Rosenkrieg in der NATO

Allerherzlichst sind die Beziehungen der NATO-Partner gerade. Der türkische Präsident Erdogan nennt seine niederländischen NATO-Partner „Faschisten“ und der niederländische Regierungschef Rutte nennt den türkischen Präsidenten Erdogan „verrückt.“

Täglich werfen sich die NATO-Partner liebevoll das gemeinsame Geschirr um die Ohren, während das breite Publikum angesichts solcher Szenen einer Ehe aus dem Staunen kaum herauskommt. Und es sind nicht nur Niederländer und Türken, die sich ihre Teller und Tassen gegenseitig an den Kopf werfen.

Die Deutschen haben beispielsweise jemanden zum Staatsoberhaupt bestimmt, der das Staatsoberhaupt ihres NATO-Partners USA öffentlich als „Hassprediger“ bezeichnete. Der französische Präsident Hollande erklärte, dass seine britischen NATO-Partner einen hohen „Preis dafür zahlen“ sollen, aus der EU auszutreten, um so potentielle Nachahmer abzuschrecken. Der Außenminister Luxemburgs erklärte, dass die Regierung seines NATO-Partners Polen „sich in der Einschränkung der Rechtsstaatlichkeit verrenne“ und nicht mehr die Kriterien für einen EU-Beitritt erfülle, wobei er dazu anfügte, dass beim „Verbiegen des Rechtsstaates“ wohl der Regierungschef des gemeinsamen NATO-Partners Ungarn „Pate gestanden“ habe. Der Vorsitzende der polnischen Regierungspartei nannte seinerseits die insbesondere vom polnischen NATO-Partner Deutschland vorangetriebene Wiederwahl des polnischen Ex-Regierungschefs Donald Tusk zum EU-Ratspräsidenten einen „Angriff der EU auf Polen,“ während die von seiner Partei gestellte polnische Regierung regierungsnahen polnischen Kommentatoren zufolge auf Rache sinnt. Natürlich ist das noch längst nicht alles. Das Verhältnis Deutschlands zum NATO-Partner Türkei ist etwa kaum besser als das der Niederlande zur Türkei, und beim griechisch-türkischen Verhältnis sieht es ohnehin nicht besser aus.

Kurzum, die NATO-Staaten sind eine schrecklich nette Familie. Unzählige Regime Changes und Kriege haben die NATO-Staaten angezettelt und geführt, um diese schrecklich nette NATO-Familie immer weiter zu vergrößern. NATO-Osterweiterung über NATO-Osterweiterung wurde durchgeführt, und nach dem Willen der NATO-Strategen soll die Expansion immer weiter gehen: Montenegro, Mazedonien, Moldawien, Georgien, Ukraine und so weiter und so fort. Es versteht sich von selbst, dass für transatlantische Weltbeherrschungsfanatiker dieses einzigartig familiäre Bündnis zur stetigen Eroberung von mehr transatlantischem Lebensraum im Osten nicht obsolet, sondern das Rückgrat der liberalzionistischen Weltdominanz ist.

Doch jetzt könnte sich die NATO bald eine eine neue Vokabel gewöhnen müssen: NATO-Ostverkleinerung. Von der Ehe der Türkei mit den restlichen EU-Staaten ist schließlich schon seit langem kaum noch etwas anderes als ein Rosenkrieg zu sehen. Und sollte der türkische Präsident Erdogan die Volksabstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei gewinnen, verschwindet damit auch die mehr Wohlstand versprechende Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft als Wurst vor der Nase der Türkei, die sie nun schon über 50 Jahre in der in der Türkei sehr unpopulären NATO gehalten hat. Doch zum NATO-Austritt könnte es auch kommen, wenn Erdogan die Volksabstimmung verliert. Sollte Erdogan die Volksabstimmung verlieren, könnte er sich darüber mokieren, dass NATO-Partner sich schädlich in die inneren Angelegenheiten der Türkei eingemischt haben, und deshalb aus der NATO austreten. Wer sieht, wie Erdogan die russischen S-400-Luftabwehrraketen lobt, dem dürfte es nicht schwer fallen, zu sehen, worauf die Zeichen der Zeit hinweisen: auf eine Scheidung. Noch ist es zwar nicht sicher, dass das gelingt, aber sollte das wirklich so kommen, wäre das ein historischer Schlag gegen die blutrünstige Mafia zioatlantischer Möchte-Gern-Weltherrscher.

