Syrische Armee kommt in Mayadin voran

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA am heutigen Mittwoch mitteilte, haben Armeeeinheiten in der Provinz Deir Ezzor eine Anzahl von wichtigen Punkten östlich des Euphrat und im Raum der Stadt Al Mayadeen eingenommen.

Zu den Fortschritten östlich des Euphrat heißt es, dass Armeeeinheiten in der Gegend Hatla weitere wichtige Punkte in Richtung Siyasiyeh-Brücke eingenommen haben, was auch als Dementi von inoffiziellen Meldungen, denen zufolge die kaputte Brücke bereits erreicht sei, aus den letzten Tagen zu verstehen sein könnte. Murad Gazdiev berichtete heute aus Hatla, dass es da immer noch heftige Gefechte mit ISIS-Terroristen gibt.

Im Raum Mayadin hat die syrische Armee den Muraselon zufolge die Kreuzung und die Gegend Al-Baloum und die Hälfte vom Al-Sina-Bezirk eingenommen. 24 Resistance Axis hat zu den Fortschritten im Raum Al-Mayadin heute folgende Karte veröffentlicht:

Weiterhin meldete SANA heute, dass der gesetzliche Status von 100 Personen im Raum Manbij im Osten der Provinz Aleppo geregelt wurde, und dass es heute in Damaskus drei Selbstmord-Bomber gab, wodurch neben den Tätern zwei Personen ums Leben kamen und weitere verletzt worden seien.

Die internationale Aufmerksamkeit richtet sich unterdessen darauf, dass US-Präsident Trump vermutlich schon morgen durch die formelle Behauptung dessen, dass der als Nuklear-Deal bekannte JCPOA mit dem Iran nicht im nationalen Interesse der USA liege, eine stürmische globale Krise auslösen dürfte. Nach der formellen Erklärung durch Trump hat der von der Israel-Lobby dominierte US-Kongress 60 Tage Zeit, um darauf zu reagieren, indem er beispielsweise die im Zuge mit dem Deal ausgesetzten Sanktionen gegen Iran wieder einsetzt. Doch gegenwärtig sieht es nicht danach aus, dass es dafür im US-Kongress eine Mehrheit gibt. Stattdessen wird der US-Kongress Trump vermutlich dazu auffordern, mit Iran Verhandlungen aufzunehmen, um den Deal so abzuändern, dass er schlechter für den Iran wird und die USA erst nach einem Scheitern solcher Verhandlungen ihre Sanktionen vollumfänglich wieder einsetzen wollen.

Natürlich wird der Iran über eine einseitige Verschlechterung des Deals keine Verhandlungen aufnehmen. Sollte das so kommen, würde der Chef des israelischen Regimes Netanjahu seinem hartnäckig verfolgten Ziel näher kommen, den Iran-Deal zum Platzen zu bringen und einem US-geführten Angriffskrieg gegen den Iran näher zu kommen. Doch es ist keineswegs sicher, dass es so kommt. Ganz im Gegenteil. Es dürfte vielmehr zu einer harten politischen Auseinandersetzung um den Iran-Deal zwischen Gegnern und Befürwortern kommen, bei der die Befürworter des Deals die Oberhand behalten. Außer den USA haben alle Teilnehmer am Iran-Deal klargemacht, dass sie am Iran-Deal unbedingt festhalten wollen. Auch und gerade Deutschland ist da beispielsweise sehr deutlich.

Und der EU-Botschafter in Washington hat Reuters zufolge angekündigt, dass, falls die USA im Zuge einer Aufkündigung des Iran-Deals sekundäre Sanktionen gegen Iran verhängen, die EU-Unternehmen betreffen, Brüssel ein Gesetz aus den 90er Jahren aus der Schublade holen werde, das europäische Unternehmen vor extraterritorialen Sanktionen abschirmt. Wenn die EU so ein Gesetz gegen die USA anwenden würde, wäre das ein harter Schlag gegen die transatlantischen Beziehungen, auf die insbesondere die Gegner des Iran-Deals viel Wert legen.

