Syrische Armee rückt bei Palmyra und in der Provinz Aleppo weiter vor

Die syrische Armee und ihre Partner sind am Sonntag sowohl an mehreren Stellen westlich der zentralsyrischen Wüstenstadt Palmyra und östlich und südwestlich der nordwestsyrischen Metropole Aleppo weiter vorgerückt.

Wie die syrische Nachrichtenagentur SANA mitteilte, ist es der syrischen Armee am Sonntag Morgen gelungen, sämtliche Hügel einzunehmen, die eine Übersicht über das Al-Mahr-Gasfeld 50 Kilometer nordwestlich von Palmyra bieten. Auf einer Karte dargestellt, sieht das etwa wie folgt aus:

Später am Sonntag wurde dann berichtet, dass die syrische Armee und ihre lokalen Partner sowohl den höchsten Hügel direkt südwestlich von Palmyra als auch Gelände direkt nordwestlich von Palmyra eingenommen haben, womit sie einen Zangenagriff auf ISIS ausführen und der südwestliche Teil von Palmyra sich unter Feuerkontrolle der syrischen Armee befindet.

Langsam, aber stetig geht es also vorwärts in Richtung der erneuten Einnahme von Palmyra, nachdem ISIS-Terroristen die schon einmal aus der Hand von Terroisten befreite Stadt zuletzt im Dezember erneut überrannt hatten. Diesmal scheint eine größere Anzahl lokaler Kräfte an der Offensive der syrischen Armee zur Einnahme von Palmyra mitzuwirken als beim letzten Mal, was die Perspektiven, die Stadt anschließend auch duerhaft zu halten, verbessern dürfte, und auch der Keil durch das noch von ISIS-Terroristen beherrschte Gebiet nordwestlich und südwestlich von Palmyra scheint etwa breiter angelegt zu sein.

Nichtsdestotrotz steht in der Gegend neben der Einnahme von Palmyra auch noch eine Menge Arbeit beim Vertreiben von ISIS aus den weiten Gebiete nördlich und südlich von Palmyra an, was vor allem deshalb schwierig ist, weil da nennenswerte Teile der lokalen Wüstenbevölkerung nach wie vor mit der Terrorgruppe ISIS sympathisieren.

Aus dem Nordosten der Provinz Aleppo wurde nach der Einnahme von über einem Dutzend Dörfern am Samstag am Sonntag Morgen zunächst berichtet, dass die syrische Armee die Ortschaft Tadef direkt südlich der von türkischen Proxies und der türkischen Armee besetzten Großstadt Al Bab – von aufgrund ihrer ausweglosen Lage weitgehend geflüchteten ISIS-Terroristen – eingenommen hat. Bei oder nach der Einnahme von Tadef soll es zu einigen Reibereien mit türkischen Proxy-Kräften oder auch der türkischen Armee gekommen sein, wobei Berichte über mehr als 20 Tote in den Reihen der syrischen Armee angeblich jedoch stark übertrieben sein sollen.

Später am Sonntag hat die syrische Armee dann rund 20 Kilometer östlich von Tadef die beiden Dörfer Nabatah Kabira und Nabatah Saghira eingenommen. Hierdurch hat die syrische Armee den ISIS-Korridor, der sie noch vom von den US-gestützten YPG/SDF-Kräften beherrschten Kurdengebiet in Nordostsyrien trennt, in der Breite auf rund sechs bis acht Kilometer verringert.

Dass die von der Türkei unterstützten Kräfte durch den schon sehr schmalen ISIS-Korridor tiefer nach Syrien eindringen werden, darf damit als militärisch unmöglich gelten, und sollten sie durch von der syrischen Armee oder den YPG-Kräften beherrschtes Gebiet tiefer nach Syrien vorstoßen wollen, würde die Türkei es mit Russland und den USA zu tun bekommen, was eine weitere Expansion der türkischen Proxy-Kräfte in der Gegend praktisch unmöglich macht. Wenn die syrische Armee den noch verbliebenen ISIS-Korridor ganz schließt, ist es damit das erste Mal seit Jahren möglich, dass Reisende innerhalb von Syrien von Damaskus nach Nordostsyrien fahren können, ohne dabei von Jihadi-Terroristen oder anderen türkischen Proxy-Kräften beherrschtes Gebiet passieren zu müssen. und natürlich könnte die Straßenverbindung dann auch für den Transport militärischer Güter, etwa von Damaskus nach Qamishli im Fall der syrischen Armee oder von Kobane nach Afrin im Fall der YPG, genutzt werden, wenn sich die syrische Regierung und die YPG darauf einigen können.

Im Südwesten der Metropole Aleppo ist es der syrischen Armee am Späten Sonntag Aband unterdessen gelungen, in den von Al-Kaida-Terroristen beherrschten Vorstadtbezirk Rashideen 5 vorzustoßen.

The Inside Source meldete dazu am späten Sonntag Abend, dass die syrische Armee in den Bezirk eindringen konnte, aber anderslautenden Gerüchten zum Trotz die Kontrolle über den Bezirk noch nicht hergestellt werden konnte und schwere Kämpfe andauern. Wenn der Pulverdampf sich am Montag Morgen verzogen hat, wird man sicherlich genaueres dazu wissen, was bei dem Vorstoß herausgekommen ist.

Nachtrag Montag Morgen: Fars News Agency meldet, dass die syrische Armee sich aus Rashideen 5 wieder zurückgezogen hat.

Der UNO-Sondergesandte zu Syrien, Staffan de Mistura, hat unterdessen die vierte Runde der Genfer Syriengespräche für beendet erklärt. Das sich Regierung und Regierungsgegner dabei zeitweise in einem Raum aufgehalten haben, wird als Erfolg gewertet. In rund zwei Wochen soll es eine neue Runde der Genfer Gespräche für weitere kleine Fortschritte geben, und das soll dann wohl in besten Fall über Monate so weitergehen, bis nach vielen kleinen Fortschritten eine Lösung steht.