Nachtrag Mittwoch: Jetzt scheint der Rosenkrieg auch direkt in der NATO angekommen zu sein. Die US-Staatspropaganda meldet, dass die Türkei NATO-Übungen mit allen NATO-Nichtmitgliedspartnern blockiert.

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28 Gedanken zu “Rosenkrieg in der NATO

  1. Liebes Parteibuch.

    Kann Erdogan aus der Nato austreten, oder ist seine Akte in England so voll und so dick mit Erpressungspotential angefüllt, daß der Pascha vom Bosporus nun unfreiwillig Spagat übt bis ihm die Bänder reißen oder die Krokodile von unten das parfümierte Gemächt…?

    1. Hans

      Das vorhandene Kompromat gegen Erdogan dürfte längst aufgebraucht worden sein. Aber egal ob mit Gülens Ermittlungen gegen Erdogan und Söhne, Gezi-Proteste, Wahlkampfeinmischungen oder Putschversuch: maßgebliche Kreise in Washington, Tel Aviv und London bekommen Erdogan nicht weg, obwohl er sie und ihre Pläne stört.

      Militärisch sind die Streitkräfte der Türkei völlig auf die NATO-Mitgliedschaft ausgerichtet. Das betrifft nicht nur Satelliten und ähnliche Aufklärungstechnik, sondern auch viele wichtige Waffensysteme. Man denke nur an all ihre Kampfflugzeuge, die die Türkei ohne Ersatzteile aus NATO-Staaten nicht mehr betreiben könnte. Das könnte die Türkei aber wohl überwinden, wozu russische S-400-Luftabwehrsysteme anstatt US-Patriots ein wichtiger Schritt wären, denn die NATO ist in der Türkei mit Ablehnungsraten von über 70% auch sehr unpopulär.

      Das eigentliche Problem für Erdogan beim NATO-Austritt ist die EU. Die EU bedeutet für viele Türken Wohlstand, nicht nur perspektivisch durch den möglichen Beitritt, sondern auch schon lange reell in der Wirtschaft, etwa durch Tourismus, Agrarexporte in die EU und Kapitalimporte aus der EU. Tritt die Türkei aus der NATO aus, muss die Türkei befürchten, dass die NATO via EU zurückschlägt, so die Wirtschaft der Türkei ruiniert und damit den Weg für einen erfolgreichen Pro-NATO-Regime-Change in der Türkei bereitet. Gibt es vor einem NATO-Austritt kräftig Zoff mit der EU, bei dem die Mehrheit der Türken die Verteidigung der türkischen Ehre wichtiger als Geld ist, dann könnte Erdogan trotzdem ausreichend Rückhalt von der Bevölkerung dafür bekommen, sowohl aus den EU-Beitrittsverhandlungen als auch aus der NATO auszusteigen.

      Ich vermute, darauf könnte es gerade hinauslaufen. Und ich vermute weiterhin, dass die zioatlantischen Seilschaften das genauso sehen, was der tiefere Grund dafür ist, dass Merkel sich um nahezu jeden Preis bemüht, größeren Streit mit der Türkei zu vermeiden. Die zioatlantischen Seilschaften wollen unbedingt verhindern, dass die Türkei die NATO verlässt, denn damit würde die NATO einen ganz wesentlichen Teil ihres Macht- und Einflussbereiches verlieren, nicht nur die Türkei selbst, sondern auch all das, wo die Türkei als einer ihrer wichtigsten Proxies agiert, etwa in Südosteuropa, Zentralasien und Nordafrika.

      1. Einparteibuch

        Vielleicht hat Merkel morgen ganz andere Probleme. Auf Wikileaks-Twitter lese ich heute folgende mysteriöse Meldung.

        „Terrified talk in US national security circles that WikiLeaks is going to publish many CIA or NSA intercepts of Merkel tonight or tomorrow.“

        Und Jetzt sagt Merkel plötzlich ihren heiß ersehnten Trumpbesuch ab. Ob Wikileaks womöglich wirklich ein Merkel-Gate raushaut. Trump dürfte es freuen, wenn diese Freundin von Clinton und Obama weg wäre.

