Syrische Armee in der Provinz Aleppo schon fast am Euphrat

Auch am gestrigen Montag ist die syrische Armee im Osten der Provinz Aleppo gegen ISIS-Terroristen wieder ein paar Dörfer in Richtung Euphrat vorgerückt, womit sie nun nur noch rund acht Kilometer vom zum Assad-See aufgestauten Euphrat entfernt ist.

Bis zur für die Wasserversorgung der Metropole Aleppo wichtigen Wasseraufbereitungsanlage und Pumpstation nahe Al Khafsa sind es für die syrische Armee inzwischen keine drei Kilometer mehr, und gleiches gilt für die von ISIS-Terroristen besetzte Jirah Airbase.

Der Fortschritt der syrischen Armee in der Gegend ist so kontinuierlich, dass die Kartenzeichner kaum hinterherkommen, aktuelle zu bleiben. Auf nachfolgender Karte von @v4st0 fehlen deshalb noch Erfolge vom späten Montag Abend wie die auf Wikimapia bereits korrekt verzeichnete Einnahme des Dorfes Jubb Qahwa durch die syrische Armee, doch insgesamt bietet die Karte eine gute Übersicht über das Ausmaß der Summe der kleinen Erfolge der syrischen Armee in der Provinz in den letzten Wochen:

Die in den letzten Wochen von der syrischen Armee östlich von Aleppo eingenommenen Dörfer bilden wie zu sehen in der Summe schon ein ansehnliches Territorium. Interessant ist in dem Zusammenhang auch die gestrige Meldung von Tass, derzufolge ehemalige Aufständische in Aleppo massenweise zur syrischen Armee überlaufen. Demzufolge könnte es gut so sein, dass die syrische Armee durch die zunehmende Ausbreitung des von ihr beherrschten Gebietes in der Provinz Aleppo nicht durch Überdehnung geschwächt, sondern im Gegenteil durch neues Personal gestärkt wird.

Wie es östlich der Metropole Aleppo weiter gehen dürfte, ist nicht schwer zu erraten. Am heutigen Dienstag oder am morgigen Mittwoch dürfte die rund zehn Kilometer breite Front der Armee am Euphrat ankommen. Damit kann die Wasserversorgung von Aleppo zügig wiederhergestellt werden und sämtliche noch als ISIS beherrscht ausgewiesenen Gebiete nördlich des Durchburchs der Armee zum Euphrat dürften an die syrische Armee fallen. Weiterhin sieht es nicht danach aus, dass ISIS die Kraft hat, um die Jirah Airbase noch lange zu halten. Geht die syrische Armee von dort nach Südwesten durch kaum oder gar nicht besiedelte Gebiete in Richtung Khanasser, würde sie damit auch Deir Hafr umzingeln und für ISIS nicht länger haltbar machen.

Kurzum, alles, was auf der Karte oben schwarz ist, dürfte bald rot sein. Dass türkische Jihadi-Proxies gestern westlich von Manbij ein Dorf von von den USA, Russland und der syrischen Armee unterstützten kurdisch geprägten Kräften der SDF erobert haben, ändert am Gesamtbild, dass es vor allem die syrische Armee ist, die im Gebiet östlich von Aleppo täglich und sich kontinuierlich aufsummierende Fortschritte macht, nichts.

Und auch sonst läuft es gegenwärtig weiterhin recht rund für die syrische Armee. So hat die syrische Armee in Zentralsyrien nach der Einnahme von Palmyra nun auch das nordwestlich von Palmyra gelegene Jazal-Gasfeld eingenommen und auch in Daraa ganz im Südwesten Syriens ist die Armee ein Stückchen vorangekommen. Mit jedem Tag wird die Perspektive deutlicher, wie die syrische Armee den Krieg gegen den Terror gewinnen kann.

Advertisements

33 Gedanken zu “Syrische Armee in der Provinz Aleppo schon fast am Euphrat

  1. Liebes Parteibuch.

    Hat dieser Raid der syrischen Armee auch etwas damit zu tun, daß die Amis seit Trump militärisch nicht mehr konterkarieren?

    1. Hans

      Zweifellos spielt bei den jüngsten Erfolgen der syrischen Armee der US-Schwenk von Regime Change zu Anti-Terrorismus eine erhebliche Rolle.

