Japan strebt „mehr Eigenständigkeit“ an

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe hat am Mittwoch in einer Neujahrsansprache Hinweise auf ein japanisches Anstreben von mehr Eigenständigkeit gegeben und dazu erklärt, „unsere Zukunft ist nicht etwas, das uns von anderen Leuten gegeben wird.“ „Wir, das japanische Volk, werden sie mit unseren eigenen Händen erschaffen, und jetzt ist die Zeit, wenn die Entschlossenheit dazu gebraucht wird.“

Sollte das ernst gemeint sein, und davon darf man wohl ausgehen, dann schließt sich auch die japanische Regierung dem gegenwärtigen globalen Zeitgeist an, wo zumeist hochentwickelte Staaten eine Art Dekoloniasation von der Herrschaft Washingtons oder Brüssels anstreben. Dieser Trend hatte während der zweiten Amtszeit von US-Präsident Obama global bereits viel Schwung gewonnen und sich dann beispielsweise im überraschenden Votum für den Brexit in Britannien ausgedrückt. Unter diesem Blickwinkel lassen sich auch der vom NATO-Mitgliedsstaat Türkei vorangetriebene „Kampf um Unabhängigkeit“ sehen, in dessen Verlauf der türkische Verteidigungsminister gestern die Nutzung des Militärstützpunktes Incirlik durch die USA in Frage stellte, und auch das Streben nach der Befreiung der Philippinen von der US-Dominanz durch den dortigen Präsidenten Rodrigo Duterte ist durchaus als Kampf um Unabhängigkeit zu verstehen. Weiterhin kann man auch das Erstarken des Front National in Frankreich, der 5-Sterne-Bewegung in Italien und zahlreicher weiterer ähnlicher Strömungen in Europa unter dem Gesichtspunkt des einem globalen Zeitgeist entsprechenden globalen Strebens nach mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit sehen.

Dass sich in Japan nun ausgerechnet Shinzo Abe an die Spitze der Bewegung für mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit setzt, mag angesichts dessen, dass er während des US-Wahlkampfes ähnlich wie die deutsche Kanzlerin demütig die vom US-Establishment favorisierte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihr Programm einer Konsolidierung des US-Empires unterstützte, überraschen. Andererseits war Shinzo Abe dann aber nach der Wahl der erste ausländische Staatsmann, der persönlich beim frischgewählten US-Präsidenten Donald Trump, dessen Programm „Amerika Zuerst“ im Grunde auch in den globalen Zeitgeist des Strebens nach mehr Unabhängigkeit passt, vorgesprochen hat. Und es ist nicht gänzlich undenkbar, dass Trump Abe dabei ähnlich wie Putin schon zuvor deutlich gemacht hat, dass er von der japanischen Abhängigkeit gegenüber den USA, wo die USA Beschützer sind und Japan unterwürfig eine Rolle als beschützt einnimmt, nichts hält, und Abe doch bitteschön die historische Chance für Japan ergreifen möge, wieder ein eigenständiges Land zu werden. Wenn es so war, dann hat das, wie es aussieht, gewirkt.

Interessant könnte es werden, zu sehen was passiert, wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Donald Trump demnächst treffen wird. Angela Merkel darf nach dem angekündigten Kurswechsel von Shinzo Abe für sich in Anspruch nehmen, das treueste US-Chefzäpfchen auf der Welt zu sein. Es könnte sie ratlos machen, wenn Trump ihr erklärt, dass er auf Zäpfchen keinen Wert legt, und sie sich dann umschaut, und feststellt, dass die Weltmächte USA, China und Russland sich da wohl im Grunde weitgehend einig sind, weil sie nun alle eine multipolare Weltordnung anstreben.

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27 Gedanken zu “Japan strebt „mehr Eigenständigkeit“ an

  1. Widerspruch geschätztes EPB:

    Weder Abe noch Merkel sind und waren klare Transatlantiker. Was sie dennoch waren, sind sich erkennbar verhaltende oder redende transatlantische Partner.

    Abe steht mit dem Wirken seines Zentralbankers schon seit einigen Jahren für die dezent umgesetzte transatlantische Abkopplung einer aufgezwungenen Geldpolitik. Das ist auch eine gewollte politische Entscheidung. Somit war die aktuelle japanische Reaktion völlig erwartbar.