      2. Bernd

        Für die Veröffentlichung größerer, wesentlicher Leaks zu Merkel ist es noch zu früh. Bis zur Bundestagswahl sind es schließlich noch über sechs Monate hin und wenn die Leaks zu früh kommen, hat die Bevölkerung die Informationen bis zur Wahl schon wieder vergessen. Aber einen Appetizer zur NRW-Wahl könnte es jetzt natürlich trotzdem schon mal geben.

        Was Merkels US-Reise angeht ist ziemlich klar, dass sie eigentlich nicht will, Trump sie aber herbeizitiert hat:

        Schlechtes Wetter – Merkel kann nicht zu Trump fliegen

        … Der Besuch soll laut Angaben von Trumps Sprecher Sean Spicer am Freitag nachgeholt werden. Ein deutscher Regierungssprecher sagte lediglich, der Besuch solle bald nachgeholt werden. …

        http://www.tagesschau.de/inland/merkelreise-abgesagt-101.html

        Da könnte es im Kanleramt ein hübsches Gespräch gegeben haben, etwa wie:

        „Frau Merkel, ihr Termin bei Trump, den Sie heute wegen ein paar Schneeflocken abgesagt haben, hat Trump nun auf Freitag gelegt.“ „Davon weiß ich ja noch gar nichts.“ „Jetzt wissen Sie’s. Spicer hat Ihren Termin mit Trump am Freitag gerade öffentlich verkündet.“

  2. Totgesagte leben länger.
    Ansage von einen gescheiterte Staat, oder Ende eines Bündnises in erste Linie spiegeln sie unsere Erwartungen und Hoffnungen und haben wenig mit realität zu tun.
    Vor 2 Jahre hat man Untergang Ukraine vorausgesagt. Heute noch ist Ukraine in Koma aber lebt dank EU Hilfe weiter.
    Ein NATO Austritt Türkei ist wenn man betrachtet Wirtschafts Zahlen einfach nicht möglich. Erdogan wird nie riskieren sein grösste Abnehme Markt zu bruskieren. Türkei braucht EU und mit ein NATO Austritt bekommt Türkei nichts aber verliert viel.
    Mit anderen Worten, es wird viel Rauch geben aber alles wird sich beruhigen. Leider.

    1. Banderastan liegt nicht nur im Koma sondern röchelt bereits. Wenn Russland etwas nachhilft, ist dieses Geschwür nur noch Geschichte, und zwar von heute auf morgen. Da können die EU Schwuchteln rumdoktorn wie sie wollen…

  3. Ich wäre dafür, die Türkei bliebe auf dem Papier der NATO erhalten. Der Existenzzweck der NATO ist die Feindschaft zu Rußland, aber es darf seit dem (offiziellen) Ende des Kalten Krieges natürlich nicht mehr so ausgesprochen werden. Wenn ihre Mitglieder nun gute, gar militärische Beziehungen zu Rußland aufbauen (keiner kann gute Gründe dagegen vorbringen, der Kalte Krieg ist ja schließlich vorbei), ist das Bündnis endgültig obsolet. Es kann de jure weiterbestehen, wird aber durch die normative Kraft der multipolaren Weltordnung bedeutungslos.

    Wenn die Türkei dagegen hart die Seiten etwa zur SCO wechselt, ist es noch nicht obsolet. Dann hat der feindliche Block nur ein weiteres Mitglied, der „unsere“ wird möglicherweise enger zusammengeschweißt. Außerdem kann dann wieder bedenkenlos die kurdische Karte gespielt werden; das bereits tote US-Projekt „unabhängiges“ Kurdistan dürfte wieder in Reichweite rücken.

    Der aktuelle schwebende Freund/Feind-Status der Türkei in Verbindung mit der offenen Kurdenfrage ist m.E. nicht der schlechteste Zustand. Sorgt auch für zusätzliche Verwirrung in unserer allseits geschätzten EU.

    Ist aber nur mein bescheidenes Bauchgefühl. So oder so sieht es besser aus, als ich es mir noch vor zwei Jahren träumen ließ.

    1. isjawu

      Das Problem mit der Idee, dass Russland-freundliche Staaten in der NATO bleiben, und sie die NATO da von innen obsolet machen können, ist, dass die NATO auch innenpolitische Einflussnahmen durchführt, um außenpolitische Linientreue durchzusetzen, von militärischer Medienmanipulation und politischen Einflusskampagnen über False-Flag-Terror bis hin zum Putsch.