Die bereits mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnete Al-Kaida-Hilfstruppe „Weißhelme“ hat derweil von der jüdisch-zionistischen Hasbara-Fabrik „Hollywood“ einen Oscar-Preis verliehen bekommen, und das nicht in der Kategorie „beste Schauspieler“ – sondern ironischerweise wurden sie für ihre Propaganda als „beste Kurzdoku-Filmer“ ausgezeichnet. Interessant, wie weit Hollywood sich aus dem Fenster lehnt, um Israels Terrorkumpane von Al Kaida zu unterstützen. Das könnte für Hollywood, wenn die breite Öffentlichkeit das mitbekommt, kräftig nach hinten losgehen.

Nachtrag Montag Vormittag: @watanisy meldet, dass die syrische Armee Jub Al Hamam östlich von Aleppo eingenommen hat. Sollte das stimmen, so sieht es so aus, dass die syrische Armee am heutigen Morgen bereits die halbe Strecke durch den schmalen ISIS-Korridor zurückgelegt hat. Möglicherweise wird die seit beinahe fünf Jahren unterbrochene Landverbindung der von syrischen Armee beherrschten Gebiete in Westsyrien zu den mittlerweile kurdisch dominierten Gebieten Nordost-Syriens noch heute wiederhergestellt.

2. Nachtrag Montag Vormittag: @watanisy meldet, dass die syrische Armee nach Jub Al Hamam auch die nahegelegenen Dörfer Zuzurah und Jub Al-Sultan eingenommen hat. Zwischen Zuzurah und der rund drei Kilometer nördlich von Zuzurah liegenden kurdischen Frontlinie zum ISIS-Gebiet gibt es kein Dorf mehr. Praktisch könnte das also schon so gut wie der Durchbruch der Syrischen Armee zu den YPG/SDF-Gebieten im Osten der Provinz Aleppo sein.

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31 Gedanken zu “Syrische Armee rückt bei Palmyra und in der Provinz Aleppo weiter vor

  1. Die Säuberungen vom und der Untergang des IS schreiten voran.
    Eine „Marke“ siecht dahin, durch das bereits inflationär gebrauchte Umlablen wird sich der reale Kampf jedoch noch ordentlich elongieren. Und es wird dauern, bis in Syrien wieder die Ruhe einkehrt, um eines Tages wieder sagen zu können, Anschläge – sei es durch Selbstmordanschlägen oder präparierten Autos – gehören zu den Raritäten des täglichen Lebens.
    Wie ich bereits an anderer Stelle zu bedenken gegeben habe, wird im Schlußakt die „Kurdenfrage“ DIE Kardinalsfrage zur Art und Weise der Klärung des Schicksals des Landes sein.
    Dazu muss man nicht zwingend wild rumspekulieren sondern nur die Puzzle-Teilchen aneinander legen und sich das Puzzle anderer Mitspieler anschauen:
    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59548
    Barazani und seine Connection zur Türkei, mögen viele nun einwenden, gäbe dem Kurdenthema im Iraq eine Sondernote. Die Connection zwischen den Kurden Syriens und den USA, die inzwischen wohl dort eine Art Stützpunkt errichtet haben, könnte aber zur ähnlichen Reiseroute führen.

    1. kaumi

      Territoriale Integrität ist ein wichtiger Wert, um Stabilität zu gewährleisten.

      Aber daneben gibt es das Selbstbestimmungsrecht der Völker.

      Dass es einen kurdischen Staat auf dem Gebiet des Irak geben soll, finde ich nicht besonders „schlimm“;zumal die Grenzen doch weitgehend ohne klare historische Begründungen gezogen wurden, und das große Volk der Kurden bei einer „normalen“ Aufteilung des osmanischen Reiches sicher ein eigenes Staatsgebiet erhalten hätte.

      Die Frage ist eher, wie ist so eine Neugründung gestaltet, wer kann das entscheiden, wie werden die Interessen aller Seiten berücksichtigt, dass hinterher kein Chaos oder sonstige Katastrophen herauskommen (Südsudan ist bisher keine Erfolgsgeschichte, beispielsweise).

      E wird ja gerne erzählt, dass Größe so ein wichtiger Wert eines Staates/Gebildes sei; die Lebensverhältnisse in Norwegen, Schweiz oder Island im Vergleich zur EU bieten nun keine Belege für diese These.

      Notwendige wirtschaftliche Verbindungen, zum Beispiel über Pipelines, müssen nicht innerhalb eines Staates bestehen, und könnten trotzdem bestens funktionieren.
      Die starke militärische Unterstützung aus dem Libanon zeigt, dass man auch dafür nicht zwingend in einem Staat vereint sein muss.

      Also ich würde auch ein Unabhängigkeitsstreben der Kurden nicht für bedrohlich für Syrien halten; wobei es natürlich zu vermeiden gilt, dass sich „jeder Stamm“ am Ende selbstständig machen kann.

      Aber derzeit sieht es ja nur nach Autonomiewünschen aus, und es dürfte auch unrealistisch sein, ganz Syrien in einen hart geführten Zentralstaat zurückzuverwandeln.

      1. @andreas

        Also ich würde auch ein Unabhängigkeitsstreben der Kurden nicht für bedrohlich für Syrien halten; wobei es natürlich zu vermeiden gilt, dass sich „jeder Stamm“ am Ende selbstständig machen kann.