    Merkel ist weit weniger transatlantisch als sie laut vor gibt oder vor gab zu sein. Das war übrigens auch in der Neujahrsansprache zu hören, soweit man diese ehrlich und ernst wahr nehmen kann. TTIP ist ein anderes Beispiel. Sie haben es immer wieder hinausgezögert. Und sie haben dabei auf Trump gesetzt.
    Hinter den Kulissen werden mit Russland Geschäfte gemacht. Den offiziellen Umschwenk hebt man sich als politische „Karte“ wohl noch auf.

    Trotzdem danke für Ihre sehr wertvollen Kommentare. Bin hier ein ständiger Leser.

    Alles Gute Allen hier im begonnenen Jahr 2017!

    1. Hagen

      Das sehe ich anders. Abe hat nach Clintons 2012er Kriegsaufruf gegen Russland und China im Interesse der USA total überflüssige Insel-Streitereien mit China vom Zaun gebrochen und damit die japanische Wirtschaft ruiniert. Das hat dann Jahre gedauert, bis Abe gemerkt hat, dass er, wenn er als Pudel der USA Japan ruiniert, nicht weiter kommt, und er die Beziehungen zu CHina und Russland etwas repariert hat. Und mit Merkel und der Ukraine ist es ähnlich. Merkel hat die von den USA gewünschte, aber nicht im deutschen Interesse liegende Politik der Konfrontation mit Russland über die Unterstützung eines Nazi-Putsches in der Ukraine vorangetrieben, ebenso wie Regime Change in Syrien, auch wenn das nun gravierende Konsequenzen für Deutschland und Europa zur Folge hat. Und beide, Abe und Merkel, haben bei den US-Wahlen voll auf Clinton gesetzt.

      Richtig ist allerdings, dass Merkel mit ihrer Austeritätspolitik in der EU gleichzeitig zahlreichen zionistischen Kriegstreibern in der EU die Geldbörse zugedreht und Wut in den Bevölkerungen erzeugt hat, die beispielsweise in Griechenland zur Regierung Syriza geführt hat, nun das zionistisch-wahhabitsiche Kriegstreiber-Regime von Francois Hollande wegfegt und demnächst möglicherweise noch in Italien für ein gewaltiges politisches Erdbeben sorgen wird.

      1. @ nocheinparteibuch

        Auch von mir noch die besten Wünsche für ein friedliches Jahr 2017 an alle…..insbesondere an das wertgeschätzte parteibuch….

        Eine Verständnisfrage….

        „Richtig ist allerdings, dass Merkel mit ihrer Austeritätspolitik in der EU gleichzeitig zahlreichen zionistischen Kriegstreibern in der EU die Geldbörse zugedreht…….hat“

        vertritt das Parteibuch die Meinung, dass Merkel das mit Vorsatz getan hat oder das es eher als Nebeneffekt/Kollateralschaden zu sehen ist?

      2. Pitt

        So etwas ist immer schwer zu sagen, und besonders bei Merkel. Ich würde sagen, dass das vermutlich so etwas wie ein einkalkulierter Kollateralschaden war. Die Kritik daran dürfte ihr durchaus bewusst gewesen sein, denn sie war schließlich sehr explizit:

      3. Das sehe ich wiederum anders. Ich schäme mich ein wenig dafür, dass ich die zahlreichen Male, wenn ich mit den Artikeln einverstanden bin, nicht kommentiere und meine Zufriedenheit für mich behalte. Deswegen an dieser Stelle ein dankbares ‚weiter so‘.
        Was den „total überflüssigen“ Insel-Streit angeht, hat das für die Inselnation Japan einen ganz anderen Stellenwert, wie auch der Kurilenstreit zeigt. China schafft Tatsachen gegenüber den anderen Anrainerstaaten und Japan ist schon von der Mentalität her kein Staat, der klein beigibt. Für Japaner ist die Inselstreiterei existenziell. Auf anderen Gebieten fällt allerdings das unterwürfige Verhalten gegenüber den USA schon ins Auge.

