Syrische Armee nimmt Gebiete östlich von Aleppo ein

Während die Augen der Welt sich auf die USA und vielleicht noch Astana, Wadi Barada, Idlib und Deir Ezzor richten, nehmen die syrische Armee und ihre Partner gegenwärtig durchaus nennenswerte Gebiete östlich der Stadt Aleppo unter Kontrolle.

Östlich des Aleppiner Industriegebietes Sheikh Najjar in Richtung der noch von ISIS-Terroristen beherrschten Großstadt Al Bab beherrschen ISIS-Terroristen bislang noch eine von Osten versorgte Tasche, die von der syrischen Armee von Norden, Westen und Süden eingeziengelt ist. Seit einigen Tagen nimmt die syrische Armee diese Tasche Stück für Stück unter Kontrolle und vergrößert damit im Osten die Sicherheitszone um Aleppo beträchtlich.

Gestern etwa zeigte das Militärmedienzentrum auf einer Karte, dass die syrische Armee die Ortschaften Maran und Sarja Kabira sowie weitere Orte eingenommen hat.

Heute wurde dann berichtet, dass die syrische Armee auch die Ortschaften Diriya, Khan Hufra und Ad Daraiyah Umm Adas nördlich von den gestern eingenommenen Gebieten unter Kontrolle genommen hat (auf der nachfolgenden Karte schwarz umrandet).

Selbstverständlich kann man diese Erfolge als relativ leicht errungene Opportunitätsgewinne für die syrische Armee betrachten. Das stimmt jedenfalls insofern, als dass die Terrorgruppe ISIS, die diese Gebiete bislang beherrscht hat, anderswo, unter anderem in Al Bab, vollauf beschäftigt ist und deshalb keine Kraft hat, um die nun von der syrischen Armee eingenommene Nase entschlossen zu verteidigen. Andererseits erntet die syrische Armee nun östlich von Aleppo aber nun Früchte ihrer eigenen jahrelangen und enorm tapferen Arbeit.

Und wichtig sind diese Erfolge, gleich ob sie nun leicht oder schwer daherkommen, auch. Die Ausdehnung der Sicherheitszone östlich von Aleppo dürfte dazu beitragen, mehr Vertrauen in die Sicherheit des Industriegebietes Sheikh Najjar zu bringen, sodass Aleppo sich zügig von der Katastrophe der letzten Jahre erholen und bald wieder als wirtschaftliches Herz des Nordwestens von Syrien zu schlagen beginnen kann.

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19 Gedanken zu “Syrische Armee nimmt Gebiete östlich von Aleppo ein

  1. Interessant wird zu sehen sein, was passiert, wenn sich „Euphrat Shield“ und SAA treffen.

    Ich hab es nur aus dritter Hand gelesen, gibt es eine ernsthafte Meldung, dass die Türken auf die Einnahme von AL Bab verzichten?

    1. Abhängig von der weiteren Rolle der Türkei wird sich die Situation in Al Bab gestalten.
      Je weniger die Türkei im Verlaufe der Verhandlungen und der real sich entwickelnden Dynamik zugesprochen bekommt ( von der Widerstandsachse), desto weniger wird deren militärische Opferbereitschaft ausgeprägt sein.
      Ich bin eher gespannt auf die endgültige Rolle der Türkei (verbleiben Truppenverbände in Nordsyrien) und auf die Entwicklung in Syrisch-Kurdistan.
      Die Rolle der „Rebellen“ wird m.E. nur für die Galerie hochgehalten. Keiner der von den „Freunden Syriens“ supporteten „Oppositionellen“ wird in naher oder mittelfristiger Zukunft ein Gewicht in Syrien haben, was nicht von den Gnaden Damaskus` abgenickt wurde.

  2. Die Türken haben mit der Verdrängung von ISIS aus Nordaleppo ihre eigene Sicherheit gefördert und nebstbei auch die syr. Armee entlastet. Mehr wird für die Türken nicht drinnen sein. Sie haben damit auch die Unerfahrenheit ihrer Armee zur Schau gestellt.

  3. Zumindest gibt es jetzt aus türkischer Sicht wohl offiziell in Syrien Polizisten die hoch Erdogan, hoch Türkei und Allah ist das/der allergrößte schreien.

