Syrische Armee macht in der Provinz Deir Ezzor Fortschritte

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA am heutigen Samstag mitteilte, hat die syrische Armee in der vom Flughafen Deir Ezzor stromabwärts gelegenen Gegend Mraieyeh Gelände eingenommen.

Auf einer Karte sieht dieser Fortschritt der Armee im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS südöstlich der Stadt Deir Ezzor wie folgt aus:

Weiterhin wird gegenwärtig inoffiziell davon berichtet, dass die syrische Armee gegenwärtig im Bereich der Stadt Deir Ezzor Gefechte gegen eine US-gestützte bewaffnete Gruppe führt, die unter der Flagge der kurdisch geprägten SDF in der Stadt Deir Ezzor operiert. Kurdische Quellen berichteten auch davon, dass es in der letzten Nacht in der Stadt Deir Ezzor östlich des Euphrat einen Luftangriff gegen eine unter der Fahne der SDF kämpfende Einheit gegeben habe.

Am gestrigen Abend hatte Ahmed Abu Khawla, der Kommandeur dieser neuerdings unter SDF-Flagge kampfenden Ex-FSA-Einheiten des sogenannten Deir Ezzor Militärrates, gedroht, wenn die syrische Armee über den Euphrat gehe, würde sie damit eine „rote Linie“ überschreiten, was nicht geduldet würde. Abu Khawla widersprach damit der Sprecherin des russischen Außenministeriums, die kurz zuvor erklärt hatte, die syrische Armee habe den Euphrat bereits überquert, und indirekt auch dem Sprecher der US-Koalition für den Kampf gegen ISIS, der vorgestern erklärt hatte, die Kräfte der US-geführten Koalition hätten keine Absicht, die Stadt Deir Ezzor zu betreten. Dies bedeutete im Umkehrschluss natürlich, dass die Stadt Deir Ezzor komplett auf der russischen Seite der zwischen den USA und Russland vereinbarten Dekonfliktierungslinie liegt, und die Gruppe von Abu Khawla der russisch-amerikanischen Dekonfliktierungsvereinbarung zuwider in die Stadt Deir Ezzor vorgedrungen ist. Die Bekämpfung der Gruppe von Abu Khawla in der Stadt Deir Ezzor dürfte also dazu dienen, ihm und den seinen klarzumachen, dass sie mit dem Eindringen in die Stadt Deir Ezzor eine wichtige Linie überschritten hat, nämlich die zwischen der russischen und amerikanischen Luftwaffe vereinbarte Zuständigkeitslinie. Bislang scheinen Abu Khawla und seine Gruppe allerdings trotzdem nicht gewillt, die russisch-amerikanische Dekonfliktierungsvereinbarung zu beachten, sodass eine weitere Bekämpfung dieser unter SDF-Fahne operierenden Gruppe zu erwarten ist.

In einer weiteren wichtigen Entwicklung in der Provinz Deir Ezzor haben die syrische Armee und ihre Partner heute angekündigt, von Westen her über T2 entlang der syrisch-irakischen Grenze bis nach Bukamal und zum Euphrat vorstoßen zu wollen. Gleichzeitig haben irakische Armee- und Volksmobilisierungseinheiten heute bereits damit begonnen, die Terrorgruppe ISIS auf der irakischen Seite dieses Grenzgebietes zu eliminieren. Und sie haben dabei auch bereits die grenznahe irakische Ortschaft Akashat eingenommen.

Im Erfolgsfall darf das von Israel und der von Abu Khawla geführten SDF-Gruppe verfolgte Ziel, Damaskus von Bagdad und damit auch von Teheran abzuschneiden, als gescheitert gelten.

Nachtrag 19:00h: Soeben wurde berichtet, dass die syrische Armee nordwestlich der Stadt Deir Ezzor die Ortschaft Ayyash samt Umgebung eingenommen hat.

Davon, dass die syrische Armee den Euphrat überschritten haben soll, findet sich aber immer noch keine Spur.

Nachtrag 20:30h; Die US-geführte Koalition hat zum Luftangriff auf US-Partnerkräfte östlich des Euphrat eine Meldung herausgegeben:

Nachtrag Sonntag: Russland sagt, Russland habe den von der US-Koalition monierten Angriff nicht geflogen und Russland fliege nur Angriffe gegen ISIS. Außerdem habe Russland den USA schon vor einer Woche mitgeteilt, in welchen Zonen Russland in der Gegend operieren werde. Russland habe keine Kämpfe zwischen US-Partnerkräften und ISIS östlich des Euphrat gesehen. Die USA mögen nun erstmal erklären, wie ihre „Partnerkräfte“ in die Mitte der ISIS-Terrortruppen kommen konnten, ohne zu kämpfen.

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16 Gedanken zu “Syrische Armee macht in der Provinz Deir Ezzor Fortschritte

  1. Ich bezweifle stark, dass die Kurden wirklich einen Krieg gegen die syrische Armee riskieren. Vielleicht wäre es nicht falsch die SDF-Operation am Euphrat nun im Keim zu ersticken. Zu 95% werden sich die Kurden damit abfinden.