      4. Nobilitatis

        Nein, die Inselstreitereien zwischen Japan und China gingen ganz klar von Japan aus, und kamen kurz nach Clintons Aufruf, Russland und China für Vetos im UNO-Sicherheitsrat zu US-Kriegswünschen bezüglich Syrien global zu bestrafen.

        http://www.csmonitor.com/World/Middle-East/2012/0706/Clinton-says-Russia-China-should-pay-price-over-Syria-video

        Angefangen haben die Inselstreitereien mit dem „Kauf“ der Inseln durch die japanische Regierung im September 2012 – vorher wurde dem Inselstreit sowohl von Japan als auch China dadurch aus dem Weg gegangen, dass keine Seite da am Status gerührt hat:

        http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/japan/9521793/Japan-agrees-to-buy-disputed-Senkaku-islands.html

        Und es war auch völlig klar, dass der „Kauf“ der Inseln durch die japanische Regierung eine Provokation gegen China war – selbst die NYT gab das damals zu:

        http://kristof.blogs.nytimes.com/2012/09/19/the-inconvenient-truth-behind-the-diaoyusenkaku-islands/

        Aber, und das hatte ich tatsächlich übersehen, es war nicht der „rechte“ Shinzo Abe, sondern Yoshihiko Noda von der „linken“ DPJ, der den Konflikt mit China auf Geheiß der USA im September 2012 verbrochen hat. Abe ist erst im Dezember 2012 wieder Regierungschef von Japan geworden. Abe hat zwar im Wahlkampf mit einer harten Haltung gegen China im Inselstreit Stimmen eingeworben und seine harte Position als nicht verhandelbar vermarktet:

        https://www.theguardian.com/world/2013/jan/11/japan-china-islands-dispute

        Aber er schien danach bestrebt, davon runterzukommen:

        http://www.japantimes.co.jp/news/2012/12/23/national/abe-pauses-on-senkakus-postings/

        Clinton, Nationalisten und japanische US-Lakaien haben ihm das nach Kräften schwer gemacht, und Abe wusste offenbar nicht, wie er das innenpolitisch gegen Rechte und US-Lobby hinbekommen soll:

        http://www.reuters.com/article/us-japan-usa-idUSBRE90H1AX20130118

        Bis das dann nach heftigen chinesischen inoffiziellen Sanktionen gegen Japan den berühmten Händedruck zwischen Xi und Abe gegeben hat, hat dann tatsächlich noch bis November 2014 gedauert:

        http://timesofindia.indiatimes.com/world/china/Chinas-Xi-Japans-Abe-meet-with-stony-faces-icy-handshake/articleshow/45099676.cms

        Wer also sagt, dass Abe nicht wirklich persönlich die treibende Kraft in dem Inselstreit war, sondern der Streit schon lief, als er an die Macht kam, und er mit seiner harten Haltung einfach nur den politischen Verhältnissen in Japan Rechnung getragen hat, mag damit nicht ganz verkehrt liegen.

      5. @ Parteibuch

        Noch ein paar Verständnisfragen:

        Warum hat Merkel mit ihrer Austeritätspolitik in der EU gleichzeitig zahlreichen zionistischen Kriegstreibern in der EU die Geldbörse zugedreht? Die Rüstungsfirmen sind doch zu neuen Rekordumsätzen aufgelaufen, also galt die Austernität doch nicht für sie?

        Die der EU aufgezwungene Austernität hat das Hollande-Regime hinweggefegt? Das verstehe ich nicht. Bitte erkläre mir das.

      6. Johanniskraut

        Die von Merkel in der EU durchgesetzte Austeritätspolitik macht das Budget eng und macht es schwieriger für die Herrschenden in klammen EU-Staaten, gleichzeitig Geld für Krieg und für Wohltaten für die eigene Bevölkerung auszugeben. Wenig Geld für Wohltaten für die eigenen Bevölkerungen macht sie rebellisch wie in Griechenland, oder jetzt in Frankreich Das knappe Geld macht es damit schwieriger für die Herrschenden, Krieg und Militär zu finanzieren. Hollande ist zwar noch im Amt, hat aber aufgrund seiner Unbeliebtheit schon angekündigt, zur Wiederwahl gar nicht erst anzutreten. Seine Unbeliebtheit hängt auch damit zusammen, dass er kaum Geld hat, eben weil Merkel die Geldbörse zuhält.

        Zusätzliche Ausgaben für einen dicken Krieg zum Beispiek gegen Syrien oder zur Unterstützung der Ukraine kann in solch einer Situation nicht mal ein leidenschaftlicher zionistischer Kriegstreiber wie Hollande stemmen. In Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sieht es ähnlich aus: selbst wenn diese Staaten eine große Militäraktion in Syrien oder der Ukraine aus ideologischen Gründen ach so gern wollen, fehlt ihnen das Geld dazu, sie sich auch leisten zu können. Selbst unter den bescheidenen anti-russischen Sanktionen stöhnen diese Länder ja schon gewaltig.

