Kampf gegen ISIS geht trotz türkischer Störungen erfolgreich weiter

Trotz anhaltender Störungen durch Proxy-Kräfte der Türkei setzten die syrische und irakische Armee sowie ihre Partner auch am heutigen Sonntag den Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS erfolgreich fort.

Im Irak sind die irakische Armee und Anti-Terror-Kräfte des Innenministeriums weiter von Süden und Südwesten in Richtung des Zentrums von Mossul vorgerückt und befinden sich nun nur noch wenige Hundert Meter von den Regierungsgebäuden nahe der Altstadt entfernt. Auf nachfolgender Karte von gestern sind die heutigen Erfolge aufwärts entlang des Tigris Richtung Altstadt und im Südwesten von Mossul noch nicht verzeichnet, aber auch da wird klar, dass die irakische Armee und ihre Partner nach Ost-Mossul inzwischen auch fast die Hälfte von West-Mossul eingenommen haben.

Ein Grund für den recht schnellen Vormarsch der irakischen Armee und ihrer Partner ist, dass die Terrorgruppe ISIS in Mossul durch einen im Großen und Ganzen von schiitisch geprägten Volksmobilisierungskräften (PMU) errichteten Doppelblock vom Nachschub abgeschnitten ist: zum Einen wurde eine dünne Sperre zwischen Mossul und der ISIS-Hochburg Tel Afar errichtet, und zum Anderen wurde der ganze Komplex Mossul-Tel Afar noch einmal von PMU und kurdischen Kräften mit einer Blockade belegt.

Wo der Kampf gegen ISIS in Mossul gut vorangeht, hat Massud Barzani, der Chef des von der Türkei und anderen NATO-Staaten unterstützten kurdischen Regionalregimes, nach einem Türkei-Besuch seine Peshmerga-Milizen eine neue Offensive starten lassen, und zwar westlich von Mossul nahe der syrischen Grenze gegen die Jesidischen Widerstandeseinheiten (YBS), an denen der Türkei nicht passt, dass sie Abdullah Öcalan in Ehren halten, nachdem seine Anhänger – anders als Barzanis Peshmerga – den Jesiden 2014 im Angesicht des an ihnen verbrochenen Genozids durch ISIS zu Hilfe geeilt waren. Während die Jesidischen Widerstandeseinheiten im Süden von West-Sinjar die Front gegen ISIS halten, haben als „Peshmerga von Rojava“ bekannte exil-syrische Kräfte unter dem Kommando von Barzani in den letzten Tagen nicht etwa ISIS attackiert.

Stattdessen sind die Peshmerga-Einheiten von Barzani den Jesidischen Widerstandeseinheiten von Osten her kommend mit einem blutigen Versuch der Eroberung der unter Kontrolle der Jesidischen Widerstandeseinheiten stehenden Ortschaft Khana Sor in den Rücken gefallen. Kurdischen Angaben zufolge haben Barzanis Peshmerga-Schergen bei ihrer mörderischen Attacke auf die jesidischen Selbstverteidigungskräfte auch deutsche Waffen wie das Allschutz-Transport-Fahrzeug Dingo verwendet, die Barzani vom deutschen Regime unter dem Vorwand der Unterstützung des Kampfes gegen ISIS geschenkt bekommen hatte.

Nach dem ISIS-Genozid werden nun also, so wie es aussieht, sich selbst verteidigende Jesiden im Irak mit eben jenen deutschen Waffen ermordet, die die deutsche Flintenuschi dem irakisch-kurdischen Warlord Barzani unter dem Vorwand gegeben hatte, dass sie dazu dienen sollen, die weitere Ermordung von Jesiden zu verhindern. Kurdische Peshmerga, die sich geweigert haben, den Befehl zur Attacke auf ihre jesidisch-kurdischen Brüder und Schwester zu befolgen, hat der Warlord Barzani Berichten zufolge verhaften lassen und an seine türkischen Befehlsgeber ausgeliefert. Während der türkische Regierungschef erklärt, Barzani habe ihm versprochen, dass Sinjar kein zweites Qandil wird, ist der US-Sonderbeauftragte für die Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat, Brett H. McGurk, ist unterdessen damit beschäftigt, zu versuchen, Barzani von weiteren Attacken auf die YBS abzuhalten.