      Das lässt sich nur durch einen Rauswurf der NATO und die Verfolgung der Tätigkeiten der NATO als Spionage und Sabotage verhindern. Geschieht das nicht, bringt die NATO von außenpolitischer Linientreue abfallende Mitgliedsstaaten über kurz oder lang wieder auf Kurs.

    2. isjawu
      Wenn die Türkei dagegen hart die Seiten etwa zur SCO wechselt

      Wir neigen immer zu entweder oder- Überlegungen. Die Türkei könnte sich auch als Bindglied zwischen Europa und Eurasien sehen, also gute Beziehungen zu beiden brauchen. Es gibt in Osteuropa einen Art Speerriegel: Polen war immer schon ein schwieriges Transitland (Mukran, Nordstrem als Reaktion) und die Ukranie dürfte die nächsten Jahre aus dem Chaos nicht heraus kommen.
      China plant (und baut) gerade neue Eisenbahnverbindung nach Europa, Es sind Gasleitungen nach Europ geplant (nicht nur türkisch Stream). In der Türkei wurde ja schon das Autobahnnetz ausgebaut ( wo sich deutsche Medien einen Vergleich mit der NS-Zeit nicht verkneifen konnten)
      Wenn sich die Türkei nun als wichtiges Bindeglied sieht, was von beiden Seiten gebraucht wird. Dazu ware es zweckmäßig zu beiden gute Beziehungen zu haben. da könnte es negative sein, wenn man einem System zu nahe steht.

  4. Erdogan will den NATO-Austritt und ein Ende der Beziehungen zur EU. Dazu muss er die Lage nur noch immer mehr eskalieren lassen und irgendwann wird er sich als neuer Sultan des neuen osmanischen Reiches feiern lassen.

    1. Erdogan möchte vor allem am Futtertrog bleiben. Hierzu seine Macht innenpolitisch festigen. Zudem die Trennung zwischen Kirche und Staat aufheben. Wer die Türkei nicht in der EU haben möchte sind doch eher so Parteien wie die CDU. Wenn man seit 40 Jahren Anwärter ist und Rumänien schneller in die EU kommt wie die Türkei, dann wird sie immer draußen bleiben müssen. Dass dann irgend wann eine neue Generation von Politikern kommt und andere Perspektiven sucht und aufzeigt hat auch die EU zu verantworten.

      1. Reisender

        Der Witz an der Sache ist, dass „rechtsbürgerlich-atlantische“ Parteien wie die CDU die Türkei einerseits nicht in der EU wollen, weil das ihren latent xenophoben und islamophoben Wählern nicht passt, und dieselben Parteien wie die CDU andererseits die Türkei unbedingt in der NATO halten wollen, um dem Großmachtsdrang des atlantischen Empires gerecht zu werden. Bei den meisten Bürgern der Türkei ist es hingegen genau umgekehrt: die würden gern in die EU, mögen aber die NATO nicht.

        Was haben die Atlantiker also gemacht: sie haben die Türkei in die NATO geholt, und den Türken das Versprechen gegeben, wenn sie denn gute Verbündete des Westens seien, dann würden sie auch „bald“ in die EWG/EG/EU dürfen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten die Türken darauf noch heute, seit nunmehr rund einem halben Jahrhundert.

        Diesen seit einer Ewigkeit andauernden Schwebezustand, erstmal die Kröte NATO-Mitgliedschaft zu schlucken, um dann die vor die Nase gehaltene Wurst der EG/EU-Mitgliedschaft doch nicht zu bekommen, haben viele Türken einfach richtig pappedickesatt. Und genau da scheint es nun zu einem Bruchpunkt zu kommen. Zu diesen Zeiten, wo es vom Iran-Deal über den Brexit bis zur Trump-Wahl reihenweise „überraschende Ereignisse“ gibt, würde auch ein Austritt der Türkei aus der NATO bestens passen.

  5. Die Türkei kann kurz oder lang die NATO nicht verlassen.Die NATO wird sie auch nicht rausschmeissen. Niemals.

    Also ist das ganze Theater um und mit der Türkei nur eine Wurst die man irgend jemanden vorhällt. Schmierenkomödie ala EU. Die Briten kannten aber auch schon diese Spielerein

    zurück zum Schmierenkomödie
    Wenn man sich überlegt, dass die AMIS gerne den Iran „eindämmen“ würden und die EU gerne expandieren würde dann bleibt eigentlich nur paar Land brich für die die Wurst gedacht sein könnte.

