Syrische Armee kommt in Ost-Ghouta weiter voran

Nachdem die syrische Armee gestern in Harasta im Nordwesten der von der Terrorgruppe Al Kaida und ihre Kumpanen beherrschten Ost-Ghouta-Tasche vorangekommen ist, ist sie am heutigen Freitag im Osten der Tasche rund einen Kilometer vorangekommen.

Markantester Erfolg dabei war die Einnahme der südlich von Shifonia gelegenen Armeebasis des 274. Regiments und die Umgebung der Basis. Auf einer Karte sieht der Fortschritt der Armee da wie folgt aus:

Wie ein Hammer ragt dieser von den Tigerkräften der Armee von Osten her herausgeholte Vorsprung bis fast ins Zentrum der Ost-Ghouta-Tasche.

Sollte die syrische Armee von der Basis des 274. Regiments noch fünf Kilomter weiter nach Westen kommen, trifft sie da bereits auf die Armeeposition Fahrzeugmanagement als Amboss, womit die Tasche in zwei Teile, nord und süd, geteilt wäre. Das Gelände dürfte bei einem solchen Vorstoß auf den nächsten zwei bis drei Kilometern eher einfacher werden, es ist kaum bebaut und weniger stark befestigt als die Front, wo die Terroristen sich über die Jahre tief eingegraben hatten, und schon wenn die Armee von Osten her an Beit Sahm und Mesraba herankommt, bliebe den Terroristen nur noch eine winzige Nachschubverbindung zwischen der nördlichen und südlichen Hälfte ihrer Tasche.

Im Nordwesten der Ost-Ghouta-Tasche, wo die Armee in den letzten drei Tagen deutlich vorangekommen war, haben Terroristen heute unterdessen einen größeren Gegenangriff versucht. Herausgekommen ist dabei allerdings nichts außer hohe Verluste auf allen Seiten. Auch bezüglich der täglichen Feuerpause von neun Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags und dem dazu gehörenden humanitären Korridor gab es kaum neues. Auch am vierten Tag der Feuerpause hinderten die Terroristen fluchtwillige Menschen durch Artilleriebeschuss und Sniperfeuer daran, sich durch den Korridor aus der Kampfzone evakuieren zu lassen. In der letzten Nacht ist es der syrischen Armee allerdings gelungen, zwei Kinder trotz Sniperbeschusses von Seiten der Terroristen unversehrt durch den humanitären Korridor zu helfen.

Im nordwestsyrischen Bezirk Afrin haben die türkische Armee und ihre auf FSA geflaggten Jahi-Lakaien heute an der westlichen Front wieder drei Dörfer aus der Hand von kurdischen YPG-Milizen erobert.

Die größere Ortschaft Rajo könnte damit für die YPG kaum noch zu halten sein.

Nachtrag 22:55h: Aus der Idlib-Tasche wurden auch heute weitere Kämpfe gemeldet. Die von der Terrorgruppe Al Kaida geführte HTS-Allianz soll dabei ihren Korridor zwischen der Stadt Idlib und dem aufgrund von Zolleinnahmen lukrativen Grenzübergang Bab Al Hawa weiter konsolidiert haben, während das von der Türkei unterstützte Halsabschneider-Bündnis JTS in den Zawiyah-Bergen vorangekommen zu sein scheint. Aus der Türkei gab es heute folgende Karte zur Lage in der Idlib-Tasche:

Den Informationen auf der Karte, wer gerade welchen Ort in der Idlib-Tasche kontrolliert, sollte man sicher nicht allzuviel Vertrauen entgegenbringen, aber so sieht eine Detailkarte wohl aus, wenn die tatsächliche Lage einfach ein blutiges Chaos ist.

Nachtrag Samstag 04:15h: In Aleppo sind am arbeitsfreien Freitag übrigens viele Leute in öffentliche Parks gegangen:

Und, ja, das Parteibuch gönnt es den Menschen da, dass sie da gerade gut zwanzig Grad haben, während es in Deutschland immer noch Minusgrade hagelt.

19 Gedanken zu “Syrische Armee kommt in Ost-Ghouta weiter voran

  1. Und wie wäre es, wenn SAA Süd West weiter Vorstosst und Housh al Ashari annimmt und zu Jisrin ankommt? Damit wäre gesamte südliche Tasche eingekesselt? Gebiet ist nicht dich verbaut.

    Es sind wieder Tiger Kräfte welche hauptlast tragen.

