Trump hat Dogma der Zweistaatenlösung für Nahost beerdigt

Rechtzeitig vor dem ersten Besuch des israelischen Regierungschefs Netanjahu beim neuen US-Präsidenten Trump hat der liberalzionistische Trump-Gegner Thomas L. Friedman einen offenen Brief, der sich als regelrecht verzweifelter Appell beschreiben lässt, an Trump in der New York Times veröffentlicht.

Um das Treffen zwischen Trump und Netanjahu besser im Kontext verstehen zu können, haben wir nachfolgend einige Schlüsselstellen daraus übersetzt:

Präsident Trump, werden Sie die Juden retten?

Lieber Präsident Trump:

Dies sind die Momente, die eine Präsidentschaft machen oder zerbrechen.

… am Mittwoch werden Sie von einem Freund – Israel – und seinem Premierminister Bibi Netanyahu geprüft werden. Können Sie die korrosiven Auswirkungen auf die Demokratie Israels von dem, was es jetzt im Westjordangebiet tut, abschätzen? Ich frage, weil Sie der letzte Mann sein könnten, der zwischen Israel und eine kompletten, selbstverursachten Katastrophe für den jüdischen Staat und das jüdische Volk stehen könnte.

… die Hälfte Israels glaubt, dass die Erweiterung der jüdischen Siedlungen in palästinensisch besiedelten Zonen des Westjordangebietes die Trennung von Israelis und Palästinensern in einer Zwei-Staaten-Lösung schließlich unmöglich machen wird und dadurch Israels Charakter als jüdischen und demokratischen Staat bedroht.

… Israel kommt jeden Tag der Situation näher, jede Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung auszulöschen. Erst letzte Woche drückte Netanyahus Regierung ein schändliches neues Gesetz durch die Knesset, in dem bestimmt wurde, dass wilde jüdische Siedler, die illegal Wohnwagen auf privatem palästinensischem Land im Westjordangebiet aufgestellt und dort ihre eigene Siedlung errichtet hatten, ihre Siedlungen legalisiert bekommen …

… Israels Präsident Reuven Rivlin nahm kein Blatt vor den Mund. Es wurde berichtet, er habe bei einem privaten Treffen gewarnt, dass Israel nicht einfach „seine Gesetze auf Gebiete anwenden und durchsetzen kann, die nicht unter seiner Souveränität stehen. Wenn es so ist, ist es eine legale Kakophonie. Es wird dazu führen, dass Israel als Apartheidstaat gesehen wird…“ Als Apartheidstaat gesehen wird!

Und das ist es, warum die Jüdische Geschichte ihre Augen auf Sie gerichtet hat, Herr Trump.

Solange die Zwei-Staaten-Lösung auf dem Tisch lag, war die Debatte unter Juden über Israel „rechts gegen links“ und „mehr Sicherheit versus weniger Sicherheit“. … Diese Debatte konnte es und tat es in jeder Synagoge, jüdischen Institution und jedem jüdischen Country Club geben, ohne sie auseinander zu reißen.

Aber falls Netanjahus schwache Führung und das Überziehen der Siedler in seiner Partei die Zwei-Staaten-Lösung beenden, wird sich die Debatte innerhalb der jüdischen Gemeinde von „links gegen rechts“ zu „rrichtig gegen falsch“ bewegen. Diese Debatte wird sich nicht darum drehen, welches die besten Grenzen für die Verteidigung des Staates Israel sind, sagte der Philosoph der Hebräischen Universität Moshe Halbertal, „sondern ob der Staat es moralisch wert ist, verteidigt zu werden.“

… diese Landnahme von Siedlern tief in palästinensischen Gebieten zu legalisieren, ist … ein Akt moralischer Schändlichkeit, der … die moralischen Grundlagen des Staates untergraben wird. Da geht es um richtig versus falsch.

… Diese Debatte wird praktisch jede Synagoge, jüdische Organisation und jüdische Gruppe auf jedem Campus in Amerika und auf der ganzen Welt zerreißen. Israel wird das Weltjudentum spalten.

