Syrische Armee nimmt Unterbezirksstadt Sinjar im Südosten der Provinz Idlib ein

Während in Russland und weiten Teilen Syriens heute das orthodoxe Weihnachtsfest gefeiert wurde, hat die syrische Armee im Kampf gegen die Terrorgruppe Al Kaida im Südosten der Provinz Idlib das Städtchen Sinjar und eine Reihe weiterer Dörfer in der Umgebung eingenommen.

Das syrische Verteidigungsministerium hat dazu heute ein kurzes Video vom Vorrücken der syrischen Armee im Südosten der Provinz Idlib veröffentlicht:

Auf einer Karte von @EmmanuelGMay sehen die Fortschritte der Armee an der Front heute wie folgt aus:

Demnach ist die syrische Armee nun nur noch 14 Kilometer von der Al-Kaida-Hochburg Adu Dhuhur entfernt. Andere Beobachter gehen davon aus, dass die syrische Armee die weiter nordwestlich von Sinjar gelegenen Ortschaften Ajaz und Groß- und Klein-Karratin auch schon eingenommen hat, doch definitiv bestätigt scheint das zur Stunde noch nicht zu sein.

Nachtrag 22:00h: In Harasta direkt nordöstlich der Damaszener Innenstadt ist es der Armee heute gelungen, die Verbindung zu den abgeschnittenen Armeeeinheiten wiederherzustellen.

Die Armee gibt ihre vorgelagerte Position „Fahrzeugmanagement“ dabei nicht auf, sondern baut sie aus.

Nachtrag Montag 01:25h: @Suriyak meint, die syrische Armee hat nordwestlich von Sinjar die Ortschaften Ajaz und Groß-Karratin bereits eingenommen, nicht jedoch Klein-Karratin. Demnach sähe die Lage an der Front da wie folgt aus:

Außerdem sagt @Suriyak, dass Zivilisten in den vier südöstlich von Sinjar liegenden und noch nicht von der Armee eingenommenen Dörfern Maksar al Tahtani, Makaysar al Fawqani, Jubb al-Ghasab und Abu al Alaj die syrische Fahne gehisst hätten, nachdem sie die Terroristen vertrieben haben.

Das könnte natürlich auch einfach nur eine Umschreibung dafür sein, dass die dortigen Terroristen die Flucht von der Front ergriffen haben oder die Einwohner einen Seitenwechsel machen wollen. Wie dem auch sei, wenn irgendwas davon stimmt, sind das gute Nachrichten, und solche Entwicklungen würden den schnellen Vormarsch der Armee in den letzten Tagen plausibel erklären.

Nachtrag Montag 02:45h: Die zionistische Tagesschau lügt übrigens die Terrorgruppe Al Kaida in Syrien weiter zu „einer oppositionellen Gruppierung“ um. Zur heutigen Autobombe in Idlib meldete die Tagesschau:

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters galt der Anschlag dem Hauptquartier einer oppositionellen Gruppierung.

Der Name der von der Autobombe betroffenen „oppositionellen Gruppierung“ ist übereinstimmenden Angaben von syrischen Regierungsanhängern und Regierungsgegnern Ajnad al-Kavkaz (Soldaten des Kaukasus), eine von Rustam Azhiyev, einem tschetschenischen Schüler des bis zu seinem Tod 2002 international aktiven saudischen Terroristen Samir Saleh Abdullah, dessen vornehmlich aus kaukasischen und zentralasiatischen Söldnern bestehende Gruppe in Syrien jahrelang im Verbund mit Al Kaidas Eroberungsfront gekämpft hat.

Übrigens, noch etwas Hintergrund zu den Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Jihadi-Terroristen in Idlib: Kürzlich war Ajnad al-Kavkaz bei Al Kaida wohl in Ungnade gefallen, weil die Gruppe sich solange nicht mehr an Kämpfen (gegen die syrische Armee) beteiligen wollte, bis sich die Terrorgruppen Al Kaida und Ahrar Al Sham auf eine gemeinsame Strategie für ihren Kampf geeinigt haben. So könnte auch der heutige Bombenanschlag in Idlib gegen Ajnad al-Kavkaz zu erklären sein: die Terrorgruppe Al Kaida hat nämlich gerade wütend Kampfverweigerer für ihre krachende Niederlage im Südosten der Provinz Idlib verantwortlich gemacht. Die heutige Autobombe könnte da durchaus eine Strafaktion gegen kaukasische Kampfverweigerer gewesen sein.

