Syrische Armee nimmt Südosten der Ost-Ghouta-Tasche ein

Tigereinheiten der syrischen Armee haben am heutigen Samstag den kompletten Südosten der noch von Terroristen beherrschten Tasche in Ost-Ghouta einschließlich der Ortschaften al-Nashabiyah, Hawsh al Faddaliyah, Hawsh al-Khanim, Awtaya, Hazrama, Hawsh al-Salihiyah und Hawsh al-Zariqiyah eingenommen.

Außerdem hat die syrische Armee im Osten der Tasche erhebliche Teile der Ortschaft Shifonia eingenommen, die Straße zwischen Shifonia und Duma gekappt und im Nordosten der Tasche nördliche und nordöstliche Ausläufer der Ortschaft Rayhan eingenommen. Durch die Erfolge der Armee im Südosten, Osten und Nordosten der Tasche wurde insbesondere die bewaffnete Gruppe Islam-Armee, die als größte und stärkste der verschiedenen in Ost-Ghouta aktiven Gruppen gilt, deutlich geschwächt. Die mit der Islam-Armee konkurrierende bewaffnete Gruppe Failaq Al Rahman hat im Laufe des Tages die Positionen der Islam-Armee im Süden der Ost-Ghouta-Tasche übernommen.

Während die heutige Offensive der Armee in Ost-Ghouta noch nicht beendet ist, mag man sich gegenwärtig die Lage grob wie auf folgender Karte dargestellt vorstellen:

Die berüchtigte von Saudi Arabien unterstützte Miliz Islam-Armee scheint mit den heutigen Erfolgen der Armee schon fast auf ihre ursprüngliche Hochburg Duma limitiert zu sein. Der Vollständigkeit halber sei zu Ost-Ghouta noch erwähnt, dass die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtet, dass die Terroristen da auch heute wieder den von neun Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags ausgerufenen Waffenstillstand durch Artielleriefeuer gebrochen und keine Zivilisten aus der Kampfzone rausgelassen haben.

Aus dem nordwestsyrischen Bezirk Afrin wurde am heutigen Smastag berichtet, dass die türkische Armee und ihre auf FSA geflaggten Jihadi-Söldner dort heute die größere Ortschaft Rajo sowie eine Anzahl kleinerer Dörfer aus der Hand kurdischer YPG-Milizen eingenommen haben. SANA berichtet, dass bei der türkischen Aggression gegen den syrischen Afrin-Bezirk in den letzten Stunden acht Zivilisten getötet und 16 weitere verletzt worden seien. Außerdem gab es Berichte, dass die türkische Luftwaffe auf die Basis Kafr Jannah über ein Dutzend regierungstreue syrische Unterstützungskräfte der YPG getötet hat.

Aus der Idlib-Tasche wurde am heutigen Samstag gemeldet, dass das von der Türkei unterstützte Jihadisten-Bündnis JTS eine Anzahl von Orten erobert hat, das mit JTS rivalisierende von der Terrorgruppe Al Kaida geführte Bündnis HTS jedoch auch einen Ort eingenommen hat. Die Lage in der Idlib-Tasche bleibt also äußerst unübersichtlich.

Nachtrag Sonntag 00:15h: Muraselon berichten, dass die syrische Armee von Osten her zwischenzeitlich bis auf etwa einen Kilometer an Misraba und Beit Sawa rangekommen ist. Die zughörige Karte von Muraselon sieht wie folgt aus:

Damit scheint die Armee also das Zentrum der Tasche Ost-Ghouta eingenommen zu haben. Die Terroristen kämpfen damit nun praktisch in Wurstformation ohne jede strategische Tiefe. Die syrische Armee kann sich damit aussuchen, wie sie die Wurst zerschneidet und einnimmt.

Nachtrag Sonntag 00:40h: Der erste Teil der Terroristenwurst in Ost-Ghouta, die die syrischen Armee eingenommen hat, soll Beit Nayem gewesen zu sein. Es gerüchtet gerade, dass nach der Einnahme von Ost-Ghouta Nordwest-Hama eingenommen werden soll. Ost-Ghouta ist ja mit den Fortschritten heute ohnehin auch schon so gut wie fertig.

