Russischer Generalstab: Syrische Armee führt Aufräum-Operation gegen besiegte Terrorgruppe ISIS durch

Wie General Sergei Rudskoi, der Leiter der Hauptoperationsabteilung des russischen Generalstabs, am heutigen Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Moskau erklärte, führt die syrische Armee gegenwärtig eine Aufräum-Operation gegen die geschlagene Terrorgruppe ISIS in der Nähe ihrer letzten ehemaligen Hochburgen durch.

In den befreiten Ortschaften wird entmint und nach versteckten ISIS-Sabotagetrupps gesucht. Weiter führte General Rudskoi aus, dass der finale Schlag gegen die letzten ISIS-Bastionen am östlichen Ufer des Euphrat von Volksmilizen örtlicher Stämme mit russicher Unterstützung und Planung in einem gemeinsamen Operationszentrum in Salihiya ausgeführt wurde. Besonders interessant ist in dem Zusammenhang die Karte zur Lage in Syrien, die hinter General Rudskoi im Großformat hing.

Um die Karte zu verstehen, mag eine Übersetzung der Legende hilfreich sein:
– (rosa) von der syrischen Armee kontrollierte Gebiete
– (pink) von Einheiten der östlichen Stämme des Euphrats kontrollierte Gebiete
– (hellgelb) von Kurden kontrollierte Gebiete
– (orange) Deeskalationszonen
– (hellblau) von Einheiten der Opposition kontrollierte Gebiete.

Zunächst mal ist dabei auffällig, dass die von Russland als „Opposition“ betrachteten Einheiten über nicht sonderlich viel Gebiet verfügen, um genau zu sein, nur die Azaz-Al Bab-Jarabulus-Tasche im Norden und die Tanf-Tasche im Süden. Selbst wenn man die Deeskalationszonen noch ganz oder, was realistischer ist, teilweise der „Opposition“ zurechnet, wird da nicht viel von der „Opposition“ kontrolliertes Gebiet draus. Der Knüller auf der Karte ist aber das Gebiet in pink, dass der russische Generalstab auf seiner Karte als „von Einheiten der östlichen Stämme des Euphrats kontrollierte Gebiete“ beschreibt, und die Rudskoi zufolge mit russischer Unterstützung und Planung eingenommen worden sein sollen. Da sind die ganzen großen Ölfelder östlich des Euphrat bei, einschließlich des Omarfeldes, von dem die Israel-Lobby unbedingt wollte, dass die syrische Regierung da nicht die Kontrolle drüber bekommt, um darauf aufbauend einen leistungsfähigen Korridor Bagdad-Damaskus und ein Erstarken der Regierung in Damaskus zu verhindern. Während der letzten Wochen hatten denn auch praktisch alle Karten diese Gebiete als von US-gestützten SDF-Kräften eingenommen ausgewiesen, was von manchem Freund Syriens hier schon als demoralisierendes Zeichen dafür gesehen wurde, dass die syrische Armee das Rennen um die wichtigen Ölquellen östlich des Euphrat gegen die US-gestützten Kräfte verloren hat. Wir hatten hier im Parteibuch dazu jedoch schon vor einem Monat darauf hingewiesen, dass der legendäre iranische Generalmajor Qassem Soleimani und seine Quods-Brigaden des IRGC am Euphrat aktiv sind, dass es iranische Berichte gab, zahlreiche Stammeskämpfer der Gegend hätten sich den als „Palästinensermiliz“ bezeichneten Quds-Brigaden angeschlossen und dass es iranische Berichte gab, denen zufolge „Spezialkräfte der syrischen Armee“ die Ölquellen unter Kontrolle gebracht hätten.

Und genau das scheint nun der russische Generalstab offiziell bekannt gegeben zu haben: nicht wie Israel und Kumpane in den letzten Wochen gedacht haben, US-geführte SDF-Kräfte, sondern mit Russland und der Achse des Widerstandes verpartnerte Kräfte haben die wichtigen Ölfelder östlich des Euphrat unter Kontrolle. Noch eine Anmerkung zum US-Militär diesbezüglich: in den letzten Wochen hatten die USA mehrfach den Eindruck erweckt, sie hätten das israelische Ziel übernommen, der syrischen Armee die Kontrolle über die Ölfelder zu verwehren, doch dazu, dass unter dem Schutz der russischen Luftwaffe operierende Kräfte die Ölquellen eingenommen hatten, haben die US-Militärs in den letzten Wochen kein Sterbenswörtchen gesagt, und unternommen haben sie dagegen offenbar auch nichts.