Es gibt nur eine Person, die jetzt diese Katastrophe stoppen kann – Sie. Bibi & Co. haben die Republikaner benutzt, um Obama auszumanövrieren. Aber wenn Sie, zusammen mit Ihrer Partei, klar machen, dass es absolut keine jüdischen Siedlungen jenseits der Blöcke geben darf, die bereits für eine Zwei-Staaten-Lösung vorbestimmt sind, könnten Sie sehr viel bewegen. Dies geschieht unter ihren Augen.

Präsident Trump, Sie mögen sich nicht für jüdische Geschichte interessieren, aber die jüdische Geschichte interessiert sich nun für Sie.

Von Kleinigkeiten abgesehen wie dass Präsident der USA und nicht Israels ist und dass die von der Israel-Lobby gesponsorten Republikaner im US-Senat wohl kaum auf Trump hören würden, wenn er sie um Unterstützung eines Siedlungsbauverbotes bitten würde, hat Tom Friedman in seinem Artikel vor Allem vergessen zu sagen, warum es eine Katastrophe für die Welt sein soll, wenn Israels illegaler Siedlungsbau tatsächlich zu den von ihm befürchteten Folgen führt. Bei einer „Spaltung des Weltjudentums“ quer durch alle Synagogen, Institutionen und Organisationen dürfte es mit der Macht der Israel-Lobby im Großen und Ganzen vorbei sein, was wiederum zur Folge hätte, dass die zionistische Mafia die Fähigkeit einbüßen würde, westliche Regierungen zur Unterstützung des menschenverachtenden zionistischen Apartheidsregimes zu zwingen und serienweise in massenmörderische Angriffskriege zum Umgestalten des nahen Ostens nach israelischen Vorstellungen zu treiben. Wenn Israel keine Zweistaatenlösung will, dann kann man sich alsbald daran machen, dafür zu sorgen, dass anstelle des real existierenden Apartheidsgebildes im ganzen Land zwischen Mittelmeer und Jordan alsbald ein demokratischer Staat entsteht, in dem alle Einwohner die gleichen Rechte haben. Das klingt doch eigentlich – von radikalen Feinden der Demokratie abgesehen – für jederman nach einer unterstützenswerten und vielversprechenden Perspektive.

Als nun Netanjahu gestern bei Trump war, haben Trump und Netanjahu vorab eine Pressekonferenz gegeben, und da hat Trump gesagt, er betrachtete sowohl die Zweistaatenlösung als auch die Einstaatenlösung und er sei zufrieden mit was auch immer beide Parteien mögen.

In seiner Ansprache vor der Frage hatte Trump Netanjahu in sehr mildem Ton, und beinahe so etwas wie Augenzwinkern signalisierend, darum gebeten, beim weiteren Siedlungsbau ein „kleines bisschen“ Zurückhaltung an den Tag zu legen, was – insbesondere wenn man bedenkt, dass Trumps designierter Botschafter in Israel als großer Unterstützer des illegalen Siedlungsbaus bekannt ist – kaum anders als grünes Licht für Alles, was Israel diesbezüglich vorhaben sollte, interpretiert werden konnte. Netanjahu seinerseits hat in der Pressekonferenz erklärt, dass der von Israel Judea genannte Teil des Westjordanlandes deshalb Judea heiße, weil es das Land der Juden sei, und dass die israelische Armee für immer die Kontrolle über das ganze Westjordanland behalten werde, weil anders israelische Sicherheitsbedürfnisse nicht befriedigt werden könnten. Netanjahu hat damit implizit erklärt, dass Israel einem selbstständigen Palästinenserstaat im Westjordanland niemals zustimmen wird und die Besatzung des Westjordanland ewig sein soll. Mit anderen Worten, Netanjahu hat die permanente Fortdauer des bestehenden Apartheid- und Besatzungssystems angekündigt.

Interessant ist, dass Trump in seiner Ansprache bei der Pressekonferenz trotzdem erklärt hat, er wolle einen großen Deal zwischen Israel und den Palästinensern zur Lösung des Nahost-Konfliktes vermitteln, nur der müsste eben so sein, dass beide Seiten ihn wollen. Und dann hat er rüberblickt zu Netanjahu, dazu erklärt, Netanjahu sehe gerade nicht so aus, als sei ihm ein solcher Deal ein besonders dringliches Anliegen und Netanjahu dann etwas scherzhaft ein Kompliment für diese „clevere“ Verhandlungstaktik gemacht, worauf Netanjahu scherzhaft mit „Das ist ‚Die Kunst des Deals'“ antwortete, was der Titel eines Buches von Trump ist.