      Dieser US-Schwenk kam allerdings schon vor Trump. Trump lässt die Anti-Terror-Operation im Grunde genommen nur weiterlaufen wie bisher und hat dazu sogar Obamas Antiterrorkriegsbeauftragten Brett McGurk übernommen. Gleichzeitig hat Trump die Regime-Change-Elemente weggenommen, was darauf hinausläuft, dass nun die Terroristen „einfach“ nur noch abgeräumt werden, durch wen auch immer, der das kann. Und die syrische Armee kann da viel, vor allem, wenn neue US-Störmanöver in Richtung Regime Change ausbleiben und sie den Rücken frei hat.

      1. „Störmanöver in Richtung Regime Change“ – na ja, das ist ziemlich schwammig. Es ist schon etwas herablassend gegenüber der SAA (und Verbündeter) ihre Erfolge nunmehr sozusagen der Großzügigkeit der USA zuzuschreiben.

        Es dürfte eher andersherum sein: Der nachlassende Enthusiasmus der USA für ihren Regimechange-Krieg ist auf die Einsicht der ohnehin unvermeidbaren Niederlage zurückzuführen.

  2. Hallo,

    ich kann jetzt endlich nicht umhin, Dir jetzt mal dafür zu danken, dass Du den aktuellen Frontverlauf hier regelmäßig auf den neuesten Stand bringst.

    Ich bin allgemein überrascht (ja, immer noch), wie wenig Sachdaten man über die „Leitmedien“ („Lückenpresse“ triffts hier wieder mal auf den Punkt) vermittelt bekommt.

    Ob eine Spaltung des IS-dominierten Gebietes tatsächlich den letztlich alles entscheidenden Punkt bringt? Man kann es nur hoffen?! Immerhin war so was bisher in vielen Kriegen ein entscheidender Faktor.

    Irgendwie schwingt in mir zwar die Nervosität mit, was denn letztlich geschieht, falls der IS dort mal wirklich endgültig besiegt sein sollte, aber ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass die bloße Anwesenheit der Russen dort vielleicht manch einen davon abhalten könnte, sich seinen Stück vom Kuchen einzuverleiben?!

    Hoffen wir das Beste.

    Liebe Grüße,

    Anderl

  3. Wenn ich mich erinnere wie wütend ich war als Vulkan 1 und 2 gestartet wurden (der Angriff auf Damaskus – hieß doch so?) und wie knapp es damals war. Heute ist ein Tag großer Genugtuung. Es ist zwar noch nicht vollbracht, aber absehbar. Feiern werde ich, wenn die beiden schiitischen Dörfer und Der-Ezzor befreit sind…

  4. Dann müssen nur noch Sultan Erdogans kopfabschneider Schergen aus Syrien vertrieben werden.
    Ich bewundere den Mut und den jahrelangen Widerstand der Syrer. Etwas was uns deutschen Dumpfbacken aberzogen wurde. Aber wenn Erdogan uns weiterhin als Nazis beschimpft (was zu wünschen ist), dann wacht vielleicht auch der letzte deutsche dumm Michel auf. Was in einigen Gesprächen mit Mitmenschen bereits zu beobachten ist.

    1. Sehr geehrter Frank, was blieb den Alawiten und den diversen Christen, auch anderes Übrig. Wie dem Plan; For the Greater Middel East, zu entnehmen ist, waren sie zum Genozit, durch die Islamo Faschisten Vorgesehen, sie standen mit dem Rücken an der Wand, sie haben für ihre Kinder, Eltern, Großeltern, Verwandten und ihre Freunde gekämpft. Bis auch den gemäßigten Sunniten, durch immer mehr Massaker, klar wurde, auch sie stehen mit dem Rücken an der Wand, dann schlossen auch sie sich vermehrt, dem Widerstand an..

    2. Frank
      Dann müssen nur noch Sultan Erdogans kopfabschneider Schergen aus Syrien vertrieben werden.

      Vor dem Referendum wird eher nichts passieren. Vielleicht sieht ja der Kompromis am Wochenende in Moskau so aus: Erdogan bekommt den Sieg, das die Kurden aus Mnbij formal abzeiehen, daür übergibt ERdowahn Gebiete an die SAA, aber wirksam würde das erst nach der Abstimmung. Ach so, die unwilligen bekommen dann keine grünen Busse, sondern ein Flugzeug nach Deutschland im Rahmen der Abmachung mit D.

  5. Gut.

    Liebes EPB, habt ihr Informationen, ob und welche Brücken über den Euphrat außer Tishrin Damm und Tabqa Damm am Stausee noch intakt sind?

