Al Kaida gibt Fronten im Südosten der Idlib-Tasche auf

Während die syrische Armee auch am heutigen Dienstag im Osten der Provinz Idlib weiter auf breiter Front gegen die Al-Kaida-Hochburg Abu Dhuhur vorgerückt ist, hat die Terrorgruppe Al Kaida einige ihrer Fronten im Südosten der Idlib-Tasche aufgegeben.

Aufgrund der zumindest stellenweise nicht mehr vorhandenen Fronten im Osten der von Al-Kaida-Terroristen beherrschten Idlib-Tasche ist die Lage dort heute ausgesprochen unübersichtlich. Nachfolgende Karten von 24 Resistance Axis, @EmmanuelGMay und @GeromanAT mögen die heutige, vom Zusammenbruch von Al Kaida im Osten der Provinz Idlib dominierte, Entwicklung verdeutlichen, so gut das möglich ist. Hier ist zunächst eine übersichtliche Karte von 24 Resistance Axis zur heutigen Entwicklung im Ostend er Idlib-Tasche:

Die Karte von @EmmanuelGMay zur heutigen Entwicklung ist vermutlich etwas präziser, aber damit eben auch etwas unübersichtlicher:

Und hier ist die letzte Karte von @GeromanAT, die recht detailliert, aber dadurch eben auch weniger übersichtlich ist:

Angesichts der teilweise aufgelösten Fronten ist es mitnichten zu erwarten, dass irgendeine Karte wirklich präzise ist. Trotzdem lassen sich darauf drei Trends erkennen.

1. Die syrische Armee rückt von Süden weiter auf breiter Front auf die Stadt und den Militärflughafen Abu Dhuhur vor. So schnell wie das Vorrücken der Armee dort in den letzten Tagen ging, könnte die Armee Abu Dhuhur möglicherweise binnen Tagen oder Stunden einnehmen oder von ihren Verbindungen nach Westen abschneiden. Zum Hintergrund sollte man wissen, dass in Abu Dhuhur nicht nur die Operationszentrale von Al Kaida für den gesamten Osten der Idlib-Tasche liegt, sondern durch Abu Dhuhur inzwischen auch die einzige Nachschubroute der Terroristen dorthin verläuft. Zwar gäbe es theoretisch die Möglichkeit, durch den rund 15 bis 20 Kilometer breiten Streifen zwischen Abu Dhuhur und der Süd-Aleppo-Front der Armee nördlich von Abu Dhuhur aus dem Westen der Idlib-Tasche in den Osten zu kommen und umgekehrt, aber praktisch ist das extrem unpraktibel, weil das Gelände direkt nördlich von Abu Dhuhur ein größeres Sumpfgebiet ist, über das die Armee von ihrer Süd-Aleppo-Front aus obendrein weitgehend Feuerkontrolle hat. Das bedeutet, dass, wenn die Armee die Kontrolle über den Ort Abu Dhuhur, den Militärflughafen Abu Dhuhur oder einen beliebigen Punkt auf der Verbindungsstraße zwischen Abu Dhuhur und der Stadt Saraqib gewinnt, der Osten der Idlib-Tasche de facto vom Westen abgeschnitten ist. Dabei sieht die militärische Situation bereits jetzt so aus, dass die syrische Armee an einigen Stellen höchstens noch rund fünf bis acht Kilometer von der letzten Nachschubroute zwischen dem Westen und dem Osten der Idlib-Tasche entfernt ist, womit die Armee schon fast Feuerkontrolle mit Anti-Panzer-Lenkwaffen über die letzte Nachschublinie der Terroristen ausüben kann. Und die Armee rückt geradezu stündlich weiter vor.

2. Für die an den Fronten im Osten der Idlib-Tasche eingesetzten Al-Kaida-Terroristen bedeutet dies, dass sie, wenn sie auf ihrer Position blieben, keine Chance mehr hätten, einer in den nächsten Stunden gekappten Nachschublinie und damit ihrer vollständigen Umzingelung und anschließenden Eliminierung zu entgehen. Aus diesem Grund haben, wie es inzwischen im Grunde auch die westliche Propaganda meldet, zahlreiche bislang im Südosten der Idlib-Tasche eingesetzte Al-Kaida-Terroristen ihre Positionen an der Front verlassen und ihr Heil in einer wilden Flucht in den Westen der Idlib-Tasche gesucht.

