Umsturz in Aden

Saudische und andere Medien meldeten am heutigen Sonntag, dass Separatisten in der vom in Riyad exilierten Ex-Präsidenten Hadi zur temporären Hauptstadt erklärten südjemenitischen Hafenstadt Aden nach blutigen Auseinandersetzungen das Hauptquartier der von Hadi einsetzten „Regierung“ und andere Regierungsgebäude eingenommen haben.

Während der von Ex-Präsident Hadi als saudischer Statthalter in Aden eingesetzte „Regierungschef“ Ahmed bin Dagher einen Putsch beklagte und dazu weiter ausführte, die Entscheidung, wie es weitergehe, liege bei den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die nun die wahre Macht in Aden ausüben würden, gab Ex-Präsident Hadi aus dem saudischen Exil seinen Kräften in Aden zwischenzeitlich den Befehl, das Feuer einzustellen und sich in ihre Basen zurückzuziehen.

AP berichtet, dass die Kräfte, die die Macht in Aden übernommen haben, vom von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten und bewaffneten separatistischen „Südlichen Übergangsrat“ – auf Englisch Southern Transitional Council, kurz STC – seien. Außerdem seien dabei Kräfte des von Hadi Ende 2015 zum Gourverneur von Aden ernannten STC-Präsidenten Aidarus al-Zoubaidi, der den STC nach seiner Absetzung als Gouverneur im April 2017 gegründet hat, sowie Kräfte von Shallal al-Shayae, der unter al-Zoubaidi Polizeichef von Aden war. Der iranische TV-Sender PressTV meldete heute morgen, dass in Aden mit Saudi Arabien liierte Söldner gegen von den VAE unterstützte Separatisten kämpfen würden, und sich damit ein Riss in der saudisch geführten Kriegskoalition gegen den Jemen vertiefen würde.

Der jemenitische Journalist Nasser Arrabyee sieht die Auseinandersetzungen allerdings etwas anders, nämlich als Fortsetzung eines am 13. Januar 1986 im damaligen „sozialistischen“ Südjemen mit einem Massaker im Politbüro begonnenen Bürgerkrieges zwischen als „Tughma“ und „Zumra“ bekannten Stammesverbänden. Den auf das Massaker des zu den Zumra gehörenden damaligen Präsidenten Ali Nasir Muhammad an den Tughma-Führern im Politbüro folgenden südjemenitischen Bürgerkrieg hatten die Tughma zwar gewonnen, aber nach der jemenitischen Wiedervereinigung gewannen die Zumra, deren bekanntestes Gesicht heute der in Saudi Arabien exilierte Ex-Präsident Hadi ist, mithilfe der Kräfte des Nordjemens im jemenitischen Bürgerkrieg 1994 wieder die Oberhand, was unter den Tughma eine breite Basis für eine erneute Sezession des Südjemen vom Nordjemen geschaffen hat. Schon seit dem südjemenitischen Bürgerkrieg 1986 stehen die Tughma den VAE und dem Libanon nahe, während die Zumra Ägypten und Saudi Arabien nahestehen. Der Anführer der „Rebellen“, die heute die Macht in Aden übernommen haben, ist Nasser Arrabyee zufolge der zu den Tughma gehörende Shallal al-Shayae, dessen Vater Ali Shayae zu den prominenten Opfern des Massakers im Politbüro am 13. Januar 1986 gehörte. Folgt man dieser Auffassung, so verfolgt die von Stammesverbänden der Tughma dominierte Unabhängkeitsbewegung für den Südjemen also weniger das Ziel des Separatismus als Ziel, sondern sieht die separatistische Bewegung eher als Mittel zum Zweck, um sich in der Stammesfehde gegen die Stammesverbände der Zumra durchsetzen zu können.