    Bei gestrigen Rede zu Nation, hat Putin etwas hystorisches gesagt, was total unbemerkt geblieben ist. Putin sagte, dass jede Angriff auf Russland ODER IHREN VERBUNDETEN wird sofort ein Gegenschlag auslésen. Jetzt werden manche wollen Verbundete zu sein.

    1. zgvaca

      Würde die Armee über Housh al Ashari nach Jisreen vorstoßen, hätte sie bloß den ohnehin schon fallenden und kaum besiedelten Südosten der Tasche abgeschnitten. Ich glaube, dass die Armee mehr will und der Südosten der Tasche kann fluchtwilligen Zivilisten demnächst vielleicht als Exit-Korridor dienen.

      Was Russlands nukleare Beistandsgarantie für seine Verbündeten angeht, so ist die meines Wissens nicht neu. Der Begriff „Verbündet“ ist dabei aber eng auszulegen und auf die Staaten der OVKS beschränkt, also Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Weißrussland.

    2. Südost-Ecke wurde heute überrollt (paar Tiger & 4.Mechanisierte, die gute Panzer haben + sonstige SAA). FaR geht Jaish helfen im Osten Ghoutas = viele Jihadis kommen aus Douma & Harasta raus, um zerbombt zu werden (gab RUAf-Einsätze). Scheint SAA-Taktik zu sein.

  2. Kämpfe in Ghuta werden blutig und lang. Aber egal wie viel Waffen Jihadisten gebunkert haben irgendwann werde ihnen Munition ausgehen. Einschätzung geht von etwa 10000 Jihadisten. Wenn jede feuert am Tag 10 Schüsse und 2 Granate ist eine Menge an Munition weg. Mit schmuggeln können Sie das nie ersetzen.
    In ersten Tagen zeigen sich mutigste von ihnen ganz vorne. Aber mit jeden Tag wird paar weniger geben. Wenn diese Eliten Soldaten aussterben dann können Linie sehr schnell brechen.
    Ich glaube, dass SAA wird Farmen annehmen und dann Jihadisten zwingen Ein Bus Fährt nach Idlib zu nehmen.
    Es sind meine Überlegungen.

    1. Zgvaca
      irgendwann werde ihnen Munition ausgehen.

      Und wie lange hoffen wir das nun schon und stellen fest das doch wieder neue Waffensysteme durchgekommen sind oder extrem formuliert: durchgelassen wurden.
      Das größte Problem dürfte der Beschuss von Damaskus sein und der kommt wohl eher aus dem westlich eng bebauten Gebiet mit Zivilisten als Schutz. Da hilft nur das gesamte Gebiet zurück zu erobern.
      Die Terroristen scheinen sich auf die alte Front und die größeren Städte zu konzentrieren. Es würde sich damit auch anbieten nicht von einem Hammer mit Amboss zu sprechen, sondern von einer Sichel zu sprechen, die man stetig verkleinert, also Innen leerräumen und dann von hinten auf die alte Front drücken. Zum Beispiel geht man von dem Fahrzeugzentrum (Amboss) ja nicht nach Osten und vom gerade eroberten Gebiet eher nach Süden….

    2. „Wenn jede feuert am Tag 10 Schüsse und 2 Granate ist eine Menge an Munition weg.“

      Ach du meine Güte.

  3. Zgvaca, ich wünsche mir auch, daß du mit deinen Überlegungen recht behältst. Das funktioniert aber nur, wenn kein Nachschub erfolgen kann.
    In dem einen Video vom Donnerstag sind mir die Munitionskisten aufgefallen. Kenne ich, ist aber schon gute 30 Jahre her.
    Natürlich heulen Trump, das merkel und Macron über Putins Rede!! Also alles richtig gemacht. Danke Herr Präsident.

  4. Die Zeit der Reisebusse nach Idlib sollte langsam vorbei sein – man trifft sich immer mehrfach im Leben und will man das in der für Syrien jetzt deutlich besseren Situation wirklich? Die Tasche wird geräumt und das beschleunigt dann vielleicht die Gespräche in den anderen Taschen wie die bei Homs. Einmal muss es aber vollständig ausgeräumt werden – sonst glauben die Orks der Reiseservice wird immer angeboten wenn nichts mehr geht. Genau so verhält es sich mit Russland. Die S 400 Triumph schrecken nur ab, wenn keine anderen Mächte unter diesen Waffen Angriffe fliegen. Holt z.B.eine Drohne runter und sperrt den Luftraum, dann wäre das auch geregelt…

  5. Als in Aleppo die jahrelangen Fronten einmal durchbrochen waren ging der Rest erstaunlich schnell.
    Am meisten hat der Wertewesten gebremst wie jetzt auch. Die Tasche ist bereits ein Drittel kleiner und an der neuen Frontlinie gibt es keine in Jahren errichteten Befestigungen.
    Derweil dezimieren sich HTS und JTS in Idlib weiter gegenseitig.