    1. Bohnennase

      Die SDF-Kräfte in Deir Ezzor sind mitnichten Kurden, sondern die arabisch-wahhabitischen Milizen des ehemaligen SNC-Chefs Ahmed Jarba.

      Die meisten Kurden werden denen keine Träne nachweinen, insbesondere dann nicht, wenn sie eliminiert werden, weil sie befehlswidrig gehandelt haben.

  2. Bohnennase

    Ich würde das entspannter sehen und davon ausgehen, dass die Armee weiß, was sie macht. Dabei würde ich bedenken, dss die Armeeführung möglicherweise Dinge weiß, die wir nicht wissen. Zum Beispiel könnte die Armee wissen, wie die Türkei reagiert, wenn Barzani am 25. sein Unabhängigkeitsreferendum hält und gewinnt. In der Türkei ist dazu letztens das Wort „Sanktionen“ gefallen. Denkbar wäre da etwa, dass die Türkei sämtlichen militärischen Nachschub in die syrischen und irakischen Kurdengebiete verbietet – und dass Bagdad das auch macht. Für die USA würde das wohl unvermeidlich den Abzug aus den Kurdengebieten bedeuten, und für die Peshmerga und die SDF, dass sie fortan ganz allein mit der irakischen und syrischen Armee sowie Iran, Russland und natürlich der Türkei ist. Orte wie Khusham nützen ihnen dann überhaupt nichts.

    1. Hallo Karsten!
      Selbst die treuesten Anhänger der sogenannten Altparteikader werden irgendwann einmal erkennen, dass die wesentlichen Ziele ihrer Motivation von den Idolen nicht mehr getragen werden.

      Ein grüner Aussenminister bestimmte eine kriegerische Außenpolitik von Deutschland wesentlich mit und verabschiedete sich von den Zielen der Partei aus den 70er Jahren! Das Hauptklientel wählt aber die Grünen wegen des Eintretens für Frieden und Umweltschutz. Letzteres führte auch nach einem Jahrzehnt Mitgliedschaft im Bundestag nicht zu einem Umdenken, weil bekanntlich die Wirtschaft bestimmt!

      Herr Gysi hat sich zum Beispiel offen gegen Assad gestellt und der Reichspropaganda vertraut.
      Er hat nicht gegen die Sanktionen für Syrien gestimmt, hat die illegalen Waffenlieferungen an die „Opposition“ nicht offen legen lassen, nicht nachgefragt, was Patriots und Tornados in der Türkei und jetzt in Jordanien machen,hat sich nicht gegen die Ausbildung von neuen syrischen Kräften in Willmerdorf ausgesprochen, hat die Rolle des Flottenhilfsschiffes Oker im Mittelmeer nie hinterfragt und jetzt auch nicht das Agieren von Bundespolizei und Bundesmarine im Mittelmeer.

      Und das ist nur die Syrienproblematik!

      Das hat mit der Friedenspolitik, wie wir sie in diesem „Forum“ besprechen, nichts mehr zu tun.

      Hier hat er die Linken und sich selbst disqualifiziert!

      1. Herbert
        Ich kann Dir nicht wirklich widersprechen. Allerdings gebe ich zu bedenken dass auch die Linken, wie wir alle, durch unsere Medien verblendet und desinformiert waren. Inzwischen sind die Linken beim „aufwachen“ und ändern diesbezüglich ihre Meinung und Politik. Es gab auch mal bei den Linken Diskussionen ob man nicht unter bestimmten Bedingungen Auslandseinsätze mittragen kann und sollte! Diese Diskussionen sind nun endgültig vom Tisch und erledigt nach den Erfahrungen mit Libyen und Syrien.

    1. susi

      Sie dazu auch Dominics Nachträge: „… das Foto ist übrigens von einer Übung des #Russland-Militärs, welche die gleiche Brücken-Art zeigt …“

      „… diese Brücken-Teile wurden der #Syrien-Armee schon vor ein paar Tagen geliefert … (wir warten noch auf Bilder)“

  3. Gibt es eigentlich Zahlen wieviele Truppen die SDF hat, die Provinz Afrin und Barzani im Nordirak?

    1. Bohnennase

      Ja, es werden diesbezüglich alle paar Nasen lang Zahlen kolportiert. Die Frage ist bloß immer, ob die Zahlen zutreffend sind, und selbst, falls das so sein sollte, was ich für unwahrscheinlich halte, stellt sich noch die Frage, was diese Zahlen aussagen.

      Ein Stichwort da wäre zum Beispiel das Wort Truppen. Ab wann zählen bewaffnete Feierabend-Nachbarschaftsschützer mit begrenzter Loyalität und Verwendbarkeit als Truppen? Mit großen Zahlen lässt sich prima Propaganda machen, aber tatsächlich müssen solche Zahlen nicht unbedingt viel bedeuten.

      Man denke nur an die ständig kolportierten riesigen Zahlen von „FSA-Soldaten“ – bis dann mehr oder weniger durchsickerte, dass es eine FSA eigentlich gar nicht gibt.

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