Syrische Armee rückt im Norden von Hama weiter vor

Nach der Einnahme zweier Hügel vorgestern und einiger Dörfer gestern ist die syrische Armee am heutigen Freitag nördlich der Stadt Hama weiter vor- und in den Ort Khatab eingerückt.

Da die Bevölkerung in der Ortschaft Khatab komplett geflüchtet war als Terroristen unter Führung von Al Kaida den Ort vor einer Woche überrannt hatten, fanden die Terroristen im Ort sich in einer exponierten Position ohne menschliche Schutzschilde wieder, wo die syrischen Streitkräfte und ihre Partner ihnen beliebig mit allen möglichen schweren Waffen von Artillerie über thermobraische Flammenwerfer bis hin zur Luftwaffe zusetzen konnten. Am heutigen Freitag Morgen flüchteten die diese Kampfhandlungen überlebenden Terroristen dann aus Khatab, den sie erst vor einer Woche erobert hatten, sodass die syrische Armee dort ohne große Nahkämpfe wieder einrücken konnte. Durch die Aufgabe von Khatab wurden auch die westlich davon gelegenen Orte Majdal, Sheer und Subin für die Terroristen unhaltbar, sodass die syrische Armee auch dort wieder einrücken konnte.

Auf einer Karte von Islamic World News sehen die Fortschritte der syrischen Armee wie folgt aus:

Die Stadt Hama darf damit wohl als gesichert gelten. Doch noch hat die syrische Armee nicht alle Geländegewinne zurückgerollt, die die Terroristen bei ihrer großen Offensive auf Hama in der letzten Woche erzielt haben. Insbesondere die von Terroristen vor einer Woche überrannten Ortschaften Soran und Maardas sind noch von der syrischen Armee zu befreien, um die jüngste Terroroffensive nördlich von Hama komplett zurückzurollen, wie aus nachfolgender Karte hervorgeht.

Der Tag ist aber noch nicht zu Ende. Gegenwärtig ist die syrische Armee Berichten zufolge damit beschäftigt, Barrikaden von Terroristen bei Abu Obaida und Al-Shliout nördlich von Mhardah zu stürmen.

Nachtrag später Freitag Abend: Im Laufe des Tages hat die syrische Armee im Norden von Hama mit Ausnahme eines Streifens um den Ort Soran alle Gebiete wieder eingenommen, die die Terroristen bei ihrer großen Offensive auf Hama in der vergangenen Woche überrannt hatten.

Die letzte Karte von Yusha Yuseef von der Gegend sieht damit wie folgt aus:

Das Militärmedienzentrum sieht sogar noch weiter vorn:

Informationen von @HamaNews1 zufolge soll die syrische Armee auch bereits Tel Nasiriah eingenommen haben, was allerdings wohl noch nicht ganz bestätigt und in den Karten von Yusha Yuseef und dem Militärmedienzentrum nicht verzeichnet ist.

Wie dem auch sei, die syrische Armee ist an der Front im Norden von Hama klar im Vorwärtsgang und die Frage ist eigentlich nur noch, wie weit die Armee da mit ihrer Gegenoffensive noch vorwärts gehen wird.

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13 Gedanken zu “Syrische Armee rückt im Norden von Hama weiter vor

  1. Ich bin positiv überrascht. So kann es weitergehen. Vielleicht sollte die Situation genutzt werden und nicht bei der letzten Frontlinie stehen geblieben werden. Ein Puffer, ein Schlauch, wäre gut. So könnte man jederzeit einen hübschen Kessel daraus machen 🙂 Früher oder später sind sie dran – ich freu mich jetzt schon…