Doch es ist Alles andere als ausgeschlossen, dass Trump bei fortgesetztem Siedlungsbau für Israel insgeheim die gleiche Zukunft wie Friedman voraussieht, und er damit rechnet, dass das israelische Interesse an einem von Trump vermittelten Deal mit den Palästinensern deutlich steigen wird, wenn den Israelis klar wird, dass die offizielle Errichtung eines permanenten Apartheidstaates sich sehr negativ auf die internationale Unterstützung für Israel auswirkt, die Macht der zionistischen Lobby dadurch zerbröselt und ein offizieller Apartheidstaat keine Chance auf eine Legitimierung in der UNO hat.

In dem Zusammenhang ist weiterhin interessant, dass Trumps CIA-Chef Pompeo kurz vor dem Besuch von Netanjahu bei Trump in Ramallah beim Chef der palästinensischen Autonomiebehörde Abbas zu Besuch war, und die palästinensische Seite nach der Trump-Netanjahu-Pressekonferenz von Israel schlicht gefordert hat, sich an die bestehenden, und durch UNO-Sicherheitsratsresolutionen Völkerrecht gewordenen, Vereinbarungen zur Zweistaatenlösung zu halten. Die palästinensische Seite hält sich also an das Völkerrecht, während die von Netanjahus Regierung nun beschleunigt und völlig offen vorangetriebene Siedlungspolitik dem Völkerrecht eklatant widerspricht. Aus dieser selbstgegrabenen Grube wieder herauszukommen, dürfte für Israel sehr schwer werden. Sollte es dann demnächst auch noch wie erwartet zu einem Bruch zwischen Trump und Netanjahu kommen, stünden die Israelis bei Verhandlungen zu einem israelisch-palästinensischen Deal, den Israel dann bräuchte, um aus der selbstgegrabenen Grube der Illegalität der großen widerrechtlich okkupierten Teile des von Israel beherrschten Gebietes herauszukommen, mit einer so schlechten Verhandlungsposition da, dass ihnen möglicherweise praktisch keine andere Wahl bliebe, als das israelische Apartheidregime durch einen demokratischen Staat zu ersetzen.

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29 Gedanken zu “Trump hat Dogma der Zweistaatenlösung für Nahost beerdigt

  1. Ich persönlich war immer für eine ein Staatenlösung! Das setzt das zionistische Regime hoffentlich unter Druck und demaskiert sie als das was sie sind, nämlich ein rassistisches, unterdrückendes, antisemitisches Apartheidssystem!

  2. Diese ZioFaschisten, werden ihre Anmaßung, von Eretz Israel, von den Pyramiden Ägyptens, bis zu der Stufenpyramiden Mesopotamiens und die Errichtung, des 3 Tempels, N I E aufgeben, für den Fall, das die Menschheit, sie daran hindern will, haben sie ihre Samson Option und mit den nicht Ort-baren, deutschen Brennstoffzellen UBooten, mit ihrer atomaren Raketen, haben sie die ganze Weltbevölkerung, an den Eiern. Diese UBoote, lauern garantiert, von der Küste, der USA, der Küste von Russland und der Küste von Europa.
    Anders ist nicht Erklärbar, das Israel, jedes Verbrechen begehen DARF.

  3. Wie kommt das Parteibuch nur auf so eine Einschätzung? Ich glaube eher, dass Trump sich voll und ganz auf die zionistischen rechten Seite gestellt hat ( seinem jüdischen Schwigersohn sei Dank ) und nun ein Krieg gegen den Iran, den Netanjahu schon lange möchte, unausweichlich wird: Mit Hilfe von Saudis, Katar und VAE mit Israel und Amerika ein Militärbündnis aus dem Hut gezaubert wird, und dann gehts los. Ich glaube Trump ist das trojanische Pferd der Rockefellers und Rothschilds. Ich hoffe für den Iran, dass der Iran bis dahin in einem Militärbündnis mit Russland und China steckt. Dann haben wir den Weltkrieg, den niemand ausser Amerika braucht um wirtschaftlich zu überleben. Ich hoffe, ich irre mich!