    Und dann kam die Armenienresulotion. NACH 90 Jahren, haben die Gestalten im Bundestag auf einmal einen Furz und tauen das Thema wieder auf.

    Jetzt sollte es doch auch beim letzten Klick gemacht haben, wohin die Reise geht. Bad Cop Türkei , good Cop EU und die Russen machen lieb Kind mit dem bad Cop ( „diese Verräter“ ) … also mehr brauch es nicht um zu sehen was klar vor uns liegt. Bald haben wir die Anzugträger speichleleckend in Jerewan und die ersten Anfragen auf US Friedenstruppen dort vor Ort. Ok so schnell passiert das nicht, aber das ist der Plan des Posenspiels

    mfg

  6. Gesetzt den Fall, Erdogan denkt gar nicht, sondern hat nur sein neoosmanisches Reich im Blick ähnlich wie England nur auf den Zuwachs des Empire schielt -und sogar schwule Krokodile akzeptiert, um nicht unter zu gehen.

    Dann also gäbe es nach mittelalterlicher Logik und Sichtweise nur ein zentrales Angriffsziel: die Türkei!

    Dem türkischen Volk ist dieser Krieg natürlich nicht zu wünschen, aber dem Erdogan und seinem räuberischen Schwiegersohn kann diese Kriegsfurie doch gerne einmal frontal in das Gesicht fahren?

  7. Sehr interessante und nachdenkenswerte Überlegungen sammeln sich hier zum Thema Türkei/EU/NATO.
    Man kann durchaus genauso gut reale Szenarien für die eine (Austritt und Abkehr aus der Wechsfalanx), wie für die andere Variante (Burgfrieden EU/Verbleib NATO) ableiten. Beides ist definitiv möglich.
    Ich denke aber, dass der Knopf „emergency exit“ den Namen Recep Tayyip Edogan trägt.
    Wenn eine Organisation wie die NATO, so mächtig, so global, so durchtrieben, eines ihres durchaus bedeutenden Kettengliedes zu verlieren droht, dann überlässt man die Kontrolle dieses Ereignisses nicht einem „Volksentscheid“ oder gar diplomatischen Winkelzügen. Man macht es so, wie man es in solchen Fällen immer gehandhabt hat: Man intregiert, destabilsiert, dämonisiert, und schliesslich interveniert man für Demokratie (meist vergewaltigter Begriff ever) und für die Freiheit. In diesem Falle wird ma natürlich nicht die Türkei als Staat aufs Korn nehmen, aber den Sultan höchst persönlich und höchst direkt. Das reicht von mehr oder weniger subtiler Steuerung des Dämons durch politische Gegebenheiten (Kurdenfrage, Syrien) bis hin zur physischen Lösungen (Endputsch mit oder ohne Todesfolge).
    Vieles wird davon abhängen wie penetrant Erdogan sein Spiel durchzieht. Lässt er sich einschüchtern oder ist der Mann – im osmanischen Sinne – tatsächlich zu allem bereit… dann könnte er ein zweiter M.K. Atatürk werden. Ein islamistischer M.K.A.

    1. Der erste Anlauf in der Türkei einen „internen“ Machtwechsel berbeizuführen ist ja schon mal fehlgeschlagen (Militärputsch) .
      Es bleibt die Frage welche Strategie man als nächstes wählt. Ich persönlich werden den Eindruck nicht los, dass Erdogans Schiksal bereits besiegelt ist und die Umsetzung bereits läuft. es droht das gleiche Vorgehen wie In syrien mit Assad. Die „moderaten Rebellen“ sind ja noch in der Nähe und suchen bald Anschlussbeschäftigungen.

      1. Die „moderaten Rebellen“ sind ja noch in der Nähe und suchen bald Anschlussbeschäftigungen –

        Da ist nur eine Sache die nicht zu Ihre Vermutung passt. Die Türken besitzen etwas einzigartiges „Mut“ Sie laufen nicht weg oder suchen Asyl im Westen. In der Türkei sagt man „biz bu vatanı nasıl kurtardık“
        Erst vor drei Tagen ist in der Türkei dieses Jahr wieder, der Tag der Befreiung gefeiert worden.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Gallipoli

        Was glauben Sie? Gibt es noch ein anderes Volk auf diesem Planeten, dass bei einem Militärputsch den Aufruf Ihres Präsidenten folgen würde, die Putschisten aufzuhalten. Vlt. hier in Deutschland, für Frau Merkel? Das ich nicht lache..

