Syrische Armee schnürt Terroristen im Westen der Süd-Damaskus-Tasche ein

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA teilte am heutigen Freitag mit, dass die syrische Armee und ihre Partner im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS in den Gegenden Jourah, Asali und Hajar Aswad weiter vorgerückt sind, nachdem sie befestigte Positionen der Terroristen durchbriochen haben.

Zu den schweren Kämpfen im Süden von Damaskus wurde heute folgendes Video veröffentlicht.

Inoffizielle Quellen melden, dass die syrische Armee mit ihrem heutigen Vormarsch dabei ist, die Tasche der Terroristen in mehrere Teile zu spalten, und wesentliche Nachschubwege der Terroristen zwischen verschiedenen Vorstädten der Tasche bereits gekappt sind. Nicht zu ISIS gehörende Terroristen im Osten der Tasche sollen heute einige ihrer Positionen in Yalda an die syrische Armee übergeben haben, wofür sie im Gegenzug möglicherweise kurzfristig nach Idlib evakuiert werden.

@Suriyak sieht die aktuelle Lage im Süden von Damaskus nun wie folgt:

Was auf der Karte allerdings zu fehlen scheint, sind Bemühungen der Armee, nicht nur grün von schwarz zu trennen, sondern auch die westlichen Vorstädte Madhniyah-Asali-Qadam vom Rest der ISIS-Tasche abzuschneiden.

Die Terroristen ihrerseits haben SANA zufolge durch Granatbeschuss angrenzender Gebiete in Qadam zwei Kinder getötet und acht weitere Menschen verletzt.

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21 Gedanken zu “Syrische Armee schnürt Terroristen im Westen der Süd-Damaskus-Tasche ein

  1. Hat Russland eigentlich die Logistik Routen der NATO durch ihr Territorium für den Afghanistan Krieg schon geschlossen? Oder sind die Russen immer noch so dumm und lassen sie machen? Ist es absehbar das Pakistan ihre Routen schliesst und dauerhaft keinen Nachschub erlaubt? Würde Russland den ersten Schritt gehen könnte auch Pakistan sich dazu ermuttigt fühlen.

    1. Macho

      Die russiche Route nach Afghanistan ist längst wieder dicht, die pakistanische jedoch nicht. Dabei scheint es allerdings so auszusehen, dass niemand im Moment so recht Druck auf Pakistan ausübt, die Nachschubroute zu schließen. Vielmehr scheint es mir danach auszusehen, dass die SCO und Iran sich bemühen, Pakistan insgesamt besser in die SCO zu integrieren und von den USA und Saudi Arabien zu lösen, in der Annahme, das Problem mit der US-geführten Besatzung von Afghanistan erledigt sich dann von selbst. Möglicherweise sind da einige auch ganz froh, dass US-Truppen in Afghanistan gebunden sind, und die dann anderswo kein Unheil anrichten können.

      Aktuell scheint die Situation in Afghanistan so zu sein, dass Afghanistan zu rund 50% von „Taliban“ oder „ISIS“ beherrscht wird. Dabei könnte „Taliban“ allerdings ein sehr relativer Begriff sein, hinter dem sich möglicherweise oft ganz andere Kräfte verbergen.

      1. Ist so, denn nicht nur Taliban kämpfen in Afghanistan, sondern andere Gruppen. Schon normale Dorfbewohner kämpfen gegen die Besatzung die eigentlich unpolitisch sind, aber sich das Talibanlabel überstülpen um mehr Unterstützung für ihrem Widerstand zu kriegen. Sie haben es satt ständig von NATO attackiert zu werden.

        Allerdings bedeutet ein NATO Rückzug das Afghanistan in die Hände des IS fallen könnte was eine Gefahr für den Iran wäre, auch für Pakistan und andere ‚Stans‘ und langfristig auch für Russland. Pest oder Cholera.

      2. Macho

        Dass normale paschtunische Dorfbewohner, die gegen Besatzung, Kabul , Schiiten oder Gott-weiß-wen-noch kämpfen, oft unter den Sammelbegriff Taliban fallen, ist selbstverständlich. Und ähnlich dürfte das bei nicht wenigen Drogenhändlern in Afghanistan sein.

        In der Westpresse gab es aber auch Berichte, dass iranische Spezialkräfte in Afghanistan als Taliban kämpfen.

        Und Taliban mit brandneuen russischen Waffen soll es auch geben.

        https://www.pajhwok.com/en/2017/09/30/russia-iran-still-provide-weapons-afghan-taliban-mattis

        Dass die Westpresse immer Iran und Russland beschuldigt, ist schon klar. Aber welche Länder lassen da wohl sonst noch ihre Spezialkräfte als Taliban verkleidet kämpfen? Pakistan? Wahrscheinlich. VAE, USA, Britanien, Israel, Deutschland? Ich weiß nicht, würde es aber auch nicht für ausgeschlossen halten. Und wenn dem so sein sollte, welche Ziele werden mit als Taliban verkleideten Spezialkräften in Afghanistan von wem verfolgt? Ich kann nichts genaues sagen, aber mein Gefähl sagt mir, dass in Afghanistan im Verborgenen sehr seltsame Geschichten mit als Taliban verkleideten Spezialkräften von Drittstaaten laufen. Möglicherweise setzen auch einige Staaten als Taliban verkleidete Spezialkräfte ein, um die Taliban der Qetta-Shura zu stärken, während andere dasselbe machen, um die Taliban der Qetta-Shura zu schwächen, oder zu formen, so dass sie verhandlungsfähig und -bereit werden.

