Wie geht’s weiter im Großraum Aleppo und Syrien?

Nachdem nun die letzten Terroristen raus aus Aleppo sind und die syrische Armee und ihre Partner damit die Schlacht um Aleppo gewonnen hat, stellt sich die Frage, wie es jetzt weitergehen wird im Großraum Aleppo und in Syrien überhaupt.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass die syrische Armee und ihre Partner in den letzten viereinhalb Jahren mit der Befreiung von ganz Aleppo eine nahezu unglaubliche Leistung vollbracht haben, die so anspruchsvoll war, dass viele Beobachter sie für schier unmöglich gehalten haben. Man schaue nur auf eine Karte zur Lage in Aleppo im Jahr 2013:

Die Operationen zur Befreiung von Aleppo aus dieser schwierigen Situation waren nicht nur ausgesprochen anspruchsvoll, sondern natürlich auch sehr anstrengend. Aus diesem Grund ist es sehr wahrscheinlich, dass die syrische Armee und ihre Partner nach dem Erreichen dieses wichtigen Meilensteins erst einmal eine Pause machen und die Kämpfer reichlich Urlaub bekommen, zumal nun Feiertage wie Weihnachten, Neujahr, orthodoxes Weihnachten und das orthodoxe neue Jahr anstehen. Man kann deshalb getrost davon ausgehen, dass die syrische Armee und ihre Partner zumindest bis zum orthodoxen Neujahrsfast Mitte Januar, und aufgrund notwendiger Vorarbeiten sehr wahrscheinlich bis Anfang Februar, keine neue Großoffensive planen. Vielmehr darf damit gerechnet werden, dass die syrische Armee und ihre Partner die Feiertage und die kalte Winterzeit zu Initiativen für Waffenstllstände und Frieden in Syrien zu nutzen versuchen werden. Und in der Tat sind mit dem Vorschlag für von Russland, der Türkei und dem Iran gesponsorten syrisch-syrischen Gesprächen in Kasachstan auch schon deutliche Hinweise in Richtung solch umfassender Friedensbemühungen zu sehen.

Sollte das zu einem umfassenden und dauerhaften Frieden in ganz Syrien führen, so wären die syrische Regierung und ihre Partner natürlich überglücklich. Bedauerlicherweise ist es jedoch in einem Krieg regelmäßig so, dass der Feind versucht, die eigenen Pläne, und seien sie noch so gut gemeint und durchdacht, zu durchkreuzen. Und so ist von den von der Türkei, Iran und Russland unterstützten Friedensbemühungen lediglich zu erhoffen, dass ein Friedens- und Waffenstillstandsabkommen mit den von der Türkei unterstützten Kräften erzielt werden kann. Terrorgruppen wie ISIS und Al Kaida und sowie weitere von anderen Syrien feindlich gegenüberstehenden Mächten unterstützte Terrorbanden denken gar nicht daran, Frieden ausbrechen zu lassen, nur weil Russland, Iran und die Türkei das wollen. Und so ist leider damit zu rechnen, dass es schon während der Feiertage zu neuen größeren Angriffen von Terroristen und Söldnern der wahhabitisch-zionistischen Terrorgemeinschaft in Syrien kommen wird.

Offen ist kaum mehr als die Frage, wo die Terroristen hauptsächlich versuchen werden, zuzuschlagen. Plausible Möglichkeiten sind etwa die südwestliche Provinz Daraa, Ghouta im Umland von Damaskus, der Osten der Provinz Homs und natürlich die bis an Aleppo heranreichendeen Fronten der Idlib-Tasche. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Terroristen selbst schon wissen, wo sie ihren nächsten Angriffsschwerpunkt setzen werden. Die syrische Armee ist deshalb gut beraten, Kapazitäten vorzuhalten, um auf alle Entwicklungen angemessen reagieren zu können, und sollten die Terroristen an mehreren Fronten gleichzeitig angreifen, muss die syrische Armee Prioritäten setzen. Es ist nicht unplausibel, dass der nächste große Terrorangriff aus der Idlib-Tasche kommen wird.