    Gibt es leistungsfähige Fährverbindungen, oder ist es jetzt schon sehr schwierig für ISIS, die Truppen zu verlegen?

    1. andreas

      Die unter SDF-Kontrolle stehende Qarah-Kosack-Brücke weiter nördlich wurde fix repariert.

      http://wikimapia.org/#lang=en&lat=36.632611&lon=38.204012&z=14&m=b&show=/35209297/Repaired-bridge-part

      Ob, und wenn ja, welche Brücken im ISIS-Gebiet noch OK sind, weiß ich nicht, aber für Truppenverlegungen dürfte es genug improvisierte Fähren geben. Um improvisierte Fähren zu bauen, braucht es nur ein paar leere Ölfässer, die zusammengebunden werden, dann noch ein paar Bretter drübergelegt, und ein Seil über den Fluss gespannt zum Ziehen, und fertig ist die Fähre. Mit solch simplen Konstrukten können sogar LKWs über den Euphrat gebracht werden.

  6. Off Topic:
    Hat Parteibuch Informationen bzw. kann es einschätzen, wie Trump mit dem Drohnenkrieg weiter verfährt?
    Gruß
    kranich05

    1. Kranich

      Klar ist, dass auch der Einsatz von Killerdrohnen durch die USA weitergeht. In Syrien gab es da z.B. glaubwürdige Meldungen über den US-Einsatz von Hellfire-Drohnen in der Provinz Idlib. So etwas hatte es in der Provinz Idlib aber unter Obama auch schon gegeben, also auch beim Einsatz von Drohnen sieht es erstmal nach Kontinuität aus.

      Die große Frage ist, ob unter Trump die Ziele oder Zielauswahl beim Drohneneinsatz geändert wurden. Obama hat sehr reichlich Einsätze von Killerdrohnen beauftragt und das in einer ganzen Reihe von Ländern. Danach, wie sich das unter Trump bislang entwickelt hat, habe ich noch nicht recherchiert. Denkbar sind etwa eine Einschränkung des Einsatzes von Killerdrohnen zur Vermeidung von zuviel Blowback oder eine Ausweitung des Einsatzes von Killerdrohnen, wo etwa auch in Al Kaida eingebettete saudische Agenten vermehrt Ziele werden könnten.

      So wie es gegenwärtig aussieht, geht es im Jemen eher Richtung zweiter Variante, nämlich Richtung Ausweitung von Drohnenangriffen gegen Al Kaida, nachdem vor einem Monat der Einsatz eines Luftlandekommandos völlig schief gegangen ist:

      https://sputniknews.com/military/201703061051291397-trump-counter-terrorism-yemen/

      Aber um eine globale Tendenz des Drohnenkriegs unter Trump zu erkennen, etwa auch in Afghanistan, Pakistan und Somalia, ist es meiner Meinung nach noch zu früh.

    2. Aus dem Kopf, deswegen nicht 100 % zuverlässig:
      Seit dem Amtsantritt von Trump gab es einige Drohneneinsätze in Idlib, bei denen prominente Al-Kaida-Kommandeure ins Jenseits befördert wurden. Außerdem den Raid im Jemen, der in der Presse als gescheitert dargestellt wird, weil der Sohn eines US-Diplomaten zu Tode kam (oder so ähnlich, nicht so wichtig). Das war meiner Erinnerung nach auch ein Drohnen-Angriff. Tendenz scheint zu sein: es gibt weiterhin Drohnen-Aktionen, aber die Ziele scheinen andere zu sein – man hat klammheimlich die Seite gewechselt.
      Über Drohneneinsätze in Afghanistan und Pakistan lese ich zur Zeit nichts – möglicherweise wird dort die Anzahl der Angriffe gerade geruntergefahren.

      1. Ergänzung: bin gerade auf diesen Artikel gestoßen:

        „Trump administration secretly resumes CIA drone assassination program“
        http://www.wsws.org/en/articles/2017/03/15/dron-m15.html

        Allerdings habe ich an dem Inhalt starke Zweifel. Trump befindet sich im offenen Krieg mit der CIA. Dass er in dieser Situation ausgerechnet der CIA und nicht dem Militär die Erlaubnis zu weiteren Drohnenangriffen gibt, halte ich für sehr unwahrscheinlich.
        Auch der Satz „…a wave of strikes in Yemen—more in a single week this month than in any single year under the Obama administration“, ohne Zahlen zu nennen, macht auf mich einen sehr unseriösen Eindruck.