      3. Verbrecher im Haus, die behaupten, Stabilität herstellen zu wollen. Klar, dass zuerst die Verbrecher raus müssen, damit es eine Chance auf Stabilität geben kann.

        Das Problem besteht darin, dass die Verbrecher sich als Polizei darstellen und jeden, der sie raus haben will, als Verbrecher.

        Damit bei den Verbrechern zu Hause kaum jemand auf die Idee kommt, dass Einbrüche in fremde Häuser auch dann Verbrechen sind, wenn die Verbrecher Polizeiuniformen tragen, lassen die Verbrecher Geschichten erzählen von „Terrorbekämpfung“, „Zivilistenschützen“, „Verteidigung der Sicherheit am Hindukusch“ oder „Schutz der Frauenrechte“, während, Berichten zufolge, die Geheimdienste als „Feindbeschaffer“ der Verbrecher, in der Nachbarschaft extra dafür ein paar, bezeichnenderweise von einem selbst Russland und China bedrohenden Imperium angeblich seit 17 Jahren nicht besiegbare Verbrecher heranzüchteten, die als „Taliban“, „ISIS“ oder „IS“ bezeichnet werden[1][2][3].

        Wie von ihnen besetzte Häuser in anderen Gegenden, so liegt auch dieses von den als Polizei verkleideten Verbrechern besetzte Haus sehr günstig, um eine Vielzahl sich vor ihren Angriffen schützender Nachbarn destabilisieren zu können.

        Demnach werden die Verbrecher das Haus nicht verlassen, solange sie dazu noch die geringste Möglichkeit sehen.

        [1] Times Of India: CIA and ISI together created Taliban: Zardari

        https://timesofindia.indiatimes.com/world/pakistan/CIA-and-ISI-together-created-Taliban-Zardari/articleshow/4508279.cms

        [2] Hillary Clinton : We created Al-Qaeda

        http://www.youtube.com/watch?v=Dqn0bm4E9yw

        [3] Wikipedia, Taliban: „Pakistan’s Inter-Services Intelligence (ISI) greatly supported and funded the Taliban during 1994, some sources even say ISI „created“ the Taliban. The I.S.I. used the Taliban to establish a regime in Afghanistan which would be favorable to Pakistan, as they were trying to gain strategic depth. Since the creation of the Taliban, the ISI and the Pakistani military have given financial, logistical and military support.

        According to Pakistani Afghanistan expert Ahmed Rashid, „between 1994 and 1999, an estimated 80,000 to 100,000 Pakistanis trained and fought in Afghanistan“ on the side of the Taliban. Peter Tomsen stated that up until 9/11 Pakistani military and ISI officers along with thousands of regular Pakistani armed forces personnel had been involved in the fighting in Afghanistan.

        During 2001, according to several international sources, 28,000–30,000 Pakistani nationals, 14,000–15,000 Afghan Taliban and 2,000–3,000 Al-Qaeda militants were fighting against anti-Taliban forces in Afghanistan as a roughly 45,000 strong military force. Pakistani President Pervez Musharraf – then as Chief of Army Staff – was responsible for sending thousands of Pakistanis to fight alongside the Taliban and Bin Laden against the forces of Ahmad Shah Massoud. Of the estimated 28,000 Pakistani nationals fighting in Afghanistan, 8,000 were militants recruited in madrassas filling regular Taliban ranks. The document further states that the parents of those Pakistani nationals „know nothing regarding their child’s military involvement with the Taliban until their bodies are brought back to Pakistan“. A 1998 document by the U.S. State Department confirms that „20–40 percent of [regular] Taliban soldiers are Pakistani.“ According to the U.S. State Department report and reports by Human Rights Watch, the other Pakistani nationals fighting in Afghanistan were regular Pakistani soldiers, especially from the Frontier Corps but also from the army providing direct combat support.“

        Primärquellen:

        Giraldo, Jeanne K. (2007). Terrorism Financing and State Responses: A Comparative Perspective. Stanford University Press. p. 96. ISBN 978-0-8047-5566-5. „Pakistan provided military support, including arms, ammunition, fuel, and military advisers, to the Taliban through its Directorate for Inter-Services Intelligence (ISI)“

        Forsythe, David P. (2009). Encyclopedia of human rights (Volume 1 ed.). Oxford University Press. p. 2. ISBN 978-0-19-533402-9. „In 1994 the Taliban was created, funded and inspired by Pakistan“

        Gardner, Hall (2007). American global strategy and the ‚war on terrorism‘. Ashgate. p. 59. ISBN 978-0-7546-7094-0.

        Randal, Jonathan (2005). Osama: The Making of a Terrorist. I.B.Tauris. p. 26. ISBN 978-1-84511-117-5. „Pakistan had all but invented the Taliban, the so-called Koranic students“

        Peiman, Hooman (2003). Falling Terrorism and Rising Conflicts. Greenwood. p. 14. ISBN 978-0-275-97857-0. „Pakistan was the main supporter of the Taliban since its military intelligence, the Inter-Services Intelligence (ISI) formed the group in 1994“

        Boase, Roger (2010). Islam and Global Dialogue: Religious Pluralism and the Pursuit of Peace. Ashgate. p. 85. ISBN 978-1-4094-0344-9. „Pakistan’s Inter-Services Intelligence agency used the students from these madrassas, the Taliban, to create a favourable regime in Afghanistan“

