Leichte Verluste für das Establishment in Holland

Bei den gestrigen Parlamentswahlen in den Niederlanden sind die Verluste des transatlantsichen Establishments etwas geringer ausgefallen als vergangene Prognosen das zuvor nahegelegt hatten.

Aktuell sieht es so aus, dass die rechtsliberale VVD-Partei von Regierungschef Mark Rutte im 150 Sitze zählenden Parlament mit 32 Sitzen „nur“ neun von vormals 41 Sitzen verloren hat, dafür aber seine politischen Kumpane von der liberalen D66 sieben Sitze auf nunmehr 19 Sitze dazugewonnen haben. Sollte es so bleiben, kommen damit die auf der liberalen Spur fahrenden transatlantischen Kräfte auf 51 anstatt wie bei den letzten Wahlen auf 53 Sitze. Als weiterer Koalitionspartner dürfte die christdemokratische CDA, die sich dem letzten Auszählungsstand zufolge von 13 auf 19 Sitze verbessert hat. So weit, so gut für das Establishment. Die Schwäche der EU-kritischen Sozialistischen Partei, die voraussichtlich einen ihrer bisher 15 Sitze einbüßt, macht die Situation für das Establishment noch besser. Betrachtet man die Wahl nur bis hier, kann man verstehen, dass das Establishment den holländischen Wahlausgang feiert.

Dass sowohl Linke als auch die Springerpresse und andere Medien des Establishments über den Wahlausgang als Klatsche für den als vergleichsweise russland-freundlich geltenden Geert Wilders frohlocken, ist dabei jedoch etwas seltsam, denn seine PVV-Partei hat von 15 auf voraussichtlich 19 Sitze zugelegt. Umso seltsamer ist das, wenn man bedenkt, dass Ruttes sozialdemokratische Koalitionspartner dank der von ihnen unterstützten Austeritätspolitik wohl von 38 auf neun Sitze abgestürzt sind. Der herbe Absturz macht es den Sozialdemokraten sehr schwer, weiter ihre klassische Rolle als Mehrheitsbeschaffer für neoliberale Politik zu spielen. Ein Teil der bisher sozialdemokratischen Wähler ist offenbar zu den Grünlinken, die die Ruttes Austeritätspolitik abgelehnen, gegangen, wodurch die sich von vier auf voraussichtlich 15 Sitze verbessert haben.

Was die Feierlaune des Establishments außerdem noch stören könnte, ist, dass Ruttes angedachtes VVD-D66-CDA-Bündnis nur etwa 70 von 150 Sitzen auf die Waage bringt, zur Regierungsbildung aber mindestens 76 Sitze notwendig sind. Rechnerisch mag das zwar gehen, dass Rutte die fehlenden sechs Stimmen von der Christlichen Union bekommt, die sich von fünf auf voraussichtlich exakt sechs Sitze verbessert hat. Praktisch aber ist eine Einstimmenmehrheit in einer Vier-Parteien-Koalition alles andere als die Aussicht auf eine stabile Regierung, und Rutte dürfte das auch wissen, denn schon seine letzte Regierung hat im Laufe der Jahre mehrere Abgeordnete verloren.

Wenn Rutte eine durchsetzungsfähige Regierung haben will, muss er die Grünlinken, kleine Parteien oder noch einmal die Sozialdemokraten dazu überreden, seine Regierung zu unterstützen. Zu welchen Bedingungen das gelingen kann, ist dabei recht fraglich, denn die Grünlinken in Holland stecken nicht ganz so tief im Allerwertesten der transatlantischen Herren wie die in Deutschland und sowohl Grüne als auch Sozialdemokraten dürften sich, wenn sie Rutte unterstützen, davor fürchten, dafür bei den nächsten Wahlen teuer bezahlen zu müssen.

Auch der Gedanke des Establishments, Ruttes Streiteren mit Erdogan hätten ihm geholfen, zeigt den Atlanikern keinen Weg zur Lösung ihrer zukünftigen Probleme. Sollte jetzt nämlich Türken-Bashing das Rezept für den Sieg transatlantischer Parteien in der EU werden, so drücken sie damit die Türkei geradezu aus der NATO, was für die Atlantiker eine herbe geopolitische Niederlage historischen Ausmaßes wäre.

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30 Gedanken zu “Leichte Verluste für das Establishment in Holland

  1. Die langsame Änderungsgeschwindigkeit entzieht sich somit der menschlichen Wahrnehmung. Der türkische Einfluss auf Holland ist offenbar nicht genug ausschlaggebend für ein Wahlergebnis. Dass dieses Erdogan-Theater getürkt war, kommt immer mehr hervor.

