Rapide Fortschritte im Anti-Terror-Kampf in West-Qalamoun

Im von libanesischer Armee, syrischer Armee, Hisbollah und Amal-Brigaden gemeinsam geführten Kampf gegen Al Kaida und ISIS im libanesisch-syrischen Grenzgebiet gibt es rapide Fortschritte.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete am heutigen Sonntag, dass das auf syrischer Seite liegende Gebiet Jroud Flitah bereits kompltt vom Terror befreit worden sei.

Und auf libaneischer Seite wurden auch bereits etwa zwei Drittel von Jroud Arsal von Al Kaida gesäubert.

Die Terroristen erleiden dabei Berichten zufolge schwere Verluste.

Nachtrag 23:00h: Von @EmmanuelGMay gibt es eine recht übersichtliche Karte zur Gesamtlage in West-Qalamoun:

Allzu lang wird das wohl nicht dauern, bis Hisbollah und Partner da mit Al Kaida, ISIS und Co fertig sind.

Nachtrag 02:00h Montag: Noch ein paar Worte zu anderen wichtigen Entwicklungen in Syrien:

Der syrische Ableger der Terrorgruppe Al Kaida hat der türkisch-katarisch unterstützten Terrorgruppe Ahrar Al Sham in der Provinz Idlib eine richtig derbe Niederlage beigebracht und Ahrar Al Sham unter anderem komplett eliminiert aus der Stadt Idlib, aus der Stadt Jisr Ash Shughour, aus der Ortschaft Daret Izza und vom inoffiziellen Grenzübergang Khirbet Al Jawz. Vom offiziellen Grenzübergang Bab Al Hawa, der mehrere Jahre unter Kontrolle von Ahrar Al Sham war, hatte Ahrar Al Sham sich schon vorgestern auf Druck von Al Kaida zurückziehen müssen. Ahrar Al Sham war die letzte nennenswerte Konkurrenz von Al Kaida in der Provinz Idlib. Auch wenn noch nicht klar ist, ob das bereits das Ende von Ahrar Al Sham ist, es gibt da angeblich ein Papier, dass Al Kaida Ahrar Al Sham alle erkämpften Positionen und dabei erbeuteten Waffen zurückgeben will, dürfte das bedeuten, dass der Versuch gescheitert ist, aus Ahrar Al Sham einen moderaten Verwalter der Deeskalationszone Idlib zu formen. Ahrar Al Sham hat sich als im Kampf Al Kaida total unterlegen herausgestellt.

Die syrische Armee steht offenbar kurz vor der Einnahme der Stadt Sukhnah östlich von Palmyra.

Zur Situation am südwestlichen Ufer des Euphrat östlich der Stadt Raqqa gibt es widersprüchliche Angaben. Weitgehend Einigkeit scheint darin zu bestehen, dass die syrische Armee da entlang der Front zur SDF zumindest punktuell zum Euphrat vorgestoßen ist, nur wie weit nach Osten sie da schon ist, dazu besteht Unklarheit. Gemeldet wurde inoffziell bereits, dass die Armee da schon bis in die Provinz Deir Ezzor vorgedrungen sei, was aber von anderer Seite dann wieder dementiert wurde.

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18 Gedanken zu “Rapide Fortschritte im Anti-Terror-Kampf in West-Qalamoun

  1. Analog zu den rasanten Ereignissen in Syrien gestalten sich andere ausser-syrische Entwicklungen ebenso dynamisch, wenngleich auch durchaus besorgniserregend:
    – In Amman soll es ein Attentat innerhalb oder am Gelände der israelischen Botschaft gegeben haben. Absolute Nachrichtensperre, ein Israeli und zwei Jordanier seien verletzt oder getötet.
    – Ein Hubschrauber der israelischen Luftwaffe soll über dem Westjordanland abgestürzt sein. Nachrichtensperre. Das Schicksal der Piloten ist unbekannt.
    – Tausende von Palästinensern proben in Ostjerusalem den Ungehorsam. Dutzende werden durch die Sicherheitskräfte verletzt. Ein Ende ist nicht in Sicht.
    – Netanjahu soll die Amis „um Hilfe ersucht“ haben, einen Vierergipfel mit Abbas und Jordanien abzuhalten, um die Unruhen nicht weiter eskalieren zu lassen.

    Es gibt auch schönere Signale:
    – Qatar soll seine Bereitschaft erklärt haben, an der Versöhnung und Befriedung in Syrien aktiv teil zu haben (Syrien wird hoffentlich eine hohe Milliardenfordrung als Geste des guten Willens einfordern).