  4. schöner Film von Deir Ezzor von militarymaps,
    ist zwar russchich aber die Bilder sprechen für sich

    mit einigen interessanten Sachen drin.

    zB
    woher kommt Versorgung, also Hubschrauber
    und was für Menschen dort um ihre Leben kämpfen.

    nix Elite-Soldaten ( zumindest keine im Video )
    Das sind normale Menschen die einfach wissen was passieren könnte wenn sie Versagen

  5. Die Entwicklung gefällt mir ausgezeichnet: Die Türkei samt Proxies versucht Al-Bab einzukesseln
    und hat ihre eigene Stärke im Kampf mit dem IS weit überschätzt. Bislang hat sie sich dabei eine „blutige Nase“ geholt. Es gab einen hohen Blutzoll und riesige Verluste an Panzern( Leo 2) und gepanzerten Fahrzeugen , während die SAA im SW von Al-Bab recht einfache rapide Geländegewinne erzielen kann und kurz vor Al-Bab steht.
    Ich glaube , dass die Türkei mittlerweile weiß , was die SAA und Partner jahrelang gegen den IS und andere Jihadisten leisten und die SAA unheimlich kampfahren ist und sich zu einem gefährlichen Gegener gemausert hat.

  6. Luftschag gegen ein Trainingszentrum der Rebellen“

    und gestern eine Kommandoaktion in Tabqa, um IS-Führer auszuschalten.

    Ersteres kann auch ein Verwischen von Spuren sein, letzteres wird wohl demnächst noch ausgebaut werden.

  7. Berichte über Infights im Paradies der „Rebellen“ und der veröffentlichten Meinung der westlichen Wertegemeinschaft, Idlib.

    Al Nusra und Zenki übernehmen Headquarters der „FSA“, heißt es. Wie überrachend; dabei war doch geplant, dass die nur Assad stürzen sollen, und dann gehen, und den lieben Jungs von der „FSA“ das Feld überlassen.

    >>>
    Riam Dalati ‏@Dalatrm 3 Std.Vor 3 Stunden
    Mehr
    @army_muj #JaM says it won’t stand „arms crossed“, will fight ‚unjust‘ #JFS attack till death, dubs them #Nusra Front
    >>>

    Oh ja, bitte; und a, besten möglichst gleich starke Gruppen auf beiden Seiten, dass nur wenige übrig bleiben.

  8. Hassan Ridha ‏@sayed_ridha 3 Min.Vor 3 Minuten
    Mehr
    There are reports that Jaish al-Mujahideen has/will announce merger with Ahrar al-Sham

    Das wäre der Wunsch, erstere sind gerade im Infight mit Al Nusra.

    Möglich, dass da ehemalige Führungsoffiziere der CIA jetzt unter neuen Vorzeichen ihre Finger im Spiel gaben.

    Das wäre natürlich ein äußerst effektiver Weg, die radikalen Islamisten auszuschalten: schick sie in den Ring gegeneinander.

    1. @Andreas

      „… schick sie in den Ring gegeneinander.“

      Das passiert anscheinend auch gerade. Auch im Nordosten Aleppos (z.B. Anadan Plains). In diesem Zusammenhang halte ich folgende gemeinsame Erklärung von Russland, Türkei und Iran für bedeutsam, die sich m.M. im Wesentlichen mit den Vorstellungen Assads deckt:

      1. Syrien soll als Einheit mit seinen bisherigen Landesgrenzen erhalten bleiben. Das dürfte dann auch bedeuten, dass sich die Türkei nach Kriegsende wieder aus Syrien zurückziehen müsste.

      2. Syrien soll ein multi-ethnischer sakulärer Staat bleiben. Damit dürften alle Träume jener ausgeträumt sein, die Syrien in einen wahabitischen-salafistischen Staat umwandeln wollten.

      3. Gemeinsamer Kampf gegen ISIS und Al Nusra. Alle Gruppen der bewaffneten Opposition, die sich nicht von Al Nusra distanzieren (insbes. die Al Zenki-Gruppe) dürften früher oder später auf der internationalen Terroristenliste landen und zum Abschuss freigegeben werden.

      4. Ziel sei es auch, Al Nusra von den bewaffneten Oppositionsgruppen zu trennen.

      Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass die in Astana anwesenden Oppositionsgruppen im Wesentlichen mit dieser Erklärung einverstanden waren. Auch dürfte jetzt die Unterstützung aus dem Ausland der Terrorgruppen deutlich schwieriger geworden sein. Die USA als Waffenlieferant sollte unter Trump jetzt wegfallen und auch die türkische Grenze dürfte bald nicht mehr offen wie ein Scheunentor sein. Für Al Nusra wird die Luft sehr dünn. Neue Waffen und Munition sind wohl bald nur noch durch gewaltsame Plünderungen der nicht kooperienden Rebellengruppen zu erhalten. Der Prozess der nun in Gang gesetzt wurde, dürfte m.M. dazu führen, dass zunehmend mehr Städte und Ortschaften unter der vollen Kontrolle von Al Nusra stehen werden. Damit können sie nach der UN Resolution 2254 befreit werden (und Al Nusra vernichtet), wodurch die FakeNewsMedien mit ihrem Schlachtschiff SOHR spürbar kastriert werden dürften. Ich glaube allerdings nicht, dass die „Rebellengruppen“ sich nun gegenseitig bis zum letzten Jihadisten eliminieren und alle anderen schauen nur zu. Früher oder später werden die verhandlungsbereiten Oppositionsgruppen von Astana mit der SAA vermutlich kooperieren – evtl. sogar miltärisch, vielleicht nur als Informanten oder gemäß dem bewährten Muster des russischen Versöhnungszentrums (Waffen niederlegen, Amnestie, Wiedereingliedung in die syrische Zivilgesellschaft). Aktuell kann man sich jedenfalls noch ganz auf das Schreddern von ISIS konzentrieren.

