Syrische Armee macht rapide Fortschritte in der Gegend von Palmyra

Gestern meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA, die syrische Armee habe das strategische Dreieck der zentralsyrischen Stadt Palmyra und den naheliegenden Berg Hayyal eingenommen und am heutigen Donnerstag meldet SANA, die syrische Armee habe in der Gegend auch den strategisch wichtigen Berg Al Tar eingenommen.

Weiterhin wurde gemeldet, die syrische Armee habe die Zitadelle von Palmyra unter ihre Kontrolle gebracht.

Außerdem wird berichtet, dass die Terrorgruppe ISIS sei im Großen und Ganzen aus Palmyra geflüchtet sei, wobei sie allerdings einen Haufen Sprengfallen und einige Selbstmordattentäter hinterlassen habe, um das Einrücken der syrischen Armee in Palmyra zu verlangsamen. Auf einer Karte dargestellt dürfte die Situation in Palmyra etwa wie folgt aussehen:

So wie es jetzt aussieht, wäre es nicht einmal allzu fernliegend anzunehmen, dass die syrische Armee ISIS in eine Falle gelockt hat und Palmyra der Käse in der Falle war, ähnlich wie Ramouseh der Käse in der Falle war, in die die syrische Armee Al Kaida im Sommer letzten Jahres in Aleppo gelockt hat. Wie dem auch sei, angesichts der rapiden Fortschritte der syrischen Armee in der Gegend von Palmyra ist es schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, dass die Terrorgruppe ISIS im Raum Palmyra in den letzten Tagen regelrecht kollabiert ist. Die Schlacht zur erneuten Rückeroberung von Palmyra aus der Hand von ISIS-Terroristen ist praktisch gelaufen.

Weniger beachtet, aber nicht weniger wichtig, ist die Frage wie die Lage in der weiteren Umgebung von Palmyra aussieht. Karten zur Lage in Palmyra zeigen meist einen schmalen Keil der syrischen Armee von Westen her in Richtung Palmyra, doch darüber, wie es südlich und nördlich dieses Keils aussieht, sagen die Karten wenig aus. Nachfolgend ist ein Ausschnitt aus der generellen Lagekarte zu Syrien aus Wikipedia:

Auch wenn die Karte aus der Wikipedia alles andere als perfekt ist, so ist deutlich zu sehen, dass Palmyra im Grunde inmitten eines größeren ISIS-Gebietes liegt, wo es rund 100 Kilometer nordwestlich von Palmyra, östlich von Salamiyah und direkt südlich der Verbindungsstraße nach Aleppo eine große Ansammlung von Ortschaften unter ISIS-Kontrolle gibt. Mit diesem Gebiet hat die syrische Armee seit Jahren große Probleme. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um wahhabitisch geprägte Kräfte lokaler Stämme, die von der Plünderung der von ihnen beherrschten Ölfelder in der Gegend nordwestlich von Palmyra nicht ganz schlecht leben und die ISIS-Fahne als Rechtfertigung für ihre Ölgeschäfte nutzen. Mit diesen unter der ISIS-Fahne agierenden Stammeskräften eine Versöhnung hinzubekommen, ist also anders als bei den vielen international geprägten ISIS-Terroristen durchaus denkbar, aber nicht zuletzt wegen der finanziellen Interessen auch nicht ganz einfach. Und ohne massiven Druck durch die Armee geht da auch nichts. Al Masdar News hat gestern aus der Gegend des Dorfes Mufakkar Asharqi, das nahe Salamiyah, etwa 100 Kilomter nordwestlich von Palmyra liegt, Aufnahmen von schweren Kämpfen zwischen der syrischen Armee und den dortigen ISIS-Kräften veröffentlicht.

Al Masdar News schreibt dazu, dass ISIS da nun nicht mehr so stark sei und die syrische Armee vorwärts komme, weil ISIS in Syrien und Irak überlastet sei. Hinzufügen darf da sicherlich, dass die lokalen ISIS-Truppen da sicherlich viele Männer in den Kämpfen um Palmyra verloren haben, wodurch nun zu hoffen ist, dass die syrische Regierung deshalb nun endlich auch in dem schwierigen ISIS-Gebiet im Dreieck Salamiya – Palmyra – Ithriya mit dem Anti-Terror-Kampf und Versöhnungsprogrammen vorwärts kommt.

Advertisements

15 Gedanken zu “Syrische Armee macht rapide Fortschritte in der Gegend von Palmyra

  1. >>>
    So wie es jetzt aussieht, wäre es nicht einmal allzu fernliegend anzunehmen, dass die syrische Armee ISIS in eine Falle gelockt hat und Palmyra der Käse in der Falle war
    >>>

    Ist es nicht deutlich näher liegend, dass die SAA und Verbündeten ihre guten Truppen wieder abziehen mussten, weil sie andernorts gebraucht wurden, und ISIS nach diversen Niederlagen dringend ein Lebenszeichen brauchte und massive Kräfte dort zusammengeführt hat?

    Aber egal.
    Offensichtlich reichten die Kräfte von ISIS auch nicht mehr, Palmyra zu halten, oder auch nur sehr intensiv zu verteidigen.

    Wobei sie ohnehin strukturell für Offensiven deutlich besser aufgestellt sind als für Defensiven, verglichen mit anderen Truppen.