Denkbar ist auch, dass die EU Iran Verhandlungen im Rahmen der P5+1 anbietet, die zum Ziel haben sollen, die Zufriedenheit mit dem JCPOA sowohl seitens der P5+1 als auch des Iran zu erhöhen. Die EU könnte dem Iran etwa anbieten, im Fall erfolgreicher Gespräche zur Verlängerung der Zeit bis zur Beendigung aller besonderen sich aus dem Deal ergebenden nuklearen Pflichten des Iran auch Maßnahmen zur Erhöhung der Zuversicht von Investoren für Investitionen in den Iran ergreifen zu wollen, beispielsweise in dem die EU Unternehmen Garantien gibt, sie vor möglichen US-Sanktionen aufgrund von Investitionen im Iran abzuschirmen. Gespräche, bei denen es darum geht, die Zufriedenheit aller Teilnehmer am Deal zu erhöhen, wären natürlich etwas ganz anderes als Gespräche zur einseitigen Verschlechterung der Konditionen für den Iran. Solche Gespräche könnten den Iran-Deal im Erfolgsfall stärken, und sei es nur deshalb, weil Donald Trump sich dann hinstellen und sagen könnte, Obamas Iran-Deal sei, wie er immer schon erklärt habe, ganz schlecht gewesen, aber sein eigener Iran-Deal sei natürlich eine gute Sache – auch wenn der modifizierte Deal sich nur unwesentlich von Obamas Iran-Deal unterscheiden würde. Sollten die Demokraten im US-Kongress dann bei ihrer Unterstützung für den Deal bleiben und Trump gegenüber loyale Unterstützer im Kongress für Trumps neuen Iran-Deal stimmen, würden Netanjahu und die zionistische Kriegslobby eine herbe und schmerzhafte Niederlage erleiden. Und die Chancen scheinen gar nicht mal schlecht zu stehen, dass die neue Schlacht um den Iran-Deal auch so ausgeht.

Da Israel kein Teilnehmer am P5+1-Deal mit dem Iran ist, kann Netanjahu da auch nichts selbst mit einem Veto blockieren. Netanjahu kann bloß versuchen, die Macht der Israel-Lobby in westlichen Staaten dazu zu nutzen, um westliche Regierungen zu Israels Handlanger zu machen. Doch sollte Netanjahu das wieder versuchen, wie er es schon bei den Verhandlungen zum Iran-Deal unter Obama getan hat, muss Netanjahu damit rechnen, dass alle anderen P5+1-Teilnehmer sich gegen Israel wenden. Und wenn ihn dann auch noch Trump im Stich lassen sollte, hieße das für die aufkommende politische Schlacht praktisch: Netanjahu gegen den Rest der Welt. Und dabei könnten die USA möglicherweise entdecken, dass ihre regionalen Vorstellungen in vielen praktischen Fällen gar nicht so weit von denen des Iran entfernt sind. Man denke etwa an Barzanis kurdisches Unabhängigkeitsreferendum, das von Israel unterstützt, aber von den USA, dem Iran und dem Rest der Welt abgelehnt wird. Ähnliche Gemeinsamkeiten zwischen den USA und dem Iran ließen sich möglicherweise auch in Bezug auf Syrien, Jemen und Afghanistan finden, wo Trump möglicherweise nichts weiter will als dass Terrorgruppen wie ISIS und Al Kaida besiegt werden, was Iran auch will.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im Windschatten der aufziehenden Iran-Deal-Krise die USA, China, Pakistan und Afghanistan vereinbart haben, sich nächste Woche im Oman zu treffen, um da über die Verhandlungen mit den Taliban und die Befriedung von Afghanistan zu reden. Auch der Iran-Deal war in Oman eingefädelt worden und die Unterhändler da dürften bald feststellen, dass sie ohne eine Koordinierung mit dem großen Nachbarn Iran in Afghanistan nicht viel erreichen können.

