Trumps saudischer Plan bringt es ans Licht

Der nachfolgende Text ist eine von Demeter gefertigte Übersetzung des vorgestern auf Englisch bei Consortium News unter dem Titel „Trump’s Saudi Scheme Unravels“ veröffentlichten Artikels von Alastair Crooke.

Crooke legt in dem Artikel, dessen Titel sich auch mit „Trumps saudisches Komplott fällt auseinander“ übersetzen ließe, dar, wie der von Trump unterstützte Plan des Erschaffen einer saudisch-israelischen Kriegsachse gegen Hisbollah und Iran gerade auseinanderbricht. Kritisch angemerkt sei dazu nochmal, dass Crooke es unterlässt, darauf hinzuweisen, dass möglicherweise (meiner Meinung nach) genau dieser Bruch – ganz analog zur Katar-Geschichte – der eigentliche Kern der Nahost-Strategie des weißen Hauses und des US-Militärs ist. Vielen Dank an Demeter für die Übersetzung.

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Trumps saudischer Plan bringt es ans Licht

Präsident Trump und sein Schwiegersohn setzten darauf, dass der junge saudische Kronprinz einen Plan zur Umgestaltung des Nahen Ostens umsetzen kann, aber der Plan offenbarte schnell wie gefährlich und amateurhaft er war.

von Alastair Crooke

“Der bemerkenswerteste Erfolg von Mohammad bin Salman (MbS, dem saudischen Thronfolger; d.Ü.) im Ausland” könnte, laut Ansicht von Miller und Sokolsky (Autoren bei „Foreign Policy“) durchaus im “erfolgreichen umwerben und überzeugen von Donald Trump und dessen Schwiegersohn, Jared Kushner, bestehen”. Tatsächlich dürfte es für MbS bei diesem “Erfolg” bleiben.

„Es brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit“ so Miller/Sokolsky. “Vor allem trafen hier zeitnah strategische Zwänge aufeinander.”

Trump wollte sich, wie immer, unbedingt von Obama und all seiner Arbeit distanzieren, während die Saudis Trumps tiefsitzende Antipathie gegen Iran ausnutzen wollten, um die Reihe der letzten Niederlagen des Königreichs zu kontern.

Der Preis (den MbS scheinbar versprach) schien zu verlockend, nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen (Iran schlagen; „Normalisierung“ Israels innerhalb der arabischen Welt und ein Palästina Abkommen), dass der US Präsident die Details nur innerhalb der Familie offenbarte. Damit brüskierte er das Aussenpolitische und Verteidigungspolitische Establishment, indem er die offiziellen Kanäle im Dunkeln und Ungewissen liess. Trump setzte schwer auf MbS und Kushner als seinen Unterhändler. Aber MbS‘ Plan scheiterte schon an der ersten Hürde: der Versuch Hezbollah im Libanon zu provozieren, um so eine Überreaktion hervorzurufen und Israel und der „sunnitischen Allianz“ den erwarteten Vorwand zu liefern um mit Macht gegen Hezbollah und Iran vorzugehen.

Die erste Etappe verkam zur Seifenoper mit der bizarren Entführung des libanesischen Premiers Saad Hariri durch MbS. Das hat die Libanesen letztendlich vereint statt sie, wie erhofft, in verfeindete Teile zu spalten.

Aber das Debakel in Libanon ist von viel grösserer Tragweite als nur eine schlecht gemachte Seifenoper. Der wirklich wichtige Erkenntnisgewinn durch MbS‘ Versagen ist der, dass nicht nur der “Hund in der Nacht nicht gebellt hat“ – aber dass die Israelis überhaupt keine Absicht haben „zu bellen“: mit anderen Worten, die Rolle des (wie der israelische Veteran und Korrespondent Ben Caspit sagt) „Schlagstocks“ der sunnitischen Führer zu sein, mit dem diese ihre Todfeinde, die Schiiten, bedrohen….im Moment hat niemand in Israel, am wenigsten Premier Netanyahu, es eilig, eine Nordfront zu eröffnen. Dies würde bedeuten, durch das Tor zur Hölle zu treten“.