    1. @Spartakus

      „…..Mit Hilfe von Saudis, Katar und VAE mit Israel und Amerika ein Militärbündnis aus dem Hut gezaubert wird, und dann gehts los …..“

      auch meine Meinung
      ( ausser den Amis – DIE sind NICHT mit im Bündnis )

      Es wird einfach „Druck“ ausgeübt um endlich in die Spur zu kommen und loszuschlagen. Aber diesmal wollen sich die Amis raushalten. Nur die HighTech Waffen liefern für $$$ ( make America great again )

      1. @sgr

        Die Amis können sich da gar nicht raushalten, selbst wenn sie wollten sollte es wirklich zu einem Krieg gegen den Iran kommen.

        Die von dir genannten Länder sind militärisch viel zu schwach um gegen den Iran etwas auszurichten.
        Die von dir genannten Länder führen einen Krieg(mit amerikanischer Unterstützung übrigens) gegen den ärmsten arabischen Staat Yemen und können nicht mal den besiegen.

      2. @kaeptngarfield

        Die Länder werden auch keinen direkten Krieg führen. Die haben dafür Söldnertruppen. Momentan kennen wir sie unter den Namen IS bzw Nusra.

        Diese Söldnertruppen werden immer stärker im Norden vom Iran _ Afghanistan _ im Osten vom Iran _ Pakistan _

        Momentan probieren die „Freunde Irans“ Pakistan wieder auf die Spur zu bekommen, also durch Destabilisierung. siehe all die Anschläge in Pakistan in der letzten Zeit und die neuen Probleme mit Indien ( da ist die Infolage sehr dünn – aber da kocht es glaube auch richtig )

      3. Ich habe dir glaube deine Bemerkung nicht richtig beantwortet

        „Die von dir genannten Länder führen einen Krieg(mit amerikanischer Unterstützung übrigens) gegen den ärmsten arabischen Staat Yemen und können nicht mal den besiegen.“

        Es reicht doch Aussagen von kriedsführenden Parteien aus dem Hinterkopf zu holen

        Poroschenko:
        „Unsere Kinder werden in Schulen und Kindergärten gehen, während ihre sich in Kellern verkriechen!“ “

        Das sieht er und seine Fraktion als erstes Ziel
        ( es gibt mehr Ziele aber anderes Thema )

        ! Genau das sehen wir auch im Jemen !
        ( ?? bald im Iran ?? )

        Das neue Sicherheitsmodel der Herrschenden ist, bist du für uns dann gehen deine Kinder in die Schule und können unbeschwert spielen und wenn nicht dann Keller. Das gild auch für Erwachsene und Rentner. Es geht um Sicherheit und Terror, Lob und Strafe

        PS.
        Kinder in polit.Aussagen einbeziehen, halte ich für die schlimmste Form der Propaganda

      4. @sgr Bezüglich Iran liegst du falsch…

        Vermutlich auch aus historischen Geünden gelingt es dem Imperium nicht genügend Terroristen im Iran zu organisieren um den Iran zu destabilisieren…

      5. @kaeptngarfield

        „Vermutlich auch aus historischen Geünden gelingt es dem Imperium nicht genügend Terroristen im Iran zu organisieren um den Iran zu destabilisieren…“

        aber hier hätte ich mal eine Fraktion , zufällig bomben die schon im Iran
        https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/03/05/kurden-angriff-die-destabilisierung-des-iran-hat-begonnen/

        ( einfach eine weitere Quelle – denke falsche Fraktion )
        http://warisboring.com/after-20-years-iran-and-this-kurdish-rebel-group-are-fighting-once-again-449c2ff1cf#.4v91lm4sv

        Ich bin kein Iran Kenner, hier gibt es 100% bessere Leute. Aber 1 ist klar Iran ist multiethnisch ( zB 1/3 ist türk Stämisch – damit Turkophil )

        ————————————————————————————-
        Das ist doch auch eins der grossen Probleme in Syrien.