  2. Wo bitte sieht das Parteibuch leichte Verluste für das Etablissemente -oder ist der allzublonde Wilders kein U-Boot der Ziocons?

    Zum anderen muss der Marc Rutte doch schon ein riesiges Dankestelegramm nach Ankara -für die unverhoffte Wahlkampfhilfe im letzten Augenblick- geschickt haben.

    Und Merkel und Schulz überlegen nun sicherlich auch, wie der Sultan vom Bosporus im August noch einmal zu provozieren ist, damit die AFD abschmiert?-

    Ob dieser willkommene Nebeneffekt in Holland bei der Abstrafung Erdogans für dessen Annäherung an Moskau geplant war?: wohl kaum. Und doch wird durch das Ergebnis ein alter Mechanismus bestätigt: Eine Bedrohung von außen verhindert Erneuerung im innern.

    Und die Kramp-Karrenbauer im Saarland hat für die Wahl am 26.03.17 mit dem Phantomverbot des Auftrittes türkischer Politiker bereits auf diese Karte gesetzt. Und diese Nummer wird auch zur Bundestagswahl ziehen; wenn Wikileaks nicht endlich das angekündigte Merkel-Dossier raushaut!

    1. Hans

      Wilders ist mit seiner PVV wegen seiner EU-kritischen und Russland-freundlichen Haltung ein Problem für das Establishment. Zur Nein-Kampagne beim (von Rutte ignorierten) Referendum gegen die EU-Assozierung der Ukraine gehörte außerdem noch die Sozialistische Partei SP und das Forum für Demokratie FvD.

      Abschneiden der für das Establishment problematischen EU-kritischen Parteien:

      PVV von 15 auf 20 -> +5
      SP von 15 auf 14 -> -1
      FvD von 0 auf 2 -> +2

      Das macht zusammen insgesamt +6 Sitze mehr gegen das Establishment als bei der letzten Wahl, von 30 auf 36. Aber bei 150 Sitzen im Parlament ist das natürlich weit vom Sturz des Establishments entfernt, deshalb unsere Bewertung „leichte Verluste für das Establishment.“

      1. 50plus, CU, SGP und die CDA sind auch EU-kritisch

        mit DENK ist eine reine Migrantenpartei ins Parlament gekommen, die sich gegen Integration positioniert. In den Großstädten hat sie bis zu 10% geholt. Unterstützer meist Türken und Marrokaner.

      2. Bohnennase

        „50plus, CU, SGP und die CDA sind auch EU-kritisch“

        Falsch. Die haben für das EU-Ukraine-Assoziierungsabkommen gestimmt. Siehe Wikipedia:

        The Ukraine–European Union Association Agreement Approval Act was voted upon in the House of Representatives and Senate in 2015. People’s Party for Freedom and Democracy (VVD), Labour Party (PvdA), Democrats 66 (D66), Christian Democratic Appeal (CDA), ChristianUnion (CU), GreenLeft (GL), Reformed Political Party (SGP), 50PLUS, Group Kuzu/Öztürk and independent MPs Houwers, Klein and Van Vliet voted in favour. Socialist Party, Party for Freedom, Groep Bontes/Van Klaveren and Party for the Animals voted against.

        https://en.wikipedia.org/wiki/Dutch_Ukraine%E2%80%93European_Union_Association_Agreement_referendum,_2016

        Wenn ich eine EU-kritische Partei vergessen habe, dann war das die „Partei für die Tiere,“ die von 2 auf 5 Sitze zugelegt hat, wobei die Partei allerdings wenig außenpolitisches Profil zeigt. Aber 50plus, CU, SGP und CDA haben mit VVD und PvdA für die EU-Ukraine-Assoziierung gestimmt.

        Denk macht zwar auf Pro-Palästina und Anti-US-Empire, ist aber gleichzeitig pro-EU, also Pro-Zio-Empire, da, wo es drauf ankommt. Dass Denk ihre meisten Stimmen bei türkischen und arabischen Immigranten holt, ist erstmal egal: Wähler ist Wähler, Stimme ist Stimme. Wichtiger ist, wo die Partei geopolitisch steht, und da sieht es meiner Meinung nach im Moment eher nach der Seite des Establishments aus, wobei das möglicherweise noch kippen wird und die Partei den Weg der Türkei weg von EU- und NATO-Gefolgschaft mitgehen könnte.