        Das sehe ich anders. Denn der „Drang“ nach dem eigenen Staat wurde sowohl den irakischen als auch den syrischen Kurden von außen eingeimpft. Die Kurden machen sich hier zum Werkzeug von US-Geopolitik. Barzani ist ein seit Jahrzehnten aufgebauter Vasall der CIA und eine Spaltung des Irak ist weder für den Irak noch für die Kurden gut. Vielen ist auch überhaupt nicht klar, wie heterogen die Kurden sind, dass sie eigentlich gar nicht in Staatswesen leben sondern in Stämmen und Clans. Und es gibt eben auch eine kurdische Elite, die wir hier ausreichend opportunistisch ist, um die ganz persönlichen Vorzüge der Protegierung durch den „Partner“ aus Übersee zu nutzen. Barzani-Clan ist also auch kein Schimpfwort. Er ist traditionell einer der mächtigsten kurdischen Clans und genau deshalb wurde er auserkoren, US-westliche Interessen zu vertreten:
        https://peds-ansichten.de/2016/10/tuerkische-gratwanderungen-4/

        Hier reifen Träume von einem Großkurdistan, dass sich wie ein Pfahl im Fleische der arabischen Staaten – und natürlich von den USA gesteuert – bewegt und die Stabilität der Region nachhaltig gefährdet. Die Geschichte von der legitimen Forderung nach einem kurdischen Staat ist die Möhre um den „Neuen Nahen Osten“ in neue Grenzen zu fassen. Und dieser Möhre wird – auch hier in Deutschland – gern hinterher gelatscht:
        https://peds-ansichten.de/2016/10/tuerkische-gratwanderungen-8#greater-middle-east

        Es muss doch jedem klar sein, dass wenn das US-Establishment Ethnien, Völker, Volksgruppen militärisch massiv unterstützt, dass es sich dabei nicht um Hilfe zur Befreiung der Völker von Fremherrschaft dreht. Was mit Kobane begann, war eine Show erster Güte:
        https://peds-ansichten.de/2016/12/tuerkische-gratwanderungen-9/

        Gerade in Syrien war man auf einem guten Weg, die Kurden gleichberechtigt in die Gesellschaft einzubinden, bis hin zu einem Autnomiestatus, aber in den Grenzen eines geeinten Syriens. Das hat die wohltätige US-Unterstützung wirksam verhindert. Ich kann nur hoffen, dass die US-Berater nicht zu viel Erfolg hatten beim Einfangen der kurdischen Führungskräfte und die Menschen dort erkennen, dass sie GEWINNEN, wenn sie den Weg eines geeinten Syriens mitgehen.

        Herzliche Grüße, ped43z

    2. @kaumi

      Für mich ist die „Kardinalsfrage“ zu Syrien die Frage nach dem Ende von Landnahme- und Apartheidpolitik des Nachbarn Israel.

      Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass der „Kurdenkonflikt“ da auch nur eine Ablenkung ist – immerhin trägt er zur Schwächung Syriens und der Region bei. Dass sich DIE Kurden, also in Syrien, Irak und Türkei nie einig werden konnten spricht eigentlich dafür.

      Doch dass Erdogan und Barzani zusammenarbeiten spricht grundsätzlich dafür, dass es im sog. richtigen Leben eigentlich um etwas ganz anderes geht als Religion oder das Volk, nämlich um Geld, Macht und Zugang zu Rohstoffen. Wer von den Global Big Playern der Öl- und Gasindustrie ist da eigentlich vor Ort, insbesondere aus den USA und Russland? Kann man da genaue Konzern-Zuordnungen treffen zu den politischen und kriegerischen Parteien? Gibt es denn keine andere Möglichkeit, sich den Kuchen aufzuteilen als dass dafür Menschen heimatlos werden und sterben? Ist Trumps Resolution 41 ein Zeichen in die Richtung, dass man sich in Zukunft die Dinge lieber verdeckt kaufen möchte?

      Wenn ich in Deinem Link von ethnischen Säuberungen lese, dann wird mir speiübel.

      1. @Andreas

        Grundsätzlich bin ich dafür, dass die Kurden, nach Jahrhunderten der Entbehrungen, eine sichere und authentische Heimat im wahrsten Sinne des Wortes erhalten. Aber: Sich spinnefeind gegenüberstehende Kurdengruppierungen sind keine weise Basis, auf der man die Erfüllung dieser Träume bauen kann. Soll es ein West- und ein Ostkurdistan geben, wo zukünftige bewaffnete Scharmützel oder mehr fast vorauszusehen sind? Und das in einem zerfaserten Nahen Osten? Das fehlt dieser Region gerade noch, ein weiterer Destabilisierungsfaktor.
        Nein, solange sich irakische und syrische Kurden nicht der eigenen Wurzeln besinnen und keine einheitliche Marschroute fahren, bedeuten Unabhängigkeiten Flickenteppiche, die die Stabilität dieser Region nur weiter unterminieren.

        @H. Meier

        Die Israelfrage hat keinen direkten Zusammenhang mit der Syrienfrage.
        Wenn es nach Israel ginge, gäbe es Syrien seit 2011 nicht mehr (Zitat Netanjahu: „Weder Assad noch der Iran dürfen als Sieger aus diesem Konflikt herausausgehen“). Nun, so wie es aussieht, wird ein maximal-ramponiertes Syrien den Kampf überleben… und seinen Anspruch auf den Golan und die Unterstützung der palästinensischen Frage niemals aufgeben.
        Sagen wir es so: Ein Auslöschen Syriens hätte Israel DEN Schub nach vorne gegeben, um seine zionistische Agenda fast vollständig einzulösen. Der erfolgte Sieg des syrischen Volkes gegen die zionistische Verschwörung bedeutet für Tel Aviv ein Rammbock, den man gern ein für alle mal aus dem Wege geräumt hätte…

