Iran herangerückt, die Achse Iran-Iraq-Syrien-Libanon (Hizbullah) hätte auf einmal eine vulnerable Stelle. Sehr viele, für die Imperialisten, deftige Gründe wären vorhanden, um diese Strategie umzusetzen. Und ich denke, wenn die Bulldogge Blut geleckt hat, will sie das Stückchen Fleisch dann auch haben.

  6. Hallo PB,

    leider bin ich mir nicht so sicher ob Du mit Deiner Einschätzung der US-geführten Kräfte richtig liegst.

    Auch was die Kurden angeht glaube ich das Du da falsch liegst. Ihn ihrem Interesse liegt es schon eine „bereinigte Bevölkerungsstruktur“ in den erobertet Gebieten zu haben.
    Es regiert sich leichter und die Guerillabewegung wird auch abgeschwächt. Das wichtigste ist aber ein einheitliches Gebiet ist der beste Unterpfand für die Verhandlungen der Unabhängigkeit. Das ist auch im Interesse der US und Saudis….

    Nach wie vor ist das Ziel der „guten Freunde Syriens“ die Teilung Syrien und die Verhinderung eines (Iran geführten) einheitlichen anti-israelischen Schiiten-Clubs aus Irak, Iran, Syrien, Libanon-Hizbolla, mit russischer Unterstützung.

    Zur Unterstützung meiner Meinung schaut Euch mal die Leser-Diskussionen auf der Seite http://www.rudaw.net an
    z.B. hier: http://www.rudaw.net/english/middleeast/turkey/02042017

    Kurden, egal welcher Sorte ob Braziani, YPG, Kommunisten oder anti-iranisch oder pro-türkisch scheinen weder sich, noch andere Völker, besonders zu mögen.

    Sehr schön fast das dieser Kommentar zusammen:

    „Sassanid Eranshahr | 27/3/2017

    Lasst uns nicht gleich sein [setzen], diese islamistische Schia-Regierung zum Iran, als eine historische Nation, die seit den Zeiten des Propheten Zarathustra (zerdest) existiert.
    Die islamische Republik ist nicht stärker als die Sowjetunion oder die Mongolen [Türken?]; Sie sind die vorübergehende böse Kraft, die den Iran und die iranischen Nationen (Eraniyakan) stört.
    Die islamische Republik tötet jeden, der gegen den Schia-Islamismus ist, und zwar die Schia-Araber benutzen sie nur vorübergehend, wenn sie sie nicht brauchen, werden sie Tschüss der islamischen Republik sagen.
    Unser Problem ist, dass wir unserer Geschichte, Kultur nicht folgen. Stattdessen folgen wir Politikern, Tribalisten, Islamisten, die uns teilen (Kurden gegen Perser, Tadschiks gegen Paschtunen usw., Muslime gegen Nationalisten).
    Mittlerweile bauen die Türken Türken-Concil, Araber haben Arabisch-Liga.
    Die iranischen Nationen beschuldigen sich gegenseitig, teilen sich gegenseitig, tadeln sich gegenseitig (manche gehen sogar so weit, ihre iranische Vergangenheit zu verleugnen).
    Das größere Bild wird vernachlässigt, und wenn wir so weitermachen, werden unsere Feinde uns in ihrem Feuer verbrauchen.
    Glauben Sie mir, kein Shah, kein Barzani, kein Ocalan wird uns retten.
    Nur unsere Identität, Wurzel, Kultur und eine darauf basierende Zukunft können uns retten.“

    Googel-Übesetzung aus: http://www.rudaw.net/english/middleeast/iran/26032017 , User Sassanid Eranshahr

    Thema des Artikels ist der Bau einer Eisenbahn vom Iran durch Kurdistan ans Mittelmeer in Syrien! Die meisten lehnen das ab, weil der Iran (!) dann die Kurdischen(!) Öl-Ressoucen ausbeuten kann.

