Syrische Armee verkleinert ISIS-Tasche in Nordost-Hama weiter

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA am heutigen Samstag berichtete, hat die syrische Armee im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS im Nordosten der Provinz Hama unter anderem die Dörfer Abu Al-Qusour und Telal Talihan eingenommen.

Inoffiziellen Quellen zufolge hat die Armee inzwischen auch die Kontrolle über ein weiteres nahegelegenes Dorf errungen, womit die Fortschritte der Armee dort heute wie folgt aussehen:

Beim allmählichen Verkleinern der vollständig umzingelten ISIS-Tasche rund um das Drei-Provinzen-Eck Hama, Idlib und Aleppo ging es also auch heute wieder erfolgreich weiter.

Die Situation an der weiter nördlich liegenden Front gegen Al Kaida und Konsorten bei Abu Dhuhour war heute demgegenüber weitgehend unklar. Zunächst sah es am Vormittag so aus, als würde die Armee da ihren Vormarsch Richtung Saraqib sowie Fuah und Kafriya auf breiter Front fortsetzen. Inoffiziell gemeldet wurde, dass die Armee die Dörfer Jazraya und Tel Mamou eingenommen hat. Und SANA bestätigte dann auch offiziell die gestern am späten Abend bereits inoffiziell vermeldete Einnahme des auf halber Strecke zwischen Abu Dhuhour und Saraqib liegenden Ortes Tel Tuqan. Doch dann meldeten Frontreporter, die mit der syrischen Armee unterwegs sind, dass das alles nicht stimme. Die bereits als eingenommen gemeldeten Orte Zamar und Jazraya seien bestenfalls umkämpft und mit der Einnahme der Orte Tel Tuqan und Tel Mamou habe die Armee noch nicht einmal begonnen, hieß es da.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich das da weiter entwickelt. Zu allem Überfluss ist es dann am Nachmittag auch noch der ausgesprochen Al-Kaida-nahen, aber sich als FSA vermarktenden und von den USA und der Türkei mit ATGM ausgestatteten, Terrorgruppe Jeish Al Nasr nahe Maasaran gelungen, mit einer tragbaren Rakete eine russische SU-25 abzuschießen. Dem Piloten gelang zwar noch der Ausstieg, und trotz Beschusses im Fallschirm schaffte er es verletzt auf den Boden zu kommen, doch kurz darauf wurde er entweder beim Versuch der Gefangennahme oder kurz später von Terroristen der Jeish Al Nasr getötet. Russland schickte anschließend eine größere Salve Raketen auf die Terroristen, aber den toten Piloten macht das natürlich nicht wieder lebendig. Russland erklärte nach dem Abschuss zwar, dass die Terroristen offenbar über MANPADS verfügen, doch natürlich ist auch ein Abschuss durch ATGM denkbar.

Die Türkei und ihre FSA-Hiwis sind heute übrigens bei ihrer Invasion des nordwestsyrischen Bezirks Afrin auch nicht vorangekommen. Außerdem erklärte das türkische Militär, in dem Gebiet heute fünf Soldaten allein durch eine ATGM-Attacke der kurdischen YPG auf einen türkischen Panzer verloren zu haben.

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13 Gedanken zu “Syrische Armee verkleinert ISIS-Tasche in Nordost-Hama weiter

  1. Schock und Trauer…Aber auch dieses Opfer wird nicht vergeblich gewesen sein. – Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt den Angehörigen, Freunden und Kameraden des tapferen Piloten.

    Zwei Schritte vor, einer zurück, so verläuft nun mal die Entwicklung. Im Ergebnis aber immer: Vorwärts. Das sollen bitte alle bedenken die sich jetzt wieder nach militärischer Eskalation unter potentieller Einbeziehung von Atomwaffen sehnen.

  2. Ist die TSK so geschwächt vom Putsch 2016? Ich meine damit das Erdogan viele hohe Militärs in den Bau schickte die so ziemlich das Rückgrat gewesen sein dürften. Diese Militärs dürften ziemlich fähige Leute gewesen sein so schnell kriegt man eine fähige Armee auch nicht wieder hin.

