Sicherheitskräfte gehen in Mossul wieder etwas voran

Wie irakische Medien berichten, rücken die Sicherheitskräfte im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS in der nordirakischen Metropole langsam weiter vor.

Gestern wurde der direkt nordwestlich der Altstadt gelegene Bezirk Al Thawra in schwierigen Häuserkämpfen eingenommen.

In der Altstadt selbst, wo ISIS rund um die Nuri-Moschee ihre wichtigste Bastion in Mossul hat, haben Sicherheitskräfte einen multidimensionalen Vorstoß gestartet.

In einem von Regierungspositionen aufgenommenen Video erscheint das berühmte Hadba-Minarett der Moschee bereits sehr nah zu sein.

Weiterhin haben nach der Einnahme der nordwestlich von Mossul gelegenen Vorstadt Badush durch Volksmobilisierungseinheiten Regierungskräfte eine neue Offensive von Nordwesten her in die Stadt Mossul gestartet, sodass ISIS nun von Norden und Süden in die Zange genommen wird.

Knapp zwei Monate nach dem Beginn der West-Mossul-Offensive durch die Sicherheitskräfte ist die Lage der ISIS-Terroristen in Mossul damit aus militärischer Sicht völlig aussichtslos. Sie sind vom Nachschub abgeschnitten, sehen sich einem Zangenangriff ausgesetzt und sind in einem recht kleinen Gebiet umzingelt.

Trotzdem kapitulieren die Terroristen nicht und kämpfen mit allen schmutzigen Mitteln, so etwa in den letzten Tagen wiederholt mit selbstgebastelten Chlorgas-Chemiewaffen und wie üblich der gezielten Nutzung von Zivilisten als menschliche Schutzschilde, indem sie Gruppen von Zivilisten teilweise sogar direkt an die Waffen ihre Feuerpositionen festbinden. Auch wenn inzwischen fast 500.000 Menschen vor den Kämpfen aus Mossul geflüchtet sein sollen, befinden sich in der Altstadt noch mehrere Hunderttausend Zivilisten, und zwar sowohl Geiseln als auch Sympathisanten von ISIS.

Damit es zu möglichst wenigen zivilen Opfern kommt, rücken die irakischen Sicherheitskräfte relativ langsam und vorsichtig vor, sodass die vollständige Einnahme von Mossul noch einige Zeit in Anspruch nehmen könnte. Trotzdem gibt es allerdings reichlich zivile Opfer.

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8 Gedanken zu “Sicherheitskräfte gehen in Mossul wieder etwas voran

  1. Fast viel wichtiger als die militärische Befreiung ist ja zivilgesellschaftliche Aufarbeitung. Falls diese ausfällt wird es bald den nächsten „sunnitischen“ Aufstand geben. Etwa dass lokale Personen aus Mossul zu Polizisten ausgebildet und eingestellt werden. Ebenso Lehrer, Krankenhausärzte, etc.

    Menschen die fliehen dürfen nicht alle in eine Zeltstadt in der Wüste eingesperrt werden sondern es müssen einzelne Familien im ganzen Land aufgenommen werden. Nur durch erfahrene Empathie können die gegenseitige Vorurteile abgebaut werden.

    Letztlich muss es wieder normal sein, dass Sunniten und Schiiten untereinander heiraten. Erst dann ist ISIS auch in den Köpfen überwunden.

    1. Reisender

      Zur Aufarbeitung gehören mehrere Seiten. Es ist ja nicht so, dass die sektiererische Gewalt im Irak von Schiiten ausgegangen ist. Sie ist im Gegenteil von der sunnitischen Seite ausgegangen, zunächst von Saddam Hussein und seinen Leuten, und später, nachdem es Saddam Hussein nicht mehr gab, von den gleichen Leuten, die nun aufgestachelt von der wahhabitischen Takfiri-Ideologie, zunächst über Jahre fast täglich Bombenanschläge gegen Schiiten und später den ISIS-Feldzug zur Rückeroberung der Macht in Bagdad von den schiitischen „Apostaten“ – wie sie sie sehen – verbrochen haben, und das unter dem Jubel eines Großteils der sunnitisch-wahhabitischen Bevölkerung.

      Einflussreiche Schiiten-Führer wie Ali al-Sistani und Muqtada Al Sadr predigen schon seit Jahren, auch schon zu der Zeit, als es die US-Besatzung noch gab, ein gleichberechtigtes Miteinander von Schiiten und Sunniten. Es sind die wahhabitisch aufgehetzten Sunniten, für die ein gleichberechtigtes Miteinander mit schiitischen Apostaten nicht in Frage kommt, und für die diese Aussicht so schrecklich ist, dass sie sie seit Jahren mit Terror und Krieg bekämpfen. Diese unzähligen wahhabitisch verhetzten Sunniten dazu zu bringen, dass sie eine Machtbeteiligung anstelle alleiniger Macht akzeptieren, ohne täglich neue Bombenattentate gegen Schiiten zu begehen, ist die wirkliche Herausforderung im Irak. Im Moment sieht es für mich so aus, dass der gegenwärtige Feldzug zur Befreiung der wahhabitisch dominierten Gebiete im Irak durchaus dazu geeignet sein könnte, diesen wahhabitisch verhetzten Sunniten klarzumachen, dass sie mit ihrem Streben nach Macht durch Terror und Krieg zuallererst Leid über sich selbst bringen.

  2. Es ist ja inzwischen beinahe unmöglich, diesen vierzehn Jahre währenden Krieg im Irak ohne Zorn und Eifer zu betrachten.

    Durch Lügen wurde dieser Krieg losgetreten wie nachfolgend in Libyen, in Syrien und jetzt in Nordkorea?

    Das Lügen hat insbesondere die Völker des Westens derartig vergiftet und verseucht, daß die Lüge nicht mehr als kindliche Not vor der Strafe, als Kavaliersdelikt des Jugendlichen oder als charmante Sauerei des dunklen Ehrenmannes gilt, sondern bereits zum guten Ton moderner und höherer Bildung mutiert ist.

    Die Lüge als wissenschaftliches Universum anerkannt, in welchem es zu brillieren gilt; ganz demokratisch für jedermann/-frau; Nobelpreis verdächtig sicherlich, vielleicht sogar gottähnlich…, wer weiß.

    Sind schon akademische Meriten in dieser Disziplin zu erwerben? Und wenn ja, an welchen Universitäten??

    Und die Studiengebühren sind mit Blut und Tod (natürlich nur der anderen) zu begleichen???: Wahnsinn, wie günstig, fast umsonst. Das ist billiger als eine Niere oder eine Seele! Denn die ist sowieso unsichtbar.

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