    1. Nächste Runde angekündigt für Ende März, vorher wieder auf der „militärischen Ebene“ in Kasachstan ohne UN.
      Mal sehen, ob mit Trump-Leuten.

  7. Wieder neun Dörfer an die SAA, und der Tag ist ja noch nicht mal um.

    Die SDF sind nach der Abschneidung der Verbindungsstraße nördlich des Euphrat weiter in Richtung Deir ez Zur vorgestoßen, haben die von Israel 2007 zerbombte Nuklearanlage eingenommen.

    Mal sehen, ob sie dort weiter vorrücken; die gegenwärtige Lage von ISIS (und Trumps Ankündigung eines raschen Triumphs gegen ISIS) lassen dies annehmen.

    Das nimmt Druck von den eingeschlossenen Truppen, und bald kommt man ja auch überLand sehr nahe heran, wenn es sein muss.

    Sogar an der Propagandafront wird es ruhiger, kaum noch Meldungen über Fassbomben und so.

    1. „haben die von Israel 2007 zerbombte Nuklearanlage“

      Natürlich war das keine Nuklearanlage. Eine solche Anlage würde man nicht ohne aktiven (Luftverteidigung) oder passiven (Verbunkerung/unterirdische Anlage) Schutz konzipieren. Das war einfach nur eine Machtdemonstration seitens Israels, um das nach dem Libanonkrieg 2006 angeknackste Image als furchterregender Militärmacht wieder aufzupolieren. Dazu hat man sich um das Risiko zu minimieren, extra ein Gebäude in einer weitgehend ungeschützten Gegend ausgesucht, so dass man das Gebiet wo Luftverteidigung existierte sehr schnell überqueren konnte (zurück flog man über die Türkei)

    1. Danke für den Hinweis.

      Seltsame Sache. So wie es ausschaut, hatte WordPress.com einen Defekt. Habe den Artikel gerade noch einmal veröffentlicht, und jetzt geht’s bei mir.

  8. OT:

    „WikiLeaks #Vault7:

    Die CIA ist nackt“

    Seit 15 Uhr kann man bei wikileaks ca. 1 GB Daten über die CIA herunterladen.

    Da steht z.B. drin, dass diese komische Merkel-Republik eine größere CIA-Hacker-Niederlassung in Frankfurt duldet.

    http://n8waechter.info/2017/03/wikileaks-vault7-die-cia-ist-nackt/

    Was sind wir eigentlich für ein Staat? Kein Wunder also, dass Merkel (wahrscheinlich absichtlich) komplett die Kontrolle über Deutschland verloren hat. Meiner pessimistischen Meinung nach, liegt Deutschland in den letzten Zügen und wird von den derzeitigen Eliten im Auftrag abgewickelt.

  9. Auf Military.maps/ Twitter sind Al-Hafsa und die Wasseraufbereitungsanlage unter Kontrolle der SAA:

  10. Nun ist auch noch AL Hafsa befreit … und im Wasserversorgungswerk sitzen die Tiger …

  11. Frank, matahari, Bernd

    Die syrische Armee rückt in der Gegend von Al Khafsa gerade so rapide voran, dass die Kartenzeichner wieder Probleme haben, hinterherzukommen. Hier die offizielle Nachricht von SANA dazu:

    http://sana.sy/en/?p=101535

    Laut letzter Karte von @miladvisor ist die syrische Armee aber noch nicht an den Euphrat vorgerückt, sondern lässt da bislang noch einen schmalen Korridor offen, vermutlich um verbliebenen ISIS-Kräften noch eine Möglichkeit zur Flucht zu geben, damit die Armee die ISIS-Gebiete nordwestlich von Al Khafsa nun weitgehend kampflos einnehmen kann.

  12. Hassan Ridha sagt, sie sind am Euphrat.
    Egal ob da noch eine Tasche sein sollte, da dürfte kaum noch viel ISIS sein (bzw. kämpfen wollen).

    ———–

    AFP news agency‏Verifizierter Account @AFP 6 Std.Vor 6 Stunden

    #BREAKING Ceasefire announced in Syria’s Eastern Ghouta: Russia

    Hat jemand mehr darüber?

    Kürzlich gab es humanitäre Korridore zu lesen, sieht nach dem Aleppo-Szenario aus.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.