  6. Putin und Erdogan haben sich mittlerweile so lieb, da interessieren Dutzende Assad-treue Tote durch den neo-osmanischen Führer nicht mehr.
    Putin hat längst die Kontrolle verloren. Wenn Afrin an Erdogan fällt, wird es ein kurdenfreies Al-Kaida Gebiet unter ewiger Kontrolle Erdogans werden, weil Putin entweder Erdogan falsch eingeschätzt hat oder seine Rede von der Souveränität Syriens nur Worthülsen waren.

    Bereits im November hatte ich gepostet, dass Erdogan in Afrin einmarschieren wird – und so ist es gekommen.
    Wenn er in Afrin Erfolg haben sollte, ist Afrin mit al-Bab, Dscharablus etc. für immer neo-osmanisches Gebiet. Da macht sich keiner etwas vor.
    Ich verstehe Assad nicht, dass er nicht endlich eingreift, mind. die Türken vom Himmel holt.

    1. @Lauterbach 3. März 2018 um 19:27

      Ich verstehe Assad schon, militärisch kann er gegen die Türkei, sogar noch unterstützt von den Islamisten und ggf dem Westen, wenig ausrichten.

      Besonders traurig sind die UN und die westlichen Massenmedien die zwar vereinzelt das Vergehen der syrischen Regierung gegen die Terroristen in Ghuota kritisieren aber nicht den Verstoß der Türkei gegen die UN Charta und die letzte Un Resolution des Sicherheitsrates.

      1. Aber momentan macht sich Assad völlig lächerlich. Erdogan bombardiert permanent seine Veründeteten der NDF etc. und er tut gar nichts. Soll er doch den Luftraum schließen – auch gegen den Willen Putins. Putin will nur noch seine Haut retten, indem er seinen Kettenhund Erdogan gefällig wird, damit dieser für ihn das Gas durchleitet, den Atommeiler in Akkus bauen lässt, EU und NATO bei der Spaltung unterstützt etc.

        Der Westen und Putin müssen die Konfrontation mit Erdogan suchen. Sonst wird das noch böse enden. Ich will lieber Russland an der Seite der EU und der NATO haben als den Erdogan als permanenten Unruhestifter. Türkei raus aus NATO und Russland näher an EU und NATO heranführen. Ich denke, Putin hätte nichts dagegen. Strategisch kann er mit Europa mehr gewinnen als mit den Irren am Bosporus.

        Ich kann mich nur wiederholen. Hat Erdogan Erfolg in Afrin, ist der Westen Nordsyriens für immer verloren – für immer! Und die Lust auf noch mehr Land in Syrien wird in der Türkei schneller zunehmen als der Westen und Putin atmen können. Ich verfolge die Türkei sei mind. 10 Jahren intensivst. All meine Prognosen haben sich bewahrheitet. Bereits damals 2002, als Erdogans AKP die Wahlen gewann, habe ich prophezeit, die werden noch in 20 Jahren an der Macht sein. Und so wird es kommen.
        Warum ich das wusste? Nicht, weil die besonders super arbeiten werden. Sondern weil sie um das Vielfache verlogener, korrupter und gefährlicher sind als alle anderen

        Erdogans Spruch, das ihn damals ins Gefängnis gebracht hat, sagt alles aus: „Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufspringen, bis wir am Ziel sind…“ Ich denke, dieser Vers ist hinlänglich bekannt.

      2. lauterbach

        Vorab eine Anmerkung zur Form deines Kommentars: Namensverunstaltungen sind hier nicht gern gesehen, auch nicht, wenn es sich um den Namen einer dir unsympathischen Person handelt. Wir sind hier nicht im Kindergarten. Solltest du damit fortfahren, werden Kommentare von dir von der Moderation nicht mehr mühsam korrigiert, sondern schlicht gelöscht, und wenn dir das nicht passt, geh‘ halt woanders kommentieren.