Die Probleme der saudisch-geführten Kriegskoalition gegen den Jemen macht das alles nicht geringer. Zunächst mal stellt sich die Frage, ob die im Kern aus Saudi Arabien und den VAE bestehende Kriegskoalition gegen den Jemen sich bezüglich des Konfliktes in Aden überhaupt zusammenraufen kann. Und wenn die Saudis sich mit den Emiratis einigen, stellt sich weiterhin die Frage, ob sie ihre Schützlinge der Tughma und Zumra dazu bringen können, wieder Krieg gegen die Kräfte der Regierung in Sanaa zu führen anstatt ihre Energie in Kämpfen gegeneinander aufzubrauchen. Und des Weiteren stellt sich die Frage, wie die Saudis und Emiratis mit dem heutigen Sturz der Zumra-Regierung in Aden durch die Tughma-Kräfte umgehen. Versuchen sie die Tughma von der Macht in Aden wieder zu vertreiben, müssen sie damit rechnen, im Südjemen einen langen Krieg gegen die Stammeskräfte der Tughma führen zu müssen, was gewaltige Kräfte bindet, die dann nicht mehr für den Krieg gegen Sanaa zur Verfügung stehen. Lassen sie die Tughma hingegen an der Macht in Aden, so verliert ihr Exilpräsident Hadi jeden Anschein einer Herrschaft über den Jemen, die Tughma können ihr Projekt der Wiederabspaltung des Südjemen vorantreiben und sich für den Krieg gegen den Nordjemen unzuständig erklären und die Zumra könnten lieber einen Krieg um Aden als Krieg gegen Sanaa führen wollen. Einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, könnte für die Saudis und die Emiratis schwer werden, selbst wenn sie sich zusammenraufen können.

Für die Regierung in Sanaa, die jüngst einige Probleme damit hatte, die Fronten gegen die saudisch geführte Koalition zu halten, sind dies ausgesprochen erfreuliche Nachrichten, und möglicherweise gelingt es ihr, ein anti-saudisches Bündnis mit den Tughma zu schmieden, falls es das nicht schon geben sollte.

Nachtrag Montag 15:00h: Die schweren Kämpfe in Aden gingen auch am Montag weiter. Bis jetzt wurden am Montag neun Tote gemeldet, recht gleichmäßig verteilt auf beide Seiten. Saudi Arabien und die VAE haben offenbar erklärt, sich in die Kämpfe in Aden nihct einmischen zu wollen. Damit lassen sie die saudische Marionettenregierung von Ahmed bin Dagher hängen, die ein entschlossenes Eingreifen der saudischen Koalition auf ihrer Seite gefordert hat, und im Zuwiderhandlungsfall damit gedroht hat, Truppen von der Front gegen die Regierung in Sanaa nach Aden zurückzubeordern.

Zur militärischen Lage in Aden hier eine Einschätzung des Parteibuchs: Ahmed bin Dagher halten beim Mount Hadeed eine Linie, womit sie ein Eindringen der STC-Kräfte auf die Vulkanhalbinsel verhindern. Ahmed bin Dagher und seine Regierung haben sich dort im früheren Präsidentenpalast in Maasheeq einquartiert. Die STC-Kräfte beherrschen den Flughafen und damit den einzigen Landzugang zur Vulkanhalbinsel und auch beinahe den ganzen Bezirk Khormakser drunherum. Außerdem haben die STC-Kräfte weitgehend Kontrolle über die Bezirke Sheikh Othman und Dar Saad im Norden der Stadt. Die STC-Kräfte versuchen gegenwärtig, in Basen verschanzte Reste von Truppen von Ahmed bin Dagher aus Khormakser und Dar Saad zu bezwingen, um den Rücken für eine weitere Offensive über Mount Hadeed auf die Vulkanhalbinsel, und damit den gegenwärtigen Aufenthaltsort von Ahmed bin Dagher, frei zu bekommen.

Nachtrag Dienstag 01:00h: @Counselkremlin meldete vor rund zwei Stunden, dass die STC-Kräfte den westlichen Teil der Vulkanhalbinsel eingenommen haben und in den östlichen Teil, Bezirk Krater, wo Hadis Marionette sich aufhält, vorrücken.

Kurz darauf gab es unbestätigte Meldungen, dass es den STC-Kräften gelungen sei zum ehemaligen Präsidentenpalast Maasheeq vorzurücken und es da heftige Gefechte gebe.

Letzten Meldungen zufolge ist alles gelaufen, die STC-Kräfte haben gewonnen und es gibt ein großes Freuden-Feuerwerk:

STC-Quellen zufolge soll die vollständige Eliminierung von in Aden noch verbliebenen Hadi-/Al-Kaida-Kräften am Dienstag bei Sonnenaufgang abgeschlossen sein.

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31 Gedanken zu “Umsturz in Aden

  1. Danke für die Hintergründe.

    VAE erklären wohl erst mal, dass die „Koalition“ steht.

    Aber ein offener Bruch war ja nicht direkt zu erwarten, wichtig ist, was konkret passiert.
    Sowohl Saudies als auch die Emirate sind zwingend auf Strukturen vor Ort angewiesen; und wenn sie auf gar keine jeminitischen Truppen mehr zurück greifen können, wird es äußerst schwer, militärisch gegen die Houthi zu gewinnen.