3. Die dadurch stark geschwächten und stellenweise überhaupt nicht mehr vorhandenen Fronten haben es der Armee im Südosten der Idlib-Tasche ermöglicht, vorzurücken und bislang von Al Kaida schwer gesicherte Frontabschnitte bei Jakusiyah und Rahjan recht mühelos einzunehmen und darüber hinaus vorzurücken. Ebenso ist es durch Al Kaidas Aufgabe von Fronten im Südosten der Idlib-Tasche zu erklären, dass es der versprengten ISIS-Gruppe dort heute gelungen ist, gleich ein Dutzend Kilometer weit in bislang von Al Kaida beherrschtes Gebiet vorzurücken und dabei rund 15 – vermutlich weitgehend menschenleere – Dörfer zu überrollen. Was in der westlichen Propaganda nicht steht, ist, dass die versprengte ISIS-Gruppe im Südosten der Idlib-Tasche viel zu klein ist, um die rund 40 Dörfer, deren Kontrolle ihr nun zugeschrieben wird, auch halten zu können. So berichtete @watanisy am heutigen Abend bereits, dass, während ISIS nordwärts zieht, die syrische Armee nun von Südosten aus in die bislang von der versprengten ISIS-Gruppierung gehaltene Tasche vorrückt. Die auf den Karten eingezeichneten „Gebietsgewinne“ der versprengten ISIS-Gruppe im Südosten der Idlibtasche dürften deshalb eher als Versuch einer Wanderbewegung der Gruppe durch verlassene Gebiete in Richtung Norden, um dann vermutlich Richtung weiter in Richtung Westen der Idlib-Tasche zu ziehen, zu interpretieren sein.

Wo Al Kaida gerade eine strategische Niederlage erleidet, wundert es Beobachter des Krieges nicht, dass die von Bashar Al Assad und im Volksmund als Al Kaidas Luftwaffe verspottete israelische Luftwaffe in der Nacht zum heutigen Dienstag mal wieder Positionen der syrischen Armee angegriffen hat. Während das syrische Außenministerium in Briefen an die UNO erklärt hat, Israel verfolge mit solchen Angriffen auf die syrische Armee das Ziel, den Terrorismus zu stärken, meint Patrick Cockburn, Israel habe die Luft- und Raketenangriffe in der heutigen Nacht ausgeführt, um der israelischen Forderung Nachdruck zu verleihen, auf die Gestaltung der Nachkriegsordnung in Syrien Einfluss nehmen zu dürfen. Was auch immer das israelische Ziel für diese Angriffskriegshandlungen gewesen sein mag, ist es jedoch schwer vorstellbar, dass Israel seinem Ziel damit näher gekommen ist. Die syrische Luftabwehr scheint offiziellen Armeeangaben zufolge diesmal nämlich bei der Abwehr recht erfolgreich gewesen zu sein, sodass Israel mit dem Angriff nicht nur nochmals bewiesen hat, ein terroristischer Schurkenstaat zu sein, sondern gleichzeitig auch seine militärische Impotenz zur Schau gestellt hat.

Nachtrag Mittwoch 05:50h: Übrigens, EX-CIA-Mann Philip Giraldi hat gerade beim Unz Review eine Leseempfehlung für einen langen Artikel von Ex-NYT-Reporter James Risen im Intercept abgegeben, wo er unter anderem im Detail erzählt, wie George W. Bush seinen NYT-Bericht aus dem Jahr 2005 „Bush Lets U.S. Spy on Callers Without Courts“ (der sowas wie ein Vorläufer der Enthüllungen von Edward Snowden war) stoppen wollte, wie die New York Times und andere Massenmedien US-Regierungsaufforderungen zur Nichtveröffentlichung von Geschichten normalerweise routinemäßig nachgekommen sind und wie die Anwendung der totalitären Regierungsführungsmethode der Nachrichtenunterdrückung unter Obama und Trump weiter zugenommen hat. Der Leseempfehlung für diesen Insiderbericht über das korrupte Verhältnis von Massenmedien, Regierung und Geheimdiensten in den USA möchte sich das Parteibuch hiermit anschließen, auch wenn der Artikel von James Risen schon aufgrund seiner Länge nur Leuten zu empfehlen ist, die englisch gut beherrschen. Sicherlich sind die Verhältnisse diesbezüglich in Deutschland nicht viel besser, sondern vermutlich eher noch deutlich schlechter.

