Unterzeichnung eines Dokumentes zur Einrichtung von Sicherheitszonen erwartet

Wie die kasachische Nachrichtenagentur Kazinform am Mittwoch Abend mitteilte, hofft der Direktor der Abteilung Afrika und Asien im kasachischen Außenministerium, Aidarbek Tumatov, dass die Garantiestaaten für Syrien am heutigen Donnerstag in der kasachischen Hauptstadt Astana ein Memorandums zur Einrichtung von Sicherheitszonen in Syrien unterzeichnen werden.

Weiter führte Tumatov aus, dass es lediglich die Garantiestaatenseien, also Russland, die Türkei und Iran, die das besprochene Dokument unterzeichnen und wenn sie das getan haben, das Dokument dann dadurch automatisch für alle Seiten verbindlich werde. Mit dem bisherigen Verlauf der Syrien-Gespräche in Astana zeigte sich Tumanov zufrieden: „Alles läuft wie geplant.“ Bezüglich der Vertreter der „bewaffneten Oppositionsgruppen“ sagte er, sie hätten die bei ihnen auf dem Programm stehenden Punkte, nämlich Treffen mit den Delegationen der USA und des UNO-Sondergesandten De Mistura, am Mittwoch absolviert und seien danach weggefahren. Tumanov merkte an, dass die Opposition keine Vorbedingungen gestellt und sich angesichts der veränderten Lage zur Teilnahme entschieden habe.

Am heutigen Donnerstag werde die „Opposition“ an allen Gesprächen teilnehmen. Auf dem Programm stünden weitere Gespräche über die Situation in den versöhnten Gebiete und das Protokoll zur Durchführung von Waffenstillstand und Gefangenenaustausch. Die Arbeit an all diesen Dokumenten gehe gut voran und man hoffe auf ein gutes Ergebnis. Die Ergbnisse der Gespräche würden dann auf einer Sitzung des Plenums zusammengefasst, führte Tumanov Kazinform zufolge weiter aus.

Bebildert hat Kazinform die Nachricht mit folgendem Bild, das separate Schilder für „Bewaffnete Oppositionsgruppen“ und „Syrische Opposition“ zeigt:

Das Bild legt die Vermutung nahe, dass „Bewaffnete Opoositionsgruppen“ und „Syrische Opposition“ in Astana zwei unterschiedliche Delegationen sind. DAs ist logisch und praktisch, weil die legale und friedliche Opposition in den von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten üblicherweise wenig bis nichts mit den „bewaffneten Oppositionsgruppen“ zu tun haben will und auch die „bewaffneten Oppositionsgruppen“ überhaupt nicht gut auf die legale und friedliche Opposition zu sprechen ist. Andererseits kann das aber für die westliche Öffentlichkeit etwas Verwirrung stiften. Denn wenn etwa mitgeteilt wird, dass die syrische Opposition in Astana Zustimmung zur Einrichtung von vier Sicherheitszonen in Syrien durch die Garantiemächte signalisiert habe, könnte mancher meinen, das beziehe sich auf die Vertreter der bewaffneten Oppositionsgruppen in Astana, auch wenn die darüber vielleicht in Wirklichkeit Gift und Galle gespuckt und alles mögliche zur Sabotage der gegenwärtigen Gespräche in Astana unternommen haben.

Aber praktisch kommt es darauf wohl nicht an. Wie der Direktor im kasachischen Außenministerium zutreffend mitteilte, soll in Astana kein Abkommen zwischen syrischer Regierung und syrischer Opposition oder bewaffneten Oppositionsgruppen geschlossen werden. Syrische Regierung, syrische Opposition und bewaffnete Oppositionsgruppen sind herzlich dazu eingeladen, dazu in Astana ihre Meinung zu sagen, aber geschlossen werden soll ein Abkommen zwischen Russland, der Türkei und dem Iran, was natürlich den großen Vorteil hat, dass nicht zu den Garantiemächten gehörende Sponsoren bewaffneter Oppositionsgruppen, etwa Saudi Arabien, Katar, Israel und seine 5. Kolonne in der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft, den Abschluss des Abkommens nicht verhindern können, indem sie ihre Terrorschützlinge unter irgendeinem Vorwand vor der Unterschrift abreisen lassen.