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20 Gedanken zu “Syrische Armee kommt in Mayadin voran

  1. Vielleicht war einer der nordkoreanischen Atomtests ein iranischer ? Nordkorea und Iran sind alte Verbündete aus den achtziger Jahren.

    1. GFM

      Weder braucht der Iran Atomwaffen noch will er welche haben. Der oberste religiöse Führer des Iran hat Atomwaffen für unmoralisch und wider Gott und den Menschen erklärt und verboten. Und die US-Geheimdienste haben seit 2007 immer wieder erklärt, dass Iran überhaupt kein Atomwaffenprogramm hat.

      Die ganzen Geschichten, der Iran strebe nach Atomwaffen, sind genauso erstunken und erlogen, wie die Geschichten von den irakischen Massenvernichtungswaffen, mit der die gleichen zionistischen Mafiabosse den Krieg gegen den Irak durchgesetzt haben.

      1. „Weder braucht der Iran Atomwaffen noch will er welche haben. Der oberste religiöse Führer des Iran hat Atomwaffen für unmoralisch und wider Gott und den Menschen erklärt und verboten. Und die US-Geheimdienste haben seit 2007 immer wieder erklärt, dass Iran überhaupt kein Atomwaffenprogramm hat.“

        .
        Nicht nur seit 2007. Vorher war es sogar uninteressant obwohl es ein ziviles Atomprogram gab. Dazu muss man sagen das das zivil ausgerichtet Atomprogramm des Iran bereits unter dem Schah, mit dem Segen des Westens, begann. Dieses Programm wurde dann 1979 nach dem Sturz des Schahs, auf Grund der Sanktionen, beendet. Der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak
        https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg
        wurde auch als wirtschaftlicher Krieg geführt. Gnadenlos auf beiden Seiten. Beide Seiten griffen die wirtschaftlichen Grundlagen des Gegners an, also die Ölindustrie. Das Ergebnis war auf Seiten des Irans , da der Iran noch keine Rüstungsindustrie hatte, also alles importieren musste, und die Rüstungsgüter bezahlen musste, allerdings auf der anderen Seite die Wahl hatte entweder das vorhandene Öl das gefördert wurde entweder für die Stromproduktion zu benutze, damit aber keine Waffen bezahlen zu können oder das Öl zu exportieren um dann die Devisen für das bezahlen der Waffen zu haben aber eben kein Strom zu haben. Es gab Stromsperren ohne Ende in der Zeit. Deshalb wollte und will der Iran bei der Stromproduktion unabhängig vom Öl sein. Die einzige Alternative ist die Atomkraft für den Iran, ob es uns Gefällt oder nicht, denn Uran fördert der Iran ebenfalls. Interessant ist in meinen Augen folgender Zusammenhang. Im Frühjahr 2006 gab der Iran bekannt das man in Teheran eine Ölhandelsbörse, neben der in London und New York, einrichten will. Mit einem Unterschied. In New York und in London wird das Öl in US$ gehandelt. In Teheran sollte und wird mit dem iranischen Rial abgerechnet. 3 Monate nach der Bekanntgabe dieses Vorhaben kamen die ersten Meldungen in unseren Medien über den militärischen Sinn dieses Atomprogrammes, die aber nie bewiesen worden sind. Die Inbetriebnahme der Öl Börse verzögerte sich auf Grund von technischen Schwierigkeiten. Ich sage dazu nur siehe Flughafen BER in Berlin. Die Öl Börse wurde 2007 in Betrieb genommen. Das Iranische Öl wurde also nicht mehr US$ gehandelt. Dieses Geld ging nicht mehr über Konten in London oder New York. Es fiel aus dem „Interbanking“ dort aus. 2008 ein Jahr später war Lehman Brother pleite weil das Interbanking in New York und London für ihn geschlossen war oder kein Geld vorhanden war.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers

