Türkische Unterhändler reisen in die Idlib-Tasche

Nachdem es am heutigen Sonntag Morgen an der nordwestsyrisch-türkischen Grenze zu einem kurzen Gefecht zwischen Terroristen und türkischen Soldaten gekommen ist, sind türkische Unterhändler in die Idlib-Tasche zu Verhandlungen mit den unter Führung von Al-Kaida-Terroristen kämpfenden bewaffneten Gruppen in er Idib-Tasche gereist.

Bereits seit einer ganzen Weile hat die Türkei gepanzerte Truppen an der Grenze zusammengezogen und führende türkische Politiker haben immer wieder Anspielungen auf einen mit den Vereinbarungen von Astana im Einklang stehenden Einmarsch türkischer Truppen in die Idlib-Tasche zum Kampf gegen Al Kaida gemacht.

Doch bislang ist das nicht geschehen. Stattdessen sieht das so aus, dass die Türkei von der russischen Luftwaffe unterstützte FSA-Gruppen die Eliminierung von Al Kaida in der Idlib-Tasche übernehmen lassen will und die türkischen Truppen bloß an der Grenze stehen.

Aus der ostsyrischen Provinz Deir Ezzor meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA heute vom Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS, dass die syrische Armee die Terroristen in der Stadt Mayadeen umzingelt hat. Weiterhin meldete SANA aus der Provinz, dass die syrische Armee östlich des Euphrat den Ort Marat al-Fouqa vollständig und den Ort Hatla al-Tahtani größtenteils eingenommen hat und sich damit östlich des Euphrat gegen schweren ISIS-Widerstand weiter in Richtung der kaputten Siyasia-Brücke vorkämpft.

Im Irak ist es Sicherheitskräften unterdessen gelungen, auch den letzten Rest der bis dato von ISIS-Terroristen gehaltenen Hawija-Tasche einzunehmen.

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16 Gedanken zu “Türkische Unterhändler reisen in die Idlib-Tasche

  1. Ich hätte gerne eine Karte, wo diese erwähnten Orte eingezeichnet sind, ebenso die Ölfelder.

  2. Wie schätzt das PB diese Meldung von HdK ein:

    ++ Türkische Truppen beginnen mit Einmarsch in Syrien ++

    In den letzten Wochen geschahen in von Terroristen beherrschten Idlib im Nordwesten Syriens ganz merkwürdige Dinge. Am Rande der Astana-Friedenskonferenz, wo sich Russland, Türkei und der Iran auf eine Deeskalationszone in Idlib geeinigt haben, kam es in dieser Provinz zu einer mysteriösen Mordserie. Die Opfer waren alle hochrangige Al-Kaida Kommandeure.
    Hinter der Mordserie steckt der türkische Geheimdienst MIT. Die türkische Regierung, die diese Terroristen jahrelang selbst unterstützt hat, versucht nun Al-Kaida in Syrien zu enthaupten, um die Terroristen so orientierungslos zu machen. Denn die Türkei hat sich in Astana mit Russland und Iran dazu verpflichtet, in Idlib einzumarschieren, die Terroristen auszuschalten und die Waffenruhe in ihrer Zone zu überwachen.

    Die türkischen Bodentruppen erhalten durch syrische und russische Kampfjets Luftunterstützung. In der nächsten Etappe soll Idlib in 3 Zonen aufgeteilt werden, wo die Türkei, Iran und Russland jeweils eigene Truppen zur Überwachung der Waffenruhe stationieren müssen.

    Diese Entwicklungen werden in Washington, London und Tel Aviv überhaupt nicht gern gesehen. Dort hatte man noch gehofft, mit Hilfe der Kurden ein Zugang zum Mittelmeer freikämpfen zu können. Ohne einen direkten Zugang zur Außenwelt werden die USA keine Chance haben, das gestohlene Öl der syrischen Bevölkerung außer Landes bringen und einen kurdischen Staat lebensfähig machen zu können. Die Offensive der von den USA bewaffneten SDF-Milizen (Kurden und ehemalige FSA-Terroristen) auf das Ölreiche Deir Ezzor im Osten des Landes könnte unter diesem Gesichtspunkt am Ende umsonst gewesen sein.

    Quelle: https://www.facebook.com/Hinter.d.Kulissen/

    1. Johanniskraut

      HdK scheint Gedanken lesen zu können und gibt leider keine Quellen an. Der Meereszugang für die YPG ist schon seit der russisch-türkischen Versöhnung vom Tisch.