Und deshalb darf man getrost davon ausgehen, dass Astana zwar einen feierlichen Rahmen für eine breite Diskussion und den Abschluss der Übereinkunft zur für Syrien sicherlich vorteilhaften Einrichtung der vier Sicherheitszonen bietet, die wirklich wichtigen Gespräche dazu jedoch am gleichen Tag in Sochi beim Treffen von Putin und Erdogan stattfanden. Und trotz des Theaters von Mohammed Alloush in Astana gibt es in Ost-Ghouta auch schon durchaus erfreuliche Anzeichen dahingehend, dass das russisch-türkisch-iranische Abkommen, auch wenn es ganz sicher nicht alle Probleme in Syrien löst, jedenfalls einige gute Ergebnisse mit sich bringen wird.

Nachtrag Donnerstag 15:00h: Russland, Iran und die Türkei haben das Dokument zur Einrichtung der vier Sicherheitszonen in Syrien zwischenzeitlich in Astana unterschrieben. Die syrische Regierung in Damaskus unterstützt das SANA zufolge. Zum Verhalten der Vertreter von „bewaffneten Oppositionsgruppen“ in Astana schrieb die türkisch Zeitung Sabah, der türkische Geheimdienstchef Hakan Fidan habe sie nach ihrem Weglaufen am Mittwoch davon überzeugen können, am heutigen Donnerstag wieder zurück zur Konferenz zu kommen. Reuters meldete allerdings anlässlich der Unterzeichnung des Abkommens, dass die Delegation der bewaffneten Oppositionsgruppen in Astana wütend rumschreiend weggelaufen seien. Nun, so sind sie eben. Die gegenwärtige Runde der Gespräche in Astana dürfte mit der Unterzeichnung des Memorandums beendet sein. Weitere Gespräche sind für Ende Mai in Genf und für Juli wieder in Astana vorgesehen.

Nachtrag Donnerstag 16:30h: Die Behauptung von Reuters, dass die Delegation der bewaffneten Oppositionsgruppen in Astana wütend rausgerannt ist, scheint Fake News zu sein. AFP meldete, dass lediglich ein Vertreter der bewaffneten Oppositionsgruppen abgehauen sei und dabei gegen Iran rumgeschrieen habe. Al Jazeera meldet, „mehrere Vertreter der Opposition“ hätten den Raum verlassen, und hat offenbar ein Foto von dem rumschreienden Rebellenvertreter. Ruptly hat ein Video von der kurzen Störung:

Nachtrag Donnerstag 20:20h: Die genaue Bestimmung der Deeskalations- und Sicherheitszonen entsprechend dem unterzeichneten Memorandum soll bis zum 4. Juni erfolgen. Hier ist das Memorandum im Volltext, mit Unterschriften:

Die Vereinbarung ist wirklich sehr simpel gehalten und baut einfach darauf, dass Russland, die Türkei und Iran den gemeinsamen Willen aufbringen, da einen Erfolg draus zu machen.

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26 Gedanken zu “Unterzeichnung eines Dokumentes zur Einrichtung von Sicherheitszonen erwartet

  1. Danke für die Information.

    So wirklich sicher können die Sicherheitszonen natürlich erst werden, wenn die „bewaffnete Opposition“ dort eingedämmt wird.Mal sehen, ob man schon etwas über die Schritte dahin erfährt.

    1. andreas

      Ein wesentlicher Schritt scheint mir zu sein, dass zunächst mal festgelegt wird, wo genau die vier Deeskalationszonen Idlib, Nord-Hama, Ost-Ghouta und Südsyrien sowie ihre Ränder genau sind.

      Wenn ich das recht verstehe, dürften da demnächst Türken und Russen rumtelefonieren, und reihenweise Kommandeure von bewaffneten Gruppen fragen: Willst du Deeskalationszone sein, dich an unsere in Astana vereinbarten Regeln halten, gegen Al Kaida kämpfen und von uns Unterstützung bekommen? Wenn Du damit nicht einverstanden bist, werden wir und unsere Partner dich und deine Gruppe als mit den Terroristen betrachten, dafür sorgen, dass du keine Unterstützung mehr bekommst und Dich und deine Gruppe eliminieren. Also, wie ist die Antwort? Ja oder nein, dazwischen gibt es nicht.

      Je nachdem, wie da wo die Antwort ausfällt, dürften dann die Linien auf die Karte gezeichnet werden. Für die Bestimmung der Ränder der Deeskalationszonen sind, wenn ich mich recht erinnere, zwei Wochen vorgesehen.