        Zum Inhalt: deine Idee, dass Syrien gegen die von Russland an Syrien gelieferten Luftabwehrsysteme gegen den Willen von Russland gegen die Türkei einsetzt, ist kindisch. Der NATO-Achse wäre strategisch nichts lieber als dass die syrisch-russisch-iranische Allianz zerbrechen würde. Es gibt keinen Grund für Syrien, der NATO solch einen Sieg zu schenken, und ein paar Olivenhaine in Nordwestsyrien sind schon mal überhaupt kein Grund. Wenn es den NATO-Staaten nicht passt, dass ihr Bündnispartner Türkei den für sie heiligen Pfad der „Demokratie“ – was immer das auch sein mag – verlässt, dann müssen sie selbst entsprechend handeln.

        Deine Idee, dass Russland nun den NATO-Staat Türkei bezähmen soll, weil die NATO-Partner der Türkei dazu keine Lust haben, ist ebenso kindisch. Russland würde dafür nichts von den anderen NATO-Staaten bekommen, vom Spott über das russische Eigentor mal abgesehen, und erst recht keine funktionierende Partnerschaft mit den anderen NATO-Staaten. Wenn die anderen NATO-Staaten engere Beziehungen zu Russland wollen, sollen sie entsprechend handeln. Da gibt es eine lange Liste von Dingen, die der Westen da zunächst mal zu erledigen hat: die Abstandnahme von Versuchen des Regime Changes bei russischen Partnern, das Rückgängigmachen des Nazi-Putsches in der Ukraine, die Realisierung von Nordstream II, die Einhaltung von Waffenkontrollvereinbarungen und Aufhebung von Sanktionen gegen Russland und Freunde Russlands wären da ein guter Anfang bezüglich dessen, was der Westen erstmal tun kann, wenn er irgendwelche Hilfe von Russland will.

      3. lauterbach 3. März 2018 um 23:22

        Assad macht doch etwas:
        1. Hat er aller Welt, soweit es möglich war, und der UN gesagt, dass von der Türkei ein vollkommen UN Charta widriger Angriff gegen Syrien stattfindet.

        2. Hat mit dem Einverständnis des Verbündeten von Assad der UN Sicherheitsrat eine Resolution verabschiedet welche eine sofortige Waffenruhe in Afrin fordert.

        3. Verhandelt Assad mit den Kurden um der syrischen Staatsmacht in dem von Kurden und Amis annektiertem Teil Syriens wieder Geltung zu verschaffen.

        Und du sagt er solle symbolisch eine Flugabwehr (besitzt die syrische Luftwaffe noch Jäger welche türkischen Flugzeugen gefährlich werden könnte) nach Afrin beordern die eventuell ein Flugzeug abschießt dann aber sofort vernichtet wird wie auch andere syrische Militäreinheiten bei einem Gegenschlag vernichtet würden. Das würde einem Sieg der syrischen Regierungstruppen doch überhaupt nicht dienen.

        Da ist ein verhandeln mit den Kurden doch weit besser, wenn das kurdische Militär sich aus dem Grenzgebiet zurückzieht, oder noch weiter, könnte Erdogan sein Gesicht bewahren wenn syrische Truppen die Kontrolle in Afrin zur Grenze zu Türkei übernähmen.

    2. @lauterbach

      Du hast vollkommen Recht. Der Bauer Erdogan hat Putin so gut ausgetrickst. Das ist unglaublich.

      Ich bin ganz bei dir. Die Russen haben die Kontrolle verloren. Deswegen auch die drohung mit NuklearWaffen. Davor hat man das alles nie gehört bzw nicht in so offenen Tönen.

      Und die Amis legen jetzt erst so richtig los… sie haben Russland da, wo sie sie haben wollten. In einem Zermürbungskrieg, wie damals in Afghanistan.

  7. Lauterbach:

    Ich schätze Erdogan wird eher Richtung Ost-Syrien Krieg führen. Damit die Kurden nicht ein Gross-Kurdistan erschaffen. Die Kurden träumen von Kurdistan. Das erfahre ich bei jedem Gespräch. Ein Kurdistan wird den Nahe Osten absolut komplett schwächen.

    Nehmen wir doch das ehemalige Yugoslawien als Parade-Beispiel. Aus einem Land haben sie 4-5 kleine Staaten gemacht. Und haben Länder wie Bosnien etwas zu melden? Ich kenne genauso Bosnier. Die heulen und bereuen es alle. Bei denen ist es umgekehrt geworden. Die hätten lieber wieder Yugoslawien. Ist das nicht verrückt? Ich schätze genauso wird es bei den Kurden passieren. Wenn Sie Ihren Kurdistan bekommen haben, werden diese danach wieder von der Stärke der Türkei träumen.

    Das Ganze ist echt Paradox. Erst will man das Land teilen, um danach wieder von der alten Stärke zu träumen.

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