    Eine Frage: Tughma und Zumra, gibt es da Siedlungsgebiete, die man zuordnen kann, oder zieht sich das queer durch den Südjemen?

    (wenn ich nach Tughma und Zumra google, gibt es nicht sehr viele Ergebnisse; der PB-Artikel steht ganz vorn ;–)

    1. andreas

      „Tughma und Zumra, gibt es da Siedlungsgebiete, die man zuordnen kann, oder zieht sich das queer durch den Südjemen?“

      Ja, Nasser Arrabyee‏ sagt das sehr deutlich:

      Also: Tughma sind aus Dhalea und Lahj, Zumra aus Abyan und Shabwa. Auf der Karte: 4 + 15 = Tughma, 3 + 20 = Zumra

      Dass es zu Tughma und Zumra nicht viel bei Google gibt, dürfte daran liegen, dass die Begriffe keine Eigenbezeichnungen, sondern abwertende Spottnamen ihrer jeweiligen Kriegsgegner waren und sind (Zumra = الزمرة = Clique, Tughma = الطغمة = Junta). Man kann das sicher vornehmer ausdrücken, etwa von den VAE gehätschelte Stammesverbände aus den Provinzen Dhalea und Lahj stehen im Südjemen gegen von Saudis gehätschelte Stammesverbände aus den Provinzen Abyan und Shabwa. Ich habe die Begriffe Tughma und Zumra trotzdem aufgegriffen, weil sie auf die Existanz einer Ebene im Hintergrund des Konfliktes hinweisen, die ziemlich wichtig zu sein scheint, aber im Westen nahezu unbekannt ist. Die Leute im Jemen scheinen hingegen genau zu wissen, was mit diesen Begriffen gemeint ist, und sucht man nach Zumra und Tughma bei Google auf arabisch, findet man auch eine Menge.

      Dass die VAE sich von der Machtergreifung – oder dem Versuch der Machtergreifung – der Tughma in Aden distanzieren, war zu erwarten. Die große Frage ist, was werden sie tun? Und was können sie und die Saudis überhaupt tun? Es gibt hier vermutlich keine gute Option für die VAE und die Saudis.

      Ammar Aulaqi meldete gestern am späten Abend übrigens, dass den Tughma-Rebellen der Rückzug von Hadis Zumra-Kräften in ihre Kasernen nicht ausreicht, und sie sie nun in einer wichtigen Kaserne angreifen.

      Da ist also vermutlich noch mehr an harten Auseinandersetzungen in Aden zu erwarten.

      1. @pb, ist den irgendwas vorgefallen, dass die aufeinmal aufeinander eindreschen
        statt wie bisher gegen die Houthis zu kämpfen. Ich hab ja nichts dagegen, das die saudische Koalition auseinander bricht. Aber irgendetwas muss doch in den letzten Wochen/Monaten passiert sein, dass offene Kriegshandlungen zwischen den Zumra und Tughma ausgebrochen sind.

      2. habkind

        Wenn ich es richtig verstehe, liegt die Ursache der neuaufgeflammten Auseinandersetzung darin, dass die saudische Marionette Hadi letztes Jahr im April den Tughma-Gouverneur von Aden, Aidarus al-Zoubaidi, und anschließend auch seinen Tughma-Polizeichef Shallal al-Shayae abgesetzt und durch Zumra-Lakaien von Hadi ersetzt hat.

        Zoubaidi hat unmittelbar nach seiner Absetzung das STC gegründet, dann eine Reihe von einflussreichen Stammesführern und Gouverneuren da mit hinein geholt und die dazu gehörenden Kräfte des „STC-Sicherheitsgürtels“ wurden von den VAE als Sicherheitskräfte ausgebildet und bewaffnet.

        Und letzte Woche fühlten sie sich dann stark genug, um zu erklären, dass sie dann mal nach Aden gehen werden und mit friedlichen Demonstrationen unter dem Schutz der Kräfte des „STC-Sicherheitsgürtels“ die Absetzung von Hadis Zumra-Regierung verlangen werden. Hadi und seine Zumra-Leute in Aden waren davon natürlich nicht begeistert, haben die Demonstration verboten und Hadis „Präsidentengarde“ zum bewaffneten Unterdrücken „illegaler Demonstrationen“ eingesetzt. Daraufhin haben die Tughma-Leute auf „bewaffneten Protest“ umgeschaltet und den Regierungssitz von Hadis Marionette sowie eine wichtige Kaserne von Hadis Kräften und weitere Regierungsgebäude erobert.