      7. Geschätztes EPB,

        Ich werde zu Abe/Kuroda bei besserer Gelegenheit noch hier nach“liefern“ (for the record). Ist eine priore Audio-Quelle und nicht so leicht verortbar (innerhalb vieler weiterer) aber danach auch mit Links unterlegbar. Im Grunde geht es darum, dass die langfristigen Anleihen schon vor einiger Zeit von den Japanern dh. ZBChef Kuroda dezent und absichtlich unlukrativ gemacht wurden, um den traditionell besonders transatlantischen Anlegern der Machtelite auf dem japanischen Finanzmarkt den Einfluss auf die Wirtschaft zu entziehen.

        Zu Merkel gibt es nioch einen ganz deutlichen nicht-Transatlantikerin-Beweis:
        http://www.epochtimes.de/politik/welt/george-soros-bundeskanzlerin-angela-merkel-ist-am-zerfall-der-eu-verantwortlich-a2011845.html
        Der Transatlantiker-Hauptakteur und Meister der Flüchtlingswaffe gibt seine Niederlage zu.

      8. Hagen

        Ich möchte da gar nicht so sehr widersprechen, denn ich glaube im Grunde sehen wir die Situation sehr ähnlich. Wer mir nahebringen möchte, dass die russisch sprechende ehemalige FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda an der Akademie der Wissenschaften ohne Stasi-Vergangenheit Angela Merkel eine vielschichtige Figur ist, die oft an der Oberfläche transatlantische Bücklinge macht, unter dem Tisch aber den Transatlantikern manchmal heftige Tritte versetzt, rennt bei mir offene Türen ein. Man denke da nur an Merkels überraschendes „Nein“ zur Aufnahme von Georgien in die Nato, oder die deutsche Enthaltung bei der UNO-Resolution 1973 für den Libyenkrieg, die, obgleich dafür Westerwelle wesentliche Ehre gebührt, und für die Westerwelles FDP vermutlich den Preis des Rauswurfes aus dem Bundestag gezahlt hat, natürlich auch von Merkel mitgetragen wurde.

        Und übrigens sehe ich die Lage auch ähnlich wie Soros, nur dass ich es im Unterschied zu ihm für eine begrüßenswerte Entwicklung halte, wenn er und seinesgleichen radikale Ideologen, die mit ihrem extremistischen Expansionsdrang über Jahrzehnte Millionen von Menschen für die massenmörderische Ausbreitung ihrer verlogenen Ideologie, die die Welt das US-Empire und Soros die „offene Gesellschaft“ nennt, massakriert haben, gerade eine strategische Niederlage erleiden.

  2. @1Pb

    „Interessant könnte es werden, zu sehen was passiert, wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Donald Trump demnächst treffen wird. “

    Abe und Merkel sind beide gewiefte Machtpolitiker. Abe hat im Vergleich wohl etwas schneller begriffen, dass die neue multipolare Zeit anbricht. Zusätzlich müsste er ein Interesse daran haben, dass die US-Flammen im Pazifik unbedingt klein bleiben, schließlich wäre eine heiße Konfrontation im Pazifik, direkt vor der Haustüre, keine Option und Putins Inselrückgabegespräche kamen 2016 gerade zur rechten Zeit.

    Auf längere Sicht verglichen, erinnert mich Kanzlerin Mutti fatal an Landesvater Honecker.

    Ist es eine evangelisch-preußische Untugend Kadavergehorsam gegenüber der Macht zu pflegen? Honeckers Isolation in der Umbruchzeit 88/90 erinnert jedenfalls an Merkels, ab dem 9. November 2016, völlig verpasste Kurskorrektur.

    Allen ein gutes Jahr 2017 wünschend

    1. Honecker hat sich ganz deutlich abgesetzt von Gorbatschowas Umbau; wie hieß es: wenn er der Nachbar sein Haus renoviert, müssen wir das nicht auch tun, oder so.

      War das jetzt Kadavergehorsam gegenüber „der Macht“? Welcher denn?