      2. @kaumi

        Das mit der beabsichtigten Auslöschung Syriens durch Israel bezweifle ich. Und sehr interessant ist, dass Israel (verdeckt) die Kurden unterstützt. Das hat seinen Grund im Teile und Herrsche, welches nicht die totale Vernichtung des Gegners zum Inhalt hat, sondern seine permanente Schwächung. Ich zitiere mal aus einem eigenen Artikel:
        ———-
        Wie schon die türkische – so hängt auch die israelische Politik gegenüber Syrien von vielen Faktoren ab und ist dadurch komplex und teilweise widersprüchlich. Das soll eine Episode aus dem Zentrum der Macht in Israel unterstreichen. Giora Eiland war im Jahre 2004 Chef des Nationalen Sicherheitsrates Israels und in dieser Funktion widerfuhr im Folgendes:

        Als ich vor sieben Jahren den nationalen Sicherheitsrat leitete, erschien ein sehr wichtiger Minister bei Premier Ariel Sharon und schlug vor, einen Sturz des Regimes Assads zu einem Ziel Israels zu machen, weil dieses Regime laut diesem Minister mit dem Iran kooperiert und Hisbollah unterstützt. Sharon schaute den Minister an und fragte: ‚Bist du verrückt?’“ „Wenn Assad fällt, sind zwei Varianten möglich“, erwiderte Sharon damals. „Entweder wird Syrien von islamistischen Gruppierungen erobert, und wir werden ein Land sehen, in dem der Einfluss von Al Qaida stark ist… Oder dort wird ein demokratisches Regime entstehen, das als erstes mit Israel Frieden haben wollen und uns zwingen wird, die Golanhöhen zurückzugeben. [sic!] Die beste Variante für uns wäre es, wenn Assad ein Präsident bleibt, der erbittert um sein politisches Überleben kämpft und an einem Mangel an internationaler Legitimität leidet – insbesondere in der Vorstellung der USA.

        Besser lässt sich das Verhalten Israels, was Syrien betrifft, auch für die Gegenwart kaum erklären. Es zeigt außerdem, dass schon vor einem Jahrzehnt durchaus klar war, welche Risiken für Israel mit einem Sturz der Assad-Regierung in Syrien verbunden waren. Den Politikern, auch den westlichen Politikern, war bekannt, dass die Gefahr der Etablierung eines islamistischen, al-Qaida gesteuerten Staates in Syrien durch eine Destabilisierung seiner Gesellschaft unübersehbar groß wurde.

        Syrien als ein Staat islamistischer Gotteskrieger wird von Israels Politikern, die mit genügend Realitätsnähe ausgestattet sind, nicht angestrebt. Syrien als einen schwachen und damit kontrollierbaren und abhängigen Staat kommt den eigenen israelischen Machtinteressen jedoch sehr wohl entgegen.

        In diesem Kontext erfährt auch die neuerdings verstärkte Unterstützung der Kurden ihren Sinn. Eine Stärkung der Kurden im Irak und Syrien schwächt – so glaubt man – alle von Israel wahr genommenen Konkurrenten im Kampf um die Führungsrolle im Nahen Osten. Die Etablierung eines Kurdenstaates geht auf Kosten Syriens und des Iraks, aber auch der Türkei. Das Konzept des Neuen Nahen Ostens ist ganz im Sinne auch Israels! Aber bei allem Teile und Herrsche, das die offizielle israelische Politik damit zweifellos umsetzt, setzt sie voraus, dass Syrien sekulär bleibt.
        ——
        Quelle: https://peds-ansichten.de/2017/01/israels-aktuelle-syrien-politik-versuch-einer-einordnung/

        Herzliche Grüße, ped43z

      3. ped43z

        Das Israel von heute ist nicht mehr das Israel von vor 20 Jahren. Damals hatte Israel kein gesteigertes Interesse daran, Hafez al Assad zu stürzen.

        Das ist heute ganz klar anders, und die Israelis machen in Wort und Tat keinen Hehl daraus, dass sie lieber Al Kaida als den von Iran unterstützten Präsidenten Bashar Al Assad an der Macht in Syrien sehen würden.

      4. @ocheinparteibuch

        Das Israel von heute ist nicht mehr das Israel von vor 20 Jahren. Damals hatte Israel kein gesteigertes Interesse daran, Hafez al Assad zu stürzen.

        Oben von mir Zitiertes ist aus dem Jahr 2004, nicht von 1997; ist vielleicht etwas verwirrend von mir formuliert worden. Und 2004 galt bereits die Agenda vom „Neuen Nahen Osten“ und „Greater Middle East“. 2006 hat das Condoleeza Rice in Israel(!) öffentlich gemacht. Und in diesem Sinne handelt Israel auch völlig schlüssig.
        Zu was Israel militärisch fähig ist, und dabei befähigt ohne jeden Skrupel vorzugehen, das hat es im letzten Libanon-Krieg gezeigt, tut es hier aber nicht. Im Falle Syriens praktiziert es eine Strategie ständiger Nadelstiche und verhindert so die „Bereinigung“ des syrischen Südwestens von den Terroristen. Es hält den Krieg am Laufen – und genau das ist das abgefahrene Konzept dieser Geostrategen.

        Beste Grüße, ped43z

      5. @ped43z

        Wie das PB unterscheide ich ganz klar eine israelische Syrienpolitik der `80er und `90er von der aktuellen Epoche der Syrienpolitik.
        Sowohl das, was Netanjahu und sein Kabinett in den letzten Jahren TATEN (zig Angriffe auf syrische SAA-Stellungen, Allianz mit dem größten lokalen Feind der Syrer, Korridore zur Behandlung der verwundeten Islamisten oder zur Ermöglichung der Fluchtwege, strategische Operationszentren um und in Syrien), als auch wie sie sich ÄUSSERTEN (siehe nochmal Netanjahus oben gesetztes Zitat oder die ganz offene Behauptung, Al Qaida sei besser als Assad) können nicht die Behauptung stützen, dass ihnen an einem Verbleib von Assad gelegen sei.