        Hans

        Wilders liegt tatsächlich im Clinch mit den Eliten, ist kein U-Boot, auch wenn er wohl mal als Zio-U-Boot gestartet war.

  3. Nur 13 Parteien im Parlament, da geht noch mehr für nächstes mal.

    Diesmal können noch vier Parteien reichen, vielleicht brauchts bald 5 oder 6 oder mehr.

    Gerade bei kleineren „neuen“ Kräften gibt es viel Potential, um sie mit guten Angeboten ins Establishment zu locken.

    Also Politik „weiter so“, jetzt neu entdeckt die harte Kante gegen die Türkei, das holt ein paar Anhänger der „Rechtspopulisten“ ab.

    Das Grundproblem wird dadurch natürlich nur weiter verdeckt.

    Die Produktivität hat ein Ausmaß erreicht, bei dem wir mit 15 bis 20 Stunden Arbeit mehr als genug Krempel für alle herstellen und das Land am Laufen halten könnten; und der Rest der Zeit lässt sich dann je nach Gusto verbringen, Kunst und Kultur betreiben, Sport, sich um Gesundheit (in einem umfassenderen Sinn) kümmern, neue Infrastrukturprojekte starten, zum Mond fliegen, oder einfach nur chillen.

    Was die aktuellen spätkapitalistischen Gesellschaften dagegen im Angebot haben sieht für Otto Normal und Klein Erna gänzlich anders aus, malochen bis zum umfallen, und noch froh darüber sein, denn wenn man rausfliegt aus der Turbomaschinerie, ist man gear***t und wird wie aussätzig behandelt.

    Das Argument, dass es in Zentraleuropa letzteres noch nicht ganz so schlimm ist, wie andernorts, hören die Menschen, aber sie fühlen natürlich die Verlogenheit, angesichts der dicken Party für die Kapitalklasse und ihre Funktionselite.

      1. Ich schließe mich an und kann man das wichtigste ruhig wiederholen:

        „(…)Die Produktivität hat ein Ausmaß erreicht, bei dem wir mit 15 bis 20 Stunden Arbeit mehr als genug Krempel für alle herstellen und das Land am Laufen halten könnten(…)Was die aktuellen spätkapitalistischen Gesellschaften dagegen im Angebot haben sieht für Otto Normal und Klein Erna gänzlich anders aus, malochen bis zum umfallen, und noch froh darüber sein, denn wenn man rausfliegt aus der Turbomaschinerie, ist man gear***t und wird wie aussätzig behandelt.(…)“

        Genau so sieht es wohl aus. Wirklich ein Jammer. Technischer Fortschritt noch und nöcher, aber nur eine kleine Gruppe profitiert davon.

    1. die lassen halt ihr geld arbeiten – nur das nicht wirklich arbeitet sondern andere diese arbeit miterledigen müssen.

      1. @mark2323 Planwirtschaft hat noch nie funktioniert, funktioniert aktuell nicht und wird auch niemals funktionieren. Das liegt nicht daran, dass es „noch keiner richtig gemacht hat“, sondern daran, dass es prinzipiell nicht geht. Unabhänging von allen grundlegenden Problemen wie Produktionsanreize, Vergammeln der Allmende etc. ist ein unlösbares Problem übergeordnet: Die mangelnde Allwissenheit und die damit einhergehende Reaktionsverzögerung auf sich verändernde Bedürfnisse.

        Dieses Gerede von 15-20 Stunden am Tag ergibt auch nur dann Sinn, wenn man vorhat, den Menschen ihre Bedürfnisse und Nachfrage vorzuschreiben und Güter zuzuteilen, womit dann gleich wieder der rote Faden des Sozialismus erreicht wäre: Diktatur über das und auf Kosten des Proletariat(s).