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20 Gedanken zu “Syrische Armee nimmt Unterbezirksstadt Sinjar im Südosten der Provinz Idlib ein

    1. Bohnennase

      wichtig ist da der Nachsatz in der Überschrift: – Medien.

      Nicht, dass ich das nicht für möglich hielte, aber die Quellenlage (es scheint sich bloß um einen unbestätigten Bericht von Al-Quds Al-Arabi zu handeln) für dieses Gerücht finde ich bislang ausgesprochen dürftig.

  1. 35 auf einen Streich:

    der syrische Geheimdienst hat heute das Hauptquartier der tschetschenischen Islamistengruppe Ajnad al-Kavkaz in Idlib-Stadt(!) in die Luft gesprengt und dabei mit einem Schlag 35 z.T. ranghohe Terroristenführer getötet.

    Chapeau!

    1. Pragmatisch

      Die Behauptung von Wael Al Hussaini, dass der syrische Geheimdienst hinter der Bombe steckt, scheint mir nach einer unüberlegten Weiterverbreitung von Terroristenpropaganda auszusehen.

      1. Parteibuch

        Du bist da meist sehr viel mehr im Detail – aber die Aussagen von Wael Al Hussaini waren bislang eigentlich meistens der Gruppe „vertrauenswürdig“ zuzuordnen…

  2. Situation in Süd Idlib ist zur Zeit sehr günstig für SAA. Ich traue Situation irgendwie nicht. Tigers Linie werden sehr lang und müssen von beide Seite gesichert werden. Angeblich mehrere Dörfer haben Syrische Flage aufgehängt. Tiger hat bis jetzt gute Gespür gehabt und ich hoffe auch dieses mal. Erfreulicher ist, dass bis jetzt keine Gegenangriff stattgefunden hat was bedeutet, dass Islamisten zestritten sind und nicht in Lage für einen Gegenangriff sind.
    Gleichzeitig ist Lage in diese IS Tasche unklar. Mehrere Proislamistische Quelle werfen SAA vor IS mit Waffen und Logistik zu unterstüzen. Mir ist unklar, wie aus nichts sich IS dort gefunden hat und von wo beziehen sie Waffen und Munition.
    Auch unklar ist, wieso andere Fronts in Gegend ruhig sind.
    Leider in Harasta ist Tag für SAA nicht gut gelaufen. Ofensive ist fast zu stilstand gekommen. Sogar Islamisten melden Gegenangrif. Mehrere Pro SAA Milizen und 2 Brigade schaffen bis jetzt kein Durchbruch.
    In Nord syrien ist USA dran neue Staat zu grunden. Kurden und SDF sind dran Nord Syrische Armee zu grunden. USA wird wie Beschutzer und Garant für diese Staat auftretten und sich dabei eine Längere Presenz in Syrien zu sichern. Türkei wird gezwungen diese spiel mitzumachen auch weil in Nord Syrien Araber immer noch Mehrheit Bewölkerung haben und dadurch wird türkische Angst von Kurdistan gedämpft. Gleichzeitig muss Russland Türken beweisen, dass Erbil Kurden bereit sind unter Assad weiter zu leben. Ohne Türken können Russen USA nicht aus Syrien rauswerfen und Türkei wird sich ein Bruch mit USA nicht riskieren.
    Auch in Neuen Jahr bleibe ich vorsichtige Pessimist.
    Grüss an alle.

    1. Ich kann mir einen einseitig proklamierten Kurdenstaat in Nord-Syrien nicht als reale und in der Praxis funktionierende Entität vorstellen. Zwar gibt es viele Scharfmacher auf Kurdenseite, aber auch viel pragmatisch handelte Personen.