        Israel selbst hat große Probleme. Das neigt man schnell zu vergessen. Der größte Geldgeber ist absurd verschuldet, das kleine Israel hat keine eigenen Möglichkeiten, seinen extrem hohen „Verteidigungshaushalt“, im Inneren und nach außen, noch Jahrzehnte lang sicher und garantiert so weiter bereitzustellen. Unter diesen Voraussetzungen lebt es sich sicherer, wenn es überhaupt keine relevanten Gegner mehr in der Umgebung gibt. Nach all` den Ereignissen im Zuge der „zionistischen Revolution“ sind Tel Aviv nach dem Fall Tripolis und Bagdads keine Gegner mehr geblieben. Mit der Türkei richtet man gemeinsame Manöver aus, mit den Golfstaaten waren die Beziehungen nie besser, und Kairo hat seine arabische Agenda mit Sadat verkauft… nur diese vermaledeite Achse zwischen dem Südlibanon, Damaskus und Teheran übt nach wie vor einen enormen Druck auf die eigene Sicherheitspolitik aus. Und diese Achse, und so lese ich die israelische Syrienpolitik der aktuellen Stunde, muss gebrochen – nicht geschwächt – werden!

        Die neu-entdeckten Gasfelder vor den Küsten Syriens, Israels und Libanons kann man besser „kontrollieren und aufteilen“, wenn es keine Hizbullah und kein Assad-Regime gibt. Der Golan kann als Pfand Israels gesehen und einverleibt werden, als Sicherheitsgarantie an eine schwache, sich erstmal zu etablierende und höchstwahrscheinlich der Achse des Bösen verpflichtete neue Regierung.
        Und genau das, was jetzt passiert, ist genau das, was Israel vermeiden wollte: Die Stärkung der Achse durch den Sieg über die Zio-Agenda der „Freunde Syriens“.
        Im ganzen Trubel und Chaos wird Israel ganz genau wissen, dass sich die Hizbullah ordentlich an neuem, modernstem Kriegsgerät versorgen konnte. Israel wird genau einzuschätzen wissen, dass an ihrer nördlichen und östlichen Flanke Hundertausende von Kampferprobten Kriegern nur darauf warten, „angegriffen“ zu werden…

      6. @kaumi

        „Die Israelfrage hat keinen direkten Zusammenhang mit der Syrienfrage.“

        Na, da ist Dir wohl ein „k“ hineingerutscht, denn es müsste heißen „Die Israelfrage hat einen (!) direkten Zusammenhang mit der Syrienfrage.“ Der weitere Verlauf Deiner Ausführungen spricht eben auch dafür. Eine syrische Post-Assad-Regierung im westlichen (zionistischen) Sinne würden eben keine Gefahr für den Golan darstellen – und womöglich auch für weitere syrische Gebiete, die einst an Abraham verheißen waren, auch nicht.

        Und zu den Kurden: Ich selbst bin immer ein Freund davon, traditionellen Völker und Kulturen auch eine geographischen Rahmen zu geben. Das schafft weiter Orientierung und vermittelt Halt und Sicherheit. Gleichwohl sind DIE Kurden aber auch sehr zerstritten und die Gebiete zudem stark vermischt mit anderen Kulturen und Völkern. Von ethnischen Säuberungen oder großen Umsiedlungen halte ich nichts. Den Kurden mehr Rechte zu geben in den bisherigen Grenzen kann da eben auch ein Weg sein. Aber wie gesagt: Das ist der idealistische Ansatz. Die, die die Dinge (militärisch) in der Hand haben, denken nicht zuerst an Idealismus. Man denke nur an Merkels et al Gerede von offener Gesellschaft, Willkommenskultur und Humanität, denn da geht es im Hinblick auf Syrien in erster Linie darum, Syrien durch Migration auszubluten.

        Besten Gruß!

      7. @nocheinparteibuch

        Kleiner Nachtrag:
        Von eben Gesagten bin ich auch deshalb überzeugt, weil Rice ja von RAND kommt und dort wird ja an dem Projekt bis heute gearbeitet:
        http://www.rand.org/international/qatar/research.html

        In jenem Jahr (2004) wurde „Greater Middle East“ auf der Münchner Sicherheitskonferenz debattiert; wie bei RAND, wie bei NED (quasi als Proxy des US-Außenministeriums) und der Carnegie-Stiftung und auch beim American Enterprise Institut (dort wo PNAC hausierte). „Kreative Zerstörung“, „Schwarmtheorien“ – alles bei RAND entwickelt und in Syrien angewendet. Dort läuft viel Chaotisches sehr geplant.

        Wenn nun ein israelischer Politiker solch eine Information (also das von mir Zitierte) öffentlich macht, dann sehe ich das als ein bewusst lancierten Leak.
        Dahinter verbirgt sich orchestrierte Politik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Israel, so wild sie sich auch derzeit gebärden (aber eben vor allem mit Worten), das so einfach untergraben kann. Die Schaumschlägerei ist fürs Volk und Medien, um die Massen in Angst zu halten.

        Bis jetzt sind diese Strategen mit einer entscheidenden Schwächung Syriens und seiner Nachbarn (einschl. der Türkei) und der Neuziehung von Grenzen voll im Plan!
        Wir lassen uns von dieser Propaganda viel zu sehr jagen.
        Wohl gesagt: alles meine persönliche Ansicht!

        Beste Grüße, ped43z

      8. @pedz43

        „Das mit der beabsichtigten Auslöschung Syriens durch Israel bezweifle ich.“

        Naja, lies Dir durch, was Netanjahu in der WELT sagte:

        „Wir sind nicht wie Belgien, das eine Kolonie im Kongo errichtet. Wir sind wie Belgier in Belgien. Die Verbindung des jüdischen Volks zur Westbank reicht 4000 Jahre bis zum Stammvater Abraham zurück. Natürlich erkennen wir an, dass auch ein anderes Volk auf diesem Land lebt, auch wenn es Tausende Jahre später kam. Wir wollen sie nicht vertreiben.Aber sie wollen uns vertreiben, aus dem ganzen Land!“

        Wenn Netanjahu sich auf Abraham beruft, dann gilt der Anspruch nicht nur auf die Westbank. Dann sind wir auch beim syrischen Golan. Das läuft alles nach alttestamentlicher Vorlage. Nimm nur einmal den Umgang mit den Drusen auf dem Golan. Auch dafür fand sich eine alttestamentliche Vorlage. Und nach dem Golan kommt dann das biblische Baschan.