        Goodson, Larry P. (2002). Afghanistan’s Endless War: State Failure, Regional Politics and the Rise of the Taliban. University of Washington Press. p. 111. ISBN 978-0-295-98111-6. „Pakistani support for the Taliban included direct and indirect military involvement, logistical support“

        https://en.wikipedia.org/wiki/Taliban

      4. Was hältst Du von der Idee, dass der Angriff von USA auf Afghanistan (2001), und dessen Besetzung, ursprünglich der Möglichkeit eines Zweifrontenkrieges gegen Iran dienen sollte? Die Bagram Airbase ist immerhin ein sehr gross angelegtes Projekt. Man beachte auch Folgendes: „Wir werden in fünf Jahren sieben Länder erledigen, beginnend mit dem Irak, und dann Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, den Sudan und zuletzt den Iran.“ Ex-General Wesley Clark zitiert (2007) einen hohen General des Pentagon, der sich seinerseits auf ein Memorandum (2001) des damaligen Verteidigungsministers Rumsfeld beruft.
        http://antikrieg.com/aktuell/2015_02_21_general.htm
        Damit Iran hätte angegriffen werden können, mussten zuerst Irak und Syrien zerstört werden, das ist klar.
        Eine andere Motivation für die Besetzung könnte die Finanzierung z.B. der CIA durch Drogenanbau sein.

    2. 26 апреля 2018
      Зачем Назарбаеву военная база США на Каспии

      https://news.ru/v-mire/poyavitsya-li-na-kaspii-voennaya-baza-ssha/

      Сенат Казахстана одобрил создание перевалочного пункта на Каспии

      На днях верхняя палата парламента Республики Казахстан — Сенат — ратифицировала документ, позволяющий США развернуть на Каспии перевалочные базы Пентагона для транзита военных грузов в Афганистан. Эксперты сразу же заговорили об антироссийском характере этого решения.
      Министр иностранных дел Казахстана Кайрат Абдрахманов пояснил, что по предложению США маршрут транзита специальных грузов в Афганистан (в этой стране до сих пор остаётся 10-тысячный контингент американских войск и 3-тысячный — их союзников по НАТО. — News.ru) теперь пойдёт из Грузии и Азербайджана через Каспийское море в Казахстан и далее железнодорожным транспортом через станции Сарыагаш, Келес или Бейнеу-Каракалпакия в Узбекистан, а затем в Афганистан.

      «В перечень контрольно-пропускных пунктов добавлены порты Актау и Курык. Делается это целиком в интересах Казахстана как стратегического партнёра США, которые стремятся к поддержанию мира и стабильности в соседнем Афганистане», — заявил глава казахстанского МИДа.

      1. September

        Danke für den Hinweis auf diese Nachricht von vorgestern.

        Die USA haben also mit Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan ausgemacht, eine nördliche Nachschubroute des Pentagons nach Afghanistan neu zu beleben, und Kasachstan hat soeben den zentralen Übergabepunkt am kaspischen Meer dazu genehmigt. Das lief so still ab, dass mir das entgangen war.

        Russland scheint nicht dagegen zu sein, obwohl Russland 2015 dem Pentagon die Nachschubroute durch Russland nach Usbekistan zugemacht hat.

        Alle

        Hier gibt es dazu auch auf englisch eine Nachricht:

        https://eadaily.com/en/news/2018/04/25/kazakhstan-opens-caspian-sea-for-usa

      2. 2014:
        „Iran and Russia have built unanimous consensus among the Caspian states, which also feature Azerbaijan, Kazakhstan and Turkmenistan, over the inadmissibility of a foreign military presence in the Caspian Sea, ruling out any future possible deployment of NATO forces in the basin.“
        https://thediplomat.com/2014/10/russia-and-iran-lock-nato-out-of-caspian-sea/
        2018:
        „Kazakhstan opens Caspian Sea for USA“
        https://eadaily.com/en/news/2018/04/25/kazakhstan-opens-caspian-sea-for-usa

  2. Yarmouth ist so dicht verbaut und Kämpfe werden blutig sein, aber SAA muss da durch gehen. Auch in eine Ruine kann Man sich sehr gut verstecken. Angeblich sollte Rastan Ofensive gestartet sein. Artelerie Vorbereitung ist voll in Gängen. Dort sind Jihadisten nicht so motiviert wie in Yarmouk. Erfolge in Yarmouk sind bis jetzt sehr bescheiden aber es war etwas anders nicht zu erwarten. iS sind Fanatiker welche erbittert kämpfen.

  3. Clearly, Paul

    So wie ich es verstehe hatte der US-geführte Krieg gegen Afghanistan zu unterschiedlichen Zeiten im Detail unterschiedliche Motive, auch wenn es dabei natürlich die Konstante „Erweiterung des Machtbereichs der USA“ gab. Beim von der CIA organisierten wahhabitischen Terrorkrieg in Afghanistan ging es klar darum, die UdSSR zu schwächen, was ja auch gelungen ist.

    Bei der US-Besetzung Afghanistans ab 2001 scheint mir das dominante US-Motiv für den Krieg gewesen zu sein, dass die USA es können, und sie damit ihre geostrategische Macht ausbauen würden. Von Elie Krakowski gab es im April 2000 beim berüchtigten israelischen Thinktank Institute for Advanced Strategic and Political Studies, kurz IASPS, ein Papier namens „The Afghan Vortex,“ in dem dieses US-israelische Denken ziemlich offen dargelegt wurde:

    …The double stalemate of the Afghan conundrum – within and around Afghanistan – makes it impossible for any state or combination of states to impose its will on the others. The stalemate, far from being a hindrance to a settlement, is an important element making one possible. The central stumbling block to a solution is the unwillingness of the states involved to recognize the situation confronting them. It is for this reason that external intervention is crucial.