        Zur Stunde scheinen die bewaffneten Tughma-Kräfte in schweren Kämpfen zu versuchen, die in Aden verbliebenen Hadi-Kräfte in ihren Basen zu überwältigen. Man wird sehen, ob ihnen das gelingt, ob sie von Hadis Kräften und der saudisch-geführten Koalition geschlagen werden oder ob es doch noch einen Kompromiss gibt. Ich sehe so einen Kompromiss bisher aber nicht, und vermute, das wird durch Kämpfen entschieden, bis eine Seite Aden wieder komplett hat.

    1. Diese Frage lag mir auch auf der Zunge…
      Auch von mir ein großes Dankeschön für die Einführung

  2. Was passiert denn gerade im Gouvernement Idlib??

    Berichte mehren sich, dass sich massive Militärkonvois aus der Türkei durch das Islamisten-Gebiet in Richtung der Stadt Hader (südlich von Aleppo, von SAA gehalten) bewegen.
    Russische und syrische Luftwaffe sollen die Route bombardieren.

    Konnte man bei allem Argwohn die ganze Situation in und um Afrin noch sachlich erklären – wie ist dieser direkte und unmittelbare Vorstoß auf die syrische Armee zu interpretieren?

    Zumal die „Kurdenfronten“ für die Türkei ja alles andere als erfreulich sind.

    Man mag mich gern korrigieren, aber das ist schon der Hammer schlechthin und eine der überraschendsten Aktionen im bisherigen Kriegsverlauf…

    1. Nun ergibt die Einrichtung der Deeskalationszonen mit Garantiemächten nur dann Sinn, wenn dort auch Stützpunkte errichtet werden und die Garantiemacht dort den Waffenstillstand und den Kampf gegen die Terroristen sicherstellt.

      In Groß-Idlib gibt es drei Zonen; die iranische wurde bei der letzten offensive nahezu komplett gesichert.

      Nun sind die Türken offenbar deutlich über ihre Zone hinausgegangen, und bekamen Schüsse vor den Bug, bzw. direkt vor den Konvoi.

      Interessant ist: nach diversen Angaben vom Boden lassen die Türken sich von HTS/Al Kaida führen, das ist unabhängig vom Ort sicher nicht im Sinne der Astana-Vereinbarungen.

    2. Wolle, Pragmatisch, andreas

      Ich würde eher vermuten, die Türkei fährt da rein, um im Einklang mit dem Astana-Abkommen Beobachterposten einzurichten, etwa in Al-Eis. Dabei wird der türkische Konvoi von der russischen Luftwaffe begleitet und als vor dem Konvoi ein terroristisches Hindernis aufgetaucht ist, hat die russische Luftwaffe versucht das zu zerstören. Der Konvoi muss trotzdem anhalten, bis klar ist, ob das Hindernis wirklich aus dem Weg geräumt ist. Im Astana wurde nicht die gesamte HTS, sondern nur die Nusra-Komponente darin explizit zum zu eliminierenden Ziel erklärt. Es ist durchaus möglich, dass die Türkei ihren Konvoi von anderen HTS-Komponenten begleiten lässt, die nicht Ziel sind.

      Mal schauen, ob Russland dazu morgen was sagt.

  3. 36 Tote und 184 Verletzte bisher, heißt es. Sollen sich die Mercenarios doch gegenseitig abrüsten (wobei das ja als Menschen auch nur arme Schw**ne sind in der Mehrheit, aber diesen Beruf muss man sich trotzdem nicht suchen).

    Derweil in Syrien:

    Letztens war eine türkische Inspektionsgruppe unterwegs um Stützpunkte in Idlib anzuschauen, es hieß, zwölf sollen es werden.

    Dabei waren sie auch in Al Eis.

    Heute hat sich ein Konvoi der TürkischenArmee auf den Weg gemacht; dabei die ganze Zeit begleitet von Al Kaida.

    Russische Luftwaffe hat dann die Orte direkt vor dem Konvoi bombardiert, die SAA Artillerie verschossen.

    Der Konvoi soll erst mal stehen.

    Schreibt Jenan Moussa.

    Nun gibt es Gerüchte, dass türkische F16 in der Luft über Idlib sind, ja sogar, Stellungen der SAA angreifen; das will ich aber erst mal sehen, bevor ich es glaube.