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32 Gedanken zu “Syrische Armee nimmt Südosten der Ost-Ghouta-Tasche ein

  1. Das aleppinische Schauspiel nimmt seinen Lauf. Ist die erste Front erst einmal überwunden, kommt … nunja… nichts mehr.

    Gut, ganz so positiv ist es sicherlich nicht; dennoch zeigen sich auch hier die fehlenden Strukturen der Terroristen in der Tiefe. Hoffen wir, dass die SAA mit den Tigern voran weiterhin möglichst schnell Boden gutmachen kann.

  2. Ich bin wirklich beeindruckt was die Tigers in nur 1 Woche geschafft habenm die scheinen das richtige Mittel gefunden zu haben. Sie rollen die Front von der anderen Seite auf, die wohl nicht so stark befestigt zu schein seit. ich denke deren Ausrüstung ist auch besser als die der anderen SAA Abteilungen, die starke Luftunterstützung darf man auch nicht vergessen.

    So kann es weitergehen.
    Viel Glück den tapferen Helden der SAA.

  3. die Nachrichten aus Ost Gouta sind gut, Stück für Stück geht es vorwärts,
    besser kann es kaum sein.

    Was in Afrin passiert, verstehe ich überhaupt nicht.
    Wie lange soll es denn dauern, bis die YPG einsieht, wo ihre Freunde sind.
    Spätestens jetzt nach dem Fall der ersten Stadt sollten sie das,
    was von Afrin noch übrig ist, an die syrische Regierung übergeben,
    sonst ist bald nichts mehr da, was noch übergeben werden kann.

    Warum gibt es keine seperate Vereinbarung für Afrin ohne Verknüpfung
    mit Nord-Ost Syrien.

    1. ulrich

      Ich kann dir nicht sagen, warum es noch keine Vereinbarung gibt. Möglicherweise nehmen die kurdischen Kräfte der angeblichen lokalen Selbstverwaltung in Afrin Befehle von außerhalb entgegen, etwa vom SDF-Kommendo in Ostsyrien, aus den Kandil-Bergen oder aus Washington oder Tel-Aviv. Von diesen Seiten könnte es Befehle geben, zu kämpfen bis zum totalen Untergang von Afrin, um so die Türkei und ihre Lakaien entscheidend auszubluten und zu schwächen, bevor sie sich die US/SDF-Allianz in Ostsyrien vornehmen.

      1. „Möglicherweise nehmen die kurdischen Kräfte der angeblichen lokalen Selbstverwaltung in Afrin Befehle von außerhalb entgegen, etwa vom SDF-Kommendo in Ostsyrien, aus den Kandil-Bergen oder aus Washington oder Tel-Aviv. Von diesen Seiten könnte es Befehle geben, zu kämpfen bis zum totalen Untergang von Afrin, um so die Türkei und ihre Lakaien entscheidend auszubluten und zu schwächen, bevor sie sich die US/SDF-Allianz in Ostsyrien vornehmen.“

        Wenn es so ist hat das in meinen Augen einen großen Vorteil. Die Türkei wird dadurch regelrecht aus der NATO rausgedrückt.

      2. Wenn man die türkischen Kräfte nicht direkt schlagen kann, läuft es wohl auf einen Abnutzungskrieg hinaus.

  4. Ich lese aber genau das Gegenteil. Nicht US-Allianz bzw. SDF in Ostsyrien ist das Problem, sondern Putin! Er habe eine Vereinbarung zwischen den Kurden und Assad verhindert. Was jetzt wahr ist und was nicht, lässt sich natürlich schwer beurteilen. Aber objektiv betrachtet stellt es m.E. nunmal so dar, dass Erdogan ohne seine massive Untersützung aus der Luft rein gar nichts ausrichten könnte in Afrin. Die Amerikan wissen sogar sehr wohl, dass SDF-Kräfte nach Afrin gehen um gegen den NATO-Partner Türkeit zu kämpfen.

    Ich bleibe dabei, verraten wurden die Kurden von Putin! Nur er wäre in der Lage Erdogan Einhalt zu gebieten, tut es aber nicht. In Afrin haben Amerikaner nichts zu sagen. Putin hat das Feld für Erdogan überlassen – letztendlich zu seinem und Assads Nachteil.