    Only the United States has this capability. …

    Das IASPS ist bekanntlich der Thinktank, von dem auch das viel besser bekannte Clean-Break-Papier stammt. Die Vergabe von Einflusspositionen unter GWBush und den anschließenden blutigen Lauf der Geschichte kann man als Indiz dafür nehmen, dass das IASPS die tatsächliche Politik der USA und Israels in wesentlichen Bereichen bestimmt hat. Die USA sollten demnach Afghanistan einfach deshalb beherrschen, weil sie es können.

    Die geostrategischen Vorteile der USA aus einem Sieg im Krieg in Afghanistan hätten vielfältig sein können. Im Parteibuch stand etwa im Jahr 2010 schon mal, dass die USA damit eine bessere Angriffsposition für einen beabsichtigten Krieg gegen den Iran bekommen habe. Außerdem wurde damit natürlich der Drogennachschub für CIA und Mossad gesichert, sodass diesen Diensten auch nach der aus ihrer Sicht solcher Drogenhändlerbanden sicherlich unerfreulichen Eliminierung des Drogenanbaus durch das Islamische Emirat Afghanistan weiter viel Schwarzgeld zur Verfügung stand und steht. Das mit dem massiven Drogenanbau in Afghanistan nicht nur die Suchtraten in Afghanistan, sondern auch die in Nachbarstaaten wie Iran, den ’stans und Russland natürlich massiv steigen würden, wodurch diese Staaten geschwächt werden, dürfte anhaltende Freude bei der US-zionistischen Achse des Terrors auslösen. Weiterhin hätten die USA auf einem gewonnenen Krieg in Afghanistan aufbauend Zentralasien, Russland und China mit Terror- und Proxykriegen destabilisieren und so geopolitische Konkorrenz ausschalten können. Und nicht zuletzt hätte Afghanistan ein Weg für die USA sein können, zentralasiatische Energievorräte abzubauen und abtransportieren zu können, sodass ein gewonnener Afghanistan-Krieg auch noch ein kommerzieller Erfolg für die USA hätte sein können.

    Doch all das, oder fast all das, setzte genau wie beim Irak-Krieg voraus, dass die USA den Krieg in Afghanistan auch wirklich gewinnen. Wie wir heute, mehr als 16 Jahre nach Beginn der US-Besatzung von Afghanistan, deutlicher denn je sehen, war das jedoch, genau wie im Irak, nicht der Fall. Damit gerieten die USA in Afghanistan in die Defensive, die luftigen Ziele wurden unerreichbar und die Ziele änderten sich. Obendrein wurde Pakistan, das den USA seit Jahrzehnten als Stachel im „Herzland“ der asiatischen Landmasse diente, durch die US-Besatzung von Afghanistan nachhaltig verärgert und schloss sich der SCO an, was eine geostrategische Niederlage epischen Ausmaßes für die US-zionistischen Globalisten bedeutet. Ich vermute, heutzutage dürfte das vorrangige Ziel der USA in Afghanistan eher darin liegen, aus dem kostspieligen Sumpf in Afghanistan rauszukommen, und das möglichst so, dass der Abzug der US-Truppen dem US-Präsidenten innenpolitisch nicht als krachende Niederlage angekreidet werden kann.

    Andersherum gedacht könnte ein Ziel der US-Gegenspieler mittlerweile denn auch darin bestehen, die USA noch eine Weile weiter in Afghanistan versumpfen zu lassen, um die USA so anhaltend zu schwächen. Beim Versumpfen in Afghanistan werden US-Truppen ohne jede Aussicht auf einen US-Sieg gebunden, die gleichzeitig anderswo keinen Schaden mehr anrichten können. Die afghanische Bevölkerung scheint die Präsenz von US-Truppen in Afghanistan ohnehin mehrheitlich zu begrüßen, schon weil die US-Besatzer Geld mitbringen, also könnten die SCO und Iran da durchaus sagen, wenn die USA und die Afghanen unendlich Krieg in Afghanistan wollen, sollen sie ihren Wunsch bekommen. Geopolitisch schießen de USA sich in Afghanistan schließlich nur noch in die eigenen Füße.

    1. „Ich vermute, heutzutage dürfte das vorrangige Ziel der USA in Afghanistan eher darin liegen, aus dem kostspieligen Sumpf in Afghanistan rauszukommen, und das möglichst so, dass der Abzug der US-Truppen dem US-Präsidenten innenpolitisch nicht als krachende Niederlage angekreidet werden kann.“

      Weil der US-Präsident auch dazu gewählt wurde, deshalb könnte der US-Präsident das sofort tun, hätte dann etwa eine Hälfte des US-Volkes hinter sich und dass die Kreide gezückt wird, ist immer. Ebenso wie 2008 der US-Präsident vor ihm auch dazu gewählt wurde und dann etwa die andere Hälfte des US-Volkes hinter sich gehabt hätte. Aber die gehen mal kurz zu den Generälen, die sagen „Mister President, wir sind da, weil in unseren Straßen keine Bomben explodieren sollen“, so ähnlich übermitteln es die Präsidenten der Öffentlichkeit und das war´s dann wieder. Same blöde Ausrede as every year.

  4. @1PB
    „Die afghanische Bevölkerung scheint die Präsenz von US-Truppen in Afghanistan ohnehin mehrheitlich zu begrüßen“
    Ist das so? Klingt für mich verärgert, zynisch. Ist dies irgendwie belegbar? Die US-Gelder landen doch bestenfalls bei einem Teil der Proxy-Herren, der kabuler Oberschicht und gehen einher mit Armut, Unsicherheit, Rechtlosigkeit und Gewalt in weiten Teilen des Landes.