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17 Gedanken zu “Al Kaida gibt Fronten im Südosten der Idlib-Tasche auf

  1. ***
    Ivan Sidorenko @IvanSidorenko1 45 Min.Vor 45 Minuten

    #Syria #Idlib #idleb #Edlib #Edleb UNCONFIRMED Talks Between MIlitants say „Reports mentioning an Militant offensive targeting the SAA positions near Abu Dhuhur in Idlib countryside amidst reports mentioning the SAA retreating and repelled 5 km backwards“

    ***

    Da sind natürlich auch immer Maulhelden unterwegs, aber auch so ein vorübergehender rückzug wäre ja normales Vorgehen der SAA.

    Ob es eine größere Gegenoffensive gibt (worauf die Luftwaffen sicher schon warten), oder nur der Rückzugsweg aus Abu ad Duhur noch eine Zeit lang gesichert werden soll, bleibt abzuwarten.

    1. andreas

      Das dürfte ein Versuch der Terroristen sein, die pessimistische Stimmung in ihren Reihen mit Propaganda zu stoppen. Im Moment sieht das nämlich so aus, dass bei Al Kaida und Konsorten an einigen Fronten im Osten der Idlib-Tasche die Stimmung auf „rette sich wer kann“ steht. Al-Kaida-Führer Muhaysny ist fast am Heulen:

      Al Kaida und Konsorten brauchen unbedingt sowas wie einen Erfolg, um ihre Reihen zu stabilisieren, und selbst wenn er nur Propaganda ist.

  2. Ich denke, dass der heutige nächtliche Angriff Israels als Ablenkungsmanöver gestartet wurde, da während des Tages brisante Live-Mitschnitte vom Sohn Netanjahus veröffentlicht wurden, worin er von einem anderem Milliardärssohn 100€ für eine Prostituierte verlangt, mit der Begründung, Vater Netanjahu habe seinem Vater einen (korrupten) 20 Mrd. Gas-Deal eingefädelt.

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/israel-prahlerei-auf-sauftour-netanjahu-sohn-bringt-vater-in-erklaerungsnot-1.3818258

    1. Ein erstaunlich „antisemitischer“ Beitrag in der SZ.
      Rein gefühlsmässig würde ich die Süddeutsche eher als
      dem US-Apparat hörig betrachten (während die „Zeit“
      eher die Zionisten-Versionen verbreitet).
      Ist es vielleicht gar kein „Zufall“, dass Nethanjahu aus
      „deutscher Sicht“, also entgegen der merkelschen Staats-
      doktrin, ans Bein gepinkelt wird ?
      Man macht nicht mal eben ne Aufnahme von Fahrgästen
      – aber bekannt ist, dass gegen Eliten und Entscheidungs-
      träger durch Geheimdienste Material gesammelt wird, um
      mittels Erpressung Steuerungsmöglichkeiten zu haben.
      Auch wenn es sehr vage ist : ich vermute mal, dass US-
      Dienste gerne die Ablösung von Nethanjahu unterstützen,
      vielleicht sogar von Israelis kräftig unterstützt werden, und
      wenn es über den Umweg von Sohn Jair läuft.
      Ein Staatschef wird sicherlich umfassend von eigenen Diensten
      abgeschirmt; unter normalen Umständen hätte aber das
      bisherige Material zur Korruption längst zum Rückzug
      Nethajahus führen müssen.

  3. Das Kanonenfutter der *** Mafia soll das gesamte Al Hass Plateau Hals über Kopf verlassen haben.

  4. Gegenangriff entweder reine „Facebook-Attacke“, oder kaum wahrnehmbar.
    Es geht weiter, die weitgehend von Terroristen (und Freunden) verlassenen Gebieten werden jetzt auch von Südaleppo aus von der SAA eingenommen; echter Stress für die Kartenzeichner.