      Wo die Antwort nicht „ja“ war, oder das anschließende Verhalten nicht der Antwort entspricht, da wird die syrische Armee dann mit voller russischer, iranischer und türkischer Unterstützung vorangehen und die entsprechenden Gebiete vom Terrorismus säubern und einnehmen.

  2. Hallo Parteibuch,

    heißt das Syrien wird nicht gefragt?
    Das ist kein gutes Zeichen.
    Sind deshalb die Falken aus Hama verschwunden?
    Erklärt das auch den weiten Vorstoß der FSA in die Wüste und den beabsichtigten/zu erwartenden Anschluss an das Euphrattal südlich von Deir ez-Zur?
    Die internationale Anerkennung dieses Zustands, wäre die Vollendung der Teilung Syriens und der Teilung Irak-Syrien.

    Ich halte dieses Abkommen entweder nur für ein Stück Papier, das ist die Annahme die mir noch am vorteilhaftesten für Syrien erscheint, oder aber für die tatsächliche Bestätigung für die Teilung Syriens. Das ganze Erinnert mich an Beirut 1975 und es wird genauso enden.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13524330.html

    Aber ich bin ehrlich ich habe eigentlich nichts anderes erwartet. Aber ich bin ja auch Zweckbestimmt. Nimm das Schlimmst an und die kannst nicht enttäuscht werden.

    Grüße PAule

    1. PAule

      Bei der Unterzeichnung des Memorandums zwischen Russland, der Türkei und Iran ist Syrien zwar nicht dabei, wohl um der Türkei eine gesichtswahrende Möglichkeit zu geben, ihren Rebellenschützlingen zu erklären, dass sie auch nicht dabei sind, aber man kann getrost davon ausgehen, dass Russland – und Iran – sich bei den Verhandlungen mit der Türkei sehr eng mit Damaskus abgestimmt haben.

      So sind auch die unterschiedlichen Reaktionen zu erklären:

      SANA meldet, dass Damaskus die Einrichtung der Deeskalationszonen unterstützt:

      http://sana.sy/en/?p=105456

      Vertreter der sogenannten bewaffneten Oppositionsgruppen sind wutentbrannt schreiend weggelaufen:

      http://www.dnaindia.com/world/report-russia-iran-turkey-agree-on-syria-safe-zones-opposition-cries-foul-2427488

  3. Hochinteressant, vielen Dank für den Bericht.
    Laut SANA unterstützt die syrische Regierung offiziell die Einrichtung von Sicherheitszonen. Und auch Hr. Trump soll im Telefonat Wladimir Putin zugestimmt haben, dass Sicherheitszonen zu befürworten sind (da wird ein gewisser ehemals weiß-, jetzt dunkelbraun-gescheitelter Ministerpräsident vor Wut schäumen)

    Sollte(!) es wirklich dazu kommen, könnte das ein Meilenstein werden. Die jetzt schon überlegenen Militärs von Syrien, Russland und Iran könnten bestenfalls eine enorme Steigerung ihrer Schlagkraft vollziehen, die bislang durch die Tausend-und-eine-Fronten landesweit nicht umgesetzt werden kann.

    Man kann es nur an den Beispielen West-Aleppo, Deir-Hafer-Ebenen und aktuell Hama und Palmyra sehen, wie schnell man mittels gebündelter Manpower vorwärts kommen kann. Andererseits sieht man auch wie man aktuell Vorstöße, z.B. in Richtung Anadan-Ebenen abbrechen muss, weil die Dschihadisten anderenorts (Hama) vorpreschen und sich alles in die Länge zieht.

    Klingt also nach einem Schritt in die richtige Richtung; man darf gespannt bleiben…

  4. Eine der großen Fragen wird doch sein, wer die Gebiete der „Al Nusra Front & Friends“ bekommen wird?
    Weiterhin wird Al Nusra ihre angedrohte Auslöschung wohl kaum tatenlos zuschauen. Angenommen, Al Nusra gewinnt den Kampf innerhalb einer der vier Gebiete. Dann könnte das ganze Gebiet in der Folge von der SAA angegriffen werden ohne gegen das Abkommen zu verletzen?!
    Noch eine Frage: Gibt es denn Gebiete, welche in Oppositionshand befinden, derzeit noch kein lokaler Waffenstillstand dort läuft und nicht zu den 4 Schutzzonen zählen? Jetzt nicht die Gebiete von Schwarz oder Al Nusra sondern noch irgend welche weitere „grüne“ Gebiete? Sollte es noch so ein Gebiet geben: Wird dieses mit diesem Abkommen damit zur Stürmung frei gegeben bzw. aufgefordert, schleunigst sich auf Verhandlungen einzulassen und sich nach Idlib evakuieren zu lassen?