Einige Hundert Kilometer weiter westlich, im Nordosten der syrischen Provinz Aleppo, verüben Proxy-Kräfte der Türkei nach wie vor westlich der Stadt Manbij Angriffe auf die von den USA und Russland im Kampf gegen ISIS unterstützten Kräfte der SDF. Die von der Türkei unterstützten Jihadisten brüsten sich mit ihren Agriffen öffentlich:

Und auch da ist der Grund für die Attacken, dass es der Türkei nicht passt, dass sie den in der Türkei inhaftierten kurdischen Milizenführer Abdullah Öcalan in Ehren halten. Dass die Türkei und ihre Jihadi-Proxies mit ihren Attacken auf die SDF Erfolg haben, ist zwar nicht absehbar, doch klar ist, dass die Türkei dadurch den internationalen Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS behindert, denn SDF-Einheiten, die türkische Angriffe abwehren müssen, stehen nicht dafür zur Verfügung, den Druck auf ISIS in den Provinzen Raqqa und Deir Ezzor zu erhöhen. Dass solche Störungen des Kampfes gegen ISIS der neuen US-Regierung unter Donald Trump nicht gefallen, könnte eine Erklärung dafür sein, dass in den letzten Tagen verstärkt Videos von Militärfahrzeugen mit US-Flagge aufgetaucht sind, die aus der Gegend von Manbij sein sollen.

Sollten die Türkei und ihre Jihadi-Proxies also mit ihren Angriffen auf die SDF bei Manbij fortfahren, so könnte das bald dazu führen, dass türkische Kräfte direkt auf Soldaten ihres NATO-Verbündeten USA schießen. Wenn das so kommen sollte, dürfte es interessant sein zu beobachten, wie der neue US-Präsident Donald Trump darauf reagieren wird. Anders herum gesagt, könnte die Türkei, wenn Erdogan nicht umsteuert, kurz vor der Sanktionierung durch die USA und einem NATO-Austritt stehen. Aber vielleicht ist genau der NATO-Austritt eben auch das Ziel, auf das Erdogan seit einigen Monaten tatsächlich hinarbeitet.

Trotz der Störungen des Kampfes gegen ISIS durch die Türkei setzte auch die syrische Armee am heutigen Sonntag den Kampf gegen ISIS in der Provinz Aleppo erfolgreich fort. Auch heute hat die syrische Armee auf dem Weg Richtung Euphrat wieder einige Dörfer und einen Hügel eingenommen, so dass es nun nicht einmal mehr zehn Kilometer von der Front zum Euphrat sind.

Und die von ISIS-Terroristen beherrschte Jirah Airbase ist inzwischen nur noch rund sechs Kilometer von der Front entfernt. Gelingt es der syrischen Armee, diese Basis einzunehmen, könnte die Defensive von ISIS in der Region wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit ihres Kampfes nahezu komlett zusammenbrechen und die ganze Gegend ohne weitere große Kämpfe an die syrische Armee fallen.

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17 Gedanken zu “Kampf gegen ISIS geht trotz türkischer Störungen erfolgreich weiter

    1. Schaun wir mal, wer da wen schützen möchte. Ihre Quelle zitiert ja auch den türkischen Ministerpräsidenten :

      Turkey’s Prime Minister Binali Yıldırım said on Sunday that if the Syrian government were to take control of Manbij, it would not be a be a negative development as they “don’t want a YPG [Kurdish militia] presence there.”

      SAA-Hoheit ja – kurdische Hoheit nein; das hören und lesen wir immer wieder. Bisher haben sich die Türken an ihre Vereinbarungen mit Russland/Syrien insgesamt gehalten. Probleme machen halt die „Umgeflaggten“. Aber es wäre naiv zu glauben, dass das ohne Reibungen abgehen würde.
      Und die Amerikaner können jetzt offenbar einen innerkurdischen Konflikt nicht gebrauchen. Aber vielleicht spiegelt dieser Konflikt ja auch eine ambivalente Haltung quer durch die kurdischen Machtgruppen in Bezug auf die Assad-Regierung wider. Das Projekt Rojava muss sich jetzt entscheiden; für ein geeintes Syrien oder für eine zweifelhafte Souveränität.