    1. Sorry.
      Die Kurden wurden und werden nicht von Russland verraten sondern von den USA. Die USA haben bisher alle Verhandlungslösungen zwischen den Kurden und der syrischen Regierung verhindert.

    2. lauterbach

      „Ich lese aber genau das Gegenteil. Nicht US-Allianz bzw. SDF in Ostsyrien ist das Problem, sondern Putin!“

      Ich glaube, du solltest weniger Stuss lesen.

      „Ich bleibe dabei, verraten wurden die Kurden von Putin!“

      Verraten kann man nur jemanden, mit dem man sich im Bündnis befindet. Die YPG befindet sich jedoch nicht im Bündnis mit Russland, sondern im Bündnis mit den USA. Und Russland hat der YPG in Afrin ja durchaus einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage aufgezeigt, nur die YPG in Afrin hat das eben abgelehnt, und stattdessen darauf spekuliert, dass ihr Bündnispartner USA über Afrin eine Flugverbotszone gegen die Türkei verhängen würde. Soviel Dummheit bei der YPG ist schwer zu ertragen, aber sicher ist sie nicht Russlands Schuld.

      1. Völlig richtige Einschätzung. Allerdings fehlt m. E. ein kleiner Teil namens SAA.
        Lt. Berichten sind in der letzten Woche mehr syrische Soldaten im Distrikt Afrin ums Leben gekommen als in Ost-Ghouta.

        Nun kann man sicherlich darüber streiten, wer wo was verhindern hätte können. Meiner persönlichen Meinung nach halten sich die Russen gegenüber der Türkei aber viel zu viel zurück. Da müsste mehr Druck ausgeübt werden – was ausbleibt.

        Leidtragend sind aus meiner Sicht nicht in erster Linie die YPG – die wollten es ja nicht anders. Sondern die vielen zig dutzend sinnlosen Toten auf Seiten der syrischen Armee.

    3. lauterbach sagt:
      am 3. März 2018 um 23:33
      „Ich lese aber genau das Gegenteil. Nicht US-Allianz bzw. SDF in Ostsyrien ist das Problem, sondern Putin! Er habe eine Vereinbarung zwischen den Kurden und Assad verhindert. “

      Dann poste doch den Link welches offizielle Angebot die Kurden gemacht haben, dann kann sich jeder selbst eine Meinung bilden ob die Konditionen annehmbar wären oder nicht.

      Also ich habe von keinem offiziellen kurdischen annehmbaren Angebot gehört sondern nur von Bitten lokaler kurdischer Führer in Afrin.

      1. „dann poste doch den Link…“
        Es gibt eine Videodokumentation davon. Ich habe das kurze Video gesehen, wo der Kurdische Militärführer in Afrin gesagt hat, das er sich nicht der syrischen Armee unterstellen wird, das er es ablehnt und sie „ihr“ kurdisches Gebiet selbst verteidigen werden. Neben ihn waren noch viele andere kurdische Militärs, ca. 30-40 Personen. Ich müsste erst lange suchen den Link zum Video wieder zu finden, suche selbst danach. Den Kurden war vor ihrer Ablehnung auch mitgeteilt worden, das die Türken dann das Gebiet militärisch vereinnahmen werden – wenn sich die Kurden nicht der syrischen Armee unterstellen. Die Kurden sind für ihr Schicksal selbst verantwortlich.

    4. „Ich bleibe dabei, verraten wurden die Kurden von Putin! “

      Wenn die Freunde der Kurden ( meine die EU / Deutschland / USA ) der Türkei Sanktionen androhen würden zB: Kredite sperren und dadurch autom.die Bonität senken, würde morgen über Afrin kein Türke mehr fliegen. Machen sie aber nicht. Da liest man auch kaum was in ihren elit.Medien in Afrin so abgeht. Nix bzw. fast nix. Aber über Ghota die mediale Dauerschleife. Was machen aber die oben genannten Freunde der Kurden wirklich ? Grosse Panzergeschäfte mit der Türkei, den Schlächter der Kurden.

      Ja ja der Putin ist jetzt auch an den „Genozid“ der Kurden schuld. Logisch, weil er nicht paar Türken abschießt bzw paar türk.Flieger vom Himmel holt.

