Zweites Treffen von Kim Jong Un und Moon Jae-in

Nach der überraschenden Absage eines unter anderem vom Präsidenten der Republik Korea, Moon Jae-in, vorbereiteten Treffens mit dem Staatschef der DVR Korea Kim Jong Un durch US-Präsident Trump vorgestern haben sich am heutigen Samstag Kim Jong Un und Moon Jae-in überraschend getroffen.

Wie ein von der Präsidentschaft der Republik Korea veröffentlichres Foto deutlich machte, war das Treffen betont herzlich.

Das Bild sagt eigentlich schon alles. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete dazu, dass Kim Jong Un und Moon Jae-in bei dem Treffen ihre Meinungen zur Umsetzung der bei ihrem ersten Treffen ausgehandelten Deklaration von Panmunjom vom 27. April sowie zu einem erfolgreichen USA-DVRK-Gipfel ausgetauscht haben. Wie Xinhua berichtete, hatten die beiden Staatschefs damals unter anderem ausgehandelt, die koreanischen Halbinsel komplett zu denuklearisieren und die gegenwärtige Waffenstillstandsvereinbarung in einen Friedensvertrag umzuwandeln.

Die neue innerkoreanische Herzlichkeit legt nahe, dass die DVR Korea und die Republik Korea ihr Programm zur Vereinbarung von Frieden in Korea unabhängig von der Positionierung der USA dazu weiter vorantreiben werden. Die gegenwärtige Stimmung in der Republik Korea hatte ein amerikanisch-koreanischer Professor namens Joseph Yi in Südkorea nach der Absage Trumps an den Gipfel mit Kim in einem Leserbrief an die New York Times so beschrieben, dass die meisten Leute in Südkorea „bestürzt“ über das Verhalten von Präsident Trump seien und Trump der seltene US-Präsident sei, der es fertiggebracht habe, das „nordkoreanische Regime“ im Vergleich mit den USA als stabiler und reifer aussehen zu lassen. Sollte diese Einschätzung zutreffend sein, müsste Moon Jae-in reichlich Rückendeckung von der südkoreanischen Bevölkerung bekommen, wenn er notfalls eben auch ohne die USA einen Friedensvertrag mit der DVR Korea aushandelt und dazu auch praktische Schritte unternimmt.

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31 Gedanken zu “Zweites Treffen von Kim Jong Un und Moon Jae-in

  1. „Sollte diese Einschätzung zutreffend sein, müsste Moon Jae-in reichlich Rückendeckung von der südkoreanischen Bevölkerung bekommen, wenn er notfalls eben auch ohne die USA einen Friedensvertrag mit der DVR Korea aushandelt und dazu auch praktische Schritte unternimmt.“

    .

    Genau das ist der Grund weshalb der tiefe Staat der USA hier „Querschiest“.

    1. Wobei auch hier wieder die Frage ist, welche Position Trump eigentlich wirklich vertritt.

      Ist er tatsächlich der narzisstische, ungehobelte und leicht beeinflussbare Tölpel?
      Oder: setzt er den Tiefen Staaten in seiner Unnachahmlichkeit quasi außer Funktion.

      Nach dem Motto: Die Mächtigen im Hintergrund wollen keine Annäherung in Korea? Bitteschön, dann gibt es einen offiziellen Absage-Brief – der derartig dilettantisch und hochnäsig formuliert ist, dass er das Gegenteil des eigentlich Bezweckten erreicht und Trump seine Idee trotzdem umsetzt.

      Übrigens bin ich gespannt, wie sich der US-Einfluss im Nahen Osten mittelfristig entwickelt. Hier kann man das Gleiche vermuten: durch die öffentlichkeitswirksame Verlegung der Botschaft nach Jerusalem und damit einer Umsetzung eines Wahlversprechens, das Clinton, Bush jr. und Obama alle in ihrem Wahlprogramm hatten, hat Trump sich geschickt aller Kritiker im AJC entledigt. Denn die können ihrem Fußvolk bei zukünftigen Entscheidung schlecht verkaufen, dass Trump etwas gegen Israel hätte.