        Wohlgemerkt: Nicht alle Juden denken so. Viele werden immer säkularer und haben mit Religion nichts mehr am Hut. Insoweit hat sich die Legitimation für weitere Landnahmen kraft Religion auch überlebt.

      9. ped43z

        Ok, ich hab’s verstanden. Klar, Sharon war 2004 Regierungschef, aber nicht 1997. Das Zitat von Giora Eiland, dem ehemaligen Chef des nationalen Sicherheitsrates Israels, ist vom 26.10.2011 und er erzählt da eine Geschichte von 2004, mit der er seinem Publikum vermitteln will, dass Israel kein Interesse am Sturz von Assad hat, während er im selben Gespräch behauptet, dass Assads Sturz unausweichlich ist, und damit die Terroristen in Syrien ermutigt, den Sturz von Assad weiter zu betreiben.

        https://de.sputniknews.com/meinungen/20111026261142345/

        Praktisch gleichzeitig dazu hat Israel jedoch die Israel-Lobby mit aller Macht darauf angesetzt, die USA dazu zu bewegen, für einen Regime Change in Syrien zu sorgen.

        https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/01/08/kriegsplan-gegen-syrien-von-zionist-geschrieben/

        Ich schließe daraus, dass Giora Eiland in seiner Äußerung vom 26.10.2011 schlicht gelogen hat. Auch das Motiv für die Lüge von Giora Eiland ist klar: Israel wollte unbedingt vermeiden als treibende Kraft für den Sturz von Assad gesehen zu werden, weil das für die von Israel vorangetriebenen Regime-Change-Bemühungen schädlich gewesen wäre.

        Und genau das hat Michael Oren dann ja auch 2014 zugegeben, als klar wurde, dass die Chancen für einen US-geführten Regime Change in Syrien besser würden, wenn Israel dazu seine Unterstützung bekundet:

        http://www.jpost.com/Syria-Crisis/Oren-Jerusalem-has-wanted-Assad-ousted-since-the-outbreak-of-the-Syrian-civil-war-326328

        Und auch die Behauptung von Giora Eiland, dass ein namenloser Minister von Sharon 2004 eine Abfuhr bezüglich des Verlangens nach dem Sturz von Assad bekommen hätte, dürfte eine glatte Lüge sein. Israel war damals nämlich auch sehr heftig dabei, Regime Change in Syrien voranzutreiben, unter anderem mit dem Flase-Flag-Attentat auf Rafiq Hariri und seiner falschen Zuschreibung an Assad. Auch Wikileaks hat über die Zeit einiges veröffentlicht, was der Behauptung von Giora Eiland vom Oktober 2011 eindeutig widerspricht.

      10. @H. Meier

        Ich meine, dass Israel keine Aktien mehr besitzt, die Syrienfrage zu beeinflussen.
        It`s over, Chance verpasst…

  2. Der IS kann derzeit in Ostaleppo offensichtlich nicht mal mehr hinhaltenden Widerstand leisten.
    Viel Arbeit für die Kartenzeichner in den nächsten Tagen. 🙂

    Alles deutet für mich auf massive Resourcenprobleme des IS hin. Mal schauen ob diese Resourcenprobleme des IS bereits nachhaltig sind

  3. NDF‏@NatDefFor 13 Min.vor 13 Minuten

    #BREAKING
    Tiger Forces reached the #SDF line

    Das war dann doch keine Frage von Tagen, nur von Stunden.
    Es gibt Gerüchte, dass die Türkenproxys ein Dorf der jetzt (nur kurz) bestehenden Tasche besetzt haben.
    Da geht es um nichts, was irgendwie strategisch bedeutend wäre, natürlich um die Symbolik, wer hält sich an Abkommen oder auch nicht.

  4. Damit sollte auch der letzte Nachschubweg für ISIS für Waffen und Material zum Waffenbau gekappt sein. Damit nützt es auch nichts mehr, wenn ISIS Spendengelder in der Welt eintreibt. Sie können die Produkte nicht mehr in ihr „Staatsgebiet“ importieren.

  5. Jetzt könnte es extrem „lustig“ werden. Russ.Zeitungen melden, daß die Türken noch mehr Truppen nach Syrien verlagern. Heute ist 1 Transportzug in Gaziantep angekommen. Jetzt kommt die türk.Begründung – „Alles nur zur Befreiung von AL Bab“

    Wo werden sie jetzt ihr AlBab suchen ?
    Richtung Süden gibts Ärger, Richtung Osten gibts auch Ärger. Bin ja mal gespannt wo die Türken jetzt das „neue“ AL Bab finden. Laut Karte von @CivilWarMap haben sie die Autobahn überschritten.

    Die Friedenstaube McCain hat wohl bei seinem letzten Besuch Streichhölzer geliefert ?

  6. Also da kursieren Meldung, die nicht so richtig passen:
    Es dürfte sicher sein, das die türkischen Proxys deutlich über die Autobahn nach Süden gehen. Entweder Erdogan hat seine Proxys nicht im Griff oder er hat das Ziel Raqqa nicht aufgegeben
    Die SDF greift vom Stausee IS an. Ich dachte SDF wäre an der vereinbarten Position stehen geblieben. Natürlich kann es auch sein, das man die Arbeit für die SAA gegen IS macht, weil die türkischen Proxys SAA binden aber IS jetzt beschäftigt werden.
    Im Augenblick muss wohl der Pulverdampf sich legen, damit man sieht, was wirklich passiert

  7. Paralell zu McCains Zündelei in Syrien fordert nun der israelische Lieberman sehr öffentlich eine Allianz zwischen Israel und Saudi-Arabien und anderen Staaten in Nahost gegen den Iran.