    Abu ad Duhur und die Airbase werden sturmreif geschossen, die Truppen rücken näher, nur eine Frage recht kurzer Zeit.

    Aus Russland kommen mehr Informationen zum Angriff auf Heimin mit beschädigten Jets und zwei getöteten Soldaten; 13 Drohnen, GPS-gesteuert, ein amerikanisches Spionageflugzeug war während der Zeit in der Luft.
    Es gab Bilder die den Ort zeigen sollen, wo die Drohnen gestartet wurden; nahezu komplett eingeebnet.
    Der Vorfall, egal ob die Amis nun direkt oder indirekt oder ein anderer Geheimdienst die Fäden in der Hand hielt, zeigt, dass man immer extrem wachsam sein muss; die Jets brauchen natürlich Hangars, die zumindest kleineren Angriffen stand halten.

    1. Bild von den runtergeholten Drohnen; einige abgeschossen, andere wurden übernommen, die sehen ja intakt aus.

  5. Die Türkei bestellt den russischen und iranischen Botschafter ein, wegen des „Angriffs“ in der Deeskalationszone.

    Irgendwas müssen sie wohl tun, und wenn es nur symbolisch ist, um ihre Terroristenfreunde nicht gänzlich abzuschrecken.
    Wie ernst das gemeint ist, wissen vielleicht die Botschafter, aber sie werden wohl nichts darüber sagen.

    Das Gebiet bis zur Bahnlinie müsste ungefähr der „iranischen Zone“ entsprechen; mal sehen, ob wirklich nach der Einnahme Strukturen installiert werden sollen, in denen iranische Truppen eine wichtige Rolle spielen, neben lokalen Verbänden und Regierungstruppen.

    Die „russische Zone“ geht dann ungefähr bis zur Autobahn?

    1. ***
      Ragıp Soylu @ragipsoylu 19 Min.Vor 19 Minuten

      Turkish FM says Assad regime isn’t just attacking but extending its territory in Idlib. “The regime couldn’t have done that without Iranian and Russian permission. They must stop it immediately”
      ***

      Aha, „extending its territory“, und das im eigenen Land, also das geht ja wohl gar nicht!

      Außenminister, kein Hinterbänkler, merken die da noch etwas in Ankara?

      Andererseits: klar sieht es so aus, als ob die Türken einfach über den Tisch gezogen wurden.
      Ihr schaltet eure Unterstützung für die Terroristen ab, dafür gibt es die Deeskalationszone mit gewissem Einfluss für die „Rebellen“.

      So wie es jetzt aussieht, bleibt nach der Bekämpfung von Al Kaida und anderen offenen Terrorbanden schlicht kein „Rebellengebiet“ mehr übrig.

      Aber so ist es halt, wenn selbst die mit einem noch relativ intaktem „moderaten“ Mäntelchen keine organisatorische und räumliche Loslösung von den offenen Terroristen schaffen, werden sie auch nach der Logik der UN-Resolution, Wien, Genf, Astana einfach mit marginalisiert.

  6. Auch von Khanasser aus jetzt ein großer Push, wird eng für die IS-Gang, da noch rauszukommen.
    Ich würde sie ja durchlassen, immer eine gute Chance für Infight.

    1. Es war sehr ruhig um Is und nach Norden sind wenig Dörfer, vielleicht sind sie ja heute schon raus oder diese Nacht. Mal sehen, wo sie auftauchen.

      1. Lutz

        Auf IS-Behauptungen würde ich nichts geben. IS verbreitet so oft Fake News, dass es eine seltene Ausnahme ist, wenn davon mal was wenigstens teilweise stimmt.

    2. andreas

      Das letzte mal war die gleiche IS-Gruppe in Zentralsyrien vollständig von der Armee umzingelt und ist dann durch die Front der Armee nach Südostidlib durchgebrochen. Ich vermute, wenn die Armee meint, ein Transfer dieser IS-Gruppe nach Westidlib sei eine gute Sache, dann kann ihr auch diesmal ein spektakulärer Frontdurchbruch gelingen – und kaum sind sie durch, schließt sich die Front der Armee wieder.

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