      Vor einer halben Stunde etwa scheinen türkische Truppen sich in der Idlib-Tasche tatsächlich auf syrischen Boden begeben zu haben. Die türkische Armee spricht von einer Aufklärungsmission.

      Einer von Liveuamap Middle East verbreiteten Karte zufolge, soll die türkische Armee diese Aufklärungsmission direkt südlich der ua von russischen Truppen gesicherten Afrin-Tasche der YPG durchführen:

      1. Nachtrag

        Ali Özkök sagt, die türkische Armee habe bestätigt, dass sie die Aufklärungsmission nicht heute, sondern bereits gestern durchgeführt hat.

        Die gestern gezeigten „Unterhändler“ nennt die türkische Armee also „Aufklärer“ – was ja auch nicht so weit entfernt voneinander ist.

  3. Mal sehen, wie die Türken vorgehen werden.

    Die Aufgabe ist ja, die Sicherheit in der Deeskalationszone zu garantieren; und dazu gehört es grundsätzlich, gegen Terroristen vorzugehen.

    In der HTS dürfte es genug Kräfte, die sich nicht auf FSA oder sonstige „Moderate“ umflaggen lassen werden wollen. Andere setzen sich ja schon ab von HTS und bereiten wohl genau das vor.

    Mit der Ausschaltung diverser Kommandeure versucht man Argumente zu liefern, sich doch auf die „richtige“ Seite zu stellen.
    Je mehr sich im Infight gegenseitig ausschalten, um so leichter kann man mit dem Rest fertig werden.

    Eine andere Motivation könnte sein, möglichst große Mengen an türkischen Proxys in Syrien zu behalten, die dann dort die Interessen vertreten. Aber man muss sich im Rahmen von Astana bewegen.
    __________________________________________

    Im Irak ging ja die Einnahme der Hajiwa-Tasche außerordentlich schnell und weitgehend kampflos.
    Hier eine Erklärung.

    Offenbar sind lokale Kapitulationen von großen ISIS-Verbänden , vor kurzem noch undenkbar, jetzt auch leicht möglich.

    Das war in einer Exklave; im Kerngebiet dürfte es schwieriger sein, da könnte immer noch jemand daherkommen und Aufgabewillige erschießen/köpfen/lebendig kochen.

  4. ***
    Paweł Wójcik‏ @SaladinAlDronni 4 Min.Vor 4 Minuten
    Mehr
    IS says that HTS positions in the East Hama countryside is being attacked #Syria
    ***

    Sollte da Substanz dahinter sein, sowohl an der Meldung als auch den attackierenden IS-Truppen, wäre das eine gute Meldung; Al Kaida gegen IS, statt SAA gegen IS und gegen Al Kaida, super.

    Könnte auch dazu führen, dass sich jetzt in Idlib eine Hardcorefraktion bildet, die jegliches „Moderate“ aufgibt, gebildet aus Al Kaida und IS und Gleichgesinnten.

    1. ***
      HTS further accuses Russia and Assad for anti rebel conspiracy by allowing IS to cross Khanasser.Also states that HTS forces are on the way.
      ***

      Prust.
      Sagt die Terrororganisation, die im harten Kampf gegen die Regierung steht, die Regierung sei „konspirativ“, weil sie eine andere Terrororganisation, die im härtesten Kampf gegen die Regierung steht, ihnen nicht vom Hals hält.
      Also so was böses aber auch!

      Wie Quaraytan und Sukhnah (und Ramadi) gezeigt haben, lassen sich Bewegungen von ISIS nicht vollständig kontrollieren und ausschalten.

      Eine Absprache: „wir lassen euch hier durch, wenn ihr auf der anderen Seite HTS angreift“, ist wenig wahrscheinlich.

      Aber dass ISIS-Kräfte dorthin gehen, wo sie sich am ehesten erhoffen, wieder Fuss fassen zu können, ist dagegen sehr plausibel.

  5. Laut ISIS-Verlautbarungen ist der Angriff auf HTS (in den Karten ist dort natürlich kein „dunkelgrün“ eingezeichnet, btw.) Teil der jüngsten Al-Adnani-Offensive, die quasi durch die Veröffentlichung der Bagdad-Rede gestartet wurde.