      1. PB

        Ich verstehe es trotzdem irgendwie nicht. Amerika first als Grundgedanke. Der Wahnsinn: die USA als Weitpolizist hat sie in den finanziellen Ruin getrieben, also weg damit ok, aber wieso die Dollarherrschaft kappen, das macht doch die USA stark.
        Wieso Europa in eine Eurasische Gemeinschaft drängen, ok dann muss die selbst Probleme lösen (Ukraine, Georgien…) Aber die wirtschaftliche Unterwürfigkeit Europas macht doch die USA stark?
        Das ganze macht wohl nur Sinn, wenn man davon ausgeht, das Trump die wirtschaftlichen Möglichkeiten der USA völlig überschätzt und während er alle zu wichtigen Reformen zwingt, blockiert er diese (zu mindest Wirtschaftlich) in den Staaten.

      2. Lutz

        Ich gehe nach wie vor davon aus, dass diejenigen in den USA, die Trump zum Frontmann ihrer Mission gemacht haben, das Ziel verfolgen, die USA von der Besatzung durch Israel und seine Lakaien in Wall Street und Massenmedien zu befreien. Die Auflösung des US-zionistischen Empires ist nur ein Schritt in dieser großen Schlacht um die Macht in den USA. Er schwächt sowohl Israel und seine Lakaien in der Wall Street und er macht es Israel und der Lobby schwerer Konter aus europäischen und asiatischen Teilen des US-zionistischen Empires Konter gegen die neue Macht in den USA zu fahren.

      3. Außenpolitisch ist ja da einiges klar. Nur für mich ist Trump in erster Linie Geschäftsmann, da kommt das Amerika first wohl her: Das wichtigste ist die eigene Firma.
        Und er braucht die amerikanische Wirtschaft, denn (auch wenn es eine neoliberale Floskel ist), nur die bringt die Wohlstand, den er braucht. Nur wie hat mal jemand gesagt: Außer einem kleinen Flecken um L.A. hingt der Rest den Weltniveau weit hinterher. Das wichtigste wären da Reformen, genau wozu er ja gerade Russland zwingt. Mit neuen Hochtechnologieprodukten, wie man am Beispiel der Rüstungsindustrie Russlands sieht. Die alten unproduktiven Industrien (Stahlindustrie) am Leben halten, bringt doch nichts. China ist ja da schon weiter: Fortschritt durch Weiterentwicklung. Und nicht jeden Sch*** selbst produzieren, dafür gibt es Billiglohnländer (wie zukünftig auch D).
        Die ganze Außenpolitik interessiert doch in den Staaten eh niemand und da geht es ja nur darum, die Kosten zu senken und so die Staatsverschuldung in den Griff zu kriegen.

      4. Lutz

        Dass die Stahlindustrie eine unproduktive Industrie ist, sehe ich nicht so. Da kämen mir erstmal ganz andere „Industrien“ in den Sinn. Und ich glaube auch, dass Stahl auch in der recht weit entfernten Zukunft noch in großen Mengen gebraucht werden wird, beim Bauen, bei Transportmitteln und beim Maschinenbau etwa. Die Frage mit dem Stahl ist eher, wie und wo er zukünftig produziert werden wird. Und mit dem Stahl einher gehen dann natürlich häufig daran hängende Industrien von Zulieferern über Veredler bis hin zu Großverbrauchern an die gleichen oder nahe Standorte wie die Stahlerzeuger.

      5. PB

        Die Stahlindustrie war ja auch nur als Beispiel genannt, da es durch die Einfuhrzölle in die Schlagzeilen geraten war.
        Beim Stahl sieht man auch, wie komplex, die Probleme sind. Thyssen Krupp kann ja ein Lied davon singen. Es klang wie ein technisches Wunder: Ein neues Stahlwerk an der Brasilianischen Küste, Rohstoffe und Stahl per Schiff… Es wurde aber ein Alptraum…

      6. Lutz

        Was man zum Thema Stahl noch wissen sollte, ist, dsas inzwischen rund die Hälfte der globalen Stahlproduktion in China stattfindet.

        https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_steel_production

        Auch wenn China seit ein paar Jahren schwer damit beschäftigt ist, seine Stahlkapazitäten zu konsolidieren und die Industrie zu restrukturieren, darf man Stahl durchaus als einen Teil der wirtschaftlich erfolgreichen Strategie Chinas betrachten. China hat mit Stahl und quasi-staatlichen Großunternehmen dahinter erfolgreiche Industriepolitik in ganz großem Maßstab gemacht und weite Teile Chinas industrialisieren können.