    100 Fahrzeuge im Konvoi sollen es sein, das ist schon eine Ansage.

    1. Eine Situation in der sich viel hochschaukelt aber auch hochgeschaukelt wird.

      Trotzdem: jetzt ist sogar die Rede davon, dass die syrische Luftwaffe türkische Ziele nördlich von Aleppo angreift.

      Konnte man über die „Inspektionsgruppe“ letzte Woche noch gelinde schmunzeln und das Ganze mit den üblichen militärisch-psychologischen Spielchen erklären, ist die heutige Situation – eine direkte Konfrontation der türkischen Armee gegen Russland und Syrien fernab jeglicher Kurdengebiete auf syrischem Grund und Boden – wie schon von dir geschrieben eine ganz andere Ansage.

  4. Wenn das so stimmt, dann will Erdogan in Soutschi weitere Zugeständnisse.
    Und er zeigt auch schon, was passiert, wenn er nicht bekommt, was er will.
    Offenbar hat er die HTS zum Teil unter seine Kontrolle gebracht.

    1. ulrich

      Meine Meinung dazu: dass die Türkei Teile von HTS unter ihre Kontrolle bringt, war einer der Bestandteile der Astana-Vereinbarung letzten September. Bis vor Kurzem sah es aber so aus, als würde der Türkei dieser Teil ihrer Aufgabe nicht gelingen, weshalb bald eine Erweiterung der Aufgaben von Iran, Russland und SAA angesagt gewesen wäre. Wenn es der Türkei nun doch gelingt, ihre Aufgabe zu bewältigen, hört sich das nicht unbedingt schlecht an, sondern eher nach weniger Restarbeit für Iran, Russland und SAA.

      1. Es ist absolut naiv zu glauben, dass die Türkei gegen Al-Kaida und Co in Idlib vorgehen wird. Diese Gruppen werden höchstens ihren Namen ändern und dann als türkische Proxis fungieren, unter deren Schutz sich dann zehntausende weitere islamistische Kämpfer vornehmlich Turkmenen, Uiguren und Tschtetschenen ansiedeln werden.

  5. In Afrin soll ein über 3000 Jahre alter Tempel zerstört worden sein von der türkischen Luftwaffe, obwohl dort keinerlei Kämpfe stattfanden. Diese absichtliche Zerstörung von Kulturgütern ist ja schon von anderen Gruppen bekannt…

    1. Bohnennase

      Ich glaube, die Schlüsselwörter sind da „soll … sein.“ Die kurdische Propaganda ist gerade schwer damit beschäftigt, die YPG mit allen erdenklichen Geschichten als die Guten und die Türkei als die Bösen darzustellen. Manches von dem, was da laut YPG geschehen „sein soll“ stimmt, anderes ist mehr oder weniger frei erfunden.

      Manches scheint mir in der kurdischen Propaganda aber auch nicht richtig durchdacht zu sein, etwa die Geschichte von der heroischen kurdischen Selbstmordattentäterin, die mit einem Selbstmordanschlag ganz allein einen türkischen Panzer außer Gefecht gesetzt haben soll. Jetzt soll das Publikum also plötzlich einen Selbstmordanschlag nach dem von ISIS und Al Kaida bekannten Muster gut finden, weil er von einer – natürlich völlig moderaten – Kurdin ausgeführt wurde.

      Und dann ist natürlich im Hintergrund die allgemeine Linie der YPG nicht zu vergessen: ganz schlimmm alles, Terror, Barbaren, Völkermord, Hilfe, helft uns doch, so die YPG-Propaganda, aber so schlimmm, dass die YPG die Hilfe der ihnen im Grunde freundlich gesinnten syrischen Armee anstelle von US-Hilfe akzeptieren würde, ist es dann doch nicht.

  6. Kurzbemerkung:

    Erdogan holt sich etwas zum tauschen: All-Eis.

    Meine Variante 2 mit Variationen tritt in Kraft.
    Erdogan versucht sich ganz Idlib unter den Nagel zu reißen und das Gebiet um Al-Bab dauerhaft zu annektieren.

    Er hielt wohl eine entsprechende Rede, die von seinen Gouverneuren und Präfekten und den Errungenschaften in Azaz.

    Sein Ziel ist seine „Pufferzone“ El-Bab und Iddlib.

