Syrische Armee geht aus mehreren Richtungen gegen ISIS-Tasche in Nordwestsyrien vor

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA und inoffzielle Quellen mitteilten, ist die syrische Armee am gestrigen Montag von verschiedenen Seiten weiter in die ISIS-Tasche im Dreiländereck der Provinzen Idlib, Aleppo und Hama vorgerückt.

Während die syrische Armee weiter wie in den letzten Tagen auch von Süden her kommend die ISIS-Tasche verkleinert hat, ist sie gestern auch von Norden her kommend rund fünf Kilometer nach Süden vorgerückt, und möglicherweise gibt es auch noch einen westlichen Angriffsverketor der Armee. Die dabei bestätigten Geländegewinne der syrischen Armee gestern hat @EmmanuelGMay mit roten Kreisen auf einer Karte übersichtlich markiert.

Wie das russische Verteidigungsministerium vor einigen Wochen erklärte, sollen es nicht einmal 1500 Terroristen sein, die versuchen, die mehr als 1000 Quadratkilometer große Tasche und ihre rund 200 Kilometer lange Frontlinie zu halten. Durch ein Vorrücken von unterschiedlichen Seiten nutzt die syrische Armee diese Schwäche der Terroristen aus, zumal Truppenverlegungen in der Tasche dank syrisch-russischer Luftüberlegenheit für die Terroristen kostspielig sein dürften. Und wenn die ISIS-Tasche demnächst gründlich zusammengeschoben ist, dürfte die syrische Armee reichlich Soldaten, die bislang für die Sicherung der langen Frontlinie mit der ISIS-Tasche eingesetzt werden müssen, für andere Aufgaben freibekommen.

Weniger klar sah die Situation auch am gestrigen Montag wieder an der Front mit Al Kaida einige Kilometer weiter nordwestlich an der Front gegen Al Kaida und Konsorten westlich von Abu Dhuhour aus. Berichtet wurde inoffiziell, dass Terroristen von Al Kaida da am Montag eine neue Offensive gestartet haben und dabei die Ortschaft Tel Sultan von der syrischen Armee zurückerobert haben sollen.

Entsprechende Gerüchte gab es in den letzten Tagen allerdings schon häufiger, doch erwiesen sich Meldungen von Fortschritten der Terroristen später als falsch. Von der gleichen Front 20 Kilometer weiter nördlich wurde am Montag mal wieder berichtet, dass die türkische Armee einen Militärkonvoi geschickt hat, um in Übereinstimmung mit dem Astana-Abkommen einen Beobachtungsposten auf dem Hügel Al Eis einen Beobachtungsposten für die Deeskalationszone Idlib einzurichten.

Im Laufe des abends gab es unterschiedliche Gerüchte, dass die syrische Armee oder verbündete Kräfte sich mit den Militärkräften des türkischen Konvois irgendwo in der Gegend von Al Eis schwere Gefechte liefern würden, doch offizielle Verlautbarungen dazu stehen noch aus. Wo genau sich dieser Konvoi gerade befindet, scheint auch nicht ganz klar zu sein. Auf dem Schild zu Beginn des Videos steht der Name des Dorfes Al Barqoum. Doch auch die Orte Qamari und Zerbah wurden als Positionen des Konvois angegeben. Am späten Abend gab es außerdem noch das Gerücht, ein weiterer türkischer Militärkonvoi sei unterwegs nach Wadi Al Deif nahe Maarat Al Numan.

Klar ist demgegenüber, dass der türkische Präsident Erdogan und der russische Präsident Putin in einem Telefonat vor rund einer Woche nach dem Fehlschlag mit dem ersten Richtung Al Eis aufgebrochenen türkischen Konvoi übereingekommen sind, die in der Astana-Vereinbarung vorgesehene Einrichtung von Beobachtungspunkten in der syrischen Provinz Idlib zu beschleunigen. Angriffe auf den Konvoi und eine damit einhergehende Verbreitung von Gerüchten, die syrische Regierung oder Iran wäre dafür verantwortlich, könnte also durchaus auf eine Störung der guten Beziehungen zwischen Russland, der Türkei und Iran abzielen, die nicht wenigen Sponsoren des Terrorkrieges gegen Syrien ein Dorn im Auge sind.

Von der türkischen Invasion des nordwestsyrischen Bezirks Afrin wurde am Montag berichtet, dass es der Türkei und ihren Jihadi-Proxies gelungen sei, dass im Westen des Afrin-Bezirks gelegene Dörfchen Tal Koshur einzunehmen, während im Nordosten des Afrin-Bezirks von der Türkei und ihren Jihadi-Proxies eingenommenes Gelände umgehend von kurdischen YPG-Kräften zuürckerobert worden sei.