Die syrische Niederlage

Um es klar zu sagen. Die so genannte sunnitische Allianz (im Prinzip Saudi Arabien und die UAE, Ägypten bereits im Rückzug begriffen) wurde gerade deutlich in Syrien besiegt. Sie hat in keinster Weise mehr die Kraft den Iran, Hezbollah oder die irakischen PMU (schiitische Miliz) „zurückzudrängen“ – es sei denn mit Hilfe des israelischen „Schlagstocks“. Israel mag dieselben strategischen Interessen wie die sunnitische Allianz haben, aber, so Caspit, „die Saudis wollen, dass die Israelis die Drecksarbeit für sie übernehmen. Aber, so zeigt es sich, ist nicht jeder in Israel davon begeistert.“

Caspit nennt die Aussicht eines Zusammenstosses zwischen der sunnitischen Allianz und der iranisch geführten Front „einen wahren Entscheidungskampf (Armageddon)“. Diese Definition sagt im Wesentlichen alles über die israelischen Bedenken aus.

Diese Weigerung zu „bellen“ (entlehnt von den berühmten Erzählungen von Conan Doyles „Sherlock Holmes“) entzieht Kushners „grossem Plan“ die Grundlage, denn wenn Israel raus ist, worüber soll dann noch geredet werden? Israel war eben gerade auch in Trumps‘ Plan der „Schlagstock“. Kein Schlagstock heisst: keine sunnitische Allianz, um den Iran zurückzudrängen; keine weitere Normalisierung zwischen Saudi und Israel; keine israelisch-palästinensische Initiative. MbS‘ Ungeschick [ein US Offizieller nannte es Rücksichtslosigkeit] hat der US Nahostpolitik den Boden unter den Füssen weggezogen.

Warum hat Trump so sehr auf den unerfahrenen Kushner und den impulsiven MbS gesetzt? Weil natürlich, wenn der „grosse Plan“ tatsächlich funktioniert hätte, es dann ein riesiger Aussenpolitischer Coup gewesen wäre, noch dazu geglückt über die Köpfe in den Aussenpolitischen und Verteidigungspolitischen Ebenen hinweg, die davon ausgeschlossen waren. Danach wäre Trump freier gewesen, sich aus den Fangarmen des Establishments zu befreien und eine gewisse Unabhängigkeit und Freiheit von seinen sich einmischenden „Gegnern“ zu erlangen. Er hätte seinen Coup durch Familienkanäle gelandet, statt durch offizielle Berater.

Aber wenn er zur Farce verkommt und MBS in den USA als gefährlichen Einzelgänger anstatt eines Machiavelli gesehen wird, dann wird das (beleidigte) “System” Rache üben: dann verliert das Urteilsvermögen des Präsidenten an Wert und noch mehr Justierung und „Einmischung“ wird erforderlich werden.

Deshalb haben MbS (und Kushner) Trump möglicherweise weitaus mehr geschadet: das Setzen auf den unerprobten MbS kann in andere Bereiche wirken und zB als Konsequenz Trumps Urteilsvermögen zu Nordkorea durch die US Verbündeten in Frage stellen. Kurz, die Glaubwürdigkeit des Präsidenten wird darunter leiden, dass er auf den Dreh von MbS eingegangen ist.

Wunschdenken

Das westliche Verhalten Saudi Arabien gegenüber ist, um fair zu sein oft abstrus (sogar unterwürfig) (Präsident Trump steht nicht allein da mit seiner Leidenschaft für alles Saudische): allein der Glaube, dass sich Saudi Arabien zu einer starken „modernen“ Regionalmacht entwickeln könnte, die in der Lage ist, den Iran zu überflügeln, scheint ein wenig unrealistisch, ist jedoch unter US Kommentatoren weitverbreitet. Ja, das Königreich hat kaum eine Alternative; es muss sich verändern, da die Öleinkünfte dem Ende entgegen gehen. Das kann theoretisch durchaus bedeuten, das Königreich auf einen neuen Kurs zu ziehen.