  2. Die Hama-Offensive der Terroristen und die angewandte Strategie der SAA damit umzugehen, gleicht einem Lehrbuchkapitel in Sachen elasatische Verteidigung. Man lässt den Feind anrennen, zieht sich unter Nachhutgefechten zurück und hinterlässt dem Gegner nichts an Wert außer geräumte Gebiete, aus denen keine direkte Wertschöpfung vorgenommen werden kann. Der Feind erschöpft durch den Vormarsch Material und Truppen und wird dann von der Gegenoffensive empfindlich zurückgeworfen. Im jetzigen Fall wird das vermutlich bis auf die Höhe von Morek geschehen – und dann wird das Spiel mit der elastischen Verteidigung von vorne beginnen.
    Konnte sich im historischen Vergeich die Rote Armee solche Fehler leisten, als sie mit Mansteins elastischer Verteidigung 1943 bei Charkov Bekanntschaft machte und dabei gleich vier Armeen und fast 300.000 Mann verlor, so können die Terroristen nördlich von Hama diese Verluste nicht ersetzen. Denn eine elastische Verteidigung ist nur mit viel Masse und kontinuierlichem Druck zu überwinden, der hier nicht gestellt werden kann.
    Mannsteins Lektüre „Verlorene Siege“ könnte hier recht hilfreich sein, aber da Terroristen gemein hin eher nicht oder das Falsche lesen, dürfte sich deren vollmundige Hama-Offensive noch als Glücksfall für die syrische Armee entpuppen.
    Die Schnelligkeit der Rückeroberungen durch die SAA gestern lassen bereits erahnen, dass hier ein tieferer Vormarsch möglich erscheint. Die folgende Demoralisierung der Terroristen wird demzufolge enorm sein und im günstigsten Fall entsteht daraus ein neuer Konflikt innerhalb ihres Lagers.

    Da sich die Tigers ohnehin schon im Raum Hama befinden, würde sich die Beseitigung der lästigen Tasche zwischen Homs und Hama als 2.0-Fortsatz der jetzigen Operation anbieten. Viel militärische Power kann sich in der Tasche eigentlich nicht befinden, da sich die einzige Unterstützungsoffensive der dortigen Kräfte auf die kurzzeitige Unterbrechung der Straße zwischen Al Mashrafah und Salamiyah beschränkte. Die Tigers sollten mit geeigneten Unterstützungskräften dort also gut zurechtkommen.

    1. Einen großen Dank für diesen historischen Exkurs.
      Genau solche Beiträge finde ich als stiller Leser goldwert, da hier auf interessante Taktiken und deren Quellen verwiesen wird, die mir bisher unbekannt waren.

      Bitte weiter so, einmalig dieser Blog und deren Kommentatoren!

  3. @dietmar „könnten“ ist das Stichwort……

    Ich glaube, die SAA wird in den nächsten Monaten wohl andere Prioritäten setzen, Deir Ezor z.B: und die Gegenoffensive in Hama recht schnell beenden

    1. Die Prioritäten haben ja auch etwas damit zu tun, was die „Freunde Syriens“ als nächstes vorhaben.

      Szenario:

      Die Türkei maschiert mit ihrer „FSA“ in die Provinz Idlib, um diese vor Al Quaida zu befreien. Am Rande noch ein paar Scharmützel mit den Kurden. Zum Teil wird es Umflaggen sein, es wird sicherlich aber auch echte Kämpfe geben.

      Ziel der Türkei: Mehr Faustpfand für die Verhandlungen zu haben. Zudem zu den Gewinnern der Geschichte zu gehören. Wenn ein Regime Change nicht mehr möglich ist, so will man doch irgend etwas politisch noch rausschlagen können. Auch würden alle Zeugen, welche Aussagen könnten, die Türkei hätte Terroristen unterstützt, auf dem Schlachtfeld liegen bleiben.

      Frage: Was macht in diesem Szenario die SAA? Wie glücklich ist man denn in Damaskus über Al Bab?

      Oder um es allgemein zu formulieren: Falls man von mehreren Kräften angegriffen wird. Haben dann jene Kräfte Priorität, welche besonders grausame Propaganda machen oder jene Kräfte, welche einen militärischen Sieg auch in einen politischen ummünzen können?

      Eine andere Frage ist noch, ob die Priorität ein Gegner hat welcher immer modernere und für die eigene Seite verlustreichere Waffen nachgeliefert bekommt oder ein Gegner welcher vom Waffennachschub weitgehenst abgeschnitten ist?

      Lassen wir uns überraschen, insbesondere am heutigen 1. April 🙂

  4. @ Reisender
    Die Türkei hat hat praktisch nur zwei realisierbare Optionen, wie sie weiter offensiv operieren könnte.

    Entweder über die Provinz Afrin eine geschlossenes Gebiet mit Idlib herstellen und dann auf kräftiges Überlaufen und Umflaggen hoffen oder die Kämpfer in Idlib, die man eben noch für ihre Offensive Richtung Hama ausgerüstet hat, offiziel zu Terroristen zu erklären und diese anzugreifen.