      Allein aus wirtschaftlicher Sicht gesehen, ergäbe ein gegen den Willen aller(!) umgebenden Kräfte ausgerufener Kurdenstaat ohne Meeresanbindung keinen Sinn.

      Im Gegenteil: ich vermute, dass Russland auch da sowohl auf die syrische wie auch auf die kurdische (Regional-)regierung einwirkt. Am Ende wird es so aussehen, dass den Kurden mehr Rechte und Freiheiten gewährt werden, diese Teil Syriens bleiben und dafür ihr Öl losbekommen.

      Die jetzigen öffentlich ausgetragenen „Dispute“ sehe ich als reines Säbelrasseln.

    2. Es sieht danach, dass SAA ist gelungen zu Eingekesselte Soldaten vorzudringen. Jetzt wird Aufgabe sein Korridor zu verbreiten. Ein grösse Erfolg und ein Motivation Schub für SAA.

  3. Ein Video aus Sinjar:

    Auch wenn es aus mitteleuropäischem Blickwinkel im ersten Moment recht traurig aussieht, muss man dennoch festhalten, dass sich die Schäden in Grenzen halten. IvanSidorenko1 schätzt demzufolge auch, dass die meisten Terroristen ohne viel Gegenwehr die Flucht ergriffen haben.

  4. Sorry, Jetzt mal etwas offtopic.
    Gibt es in Pakistan und Iran immer noch einen Bürgerkrieg zwischen den Belutschen und den Regierungsstreitkräften?
    Im Iran gab es sogar Rebellen wie Jundullah, die Terrornaschläge verübten.

    Und noch ein andere Sache die mich wundert: Viele Medien berichten über die Bürgerkriege udn Unruhen in Syrien,Irak,Jemen oder Myanmar (Rohingyas). Aber wurde in den letzten 15 Jahren so wenig über den Bürgerkrieg in Pakistan verichtet. Dort gibt es eine sehr große Vielzahl von Ethnien udn sogar Separatsistische Strömungen, die ständig Anschläge verüben und KleinKriege gegeneinander führen.
    Waziristan ist auch so ein Pulverfass, wo es ständig brodelt und Schießereien stattfinden. ABer in den Medien findet es kaum Beachtung.

    1. Jiang Hu

      Nachdem Iran den von USA und Israel geförderten Terroristen Abdulmalek Rigi 2010 gefasst hat, ist es in Bezug auf „Beluchistan-Terrorismus“ im Iran deutlich ruhiger geworden. Hilfreich war sicher auch, dass sich die Beziehungen von Iran und Pakistan in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, und Pakistan von den Saudis etwas abgerückt ist. Es gibt in der Gegend im Iran aber nach wie vor ab und an Tote bei Gefechten mit Drogenschmugglern aus Afghanistan.

      Die pakistanische Seite der afghanisch-pakistanischen Grenze ist bekannt als Taliban-Land, und natürlich gibt es da immer wieder einige Tote bei Auseinandersetzungen mit Extremisten. Das war kürzlich auch recht klar in vielen Medien, nachdem Trump begonnen hat, deswegen Druck auf Pakistan zu machen. Um das wirklich Bürgerkrieg zu nennen, gibt es vermutlich nicht genug Tote in Gefechten, obwohl Extremisten da reichlich Terroranschläge gegen ihnen nicht passende religiöse Minderheiten wie Schiiten verüben.

  5. Warscheinlich wäre es besser gewesen, wenn man die Rebellen auch an anderer Stelle, in Ost-Ghouta, beschäftigt hätte. So haben diese die Gelegenheit sich in Harasta in Gemeinschaft zu üben.

  6. Hallo zgvaca, es ist auch angenehm, die Antworten eines Pessimisten zu lesen.
    Erfreuliche Kunde gibt es aus dem Iran. Die letzten Demonstrationen waren voll gegen usa und die anderen Kriegstreiber gerichtet. Gehe mit euch mit, das es eine komische Attacke der Amis war.
    Angeblich wurde russischer Stützpunkt in Hmeimim mit Drohnen angegriffen, meldet Sputnik.

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