    Der Deal der ihm vorschwebt ist ganz einfach:

    Er kriegt Idlib, Teile (?) von Affrin, Al-Bab und einen Streifen an der Grenze im Kurdengebiet. Die Amerikaner kriegen Transportwege ins restliche „gelbe“ Gebiet.
    Die Syrer kriegen Al-Eis wieder und ihre schiitischen Dörfer, vielleicht auch ein Stück von Affrin?
    Die Russen kriegen ihre 2. Leitung in die Türkei und das Ende seiner (Erdogans) Aktivitäten auf der Krim und in der Ukraine.
    Und aus der Nato muß er auch nicht austreten. (Ich las heute was das man einen Krieg der Nato mit der Türkei vorbereitete…. ob’s stimmt?)

    Und Erdogan ist seit Sulleman der größte aller Padischahs.

    Guter osmanischer Plan aber ob er in der Lage ist das umzusetzen?
    Wir werden sehen.

    Gruß PAule

  7. ***
    Island – Dringend
    @ AJABreaking

    DRINGEND Regierungsquelle: der Fall der vierten Brigade des Präsidentenschutzes in Aden, nachdem sie von den Kampfflugzeugen der VAE bombardiert worden war

    01:55 – 30. Jan. 2018
    ***

    Google-Übersetzung.
    Ernsthaft, Flugzeuge der VAE?
    Auch da wären zumindest Fotobeweise angebracht.

    Der Fall von Aden an die Separatisten wird von verschiedenen Seiten gemeldet.

    Mal sehen, was KSA und VAE daraus machen.

    1. andreas

      Das Schlüsselwort scheint mir hier „Regierungsquelle“ zu sein. Mit „Regierung“ dürfte da Ahmed bin Dagher gemeint sein, der schon die ganze Zeit behauptet, dass die VAE das STC unterstützen. Journalisten in der Stadt haben hingegen gesagt, zwar würden die ganze Zeit Kampfflugzeuge über Aden kreisen, bloß hätten die bislang nicht in die Kämpfe eingegriffen. Aber, nun ja, die „Regierung“ hat nun also offiziell bestätigt, dass die STC-Kräfte mittlerweile die Basis der vierten Brigade der Präsidentengarde in Aden haben.

      Wenn man sich aktuelle Bilder von der Basis anschaut, scheint mir das allerdings ohnehin schwer zu dementieren zu sein:

      Was ich hingegen interessant finde, ist die Theorie von Star-Twitterer Mujtaheed. Der meint sinngemäß, wenn ich das recht verstehe, die VAE hätten den Regime Change in Aden organisiert und der saudische Machthaber MbS, dessen Mentor der starke Mann in Abu Dhabi (MbZ) ist, habe zugestimmt. Die Regierung in Aden habe ihrer Absetzung jedoch nicht zu zugestimmt, weshalb das nun mit Gewalt erfolge. MbS befindet sich bezüglich Jemen nichtsdestotrotz jedoch in einer sehr schwierigen Lage.

      http://french.almanar.com.lb/760076

      PS: Zwischenzeitlich meldet AJA, eine Regierungsquelle sagt, dass der Fall der 4. Brigade der Präsidentengarde auf einen von der „Koalition“ vermittelten „Waffenstillstand“ zurückgeht:

      1. Vielleicht hat MbZ dem MbS sowas eingeredet: ihr den Norden, wir den Süden.

        Wir helfen natürlich auch den Norden zu holen (ein bisschen, vielleicht, mal sehen, wenns passt, dachte er sich dazu).

        MbS ist ja in außenpolitischen Fragen bisher mit sehr beachtlicher Naivität unterwegs, möglich, dass er darauf eingestiegen ist?

        Wobei natürlich der Verlauf des Krieges bisher auch dem Ignorantesten nicht entgangen sein dürfte, Hadi (oder welche Marionette auch immer) hat kaum jeminitische Truppen, und die Söldner bringen es auch nicht so richtig, gegen einen Großteil der Einheimischen.

        Vielleicht war ja der Saleh-Aufstand Teil eine Deals zwischen KSA und VAE; aber so richtig überzeugt das auch nicht, da man ja die Salehs eher mit VAE verortet.

      2. andreas

        „Vielleicht hat MbZ dem MbS sowas eingeredet: ihr den Norden, wir den Süden.“

        Mir sieht das eher danach aus, dass MbZ dem MbS die Pistole auf die Brust gesetzt hat: du hast mit deiner Führung die letzten Jahre des Kriegsdesasters zu verantworten, jetzt bin ich dran mit dem Kommando in der Koalition, sonst steige ich aus, und dann kannst du sehen, wie du allein zurechtkommst. Dafür könnte MbZ sich obendrein noch Rückendeckung vom US-Militär geholt haben. Ein weiteres Anzeichen dafür scheint mir zu sein, dass der Saudis fischiger UNO-Gesandte für den Jemen für April seinen Rücktritt erklärt hat. Da könnte nun ein eher den VAE nahestehender Mann nachrücken.