      2. Karsten

        Na, ich finde schon, dass es Alternativen zum Atomstrom gibt. Und bei Solarstrom zum Beispiel tut sich in den letzten Jahren eine ganze Menge, was Technik und Preise angeht. Das scheint der Iran übrigens auch so zu sehen. Gerade heute kam bei Irib die Nachricht vom Spatenstich für ein deutsch-iranisches Solarkraftwerk nahe Yazd.

        http://parstoday.com/de/news/iran-i32961-deutschland_investiert_120_millionen_dollar_in_bau_von_solarkraftwerk_in_iran

        In der wüstenartigen Gegend gibt es bestimmt nicht viele Dinge, von denen es genug gibt, aber Sonne gibt es dafür reichlich.

        Davon abgesehen halte ich die iranische Einplanung von Atomkraft in den Energiemix des Landes aber für nachvollziehbar, und zwar sowohl von der Energieplanung her gesehen als auch von dem Gesichtspunkt aus betrachtet, dass Iran sich davon Fortschritte bei der Beherrschung der Atomtechnik verspricht. Für Atomtechnik gibt es schließlich viele Anwendungen auch jenseits von Energie und Militär, so etwa in Medizin und Forschung, und selbst bei manchen Schiffsantrieben spielt Atomtechnik eine Rolle. Das finde ich nachvollziehbar, wenn Iran da meint, dass er solche Technologien auch beherrschen möchte, und weiter meint, dass eine iranische Erzeugung von Atomstrom dabei hilfreich sein kann, Bemühungen zu befördern, die Nukleartechnik jenseits von Energie und Militär besser zu beherrschen.

        Nur die Behauptung, der Iran entwickle Atomwaffen, die stimmt eben einfach nicht. Selbst die zahlreichen US-Geheimdienste sind sich seit spätestens 2007 einig, dass die Behauptung, der Iran entwickle Atomwaffen, seit spätestens 2003 nicht (mehr) stimmt.

      3. Wenn der Iran die Erfahrung des Iran – Irakkrieges ernst nimmt, kann er auf diese Technologie nicht verzichten. Gaddafi hat nicht mal eine Gerichtsverfahren bekommen, dass war der Dank für seinen Verzicht. Sollte eine Koalition der Willigen einen Krieg planen, muss man die Bombe in einem halben Jahr bauen können.

    2. „Wenn der Iran die Erfahrung des Iran – Irakkrieges ernst nimmt……“

      Es brauch __verlässliche__ Freunde und Werte die die Menschen im Land mittragen. Normal dürfte sowas wie Gaddafi nicht noch mal passieren. Übrigens das hatte man auch mit Assad geplannt und trotzdem zeigt er sich ohne Leibwächter in der Öffentlichkeit.

      ——————————————————–
      “ Der oberste religiöse Führer des Iran hat Atomwaffen für unmoralisch und wider Gott und den Menschen erklärt und verboten“

      Diese Aussage kann ich als Nichtmuslim bzw Atheist zu 100% mittragen.
      Meine Hochachtung zu dieser Aussage.

  2. Nach der Karte, von @watanasy gepostet,wären sie südlich von Al Mayadin schon relativ breit an den Euphrat vorgestoßen.

    Wahrscheinlich sind sie noch nicht ganz so weit, aber auf diesem Weg.
    Wenn die Abschneidung bevor steht, und die zahlreichen Bombardements von Booten machen den Weg über den Euphrat als Rückzugsvariante ja auch nicht sonderlich attraktiv, könnte es wieder zu größeren Abzügen kommen/gekommen sein, wie an anderen Stellen.

    Wäre gut, falls es so ist.
    Am anderen Ufer liegt dann direkt das Omar-Feld.

    1. An der südlichen Kante eignet sich das Euphratufer und -hinterland auch zum Brückenbau. Aber da muss erst noch ein Puffer mehr nach Süden ran.
      IMHO wird der USA/SDF/ISIS-Pakt bald platzen, besonders wenn der Druck erhöht wird.