      Übrigens diese Flieger fliegen keinen Meter ohne Einverständnis der Amis. Mach dich mal kundig wie leicht die Amis ihre Flugzeugtypen vom fliegen abhalten können und ohne deut.Waffengeschäfte könnten die Türken maximal mit dem Krumsäbel dort rumwedeln und mehr auch nicht

      1. Es sind nicht nur die amerikanischen Flugzeuge oder Raketen, die nach dem Verkauf nur mit Genehmigung des Pentagon abheben können.
        Die österreichischen Eurofighter auf dem Fliegerhorst Zeltweg sind mit US-Elektronik (Freund-Feind-Erkennung usw.) ausgerüstet und ebendort sitzen Tag und Nacht zwei US-Verbindungsoffiziere für die Freigabe von Codes für Starts dieser Maschinen. Ohne geht rein gar nix!

        So gesehen wird auch verständlich, warum die Amis so angefressen auf mögliche türkische Raketenbestellungen in Russland reagieren – Futterneid und Angst vor Kontrollverlust. Die fehlende Natokompatibilität dieser Dinger ist lediglich eine dumme Ausrede.

        Allerdings ist ebenfalls davon auszugehen, daß auch die Russen diverse Sicherungen in zu exportierende Hochtechnologie einbauen.

      2. @Roman
        „Es sind nicht nur die amerikanischen Flugzeuge oder Raketen, die nach dem Verkauf nur mit Genehmigung des Pentagon abheben können.“

        Ja auch das ist logisch.
        Die EU und Deutschland sind doch auch nur ein Wurmvortsatz von der USA. Was sagten die Russen nach den gescheiterten Donbass Verhandlungen ( 2015 ) zwischen der EU und Russland. Wir verhandeln jetzt lieber gleich mit dem Herrchen des EU Pudels. Hier passiert nix was die dort drüben nicht erlauben. Wenn doch dann gibt es keine Codes für die EU / Deutschland und nur ihre Flieger fliegen. Aber das ist auch nur ein Mittel wie man das Hündchen an der Leine hat

        Zurück zu der Behauptung Putin ist wieder schuld an den Vorgängen in Afrin. Man muss heutzutage nur simple, allseits bekannte Informationen zusammenführen und schon hat man ein Bild von den Tatsachen. Aber manche schaffen selbst das nicht mehr. Ist schon erstaunlich daß solche Leute es früh aus ihrem Bett schaffen und sich nicht auch bei dieser Aufgabe schon verlaufen.

        Die kurd.Führung scheint ein typ. Beispiel dafür zu sein, oder die sind kompl.gekauft
        ( Naivität off )

        Übrigens der Geduldsfaden der Russen scheint momentan arg strapaziert zu sein
        https://www.rt.com/op-ed/420336-us-turkey-syria-afrin/

        nach diesem Artikel würde ich behaupten, lange brauch es nicht mehr bis ein entschiedenes Stoi kommt. Mal sehen ob eine simples türk.Tomaten Boykott das gewünschte Resultat bringen. Ich hoffe es

    5. @Lauterbach…
      Putin der Verhinderer und Verräter….nun nichts gegen ihre Meinung….der Mann der bis jetzt den gesamten Orient regelrecht umgestülpt hat von Israel bis Iran , von Sauarabien bis zu den Emiraten….der hat zu seinem Nachteil etwas Erdogan überlassen???
      Träumen sie ruhig weiter…..

  5. Heute sind zwei Kinder von den Soldaten in der östlichen Ghouta in Empfang genommen worden, deren beide Eltern auf der Flucht ins Regierungsgebiet von den aktivistischen Freiheitskämpfern oder Rebellen demokratisch erschossen wurden. Mit Hilfe der Soldaten konnten sich die Kinder retten, indem sie vorwärts gekrochen sind und dann von den Soldaten in Empfang genommen wurden, sicherlich, um sie mit Giftgas umzubringen, wenn man den Propagandasprüchen des Jihadi Julian Glauben schenken darf, nachdem das allerletzte Krankenhaus in der östlichen Ghouta auch schon mit Fassbomben (siehe Gack) beschossen worden ist.