Aber wie genau sich das Königreich neu erfinden kann, ohne auseinanderzubrechen, ist wahrscheinlich weit komplexer als irgendeine oberflächliche Umarmung „westlicher Modernität“ oder ein Kampf gegen „Korruption“. Das sind falsche Spuren, denn die Familie ist der Staat und der Staat (und sein Ölreichtum) gehört der Familie. Zwischen Staat und Familie gibt es keine Grenze oder Demarkationslinie. Letztere geniesst durch Geburt die Einnahmen und Privilegien (je nach Nähe oder Distanz zum Thron). Als Belohnung gegebene oder bewilligte Einnahmen reflektieren lediglich die Machtbedürfnisse des Monarchen, die dem Erhalt seines Absolutismus dienen. Es gibt keinen „begründeten Verdienst“ oder Fairness in diesem System, das war auch nie beabsichtigt.

Was kann das Wort „Korruption“ dann in so einem System für eine Bedeutung haben? Saudi Arabien versucht nicht einmal bis zu einem gewissen Grad den Anschein eines auf Regeln basierenden Spielfelds zu geben. Das Gesetz (und die Regeln) sind schlicht, was der König sagt, oder tagtäglich unterschreibt.

„Korruption“ hiess zu Zeiten, als Europa noch ein ähnliches absolutistisches System „genoss“ ganz klar, dass man dem König im Weg stand. Das war im Wesentlichen, was “Korruption” bedeutete. Wenn also die Welt glaubt, dass MbS Saudi Arabien in die westliche Moderne führt, dann muss sie denken, dass MbS entweder plant „die Familie“ über Bord zu werfen (15 000 mit dem König blutsverwandte Prinzen), oder dass er eine Art konstitutionelle Monarchie anstrebt und eine auf Regeln basierende Gesellschaft von Bürgern statt Subjekten.

Nichts an MbS’ Taten deutet darauf hin. Eher scheint er den Absolutismus in der Monarchie wiederherstellen zu wollen. Und was die Modernität betrifft, die er anstrebt: er möchte die Sorte, die man praktisch fertig zum Zusammenbauen in der Box verpackt kaufen kann. Kurz, er möchte die industrielle Basis „in der Box“ vom Regal kaufen und damit die schwindenden Ölreserven ausgleichen.

Die Vision 2030 sagt uns, dass diese gut verpackte high-tech „industrielle Basis“ eventuell, wenn alles gut geht, 1 Billion Dollar Profit pro Jahr abwirft und das heisst, sie soll als Ersatzeinnahmequelle dienen. Nicht etwa um die „Familie“ zu verdrängen, sondern um sie zu unterstützen. Es ist deshalb nicht „reformistisch“ im Sinne westlicher Modernität und der ihr zugrunde liegenden „Gleichheit vor dem Gesetz“ und geschützten Rechten.

Unrealistische Hoffnungen

Diese Art nicht-organischer, Hochgeschwindigkeitsindustrialisierung ist nicht einfach auf eine Gesellschaft übertragbar (es sei denn, Sie heissen Josef Stalin). Es ist teuer und, wie die Gechichte lehrt, kann sie zu sozialen und kulturellen Verwerfungen führen. Es wird sehr viel teurer werden, als die 800 Milliarden Dollar, die MbS hofft von seinen Inhaftierten “zurückzubekommen” (mittels physischen Zwangs – 17 von ihnen wurden bereits ins Krankenhaus eingeliefert, als Konsequenz ihrer Behandlung in Haft).

Aber wenn die Verwestlichung der Wirtschaft nicht das Ziel ist, warum müssen dann so viele hochrangige Familienmitglieder “aus dem Weg geräumt werden”? Dieser Teil des „grossen Plans“ weist vielleicht auf den Grund, warum MbS Präsident Trump so sehr “umwerben und überzeugen” wollte (so Miller und Solkosky). MbS spricht ganz offen darüber: er hat Trump gegenüber geäussert, dass er Saudi Arabien’s frühere Grösse, seinen Führungsanspruch in der sunnitischen Welt, seine Rolle als Hüter des Islam wiederherstellen will. Deshalb muss der erstarkte Iran wieder zurückgestutzt werden, das schiitische Wiedererwachen niedergeschlagen und der saudischen Führung unterworfen werden.