      2. De profundis
        „Planwirtschaft hat noch nie funktioniert, funktioniert aktuell nicht und wird auch niemals funktionieren.“
        Warum wurde dann im 2. Weltkrieg und in der Nachkriegszeit Planwirtschaft bei Lebensmitteln eingeführt, siehe
        https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensmittelmarke
        Bei *echtem* Mangel geht es nur mit Planwirtschaft, Marktwirtschaft treibt dann am Schwarzmarkt seine idiotischen Blüten: da tauschten dann Raucher einen Teil ihrer Brotration gegen Zigarretten, Städter ihre Eheringe gegen Kartoffeln..
        Rohstoffe werden aller Voraussicht nach spätestens in ein paar hundert Jahren Mangelware werden, siehe
        http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/Downloads/angebots-nachfragesituation-mineral-rohstoffe-endber2006.pdf
        (ab Seite 17)
        Jahrzehnte bei den leicht gewinnbaren, Jahrhunderte bei den schwerer abbaubaren.
        Und was dann ?
        Wenn alle Erzlager ausgeschöpft sind und NeuErzeugung nur durch Recycling des Bestandes möglich ist, dann ist eine kontinuierliche marktwirtschaftliche bzw. kapitalistische Produktion wahrscheinlich gar nicht mehr möglich, da ist dann Planwirtschaft angesagt.
        Wann genau dieser Punkt kommt, lässt sich nicht voraussagen, aber er wird sicher kommen, wenn wir die derzeitige hirnlose Vergeudungs-Wirtschaft beibehalten.

  4. Ein Sieg des Großen Bruders, sein Wahrheits Ministerium, mit seinen Meinungs- Implementierungs Instituten, haben seine Wahrheit/Sch**ße, erfolgreich, in die Köpfe der Niederländer gepresst. Genauso wird auch das Bundespersonal ABGEFÜLLT. Denn der einzige aber winzige Unterschied, der Kreaturen Merkel und Schulz, ist nur ein Wurmfortsatz. Die ganzen Hoffnungen, der Bewussten Menschen, in Europa, liegt mal wieder auf den Franzosen.
    Liberté, Égalité, Fraternité

  5. PB
    dafür bei den nächsten Wahlen teuer bezahlen zu müssen.

    Welche Pareti denkt so weit hinaus. Erst mal an die Futtertopfe der Macht, was in 5 Jahren ist, weiß doch keiner. Ansonsten würde man doch auf Ministergehälter verzichten und wir reden über Sozialdemokraten…

    1. Lutz

      Der Einwand stimmt im Grunde, aber die holländischen Sozialdemokraten PvdA sind mit genau dieser Mentalität gerade von 24,9% (38 Sitze) auf 5,7% (9 Sitze) abgestürzt. Bei solch vernichtenden Erdrutschverlusten durch die bisherige Futtertrogmentalität im Widerspruch zu den Wünschen der eigenen Wähler kann sogar in etablierten atlantischen Parteien wie den Spezialdemokraten ein Denkprozess zur Sicherung des Überlebens der Partei einsetzen.

      Und für die Grünlinken könnte der Absturz der PvdA auch eine Warnung sein es ihnen nicht gleichzutun.

      1. PB
        die holländischen Sozialdemokraten PvdA sind mit genau dieser Mentalität gerade von 24,9% (38 Sitze) auf 5,7% (9 Sitze) abgestürzt.

        Ja und aber 5 Jahre gute Bezüge und jetzt fette Pensionen…
        Wie es funktioniert Zeigen gerade schön die deutschen Grünen. Erst voll auf Merkel gesetzt, jetzt rudert man zurück zu RRG und da die SPD gerade zurück auf Normalmaß geht, wird man sich das Ganze auch wieder anders überlegen… Wichtig im Wahlkampf: Hauptsache keine Sachargumente.

        Eine Warnung sein? Die SPD wurde bei den letzten gewarnt: bei großen Koalitionen werden die Großen Kleiner und extreme nehmen zu. Wahrscheinlich reicht es ja in D zur Sachsen-Anhalt-Koalition: Schwarz/rot/grün immer noch.

      2. Wieder einmal bejammern bürgerliche Parteien, wie sie dem Menschenhass des Faschismus, mit dessen despotischen Mitteln der Kapitalismus in der Krise aufrechterhalten wird, den Weg bereiten, begleitet von antirussischem Propagandagetöse, Militarisierung der Gesellschaft und Kriegsprovokationen getarnt als Verteidigung. Im Westen nichts Neues.

    2. @Lutz

      Wie lange es wohl dauern wird bis zu den nächsten Wahlen?
      Wenn der „mögliche“ Regierungschef der stärksten Partei gerade mal noch21-22% der Wähleranteil hat, werden seine Koalitionszugeständnisse alles andere als eine durchsetzungsstarke Regierung ermöglichen. Den Sitze verloren hat auch Ruttes VVD oder rund 5% Wähleranteil.
      Nicht zu vergessen, bis 2010 war die VVD mehr als 60 Jahre lang mehrheitlich Oppositionspartei.