Und schließlich wurde aus der Gegend von Harasta und Erbin direkt nordöstlich des Zentrums der syrischen Hauptstadt Damaskus am Montag noch gemeldet, dass die syrische Armee da in der Nähe der „Basis Fahrzeugmanagement“ ein paar Meter vorwärts gerückt ist.

Das hat freilich nichts daran geändert, dass in Ost-Ghouta aktive Terroristen die Innenstadt von Damaskus beinahe täglich mit Granaten beschießen. Gestern sind durch solche Terrorattacken in Damaskus und Umgebung drei Menschen ums Leben gekommen und 20 weitere verletzt worden.

Nachtrag 07:15h: Sputnik meldet, das türkische Militär habe erklärt, ein türkischer Soldat sei bei der Einrichtung eines Beobachterpostens in der syrischen Provinz Idlib getötet worden und fünf weitere seien verletzt worden. In der regierungsnahen türkischen Zeitung Yeni Safak klingt die gleiche Nachricht aber ganz anders, nämlich so, dass gestern ein türkischer Soldat in der Afrin-Region der Provinz Aleppo ums Leben gekommen ist, und ein ziviler Mitarbeiter des türkischen Militärs seinen Verletzungen erlegen ist, die er letzte Woche beim Versuch der Einrichtung eines Beobachtungspostens in der syrischen Provinz Idlib durch einen Terroranschlag erlitten hatte.

Advertisements

9 Gedanken zu “Syrische Armee geht aus mehreren Richtungen gegen ISIS-Tasche in Nordwestsyrien vor

  1. Zwei Anmerkungen dazu:
    – es gibt vereinzelte Berichte, dass die SAA in Ost-Ghouta Vorstöße aus nord-östlicher Richtung betreibt. Meiner Meinung nach die einzig richige Entscheidung: die Terroristen an mehrere Fronten binden und im richtigen Moment vorstoßen
    – der Satz mit den freiwerdenden Einheiten nach Befreiung der IS-Tasche ist dahingehend interessant, als das ja schon fast(!) das Luxusproblem auftritt, dass man gar nicht mehr so viele aktive Fronten hat, wo man hinkönnte.
    Würde ein Großteil der freiwerdenden Einheiten an die Ghouta-Fronten verlegt, könnte auch dort die dringend benötigte Zurückdrängung der Terroristen schneller kommen als gedacht.

    Und dann…man möge mich korrigieren, aber m. E. gibt es bis auf die IS-Wüstentasche (und ev. Yarmouk-Camp?) keine Region mehr in Syrien, in der nicht entweder ein Waffenstillstand vereinbart oder ohne vorherige diplomatische Absprachen „von außen“ Gebietsgewinne möglich sind, oder?

    1. Eine weitere IS-Wüstentasche gibt es noch in Deir Ezzor und zur Ost-Qalamoun-Tasche gibt es meines Wissens auch keine Vereinbarung:

      http://wikimapia.org/#lang=en&lat=33.874976&lon=36.914063&z=8&m=b&show=/36395631/Eastern-Qalamoun-Pocket

      Natürlich gibt es dann auch noch die Tanf-Tasche mit der dicken US/NATO-Basis drauf, zu der es vermutlich auch keine Absprache gibt. Und weiterhin ist Al Kaida explizit vom Waffenstillstand in allen Deeskalationszonen ausgeschlossen, aber Al Kaida ist in allen Deeskalationszonen präsent.

      Zu tun gibt es also noch reichlich. Aber sicherlich ist die Einbindung militärischer Offensiven in diplomatische Absprachen ohnehin sinnvoll.

  2. Liebes Parteibuch,

    mein Beitrag vom 31.01.2018 hast du als großen Unfug dargestellt, als ich meinte das die Kurdischen Sicherheitskräfte Aramäer in Afrin verheizen werden. Wie sich es rausstellte wurden alle entführten Christen nach Manbidsch transportiert und in den Konvoi weiter nach Afrin versendet. In den Konvoi welches die syrische Armee passieren ließ, um gegen die Türken zu kämpfen. Hier der Artikel zum Konvoi:

    https://www.almasdarnews.com/article/ypg-spokesperson-confirms-reinforcements-traveled-government-lines-afrin/

    Und die Christliche Miliz die mit der YPG geimeinsame Sache macht hat kaum Rückhalt in der christlichen Gesellschaft in Syrien, da sie von der PKK ins Leben gerufen wurde. Nicht mal in Hasseke oder Qamishli wo sich ihr Wirkungskreis sich beläuft. Der größteil der Christen steht hinter der stolzen Syrischen Armee und hinter den Christlichen Sicherheitskräft Sootoro, welches begründet wurde von Christen für Christen.