      Danke an das Parteibuch, dass es auch mal die noch zweifelhaftere Rolle von Barzani´s Pershmergas ein bischen mehr offen gelegt hat. Die haben schon im Nordirak den Yesiden übel mitgespielt.´

      Beste Grüße, ped43z

    2. biersauer
      US-Truppen in Manbij

      Das ist nicht neu. Bekannt ist auch, das sie schon langer in Manbij. Vor allem waren sie sie schon da, als die Kurden Russland und die SAA als Schutzmacht eingeladen haben. <interessant ist auch, was man aus dem Pentagon und dem Weißen Haus hört: Praktisch nichts. Aus der 2. Reihe habe ich heute mal was gelesen: Man wisse, das die Russen kommen und begrüße das.

      Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die USA ist Schutzmacht in Manbij und lässt die Russen als 2. Schutzmacht rein: Und mit denen kommt die Armee Assads rein, dem Mann, weswegen man den Krieg angefangen hat. Und noch schlimmer in Washington bricht nicht der Himmel zusammen.

      Und es wird noch schlimmer: Die aktuelle Situation zwingt wahrscheinlich sogar die 3 Parteien zur direkten Zusammenarbeit. Wenn dann vielleicht noch Hisbollah in der Gegend ist, dann hört jedes Verständnis auf

      <> da brechen Weltbilder zusammen

  1. Bei der Befreiung Syriens vom US-induzierten Wahhabi-Terrorismus, sind ohne jede Erlaubnis, also kriegsverbrecherisch in Syrien bewaffnet agierende Truppen anderer Länder so hilfreich wie Benzin beim Feuerlöschen, besonders US-Truppen.

  2. KDP und PKK streiten um dieÜbergabevon Manbij an die syr. Truppen. Doch die nächste Panzerarmee Erdogans ist bereits im Anmarsch.

    1. „Doch die nächste Panzerarmee Erdogans ist bereits im Anmarsch.“

      Das liest sich, als ob schon eine oder mehrere Panzerarmeen dort sind, bzw. dort schon kämpfen; vielleicht mal etwas verbal abrüsten?

      Erdogan dreht verbal natürlich gerade völlig frei.
      Ein Angriff auf syrische und russische Truppen macht die Türkei offiziell zur Besatzungsmacht, dass ist eine ganz andere Kategorie als gegen ISIS (oder auch „PKK-Terroristen“, die nicht staatlich organisiert sind) vorzugehen.

      Russland, Iran und Syrien sich direkt zu Feinden erklären, den Irak (minus Kurdengebiet vielleicht) noch dazu, klingt nicht sehr rational, vor allem nach der Abkehr von der EU.

      Denkbar wäre eine gezielte Provokation gegen die Amis, wenn er aus der Nato will; aber so wirklich dringend ist das jetzt ja nicht, er will sein Referendum durchbringen.

      1. Wirklich erst mal durchatmen.
        Erdogan braucht einen Sieg und man wird ihm den Sieg geben: Erdogan vertreibt die IS aus Al Bab und vertreibt die Kurden aus Manbij. Das die nur umgeflagt haben spielt da keine Rolle. Um das Glaubhaft zu machen, muss man schon etwas Theaterdonner machen. Am Wochenende wird man wohl die Einzelheiten in Moskau besprechen. Vielleicht geht es dann sogar um die Gebiete, wo heute noch die Proxys sind.

        Also alle Idee, das die Türkei jetzt deshalb aus der NATO austritt oder das Verhältnis zwischen Türkei und Russland gestört ist, mal vorsichtig in die Schublade schieben. Glaubt wirklich jemand daran, das die Türkei ein Bündnis von 2 Weltmächten angreift?

  3. Der größte Verlierer des Syrienkrieges neben den Israelis (Yinon-Plan) ist doch der Sultan vom Bosporus.

    Während Netanjahu schnell nach Moskau wieselt und sich vom Agressor zum potentiellen Opfer der Hissbollah umetiketiert, verharrt Erdogan im selbstgeschmiedeten Käfig seiner Großmachtsträume und findet den Ausgang nicht.

    Am Ende steht Erdogan als Sündenbock des ganzen Syrienkrieges da. Und die Israelis und Saudi-A. feixen sich eines 🙂

    Aber immerhin bleiben dem Pascha als Frustableiter noch die Nazis in Berlin.