  2. Das ging – nicht ganz überraschend – aber sehr schnell…

    Das verbleibende Nusra Gebiet ist hügelig, abgeschnitten von den Tälern und strategisch wertlos. Kurz: game over.

    Auch gut zu wissen: Im Daesh Kessel halten sich nur einige hundert ISIS-Kämpfer auf, die, da nicht verhandlungsbereit, in den kommenden Tagen wohl allesamt eliminiert werden.

  3. Zur Lage am Euphrat:

    Die Tiger Forces arbeiten eng mit Stammes-Milizen zusammen, die ihrerseits wiederum mit Stammesvertretern von noch nicht befreiten Dörfern verhandeln, bevor diese von den Tiger Forces & Tribal Fighters eingenommen werden.

      1. Eine weitere, etwas weniger optimistische Karte, mit interessantem Kommentar von Canthama (SyrianPerspective):

        „This map seems to be the closest to reality on the Euphrates front. The Tiger and allies are bypassing the villages by the river, advancing on the old highway few kms south from the new highway. This road leads directly to Der ez Zor.

        The interesting aspect, once confirmed, is that the Tiger is finding a way to by pass longer battles for villages, leaving them for later or simply encircling them… „

  4. Wirklich erstaunlich, wie schnell das in West Qalamoun geht.
    Offenbar sehr gut vorbereitet und koordiniert zwischen den gut ausgerüsteten Beteiligten (und Hezbollah wahrscheinlich auch mit persönlicher Opferbereitschaft)

    Dass sie bisher ausschließlich das Al Qaida-Gebiet angreifen könnte die Vermutung nahelegen, dass ISIS etwas stärker aufgestellt sein wird; aber letztlich chancenlos.

    Schöne Fotos von der Euphrat-Front

    Offenbar ist der Kampf gegen die Sonne gerade wichtiger als gegen den Feind; wieder ein Indiz, dass ISIS da nicht sehr dicht gestaffelt steht.

  5. Großartige Neuigkeiten am heutigen Nachmittag:
    Laut offiziellen (inoffiziellen 😉 ) Karten vom russischen Verteidigungsministerium:

    1. hat die SAA die Stadt Dalhah bei ar-Raqqa am Euphrat eingenommen:

    2. hat die SAA endlich die Pumpenstation und das Flugfeld T2 eingenommen und ist somit nur noch 26 km von Abu Kamal, ebenfalls am Euphrat; ca. 250 km weiter südlich, entfernt.

    Die von mir erwartete und auch schon hier oft genannte 3-Flanken-„Zange“ zur Befreiung von Deir Ezzor scheint Realität zu werden.

    1. Pragmatisch

      Ich würde in die russische Karte nicht zuviel hineininterpretieren. Es mag durchaus sein, dass die Karte absichtlich ungenau ist.

      Bezüglich der Lage in der Provinz Raqqa scheint das beispielsweise so zu sein. Da gibt es etwa von Islamic World News‏ eine ganze andere Karte, die der Nachrichtenlage, man beachte Salam Alaykum, eher zu entsprechen scheint:

      Die russische Karte ist insofern interessant, als dass sie meine These stützt, dass das Verhältnis zwischen SAA und SDF südöstlich der Stadt Raqqa besser als bekannt sein könnte.

      Aber wer weiß schon genau, was da stimmt, und wer da gerade wie desinformiert. Das einzige, was da ziemlich klar ist, ist, dass die syrische Armee ein Geheimnis daraus machet, wie weit sie in der Provinz Raqqa wirklich ist oder nicht ist.

      1. Pragmatisch

        Absolute Zustimmung. Die russischen Karten waren schon in der Vergangenheit nicht immer sehr genau. Dafür stimmte das was zu sehen war aber meistens immer.
        Von daher sind die wichtigsten Informationen, da bis jetzt immer noch z. T. umstritten waren, das definitive Erreichen des Euphrat und die Einnahme von T2.

        Ebenfalls Zustimmung zum Punkt Geheimniskrämerei… da wird es inzwischen immer deutlicher, dass man hier den (offensichtlichen) Stand der Fortschritte nicht gern in Feindeshand wissen will.

  6. Robert Fisk war gerade in Resafa und berichtet von einer geheimen militärischen Zusammenarbeit zwischen YPG-SAA-Russia-Stämmen:

    Secret Russian-Kurdish-Syrian military cooperation is happening in Syria’s eastern desert

    http://www.independent.co.uk/voices/syria-isis-russia-kurdish-ypg-happening-in-secret-a7857471.html

    Damit dürfte diese heimliche Kooperation, die die Zurückhaltung mit den Nachrichten aus der Gegend erklärt, nun also als Tatsahe gelten.