    Mir scheint es das diese Offensive länger geht als die Türken gedacht haben. Die YPG/PKK leistet immer wieder erbitterten Widerstand den zu brechen bedeutet aber auch für die Türkei Ressourcen Verschwendung ergo nur mit massiveren Mitteln, andererseits glaube ich das Afrin eher später als früher fallen wird. Da es insgeheim auch das Interesse von Damaskus ist den Kurdischen Separatismus ungefährlich zu halten. Ähnlich auch beim Iran, die mit der Türkei gegen PKK/PJAK zusammenarbeiten auch militärisch. Russland wird so oder so ein Gewinner sein.

    1. Mir ist klar das auch FSA Heinis mitmachen. Aber das dürften die Sorte von FSA Kämpfern sein die in Astana für „Verhandlungsfähig“ befunden worden sind. Mit Nusra Kämpfern wird die Türkei wohl kaum in Afrin angreifen. Das wäre ein Vertrauensbruch. Daher sehe ich die Sache eher positiv. Auch wenn es nicht so schöne Sachen geben wird.

      1. Macho

        Ich glaube nicht, dass es irgenbdeinen Unterschied macht, ob einige der Halsabschneiderbanden sich gerade mal wieder für eine FSA-Fahne anstelle einer Al-Kaida-Fahne entscheiden. Das ändert an ihrem mörderischen Charakter nichts.

        Was die türkische Offensive gegen den Bezirk Afrin angeht, so ist es offensichtlich, dass die Türkei da quasi mit angezogener Handbremse kämpft. Gewinnen, im Sinne von das Gebiet vom PKK-Ableger YPG wirklich zu erobern, scheint da nicht sehr weit oben auf der türkischen Zielstellungsliste zu sein. Sogar möglichst viele Jihadis aus Idlib möglichst lang in Afrin zu binden, könnte für die Türkei größere Priorität haben.

  3. Die Idee, Türkisch-russisches Agrement „Terroristen verheizen, Kurden sanft lenken“ erscheint fragwürdig wenn die zu verheizenden Terroristen Russen vom Himmel holen. Das weckt Erinnerungen.

    1. @Franz:
      Erinnerungen, in der Tat. – Aber auch diese Opfer waren nicht vergeblich wenn man sich ansieht, welche Entwicklungen sich aus ihrem Tod ergeben haben.

      https://de.sputniknews.com/politik/20180204319379655-tuerkei-droht-mit-einsatz-gegen-us-soldaten/

      Wäre sowas vor etwas mehr als zwei Jahren vorstellbar gewesen?

      „…Sogar möglichst viele Jihadis aus Idlib möglichst lang in Afrin zu binden, könnte für die Türkei größere Priorität haben. “

      – Das klingt plausibel, PB.

  4. Ich habe das Gefühl, dass die Offensive der Türken hauptsächlich dazu dient, Teile der FSA aus Idlib „wegzulocken“ um damit das Vorankommen der SAA zu erleichtern.

    Chris

  5. Ich finde die aktuelle Situation in Syrien sehr schwer verdaulich und meiner bescheidenen Meinung nach ergeben sich immer mehr Fragezeichen:

    – die syrische Armee wird doch die Vorwärtsbewegungen auf Saraqib nicht mir nicht dir nichts abgebrochen haben, da wurde doch im Hintergrund zwischen Russland und der Türkei gefeilscht? Von der IS-Tasche geht keine große Gefahr aus, viel wichtigere wäre es doch gewesen, das Vorwärts-Momentum weiter zu nutzen und gen Westen zu marschieren.
    – die Türkei setzt ihre Angriffe unter Missachtung des Völkerrechts weiterhin fort, ohne dass irgend jemanden dagegen protestieren würde (inkl. Russland).
    – zu allem Überfluss werden jetzt auch noch „FSA“-Rebellen aus Idli, Saraqib und Co. über türkisches Gebiet geleitet um gegen die Kurden zu kämpfen. Schön, denn man hat ja „Dank“ russischer Diplomatie den Rücken um Saraqib frei und muss keinen SAA_Vorstoß fürchten.
    – und noch einen Punkt den ich gegenüber Russland momentan äußerst kritisch sehe: wird ein russischer Pilot abgeschossen, kann innerhalb von Stunden mit einem „massiven und präzisen Raketenangriff“ punktgenau getroffen werden und um die 30 Terroristen ausgeschaltet werden. Nichts für ungut, aber solche Präzisionsschläge würde man sich an anderen Stellen häufiger wünschen. Wenn ich allein daran denke, wieviel syrische Soldaten beim tagelangen Kampf um Abu Dhuhr inkl. Flugplatz ihr Leben gelassen haben müssen…