  2. Die Konsumenten der Matrix reiben sich verwundert die Augen. Ihre vorgefertigten Bewertungen passen nicht mehr. Merkel und Macron stimmen sich versöhnlich mit Putin ab. Nordkorea ist plötzlich lieb. Aber der Schreck geht vorüber. Der Einheitsbrei an Nachrichten in der Matrix enthält jetzt mehr Gleitmittel und dann, in wenigen Monaten, sind alle wieder auf Linie. Niemand wird sich später daran erinnern.

    1. @ Kinesiologie

      „Die Konsumenten der Matrix reiben sich verwundert die Augen.“ … und wachen dabei ein kleines Stückchen auf! Und jeder Aufwachprozess ist eine Einbahnstrasse! Dir geht hin und wieder mal ein Licht auf…na wunderbar!…und das guten daran ist, die Lichter bleiben an! -> Einbahnstrasse

      Und so geht es Stück für Stück weiter…langsam, ja…aber eben unumkehrbar…

  3. Gleichzeitig hat USA Syrien klar gewarnt, in keinen Fall Daraa anzugreifen. Wahrscheinlich wird Daraa unter USrael Schutz fallen.

    1. Das sollten andere mal umgekehrt in den USA versuchen. Was dann los wäre. In „Amerika“ (US-imperialistischer Kontinentalanspruch) bewaffnete Gruppen unterstützen, jahrelang weltweit tonnenweise die US-Regierung verteufelnde FakeNews verbreiten, kriegsbewaffnet einmarschieren mit der Ausrede, die bewaffneten Gruppen bekämpfen zu müssen, massenweise Zivilisten und deren Städte zerbomben, Gebiete besetzen und dann auch noch dem US-Militär verbieten, im eigenen Land die eigenen Staatsgrenzen zu schützen.

  4. Warum sollte Nordkorea seine Atomwaffen abschaffen? Wenn sich Südkorea und Nordkorea annähern, dann kommen wirtschaftliche Macht mit atomarer Macht zusammen und Korea wird dann auch zukünftig weniger erpressbar.
    Denn ich glaube nicht, dass die imperialen Interessen der USA sich so einfach in Luft auflösen und sie Südkorea aus ihrer Einflusszone entlassen. Dafür ist Südkorea ein zu guter Standort zum Rivalen China. Auch wenn die Macht der USA schwinden mag, kampflos werden sie ihre Einflusszonen nie aufgeben. (Egal was Trump eventuell im Sinne hat).

  5. Denukleasieren ? Und das komplette Korea? Hoy hoy. hoy.. Das ist keine gute Idee. Die sollten beide (Nord und -Südkorea) haben. Wer weiß was der Westen dort anstellen könnte. Nordkorea sollte hier sich nicht über den Tisch ziehen lassen.

    Freundliche Grüße

    1. Kurt, Patriot

      Eine Abrüstung der schrecklichen Atomwaffen ist immer ein hehres Ziel. Die P5-Unterzeichner haben das schon vor mehr als einem halben Jahrhundert bei der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrages versprochen, aber praktisch nichts praktisches dazu unternommen.

      Bezüglich der De-Nuklearisierung Koreas würde ich davon ausgehen, dass die DVR Korea da zuvor weitreichende Sicherheitsgarantien nicht nur wörtlicher, sondern auch praktischer Art haben wollen wird. Verträge mit den USA sind schließlich wertlos, weil die USA keine Ehre haben und Verträge nach Lust und Laune brechen. Dazu, wie solche praktischen Sicherheitsgarantien aussehen können, und wie lange es demnach mag es deshalb noch unterschiedliche Vorstellungen geben. Ich könnte mir vorstellen, dass die DVR Korea etwa einen Zeitrahmen für die De-Nuklearisierung Koreas bis 2060 anpeilen könnte. Bis dahin könnte sich das wirtschaftliche Kräfteverhältnis in der Welt so grundlegend geändert haben, dass globale Angriffskriege durch die USA kein allzu großes Problem mehr sein sollten.