  6. Hallo,

    ich will mal die ganze Situation um Afrin ohne Emotionen betrachten.
    Berücksichtigen müssen wir dabei das langfristige Ziel der Syrer, Russen und Iraner.
    Das gemeinsame Interessen sind:
    – 1. der Erhalt des Staates Syrien in seinen wesentlichen Teilen
    – 1.1. Russland braucht die Berger und die Küsten als Stützpunkt am Mittelmeer und in Arabien gegen die Nato und als Zugangsweg nach Irak und dem Golf, auch als Alternative zum Kaspischen Meer und Iran, sowie den Suezkanal.
    – 1.2. Dem Iran geht es um den umgekehrten Weg Richtung Mittelmeer und als Frühwarnbasis gegen Israel aber auch Saudi Arabien. Gas- Wasser und sonstige Transportwege und Bodenschätze mal außen vor.

    – 2. Die Beseitigung der dschihadistischen Söldnerarmee.
    Hier sind die Interessen der drei Staaten gleich (und hier liegen auch die Interessen Chinas). Wenn sie nicht in Syrien gnadenlos gestoppt werden bleiben sie in der Werkzeugkiste der USA/Nato/Saudi und werden demnächst in Russland und seiner Verbündeten in Mittelasien und Iran, oder China eingesetzt.

    Parteibuch hat uns das alles breit und in bester Qualität vorgetragen.

    Die Interessen der Türkei unterscheiden sich wesentlich davon.

    Die Interessen der Türken liegt eher im Beute machen. Territorial, wirtschaftlich machtpolitisch.
    Die Handlungen Syriens und Russland scheinen mir den Möglichkeiten geschuldet das man nicht alles auf einmal angehen kann.

    Ost-Ghouta und Homs scheinen vorzugehen. Solange die Taschen bestehen kann in Damaskus keine befriedigende wirtschaftliche Entwicklung angeschoben werden und die Menschen sind nicht unendlich leidensfähig.

    Ein möglicher Verlust von Afrin an die Türken und der Ost-Euphrat- Gebiete an die dortige Junta gefährden noch (!) nicht das erreichen der wesentlichen Ziele Syriens, Irans und Russlands.
    Wenn man die streitige Auseinandersetzung mit der Türkei zu Afrin aber zum jetzigen Zeitpunkt sucht besteht die Gefahr alles zu verlieren. Die USA wartet darauf.
    Und noch ist der Drops nicht gelutscht.

    Allerdings fällt die Entscheidung, Verzicht Syrien auf die Afrin-Region und die Region um Al-Bab, so wie Idlib bald, wenn Cidre an die Türken fällt, Rajo haben sie ja.

    Letzte Chance sollte der Zeitpunkt sein wenn die Türken voller „Heldenmut“ und heimlicher Unterstützung der USA (?) die Ost-Kurdischen Gebiete angehen.

    Hoffen wir, das bis dahin in Damaskus, Homs und Latakia das gröbste erledigt ist und in Al-Bukmal am Euphrat sich die neuen USA-Truppen nicht bemerkbar machen.
    Wetten würde ich nicht drauf.

    Ohne Anerkennung der Realität kann man keine Schlacht, keinen Krieg und erst recht keinen Frieden gewinnen.

    Grüß PAule

    1. PAule

      Was die türkischen Interessen angeht, da bin ich anderer Meinung. Darüber, was die türkischen Interessen sind, kann man natürlich herzhaft streiten, und ich glaube, das wird es auch, aber ich meine du schaust da zu sehr auf Offensive und zuwenig auf Defensive.

      Ich stimme dir zu, dass es in der Türkei sehr wohl immer noch Leute gibt, die eine ottomanische Expansion im Blick haben, oder wie du schreibst, „Beute machen. Territorial, wirtschaftlich machtpolitisch.“

      Doch ich glaube auch, dass es in der Türkei ebenso Leute gibt, die sehen, dass die Türkei sich in einer brenzligen Situation befindet. Anstatt ottomanischer Expansion kann das Szenaro nämlich auch so aussehen, dass ein Wirtschaftscrash kommt, womit dann über kurz oder lang ein Regime Change einhergehen dürfte und die Türkei dann obendrein noch durch die Kraft des kurdischen Separatismus de facto geteilt wird. Die westlichen NATO-Bündnispartner der Türkei haben bereits die Karte Gülensche Korruptionsanschuldigungen gezogen, mit dem Schüren von Gezi Protesten eine bunte Revolution versucht, massiv Wahlbeeinflussung gegen die türkische Regierung betrieben und dann auch noch einen Putschversuch unternommen. Und, wenn ich die wirtschaftliche Situation der Türkei richtig verstehe, ging mit diesen Maßnahmen auch ein massiver Abzug westlichen Kapitals aus der Türkei einher, der die türkische Wirtschaft crashen sollte, und lediglich auf russische Fürsprache hin erhaltene massive chinesische Investitionen in den türkischen Kapitalmarkt verhindern gegenwärtig einen harten Crash der türkischen Wirtschaft.