    1. Subitum

      Aufgefallen war das bei den letzten afghanischen Präsidentschaftswahlen 2014. Von den aussichtsreichen Kandidaten Abdullah Abdullah und Ashraf Ghani sprach sich der über ausgsprochen gute Beziehungen zum Iran verfügende Kandidat Abdullah Abdullah einige Monate vor der Wahl gegen eine weitere US-Truppenpräsenz in Afghanistan aus, was damals ein heißes Thema war, weil nach der Wahl die Unterzeichnung oder Nicht-Unterzeichnung des „Bilateral Security Agreements“ mit den USA auf der Tagesordnung stand. Abdullah Abdullah befand sich bei der Ablehung des „Bilateral Security Agreement“ und der Befürwortung einer „Null-Option“ – sprich US-Totalrückzug aus Afghanistan auch völlig im Einklang mit der iranischen Position.

      Auch wenn Abdullah Abdullah in Afghanistan populär ist, war seine Befürwortung eines Totalrückzuges jedoch nicht sonderlich populär. Ganz im Gegenteil, es kostete Abdullah Abdullah. Die Befürworter einer weiteren US-Truppenpräsenz konnten insbesondere mit dem Argument durchdringen, dass mit der US-Truppenpräsenz Geld und internationale Aufmerksamkeit und damit weitere internationale Hilfsgelder ins Land kommen, und Afghanistan Gefahr liefe, noch ärmer zu werden, wenn das Alles wegfiele. Von der Debatte findet sich auch noch was in Wikipedia.

      https://en.wikipedia.org/wiki/Afghan_presidential_election,_2014#Third_debate

      Später knickte Abdullah Abdullah dann unter dem Druck seiner potentiellen Wähler ein und befürwortete eine weitere US-Truppenpräsenz. Hier zum Beispiel bei CNN:

      http://globalpublicsquare.blogs.cnn.com/2014/06/03/abdullah-bilateral-security-agreement-needs-to-be-signed/

      Ich kann mich an eine Reihe weiterer Diskussionen 2014 diesbezüglich erinnern, die dem Muster folgen, habe aber leider keine Links dazu mehr parat. Dass sich diese Einstellung der Bevölkerung seit 2014 bis heute in Afghanistan geändert hätte, kann ich nicht erkennen.

      Wer nun aber meint, nur in Afghanistan wären die Wähler so zynisch und kurzsichtig, was US-Besatzungstruppen angeht, möchte aber bitte nochmal nachdenken. In der deutschen Debatte über die US-Truppenpräsenz in Deutschland kommt auch immer wieder das Argument, dass randständige Gebiete in Deutschland wirtschaftlich veröden würden, wenn etwa Rammstein geschlossen würde und die US-Besatzungstruppen aus Deutschland abziehen, und gerade in deutschen Gegenden mit US-Truppenpräsenz zieht das wirtschaftliche Argument politisch auch durchaus, und das, obwohl die deutsche Wirtschaft natürlich viel leistungsfähiger als die zu einem großen Teil von ausländischen Geldern abhängige afghanische Wirtschaft ist.

      1. „Später knickte Abdullah Abdullah dann unter dem Druck seiner potentiellen“ was ein? Wähler?
        Neokoloniale Militärdiktatur und demokratische Wahlen? Die Ukraine könnte seit dem rechtsextremistischen US/EU-geführten Putsch von 2014 zur ernsthaften Konkurrenz geworden sein, aber ansonsten waren im Wettbewerb der am übelsten gefälschten Wahlen, die erfundenen Wahllokale in Afghanistan immer erster Stelle.

        New York Times, 2009: „The fake sites, as many as 800, existed only on paper, said a senior Western diplomat in Afghanistan, who spoke on the condition of anonymity because of the political delicacy of the vote. […] “We think that about 15 percent of the polling sites never opened on Election Day”, the senior Western diplomat said. […] “This was fraud en masse,” the Western diplomat said.“

        Associated Press, 2009: Ab 7 Uhr früh waren die Wahllokale in Kabul geöffnet, aber es kamen keine Wähler. Ein Ladenbesitzer namens Mohammad Tahir sagte: „Ich gehe nicht zu dieser Wahl, sie wird nichts ändern für mein Land.“

        Und natürlich versorgt die imperialistische Neokolonialmacht USA auch in Afghanistan ihre Kompradorenbourgeoisie[1].

        [1] Wirtschaftslexikon: Kompradorenbourgeoisie – In der Wirtschaftssoziologie: Bourgeoisie in kolonialen und neokolonialen Ländern, die ihre Geschäfte in ökonomisch-politischer Unterordnung unter ausländisches Kapital führt und nicht zur Kapitalakkumulation „aus eigener Kraft“ fähig ist.

        http://www.wirtschaftslexikon.co/d/kompradorenbourgeoisie/kompradorenbourgeoisie.htm

      2. Clearly

        Bei den afghanischen Wahlen 2014 wurde auch so massiv betrogen, wenn nicht noch mehr. Trotzdem brauchte Abdullah Abdullah natürlich breite Zustimmung in der Bevölkerung, um überhaupt soweit zu kommen, dass sein Gegenkandidat so massiv betrügen musste, dass es unübersehbar war. Ich erinnere mich noch gut, wie der Iran – zähneknirschend – akzeptiert hat, dass der von Iran unterstützte Kandidat Abdullah Abdullah für die Fortsetzung der US-Besatzung geworben hat, einfach weil die Position, dass die US-Truppen abziehen müssen, zu wenig Unterstützung in der afghanischen Bevölkerung hatte. Die USA waren 2014 übrigens durchaus gewillt, aus Afghanistan abzuziehen, wenn sich bei den afghanischen Wahlen ein Kandidat durchsetzen würde, der auch den Abzug will.