      Das größere Problem könnte dann das Verhältnis zwischen China und Indien sein.

      1. PB:

        Mir kommt das Ganze ähnlich wie 1989 vor. Sorry, ich bin hier sehr skeptisch. Denukleasieren darf für Nordkorea „niemals“ in Frage kommen. Friedensvertrag können die doch gerne machen, aber vorher muss die USA dort wegtreten.

        Auf jeden Fall sind es bewegende Zeiten.

      2. Patriot

        Ja, in der Tat erinnert mich die gegenwärtige Entwicklung in Korea an die deutsche 1989. Nur ist in Korea eine ganz wesentliche Sache ganz anders als es damals in Deutschland war. Für Westdeutschland waren die USA und der Westblock 1989 mit Abstand die größen Handels- und Wirtschaftspartner, während die UdSSR als primärer Wirtschaftspartner der DDR heftig schwächelte.

        In Korea sieht die Lage heute so aus, dass der primäre Handels- und Wirtschaftspartner sowohl von Nordkorea als auch von Südkorea mit großem Abstand China ist. Die USA spielen wirtschaftlich in Korea kaum noch eine Rolle. Das macht ganz andere Folgeentwicklungen möglich. Sollte in Korea nun etwa eine große Aktion zur wirtschaftlichen Modernisierung Nordkoreas vereinbart werden, dann werden da nicht die USA und US-Lakaien führend dran beteiligt werden, sondern China. Es läuft also nicht darauf hinaus, dass aus Nordkorea ein US-Vasall wird, sondern darauf, dass ganz Korea, Süd wie Nord, noch enger an China angebunden wird. Das US-Empire wird im Fall einer koreanischen Wiedervereinigung nicht erweitert, sondern aufgesprengt und verkleinert. Das ist ein ganz fundamentaler Unterschied in der Lage.

    1. Anna

      Ich meine, dass Paul Craig Roberts Unrecht hat und Russland nicht kennt und missversteht. Die strategische russische Zurückhaltung gegenüber westlichen Provokationen auf eine imaginäre russische Abhängigkeit vom Westen zurückzuführen, geht völlig fehl. Putin hat gerade erst wieder klar gesagt, dass nun nicht mehr die EU, sondern China der wichtigste strategische Partner Russlands ist. Die russische Zurückhaltung gegenüber westlichen Provokationen würde ich vielmehr etwa damit erklären, dass Russland damit die westliche Kriegstreiberei besser sichtbar macht.

      Auch die Annahme, dass Russland eine neoliberale Wirtschaftspolitik verfolgt, weil Russland diese destruktive westliche Importideologie ganz toll findet, geht meiner Meinung nach fehl. Ich würde das eher so sehen, dass die allermeisten Russen die Nase vom Raubtierkapitalismus der Jelzin-Jahre die Nase voll haben, und Putin nicht zuletzt gerade deshalb so populär ist, weil er anstelle einer kommunistischen oder neoliberalen Ideologie eine pragmatische Wirtscaftspolitik verfolgt.

  6. zum aktuell wieder aufgeflammten geschrei um MH17 und der russe war’s, hat man in holland raketenteile präsentiert. und fragen aufgeworfen. einer, der ahnung von der materie hat, beantwortet die fragen: http://www.peters-ada.de/neu.htm

    wenn man dann hier https://de.sputniknews.com/politik/20180525320865443-mh-17-absturz-ermittlung/ liest, das die raketen eine maximale lebensdauer von 25 jahren haben und danach verschrottet werden müssen, stellt sich natürlich die frage, was man in holland der welt damit beweisen wollte?