      In dieser Situation finde ich es nicht unlogisch, wenn es gegenwärtig in der Türkei Leute geben sollte, die mehr an Defensive als an Offensive denken, sprich, die sich weniger über eine denkbare ottomanische Expansion freuen, sondern vielmehr Sorgen darum machen, wie sie die Türkei als Staat zusammen und wirtschaftlich über Wasser halten können. Ich glaube, dass es nicht nur dieses defensive Interesse der Türkei gibt, sondern auch starke Kräfte in der türkischen Regierung, die wahrnehmen, dass die türkische Situation zunehmend einem Ritt auf des Messers Schneide gleicht und deshalb die Defensive Priorität haben muss.

      Es bleibt freilich abzuwarten, welche Kräfte sich da durchsetzen, aber wenn sich die defensiv interessierten Kräfte durchsetzen, winkt als Belohnung die nationale Unabhängigkeit der Türkei, was gar nicht so unattraktiv ist.

      1. Hallo PB,

        Zustimmung das die inneren wirtschaftlichen Probleme eine wesentliche Einfluss auf die Handlungen der Türkei haben.
        Deiner Analyse zu den Ursachen der Probleme stimme ich auch zu.

        Allerdings hast Du mich mit Deinen Argumenten eher noch in meiner Meinung bestärkt: die Notwendigkeit der Expansion scheinen mir genau in diesen wirtschaftlichen Problemen begründet zu sein.

        Wenn es Erdogan nicht gelingt die Einnahmequellen der Vergangenheit, z.B. den verloren goldgestützten Handel mit dem Iran und Arabien oder den verloren illegalen Erdölhandel mit den Kurden im Irak oder dem IS in Syrien und Irak, sowie das Geschäft mit der IS-Nachschub bald zu ersetzen, könnte es dazu kommen das Erdogan seine Leute von der Fahne gehen.

        Das wäre das Ende der Türkei wie man sie kennt.
        Nicht auf Grund der wirtschaftlichen Probleme sondern weil Erdogan sein Gesicht verloren hätte, er ist eben nicht gut genug als neuer Kalif….

        Aber wir werden es erleben…

        Afrin ist so oder so eine Wegmarke.

        Grüße und mache bitte weiter so.
        PAule

      2. PAule

        In Westsyrien liegt das direkte wirtschaftliche Interesse der Türkei darin, ihre LKW-Transitstrecke via Hama, Damaskus und Amman ins Ölparadies Saudi Arabien zurückzubekommen. Die Attacke auf Afrin hilft der Türkei dabei nicht weiter. In Afrin gibt es bloß ein paar Olivenhaine zu gewinnen.

    1. Dietmar

      Ja, der Fortschritt ist schon nicht schlecht. Doch mit den dicht bebauten Gebieten im Westen und Norden der Tasche steht der Armee der schwierigste Teil noch bevor.

      1. PB

        Da habe ich den Satz „dass nach der Einnahme von Ost-Ghouta Nordwest-Hama eingenommen werden soll“ zum Glück falsch verstanden. In den Städten wie Haraste und Douma wird es schwierig und an dem Gebiet westlich der Autobahn beißt sich ja die SAA schon seit Monaten die Zähne aus.