    Noch im letzten Jahr wurde auf der Seite die „Umsiedlung aller Araber“ aus den von ISIS eroberten Gebieten gefordert, durch die User.
    Der Kommentator Sassanid Eranshahr glaubt er ist Kurde oder Iraner…
    ~

    Und dann ist zu lesen das die die Kurden im Irak noch vor Ende des Jahres über ihre Unabhängigkeit Abstimmen wollen.
    http://www.iraqinews.com/baghdad-politics/kdp-puk-discuss-formation-joint-committee-referendum/

    Die Diskussion wem dann Kirkuk, oder besser, das Öl dort gehört bekommt auch neue Brisanz.

    http://www.iraqinews.com/baghdad-politics/krg-committee-will-decide-whether-independence-referendum-includes-kirkuk-governor/
    ~

    Danke für Eure Seite
    PAule

  7. Der Mensch ist eine Mischung verschiedener Eigenschaften.
    Wie diese verteilt sind, ist sehr unterschiedlich bei Einzelnen, Familien, Regionenbewohnern, Völkern, auch „Ständen“ oder Klassen.
    Familiäre Prägungen spielen eine entscheidende Rolle, diese werden natürlich entscheidend von den Lebensumständen mitgeprägt. Mittlerweile ist wissenschaftlich bewiesen, dass auch Verhalten unterhalb der genetischen Ebene vererbt wird über Anschaltung/Ausschaltung von Methylgruppen.

    Unterschiedliche Eigenschaftskombinationen sind mehr ider weniger gut geeignet für bestimmte Situationen, Positionen.

    Die Geschichte der Kurden kommt in einem Spruch zum Ausdruck:

    Der einzige Freund der Kurden sind die Berge.

    Es prägt, mehr oder weniger Spielball zwischen stärkeren Mächten zu sein.
    Nun kommen die Amerikaner und verteilen großzügig Militärhilfe, es werden SDF-Strukturen aufgebaut, in denen Kurden die entscheidende Kraft sind. In Moskau wurde ein offizielles Büro von „Rojava“ eröffnet. Statt lavieren zwischen den Mächten soll man jetzt entscheidend den IS besiegen, wird zum wichtigen Spieler in der Region, mit mitteln ausgestattet.
    Das kann nicht ohne Einfluss darauf bleiben, welche Menschen jetzt in Führungspositionen kommen; man braucht auch andere „Typen“ für andere Umstände.

    Die offizielle Ausrichtung multiethnisch, säkular etc. bleibt ja; aber es sind ja immer Menschen, die vor Ort handeln; Menschen mit der Erfahrung, dass ihr Siedlungsgebiet vor kurzer Zeit vom IS, sunnitischen Arabern, fast vollständig eingenommen wurde.

    Und auch in der Administrative ist es ein Unterschied, ob langjährige Gebiete lokal selber verwaltet werden, oder ob es darum geht, die Verantwortung für neue Gebiete zu haben.
    Und möglicherweise gut gemeinte administrative Maßnahmen, um ein nach hehren Motiven geplantes Bildungssystem umzusetzen, gehen auf einmal vor Ort nach hinten los, wenn sich Widersprüche zu den Traditionen der Nichtkurden ergeben.

    Insofern: Ja, die Amis wollen den IS schnell besiegen, dafür brauchen sie die SDF, dafür braucht es eine YPG, die mit den Arabern in der SDF und natürlich auch in den eroberten Gebieten kooperiert, nicht als Besatzer auftritt.

    Aber auch ja, wenn die Amis mit Geld und Waffen Status verteilen, wirkt dass auf die Menschen, auch darauf, welche Menschen wichtigere Positionen einnehmen.

    Und auf der anderen Seite ist es vielen vor allem ländlichen sunnitischen Arabern sicher lieber, ihre Traditionen mehr oder weniger weiter zu leben, statt große Mehrheit in einem „modernen“ System zu sein, welches von den Kurden in Gang gesetzt werden soll.

    1. Hallo Andreas,
      allgemeine Zustimmung, die Menschen schaffen sich immer die Organisation die glauben brauchen zu müßen.

      Aber Widerspruch zu der Aussage „die Amis wollen den IS schnell besiegen“.
      Die Amis wollen ihre Macht sichern und Ausbauen!
      Denen ist es egal, ob da die Leute sterben oder nicht und wer sie, wie tötet.
      Sie wollen das die Welt auf ihre Befehle gehorsam reagiert.
      Wenn nicht, finden sie einen willigen, skrupellosen Helfer der das tut und, wenn dafür notwendig, den/die Widerspenstigen bestraft oder tötet.
      Das Vorhersehbare: diesen willigen Helfer wird das gleiche passieren wenn sie zu selbstständig werden. Ein Rad ohne Ende.