        Ali Saleh, oder seinem in den VAE weilenden Sohn Ahmad, könnte MbZ die Präsidentschaft des Nordjemen versprochen haben. Das wäre, wenn es geklappt hätte, für die Saudis zwar nicht toll gewesen, aber damit hätten sie leben können.

  8. APA schreibt (bspw im Standard)

    „Zu den Protesten in Aden hatte der sogenannte Übergangsrat der Separatisten aufgerufen, der sich für eine Selbstverwaltung der südlichen Provinzen einsetzt. Dem Gremium, das von der Hadi-Regierung nicht anerkannt wird, gehören fünf Provinzgouverneure und zwei Kabinettsmitglieder an.“

    Welche fünf waren das dann, die Zumra sind ja eher östlich, so eine richtig logiche Teilung finde ich nicht auf der Karte.

    Aber klar, die anderen außen den vier Provinzen müssen sich ja in einem sich abzeichnenden Machtkampf auch positionieren.

    Für Hadis Truppen ist es nun ziemlich sinnlos, gegen die Houthi zu kämpfen, wenn sie im Hinterland entmachtet und verjagt werden.

    Normalerweise lässt sich ja ein Deal vereinbaren, du kriegst das, ich krieg das; aber wie das PB schon so richtig geschrieben hat, wie sollte der hier aussehen; den Südjemen zu teilen wäre naheliegend, aber das ist als ganzes schon nicht viel mehr als ein Haufen Wüste, und außer Aden ist da nicht viel.

    Taizz, ehemals Nordjemen, halten Haids Spießgesellen derzeit; das ist recht groß, aber sehr ungemütlich derzeit (nahezu eingekesselt), außerdem keine Hafenstadt.

    Und Teile des Nordens zu verteilen, so lange da die Houthi sicher herrschen, ist nicht sehr lukrativ.

    Es sieht ja auch so aus, als ob die Saudis keinen konkreten Plan haben, außer: wir wollen, das unsere Marionette den ganzen Yemen beherrscht.

    Die VAE sind mit Aden und Militärstützpunkten dagegen wohl sehr zufrieden.

    1. andreas

      Die Namen der fünf Governeure oder Ex-Gouverneure im STC finden sich in der Wikipedia:

      https://en.wikipedia.org/wiki/Southern_Transitional_Council#Government_and_Presidential_commission

      Im Internet mehr zu diesen Personen herauszubekommen, ist dann schon nicht ganz so einfach. Zum Gouverneur, oder Ex-Gouverneur, von Mukalla, Generalleutnant Ahmed bin Breik, findet man zwar ein paar Bilder und Artikel, etwa das hier mit MbZ in Abu Dhabi:

      aus:

      https://yemen-press.com/news97649.html

      Aber so richtig aussagekräftig über die Biografien der Leute ist das nicht. Wenn ich da irgendwas erkenne, dann am ehesten, dass die Strippen bei MbZ zusammenlaufen zu scheinen.

      Eine faktische Teilung des Jemen entlang etwa der alten Grenzlinien muss erstmal gar nicht schlecht sein. Damit würde der Krieg gegen Sanaa vielleicht beendet werden können, denn ein De-Facto-Staat Südjemen scheint mir keinen Grund für Krieg gegen den Nordjemen zu haben, außer natürlich den, dass die Saudis oder die saudische Koalition unbedingt einen Regime Change in Sanaa will. Nur hätten die Saudis mit der Etablierung eines neuen De-Facto-Staates Südjemen kaum noch eine Rechtfertigungsmöglichkeit für den Krieg. Die Zumra im Süden müssten dann eben damit leben, mal wieder eine Weile von Tughma regiert zu werden.

      Möglicherweise hat MbS, ähnlich wie Mujtahid das behauptet, die Führung im Jemenkrieg an MbZ abgegeben. Und MbZ könnte anstreben, den idiotischen, teuren und sinnlosen Krieg, wie auch immer zu beenden. Die VAE bekämen dann die Oberhand im Südjemen, die iran-freundlichen Kräfte im Nordjemen, und die Saudis bekommen einen Vorwand, sich halbwegs gesichtswahrend aus dem immer teureren und verlustreicheren Krieg gegen Sanaa zu verabschieden, etwa so nach dem Motto, es hat eben nicht sollen sein. Was mir noch auffällt, ist das die VAE-Kräfte sich wie die Houthis und die Regierung in Sanaa dezidiert gegen Al Kaida positinieren, während Hadi und die Saudis da – freundlich formuliert – sehr ambivalent waren. Das könnte Trump entgegenkommen, der seinen Wählern schließlich einen Sieg über Al Kaida versprochen hat.