      1. Wolle

        Ich stimme dir vom Grundsatz her zu. Trump scheint mir dazu ohnehin geneigt zu sein, US-Truppen aus Nordostsyrien abzuziehen.

  3. Guten Morgen Freunde,

    in aller Kürze die wichtigsten Punkte eines bemerkenswerten Interviews des syrischen Außenministers Mualim in RT, vor allem zum Thema „türkische Präsenz“ auf syrischem Boden (m.E. die aller erste offizielle Verlaubarung aus der politischen Führungsebene dazu):

    – Syrien empfinde das Eindringen der türkischen Seite in syrische Gebiete als nicht legitim an. Jedoch sähe sich Syrien seinem Partner Russland und seinen Bemühungen rund um Astana verpflichtet, zu kooperieren.

    – Die türkischen Kräfte seien seit Anbeginn des Konfliktes eng mit den islamistischen Kräften verbandelt, die sie jetzt vorgeben zu bekämpfen.

    – Die westliche Anti-IS-Koalition unter der Führung der USA müsse ihre Arbeit in Syrien beenden. Die Ereignisse in Syrien hätten auch dem letzten Skeptiker klar gemacht, dass die USA den IS nicht bekämpfe, sondern ihn als Instrument gegen die legitime Regierung einsetze..

    – Die „Freunde Syriens“ sollten sich geschloßen aus den Verhandlungen in Genf zurückziehen. Denn Astana hätte gezeigt, wie mit echtem Willen zur Beilegung des Konlikts und ohne Agitation seitens „der Gruppe“ (Westallainz) relevante und konkrete Fortschritte zu erzielen seien.

    – Den Kurden machte Mualim alle Hoffnungen zum Beginn eines konfiktlösenden Dialoges. Allerdings erwarte man diesbezüglich ein Zeichen von ihren Führern, das bis jetzt noch nicht gekommen sei und das aufgrund der engen Beziehungen der Kurden zu den Amerikanern vorerst nicht zu erwarten sei.

  4. Das hatte ich gar nicht so richtig auf dem Schirm, dass Klor-Berchtold deutscher Botschafter in Teheran ist. War der offiziell nicht „gefeuert“ worden, weil er eine zu kritische Haltung zu den Saudis hatte? Dann ist er jetzt auf einem guten Posten, allein schon als Symbol.

    Liebes Parteibuch, wie ist es einzuordnen, dass Deutschland beim JCPOA eine so klare Haltung fährt – aber zu Syrien schweigt? Das Thema Syrien wird von allen Parteien redensartlich wie die Pest gemieden. Sind es unterschiedliche wirtschaftliche Interessen? Israel betreffen jedenfalls beide Themen. Sind JCPOA und Nordkorea womöglich bewusst gesetzte Themen von Trump, um von der Entwicklung in Syrien abzulenken?

    1. Meier

      „War der offiziell nicht „gefeuert“ worden, weil er eine zu kritische Haltung zu den Saudis hatte?“

      DWN berichtete das seinerzeit etwas anders:

      … Nach der Abberufung von BND-Chef Gerhard Schindler scheidet auch der Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes, Michael Klor-Berchtold, vorzeitig aus dem Amt. Der aus dem Auswärtigen Amt stammende Klor-Berchtold habe sich nicht ausreichend mit der Aufgabe identifiziert, die schwierigen Strukturen beim BND neu aufzustellen. Zu einem möglichen Nachfolger war nichts bekannt.
      Der Diplomat Klor-Berchtold solle neuer Botschafter im Iran werden, berichtet der Spiegel weiter. …

      Das heißt natürlich nicht, dass bei der Abberufung von Klor-Berchtold vom BND im Hintergrund nicht noch andere Dinge im Spiel gewesen sind, die der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt wurden. Dass der BND ein gutes halbes Jahr zuvor mit einem Saudi-kritischen Bericht für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist mir natürlich bekannt. Wer dabei im BND welche Rolle gespielt hat, ist mir jedoch nicht bekannt.