        Auch problematisch, wie sieht die Endlösung aus. Eine Buslieferung wird schwierig. Gegen eine Lieferung nach Idlib wird sich die Türkei vehement sträuben. Gegen eine Lieferung Richtung östlicher Euphrat gab es vehemente Einwände von der SDF. Die näheren Gebiete um Damaskus (südlich und nordöstlich sowie südwestlich von Deier Azor dürfte die syrische Regierung bzw. die SAA wenig Interesse habe. Ähnlich bei dem Gebiet zwischen Hama und Homs, vor allen wenn es das nächste Kampfgebiet werden soll. Gegen Tanf werden sich die Amis sträuben. Bleibt eigentlich Richtung Golan Höhen, was noch nie gemacht hat, weil Israel kein Interesse hat, das man Ihnen die Truppen vor die Haustür liefert, da man lieber im Herzen von Syrien hat. Man kann eigentlich nur hoffen, das sich viele Terroristen durch die Tunnel verabschieden und den Bustransfer selbst organisieren.

      2. Moin,
        die goldseiten.de haben ein länges Video zum Zustand des europäischen Bankensektors und der damit verbundenen Regierungen eingestellt.
        Dr. Krall verweist dabei explizit auf die Türkei und deren Abwertung der eigenen Währung bei gleichzeitiger Verschuldung in ausländischer Währung:
        https://www.goldseiten.de/videothek/video.php?cid=1&lid=898
        Das Video ist etwas länger aber der Tenor Staatspleite ist deutlich rauszuhören. Da kann so ein kleiner Krieg ja zeitlich ganz gelegen kommen…
        Schönen Sonntag

      3. Sehr geehrtes Parteibuch, seit Allepo, sind ja etliche Monate vergangen, in denen, die Russische Armee und die Syrer, nicht die Hände in den Schoß gelegt haben. Sie haben die Erfahrungen aus Allepo ausgewertet und daraus neue Taktiken entwickelt. Dann sind neu Aufgestellte und von Russland Außgebildete und Ausgerüstete Verbände , nun zur Verfügung, so das die Syrische Armee, von Monat zu Monat Schlagkräftiger ist. Das zeigt sich, auch bei den Erfolgen, in Ost Ghouta und anderswo. Die Terror Schöpfer und Paten, Israel /US Imperium , können nur noch mit ihrer Luftwaffe und ihren Raketen, ihren Höllenkreaturen , ein wenig Unterstützung zukommen lassen. Die früher üblichen Belieferungen, ihrer Höllenbrut, per „““Versehentlich“““ abgeworfenen Gütern , geht bei diesen isolierten Enklaven nicht.
        Bald können auch die Menschen in Damaskus, wie heute schon in Allepo, ohne permaneten Beschuß, ihr Leben neu Aufbauen.

      4. Lutz

        Die Frage, wohin die syrische Regierung grüne Busse aus Ost-Ghouta fahren lassen könnte, sehe ich nicht als zu schwierig an. In der Idlib-Tasche dürfte zum Beispiel das türkisch unterstützte Halsabschneiderbündnis JTS Bedarf an Verstärkung für ihren Krieg gegen Al Kaidas HTS-Allianz haben.

        Wenn das nicht gehen sollte, wäre sicher auch Sednaya ein mögliches Ziel grüner Busse. Sednaya liegt nur knapp zehn Kilometer von Duma entfernt, was die Fahrtstrecke kurz hält, und einige der Anführer der bewaffneten Männer in Ost-Ghouta sind mit der Örtlichkeit wohl auch schon vertraut, sodass sie sich in Sednaya sofort heimisch fühlen dürften.

  7. Helikopter der syrischen Armee haben über Ghouta Flugblätter abgeworfen. Sie informieren über den sicheren Korridor und bieten Kämpfern die Möglichkeit die Waffen abzulegen und sich zu stellen.

    https://sana.sy/en/?p=129124

    1. Wirklich eine wahnwitzige Geschwindigkeit, mit der die syrische Armee hier vorrückt.
      Inzwischen soll die Stadt Misraba evakuiert worden sein, da gab es wohl Verhandlungen mit einflussreichen Einzelpersonen, die richtigerweise die Sinnlosigkeit einer Gegenwehr erkannt haben.

      Ich bin gespannt (ja, das sagt sich vom heimischen Schreibtisch leicht…) auf die Gefechte um Harasta, Duma und Irbin – einerseits hat man sich dort ja bis zum Ulitmo verbarrikadiert. Andererseits: die SAA fällt den dortigen Terroristen ja quasi in den Rücken – und ob bei diesem Vorrücken der SAA die Motivation der Grünen noch so hoch ist bis zum Ende weiterzukämpfen?

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