Schon am gestrigen Freitag haben die Terroristen dort durch mörderische Raketenangriffe auf Stadtteile von Westaleppo unmissverständlich gezeigt, dass sie trotz ihrer schweren Niederlage in Aleppo weiterhin nicht zu einem Waffenstillstand oder Frieden bereit sind. Für die syrische Armee stellt sich daher weiterhin die Aufgabe der Sicherung von Aleppo gegen den Terror. Der Blick auf eine Karte vom Großraum Aleppo von Anfang Dezember zeigt die Herausforderung:

Dass auf der Karte vom 7. Dezember noch ein kleines Fleckchen im Südwesten der Stadt Aleppo als Terroristengebiet eingezeichnet ist, möge man sich bitte wegdenken, denn das wurde ja nun gerade von Terroristen evakuiert. Wichtiger ist nun das Umland von Aleppo. Der Süden und Südosten ist erstmal kein Problem für Terror in Aleppo mehr, denn da existiert eine breite Pufferzone. Im Osten ist nahe Aleppo noch ISIS-Gebiet verzeichnet, doch da kann die syrische Armee darauf warten, bis sich die türkische Armee und ihre Proxies mit ISIS um Al Bab geschlagen haben, um anschließend die ISIS-Tasche östlich von Aleppo recht leicht einnehmen zu können. Der Nordosten und Norden ist wieder unproblematisch, weil die Stadt Aleppo da reichlich Puffer hat. Problematisch ist hingegen der Nordwesten, Westen und Südwesten. Im Nordwesten sitzen die Terroristen sogar noch direkt an der Stadtautobahn und im Westen und Südwesten befinden sie sich noch in Vororten der Stadt, von wo aus sie zentralere Bezirke des Westens der Stadt mit Raketen terrorisieren können. Wir haben obige Karte zur Darstellung der Lage gewählt, weil daraus die Nähe der Terroristen zum Westen von Aleppo am Besten hervorgeht,

Angenommen, die Armee bekäme nun die vordringliche Aufgabe, die westliche Flanke von Aleppo zu sichern, was keineswegs sicher ist, weil möglicherweise andere Fronten in Syrien erstmal mehr Einsatz erfordern, wie könnte die Armee vorgehen? Plausibel erscheint der Weg, wieder, wie die syrische Armee das vor einer Weile schon einmal gemacht hat, auf den Hügel Shuwainah vorzurücken. Von dort aus könnte die syrische Armee dann über die Orte Mahrat Al Artiq und Babis eine weitere Operation nach Norden Richtung Zahraa und Nubol durchführen, womit das dicht bebaute Terroristengebiet von Anadan, Bayanoun, Hreytan, Kafr Hamra und Leiramoun umzingelt wäre. Über einen weiteren Vorstoß in das dünn bebaute Berggelände westlich vom Hügel Shuwainah könnte die syrische Armee weitere Dominanz gewinnen, und diese Dominanz dann dazu nutzen, nach Süden herunter in die Ebene letztlich bis Fuah und Kafraya Dominanz auszuüben. Sämtliche Gebiete dazwischen, von Mansoura über Khan Al Assal und Rashideen bis Khan Tuman, würden damit unhaltbar für die Terroristen werden.

Aber, wie gesagt, das ist alles recht ferne Zukunftsmusik, und insbesondere abhängig vom Verhalten der Terroristen und ihrer Unterstützer, allen voran der Türkei, kann alles noch ganz anders kommen. Auch ist es denkbar, dass ISIS-Anhänger und „moderate“ US-Lakaien sich demnächst in der Provinz Idlib einen blutigen Krieg untereinander liefern werden, wo syrische Armeekommandeure dann lieber erstmal Popcorn anstattt Munition bestellen sollten. Nichtsdestotrotz sieht es so aus, dass die syrische Armee und ihre Partner früher oder später die Westflanke von Aleppo sichern müssen.

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22 Gedanken zu “Wie geht’s weiter im Großraum Aleppo und Syrien?

  1. Dieser Erfolg gibt Hoffnung.

    Allerdings bleibt festzuhalten: Dieser Krieg wird von feindlichen Regierungen geführt. Und erst wenn dieses Problem gelöst wird, werden auch die Terror-Angriffe in Syrien aufhören.

    Insbesondere wird man sich jetzt Riad vornehmen müssen. Auf die eine oder andere Weise. Riad sollte klargemacht werden, daß der Krieg auf eigenem Boden fortgeführt wird, wenn Riad seinen Angriffskrieg gegen Syrien fortsetzt.

    Ausgesprochen behilflich könnte hierbei Donald Trump sein, nachdem er verstanden hat, daß sein Krieg gegen ISIS tatsächlich einer gegen das religiös fanatische Regime in Riad ist …

    1. Ja, Riad zuesrt, aber nicht nur Riad sondern auch Doha und Manama. Riad hat mehr Macht, aber in Doha, Manama sowie den UAE und Kuwait sitzen die gleichen Extremisten, zum Teil sogar noch extremer.

  2. Jetzt ist Aleppo auch amtlich „unser“.
    Das Unmögliche wurde möglich gemacht. Das Licht hat über die Finsternis gesiegt.
    Vielen Dank für Eure Arbeit liebes Parteibuch und danke für das Engagement der Kommentatoren.
    Ich wünsche frohe und friedliche Weihnachten.