        Sie sehen also, ein Türke würde Ihr Land bis in den Tod verteidigen.
        Wir sind 80 mio. klar gibt es die „Nein Sager“ zum Referendum aber selbst die kämpfen wenn es um Invasoren geht.
        Die Europaer halten sich für so gebildet und so viel besser, als ob Sie den totalen Focus hätten. Arme Schafe. Hinterfragen nichts, leben das leben nach dem Drehbuch.

        Hört zu. Ich will nicht sagen, dass ich den totalen Durchblick habe.
        Vlt. sollten wir alle mit unseren Kritiken auf das wesentliche Problem deuten.
        Die moderne Sklaverei – Das Geldsystem –
        Alles andere dient doch nur dazu, dass Sie es weiterhin tun können.

        Teile und Herrsche

        Ich habe diese Seite gefunden weil ich kritisch bin. Kritisch gegenüber diesem System . Es geht nicht um einen Erdogan oder eine Merkel..

        Im Internet Zeitalter müsste es doch endlich möglich sein eine neue Revolution zu Starten. Oder sind wir so blind von unseren Ego’s?

      2. Buskapee

        Ich glaube, von „Revolution“ haben die meisten Leute erstmal die Nase voll. Revolution bedeutet heutzutage viel Blut und Leid, und am Ende ändert sich doch nichts zum Besseren, gleich ob in Syrien, Ägypten, Tunesien oder Jemen.

        Um etwas zum Besseren zu verändern, bedarf es einer intelligenten Evolution. Da hat nicht nur Europa noch viel zu tun, sondern auch die Türkei. Die Unterstützung der auch von Israel vorangetriebenen sogenannten „Revolution“ in Syrien hat zu gar nichts außer riesengroßem Leid geführt.

        Aber mit etwas Glück werden die Türken nun selbständig anstatt sich begierig für die Interessen ihrer US-zionistischen NATO-Herren in den Tod zu stürzen. Bis Deutschland soweit ist, wird es aber wohl leider noch etwas länger dauern.

  8. Es gibt den schönen Begriff „Panikblüte“; wenn das Gewächs merkt, dass es dem Ende zu geht, wird die letzte Kraft noch mal in Blüten gesteckt.

    Derzeit gibt es vielfältige Diskussionen in und über die Nato, nach dem sie nach Ende des kalten Krieges mehr oder weniger dahindümpelte, ohne Feind wie ein übriggebliebenes Fossil.

    Panikblüte, oder kommt doch noch eine Erneuerung?

    Der Aufbau Russlands, oder auch des „Terrorismus“, als neues (altes) Feindbild, soll unter anderem dazu dienen, die Notwendigkeit der Nato zu zeigen.

    „Handelswege verteidigen“ war auch schon mal als Aufgabe der Bundeswehr genannt, sowas geht natürlich auch besser in einer großen Militärorganisation.

    Braucht Europa ein starkes Militär?

    Die Frage ist, wofür; derzeit gibt es keine Feinde, die Europa überrollen wollten; aber der gänzlich armeefreie Weg ist eher etwas für Tuvalu oder so.

    Waffensysteme sind heute dermaßen komplex, dass eine Zusammenarbeit der einzelnen europäischen Länder sinnvoll ist; wenn man nicht alles einfach nur von jemand anderem kaufen will.

    Auch kann man über bestimmte Friedensmissionen diskutieren, wobei in Afrika immer afrikanische Truppen die weitaus bessere Wahl sind, etc.

    Das Argument, man braucht doch die Nato, um international groß mitzuspielen, ist natürlich albern; warum sollte man das wollen, Staaten umdrehen, „Flugverbotszonen“ errichten etc.pp.

    Ist man Teil eines Militärbündnisses, gibt es diverse Strukturen, die nur im Verbund richtig funktionieren; so ein Austritt geschieht sicher nicht aus einer Laune heraus.
    Die Türken sind mittlerweile selber großer Waffenhersteller, aber der ganze Bestand an „Nato-Waffen“ ist ja erst mal da, und damit müssen sie weiterhin umgehen.

    Incirlik ist ein starkes Indiz, dass es den Türken nur recht wäre, wenn die anderen Nato-Truppen sich deutlich zurückziehen, die offene Ansage der deutschen Politik, dass Abgeordnete dorthin dürfen müssen, wird ja einfach abgelehnt.