    1. mitleser
      was man in holland der welt damit beweisen wollte

      Eigentlich hat man ja nur alte Kamellen heraus geholt. Interessant, das es gerade jetzt kommt. Im Donbass nehmen die Angriffe aus Kiew zu und es gibt Anzeichen, das man zur Fußball-WM zu einem großen Schlag ausholen will, da kommen solche Statements gerade Recht.

      Es sei aber gefragt, ob man die neuen Zeichen der Zeit in Holland verschlafen hat. (Merkel bei Putin, Macron beim Wirtschaftstreffen St. Petersburg, ja La Gard war wohl sogar da)

  7. …und nun doch wieder ein Treffen zwischen Trump und Kim am 12.06.18 in Singapur?!

    Hahaha, der Kerl fängt echt an, Spaß zu machen; und die Verwirrungstaktik strebt ihrem Höhepunkt zu.

    Nun ist es aber auch nicht ganz unproblematisch weil anrüchig und wenig glaubwürdig, daß die USA als einstiger Hauptaggressor im Koreakrieg heute den Friedensengel spielen-.

  8. Ich denk mir die Welt, so wie sie mir gefällt.. ich hätte nicht gedacht, das ich die Alternativ Medien mal wirklich für Tagträumer halte.. seit 15Jahren lese ich immer wieder, das die USA absteigen doch irgendwie sind sie immernoch die tatsachen erschaffer und alle richten sich danach.. Die USA sind brandgefährlich, gerade weil sie auf einem Kontinent ganz alleine und ohne wirklicher Gegner leben..

    Thierry meyssan hat dazu eine ganz interessanten Artikel veröffentlicht, was ganz danach aussieht, verwirklicht zu werden.. Paul Craig Roberts seine Analyse kommt mir sehr Realistisch vor, was man ja gut sieht. Das manche hier immernoch offen denken, das die Eliten (Regierungen) an die Bevölkerung (in diesem fall Russland) ist zB Tagträumerei!

  9. Gestern hat das US-Repräsentantenhaus einstimmig eine Kriegserklärung gegen den iran ausdrücklich verboten! Wenn das mal nicht eine gute Nachricht und eine deutliche Klatsche gegen die Zionisten ist……langsam glaube ich wirklich, Trump will keinen Krieg und hat sie jetzt mit ihren eigenen Waffen geschlagen ….. wird immer spannender.

  10. „Amerikas Fünfte Kolonne wird Russland zerstören“

    Ich bin kein Insider in russischer Wirtschafts- und Finanzpolitik.

    Allerdings ist auffällig, dass in Russland Wert auf ausländische Investitionen gelegt wird.
    Nun ist ein Technologietransfer durchaus sinnvoll, siehe China; wenn sie demnächst eigene Züge herstellen können, wäre die Zusammenarbeit mit Siemens beim Sapsan sinnvoll.

    Aber es geht um Technologie, nicht um „kapital“, da hat Roberts recht; alles was in Russland stattfindet braucht Rubel, selbstverständlich.
    Und das könnten russische Banken bereitstellen.

    Ein anderer Punkt: ich höre etwas von einem Haushaltsüberschuss dieses Jahr, durch die gestiegenen Ölpreise.

    Das ist ja noch schlimmer als die „schwarze Null“ als finanzpolitisches „Programm“.

    Nun entsteht der Überschuss auf Grund von Einnahmesteigerungen und weniger geplant.

    Aber die Staatsverschuldung ist sehr niedrig, die Devisenreserven hoch, warum soll man einen Haushaltsüberschuss haben? In Zeiten eher geringen Wachstums, gemessen an den Möglichkeiten.

    Raus mit dem Geld. Sollte man Investitionen nicht kurzfristig unterbringen können, dann verteilt man einen Haushaltscheck für alle, wenn man lieber keine dauerhaften Verbesserungen der Sozialleistungen oder öffentlicher Leistungen mit Geld finanzieren möchte, welches nicht langfristig sicher ist.

    1. andreas

      Ich sehe es genau anders herum und meine, dass Russland eine ausgesprochen vernünftige Wirtschafts- und Finanzpolitik verfolgt.