  3. Dafür müsste Japan, die Kriegsverbrecher, von der US Army, aus dem Land schmeißen, sonst wird da nix von.

  4. Merkel sitzt im Zentrum des europäischen neoliberalen Kapitalismus. Der muss gerettet werden, da gibt es für Merkel keine Alternative. Für Merkel gibt es keine multipolare Welt, das wäre ihr Untergang und der des EU-Regimes.
    Wird hier angenommen, dass sie eigenständige Politik macht? Merkel kann die Fahne nicht in den Wind hängen; wenn Obama weg ist, muss sie weitermachen, im Sinne der Betreiber des Systems. Das heißt, WIR und die EU werden die Russland-Konfrontation weiter treiben, bis zum Untergang, da Merkel von „oben“ keine andere Anweisung bekommen wird. Das EU-Theater ist zu weit fortgeschritten und die Ziele zur Erhaltung des Systems wurden und werden nicht aufgegeben.
    Wie soll Merkel ein „Zurück“ erklären, vor allem wenn die Schulden in der EU fällig gestellt werden? Alles nur ein Irrtum?
    Die ganze Bande müsste ja ins Exil. Wir können hoffen und dazu beitragen, dass der „Untergang“ vor dem Erreichen des Endziels kommt.

    1. Bernd

      Nein, hier wird nicht angenommen, dass Merkel eine eigenständige Politik macht, ganz im Gegenteil. Und das ist ja gerade ihr Dilemma: einerseits dient sie, wie du es nennst, dem europäischen neoliberalen Kapitalismus und andererseits dient sie den USA. Mit Trump als Präsident der USA könnte das zu einem Spagat werden, was zur Folge haben könnte, dass sie sich da entscheiden muss, auf welcher Seite sie steht.

      Bei Abe scheint diese Entscheidung für Trump ausgefallen zu sein, bei Merkel steht sie noch aus.

      1. Die DWN überschriften heute:

        Trump-Politik wird zum Problem für deutsche Industrie

        Dabei geht es im Artikel um eher Nebensächliches, ein Analyst stufte einen dt. Autobauerausrüster herab, weil das Ford-Werk in Mexico geplatzt ist.

        Aber Trumps Politik wird ein massives Problem für das deutsche Wirtschaftsmodell.
        Er greift verbal relativ deutlich den Exportüberschuss samt manipulierten Wechselkurs der Chinesen an; aber das deutsche Missverhältnis ist weit größer als das chinesische.

        Seine Maßnahmen, wenn sie denn wie in Ankündigungen und Skizzierungen kommen, werden den deutschen Überschussexport abschmelzen.

        Dafür fehlt wahrscheinlich in der deutschen Politik sogar noch die Problemanalyse.

        Das Mantra von der absoluten Tollheit des unbedingten „Frei“handels (also freie Fahrt für unsere Exporte, mit Lohndumping) wird geglaubt.

        Und es steht zu befürchten, dass wenn die Probleme zu besichtigen sind, also sich der Überschussexport reduziert und damit Steuereinnahmen und Einnahmen der Sozialsysteme, der nächste Schritt Lohndumping erfolgen soll.

  5. Merkel hätte die Bundesrepublik mit in den Irkakrieg gestürzt.
    Ihr Leipziger Programm war ein neoliberales Musterprogramm.

    Nur fehlt ihr zum Washington Konsensus die Befürwortung des ungehemmten Gelddruckens.

    Deshalb der Austeritätswahn; der mit Grundschulmathematik ganz offenbar nicht funktionieren kann, wenn man die Einkommensverteilung verschärft, statt sie deutlich zu entschärfen.

    Ist es Absicht, dass dadurch alle nicht ganz „Harten“ der Eurozone auf dem Zahnfleisch gehen?

    Ich glaube nicht.
    Spricht man mit dem gemeinen deutschen Ökonomen, dann kapiert der einfach nicht den Zusammenhang. Die denken tatsächlich, der deutsche Austeritätskurs ist gut für Deutschland.
    Und, das ist die absolute Krönung, die anderen Euroländer sollen halt auch so einen Kurs fahren, dann sind alle „wettbewerbsfähig“ gegenüber der Nichteurozone.

    Den wirklich simplen Punkt, dass im Falle des Falles der Euro sofort soviel an Wert gewänne, dass der Exportüberschuss weitgehend weg ist, raffen die nicht.
    Promovierte Ökonomen.

    Politiker würden es kapieren, wenn es ihnen jemand richtiges sagt.
    Da aber die gesamte deutsche Ökonomenzunft, bis auf ein paar Exoten und Randfiguren, diesen Unsinn vertritt, ist gar keiner da, der es ihnen sagen kann, auf den sie hören würden.