      Darum habe ich meine Zweifel ob es zu einer Koalition kommt (nur Ruttes bevorzugte Parteien reichen nicht aus) und falls doch, zu welchen Konzessionen und für wie lange. Das sieht mir mehr nach einer erneuten Auflage einer Minderheitsregierung aus wie Ruttes 1. Regierung, die Rutte nach nur 1,5 Jahren („Anstandsfrist) mit seinem Rücktritt auf-, und vorzeitige Neuwahlen auslöste. Damals durch die PVV von Wilders gestützt.

      Wahlsieger sehen anders aus. Rutte hat keine stabile Mehrheit bekommen.

  6. „Und für die Grünlinken könnte der Absturz der PvdA auch eine Warnung sein es ihnen nicht gleichzutun.“

    Jede sich „links“ wähnende Partei soll sich das Wahlergebnis anschauen, ein weiteres Beispiel in der Serie der Abstrafung von Verrat an der eigenen Wählerschaft.

    Dabei fehlt es an der Analyse.
    Die „liberalen“ Parteien argumentieren damit, dass die Sozialleistungen, oder Sozial“lasten“, viel zu hoch sind, die Menschen müssen sich selber kümmern, also Sozialsstem runterfahren und Steuersystem umbauen, progressive Steuern und Steuern auf Vermögen senken, dafür die „Abgaben“ und „Gebühren“ anheben (werden pro Kopf gezahlt, also unsozialer geht es kaum).

    Und die „linksliberalen“ spielen dabei mit, weil es ja so einleuchtend sei, dass die Umverteilungsquote oder was man auch immer dafür als Maß nimmt nicht so hoch sein darf.

    Allerdings wäre es einfach: der „Markt“ sorgt, wenn er ganz frei wirken darf, dafür, dass die löhne auf Subsistenzniveau absinken. (und mit Sozialsystem sogar noch darunter, die Billiglöhner können keine zwei Kinder durchbringen, die dieselben Positionen einnehmen).
    Die tiefen Löhne für die breite Masse, bei exorbitanten Einkommen an der Spitze, treiben jede Gesellschaft auseinander, früher oder später.

    Es muss also staatlich dafür gesorgt werden, dass die Löhne deutlich höher sind, und damit auch der Abstand zu den Spitzeneinkommen; oder würde keiner mehr Manager werden wollen, wenn er nur noch das 10-fache de Hilfsarbeiters bekäme, was für eine unsinnige Behauptung.

    Und Parteien, die sich „links“ gerieren, haben das als erstes Ziel zu haben; stattdessen kommen sie mit Folklore, oder dem Kampf gegen „rechts“, als einzigen Politikinhalt, und machen fleißig mit bei der Lohnsenkung.

    1. was ich zur Wahl in Holland eigentlich dazu sagen wollte 🙄

      die „linksliberale“ D66 steht schon in den Startlöchern und kann es gar nicht erwarten, eine neue Runde Austeritätspolitik mitzutreiben.

  7. die erleichterung in europa und die zufriedenheit bei den phrasendreschern von cdu und spd über das wahlergebnis in den niederlanden wirkt auf mich echt surreal. die populistische revolution ist in europa noch lange nicht abgewehrt.

    premier mark rutte (vvd) darf weiter regieren. trotz der wahlbeteiligung von 81 % gaben ihm nur 17 % der wahlberechtigten niederländer ihre stimme. tatsächlich hat er mit seiner rechtsliberalen volkspartei 5,2 % an zustimmung verloren und die sozialdemokraten verloren sogar 19,1 % an stimmen. das nenne ich ein massaker.

    die einmann-partei (pvv) von geert wilders hat 3 % mehr zustimmung von den niederländern erhalten als bei den letzten wahlen und ist jetzt die zweitstärkste partei. wilders` populistische themen dominierten den wahlkampf und die „volksparteien“ verloren an zustimmung. ich kann nicht erkennen, dass die populistische revolution in europa mit dem niederländischen wahlergebnis abgewehrt ist. ist das wahlergebnis für europa nicht doch ein fiasko?