    Dafür kommt er eigentlich etwas zu spät.
    Aber denkbar, im Ramen der Ausräumung des zentralen Kessels /Hama/Homs sind sicher auch diverse ISIS-Kräfte rüber ins „Grüne“ gegangen und warteten auf eine günstige Gelegenheit; ds hätte vielleicht auch ein Anschluss an Al Kaida sein können, oder, was sie in den letzten Jahren gelernt haben, ein Angriff auf alle anderen.

    Die Türken freuen sich natürlich sehr über diese Aktion, wird sie doch sicher HTS-Kräfte binden.
    (schon allein wegen der Gefahr, dass die SAA jetzt einen ANgriff auf die insgesamt sicher sehr dünnen IS-Kräfte unternimmt und das Gebiet relativ leicht einnehmen kann).
    Wäre also auch nicht verwunderlich, wenn es da noch alte Kanäle gäbe.

    Der weitere Fortgang wird davon abhängen, wie stark die Gruppierung ist.
    Entweder sie werden früher oder später wieder aufgerieben, oder aber es gibt angesichts des Fortgangs der Verhandlungen und damit das absehbare Ende des Labels „HTS=Rebell= Freiheitskämpfer“ in Syrien wieder eine Vereinigung der Terrororganisationen, „Al Kaida im Irak“ und „Al Kauda in Syrien“, wie sie ursprünglich hießen, sind sich ja auch nicht gänzlich fremd von ihren Wurzeln her und auch die Ideologie unterscheidet sich kaum.

    1. ***
      Henry Leconte‏ @henrylec1 5 Std.Vor 5 Stunden

      ISIS leader responsible for ISIS members in Idlib, arrested in July by HTS, says 900 ISIS members present in Idlib and HTS is aware of this.
      ***

      Anscheinend gibt es ein Interview mit diesem ISIS-Mitglied; er sagt weiter, HTS hat Geld für das Einlassen der ISIS-Kämpfer bekommen.

  6. Kann leider kein arabisch.

    Aber das könnte doch die neue Organisation sein, in der sich AL Kaida und ISIS und Gleichgesinnte in Idlib treffen?

    Nach den Gefechten jetzt wird es ja Verhandlungen geben.

  7. Und im Irak sollen sich die Sunniten-Führer auf autonome sunnitische Regionen geeinigt haben?

    Baxtiyar Goran‏Verifizierter Account
    @BaxtiyarGoran

    #BREAKING: Sunni leaders make arrangements to establish Sunni region(s) in Iraq.

    Die Interessen dahinter sind natürlich klar; die schiitisch dominierte PMU, die derzeit erhebliche Teile nach dme Sieg über ISIS kontrolliert, hätte dann ja dort wenig Zukunft.

    Ein neuer Versuch, die Verbindung Iran-Irak-Syrien-Libanon zu unterbrechen.

  8. In Süd-Idlib hat HTS eine SAA/NDF-Garnison überrannt. Es gibt ein Drohnenvideo davon. Wieder einmal ist zu sehen, wie die Regierungstruppen Fersengeld geben und wie Hasen übers freie Feld davonlaufen. Das sah ich früher schon öfter. Dann heißt es wieder „strategischer Rückzug“, mit reichlich Toten und viel Beute an Kriegstechnik für die Terroristen. Mir wird immer schlecht, wenn ich sowas sehe.
    Die Terroristen scheinen überwiegend doch die höhere Kampfmoral zu haben. Die lassen sich kaum gefangen nehmen und kämpfen bis zum letzten. Ist es nur das Geld, das ja nicht mehr so zuverlässig fließt, oder der religiöse Eifer, der sie zu so harten Kämpfern macht? Haben sie eine straffere Führung? Das hieße im Umkehrschluss, die Führung der SAA/NDF wäre schwach. Hab für meinen Geschmack zu oft Fotos von netten Teerunden an der Front gesehen.

    1. icke

      Ganz im Gegenteil: die syrische Armee ist mit ihrer Strategie der elastischen Verteidigung ungemein erfolgreich, denn dadurch werden Terroristen von Zivilisten getrennt.

      1. Al Masdar, die ja nicht immer zuverlässig sind, melden dazu 20 Pickups, einen T 55, einen BMP, große Mengen Munition sowie hunderte gefangene Zivilisten und Soldaten als Verlust auf Regierungsseite. Auch wenn es nur halb so viele wären, bliebe es ein herber Verlust. Das Wort vom „strategischen Rückzug“ wurde hier allerdings nicht benutzt.

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