      Aber, obwohl ein Posten als BND-Vize wohl normalerweise schon höher zu bewerten ist als ein Botschafterposten, so scheint mir das beim Botschafterposten in Teheran nicht unbedingt der Fall zu sein. Ich glaube vielmehr, der deutsche Botschafterposten in Teheran ist eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Eine Versetzung vom BND-Vize-Posten auf den Botschafterposten in Teheran würde ich demnach nicht unbedingt als „gefeuert“ betrachten, sondern eher als Versetzung auf einen der heikelsten Vertrauensposten, die das AA zu vergeben hat.

      „Sind JCPOA und Nordkorea womöglich bewusst gesetzte Themen von Trump, um von der Entwicklung in Syrien abzulenken?“

      Ich glaube, dass Trump den Nordkorea-Konflikt anheizt, um damit vom nahen Osten abzulenken. Syrien und JCPOA sehe ich dabei jedoch als ein Thema: in beiden Fällen geht es um den Iran, oder noch etwas weiter betrachtet. Und ich glaube, die deutsche Politik weiß genau, dass es dabei im Kern jeweils um Israel und den israelisch-palästinensischen Konflikt geht und dass das friedensunwillige Israel dabei jeweils den Konflikt schürt, während das deutsche Interesse jenseits der „Staatsräson Israel“ eher ist, den Konflikt jeweils zu beenden oder zu vermeiden.

      Sich in dieser Situation für den beliebten JCPOA auszusprechen, fällt der deutschen Politik natürlich viel leichter als sich für den jahrelang dämonisierten Assad auszusprechen, auch wenn das beides auf das Gleiche hinausläuft. Dahinter, dass Deutschland sich so „mutig“ und „entschlossen“ für den JCPOA ausspricht, obwohl US-Präsident Trump sich gegen den JCPOA ausgsprochen hat, vermute ich Ermutigungen aus den USA. Ich halte es durchaus für plausibel und wahrscheinlich, dass Tillerson und Mattis der deutschen Regierung hinter den Kulissen signalisiert haben, dass nicht nur sie, sondern auch Trump selber den Iran-Deal unbedingt bewahren wollen, die ganze Aktion ein politisches Manöver von Trump ist, um einen beabsichtigten Positionswechsel Trumps hin zu Pro-Iran-Deal rechtfertigen zu können und den Deal zu stärken, und Deutschlands entschiedene Unterstützung für den Deal wichtig ist, damit das Manöver auch gelingt, und der Deal nicht doch auseinanderfällt.

      1. @Parteibuch

        Nun, ich habe das „gefeuert“ nicht ohne Grund in Gänsefüßchen gesetzt und lege den Fokus auch eher auf den heiklen Vertrauensposten.

        Besten Gruß!

        P.S. Magst Du Dich zu meinem zweiten Absatz nicht ein wenig aus dem Fenster lehnen? Bleibt ja fast unter uns 😉

    1. Ok, dann frage ich doch noch einmal nach, vor allem im Hinblick darauf, wie das in unserer Demokratie eigentlich so funktioniert. Ich war sehr überrascht, wie um den 3. Oktober herum plötzlich in allen Parteien der Begriff ‚Heimat‘ die Runde machte. Selbst unser Bundespräsident philosophierte in seiner Einheitsrede über den Begriff ‚Heimat‘. Wer setzt solche Begrifflichkeiten in die Welt, verteilt sie an die jeweiligen Parteien und bläst zum gemeinsamen Begriffs-Startschuss?

      Zurück zu meinem Punkt: Wer spricht mit einer AfD-Führung ab, das Thema Syrien nicht anzusprechen? Wie weit runter in der Hierarchie geht da der Informationsfluss, um was es strategisch wirklich geht? Ist doch irgendwie absurd, wenn alle so tun als seien IS-Terror und Flüchtlingskrise (aktuell insbesondere die Frage des Familiennachzuges aus Syrien) allein innenpolitische Themen.