    Bei Option zwei denke ich mal, dass diese in der türkischen Bevölkerung schwer zu vermitteln ist, auch weil dort diverse Turkstämme leben und ein Angriff selbst bei Anhängern von Erdogan als eher ungeliebte Wende angesehen würde. Mal abgesehen von Befürwortern einer Großtürkei, dürfte diese Idee wenig Freunde gewinnen. Zudem ist davon auszugehen, dass das türkische Militär sich bei der Eroberung weit mehr einbringen müsste, als unter den Operationen des ES bislang. Die als Proxys eingespannten Terroristen haben gerade im Raum Al-Bab grandios versagt, so das absehbar wäre, das die Türken die Hauptlast des Angriffes tragen müssten. Das wäre wiederum mit erheblichen Verlusten verbunden und wenn man bedenkt, das bereits die knapp 100 gefallenen Soldaten im Rahmen der ES-Operationen zu durchaus spürbarem Unmut in Teilen der Bevölkerung geführt haben, halte ich es momentan noch für eher unwahrscheinlich, das Erdogan diesen Schritt wirklich wagt.
    Er könnte natürlich auch hier darauf hoffen, dass die Terroristen beim Einmarsch mangels Perspektive überlaufen, aber angesicht dessen, dass man in Idlib die zum ES gewechselten Kämpfer schon als Verräter ansieht, dürfte diese Hoffnung wohl sehr optimistisch sein…

    Die Option Afrin halte ich schon für wahrscheinlicher. Afrin ist zwar mittlerweile aus den anderen Kurdengebieten mit Kämpfern und Material über syrisches Gebiet versorgbar, aber da sie ungünstig liegt und von mehreren Seiten angreifbar ist, dürfte sie bei einem gut vorbereiteten Angriff bestenfalls mittelfristig zu halten sein. Die Überlegenheit der Türkei an modernen Panzern, Artillerie und Luftwaffe lässt da eigentlich keine Fragen offen. Am Ende greift dann wieder der alte Spruch: Dein Fliehen ist zwecklos, Dein Rennen bringt nichts, denn von der Karte entfernen kannst Du Dich nicht 😉

    Afrin wäre also militärisch machbar, nur ist die Frage wie die Türken das politisch nach außen verpacken und verkaufen. Aber um Ausreden und aberwitzige Erklärungen müssen wir uns bei Erdogan wohl keine Sorgen machen…

    1. Dietmar

      Bevor Erdogan irgendetwas Militärisches unternimmt, muss er zusehen, dass er Unterstützung von zumindest einer Weltmachtsseite bekommt: Trump und Partner oder Putin und Partner, und dabei ist davon auszugehen, dass Trump Erdogan zu allem „Nein“ sagt, was Putin nicht will und umgekehrt. Die militärische russisch-amerikanische Verständigung zu Syrien scheint nämlich recht gut zu funktionieren.

      Andersherum gesagt: Erdogan muss zunächst das OK der Weltmächte holen, bevor er in Syrien irgendetwas unternimmt. Erdogan kann es sich zwar theoretisch erlauben, Russland zu verprellen, aber Erdogan musste schon nach dem türkischen Abschuss der russischen Su-24 über Syrien schmerzhaft erkennen, dass er sich mit dem Verprellen Russlands in eine politische Sackgasse manövriert. Würde die türkische Armee nun gegen russischen Willen Afrin erobern, wäre Erdogan damit wieder in der gleichen Sackgasse wie nach dem türkischen Su-24-Abschuss Ende 2015. Andererseits ist es auch nicht ratsam für Erdogan, zu versuchen, Putin gegen Trump auszuspielen und Trump zu verprellen, zumal Russland dabei wohl auch nicht mitmachen würde.

      Sollte Erdogan jetzt also – es gab da gerade entsprechende Ankündigungen – in Syrien irgendetwas militärisch unternehmen, so darf man vermutlich davon ausgehen, dass das mit Russland abgesprochen ist. Ist da was nicht abgeprochen, wäre eine sehr scharfe und öffentlich deutlich wahrnehmbare russische Reaktion zu erwarten. Die gab es aber nach den türkischen Ankündigungen einer neuen Militäroperation in Syrien nicht.