    Nach Eintritt der Krise muss einigen klar sein, dass der deutsche Lohndrückungskurs die anderen Euroländer an die Wand drückt. Sie loben ja auch die kleinen Reallohnerhöhungen in D.
    Aber niemand stellt sich hin und fordert 25% Reallohnerhöhung, damit Frankreich, welches in der Eurozeit nicht „geschludert“ hat, sondern auf offiziellem EZB-Kurs war, wieder auf die Beine kommen kann.

    Und: in der jetzigen Situation kann auch kein Politiker aus dem Parteienkartell so etwas sagen; er wäre sofort weg.

  6. Interview mit dem republikanischen US State Senator VA Richard Black zu NATO und EU – Time to close down NATO

    wenn Ihr einen Einblick in die zukünftige Politik des nächsten NATO Oberbefehlshaber Trump haben wollt, dann dürfte folgendes Interview einige Leitplanken bezüglich seiner Europa Politik aufzeigen. Es kommen spannende und bahnbrechende Zeiten auf Europa zu. Der Gorbatschow Moment für Europa?

    1. Karsten

      Trump löst also den Posten des DNI nicht auf. Das sieht nach einem überraschenden Indiana-Pick von Mike Pence aus, den Mike Flynn aus irgendeinem Grund akzeptiert.

    2. Karsten

      Nachtrag: Oha, jetzt wird einiges klarer. Unmittelbar nach Trumps Nominierung von Dan Coats als neuer DNI hat Ex-CIA-Boss James Woolsey erklärt, nicht mehr Berater von Trump zu sein.

      https://www.washingtonpost.com/news/powerpost/wp/2017/01/05/former-cia-director-james-woolsey-quits-trump-transition-team/

      James Woolsey ist ein Neocon der Israel-Lobby aus dem Bilderbuch, PNAC-Mitglied, Russlandhasser, Iranhasser, die ganze Palette.

      https://en.wikipedia.org/wiki/R._James_Woolsey_Jr.

      Dass der nun seinen Job als Trump-Berater hingeschmissen hat, dürfte bedeuten, dass Trumps Nominierung von Dan Coats die Neocons frustriert hat. Die Neocons hatten sich offenbar Chancen auf den Posten des DNI ausgerechnet, die NYT hat gestern noch Namen wie David Petraeus als Top-Favorit gehandelt, aber nun scheinen die Neocons wirklich keinen einzigen Top-Posten von Trump abbekommen zu haben.

      1. andreas

        Das ist richtig. Andererseits dürfte es schwer sein, unter den Republikanern Freunde von Russland zu finden, gerade im Sicherheitsbereich. Die Aufgabe für Trump könnte da eher gewesen sein, jemanden zu finden, von dem er überzeugt ist, dass er einen russlandfreundlichen Kurs des Präsidenten mitgehen wird anstatt quer zu schießen, wenn der US-Präsident vorangeht. Und hätte der Kandidat ein zu Russland-freundliches Image, dann stünde Trump womöglich bei der Bestätigung im Senat obendrein vor einer unlösbaren Aufgabe.

  7. Dieser Teil aus den Kommentaren erschließt sich mir nicht so ganz:

    „(…)Richtig ist allerdings, dass Merkel mit ihrer Austeritätspolitik in der EU gleichzeitig zahlreichen zionistischen Kriegstreibern in der EU die Geldbörse zugedreht (…)“

    Könnten Sie das evtl etwas näher erläutern @Nocheinparteibuch, wie es zu diesem „Hahn-Zudrehen“ gekommen ist?

    Ansonsten wäre für diesen sehr guten Artikel möglicherweise auch ein passender Titel:
    „The Trump Effect“
    Aber im Gegensatz zum „Butterfly Effect“ dürfte der durchaus sorgfältig geplant worden sein.
    Es wird doch nicht etwa wieder so enden, dass letztendlich fast alle brav sind, nur das böse Deutschland nicht? Nur, dass dann diesmal die anderen die Nationalisten wären. 😉

    1. mark2323

      Merkel und Schäuble pochen darauf, dass die Euro-Verträge Haushaltsdisziplin und Maastricht-Kriterien vorsehen, anstatt einfach das Schleusentor der Verschuldung zur Kriegsfinanzierung aufzumachen. Dafür gibt es gute ökonomische Gründe, und den deutschen Wählern ist das auch sehr wichtig, aber den zionistischen Kriegstreibern in der EU hat es dadurch gerade in der schwersten Phase des Krieges an Geld gemangelt.

  8. US State Senator Black war bei der letzten Befreiung von Palmira vor Ort und es gibt ein Interview auf Englisch über seine Syrien Reise.

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