Das Problem liegt darin, dass einige Familienmitglieder dieses Abenteurertum gegen Iran nicht mitmachen wollten. MbS scheint eine ähnliche Ansicht wie die der Neocons zu verfolgen: z.B. das Kristolianische Argument (bezieht sich auf William Kristol, Neokonservativer Politischer Analyst), dass man kein „wohltätiges Hegemoniales“ Omelett zubereiten (oder wieder zusammenfügen) kann, ohne ein paar Eier zu zerschlagen. Und, wie Miller und Sokolsky sagen, es brauchte „nicht viel, um Trump zu überzeugen“ – MbS‘ Vision kreuzte sich genau mit seinen eigenen Normen (und seiner Feindseligkeit gegenüber dem Iran). Trump hat ordnungsgemäss seine Unterstützung für das saudische Durchgreifen gegen „Korruption“ getwittert.

Und hier lag der dritte Zweig des „grossen Plans“: Israel sollte als “Schlagstock” für eine Saudi-UAE-USA Allianz gegen Iran fungieren (wobei Hezbollah als Köder dienen sollte). Dann würde Saudi Arabien im Gegenzug den jüdischen Staat anerkennen und Israel würde dann den Palästinensern „etwas“ geben: „Etwas, das man als Staat bezeichnen könnte, auch wenn das viel weniger als ein Staat wäre. Die USA und Saudi Arabien würden gemeinsam die Palästinenser unter Druck setzen, die US Vorschläge für eine “Einigung” zu akzeptieren.

Warum ist es so schief gelaufen? Überhöhte Erwartungen daran, was für jede Seite realistisch gesehen umsetzbar ist. Der Glaube an die jeweilige Rethorik des Anderen. Amerikas Liebesbeziehung mit dem saudischen Königshaus, Kushners Familienbande mit Netanyahu. Kushners und Trumps Wunschglaube, dass mit Hilfe von MbS Saudi Arabien wieder zu Amerikas’ “Polizisten” in der islamischen Welt wird und dass sogar eine durch Amerika geführte Ordnung im Nahen Osten wiederhergestellt werden kann.

Vielleicht hat Kushner Netanyahu geglaubt, als dieser andeutete, dass eine „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen Saudi Arabien und Israel durch Konzessionen gegenüber den Palästinensern ausgeglichen würde (wobei das israelische Sicherheitskabinett gegen die in diesem Zusammenhang diskutierten Konzessionen – die weit unter einem Staat liegen – bereits ein Veto eingelegt hat)?

Vielleicht hat Kushner MbS geglaubt, als dieser vorschlug, dass er die Sunniten gegen den Iran mobilisieren könnte, wenn Amerika und Israel ihn dabei unterstützen würden (obwohl sogar Ägypten gegen eine Destabilisierung des Libanon ist)?

Vielleicht hat MbS geglaubt, Trump spräche im Namen Amerikas, als dieser ihm Unterstützung versprach (obwohl er nur für das Weisse Haus sprach)?

Vielleicht hat MbS geglaubt, dass Trump Europa gegen Hezbollah im Libanon aufhetzen würde (obwohl für die Europäer Stabilität im Libanon Priorität hat)?

Und vielleicht haben MbS und Kushner geglaubt, Netanyahu spräche im Namen Israels, als er versprach ein Partner in der Front gegen Hizbollah und Iran zu sein? Hatten sich Netanyahu und Trump auf diesen „grossen Plan“ geeinigt, an dem Tag als Trump im September vor der UN seine Breitseite gegen Iran feuerte? Wo jeder israelische Premier relativ freie Hand hat, wenn es um Krieg gegen die Palästinenser geht, so gilt das noch lange nicht, wenn der Staat Israel selbst auf dem Spiel steht. Kein israelischer Premier darf sich auf einen möglichweise (für Israel) existentiellen Konflikt einlassen, ohne breite Unterstützung durch das israelische Sicherheitspolitische Establishment. Und das israelische Establishment wird Krieg nur in Erwägung ziehen, wenn es ausschliesslich im Interesse Israels ist und nicht etwa um MbS oder Trump einen Gefallen zu tun.

