Syrische Armee nimmt sechs Dörfer im Südosten von Hama ein

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA am heutigen Ostermontag berichtete, hat die syrische Armee heute im Nordosten der Rastan-Tasche sechs Dörfer kampflos eingenommen, nachdem Einwohner zuvor die Terroristen aus ihren Dörfern vertrieben und die syrische Armee um Hilfe dabei gebeten haben, einen erneuten Einfall von Terroristen in ihre Dörfer zu verhindern.

Auf einer Karte vom Militärmedienzentrum sieht der Fortschritt wie folgt aus:

Aus Douma bei Damaskus wurde heute unterdessen berichtet, dass die gestern begonnene Evakuierung von Terroristen und ihren Angehörigen von dort heute fortgsetzt wurde.

Nachdem die Evakuierung von bei der Teilung der Ost-Ghouta-Tasche in Douma gestrandeten Terroristen in Richtung Idlib abgeschlossen wurde, wurde heute mit der Evakuierung von Terroristen der sogenannten Islam-Armee in Richtung Jarabulus in der von der Türkei kontrollierten Al-Bab-Tasche im Norden von Aleppo begonnen. Letzter Stand am Abend war, dass heute 20 Busse mit 1065 Personen an Bord Douma in Richtung Jarabulus verlassen haben.

Sollte das Tempo der Evakuierung so bleiben, dürfte es rund einen Monat dauern, bis auch Douma endlich genauso terrorfrei ist wie Harasta, Arbin, Jobar, Zamalka und Ain Tarma es nun sind, und dann auch da der Wiederaufbau beginnen kann.

Spannend könnte auch noch die Frage werden, wozu die Türkei die nach Jarabulus evakuierten Terroristen der Islam-Armee künftig einsetzen wird. Die meisten Kommentatoren scheinen im Moment davon auszugehen, dass die Türkei die Terroristen der Islam-Armee in ihr Jihadi-Bündnis JTS integriert und sie dann in Idlib gegen das von Al Kaida geführte HTS-Bündnis kämpfen laässt. Das ist möglich, aber problematisch, weil die Terroristen der Islam-Armee mit wesentlichen Teilen des JTS-Bündnisses total zerstritten sind.

Eine andere Möglichkeit der Weiterverwendung der Terroristen der Islam-Armee wäre es, sie zur von der Türkei schon mehrfach angekündigten Erstürmung der nur 30 Kilometer südlich von Jarabulus gelegenen Ortschaft Manbij, wo gegenwärtig die von US-Besatzungstruppen unterstützte separatistische Kurdenmiliz YPG herrscht, zu nutzen.

Aus dem 90 Kilometer südöstlich von Jarabulus in der Provinz Raqqa gelegenen Ort Ain Issa wurde heute derweil berichtet, dass eine neugegründete regierungsfreundliche Miliz namens „Syrischer Volkswiderstand“ die dortige Basis der US-Besatzungstruppen mit Mörsern beschossen hat.

Nachtrag Dienstag 00:05h: Muraselon hat gerade erklärt, die USA hätten nördlich von Manbij eine neue Besatzerbasis eingerichtet und dazu auf folgendes Video hingewiesen:

Sollte das stimmen, könnte das darauf hindeuten, dass das US-Militär genau wie das Parteibuch vermutet, dass die Türkei die nach Jarabulus evakuierten Terroristen der Islam-Armee nutzen könnte, um Manbij von Norden aus anzugreifen.

17 Gedanken zu “Syrische Armee nimmt sechs Dörfer im Südosten von Hama ein

  1. Es ist erste mal, dass paar Dörfer ohne militärische Druck Seite wechseln. Es ist enorme Schritt in Richtige Richtung. Angeblich gibts auch in Ost Qalamoun Verhandlungen mit Islamisten. Ich rechne, dass Idlib und Ost Seite von Euphrat sind jetzt keine Thema für SAA. Ich sehe nur Daraa für nächste Ziel. Yarmouk Kamp ist zu klein für alle diese Einheiten und Verhandlungen mit anderen Jihadisten ausser IS sind in Gängen.

    1. Vor Daraa wird ganze Damaskus Provinz befreit (sehr vernünftig!). Alle Zonen kriegten Aufgabe / Bus Angebot (auch Grüne z.b. Dumayr oder Babbila – das Gebiet neben Daesh-Kessel Qadam/Yarmok, der sicher dran ist). Macht all in geschätzt 55-80k Truppen frei.