        Die ganze Wahl 2014 war fast ein bisschen wie ein Referendum über den Abzug. Dass dabei massiv betrogen wurde, änderte nichts daran, dass da sehr klar wurde, dass die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung gegen den Abzug war – und das, obwohl ein großer Teil der afghanischen Bevölkerung dem iranischen Argument zustimmte, dass die US-Truppenpräsenz der Sicherheit und dem Frieden in Afghanistan nicht sonderlich zuträglich sei. Wirtschaftliche Erwartungen gaben da den Ausschlag: die Besatzer bringen Geld ins Land. Die korrupte afghanische Elite klaut davon zwar einiges und schafft es gleich ins Ausland, aber einiges sickert eben doch an die afghanische Bevölkerung durch. Ohne die Besatzer hatte die Mehrheit der Leute Angst, wieder in wirtschaftliche Verhältnisse abzurutschen, wie es unter den Taliban aka islamischem Emirat Afghanistan war: nämlich in wirklich brachiale Armut. So sah die wirklich ziemlich feste Mehrheitsmeinung der afghanischen Bevölkerung aus, auch wenn das von Deutschland aus schwer vorstellbar scheint.

      3. Ich muss schon sagen, ich bin etwas verblüfft über soviel Blauäugigkeit, aus den Positionen der Präsidentschaftskandidaten viel über die Meinung in der Bevölkerung herauslesen zu wollen. Selbstverständlich kommen nur solche Präsidentschaftskandidaten zur Abstimmung, welche US-amerikanischen Anordnungen hörig sind.

        Außerhalb eines begrenzten Kreises urbaner Okkupationsgewinnler würde ich Sympathien für das US-Besatzungsregime stark bezweifeln. Dass es trotz minimaler externer Unterstützung für den afghanischen Widerstand die USA es nicht schaffen, diesen zu besiegen ist ein klares Indiz für die Unbeliebtheit ihrer Herrschaft. Ich würde nicht ausschließen, dass das unmittelbar nach der Invasion anders war; aber die extreme Brutalität, mit welcher US-amerikanische Besatzungstruppen typischerweise vorgehen, hat das schnell geändert, hier ein Beispiel:

        http://www.moonofalabama.org/2018/01/afghanistan-us-special-forces-commit-drive-by-murder-video.html

      4. Menschmaschine

        Nein, ich glaube nicht, dass ich blauäugig bin, was Afghanistan angeht. Ich habe mir Afghanistan eine ganze Weile ziemlich genau angeschaut. Die Wahlen 2014 sahen mir aus wie ein Versuch der USA, so ziemlich alle Seiten und Parteien zur Teilnahme zu bewegen, damit die nächste Regierung möglichst gut legitimiert ist.

        Und es wurde soweit ich weiß auch praktisch jeder als Kandidat zugelassen, der sich als Kandidat eingeschrieben hat. Neben Ashraf Ghani und Qayum Karzai waren darunter der von Iran befürwortete und unterstützte Kandidat Abdullah Abdullah, Osama Bin Ladens Gastgeber Abdul Rasul Sayyaf, der zum Entsetzen der USA Kandahar gewonnen hat, und der alte Weggefährte des von den USA als Taliban-naher Terrorist gesuchten Ex-Regierungschefs Gulbuddin Hekmatyar, Qutbuddin Hilal. Kurzum, vom Iran-nahen Kandidaten über Taliban-nahe und einen Al-Kaida-nahen Kandidaten stand da so ziemlich alles auf dem Wahlzettel, was normalerweise in den USA Panik auslöst. Ich glaube nicht mal, dass die USA die Wahl dann manipuliert haben. Grobe Wahlfälschungen bekommen Afghanen auch ganz allein hin.

        Die offen erkennbare Wahlfälschung mit der zugehörigen Aussicht auf ein neues offenes Aufflammen des Krieges zwischen paschtunischen Stämmen und der Ex-Nordallianz scheint vielmehr der größte Alptraum der USA da gewesen zu sein. Obamas Ziel war eigentlich aus Afghanistan rauszugehen, und da wäre eine möglichst gut legitimierte Regierung hilfreich gewesen. Anders ist es kaum zu erklären, dass US-Außenminister John Kerry nach der Wahl großen Druck auf den zusammengefälschten Wahlsieger Ashraf Ghani ausgeübt hat, den von Iran unterstützten Kandidaten Abdullah Abdullah als gleichberechtigten CEO neben sich zu akzeptieren.

        Afghanistan ist längst ein Platz, wo das US-Empire nichts mehr gewinnen kann und trotzdem fortlaufend blutet. Über Muamar Gaddafi hörte ich mal, dass er die US-Invasion als großen Fehler gesehen hat, und meinte, man müsste nun bloß dafür sorgen, dass in der entlegendsten Ecke von Afghanistan stets eine Flagge von Al Kaida steht, und dann würden die USA in dem ungastlichen Flecken Erde vor Wut über die Insubordination so lange so intensiv wüten, bis von ihrem Empire nichts mehr übrig ist, genau wie es allen Empires vor den USA gegangen ist, die probiert haben, dieses Land unter Kontrolle zu bekommen. Ich glaube, dieser strategische Gedanken ist heutzutage wieder hochaktuell. US-Präsidenten von Obama bis Trump erkennen das auch, aber wirklich aus Afghanistan abzuziehen ist politisch einfacher gesagt als getan.