      Game of Thrones eben, nur das die wahren Herren der Drachen und der Herr des Eises nicht so einfach zu finden sind wie hier:

      youtube.com/watch?v=Qq0B0NVKghA

      Insofern ist also das wirkliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

      Gruß PAule

  8. Ein Bekannter ist Christ aus Barzani Reich.
    Die Christen dort unterstützen Barsani weil er Ordnung hält.
    Demokratie ist dort fast unerwünscht.
    Die Kurden werden respektiert aber nicht besonders übermäßig (sind Schmutzig)
    Die Araber werden offen missachtet (schei… auf die Strasse).
    Es gibt also reichlich Vorurteile und Abneigungen.
    Aber Iraker waren schon zu Saddam-Zeiten von Syrien fasziniert.
    Ein weltoffenes Land mit gleiche Rechte für alle Religionen und reichlich Freiheiten auch für Frauen.
    Und wie der ehemalige indische Botschafter in Syrien schon erzählte , die sogenannte Opposition in Syrien stammt nicht aus Syrien. Die arabischen Länder haben massig Dialekte ( wie in DE). Da erkennt man sofort , woher der ,,Regimegegner„ „ kommt. Jedenfalls nicht aus Syrien.
    Die Kurden werden sicher versuchen soviel Einfluss wie möglich in der Nachkriegsordnung zu bekommen. Aber Ihre früheren Erfahrungen mit Assad , ihre Erfahrungen mit den IS-Unterstützer und Kurdenhassenden Türken und der Druck von USA und Russland wird sie hoffentlich in eine realistische friedliche Nachkriegszeit führen.
    Genau wie Erdowahn kein zwei-Fronten Krieg gewinnen kann, können die Kurden auch kein zwei-Fronten Krieg gewinnen. Die Türkei wird bleiben wo sie ist und Assad auch.
    Hoffen wir also auf Einsicht und Realität.

  9. Hallo

    Ich verstehe die Welt nicht mehr USA unterstützt die YPG gegen den ISIS obwohl USA den ISIS erschaffen hat und Erdogan nur ein Schoßhündchen der Wahabiten Zionisten usw..Die alle spielen einen Spiel den wir garnicht realisieren die YPG ist die PKK und wird von Israel unterstützt und Israel unterstützt ISIS sie bombardiert nicht um sonst in Provinz Hama oder Palmrya Damaskus gegen den Widerstand
    Die YPG wie kann sie den so eine große Fläche halten wenn doch nur 3-4 Mio Kurden gabst vor den Syrische Krieg und davon sind über die Hälfte nach Europa geflüchtet ich bin kein Experte aber ich denke ISIS wird immer kleiner und bald vielleicht besiegt und der nächste Ziel ist die YPG um wieder Geld zu verdienen

  10. @ PAule

    „Hallo Andreas,
    allgemeine Zustimmung, die Menschen schaffen sich immer die Organisation die glauben brauchen zu müßen.“

    Und Organisationen bringen bestimmte Menschen in Führungspositionen, bzw. gilt auch der Spruch:
    Das Amt ändert den Menschen schneller als umgekehrt.

    „Aber Widerspruch zu der Aussage „die Amis wollen den IS schnell besiegen“.“

    Ok, die ist ungenau.
    „die Amis“ gibt es nicht in diesem Punkt, Syrien; schon Obamas Truppen kämpften gegen McCains Truppen.
    ISIS relativ schnell in den Hintern zu treten war fast die einzige konkrete Aussage zur Außenpolitik (militärisch) von Trump. Das deckt sich mit dem allgemeineren Verzicht auf Regime-Change.
    Das Ziel lässt sich relativ leicht erreichen, Ausrüstung für die Kurden, ein paar Spezialkräfte, und einige wenige Absprachen mit den Russen.

    Die Kurden sind ordentliche Verbündete vor Ort, Assad scheidet aus, die Terroristen und Freunde werden irgendwann nur Ärger machen.

    Letztlich geht es vor allem um die „Hauptstädte“, Mossul und Raqqa, für die Öffentlichkeit.
    Danach könnten wieder andere Interessen in den Vordergrund rücken.

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