  2. Läuft. Stellt sich mir nur die Frage: Was wird nach der Rastan-Tasche befreit? Im südwesten alles inklusive Golan? Oder erst Al-Tanf? Verstärkter Partisanenkampf in Ost-Syrien? Ich bin gespannt.

  3. Angeblich hat Trump Putin nach Washington eingeladen. Ich glaube er war zum letzten mal dort als George W.Bush Präsident war übrigens der der das ABS Abkommen einseitig kündigte und den Grundstein für die heutige aggresive Politik legte.

    1. In der ganzen Weltpolitik macht mir da eine Randnotiz etwas Sorgen:
      https://de.sputniknews.com/politik/20180403320168765-russische-marine-gegen-ukrainischen-grenzschutz/
      Vor ein paar Tagen hat der ukrainische Grenzschutz das Fischfang-Boot Nord im Asowschen Meer aufgebracht. So wie es aussieht in internationalen Gewässern. Angeblich macht die Ukraine den Fischern den Vorwurf von der falschen Seite auf die Krim eingereist zu sein. Das ist nach Ukrainischen Recht eine Straftat.
      Nach russischen Recht haben sie nichts angestellt und ob Russland es sich leisten kann, seine Landsleute so einer „Piraterie“ aus zu setzen, sollte man eher verneinen.
      Irgendwie steckt da doch etwas Sprengkraft in der Aktion. Erst mal droht Russland…

      1. Sehr oft kommen solche Scharmützel. Oft wird auch nichts grosses daraus. Mal abwarten.

  4. Die Busse mit den ersten Jesh al Islam-Kämpfern und ihren Familien in Richtung Jerablus:

  5. OT….habe gerade einen Arttikel gefunden zur sogenannten „Skripal-Affäire“….https://www.heise.de/tp/features/Parallelen-zwischen-Salisbury-und-dem-deutschen-Plutonium-Skandal-1994-4009728.html….; hier wird unter anderem Bezug genommen auf einen Artikel beim Spiegel, damals noch aufklärerisch……PANIK MADE IN PULLACH
    Mit einer spektakulären Operation schockten die deutschen Sicherheitsbehörden im letzten August die Welt: Sie verhafteten in München drei Gauner, die russisches Plutonium verkaufen wollten – den Stoff, aus dem die Atombombe ist. Doch die Aktion „Hades“ war in Wahrheit ein großangelegter Schwindel, Moskau unter Druck zu setzen – inszeniert vom Bundesnachrichtendienst in Pullach…..hier der ganze Artikel…http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9181696.html

  6. Auch in der Ghouta gab es in einigen Orten Druck von Zivilisten auf die Milizen, doch endlich aufzuhören mit dem Kampf.

    Das ist natürlich die beste Lösung.

    Wer sind diese Menschen?

    Warum bleibt man in einem Gebiet, in dem Dschihadistenmilizen die Macht übernehmen?
    (Die Frage könnte man ja auch ausweiten auf Machtübernahmen anderer radikaler Gruppen, deren Überzeugung man nicht teilt.)

    Die meisten Menschen sind eher unpolitisch (also keine „Aktivisten“, gleich in welche Richtung), hängen an ihrer Heimat, haben ihr Haus/ihre Wohnung und ihre Arbeit an einem Ort.

    Wer nun nicht direkt wegen „falscher „Religion mit dem Tode bedroht ist, kann theoretisch dort bleiben und abwarten und versuchen, sein Leben weiter zu führen.

    Allerdings zeigen die Zahlen, dass doch nur wenige dort verblieben sind.
    In Aleppo war das nach dem Abtransport der ganzen Industrie folgerichtig, aber selbst in der Ghuta waren offenbar die meisten der früheren Einwohner weg; im Vergleich zu anderen Situationen gibt es auch relativ nahe liegende Fluchtorte, um dem örtlichen Terror der meist auch kriminellen Banden und dem installierten System zu entkommen.

    Trotzdem ist offenbar nicht jeder in den „Rebellengebieten“ ein fanatischer Islamist; man hatte sich mit den Dschihadisten offenbar arrangiert und wohl auch zumindest partiell deren Ideologie geteilt (ich unterhielt mich einige Stunden mit einem Arzt im Ruhrgebiet, der aus Libyen stammt, und als sehr vernünftiger Mensch rüberkam; aber er unterstützte die Scharia als Gesetzgebung, wer weiß, dass er eine Hand verliert, wird schon nicht klauen), aber letztlich sich doch distanziert.