    Wird es Gebietsaustausche geben und auf dem Verhandlungsweg zu Grenzbegradigungen kommen?

    1. Reisender

      Wer die von Nusra beherrschten Gebiete bekommen soll, scheint keine Frage mehr zu sein: wo es sie gibt, sollen lokale „Rebellengruppen“ sie von Nusra erobern, und dabei zumindest einen Waffenstillstand mit der syrischen Armee halten. Praktisch werden sie aber eng mit der Armee kooperieren müssen, um nicht gegen Nusra zu verlieren. Die syrische Armee kann dem Abkommen entsprechend auch selbst alle Gebiete einnehmen, wo Nusra präsent ist, möchte da jedoch lieber lokale „Rebellen“ in der Führung sehen, etwa so, wie das gerade in Ost-Ghouta geschieht, wo die „Rebellengruppe“ Islam-Armee den Kampf gegen Nusra eröffnet hat.

      Jenseits von ISIS-Territorium scheinen mir die einzigen nennenswerten Gebiete, die nicht für eine der vier Deeskalationszonen vorgesehen sind, die YPG/SDF-Gebiete und das von der ehemals als „New Syrian Army“ bekannten US-gestützten Gruppe mit Basis in Jordanien beherrschte Gebiet, das vom Tanf-Grenzübergang zum Irak bis einige Kilometer südlich von Palmyra und nordöstlich von Damaskus reicht, zu sein. Da braucht es einfach keine neuen Deeskalationszonen, weil es da kaum Probleme im Verhältnis zur SAA gibt und die YPG/SDF und New Syrian Army ohnehin schon aktiv gegen ISIS und Al Kaida kämpfen, wie sie das nach dem Abkommen für die Deeskalationszonen müssten.

      Ach ja, und das türkisch besetzte Euphrat-Schild-Gebiet Azaz-Jarabulus-Al Bab gehört auch nicht zu den vier Deeskalationszonen. Für das Gebiet gibt es sicher schon andere Absprachen zwischen der Türkei, Russland und Iran, und viel Streß scheint es mit dem Gebiet seit ein paar Wochen auch nicht mehr zu geben.

    2. Für mich ist es ein Stück Papier, welches wohl der syrischen Armee den Rücken frei halten soll, wenn die Amis gegen Raqqa ziehen lassen und die SAA die IS an Ihren Fronten beschäftigen sollen. – wahrscheinlich bis zur Einnahme des gesamten IS-Gebietes.
      Bei den Gebieten fehlen wohl das Gebiet der Türken-Proxis – rein formell auch FSA-Land. Alle Ensklaven um Damaskus außer Ostghouta, der Begriff Idlib ist für mich unklar. Meint man die Idlib-Tasche oder die Provinz Idlib. Im 2. Fall fehlen die Gebiete um Aleppo und Nordhama. Unklar ist auch was man mit dem Gebiet im Süden meint. Allgemein muss man wohl sehen, was alles dazu gehört, wenn nach 2 Wochen die Karten kommen.

      1. Ich hoffe mal nicht, das die Karten so aussehen, wie sie die ARD (Tagesschau) hatte. Die Stadt Aleppo, ein kleines Gebiet um Idlib, befreite Gebiete um Damaskus, Daraa auch mit etwa 1/3 SAA- Gebiet.
        Die Karte zeugte nicht mal von Fake-News, das war die blanke Darstellung von Unwissen.

  5. Meiner Meinung nach war ein Hauptziel der türkischen Intervention in Syrien Teile von Syrien herauszulösen und unter eigener Verwaltung/Abhängigkeit zu bekommen. Dies ist jetzt ja nicht nur rein faktisch sondern auch höchst offiziell geschehen. Ob die Türkei diese Landesteile wieder aus ihrer Abhängigkeit entlässt oder wieder etnische Vertreibungen durchführt und dann mittels Abstimmungen das Land auch dem Staatsgebiet der Türkei zuschlägt wird sich zeigen.