        Viele sagen die Iraner laufen wegg wenn sie angegriffen werden. Richtig/Möglich – Aber – die vergessen ethnische Zugehörigkeiten. Diese werden 100% ausgeblendet.

        zB. Palmyra
        Syr.Araber tun sich schwer wenn sie von anderen Arabern angegriffen werden. Denke logisch. Aber sind möglicherweise Opferbereit wenn sie von Turkmenen angegriffen werden. zgvaca hat mal diesese Fakten angesprochen. Da ging es um Deir ez-Zor

        Tigerforces sind zB Alawiten
        Diese können nicht Dörfer und Städte andere syr.Volksgruppen platt machen, denn dadurch entsteht 100% Hass auf die Alawiten.

        Also nehmen sie 1 bis 2 Dörfer pro Tag um nicht die falschen zu bestrafen und neuen Hass zu schühren

  4. Die Einschätzung teile ich, liebes pb.

    Wunderbar, dass in der NYT der Begriff Apartheid fiel. Das wirkt.

    Nun muss das auch erst einmal sacken. Für viele ist die offene Situation hammerhart. Wenn die Ein-Staaten-Lösung ohne Apartheid kommt, dann ist das aber nicht nur für die orthodoxen Juden hammerhart, sondern auch für die, die jenseits der religiösen Dimension, an der Marke Israel, vor allem seiner Sicherheit, sich dumm und dämlich verdient haben. Was werden die alle machen in Zukunft?

    P.S. Ich habe gerade Maybrit Illner gesehen. Köstlich, wie sich alle winden. Der Knaller ist immer wieder, wie Trumps Satz, dass die Nato obsolet sei, in alle Richtungen interpretiert wird – nur nicht so, wie er es gemeint hat. Das Thema Terror wird gemieden wie die Pest. Dabei sagte er doch: “I took such heat when I said NATO was obsolete. It’s obsolete because it wasn’t taking care of terror.“ Das Thema Israel war übrigens gar kein Thema. Interessiert das nur noch eine kleine Minderheit? Oder ist das Meiden in die Richtung zu deuten, dass die deutschen Eliten das überhaupt nicht wollen, was sich jetzt abzeichnet?

    1. Meier

      Dass der Regierungschef des von ihnen heißgeliebten Staates „Israel“ den von ihnen als üble Gefahr dargestellten Trump demonstrativ unterstützt, ist den hiesigen Massenmedien vermutlich so unangenehm und peinlich, dass sie es vorziehen, einstweilen dazu – und zu Israel überhaupt – zu schweigen.

  5. Ich finde diese Zeiten einfach ungeheuer spannend. Wahrscheinlich befinden wir uns geopolitisch an einer historischen Zeitenwende.
    Im Grunde ist alles nur solange klar, bis es am nächsten Tag wieder revidiert wird.
    Vor 6 Jahren schien es klar, dass die Sauds, Erdogans, Camerons, Clintons, Sarkozys, Netanjahus und Merkels den Nahen Osten umpflügen würden. Später war klar, dass die Camerons, Sarkozys, Clintons selbst umgepflügt wurden. Die Erdogans machten eine 100%-Nato-Kehrtwende.
    Was selbst noch vor 2 Jahren für niemanden von uns auch nur im Ansatz zu erkennen war, hat sich vor Monaten nun im Weißen Haus physisch aufgebaut: „The Trump“.
    Was jetzt für uns alles klar zu sein scheint, wird analog zu der jüngsten Vorgeschichte vielleicht nicht mehr so sein.
    Zu viele Spots mit ungeahnten Entwicklungsmöglichkeiten prallen auf einen Globus, der selbst politisch um Verortung ringt. Was würde zwischen den Achsen bitte alles passieren, ereigneten sich, nur mal hypothetisch, folgende Szenarien:
    – Kim Jong-Un stirbt oder wird gestorben (einerlei, ob physisch oder politisch)?
    – Erdogan?
    – Trump?
    – Grexit, Spexit oder Itexit?
    – Explosion der Unruhen in Bahrain?

    Hört sich nach Hirngespinsten an, aber im Vergleich zu den bereits stattgefundenen oben erwähnten Ereignissen und der aktuellen Gemengelage in den genannten Regionen stellen diese Fragen wahrlich keine Unmöglichkeiten mehr dar!