    1. das Referendum ist doch am 25. September.
      Zusammenstösse zwischen den Kurden und d.SAA / Iranker / Iraner / RU …. sind da erstmal extrem ungünstig. Aber bin mir sicher bis dahin gibt es noch Ärger. Die Strippenzieher werden jede Gelegenheit dazu nutzen.

      —————————————-
      Bin ja mal gespannt ob Katar-Wiedergutmachungsgelder zu den Kurden ( 😉 Wahlhilfsgelder 😉 ) fliessen. Das ist für mich erstmal die grosse Frage.

      Dann sehen wir auch, wo Katar wirklich steht.
      Mal sehen wie es im August dort weitergeht

    2. Wie soll man denn diese Kooperation mittelfristig für die unterschiedlichen Interessenlagen sehen? Die SDF (YPG) hat sich ja unter US Schutzherrschaft gestellt. Wenn in absehbarer Zeit der IS als Gegner wegfällt, geht es ja primär wieder darum, die Gebiete unter syrische Regierungsgewalt zu überstellen. Das wiederum ist nun überhaupt nicht im Interesse des US Militärs (oder des Tiefen Staates, der CIA oder wem auch immer). Die USA werden versuchen, sich dort langfristig zu installieren (ob das was wird, wenn man von feindlich gesinnten Kräften umzingelt ist, mag dahingestellt sein). Die Türkei, die wiederum stärker mit Russland verbunden ist, wird die YPG auf jeden Fall bekämpfen, was wiederum die SAA/RuAF bei einer jetzigen Annäherung später in eine Zwickmühle bringt. Werden diese kurzfristigen Bündnisse nicht mittelfristig zu neuen Konflikten führen, wenn man sich für strategische Interessen umpositioniert?

      1. Joaquin

        Zunächst einmal dürfte es darum gehen, ISIS zu eliminieren.

        Im zweiten Schritt könnte dann die Präsenz der USA aus Syrien eliminiert werden. Das kann freiwillig geschehen, etwa indem Donald Trump nach der Eliminierung von ISIS den Sieg erklärt und im Einklang mit seinen Wahlversprechen kein Nation Building betreibt, sondern als Sieger über ISIS abzieht. Das kann aber auch unfreiwillig geschehen, etwa wenn die Türkei es den USA nicht länger gestattet, türkisches Territorium für den Zugang nach Syrien zu nutzen, um da die YPG zu unterstützen. Da die USA von Bagdad vermutlich auch keine Erlaubnis bekommen werden, um sich in Syrien gegen den Willen der syrischen Regierung festzusetzen, bliebe den USA dann nur noch der Abzugdenn das von den USA unterstützte YPG-Gebiet ist ein Binnengebiet ohne Küste, wo ohne Transportgenehmigungen von den Nachbarn nichts geht.

        Im dritten Schritt können dann Damaskus und Ankara unter russischer Mediation mit der YPG über den zukünftigen Status der kurdisch geprägten Gebiete in Nordost-Syrien verhandeln. Die im Binnengebiet ohne Küste sitzende YPG wäre in solch einem Szenario schwach und müsste Kompromisse machen.

        Im Grunde ließe sich das gleiche Szenario im kurdischen Nordirak anwenden, wenn Erdogan da das türkische Interesse, dass die Staaten der Region, einschließlich der Türkei, nicht durch kurdischen Separatismus zerteilt werden sollten, über die Wünsche seines Buddys Barzani stellt.

        Es ist also ein Weg denkbar, wie es gehen könnte. Aber, natürlich kann da auch wie so oft in der Region gelten: erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. In obigem Szenario stecken eine Menge Annahmen drin, die sich als falsch erweisen könnten.