Ben Caspit (und andere israelische Kommentatoren) bestätigen, dass für das israelische Establishment ein Krieg mit Hizbollah und die Gefahr eines breiteren Konflikts nicht im Interesse Israels ist.

Das Ergebnis dieses Ereignisses ist sehr bedeutsam. Es offenbart, dass Israel gegenwärtig vor Krieg in der Region zurückschreckt (so Caspit). Es hat auch die Leere von MbS Ambitionen verdeutlicht, eine „sunnitische Allianz“ gegen den Iran aufbauen zu wollen; und es hat Präsident Trumps Eingrenzungspolitik gegenüber dem Iran untergraben. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir zumindest davon ausgehen, dass Iran und Russland die Lage in Syrien festigen und den Norden stabilisieren werden. Caspits „Armageddon“ kann zwar noch kommen, aber vielleicht noch nicht jetzt.

Alastair Crooke ist ein ehemaliger britischer Diplomat, der eine hochrangige Figur im britischen Geheimdienst und der Diplomatie der Europäischen Union war. Er ist Gründer und Direktor des Conflicts Forum.

16 Gedanken zu “Trumps saudischer Plan bringt es ans Licht

  1. Auch von mir ein Dank an Demeter für die Übersetzung. Zwar habe ich bereits den englischen Text verstanden, möchte mich aber dennoch für dieses Engagement ausdrücklich bedanken. Einen Text dieser Länge zu übersetzen, nimmt nicht wenig Zeit in Anspruch. Respekt. Bei der Gelegenheit auch noch ein weiteres Mal ein Dankeschön an das Parteibuch für diesen fantastischen Blog.

  2. Danke für diese Übersetzung.
    Mit diesem „Schachzug“ verliert aber Trump weiter an Rückenhalt in der Umsetzung seiner Pläne gegen die Zionisten?! Für Syrien ist es gut, geht dieser Krieg doch langsam seinem Ende entgegen.
    Hariri habe ich gelesen, soll wieder zurück kommen, die Frage ist nur wann.

    1. Ja er soll am Mittwoch zum Nationalfeiertag wieder in den Libanon kommen und über seine politische Zukunft Auskunft geben. Sein Sohn und seine Tochter sind noch in Saudi Arabien.

      Morgen wird Nasrallah sprechen.

      Ansonsten noch das: auf CNN nennt Farid Zakariah die Hezbollah verantwortungsvoll(!) wie sie sich in der Krise verhalten hat.

      Plötzlich gerät Saudi Arabien ins Kreuzfeuer. Lässt man die heisse Kartoffel jetzt fallen?

      1. @Demeter
        „Plötzlich gerät Saudi Arabien ins Kreuzfeuer. Lässt man die heisse Kartoffel jetzt fallen?“

        Man fängt „plötzlich“ an viele heiße Kartoffeln fallen zu lassen. Wie hat das PB mal so schön Analysiert. Israel ist bereit bis zum letzten Saudi gegen den Iran zu kämpfen und Saudi Arabien ist bereit bis zum letzten Israeli gegen den Iran zu kämpfen.

        Danke für die Übersetzung.

    2. Jürgen

      Ganz im Gegenteil, das absehbare Scheitern der Achse Trump-Bibi-MbS bedeutet aller Voraussicht nach eine weitere Spaltung der Anti-Iran-Front. Man darf rätseln, ob Trump dieses anti-iranische Manöver mit Saudi Arabien und Israel über den Libanon absichtlich so eingefädelt hat, dass es absehbar scheitern würde. Ich meine ja.

      Von der einst riesigen Anti-Iran-Front, die mal unter der grotesken Bezeichnung „Freunde Syriens“ zusammenkam, wäre dann wohl nur noch eine Front Trump-Bibi übrig. Das ist gut für Iran und schlecht für Israel. Und wenn Trump dann demnächst auch noch eine Kehrtwende machen sollte, wäre Israel praktisch ganz allein auf weiter Flur. Das ist genau die Position, in der es endlich möglich werden könnte, richtig Druck auf Israel zu machen.