  8. @Parteibuch
    Bei allem Respekt.
    Das Wort „Grünlinks“ ist eine Beleidigung für jeden echten Linken und wird ja ausschließlich von rechten Kreisen verwendet.
    Ich muß mich aber auch nicht mehr wundern wenn ich lese wie zutiefst zionistische und neoliberale Gestalten wie Wilders oder die AFD hier hofiert werden.
    Fehlt nur noch der reaktionäre Verfassungsfeind Rainer Wendt wie auf Sputnik.
    Auch wenn ich mir nichts mehr wünsche als das dieses Establishment endlich den Bach runter geht, aber die Pest anhand der Cholera brauche ich nicht.
    Glaubt das Parteibuch allen Ernstes das Wilders, AFD und Co. nicht genauso unterwandert sind wie die Grünen ?
    Die Zionisten verursachen Krieg und Chaos, die Zionisten propagieren grenzenlose Einwanderung (Soros,Grüne, Massenmedien), die rechten Zionisten schüren Rassenhaß und Islamhetze.Alles zutiefst Zionistisch ,Chaos verursachen und Völker und Religionsgruppen gegeneinander aufzuhetzen.
    Woher will das Parteibuch wissen das Wilders kein Zio-Uboot mehr ist ?

    1. Stefan

      „Das Wort „Grünlinks“ ist eine Beleidigung für jeden echten Linken und wird ja ausschließlich von rechten Kreisen verwendet.“

      Das stimmt nicht. In den Niederlanden ist Grünlinks die Eigenbezeichnung der dortigen grünen Partei:

      https://nl.wikipedia.org/wiki/GroenLinks

      Was Wilders angeht, so sehen wir da, dass er und seine Kombination „Islamophobie und Zionismus“ vor mehr als 10 Jahren vom zionistischen Establishment gehypt wurden. Aber Wilders hat dann den Pro-Al-Kaida-Schwenk desselben Estalishments 2011 nicht mitgemacht und er reitet obendrein noch eine dem Establishment schwer im Magen liegende Anti-EU-Welle. Da das Establishment versucht hat, Wilders deswegen runterzuziehen, ist Wilders zur Russland-freundlichen Allianz der eurokritischen Rechtsparteien gekommen. Man schaue etwa wie Wilders nach dem Putsch in der Ukraine Russland verteidigt hat und er von den Zeit-Atlantikern als Quasi Putins Mann in Britannien dargestellt wurde:

      http://www.zeit.de/2014/20/geert-wilders-streitgespraech/komplettansicht

      Letztlich waren dann beim holländischen Referendum über die EU-Ukraine-Assozierung Wilders rechts und die SP links die wichtigsten Kräfte gegen die vom Establishment forcierte Assoziierung.

      1. Danke für die Richtigstellung was „Grünlinks“ in Holland anbetrifft.
        Der Begriff wird einfach schon seit längerem oft in deutschen Internetforen abwertend für alles Linke verwendet.

  9. andreas
    Die „liberalen“ Parteien argumentieren damit, dass die Sozialleistungen, oder Sozial“lasten“, viel zu hoch sind,

    Die Liberalen fordern ja, das sich der Staat immer weiter zurück zieht, das dadurch die Prozente, die den Sozialausgaben gegenüber stehen immer kleiner werden ist klar und wenn man von unten nach oben umverteilt, muss man ja auf Lasten der sogenannten Mitte (Steuereinnahmen) die unteren Beruhigen. Das sagen die liberalen nicht. Aber wozu Liberale, es gibt ja die SPD.

  10. „(…)mit DENK ist eine reine Migrantenpartei ins Parlament gekommen, die sich gegen Integration positioniert. In den Großstädten hat sie bis zu 10% geholt. Unterstützer meist Türken und Marrokaner.(…)“

    @Bohnennase

    Da drängt sich wohl zwangsläufig der Inhalt des Buches „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq auf.
    In Frankreich ziemlich genau am Tag des Charlie-Hebdo-Anschlages erschienen. Aber das kann natürlich auch nur Zufall sein. 😉

  11. Das nächste Gespenst der Diskussion wird GrünRechts sein; weiß der Himmel und der Geier auch immer, was es zu bedeuten haben mag.

    1. @Hans mein Igel

      In der Schweiz gibt es bereits solche Bestrebungen. Zum einen wären da die „Grünliberalen“ (eine wirtschaftsfreundliche Abspaltung der Grünen) zu nennen die bereits ihre Mandate in der Politik haben.
      http://www.grunliberale.ch/unsere-positionen.html

      Zum anderen existiert eine sehr aktive Organisation die Umwelt und Bevölkerungsentwicklung als „Auftrag“ ausweist. Sie agiert vorallem mit den direktdemokratischen Instrumenten, die in der Schweiz auch NGOs und APO, einen wesentlichen Einfluss auf die Politik ermöglichen.
      Im weiteren gibt es diverse Politiker anderer Parteien, die der Organisation aus verschiedenen Gründen nahe stehen.
      http://www.ecopop.ch/de/
      https://de.wikipedia.org/wiki/Ecopop

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