      2. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, und wenn man versucht, sie in ein Schwarz-Weiß-Schema zu pressen, wird man sie nicht verstehen. Die (syrischen) Kurden sind nicht eindeutig auf Seite der USA. Der kurdische „Kanton“ Afrin im Nordwesten Syriens ist viel mehr Russland zu geneigt als der Osten. Auch habe ich den Eindruck (im Moment nicht aus aktuellen Äußerungen, sondern aus Vorgängen in der Vergangenheit), dass es mehr die politische Führung der Kurden ist, die den USA zugeneigt ist, während die Militärkommandeure davon nicht so viel halten und lieber mit Russland kooperieren wollten (die haben auch die besseren Waffen). Das mag auch ein Grund für die Heimlichtuerei bei der aktuellen Kooperation SDF-SAA sein: die kurdischen Militärkommandeure können ganz gut mit Russland (und der SAA), aber die eigene Führung sollte das nicht wissen (ist aber im Moment Spekulation).
        Bei den USA ist es so, dass man die Vorgänge nicht versteht, wenn man Militär und CIA in einen Topf wirft. Um die USA in der heutigen Lage zu verstehen, ist der Blick auf die Fraktionierung zwischen Globalisten-Lager (H. Clinton) und Patrioten-Lager (Trump) wichtig. Das Militär steht mehrheitlich auf der Seite der Patrioten, während die CIA für die Globalisten arbeitet. Daher gibt es nicht „das Interesse der USA“. Sondern die Globalisten wollen weiter weltweite Interventionspolitik, während das Patriotenlager und das Militär die weltweiten Kriege beenden will und die Truppen nach Hause holen will.
        Die Verbindung von Türkei und Russland wiederum ist eine strategische Allianz, bedeutet aber nicht, dass die Türkei einen Freibrief hat, die Kurden zu bekämpfen. Da die Kurden im Westen ideologisch als die Guten aufgebaut worden sind, kann Russland nicht direkt gegen sie vorgehen. Statt dessen ist es der Job der Türkei, Erdogan ist sowieso der böse Bube und hat keinen Ruf mehr zu verlieren – daher eignet er sich wunderbar für diese Rolle. Die Türkei darf aus der Sicht Russlands nur insoweit die Kurden bekämpfen, dass die Bedrohung für den Erhalt des Staates Türkei gebannt ist (denn politische Stabilität ist grundsätzlich im Interesse Russlands) und den syrischen Kurden klar gemacht worden ist, dass sie besser mit dem syrischen Staat kooperieren und sich mit einer Autonomie zufriedengeben, aber keinen eigenen Staat anstreben (das wäre Sprengstoff für den Nahen Osten, besonder für die Türkei, und daher nicht im Interesse Russlands). Überschreitet die Türkei diese Grenze, wird von Russland sofort eingeschritten, wie an einigen Aktionen rund um den Kampf um Al-Bab zu beobachten war. Zur Rolle der Kurden siehe auch: http://analitik.de/2017/05/03/das-kurdenproblem/

      3. Die Situation in Syrien ist nicht mit der im Irak vergleichbar; in vielen Teilen des zur Zeit von der YPG kontrollierten Gebietes stellen Kurden keine Bevölkerungsmehrheit und die Gebiete wo sie es sind, sind räumlich getrennt. Letzten Endes wird sich die YPG-Führung mit der syrischen Regierung einigen müssen, egal wie verlockend für manche die Aussicht eines eigenen Herrschaftsgebietes von US-Gnaden auch sein mag.

      4. Matthias 1
        Das mag auch ein Grund für die Heimlichtuerei bei der aktuellen Kooperation SDF-SAA sein: die kurdischen Militärkommandeure können ganz gut mit Russland (und der SAA),

        YPG, SAA und Hizbollah haben ja östlich von Al Bab gemeinsame Einheiten gebildet. Und ich bin immer noch der Meinung (trotz aller Widerrede), das die SAA durch die USA nach Raqqa „eingeladen wurde“, damit man selbst keine schwere Technik an die Kurden liefern muss (Türkei). Es ist schon komisch: Trump und Putin treffen sich in Hamburg; kurz darauf unterlässt Israel praktisch alle Angriffe und die SAA wird wieder im Raum Raqqa aktiv…. Auch komisch, als es Gerüchte über das Überschreiten des Euphrats durch die SAA+ gibt, werden auch die Karten im Osten Raqqas gelb. Irgendwie deutet vieles darauf hin, das Raqqa ganz oben angebunden ist, da kann selbst Barzahni nur noch nicken.
        Natürlich kann man in Washington, in der derzeitigen Situation nicht sagen: Man hat Raqqa zusammen mit den Russen befreit und das war auf höchster Ebene abgestimmt.
        Übrigens haben auch die amerikanischen Soldaten vor Ort sowohl mit der russischen, der syrischen Armee, ja mit Hizbollah gut zusammen gearbeitet (siehe östlich von al Bab, als SAA+ zwischen Türken und Amerikaner gegangen ist.
        Aus Erdowahn werde ich definitiv nicht schlau.

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