      5. Tut mir leid, dass da dieses riesen NYT-Logo eingefügt wurde, von mir aus sollte es lediglich der Link sein. Nun zum Inhalt und natürlich alles vor dem Hintergrund, dass es bis 1978 in Afghanistan sehr wohl bedeutenden sozialen Fortschritt gab, der sich nicht zuletzt darin ausdrückte, dass die Mehrzahl der Studierenden an Afghanistans Universitäten weiblich war und der Aufbau eines demokratisch selbstverwalteten Sozialwesens, die rigiden Stammestraditionen zunehmend überflüssig zu machen begann, was Washington mit seinem CIA-Geheimkrieg Hundearttausender, später offen als „von Osama bin Laden angeführte Freiheitskämpfer“ oder „Gotteskrieger“ verbrämter einmarschierter Terrorsöldner, die überwiegend aus dem Saudi-besetzten Arabien und dem Osten Libyens kamen, schon viele Monate vor dem viel zu späten Eingreifen der UdSSR aufgrund bestehender Beistandsverpflichtungen, alles zunichte zu machen angefangen hatte.

        Es mag sein, dass manches von Deutschland aus schwer vorstellbar ist, dagegen beziehe ich mich lieber auf Berichte von Personen, die Jahrzehnte im Land und mit den Menschen dort gelebt haben, den Aussagen zu entnehmen, mit Paschtu und Farsi-Persisch, beide in Afghanistan verbreitete Sprachen kennen und bereits 2010 sogar auf Nato-Medien sprechen durften.

        Dort heißt es, dass diese vom PB sowie von mir erwähnten, von der Besatzung profitierenden Kreise durchaus existieren, die gegen einen Truppenabzug sind, weil die Besatzer ihnen Geld ins Land bringen, es nichtsdestotrotz jedoch schon vor acht Jahren so war, dass „drei Viertel der afghanischen Bevölkerung insgesamt möchten, dass die Ausländer sofort abziehen, weil sie Besatzer sind“.

        Tobias Armbrüster, Deutschlandfunk, Interview von 2010 mit Reinhard Erös, den Angaben zufolge „Arzt, Gründer der Kinderhilfe Afghanistan und seit Jahrzehnten bestens mit den politischen Entscheidungsprozessen in Afghanistan vertraut“. Anschließend einige Auszüge, auch zum Thema der sich durch den Abzug der Besatzer möglicherweise verschlechternden Sicherheitslage:

        Armbrüster: Das heißt, die USA und ihre Verbündeten sorgen eigentlich gar nicht so sehr für Sicherheit, sondern eher dafür, dass das Geld ins Land fließt?

        Erös: Die sorgen für Unsicherheit. Das sage ich als jemand, der 35 Jahre Offizier der Bundeswehr war. Ich arbeite nun nicht im Bundeswehrgebiet in Afghanistan, da mag es vielleicht ein bisschen anders sein, das kann ich nicht so beurteilen. Es sind auch kaum Paschtunen im Norden, die kritische Masse in Afghanistan sind die Paschtunen, alle Taliban sind Paschtunen, die Masse der Aufständischen sind Paschtunen. Ich arbeite im Paschtunen-Gebiet Südostafghanistans, wo nur Amerikaner sind, und dort gelten bei praktisch allen, mit denen ich spreche, vom Dorfbürgermeister oder vom einfachen Bauern rauf bis zum, ich sage es mal so, Distrikt-, bis zum Regierungspräsidenten, würde man in Deutschland sagen, dort gelten die Ausländer gleich die Amerikaner als Besatzer, die raus müssen. Und die Umfragen erst der letzten Monate in Afghanistan, übrigens eine davon durch die Konrad-Adenauer-Stiftung – die ist ja nicht berühmt dafür, dass sie islamistische Thesen vertritt -, die Umfragen sagen deutlich, drei Viertel der afghanischen Bevölkerung insgesamt möchten, dass die Ausländer sofort abziehen, weil sie Besatzer sind. Und das gilt bei den Paschtunen-Stämmen im Süden des Landes, noch einmal, die die Hälfte der Bevölkerung repräsentieren, die fast alle Aufständischen, vor allen Dingen die Taliban repräsentieren, ich würde sagen, bei über 90 Prozent. Das heißt, ohne den Abzug, physisch erkennbar, optisch erkennbar, der amerikanischen Truppen in Afghanistan, wird es in Afghanistan keinen Frieden geben.

        Armbrüster: Das heißt, Sie sagen, wenn wir die Truppen jetzt möglichst bald abziehen aus Afghanistan, dann würden wir eigentlich keine nachlassende Sicherheit im Land erleben, dann würde das Land auch nicht zusammenbrechen, eigentlich würde sich überhaupt nichts bemerkbar machen bei der öffentlichen Sicherheit?

        Erös: Es kann ja in Sachen öffentliche Sicherheit gar nicht schlimmer kommen, als es jetzt ist. Ich sage das mal. Wenn Sie sich die Kurven anschauen, …

        Armbrüster: Aber viele Politiker gerade hier in Deutschland sagen doch immer, wir haben gerade in den letzten zwei, drei Jahren auch durch unsere veränderte Strategie dort sehr viel erreicht.