  6. Merkel soll angeblich Riad zugesagt haben Syrer in Deutschland durch die Bundeswehr für den Kampf gegen die Syrische Regierung auszubilden. Das klingt zwar sehr gefährlich für Syrien ist es aber nicht da sich keine paar dutzend finden lassen würden die sich dafür benutzen lassen würden unter den Syrern. Die sind nach Deutschland hergekommen um nicht am Krieg teilnehmen zu müssen (drücken sich vor der Wehrpflicht) da kann mann nicht erwarten das da bei dieser Entscheidung was zusammenkommt. Dennoch zeigt es das Deutschland weiterhin den Kriegspfad wählt und spätestens das sollte für die Leute die Merkel wegen ihrer Verfehlten Politik für Human bezeichnen als Verbrecherin kennzeichnen.

    https://kenfm.de/merkel-verschaerft-fluchtursachen/

    1. Veni Vidi Vici

      Ich habe die Nachrichten anders als Willy Wimmer so verstanden, dass die Bundeswehr dem saudischen Deal mit Merkel zufolge nicht Syrer, sondern saudische Soldaten ausbilden soll. Das ist auch ein Skandal, eben weil die Saudis Kriege in Jemen und Syrien vorantreiben, und damit Fluchtursachen verschärfen, aber das ist immer noch etwas anders, als wenn die Bundeswehr selbst Terroristen zum Kampf gegen die syrische Regierung ausbildet.

      1. Schon die Ausbildung der Wahabiten Soldaten ist ein riesen Skandal sowie auch die Deutsche Beteiligung am Bau des Saudischen Grenzschutzes während in Deutschland selbst der Grenzschutz verpönt ist. Man sollte Saudi Arabien boykottieren.

  7. So wie ich die Sache verstehe ist der Interessenverband
    Russland/Iran lediglich oder immerhin um den „Nachbarn“
    Türkei erweitert worden, während die USA sich mit ihren
    Interessen und der YPG bedeckt halten.
    Nehmen wir mal an, die Türkei meint es ehrlich und hat
    dafür Zusagen erhalten, dass die Kurden eine gewisse
    Autonomie aber keinen unabhängigen Staat bekommen
    – so liegt der Spaltpilz doch bei den verschiedenen kurdischen
    Gruppen. Wann immer die USA wollen, können sie die Kurden
    puschen … , und Russland müsste dann gemäss der
    Vereinbarung auch gegen Kurden vorgehen … – ich mag mir
    gar nicht vorstellen, was da noch kommt.
    Umgekehrt ist es für Syrien entscheidend jetzt an einer
    grossen Baustelle voranzukommen – da wären die Regionen
    Nord-Hama und Idlib wirtschaftlich sicher die wichtigsten.
    Blöd an der Sache ist, dass man Erdogan nicht trauen kann
    – am Ende riskiert er viel gegen Russland und holt sich
    Rückendeckung von USA bzw. NATO – es ist eben nur eine
    Hoffnung, dass die Türkei die NATO verlassen könnte … .

  8. Geht es hier nur noch um das Hölzchen oder doch auch schon um das Stöckchen!

    Entscheidend ist doch erst einmal, daß Russland mit geradezu penetranter Nachhaltigkeit versucht, einen von den Westmächten unerwünschten Frieden zu etablieren.

    Russland ist also das sich verteidigende Stinktier und wird wegen seines Abwehrverhaltens kritisiert?-

    Das Fressopfer also ist böse, weil es sich freiwillig nicht fressen läßt, sondern erfolgreich verteidigt: Das ist katholische Moral in Reinkultur.

  9. Jeder Benzinkunde kann gegen diesen Merkel-Saudi thread angehen, indem er eben keinen Benzin mehr in sein Auto einfüllt und stattdessen den wohlfeilen Strom aus den geschmähten Windflügeln verwendet.

  10. Dumayr und Ost Qualamoun sind.noch grüne Gebiete außerhalb der vier.

    Am besten wären herftige Kämpfe zwischen den grünen, am Ende bleibt eine schwache Al Nusra und wird eingesammelt.

    die HTS ist schon ziemlich groß und wird nicht so einfach verschwinden, und Abkommen mit denen wird es wohl nicht geben.

    Ich denke auch nicht, dass die Gebiete einen Ewigkeitsstatus erhalten werden.