      Schauen wir mal. Für den Jemen ist das vielleicht ein bisschen viel Optimismus, denn da muss man immer mit allem rechnen.

  9. Ach, dasteht ja meine obige Spekulation schon auf twitter, hier von einem „saudischem General mit engen Beziehungen zu Kronprinz MbS“ (was immer das heißen mag).

    Jedenfalls ergibt das geschehen o einen gewissen Sinn;
    nun muss MbS nur noch den Norden unter Kontrolle von Ahmed Saleh bringen, den als seine Marionette kontrollieren (ist er doch derzeit von den VAE abhängig).

    „Nur noch“.
    So ein gesteigertes Ego kann ihn glauben machen, dass es einfach so laufen wird.

    Andererseits wäre das ein recht typischer arabischer Kompromiss; nur dass die Saudis m.E. mittlerweile weitgehend extrem verhasst sein dürften im Jemen macht so eine Variante auf friedlichem Wege sehr unwahrscheinlich.

  10. Angenommen es gibt diesen Deal zwischen MbZ und MbS, und bisher sieht es ja so aus, als ob es eher keine großen Kämpfe gibt.

    Dann müssen „Hadis Truppen“ jetzt nicht mehr Aden bewachen, da wurden sie ja vertrieben, also können sie sich ganz der Front mit den Houthis widmen.

    Andererseits stehen sie doch weitgehend ohne sichere Basis da.

    Die STC-treuen haben jetzt eigentlich keinen Anreiz, den Norden zu bekämpfen; die Houthis dürften einem Abkommen nicht abgeneigt sein, Spaltung, dafür Frieden.

    Die Saudis vielleicht noch einmal mit einer Gewaltaktion, und dann eine doch schnellere Entscheidung, so oder so.
    Wer weiß.

    1. andreas

      Die STC-treuen haben vielmehr einen starken Anreiz, dafür zu sorgen, dass die vom Südjemen aus gegen den Nordjemen operierenden Kräfte nicht gewinnen, Sanaa nicht einnehmen und Ahmad Saleh nicht in Sanaa an die Macht kommt.

      Würde Ahmad Saleh nämlich in Sanaa an die Macht kommen, müssten die STC-Tughma-Kräfte nämlich damit rechnen, dass es ihnen dann bald so geht wie unter Ali Saleh, und Ahmad Saleh alsbald eine erfolgreiche Zumra-Konteroffensive zur Rückeroberung von Aden und der Verhinderung der Spaltung des Jemen unterstützt.

  11. Wow, danke liebes Parteibuch für diese phänomenale Hintergrundberichterstattung. Gibt es eventuell Infos, wie der ehemalige Südjemen-Präsident Ali Salim el-Beidh zu den aktuellen Ereignissen in Aden steht? Gibt es möglicherweise Pläne für seine Rückkehr? Letzten Meldungen zufolge solle er sich ja im libanesischen Exil befinden, wo er angeblich proiranischen Kräften nahe steht.

    1. TaxiMan

      Ja, die Rolle von Ali Salim el-Beidh, dem einzigen Tughma-Politbüromitglied des Südjemen, der das Massaker vom 13. Januar 86 überlebt hat, und der nach dem Sieg der Tughma Staatschef des Südjemen war, ist eine spannende Frage. Er hat sicherlich noch viele Anhänger im Südjemen.

      Wenn ich das recht verstehe, hat er nach seiner Exilierung nach dem Krieg 1994 sowohl gute Kontakte zu den VAE als auch zu iran-freundlichen Kräften im Libanon. Ich habe bis jetzt nicht gehört, dass Ali Salim el-Beidh bei dem Umsturz in Aden irgendeine Rolle gespielt hätte. Das heißt aber mitnichten, dass er keine Rolle gespielt hat. Wenn er im Hintergrund eine Rolle gespielt hat, mag es angesichts der saudischen Feindschaft gegenüber dem Iran gute Gründe gegeben haben, das zu verbergen. Und ganz undenkbar ist es wohl auch nicht, dass das STC irgendwann, zur passenden Zeit, plötzlich Ali Salim el-Beidh, oder einen ihm nahestehenden Politiker, wie ein Kaninchen aus dem Hut zaubert.

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