    1. kaumi

      Ja, so ist das. Es gab in den letzten etwa zwei Jahren eine Reihe von Ereignissen, die zuvor als sehr unwahrscheinlich galten, und die heftige Nackenschläge für die bis dato herrschenden Globalisten waren, allen voran Brexit und Trump.

      Deiner Liste von hypothetischen Szenarien in der nahen Zukunft möchte ich noch einige denkbare Schwarze-Schwan-Ereignisse hinzufügen:

      – Marine Le Pen wird französische Präsidentin
      – Partnerschaft der USA mit Saleh und Houthis im Kampf gegen Al Kaida/Saudis
      – Unruhen und „Revolution“ in Saudi Arabien
      – Austritt Schottlands aus UK
      – Austrtt Kataloniens aus Spanien

    2. Grüße Kaumi. bei analitik gibt es eine (lesbare!)Übersetzung des unlesbaren Katers, der schon mal den grossen Sieg verkündet: „Jetzt haben die gestrigen Gewinner verloren. Genau deshalb hat Trump gewonnen, denn es konnte nicht anders sein. Selbst wenn er nicht gewonnen hätte, hätte er gewonnen, verstehen Sie mich? Trump hätte gewonnen, selbst wenn er verloren hätte.
      Von denen, die der Macht des Weißen Hauses nahe standen, verstehen nur wenige, was passiert ist, wann und wie. Sie sind hysterisch und denken wirklich, dass das alles nur ein schreckliches Missverständnis ist und dass es nur Trump ist… sie verstehen nicht, wie es dazu kommen konnte und sie glauben nicht, dass sie Trump nicht einfach aus dem Weg räumen können, sie haben bis zum 20. Januar geträumt. Es wird nichts, nicht im Februar, nicht im Mai, nicht am Ende seiner ersten Amtszeit, es wird nie etwas.“ http://analitik.de/2017/02/16/abtritt-von-der-grossen-buehne/
      Wahrlich spannende Zeiten!

      1. @ urkeramik
        Entweder ich bin etwas einfältig, oder… naja ich habe außer vielen Worten um den heißen Brei herum den Kern der Sache nicht entdecken können.
        Vielleicht kann ein Kundiger die Aussage auf einen Punkt bringen. Oder auch nicht, wenn es denn nicht so wichtig ist.

      2. @Kurt: „auf einen Punkt bringen..“ das … (hier die eigene Lieblingbezeichnung einsetzen.. NWO, Anglozionostisches Empire, Khazarenmafia… wie beliebt) hat fertig, kann nur noch mit viel Getöse Rückzugsgefechte führen. Die Globalisierung in ihrer bekannten Form ist zu Ende.

  6. An sich ist die Sache nicht neu:
    http://wipokuli.wordpress.com/2012/02/12/israel-und-die-zwei-staaten-losung/
    Von besonderer Ironie ist, dass ein Präsident, der „make America great again“ vor sich herträgt, ein Bild bietet, das verstärkt ein Eindruck liefert, Israel könne in Fragen des Nahen Ostens die USA jederzeit am Nasenring durch die Arena führen. Er wird bei einem erheblichen Teil seiner Anhängerschaft damit nicht wirklich punkten. Die derzeitige Position Trumps (ungeachtet seines Schwiegersohns) hat wohl wesentlich mit seinem Überlebenskampf und der Suche nach „Schutz“ zu tun:
    „Der gewählte US-Präsident Trump: kämpft der Mann schon jetzt ums Überleben?“: https://wipokuli.wordpress.com/2016/12/29/der-gewaehlte-us-praesident-trump-kaempft-der-mann-schon-jetzt-ums-ueberleben/
    Sehr schnell wird er feststellen, dass er damit seine Einkreisung „vervollkommnet“ hat!

    1. Sehr geerte/r bs, Südamerika, ist der Hinterhof der USA, also faktisch US Hoheitsgebiet, die dürfen da machen, was sie wollen. Wenn die Bevölkerung mal Freiheitsgelüste bekommt, dann wird ihnen mit aller Brutalität klar gemacht, wer HERR im Haus ist. Dafür werden die Vertreter des Volkes beseitigt, mit Krebs oder sonst wie.

      1. Es geht nicht darum wessen Einfllussphäre Südamerika ist, sondern ob Trump ein legitimer Nachfolger Obamas ist. Also erste Wahl des Establishments

        Heilsbringer oder Scharlatan.