  3. Der alte, in Wallstreets Washingtons Westen verbreitete und sorgfältig gepflegte Mythos im Sinne einer Behauptung die – obwohl weithin geglaubt – falsch ist, wird auch vom Autor Alastair Crooke als nicht vorhandene Grundlage herangezogen, wodurch von falscher Voraussetzung ausgehend, anschließende Argumentationsversuche zu nichts führen, was als logisch richtige Einschätzung bezeichnet werden könnte. Vielleicht unbeabsichtigt teilweise zutreffend, wie vom PB in der Einleitung angemerkt:

    Tel Aviv als „Schlagstock“ der sunnitischen Führer? Welche „sunnitischen Führer“? Die Wahhabi-Diktatoren? Wahhabismus ist angloamerikanisch antiislamischer Kolonialquatsch zur Durchsetzung imperialistischer Herrschaftsinteressen, dient heute dem Imperialismus nach außen und innen als „Schweizer Messer“ in der herrschaftlichen Politik und ist somit selbstverständlich kein Teil der Sunna; kann also gar nicht sunnitisch sein, wie somit auch diese sogenannten „Führer“ nicht sunnitisch sein können[2].

    [1] Was dabei herauskommt, wenn Menschen dem durch imperialistische Medien betriebenen Verwechseln der Religion Islam mit der ursprünglich britischen Islamfälschung des Wahhabismus auf den Leim gehen; ein Beispiel von vielen:

    „Dschihad – Der ewige Krieg des Islam gegen ‚Ungläubige‘.“

    https://michael-mannheimer.net/category/dschihad/

    [2] Islam, der Weg der Sunniten: „Der Wahhabismus wurde von Muhammed bin ’Abd ul-Wehhâb gegründet. Er ist in Hureimile in Nedschd im Jahre 1111 n.Hed. (1699) geboren und starb im Jahre 1206 n.Hed. (1792). In früheren Zeiten reiste er oft nach Basra, Bagdad, Iran, Indien und Damaskus, um Handel zu treiben. In Basra fiel er in die Falle des Britischen Spions Hempher und diente ihm zur Zerstörung des Islams. Die falschen Schriften Hemphers, veröffentlichte er unter dem Titel Wahhabismus.“

    https://islamderwegdersunniten.wordpress.com/category/7-wahhabismus-und-erwiderung-der-anhanger-der-sunna/

    Und wenn schon, dann sind die Wahhabi-Züchtungen des Imperialismus bisher doch wohl eher von Tel Aviv und Washington samt Gefolge als „Schlagstock“ benutzt worden statt umgekehrt.

  4. Tel Aviv als Schlagstock der sunnitischen Führer.
    Allein die Idee ist schon reichlich abstrus und eine Fehleinschätzung.
    Der zionistischtische Block in USA hat bestimmt kein Interesse daran, dass Israel
    alleine oder allein mit sauarab gegen den Iran in den Krieg zieht. Es geht bei all dem immer nur um eines, die USA sollen in die Auseinandersetzung hineingezogen werden und die sollen dann den Krieg gegen den Iran führen.

    Dafür wäre die Destabilisierung des Libanon der Anfang gewesen. dies ist aber nicht passiert, die Hisbollah ließ sich nicht provozieren, der Libanon zeigt sich einig und wie es aussieht, wird Hariri auch noch von Makron unterstützt.

    Ich habe den Eindruck, dass Israel noch gar nicht richtig wahrgenommen hat,
    dass Trump im weissen Haus sitzt und Tillerson im State Department.
    Oder sie gehen in ihrer Überheblichkeit davon aus, dass das nicht mehr lange so bleibt. Ihre Pläne hätten bei einer Präsidentin Clinton funktioniert bei Trump eben nicht, weil er gar keine Kriege mehr für andere führen will.