    Wobei natürlich auch Opportunismus eine Rolle spielen kann; wer kennt nicht die Geschichten vom Bürgermeister etc., der mit den Nazis gut klar kam, um dann rechtzeitig auf „Demokrat“ umzuflaggen.

    Egal; für eine Nachkriegslösung braucht es Versöhnung.

    Auch die Akzeptanz von Differenzen; der Kampf in Terrormilizen gehört allerdings nicht zur tolerierbaren Meinungsvielfalt.

    Letztlich auch eine ökonomische Herkulesaufgabe: wie sind die gewaltigen Zuwächse der Bevölkerung so aufzufangen, dass es für möglichst alle jungen Menschen Perspektiven in einer Gesellschaft mit auch materiellem Wohlstand gibt.

  7. wäre nicht überrascht, wenn jetzt der Domino-Effekt in der Rastantasche
    einsetzt. Heute wieder 2 Orte übergeben.
    Außerdem bitten jetzt die ISIS-Leute im Yarmouk-Camp um freie Überfahrt, die aber
    von der SAA erstmal abgelehnt wurde.
    Weiter so, kann man da nur sagen.

  8. ***
    Ivan Sidorenko @IvanSidorenko1 2 Std.Vor 2 Stunden

    #Syria #Damascus
    The Yarmouk camp liberation from ISIS will be after the opposition factions leave Al-Reija square, Yalda, Bebla & Beit Sahem. Palestinian Groups will participate in the liberation, with Liwa Al Quds on their vanguard and assistance by the Russian air force.
    ***

    Es sollen schon sehr viele Kämpfer von Liwa Al Quds vor Ort sein; es dürfte sinnvoll sein zu warten, bis es eine endgültige Lösung in Douma gibt.

    Der Kampf um die östliche Ghouta war in den ersten Tagen sehr verlustreich; glücklicherweise musste er nicht bis Zum Ende in den Innenstädten geführt werden.

    Yarmouk dem IS zu entreißen wird kein Spaziergang; für die gibt es kein „gelobtes Land“, in das die Busse fahren.

    Wieder stellt sich die Frage: wie intensiv mit der Luftwaffe arbeiten?
    In Ghouta gab es noch sehr viele Zivilisten, auch wenn nicht annähernd die 400.000, wie sieht es nin Yarmouk aus?

    Im Gebiet um Rastan wird man jetzt wohl eher die Diplomatie verstärken; immer bereit, das Problem auch militärisch zu lösen.
    Das dürfte auch für Qalamoun und Dumayr gelten.

    Dann bleiben noch zwei Deeskalationszonen (Idlib schon verkleinert, der Rest mit türkischen Posten durchsetzt), Afrin, „Euphrat Shield“, At Tanf, ISIS-Taschen, und der ganz große gelbe Brocken.

    Viel zu tun, aber erst mal bis dahin kommen.

    Logisch wäre dann Daraa dran.
    Szenario: Vereinbarung mit Jordanien über den Grenzübergang an der M5, Truppenbewegungen, wenn die „Rebellen“ nicht einverstanden sind, werden sie bekämpft.
    Eine quasi offizielle Präsenz von Jordanien wäre denkbar; aber im Gegensatz zur Türkei in Idlib braucht man das wohl eher nicht, denke ich.

    Damit wäre alles östlich davon nur noch in der Lage, schnell Vereinbarungen abzuschließen; ein weiterer Schritt zur Entgrünung der Karte, ein kleiner Fingerzeig in Richtung Israel, ohne gleich mit der direkten Konfrontation anzufangen.

  9. Also mal kurz Lechts/Rinks beiseite.
    Wieso ich gerne hier lese ist Syrien!

    Diese recht genaue Karte zeigt alle offenen Arbeitsfelder die Syrien noch beackern muss:

    Die SAA scheint nicht die Kraft zu haben alle grünen Flächen, durch Verhandlung oder Armee gleichzeitig unter Regierungskontrolle zu bringen.
    Also das kann bei allen Fortschritten noch eine Weile dauern!
    Ganz zu schweigen von den Gebieten östlich des Euphrats.
    Da wird wohl noch viel Wasser den Euphrat hinunter fliessen bis alles geregelt ist und auch den Feinden Syriens mächtig Zeit geben dunkle Pläne zu schmieden.
    Quelle:

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