  9. Europa „braucht“ ein starkes Militär für eigene imperialistische Ziele. Die NATO wird sich mittelfristig aus Europa zurückziehen, ist die Ansage aus Washington. Und Deutschland findet das gar nicht so übel – mit dem Brexit sind Deutschland und Frankreich die verbliebenen Hauptmächte der EU. Daher werden sie auch den Kern einer neuen EU-Armee sein. Wobei das – zumindest vorläufig – sich innerhalb der NATO bewegen wird.
    Also: die USA konzentrieren sich militärisch mehr auf den Pazifik, Europa baut mehr militärische Eigenständigkeit auf – aber man wird gleichzeitig das Lied von der einigen NATO singen, um keine unnötigen Irritationen und unnötigen Widerstände hervorzurufen.

    Siehe auch:
    http://analitik.de/2016/11/16/gedanken-ueber-die-zukuenftige-eu-armee/
    http://analitik.de/2017/01/26/gedanken-ueber-die-zukuenftige-eu-armee-erste-ergebnisse/
    http://analitik.de/2017/02/11/gedanken-ueber-die-zukuenftige-eu-armee-zweite-ergebnisse/

    1. Matthias

      Ja, aber … das Lied von der einigen NATO ist inzwischen so mit schrillen Misstönen behaftet, dass es sich geradezu lächerlich anhört.

      Schaut man andersherum von der Perspektive der fortschreitenden Entwicklung einer multipolaren Welt darauf, dann hört sich das viel stimmiger an. Die EU-Achse Berlin-Paris könnte dann ein Machtzentrum in dieser multipolaren Welt werden und die Achse New York-London ein andere. Das globale US-Empire könnte damit in Europa gespalten werden, was von Gegnern des verkommenen globalen US-Zio-Empires sicherlich nicht als schlechte Entwicklung betrachtet werden dürfte.

      1. Ich habe den Eindruck, dass meine Formulierung „man wird gleichzeitig das Lied von der einigen NATO singen“ missverständlich war. Ich meinte damit, dass nach Außen versucht wird, die Fassade NATO aufrecht zu erhalten, damit niemand offen sagen muss, dass sie NATO aufgelöst wird oder Staaten formell aus ihr austreten (auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurden von Pence und Mattis die üblichen Bekenntnisse zur NATO abgelegt, obwohl sich die grundsätzliche Interessenslage der Eliten-Fraktion, die von der Trump-Administration vertreten wird, nicht geändert hat). Gleichzeitig wird die Entwicklung in eine Richtung gehen, dass die NATO intern gespalten wird in einen europäischen Teil (deutsch-fränzösisch plus kleinere westeuropäische Länder) und einen amerikanischen (USA, Kanada plus UK). Man wird formell in der gleichen Organisation sein, aber tatsächlich unabhängig voneinander operieren. In den verlinkten Artikeln wird das näher ausgeführt.
        Möglicherweise wird es einen dritten („Visgard“-)Teil geben der osteuropäischen Länder, der vermultich stärker mit dem US-Teil kooperiert – ob diese Entwicklung innerhalb oder außerhalb der NATO stattfinden wird, ist für mich noch nicht klar ersichtlich.
        Auch bezüglich der Türkei glaube ich, dass sie in der NATO bleiben wird, sich aber von US-Waffen und NATO-Infrastruktur unabhängig machen wird und ihre eigene Politik verfolgen wird.
        Also, ich habe den Eindruck, unsere Einschätzungen liegen in Wirklichkeit nahe beieinander.

  10. Heute braucht man für die Heimatfront ja immer eine gute Geschichte, warum man seine Soldaten mal wieder in den Krieg in fremde Länder fern der Heimat schickt. Wäre das nicht eine wunderbare Aussage für die US-Bevölkerung:

    „Unsere Freunde auf dem Boden gegen ISIS, die lokalen syrischen Kurden, werden von der Türkei bedroht. Durch unsere pysische Anwesenheit geben unsere Soldaten ein menschliches Schutzschild gegen die Übergriffe der Türkei.“

    Dagegen kann ein friedensbeweges liberales Lager ja eigentlich nichts haben.

    Die Frage ist damit, ob die USA und die Türkei das nur spielen oder tatsächlich sich in ihren lokalen Interessen so unterscheiden.

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