    1. Antares

      Nee, nicht „unser“ – sondern „ihres.“ Der Versuch der Besitzergreifung von Aleppo durch „uns“ westlichte Terrorgemeinschaft ist fehlgeschlagen.

      1. Sind wir hier nicht Teil der Achse des Widerstandes? 😉

        Ein frohes Weihnachtsfest, oder was ihr sonst so feiert.

        Nächstes Jahr stehen große Umwälzungen an; wie sie sich auswirken, ist noch gestaltbar.

      2. Wir finden uns auf beiden Seiten wieder. Die westlichen Regierungen wurden ja immer wieder gewählt.
        Ich weiß nicht was wir hätten tun können, um diesen ganzen Irrsinn irgendwie am Anfang zu stoppen. Und wäre das überhaupt möglich gewesen, vor allem wenn man bedenkt, zu was SIE alles bereit sind und waren. Ich jedenfalls habe gut 40 Jahre rein nichts gemacht.
        Das wäre auch wichtig, wenn man das System wirklich nachhaltig schwächen will. Denn irgendwas kommt mit Sicherheit als nächstes und wir stehen wieder vor einem riesigen Haufen „Sch***e“.
        Irgendwann muss man an die Ursachen, denn es kann nicht so weitergehen. Man muss an die ran, die das alles finanzieren, am besten an die Finanzierungsmöglichkeit selbst.
        So könnte man den Sumpf austrocknen.
        Günstige Umstände diesbezüglich könnten in nächster Zeit dazu führen, dass die Schwächen des Systems überdeutlich zum Tragen kommen und im Zusammenspiel mit der Bekanntwerdung des Inhalts und der Ursachen der „Scheisshaufen“ eine günstige Ausgangsposition herstellen, die möglicherweise nicht so schnell wieder kommt. Denn alles hängt an den Finanzierungsmöglichkeiten, alles. Denn ohne Geld keine „Sch***e“.
        Ich hoffe die Ausdrucksweise ist angemessen, sonst würd ichs ändern.

  3. Es mag um und in Aleppo zwar etwas ruhiger werden allerdings glaube ich nicht dass es unter den beteiligten Kräften eine „Urlaubswelle“ geben wird, obwohl ich es ihnen gönne. Ich denke dass viele von den frei werdenden Kräften nun nach Homs und Palmyra geschickt werden um dort einen weiteren Brennpunkt zu beseitigen. SANA sagt zwar es wäre dort alles ok, allerdings ich traue dieser Aussage nicht wirklich.
    https://de.sputniknews.com/politik/20161223313900977-syrien-terroristen-homs/
    http://sana.sy/en/?p=96900

    1. Palmyra/Homs kann warten. Dort gilt es die Front zu stabilisieren. Erst muss in Ghouta und dann Südsyrien gesichert werden. Dann wären viele innere Fronten beseitigt und zehntausende Truppen würden frei.

      1. Bohnennase
        „Palmyra/Homs kann warten.“
        Ja, Palmyra kann warten, denke ich auch.
        Palmyra ist
        a.) WeltkulturErbe
        b.) mitten in der Wüste
        c.) an der SeidenStaße
        d:) ohne ZivilBevölkerung
        Wegen
        a.) kann Präsident Assad die UNO zur Befreiung einladen
        b.)+d.) kann der Nachschub für den I$ nach Palmyra aus der Luft zerstört werden
        c.)+a.) könnte die chinesische Luftwaffe im Rahmen eines UNO-Mandates ‚proben‘
        also schlechte Karten für den I$:
        Palmyra war wohl die 3. Falle – und sogar eine Langzeit-Falle – im Sinne von ‚Mühle auf‘ und ‚Mühle zu‘.

    1. War die fragliche Person den zuständigen deutschen Behörden einschlägig bekannt? Wurden die deutschen Behörden laut einem Schreiben der marokkanischen Behörden vom 23. Dezember 2016[1] von diesen am 1. September 2016 und am 11. Oktober 2016 davon informiert, dass die später tatverdächtige Person bereits das Verbrechen des Androhens von Straftaten begangen habe, sodass die Person gemäß § 126 StGB Androhung von Straftaten[2], festzunehmen war und so die Tat hätte verhindert werden können? Allein der Wikipedia-Artikel zum GTAZ[3] vermittelt den Eindruck, dass es an fehlenden Befugnisse wohl kaum gelegen haben kann.