  5. Strategisch gesehen sollte der Schwung der SAA bis mind. auf die Linie Kafrzeta-Morek rollen, um die Zio-Wahabiorks nachhaltig zurückzuwerfen und ausreichend Puffer zu schaffen.
    Rd. 2.300 Tote sollen sie bereits erlitten haben, ganz ordentlich, aber noch nicht genug bei über 12.000 die an der Offensive beteiligt sein sollen und dafür das sie ohne menschliche Schutzschilde dastehen.
    Ein noch massiverer Einsatz von thermobarischen und Vakuumbomben, sowie schwerer Artillerie und Raketenkräften sollte folgen.
    600-800 Scud Raketen soll die SAA haben.
    Mind. ein Dutzend davon wären hier sehr gut investiert.
    Damit wäre auch die Frontbegradigung/Verkürzung in diesem Abschnitt zusätzlich enorm, was die Verteidigung erleichtert und die Überdehnung mildert.

    1. richtig das zulassen einer solchen „kerbe“ vor hama war mit sicherheit eine der dümmsten aktionen der saa in der vergangenheit – oder vielleicht taktik um künftige angriffe und offensiven der halsabschneider zu kanalisieren – auf jeden fall werden bei einer frontbegradigung deutlich weniger km zu verteidigen sein. andererseits muss man auch sagen im donbass hatte ein solcher einschnitt unweigerlich zu einer zangenbewegung und damit kesselbildung und vernichtung geführt nur dazu reichen die ressourcen der verteidiger leider offensichtlich nicht.

      1. netmod2013

        Die Ressourcen der SAA und ihrer Partner reichen in Hama sicherlich für eine Zangenbewegung wie das Standard im Donbass war, aber die Randbedingungen sind unterschiedlich. Im Donbass war die Bevölkerung ganz überwiegend mit den Kräften von DNR/LNR, aber in Nordhama ist das komplizierter. In Wahhabitisch geprägten Orten wie Hilfaya und Kafr Zita gibt (oder gab) es recht viel zivile Bevölkerung, die mit den wahhabitischen Terroristen ist. Um die Orte nach einer Einnahme ohne großen Ressourceneinsatz halten zu können, braucht die syrische Armee aber Unterstützung aus der lokalen Bevölkerung.

        Die Frage ist da nun, ob auch die lokale zivile Bevölkerung von Orten wie Hilfaya und Kafr Zita eine solche Zangenbewegung möchte, oder ob sie lieber darauf verzichtet. Verzichtet die Bevölkerung lieber, dann hätte die syrische Armee niemanden vor Ort, für den sie die Opfer einer solchen Zangenoffensive erbringt. Logischerweise sollte sich die syrische Armee dann lieber da engagieren, wo die Bevölkerung das auch wertschätzt. Das gilt auch dann, wenn das im ethnisch-kulturellen Flickenteppich, der Syrien ist, erstmal längere und kurvige Fronten bedeutet. Letztlich wird der Krieg nämlich dadurch entschieden, dass die syrische Armee es schafft, die lokale Bevölkerung möglichst auf ihre Seite zu bringen, und dazu muss die syrische Armee der lokalen zivilen Bevölkerung erwünschte – und nicht unerwünschte – Dienste erweisen.

        Anders gesagt: wo die lokale Bevölkerung die Dienste der Armee nicht haben will, ist es – abgesehen von Verteidigung natürlich – ratsam, die lokale Bevölkerung noch eine Weile weiter im selbstgewünschten Terrorsaft schmoren zu lassen, bis da ein umdenken einsetzt, und solang auf Offensiven zur „Befreiung“ solcher Orte zu verzichten.

  6. Zum Thema Afrin (was hier momentan wegen anderer Brennpunkte etwas aus dem Fokus geraten ist):
    eine hier lebende kurdische Familie aus dem Kanton Afrin erzählte, dass die Russen mittlerweile in Afrin präsent sind und dass sie dort sehr willkommen sind (vermutlich weil die Kurden den Türken nicht über den Weg trauen). Überhaupt scheint die Community hier in Deutschland sehr gut in die Heimat vernetzt zu sein.

    Einen interessanten Artrikel und eine exzellente Lageanlyse zu Idlib/Afrinfindet sich auf dieser deutschsprachigen kurdischen Seite:
    http://civaka-azad.org/der-afrin-gegenzug-russlands-und-die-operation-auf-idlib/

    Auch diese Twitter-Nachricht passt ins Bild:

    Auch wenn es eher eine symbolische Präsenz in Afrin sein dürfte , das sind klare „Signale“ an den neo-osmanischen Sultan ….

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