        Erös: Ja nun, wir hatten im Jahr 2010, wenn wir mal das komplette letzte Jahr uns anschauen, 30 Prozent mehr tote NATO-Soldaten als im Jahr 2009, hatten wir 60 Prozent mehr NATO-Tote als im Jahr 2008. Bei der Zivilbevölkerung haben wir noch nie so viele Tote gehabt wie in diesem Jahr. Wir hatten letztes Jahr 346 bei Anschlägen ums Leben gekommene afghanische Kinder, 346, davon 200 durch die NATO. Also wie wollen sie das noch steigern? – Und auch die soziale, die humanitäre Situation im Land – da rede ich jetzt nicht von den 10, 15 Prozent der Privilegierten, vor allen Dingen in Kabul, sondern von der normalen Bevölkerung, den Bauern, den Bergbauern, den Nomaden und so weiter -, die soziale und humanitäre Situation für diese Bevölkerung, für die 80 Prozent, hat sich seit 2002 nicht verbessert. Der letzte Bericht von UNDP, United Nations Development Program, als einer, wenn Sie so wollen, objektiven Behörde, sagt eindeutig aus, dass sich etwa im Bereich der Krankenversorgung, im Bereich der Trinkwasserversorgung, im Bereich auch der schulischen Ausbildung die Situation in den letzten fünf, sechs Jahren ins Negative hin stabilisiert beziehungsweise ins Negative hin gesenkt hat. Also es ist nicht besser geworden, dadurch, dass wir die Anzahl der Truppen in den letzten vier, fünf Jahren in Afghanistan verdoppelt haben.

        Weiter auf:
        http://www.deutschlandfunk.de/eroes-drei-viertel-der-afghanen-fordern-einen-sofortigen.694.de.html?dram:article_id=70828

      6. clearly

        Mir ist bekannt, was die USA und ihre Komplizen in Afghanistan verbrochen haben. Hier zum Beispiel ist ein sehr deutliches Eingeständnis dessen:

        https://www.washingtonpost.com/archive/politics/2002/03/23/from-us-the-abcs-of-jihad/d079075a-3ed3-4030-9a96-0d48f6355e54/

        Aber auch nach dem Ende des kalten Krieges, in den 90ern ging der Krieg schrecklich weiter, diesmal als pakistanisch-saudischer Proxykrieg gegen die Nordallianz. Und auch die US-geführte Besatzung hat die Schrecken nicht beendet, sondern immer nur verschlimmert, je mehr US-Soldaten zur Besatzung Afghanistans ausgerückt sind. 2010 habe ich wie viele andere auch gedacht, der US-Abzug würde das Kriegsproblem in Afghanistan lösen und dass wäre genau das, was die Bevölkerung da mehrheitlich will.

        Aber bei der Präsidentschaftswahl 2014 ist mir aufgefallen, dass das so nicht stimmt. Möglicherweise ist das vielen Afghanen bei den Debatten zur Wahl, wo der Abzug ja quasi auf dem Tisch zur Abstimmung durch die afghanische Bevölkerung lag, auch erst da aufgefallen.

        Und möglicherweise war die afghanische Bevölkerung auch gar nicht so dumm in ihrer Meinung, selbst vom Sicherheitsstandpunkt aus gesehen. Was heute probiert wird, ist Pakistan fest ins Boot der SCO zu holen. Insbesondere China bemüht sich dabei darum, seine guten Beziehungen dazu zu nutzen, Pakistan gegenüber Afghanistan zu einem Verhalten zu bringen, dass dort Frieden ermöglicht. Ziel scheint es zu sein, Pakistan dazu zu bewegen, die Taliban zu einem Friedensschluss mit Kabul zu bringen. Die Taliban fordern das Ende der US-Besatzung und noch einiges mehr. Darauf basierend könnte – mit etwas Nachhilfe oder -druck – eine Einigung zwischen Taliban und Kabul, Paschtunen und Nordallianz sowie Pakistan und Afghanistan zustande gebracht werden.

        Gelingt das, könnte das Ergebnis am Ende durchaus besser für alle sein, als wie wenn die USA bereits 2014 abgezogen werden. Dass Trump US-Druck auf Pakistan versprochen hat, könnte bei diesen Bemühungen durchaus hilfreich sein. So dürfte sich auch das grüne Licht Russlands für eine neue US-Nachschubroute durch Kasachstan erklären.

  5. Ich sehe es ehr so, dass die USA es in Afghanistan nicht zulassen können, das dort Frieden einkehrt. Denn das ist die Vorraussetzung, das die chin./russischen Pläne für eine ökon. Integration Eurasiens hinreichend gestört und verzögert werden um dem Westen noch ein paar Jahre „verlängerte Restlaufzeit“ zu gewähren. Das Bluten in Afghanistan ist der Preis, den sie einkalkuliert haben, um die Gegenseite strategisch auszubremsen, einen echten Sieg haben die mMn nie angestrebt. Die bislang einzigen Routen des OBOR Projektes, die als politisch und militärisch gesichert gelten können sind die nördlichen/russischen. Und natürlich haben Ch/Ru ein grösseres Interesse an einer Befriedung Afghanistans als daran dort „den Westen bluten zu lassen“. Aber sie sind sich darüber im klaren, das nur ein echter Totalrückzug des Westens ihnen die nötige Handlungsfreiheit dort verschafft, und sagen sich folgerichtig, dass, solange dieser nicht erfolgt, der Westen dort bluten soll solange er mag- und die Verantwortung +Kosten nicht abwälzen kann.

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