  4. Ich habe auch das Gefühl, dass sich Erdowahn gewaltig am Überheben in Syrien ist. Der Mann wird langsam extrem unglaubwürdig. Jeden Tag eine neue Absichtserklärung, während die YPG, SAA und die USA und Russland Fakten schaffen.
    Ich will nicht behaupten, dass Erdowahn ein Papiertiger ist; Tatsache ist aber, dass mit seiner Armee nach den Säuberungen „kein Staat“ mehr zu machen ist. Die STreitkräfte sind zu einer grösseren Intervention ausserhalb der Türkei einfach nicht mehr fähig. Bereits ein Vorstoss nach Rakka würde die Kräfte der Türkei überstrapazieren.

  5. Erdogan hat ja schon ein gutes Dutzend seiner Panzerarmee in Syrien im Kampf gegen ISIS und Kurden eingebüßt und Bilder zeigen Lastzüge vollgeladen mit neuen Panzern nach Syrien. Dazu kommt seine Drohung Manbij anzugreifen, wenn sich die Kurden nicht hinter Euphrat zurück ziehen, als Ultimatum.
    So haben die Kurden jetzt Handlungsbedarf sind aber uneins.

    1. Kurt

      Es gibt beim Stauen des Euphrat-Wassers in der Türkei gegenwärtig auch einen positiven Aspekt: wenn der Tabqa-Damm durch ISIS-Sabotage, Luftangriffe oder Kämpfe kaputt geht, würde das weniger Schaden anrichten.

      1. es wird wohl zu einem krieg syrien-irak gegen die türkei kommen, da der vorhergesagte wasserkrieg durch die fortlaufende stauungen des eufrat+tigris und dessen wasserabpumpungen, ziemlich weniger wasser für die anderen übrig bleiben wird und deren wirtschaftliches überleben davon abhängig ist. anbei ein brispliel http://www.biothemen.de/Oekologie/spezial/staudamm.html
        der jetzige bürgerkrieg ist nur eine vorstufe sobald die staudammprojekte der türken umgesetzt sind, deswegen brsuchen die türken auch weitere kampferfahrung, der bürgerkrieg gegen die kurden im eigenen land ist zu wenig. die wirtschaft, so neben bei gesagt, floriert nicht besonders gut, vor allem der tourismus liegt am boden und die anderen sektoren spüren dies auch so langsam, da nützt die billige lira auch nichts. wer zudem glaubt den türken scheren di usa und russen was, wird von der überheblichkeit in der nächsten zeit stückchenweise etwas zu sehen bekommen werden, da di usa und russen ihre spielchen mit odr ohne türken durchziehen werden.

  6. unterschätzt die Türken nicht.
    Erdogan kann das Verfassungsreferendum im April gewinnen,
    und dann hat er eine gut ausgerüstete Armee von 700.000 in seiner Hand.
    da spielen einige Anfangsverluste wegen Unerfahrenheit der neuen
    Offizere keine große Rolle.
    Trotz Krise ist die Türkei wirtschaftlich sehr stark, hat vor allem eigene
    Industrie. Das Land ist nicht so hoch verschuldet, wie die EU Staaten,
    daher auch nicht durch die Finanzmafia erpreßbar. Erdogans Angeberei
    hat daher Substanz. Es wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen,
    wie sich die Türkei verhält .
    Erdogan ist als Verhandlungspartner oder als Räuber durchaus ernstzunehmen.

    1. „Erdogan ist als Verhandlungspartner oder als Räuber durchaus ernstzunehmen.“

      Ist er, und die Türkei ist kein schwaches Land, mit einer großen und ordentlich ausgerüsteten Armee.

      Und Erdogans Handeln, vor allem seine Worte, stehen außerhalb dessen, was man als Rationalität „normaler“ Politiker bezeichnen könnten.

      Er verfolgt ein langfristiges Projekt, Umbau der Türkei, 100-Jahrfeier als starker Mann aller Türken, mit einer möglichst großen und starken Türkei.

      Dabei können Aggressionen gegen Nachbarn sinnvoll sein.

      Aber sich mit allen Nachbarn komplett überwerfen nicht, das wird er wohl wissen.

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