      [1] https://twitter.com/JakobSheikh/status/812323375041363968

      [2] https://dejure.org/gesetze/StGB/126.html

      [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsames_Terrorismusabwehrzentrum

      1. @clearly

        Ich bin mir jetzt nicht sicher auf welche Aussagen bzw. welchen Kommentar Du dich beziehst. Der Artikel von Analitik legt jedenfalls, im Gegensatz zu der Ansicht des Parteibuchs, nahe, dass es sich bei dem Berliner Anschlag um False Flag handelt. Genau so sehe ich das auch.

        Wenn wir mal annehmen, dass es tatsächlich False Flag war, würde das deine Fragen (wenn sie nicht retorisch gemeint waren), in einem anderen Licht erscheinen lassen. Die Frage wäre dann, wer wurde von wem benutzt, um diese Tat zu begehen.

        Beste Grüße…

  4. So der IS als auch die Terroristen es ermöglichen, sollte bis Mitte Januar wenig passieren. Einige Soldaten werden Urlaub machen andere beim Wiederaufbau von Aleppo gebraucht.

    Da alles auf einen Angriff auf Idlib deutet, werden die Terroristen wohl entlang der Autobahn Idlib-Aleppo ihre Stellungen verstärkt haben. Wahrscheinlich sind die Terroristen aus Aleppo gar nicht bis Idlib gebracht wurden. Damit wäre die logische Folge, der nächste Angriff der SAA erfolgt in der Tasche bei Hama oder von der Castello Road nach Nordosten (wobei ich immer noch nicht weiß, welche Ziele da YPG hat / Verbinden der Gebiete)

    IS ist östlich bemüht neue Märtyrer zu schaffen (50-70 Tote bei einem Konterangriff war heftig für IS) Da die Terroristen auch wieder Erfolge für Ihre Geldgeber vorweisen müssen, wäre eine erneute Zusammenarbeit an der Versorgungsstraße eine denkbare Variante und das auch noch dieses Jahr. Wahrscheinlich können dann aber Rosinenbomber in Aleppo landen.

  5. >>>>>
    Qalaat Al Mudiq ‏@QalaatAlMudiq 26 Min.Vor 26 Minuten
    NW. #Damascus: fierce clashes in area E. of Souq Wadi Barada as pro-Regime forces led by Hezbollah are trying to reduce this Rebel pocket.
    >>>>

    Doch noch keine Weihnachtsferien für alle?

    Die restlichen Taschen angreifen, reduzieren und die Dschihadisten rausverhandeln wäre konsistent.

    Gibt es eigentlich Abkommen mit dem Gebiet um Talbiseh?Vor den Toren Homs, nicht weit weg von Hama und Salamiyah, an der engsten Stelle nur 20KM bis zum ISIL-Gebiet, könnte davon schnell eine gefahr ausgehen, falls die „Rebellen“ noch mal Kräfte gewinnen.

  6. Liebe Parteibuch
    Islamisten haben heute wasser quelle in West Ghouta mit Diesel vergiftet. Angeblich 5 Mio. Menschen werden nächste paar Tage ohne Wasser bleiben. Damit ist nächste Schritt schon bestimmt. Ich finde, dass Homs, Palmira sollten warten. Idlib, Latakia, Rastan, ost Ghuta sind schon wichtiger als paar IS Kämpfer.

  7. Ob sich Obama, Kerry ( + die Stimme hinter beiden ) auch darüber freuen ?
    Die wollten doch einen Waffenstillstand anfang Dezember.

    Jetzt haben sie ihn.

    Ein Geschenk der SAA an …

  8. Wie es jetzt weiter geht in Syrien ist ja immer mehr offen. Der Waffenstillstand zwischen türkischen Proxy-Kriegern und der SAA ist sicherlich ein Anfang für eine politische Lösung. Damit entstehen automatisch Spannungen zwischen den türkischen Proxys und der Al Nusra. Gleichzeitig werden sich aber auch die kurdischen Gruppen verraten fühlen. Wie das dann weiter geht ist völlig offen. Mindestens jene Fraktionen innerhalb der Kurden, welche einen unabhängigen Staat ausrufen wollten, müssen sehen, dass sie vor einer Sackgasse stehen.

    Noch mehr bin ich gespannt, wie die Koalition gegen den IS nach dem 20. Januar aussehen wird.

    Gibt es schon irgend wo eine Karte, wo die grüne Kräfte aufgeteilt werden in jene Gruppen, welche am Waffenstillstand teilnehmen und jenen, welche lieber weiterhin mit Al Nusra kämpfen wollen?

    1. Reisender

      Beim Militär gibt es solche Karten mit Sicherheit. In der Öffentlichkeit habe ich allerdings noch keine gesehen.

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