Ansonsten war der Tag heute von Nachrichten zu Trumps gestriger Entscheidung, Al Quds als Hauptstadt Israels anzuerkennen, geprägt. Viel passiert ist da bislang aber noch nicht. Hisbollah-Generalsekretär Hassen Nasrallah hat dazu heute eine Brandrede gehalten, die Hamas-Führung in Gaza hat für morgen einen Tag des Zorns und den Beginn einer Intifada angekündigt, aus Gaza sind ohne einen Schaden anzurichten ein paar Raketen auf Israel geflogen, worauf die IDF Vergeltungsmaßnahmen gegen Gaza eingeleitet hat, und natürich gab es palästinensiche Demonstrationen, bei denen einige Palästinenser verletzt wurden.

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12 Gedanken zu “Russischer Generalstab: Syrische Armee führt Aufräum-Operation gegen besiegte Terrorgruppe ISIS durch

  1. Die Karte ist noch nicht Realität, das sieht man auch an Idlib, bis zundieser Karte ist es noch ein weiter Weg. Auch in Daraa geht das SAA Gebiet an der Autobahn bis an die Grenze, was derzeit noch nicht der Fall ist. Die Karte ist im besten Fall im Sommer 2018 Realität.

  2. Es geht mit großen Schritten vorwärts.
    Interessant finde ich die Meldung bei Sputnik,
    „Dass Erdogan angekündigt hat, das Problem mit Putin zu besprechen, zeigt dessen Wunsch, die Lage und die Meinung anderer großer Akteure in der Region zu sondieren“
    Hier steht ein festes Bündnis.

    1. @pb

      Was ist denn ein „kräftiger Tritt in die Magengegend von MbS“, wenn er ein Bild von Jesus Christus bzw. vom Isa ibn Maryam kauft?

      Nach meiner Erfahrung schreien Zionisten zuerst auf, wenn Christen und Muslime über den Jesus/Isa reden und kommen dann ganz schnell mit Geschichten, dass der Jerusalemer Großmufti Hitler erst zum Holocaust angestiftet hätte. Bibi liebt diese Geschichte ganz besonders.

      1. Meier

        Nicht so sehr der Gegenstand des Bildes dürfte in den Augen vieler einfacher Saudis ein Problem sein, sondern der hohe Preis, und die Tatsache, dass MbS das teure Bild heimlich über einen Proxy gekauft hat, um den Kauf vor der Öffentlichkeit, insbesodnere der saudischen, zu verbergen. Sein Image als Anti-Korruptionskämpfer nimmt dadurch Schaden.

  3. Seit heute bin technisch in der Lage jede Sendung aufzunehmen und wann und wo ich will auch wiederzugeben. Ich muss am Wochenende nur die Kabelei sortieren und verschwinden lassen.

  4. @Karsten,

    http://www.onlinetvrecorder.com ist Dir bekannt? Kann aber manchmal passieren das sie am Anfang oder Ende zuviel wegschneiden.

    @PB,

    vielen Dank für die ausführlichen Yemen Artikel (Wer kämpft gegen wen Teil 1-3). Super um in das Thema reinzukommen. Syrien hatte ich irgendwann den Überblick verloren und wurde durch einen Freund gebrieft der täglich alle Änderungen auf der Karte nachvollzogen hatte. Er war somit in der Lage geographische Falschdarstellungen (und darüber hinaus) der Presse aufzuspüren. Später kam dann noch mehr Licht ins Dunkele durch Deinen Blog. Und jetzt danke für den Einstieg in den Yemen.

    Was mir aber trotzdem nicht so ganz einleuchtet ist die Rolle der Amerikaner im Yemen: Same old song and dance? D.h. Pentagon rüstet das Militär gegen Al Kaida aus – die CIA unterstützt Hadi und seine Separationsbestrebungen. Funktioniert das nicht greift eben Saudi Arabien ein. Würde SA gewinnen fahren sie ihre Unterstützung zurück – und so weiter und so fort für einen immer währenden Bürgerkrieg (rede hier von den Globalisten/Ralph Peters neue Weltkarte – Trump war 2015 ja noch nicht am Ruder)?

    1. Helm ab

      Im Jemen ist es definitiv nicht so, dass die CIA die eine Seite und das US-Militär die andere Seite unterstützt hat. Kräfte des US-Militärs haben bis kurz vor dem Beginn der saudischen Bombardierung die von ihnen ausgebildeten und ausgerüsteten jemenitischen Anti-Terrorkräfte beim Kampf gegen Al Kaida unterstützt. Gemeinsam basiert in der großen Luftwaffenbasis 40km nördlich von Aden haben sie beispielsweise buchstäblich bis Stunden vor dem Beginn der saudischen Bombardierung aktiv zusammen gegen die gleichen von Saudi Arabien unterstützten Al-Kaida-Kräfte gekämpft.