      1. Es wird kolportiert, dass es keine gemeinsame Erklärung gab, weil die „bewaffnete Opposition“ nicht unterschreiben wollte, dass Syrien ein säkularer Staat bleibt.

        Die Erklärung liegt ja vollkommen auf der Linie der Russen, seitdem sie sich entschlossen in Syrien engagieren; auch diverse Bezüge zu UN-Resolution und UN-Beteiligungen bei Waffenstillstandsvereinbarungen, um es schön offiziell zu halten.

        Im Prinzip ist das Papier nur eine Absicherung der drei Länder, die seit Genf stehenden Maßnahmen umzusetzen; also die Türken müssen heftig von ihrer früheren Position abrücken, Zugeständnisse ihnen gegenüber finde ich nicht in dem Papier.

        Die „bewaffnete Opposition“ war quasi nur dabei, um sich anzuhören, was sie machen müssen. Was für eine Rolle. 🙄

        Aber richtig, es dürfte abseits der Erklärung Absprachen geben, welche Rolle für „ab jetzt aber wirklich Moderate“ im Nachkriegssyrien möglich sind.

        Das 5. Korps der syrischen Armee, neugegründet sicher mit russischer Anregung, soll ja offen sein für Rebellen und auch Deserteure. Eine Möglichkeit.

  9. Zutrauen würde ich so ein Spiel den Gringos problemlos.

    Aber es ist eigentlich egal wer dahintersteckt, Hauptsache ist, dass sie sich gegenseitig dezimieren.

  10. Weitere Fortschritte im Osten Aleppos; viel ISIS wird in der Tasche nicht mehr sein, aber man muss natürlich immer aufpassen, die Türken haben erfahren was passiert, wenn man zu selbstsicher ist.

    Es gab ja schon vor Monaten eine Karte mit der „Festung“ von ISIS um Al Bab, danach könnte man ja bis dorthin relativ leicht vorrücken.

  11. Oh, die Russlandhasser von livuamap hsbn eine neue Farbe eingeführt, Teile des „ebellengebietes“ sind jetzt dunkelgrün.

    Soll das die Grenze von Al Nusra andeuten?

  12. Bei al-Bab läuft es rund für die SAA. Das die Türken und ihre Proxys nicht fähig sind al-Bab und die strategischen Orte darum einzunehmen, war irgendwie absehbar. Das frühe Scheitern der Einnahme der nördlich davon gelegenen Stadt Qabasin war bereits ein gewichtiger Fingerzeig.
    Ob es nun an einer Absprache zwischen der Türkei und Russland liegt, das der ES nicht zumindest weiter in die südlichen Dörfer im Raum al-Bab vorgerückt ist, bleibt uns natürlich verborgen, aber die SAA nimmt dieses Geschenk jetzt dankend an und rollt das Gebiet Ortschaft für Ortschaft auf.
    Interessant wäre natürlich zu wissen, bis an welche Linie die Tigers ihre Offensive vorantreiben werden: Dienen die Geländegewinne nur der Absicherung des Industriegebietes von Sheyh Najar oder wird man südlich al-Bab vorbeistossen und sich so eine Angriffsoption auf die Stadt selbst erkämpfen?
    Der ES hatte in seinem Bemühen immerhin soviel Erfolg, dass er eine direkte Landverbindung zwischen Afrin und der SDF im Westen verhindert hat. Trotzdem werden aber in absehbarer Zeit wohl die Frontlinien von SAA und SDF südwestlich von al-Bab geschlossen werden, so das hier zumindest eine Transferroute für die militärisch deutlisch schwächeren Streitkräfte in Afrin entsehen wird.
    Das sollte auch eine militärische Zielsetzung mit Priorität sein, denn Afrin dürfte für die Türkei und ihre dschihadistischen Hilfstruppen wohl ein legitimes Angrifsziel sein – und wenn Afrin fällt, würde der ES mit den Kämpfern aus Idlib ein zusammenhängendes Gebiet herstellen. Und dann würden die Karten mal wieder neu gemischt werden…

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