  11. Das Memorandum liegt voll auf der bisherigen Linie, bezieht sich auch auf die UN-Resolution.

    (wie die Russen sich auch bis ins Detail an das geschriebene Recht halten; bevor sie verstärkte Präsenz in Afrin zeigen, um die Türken auszubremsen, wurden dort syrische Fahnen gehisst; denn nur mit staatlicher Präsenz in dem Gebiet gilt die Einladung für ausländische Kräfte.)

    Die Gebiete werden präzisiert, und die Türken treten auch als Garantiemacht auf.

    Ansonsten bleibt das alte Thema: wer ist Terrorist, wer ist „Opposition“.

    Es werden Anreize geschaffen, sich von den Terroristen abzuwenden und Opposition zu spielen; andererseits weiß natürlich jeder, dass in fast allen Gebieten die Terroristen die militärisch schlagkräftigen sind, ohne sie würden sie überrannt.
    Dadurch fällt es vielen schwer, sich abzuwenden; einerseits müssen sie ja eventuellen Infight überstehen (die Russen können die Bomben gezielt auf AL Nusra und co werfen, aber am Boden müssen sie selber mit denen klar kommen), andererseits damit rechnen, dass nach einer Beseitigung der Terroristen sie keine Chance mehr bei einer Auseinandersetzung mit SAA und Allies hätten.

    Ich bin gespant, ob jetzt wirklich mehr geschieht als bisher;
    die Situation ist dadurch anders, dass man kein individuelles ABkommen mit der Regierung aushandeln muss, sondern sich einfach durch Handeln zu dem bestehenden Memorandum bekennen kann.
    Aber die Probleme bleiben.

    Wie oben gesagt: am besten wäre doch jetzt vermehrter Infight zwischen Terroriten, Terroristenfreunden, gemäßigten Terroristen und sonstigen „Rebellen“.
    Man stelle sich vor, alle Terroristen gäben jetzt ihre Abzeichen ab; wo gingen die wohl hin, und wer nähme die wohl auf; denn man muss ja nicht mal arabisch sprechen, um offizieller Syrienflüchtling werden zu können.

  12. Liebes PB,

    wenn die Bestimmung der Deeskalations- und Sicherheitszonen bis 4.6. stattfindet, wie kann das Memorandum dann heute, 5.5., in Kraft treten?

    1. Antwort auf meinen eigenen Beitrag:

      augenscheinlich sind die Informationen, wo genau sich die Sicherheitszonen befinden, tatsächlich sehr spärlich.
      Yusha Yuseef hat auf Twitter folgendes Bild geteilt:

      Die Interpretation bereitet mir aber Schwierigkeiten… jmd. mit ausreichend Russisch-Kenntnissen, der dies übersetzen kann?

      1. Pragmatisch

        Auf der Karte stehen lediglich die Namen der großen Städte und Provinzen wie Aleppo, Idlib. Homs, Damaskus, Kuneitra & Daraa. Blau sind die angedachten Deeskalationszonen.

    2. Pragmatisch

      In Kraft treten bedeutet, dass das Memorandum von den Hauptstädten gebilligt wurde und ab heute die im Memorandom vereinbarten Arbeitsschritte umgesetzt werden sollen: Bildung von gemeinsamen Arbeitsgruppen, Bestimmung der Demarkationen der Zonen, Vorbereiten von Gefangenenaustausch und so weiter.

  13. Das russische Verteidigungsministerium hat vier Karten veröffentlicht.

    Daraus die Zahlen der „Rebellen“in den vier Gebieten

    14.500 – Idlib, Hama, Aleppo, Latakia
    3000 – Rastan
    9000 – Ghouta
    15.000 South Front

    Das sind offenbar nur die, die in irgendwelchen Abkommen/Verhandlungen sind; sonst müsste die Zahl für Idlib ja weitaus größer sein.

    Für Ghouta gibt es die Schätzung von 15.000 insgesamt, hieße 7.000 Al Nusra und friends gegen 9.000 Jaish al Islam, da bliebe am Ende wenig übrig, die beste Lösung für alle anderen.

    Gibt es valide Schätzungen für die anderen drei Gebiete?

    Es wird sich zeigen, was in den Zonen passiert.
    Offenbar soll es Übergänge für humanitäre Hilfen geben, auch für Zivilisten.
    Anfang werden „Moderate“ und „Terroristen“ einfach weiter nebeneinander existieren; und es wird nächste Schritte der Russen geben um sie zu trennen und die Terroristen auszuschalten.

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