      Als die Saudis mit der Bombardierung angefangen haben, sind die US-Kräfte blitzschnell von da abgezogen und das US-Militär hat bekannt gegeben, in dem Krieg die saudische Seite unter anderem mit Waffenlieferungen, Betankungen und Geheimdienstinformationen zu unterstützen. Und die Saudis haben dann auch prompt Bomben auf die von den USA ausgebildeten und ausgerüsteten jemenitischen Eliteeinheiten im Kampf gegen Al Kaida geworfen. Und gleichzeitig fliegen die USA Drohnenangriffe auf Anführer der saudischen Bodentruppen von Al Kaida. Dieses US-Verhalten ist schier unfassbar grotesk und bluttriefend zynisch.

      Dazu, warum die USA und das US-Militär sich so verhalten, kann ich nur spekulieren. Meine Vermutung ist, dass die USA den Saudis eine Lektion erteilen wollen, davon ausgehen, dass die Saudis den Krieg gegen die von den USA ausgebildeten und ausgerüsteten jemenitischen Anti-Terror-Kräfte verlieren werden und die USA es insgeheim genau darauf anlegen: nämlich dass die Saudis im Krieg gegen den Jemen eine dicke Niederlage kassieren und es dadurch zu begrüßenswerten Änderungen in Saudi Arabien und der Region kommt.

      Wie in Syrien und Irak setzt übrigens Trump die Politik aus Obamas zweiter Amtszeit auch in Bezug auf den Jemen nahtlos fort.

      1. Besten Dank für die ausführliche Antwort!

        Bin wirklich gespannt was Trump noch mit MBS vorhat.

        Dieses Hin&Her der USA hat vielleicht gar keine Methode – Ben Garrison hat das hier mal illustriert:
        https://grrrgraphics.com/the-cia-unleashed/

        Es müssen ja nicht Präsident & CIA sein – sondern die beliebigen unterschiedlichen Kräfte die von beiden Seiten zerren / unterschiedlich stark sind.

        Dafür das die USA das seit Jahrzehnten machen haben sie sich erstaunlich lange im nahen Osten gehalten.

      2. Die US Politik und die Politik Trumps ist nicht so leicht durchschaubar und auch widersprüchlich.
        So wenn sie Saudi Arabien im Krieg gegen das jemenitische Volk unterstützen aber eine saudische Niederlage erwarten oder sogar wollen. Wie groß ist denn die US Unterstützung für SA im Krieg gegen Jemen tatsächlich. Ich habe auch mehrfach gelesen, dass es nicht amerikanische sondern britische Offiziere sind, die die saudische Luftwaffe beraten und die Angriffe koordinieren.

        Ein Linie läßt sich bei Trump aber erkennen, er bekämpft die Terroristen von IS und AL Kaida und Hamas sowie auch die Staaten , die Terroristen unterstützen, wie Katar. Und noch wichtiger, er behindert in Syrien und Irak den Kampf gegen die Terroristen nicht.
        Das große Saudi Arabien kann er nicht bekämpfen, da mischt er sich in die Innenpolitik, indem er MbS unterstützt. Was den Iran angeht, so greift er diesen wortgewaltig und heftig immer wieder an, aber seine Handlungen haben dem Iran bislang keinen Schaden zugefügt.

        So ist es auch jetzt mit der Entscheidung nach die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen.
        Bei den dadurch zuerwartenden Auseinandersetzungen ist ja gar nicht in erster Linie der
        Iran betroffen, sondern die Palestinenser und da zuerst die Hamas, der viele in Syrien zu Recht mißtrauen, und die , um ihre Glaubwürdigkeit nicht ganz zu verlieren, jetzt zum Kampf gegen Israel aufrufen muss. Und dann wird MbS seine Israel freundliche Haltung aufgeben müssen, um die Bevölkerung hinter sich zu bringen und seine Macht zu festigen.
        Der Iran, der ja von einer klugen besonnen Regierung geführt wird, kann in dem Durcheinander nur gewinnen.
        Durch diese Entscheidung zur richtigen Zeit hat es Trump geschafft, seine größten Gegner gegeneinander zu bringen und gleichzeitig einen innenpolitischen Erfolg zu erreichen.

      3. ulrich

        Genau wie die Achse des Widerstandes dürfte auch Hamas eher gestärkt worden sein durch Trumps Jerusalem-Erklärung, denn Hamas befürwortet eine härtere Linie in Verhandlungen. Hamas kann nun innenpolitisch darauf verweisen, dass die nachgebende Linie der PLO einmal mehr zu keinem guten Ergebnis geführt hat.

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