    >>>
    Al Masdar News hat gestern aus der Gegend des Dorfes Mufakkar Asharqi, das nahe Salamiyah, etwa 100 Kilomter nordwestlich von Palmyra liegt, Aufnahmen von schweren Kämpfen zwischen der syrischen Armee und den dortigen ISIS-Kräften veröffentlicht.

    Al Masdar News schreibt dazu, dass ISIS da nun nicht mehr so stark sei und die syrische Armee vorwärts komme,
    >>>

    Da springen doch gleich wieder die „Gemäßigten“ bei.

    https://www.almasdarnews.com/article/jihadist-rebels-cutoff-important-highway-northern-homs/

    Aber das kann die große Richtung natürlich nicht aufhalten.

    Mal sehen, ob und wo die Palmyra-Front nach der Sicherung nach Norden abbiegt.
    Derweil werden wieder Geländegewinne von SAA und auch SDF in Ostaleppo gemeldet, ISIS dort offenbar nicht mehr groß vorhanden.

  2. Hier eine Karte, SAA übernimmt das gesamte Grenzgebiet zu den Türkenproxys, die dann nur noch am Rande stehen und mit dem Säbel rasseln können.

    1. Nachricht ist auch in Balkan Forum eine Thema geworden. Aber hat SAA genug Kräfte um alle diese Dörfer zu sichern? Tiger Einheiten werden anders gebraucht und NDF sind nicht viel wert. Egal, es wäre schön wenn das war wird.

      1. Es gilt ja immer noch die Vereinbarung zwischen Russland und der Türkei. Ich denke, einen Großangriff auf SAA-Truppen und damit den offenen Bruch der Vereinbarung mit allen Konsequenzen wird Erdogan nicht riskieren.

    2. Toll, wie die Türkei mit diesem Geniestreich geneppt wurde. Ich denke , dass es noch mehr
      solcher Kooperationen zw. Saa und Ypg auch hinsichtlich Rakka und Deir Eizor geben wird.
      Die türkische Armee hat wohl vergessen , dass sie sich immer noch auf syrischem Gebiet befindet und vor lauter Feinden umgeben ist, welche die geringe Qualitaät der türkischen Streitkräfte samt Proxies vor Augen geführt wurde

  3. „wäre es nicht einmal allzu fernliegend anzunehmen, dass die syrische Armee ISIS in eine Falle gelockt hat und Palmyra der Käse in der Falle war“ Das glaube ich eher nicht, dass die SAA Palmyra freiwillig im Dezember aufgegeben hatte. Ich vermute eher, dass die CIA sich damals die Zurückeroberung ausgedacht hat um ihre Terroristen in Aleppo zu entlasten. Durch die schnelle Befreiung von Aleppo ist der Plan zum Glück nicht aufgegangen. Ich hoffe die marschieren gleich durch bis Deir ez-Zor ud halten sich nicht lange in Palmyra auf.


  4. USA hilft SAA? Wenn ich das nur erlebt habe. Was bedeutet ein neue Gesicht in Weisse Hause? Mehr Support für SAA als für Erdogan.
    In Ost Aleppo ist eine Party in Gang.

    1. Wenn das stimmt, wäre das sehr interessant: die USA hätten tatsächlich heimlich die Seite gewechselt.
      Gibt es eine Quelle für diese Zahlen? Link?

  5. Warum ist das so, dass der IS in den Wüstengebieten so stark ist und in Syrien und im Irak von einheimischen Wüstenstämmen unterstützt wird.
    Ich glaube nicht, dass es nur daran liegt, das diese Stämme wahabitisch sind.

    Denn ähnliches geschieht auch in Mali , wo sich die einheimischen Tuareg mit Al Kaida verbündet haben. Und soweit ich weiss, sind die Tuareg keine Wahabiten.

    Kann es nicht sein, das die Situation der nomadischen Wüstenstämme so schlecht ist und immer schlechter wird, so dass sie sich jedem anschließen, der ihnen eine Verbesserung ihrer Situation verspricht.
    Der Lebensraum für Nomadische Stämme wird kleiner, gleichzeitig werden die Bodenschätze der Wüste ausgebeutet, ohne das die Stämme, also die Bewohner der Wüste daran teilhaben. Und ist es da zu verwundern, dass die sich ISIS anschließen, wenn sie dafür an dem Öl mitverdienen können.
    Vielleicht hat Ihnen ISIS auch versprochen, dass sie ihre traditionelle Lebensweise weitehin führen können ohne Einmischung der Regierung.
    Hier wäre für das Versöhnungsministerium noch einiges zu tun. Die Chance ist aber jetzt da, auch diese Stämme wieder für Syrien zu gewinnen. Wird sie vertan,
    werden sie sich den nächsten Terroristen anschließen.

    1. ulrich

      Wüste ist seit Ewigkeiten ein gutes Territorium für Räuberei und Guerillakrieg.

  6. Wäre ja mal gut wenn die Bewegung diesmal besser geschützt ist als vor einem Jahr. Da waren selbst russische Truppen dabei und am Flugplatz bereits Hubschrauber Unterstützung Aufgebaut und trotzdem wurde der Ort wieder verloren.

    Wenn es keinen gleichzeitigen Angriff von Ost Aleppo nach Süd Osten entlang des Wasser gibt und genauso gleichzeitig aus der Mitte vorgestoßen wird wird es der IS wieder schaffen seine Wellen auf nur einen Keil werfen zu können.

  7. Immer interessant die Artikel und immer wieder erheiternd die ganzen Stammtisch“strategen“ mit ihren Absonderungen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.