    Man möge mich gern korrigieren, aber im Moment macht es mir stark den Eindruck, als ob die syrische Regierung und insbesondere die Kurden nicht nur ein Spielball ihrer Feinde sondern ebenso ihrer Verbündeten sind. Das schlimmste daran sind m. M. die tausenden Zivilisten, die einfach nur den Krieg satt haben und sich entweder eine Befriedigung oder eine noch ausstehende Befreiung ihrer Häuse, Felder und Arbeitsplätze wünschen.

    1. Pragmatisch

      „wird ein russischer Pilot abgeschossen, kann innerhalb von Stunden mit einem „massiven und präzisen Raketenangriff“ punktgenau getroffen werden und um die 30 Terroristen ausgeschaltet werden“

      Ich habe bislang keinen Beleg dafür gesehen, dass mit dem Vergeltungsschlag tatsächlich 30 Terroristen ausgeschaltet wurden. Ich habe lediglich die russische Behauptung gelesen, dass dem so gewesen sei. Und ich habe einige Zweifel daran, dass die Behauptung stimmt.

  6. Dieser Wahnsinnskrieg bewegt sich als Kuddelmuddel – Wahnsinn unbeirrt weiter.
    Alles, was außerhalb der Widerstandsachse kämpft, kämpft mit-, gegen- und durcheinander.
    Es wird so zügig umgeflaggt, dass man abends mit dem Wechsel der Fahne nicht mehr nachkommt.
    Ein syrischer Kommandant hatte mal vor vier Jahren gesagt, man solle keine dreckigen Kompromisse eingehen und gegen alles kämpfen, was seine Waffe gegen die SAA richtet.
    Al Qaida ist das Mutterschiff allen Übels. Es ist der Stall, aus dem der Terror gekrochen ist.
    Ob die Gruppen nun FSA, TS, Nusra, Liwa‘ Isham, Daesh oder sonst wie heißen.
    Die Russen werden sich das nicht mehr lange anschauen. Und die Türkei wird klare Kante gehen müssen

  7. Liebe nochparteibuch
    Ich habe vor 3-4 Tage Video gezeigt wie „Selbstmörderisch“ Russen tief fliegen und diese Abschuss ist schmerzhaft für Russen. Es würde mir einen Manpad Rakette abgeschossen was bedeutet, dass russische Su-25 sich bei panzerung nicht mit US A-10 messen. Sie hatten schon in Afghanistan höhe verluste und wundert mich, dass gewisse Mangel nicht behoben ist.
    Was mir mehr sorge macht ist Tatsache, dass Operationen in Idlib angehalten würden was hinweist auf ein Abkommen mit Erdogan. Ist jetzige Frontlinie eine definitive Einfluss Linie werden wir in nächsten Monaten erfahren.
    Auch türkische Operationen in Afrin entwickeln sich nicht wie geplant für SAA. Kurden wie jetzt aussieht werden durchhalten und werden noch weniger Kompromissbereit sein. Beindrückend sind kurdische Stellungen an gewissen Punkten. Dort würden Stellungen mit Arminierten Beton verstärkt. Blutzoll wird für Türken sehr hoch sein. Bis jetzt weigern sich Kurden SAA in Stadt Afrin zuzulassen. Sie wàren bereit SAA an Frontlinie zuzulassen aber mehr nicht. 5. Korpus haltet sich bereit falls Kurden Meinung ändern.

    1. Das neu eroberte Gebiet muss ja erst einmal gesichert werden. Außerdem muss der IS-Kessel noch geräumt werden, was sicher 2-3 Wochen dauern wird.

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