    1. Abgar

      Moment mal, dass die YPG Verstärkung durch Regierungsgebiete bekommt, ist lange bekannt.

      Nur, dass die YPG die Regierungsgebiete mit Entführten passieren kann, davon steht auch im neuen Artikel zur Verstärkung der YPG durch Regierungsgebiete nichts. Entführte bräuchten am Checkpoint der syrischen Armee schließlich bloß sagen, dass sie Entführungsopfer sind. Das mag im Einzelfall aufgrund von Erpressungen nicht ganz einfach sein, so was zu sagen, aber für eine großangelegte und geplante Massenentführung eignet sich ein Transit durch Kontrollpunkte der Regierung sicher nicht. Und in Afrin selbst fahren auch nach wie vor russische Militärpolizisten rum.

  3. Liebes Parteibuch,

    es beklagen sich in den Christlichen aramäischen Städten Zallin / Qamischli, Hasseke, Direk u.s.w. viele Christliche Familien über die YPG und haben nur Angst vor den Kurden. Selbst der Armenische Bischof in Nordosten Syrien sprach: die wir vor kurzen in Schwarz sahen mit Ihren Bärten sind jetzt unter denen, die uns beherrschen und kämpfen für YPG. die Christen haben furchtbarer Angst unter den Kurden zu leben. Das Umgangswort für Christ bei den Kurden ist Falach, was soviel bedeutet wie Knecht oder Sklave. Mit diesen Worten wurden oft Christliche Sicherheitskräfte beschimpft bevor auf sie geschossen wurde.

    Und Viele aramäische Familien haben Angst um Ihre Kinder und Männer, da Sie oft von den Kurdischen Sicherheitskräften entführt wurden und zu Kriegsfronten gesendet werden. Für eine Sache zu kämpfen, die für Sie nur den Niedergang bedeutet. Und dies Passiert nicht selten.

    Warum flohen viele Christen aus den von Kurdischen beherrschten Regionen und flüchteten nach Aleppo oder nach Qamishli unter Schutz der Syrischen Armee.

    Ich wünsche mir nur frieden für Syrien und ein glückliches Zusammenleben aller Religionen und Kulturen in ein geeintes Syrien, was die Wunden durch Liebe heilen kann. Aber dafür ist Respekt und Toleranz wichtig. Dies sehen bei der FSA, YPG und anderen Radikalen nicht. Nur bei der Achse des Widerstand.

    1. Abgar

      Mir ist der teils offen kriminelle und mafiöse Charakter der PYD/YPG/PKK-Selbstverwaltung in Nordostsyrien durchaus bekannt. Wenn die da Leute entführen oder „zwangsrekruitieren“ würden, um sie etwa in Raqqa oder Deir Ezzor für undankbare und personalintensive militärische Aufgaben wie Minenräumung einzusetzen, würde mich das auch nicht sonderlich wundern.

      Nur die Geschichte, dass solcherart entführte Leute massenhaft nach Afrin geschickt werden, die ist eben unglaubwürdig, schon weil dorthin zwangsläufig Checkpoints der syrischen Regierung zu passieren sind.

  4. Hallo alle hier zusammen,
    allgemein zum Thema Krieg in Syrien möchte ich auf einen Blog hinweisen der mehr Aufmerksamkeit verdient. Hier wird in aufwändiger Arbeit das Treiben der Terroristen gesammelt
    und auch analysiert. Hier bekommen die Menschenverachteten Taten der Terroristen auch ein Gesicht und Namen.
    Achtung! das ist zum Teil keine leichte Kost, sehr viele Bilder die sonst kaum zu finden sind.
    Wenn wirklich die Taten einmal vor ein Gericht kommen, sind dies gute Quellen
    hier die Blog, da ich mein das er eine weitere Verbreitung verdient.
    https://urs17982.wordpress.com/2018/02/02/16708/

  5. @querbeet

    Schau mal auf die rechte Leiste, da wird urs17982 seit Jahren auf der Parteibuchseite verlinkt. Ich denke die meisten hier sind mit diesem Blog vertraut.

    Es ist wirklich eine unglaublich anerkennenswerte Fleissarbeit die die Betreiberin leistet und diese Dokumentation ist von unschätzbarem Wert für die zukünftige Aufarbeitung der Verbrechen.

    Verbreitung unbedingt erwünscht. Danke dafür.

    1. Danke Demeter, habe ich nicht gesehen lag wohl an meiner
      Ungünstigen Bildschirmeinstellung, da war es nicht zu sehen..

Bitte kurzfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s