    Hatte das heimliche Bündnis Israel-Saudi-Arabien gegen 15 Millionen Syrier keinen Erfolg, soll es nun als offizielle Allianz gegen 80 Millionen Iraner Erfolg haben?

    -Vielleicht kann das Parteibuch diese überwältigend grausame Logik des Liebermann erklären.

    1. Hans

      Der für Lieberman wichtige Punkt ist, dass die USA unter Trump sich voll und ganz auf die Seite der bislang heimlichen israelisch-saudischen Anti-Iran-Achse des Schreckens stellen – darum ging es ihm, als er die Achse in München offiziell vorgeschlagen hat. Die Logik von Lieberman ist, dass die USA die regionalen Kriege anführen und Saudi Arabien die lokalen Bodentruppen für die Kriege stellen soll, von denen Israel will, dass sie geführt werden, während Israel dabei lediglich von der Seitenlinie Beifall klatschen möchte, was die Kosten und Verluste auf israelischer Seite minimieren würde.

      Das Problem mit der Idee vom Lieberman ist, dass Trump und das US-Militär nicht begeistert von der Idee sind, noch mehr Vasallenkriege für Israel zu führen.

      1. @pb

        Das hatte schon was, als Liebermann in München von der „Koalition der Moderaten“ mit den Saudis sprach. Wenn die Saudis in Zukunft Israelis ohne Probleme einreisen lassen – und alle die mit Israel-Stempeln in ihren Pässen – dann mag ich daran glauben. Aber ich finde gut, dass die Verbindung Israel-Saudis überhaupt öffentlich thematisiert wurde. Womöglich ist das auch alles abgestimmt und ein Zeichen in Richtung Verständigung und dem unausweichlichen Kommen von Frieden im Nahen und Mittleren Osten. Dass Washington nicht mehr der „Vasall“ von Tel Aviv ist, dass wird man in Israel schon längst mitbekommen haben. Und mit den Saudis wird man wohl auch nicht wirklich gegen den Iran ziehen wollen, wenn man sich dann mit den Russen und Amerikanern anlegt. Es sind schon wirklich tolle Zeiten großer Veränderung, in denen wir aktuell leben. Und ich denke, dass viele in der Bevölkerung schon viel weiter sind als die Entscheider in ihren Blasen.

      2. Meier

        Interessant fand ich, dass Avigdor Liberman von genau der im Geheimen schon länger existierenden israelisch-saudischen Koalition sprach, die wir hier im Parteibuch seit geraumer Zeit als „zionistisch-wahhabitische Achse des Terrors“ bezeichnen, nur dass Liberman dieses Bündnis zwischen zionistischem Apartheidregime und saudischer Kopf-Ab-Monarchie als „Koalition der Moderaten“ bezeichnete.

        Was man zum Verständnis wissen muss: während die saudischen Herrschaften nicht nur bei elitären Saufgelagen in Washington und London die dicksten Kumpel der US-Ziocons sind, wird die saudische Bevölkerung mit dem Wahhabismus puritanisch und anti-israelisch indoktriniert. Das stellt das saudische Regime vor die Herausforderung, die Bevölkerung ständig über die tatsächlichen außenpolitischen Positionen Saudi Arabiens belügen zu müssen, um keinen Aufstand a la Osama Bin Laden in Saudi Arabien zu beflügeln. Das ist auch der Grund, warum die Saudis ihren hart erkämpften UNO-Sicherheitsratssitz nicht angetreten hatten – da wäre die saudische Doppelzüngigkeit bei Abstimmungen nämlich nicht aufrecht zu erhalten gewesen.

  8. Wir kennen ja die Absprache nicht, die naheliegende Vermutung war Autobahn; aber östlich von Al Bab standen die Türkenproxys schon länger südlich der Autobahn.
    Vielleicht gibt es auch eine Entfernung von der Grenze als vereinbarte Linie, solche Äußerungen gab es auch mal zu lesen.

    Dass Erdogan seine Proxys nicht völlig im Griff hat, dürfte klar sein.

    Ebenso, dass Erdogan gerade bei nicht ganz exakten Vereinbarungen gerne mal testen lässt, wie die andere Seite so reagiert.

    Mal sehen, wie der Test ausgehen wird.

    Mit den SDF gibt es wahrscheinlich gar keine definierte Demarkationslinie, die rennen jetzt einfach ins vom IS verlassene Gebiet.

    Strategisch egal, aber natürlich Verhandlungsmasse für spätere Föderalisierungsverhandlungen.

    Prinzipiell könnte abgesprochen sein: südwestlich des Euphrats rückt die SAA + Allies vor, noröstlich steht ja schon weitgehend die SDF in Flussnähe.
    Dabei wären ein paar Dörfer in Ostaleppo nicht relevant.

    1. ging @ Lutz.

      Ebenfalls bei Sidorenko gibt es Fotos vom 5. Korp, beteiligt am Vormarsch auf Palmyra.

      1. Jedenfalls ist die Situation etwas Chaotisch. SDF holt Gebiete von IS während man Gebiete an die Türken verliert. Es soll wohl auch Kämpfe zwischen SAA und Türken geben. Dann sollen sogar Amerikaner in der Region sein. die Frage steht: bekommt SDF direkte Unterstützung. In Frage kämen da ja Hizbolla eine der wenigen Prosy-Organisationen die auch Panzer haben.
        Also wer wie viel Territorium holt, spielt wohl militärisch unbedeutend sein. In den nächsten Tagen dürfte interessant sein, wer mit wem wirklich kann und welche Absprachen es gibt.