    Und jetzt macht auch noch Makron nicht das, was er soll.

    Ich vermute, dass Trump seinen ganz eigenen Nah-Ost Friedensplan hat, darüber wurde zu Beginn seiner Präsidentschaft viel spekuliert, aber niemand kennt den Inhalt.

    Wahrscheinlich wird dieser Plan weder Israel noch der EU aber auch den anderen Beteiligten nicht wirklich gefallen und auch keine Zwei Staatenlösung sein.
    Trump wartet daher auf die Gelegenheit, seinen Plan einzubringen und er läßt
    die Suppe einfach so lange kochen bis sie gar ist.

    1. meier

      Auch Sigmar Gabriel hat sich wenig begeistert vom saudischen Destabilisierungsplot gezeigt. Und ich vermute, dass Gabriel da, wenn auch vielleicht nicht in der deutlichen Form, so doch in der Sache durchaus für Deutschland gesprochen hat.

      Das ist vermutlich genauso wichtig wie Macrons Unterstützung für den Libanon, weil, wenn Deutschland und Frankreich zusammen sind, das meist auf praktisch die ganze EU hinausläuft.

      Und man sieht es ja an den Reaktionen auch deutlich, wie geschockt die Saudis darüber sind. Ohne die EU an Bord zu haben, hat die ganze anti-iranische saudische Politik keine Chance.

    1. Shukran kaumi.

      Ich bin neulich auf dieses unglaublich interessante Interview mit Professor Andrej Iljitsch Fursow gestossen. Daran erkennt man einen weisen Kopf.

      Das Interview ist von 2012!

      Also noch ganz am Anfang des schrecklichen Krieges.

      Ich kann es nur jedem empfehlen. Professor Fursow ist Leiter des Zentrums für Russlandforschung an der Moskauer Geisteswissenschaftlichen Universität und er geht ausgehend vom Syrienkonflikt auf die sich daraus ergebenden Entwicklungen ein.

      Und noch etwas. Unten lese ich, dass Roman das Interview übersetzt hat. Wie lang das schon wieder her ist.

      http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2012/nr37-vom-392012/schlag-gegen-syrien-ziel-russland.html

      1. Super Tipp, Demeter.
        Sehr flüssig zu lesen, kaum Einwände. Aber vor allem, beeindruckend, wie prognostisch wertvoll und weitsichtig seine Sicht schon ganz am Anfang war.
        Und als ich den Namen Abd Al Hakim Belhadj gelesen habe, war ich wieder ganz weit hinten in der Geschichte… der erste verbriefte namentlich erwähnte Söldnerführer von Rang in der Historie der Krise.
        Apropos und nebenbei: Ist dieser Schlächter nicht wieder in irgend einem politischen Amt in Libyen?
        Glaube ich mal jüngst gelesen zu haben…

  5. Bezüglich dieser Ausführungen liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte.

    Dass das PB die These aufwirft, Trump hätte den Masterplan genauso entwickelt, um die „Achse zu zerstören“, ist Spekulation, genauso wie die Aussage im Beitrag, Trump hätte diese Geschichte quasi im Alleingang mit seinem Schwiegersohn auf die Strecke gebracht.
    Denn: was wäre denn passiert, hätte sich der Hizbullah tatsächlich provozieren lassen?
    Hätte Trump nicht etwa durchgezogen? Natürlich hätte er…

    Einzig nachvollziehbar sind die Motive und die Angebote des MbS.
    Es liegen ja durchaus Indizien vor, dass dieser stinkende Wüstenfuchs den Israelis viele Milliarden Dollar als Kriegsbeute angeboten hat – und die Anerkennung des zionistischen Staates.

    Wie bereits erwähnt, spielt m.E. das veränderte Kräfteniveau und die inzwischen (zu) breite Front der Israelis in einem möglichen Krieg gegen die Achse des Widerstandes die Hauptrolle beim Thema Schwanzeinziehen. Beiß-Reflexe sind dem zionistischen Hund jedoch noch nicht völlig abhanden gekommen. Er wird seine Chance nutzen, wenn sein Gegenüber schwächelt.

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