      Der erste Punkt ist, dass ich glaube, dass Putin absolut recht mit seiner Überzeugung hat, dass kräftige Staatsfinanzen eine notwendige Bedingung für die Unabhängigkeit des Staates sind. Ein Regierung, die am Tropf von Auslandskrediten hängt, hat in Bezug auf die Staatssouveränität schon verloren. In den Medien heißt es dann häufig, die Märkte würden die eine oder andere Entscheidung der Regierung nicht goutieren, und das habe nun dramatische Konsequenzen wie einen Anstieg des Spreads mit drohendem Staatsbankrott als Folge, wenn die Regierung die Märkte nicht mit dieser oder jenen krass unterwürfigen politischen Entscheidung besänftigen würde. „Die Märkte“ sind in solchen Medienberichten meist ein Synonym für eine handvoll von superreichen Bankern an der Wall Street oder in der City. Nur Staaten, die kräftige Staatsfinanzen haben, können dieser Art des Verlustes von Souveränität bis zur vollständigen Aushöhlung entkommen.

      Und der zweite Punkt ist, dass ich meine, ausländische Direktinvestitionen im Bereich der Wirtschaft – und insbesondere in Kooperation mit russischen Partnern – stärken Russland. Dies gilt erstmal ganz direkt, etwa durch die Vermittlung von technischem Fortschritt in diesem oder jenen Bereich. Russische Unternehmen können dabei in Bereichen, wo Russland nicht weltführend ist, beispielsweise lernen, wie VW Autos baut, wie Exxon Öl fördert und so fort. Und mit der Zeit werden dann russische Unternehmen dabei schrittweise auch immer besser. Und viel ist dabei besser geworden. Viele russische Öl- und Gasunternehmen sind inzwischen beispielsweise recht fähig, und können inzwischen auch sehr anspruchsvolle technische Vorhaben ohne westliche Partner ziemlich effizient bewältigen. Aber selbst in einer Situation, wo Russland alles selbst perfekt könnte, bringen Direktinvestitionen noch große politische Vorteile, nämlich etwa den, dass Kooperationspartner, mit denen die russische Wirtschaft sich Erträge zu teilen gedenkt, zu Fürsprechern von guten Beziehungen von Russland werden, womit Russland politischen Einfluss in Ländern gewinnt, aus denen Kooperationspartner kommen.

      1. @ EPB

        „Ich sehe es genau anders herum“

        Bezüglich des Technologietransfers sind wir ja schon mal einer Meinung. Ob der schnell genug geht, und ob die Regeln drastischer sein könnten (siehe China), kann man diskutieren.

        Eine Abhängigkeit von ausländischen „Finanzinvestoren“ ist natürlich dringend zu vermeiden, so etwas würde ich für niemanden vorschlagen.
        Aber darum ging es ja nicht; Japan hat 236% Staatsverschuldung/BSP, aber fast ausschließlich inländisch, auch da ist die Abhängigkeit vom Ausland nur gering.

        Nur auch darum geht es nicht, die russische Staatsverschuldung ist sehr niedrig.

        Dabei werden riesige Summen ins Ausland verfrachtet.
        Nun kann man nur bedingt Privaten vorschreiben, was sie mit ihrem Geld machen; aber der Abfluss ins Ausland ist ja ein Zeichen, dass zu wenig in Russland ausgegeben wird, und investiert wird.

        Wenn der Staat in einer solchen Situation auch noch einen Überschuss erwirtschaftet, ist das nicht sinnvoll; die Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen.
        (kennst du Stützels Saldenmechanik? )

        Bei den Gewinnen für ausländische Investoren sollte man auch beide Seiten sehen; ja, das bringt internationale Vernetzung und teilweise Interessenkonvergenz mit großen internationalen Spielern; aber natürlich besteht durch eine starke Beteiligung an Unternehmen auch eine Einflussnahmemöglichkeit, auch wenn die nicht so stark ist wie durch Ratingagenturen.

        Putin hat ja seinen Plan vorgestellt.
        Zur Umsetzung desselben hilft ein Überschuss im Staatshaushalt nicht, das Geld muss dahin, wo es ausgegeben werden soll, also zu normalen Menschen oder in Investitionsprojekte, die einen staatlichen Anschub brauchen.

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