  9. ped43z

    >>>>
    Das sehe ich anders. Denn der „Drang“ nach dem eigenen Staat wurde sowohl den irakischen als auch den syrischen Kurden von außen eingeimpft. Die Kurden machen sich hier zum Werkzeug von US-Geopolitik.
    >>>>

    Wie viele Völker mit 25 bis 30 Millionen Angehörigen gibt es denn auf der Welt, ohne Bestrebungen zu nationaler Unabhängigkeit?

    Hast du denn Belege, wieso die Kurden da eine Ausnahme sind, und solche Bestrebungen ausschließlich von außen stammen?

    Natürlich arrangiert man sich in den Staaten, in denen man lebt, und sucht nach Lösungen für ein auskömmliches Leben.

    Und natürlich haben Machtpolitiker schon immer Völker gegeneinander aufgehetzt, wenn es ihren Interessen nützt.

    Aber deine Aussage, dass die Kurden insgesamt eigentlich lieber von anderen beherrscht werden wollen, kann dies nicht begründen.

    Realistisch: ein eigener Staat birgt auch erhebliche Risiken, möglicherweise lebt es sich in Verbund besser.

    Aber so wie die irakischen Kurden sich nicht wieder von Bagdad aus zentral regieren lassen werden wollen, ist das derzeit für Syrien eine realistische Entwicklung.

    Also wird man verhandeln, und günstigenfalls einigen, statt eine neue Front zu eröffnen.

  10. @andreas

    Aber deine Aussage, dass die Kurden insgesamt eigentlich lieber von anderen beherrscht werden wollen, kann dies nicht begründen.

    Dann müsste ich diese Aussage aber auch irgend wo gemacht haben. Das finde ich nicht besonders nett von Ihnen!

    Haben Sie denn den Artikel gelesen (Teil 4 der „Türkischen Gratwanderungen“)? Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Kurden sich traditionell als Staatsvolk begreifen und das können Sie dort nachlesen, einschließlich ausreichend vorhandener Quellen zur Prüfung. Damit ist doch nicht gesagt, dass die Kurden nicht freiheitsliebend wären; welcher Mensch ist denn das nicht!?

    Es gibt eben nicht DIE Kurden. Und der Barzani-Clan im Nordirak steht auch nicht für DIE Kurden und vertritt auch nicht die Interessen der Kurden, sondern er macht das, was in allen machtbasierten Strukturen passiert. Weil Menschen in Barzani’s Postion extrem leicht korrumpierbar sind. Die Kurden lassen sich übrigens auch für die Destabilisierung des nordwestlichen Iran missbrauchen. Dafür habe ich sogar Informationen von Iranern selbst, die den Kurden ansonsten wohl gesonnen gegenüber stehen. Was meinen Sie, wer das befeuert?

    Was also hatte Barzani plötzlich mit den nordsyrischen Kurden zu tun? Was denken Sie, wer das lanciert hat?

    Im Nordirak stehen die Ölfirmen Schlange und die Öleinnahmen werden dem eh gebeutelten irakischen Staatshaushalt entzogen. Der Irak ist ein souveräner Staat und diese Souveränität wird durch die Amerikaner seit Jahrzehnten untergraben und die Kurden werden für diese Zwecke missbraucht. Ich halte es für äußerst bedenklich, nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“, das jetzt im Falle der Kurden gut zu finden.

    Die Souveränitätsbestrebungen der Kurden in Nordsyrien sind ebenso eindeutig von außen befeuert wurden. Die Kurden dort forderten gleiche Rechte; ev. eine Autonomie; von Forderungen für einen eigenen Staat war vor 2012 keine Rede. Ja selbst der Krieg machte bis 2012 einen Bogen um die kurdischen Gebiete im nordöstlichen Syrien. Bis zum einen Frühherbst 2011 gab es nicht einen einzigen toten Protestler in diesen Gebieten, obwohl in jener Zeit (in Summe) auch Millionen Menschen für ihre Rechte demonstrierten.

    Dann kam Barzani, US-Berater und die Show gipfelte in Kobane. Und Kobane war für Sie und mich inszeniert, damit wir diese Sauerei an Syrien in kleinen Happen konsumieren. Kobane war das (symbolische) Einfallstor z.B. für deutsche Tornados, es war der entscheidende Faktor die Souveränität des Staates Syrien massiv zu gefährden. Denn die Spin-Doctors konnten jetzt im Zweifelfall immer mit den bedrängten Kurden argumentieren und die Situation wurde für den unaufgeklärten Medienkonsumenten immer verworrener.

    Es geht hier ganz klar um Geopolitik, es geht um Teile und Herrsche und aus diesem Spiel, so sie sich entscheiden weiter daran teil zu nehmen, werden nicht die Kurden als Sieger hervor gehen. Sie werden in einen ewigen Konflikt geraten und dieser Konflikt wird immer wieder angefacht werden. Es wird keinen Frieden geben, denn wäre es so, wäre das Spiel der Amerikaner im Nahen Osten aus. Teile und Herrsche eben – und in diesem Falle sogar (leider) ein Meisterstück; dass ich spätestens seit 2012 kommen sah.

    Es gibt Karten von Großkurdistan in Erbil (kurdisches Verwaltungszentrum) im Nordirak zu kaufen. Dieses Gebilde ist so groß wie die heutige Türkei und glauben Sie mir, die Idee eines Großkurdistan ist nicht auf kurdischem Mist gewachsen. Das ist gezielt injizierte Propaganda und Missbrauch der Menschen dort. Nehmen Sie sich einfach mal 12 Stunden Zeit und lesen die komplette Reihe der „Türkischen Gratwanderungen“. Ich denke, dass könnte für Sie wirklich interessant sein.

    Herzliche Grüße, ped43z

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