    2. „dies ist keine Zeit für Illusionen“
      Ganz ihrer Meinung – Trump vertritt US-Interessen, und Venezuela
      hat sich schon zu lange widersetzt – jetzt wird entschlossen
      „gehandelt“. Aber sollte man deswegen trauern ?
      Ich vereinfache mal stark : Venezuela hat viel Öl und wenig
      Kompetenzen, und von den wenigen Macht-tauglichen Führern ist
      der fähigste weggestorben. Wenn die Menschen dort mit allerlei
      sozialistischen Parolen und Konzepten kläglich scheitern und nach
      Jahren (bei stark gesunkenen Öleinnahmen) für die einfachen Leut
      unbefriedigende Lebensumstände zu ertragen sind – dann
      bekommt eben jemand Anderes die Chance, bis auch der dann
      wieder versagt … . Das ganze Umfeld in Südamerika hat sich sehr
      zuungunsten eines eigenständigen, unabhängigen Kontinents
      entwickelt – Argentinien und Brasilien sind da entscheidend –
      kommen zunehmend wieder unter US-Einfluss.
      Ich las schon vor über 20 Jahren, dass Strategen nach der
      Globalisierung die Bildung von 3 grossen Einfluss-Sphären
      prognostiziert haben, wenn es dem Welt-Hegemon nicht mehr
      gelänge alles zusammenzuhalten. Offenbar ist Südamerika
      im US-Block gefangen – sie sollten das Beste daraus machen.
      Eine aussichtslose Dauer-Revolution hilft da wenig.

      1. Nein, man sollte nicht trauern. Man sollte die richtigen Lehren daraus ziehen und vor allem sollte man von einem Präsidenten der Vereinigten Staaten keine Befreiung erwarten. Man sollte nicht in den Maßnahmen des Trumps eigene Wünsche hineinprojezieren. Unsere Zeit ist auch eine Zeit des Kühlen Kopfes. Man sollte die Weltbegenden Ereignisse ganz objektiv analysieren.
        Nun aber zum Sozailismus in Venezuella.
        Erstens schauen wir ganz genau diese Aussage an: „Wenn die Menschen dort mit allerlei
        sozialistischen Parolen und Konzepten kläglich scheitern“. Fehlt da nicht etwas? Etwas entscheidendes? Ja der Bolivarische Sozialismus steht kurz vor dem Ende (Es sei den eine Wende wird eingeleitet – wie immer es auch aussieht). Doch daran sind die Parolen und Konzepte nur soweit schuld, weil sie die Gegner nicht direkt angegriffen haben. Ja das System ist am Scheitern, aber vor allem weil die Gegner jegliche grundlegende Sozialreform zu stark daran gearbeitet haben. Die Antwort auf die Misere ist ebenso klar wie aber auch ein Tabu: Man sollta das Wort Sozialismus nicht in den Mund nehmen und zugleich sich weigern die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Wer da gedacht hat auf Basis der bürgerliche Demokratie ein von allem geliebten Sozialismus aufbauen zu können, der ist im besten Falle in seinen Illusionen gefangen.
        Zweitens die Schlußfolgerung Ihres Komentars klingt fatalistisch. Ich denke dies kann auch eine direkte Folge der ersten Beobachtung sein. Wer die Lösung in Konzepten sucht wird irgendwann mal enttäuscht werden. Was hilft ist gerade eine Vertiefung der Revolution in Südamerika. Hätte die Bolivarische Regierung nach dem Putsch die privaten TV Stationen verboten, hätte sie die Pursch Parteien verboten, hätte Sie das fatale Dogma der uneingeschränkten Meinungsfreiheit angegriffen, hätte sie die formale juristische Gleichheit abgeschafft und für die große Mehrheit der Werktätigen eine positive Diskriminierung eingeführt,die Lage hätte heute anders ausgesehen. Noch ist es nicht zu spät. Warten wir es mal ab.
        Drittens und schließlich muss man sich die Politik von Trump bezüglich Iran ganz genau anschauen. Da braut sich was ganz gefährliches zusammen was hier – ich meine generell, nicht in Ihrem Beitrag – ganz und gar verschiegen wird.

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