      Wer ist da eigentlich der Gegner? Für wen veranstaltet man dieses Theater? Und dann noch zu diesem hohen Preis mit so vielen Toten und Heimatvertriebenen und so viel gesellschaftlichen Unfrieden im eigenen Land? Was könnte denn passieren, wenn jemand Klartext redete? Was ist da das Druckmittel, um das zu verhindern? Zusammenbruch des Finanzmarktes? Weltkrieg? Mehr Terror wie der eines Franco A. aus der Brigade Franco-A(llemande), den die Dolmetscherin für einen Israeli hielt? Wirtschaftliche Skandale wie VW in den USA? Oder sind da nur noch Zombies am Werk, die über den egoistischen Tellerrand nicht mehr schauen können und gar keine wirkliche Strategie – außer Kohle zu verdienen – haben?

      1. Meier

        Ich sehe bei der Entscheidung deutscher Politiker, den JCPOA zu unterstützen, Assad die Unterstützung jedich zu verweigern, obwohl das politisch auf’s gleiche hinausläuft, keine bestimmt Kraft im Hintergrund, die das organisiert. Ich sehe da eher parteiübergreifend vor allem Angst vor Popularitätsverlust, sich ergebend aus der massenmedialen Konditionierung der deutschen Bevölkerung: Assad böse, JCPOA gut.

        Was ich eher für interessant halte, ist, warum führende deutsche Politiker unisono am JCPOA festhalten, obwohl nun nicht mehr „nur“ die von Tel Aviv ausgehende deutsche Staatsräson, sondern auch der neue Führer in Washington dagegen wettert. Bis jetzt war das in Deutschland fast immer so, dass deutsche Spitzenpolitiker ihre Fähnchen entsprechend dem gerade aus Washington wehenden Wind gedrreht haben. Und wenn das mal einer nicht gemacht hat, dann schießt die transatlantische Medienmaschine sie schnell nieder, wie wo Schröder Bush und Tel Aviv die Gehorsamkeit beim Irak-Krieg verweigert hat und dafür anschließend unter allen möglichen Vorwänden medial so fertig gemacht wurde, dass er anschließend nicht mal die Legislaturperiode zu Ende brachte. Ähnliches passierte bei Westerwelle, nachdem er zur Kriegsresolution gegen Libyen mit Enthaltung gestimmt hatte: seine Partei FDP wurde dafür anschließend vom transatlantischen Medienzirkus so fertig gemacht, dass sie es bei der nächsten Wahl nicht mal mehr in den Bundestag schaffte. Deutsche Spitzenpolitiker wissen darum, das sie mit solcher massenmedialen Bestrafung zu rechnen haben, wenn sie dem Führer in Washington die Gehorsamkeit verweigern.

        Ich bezweifle jedoch, dass das diesmal auch so ein Fall von deutschem Ungehorsam gegenüber dem Führer in Washington ist. Mir kommt das, was Trump da mit dem Iran-Deal gerade macht, eher so vor wie eine Show der World Wrestling Federation vor, wo Schaukämpfe abgesprochen sind, und in die Schaukämpfe unter dröhnendem Applaus des Publikums teilweise auch Schiedsrichter, Zuschauer und andere Dritte einbezogen werden. Trump hat bei so einer Show auch mal „mitgekämpft“ – und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir bei Trumps Dezertifizierung des Iran-Deals eine ähnliche Show sehen, wo die gesamten P5+1 und Iran so etwas wie ein abgesprochenes Rollenspiel nach Art der WWF sehen.

  5. Michael Klor Berchtold hat einen persönlichen Twitter Account, wo er interessante Bilder und
    freundliche Texte über seine Tätigkeit postet.
    Man sieht, dass er seine Arbeit als Botschafter gerne und gut macht.
    Für den BND ist so jemand zu schade.

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