Syrische Armee rückt im Osten der Stadt Aleppo weiter vor

Nach ihrem etwa ein Kilometer tiefen Vorstoß gestern in den Gegenden Tareq Al Bab, Helwaniyah und Jazmati im Osten der nordwestsyrischen Metropole Aleppo vertieft die syrische Armee diesen Vorstoß am heutigen Samstag weiter.

Aleppo News meldete am heutigen Nachmittag beispielsweise, dass die syrische Armee nun auch den Verkehrsknotenpunkt Helwaniyah eingenommen hat. The Inside Source meldete zudem, dass die syrische Armee im Bezirk Jazmati in schweren Kämpfen weiter vorrückt, wobei Yusha Yuseef schätzt, dass die syrische Armee nun etwa 80% dieses Bezirks eingenommen habe.

@NatDefFor meldete des Weiteren, dass die syrische Armee im Südosten von Aleppo zwischen Tel Sherta und Sheikh Saeed, was etwa auf die Gegend Sheikh Lutfi hinauslaufen müsste, eine weitere Offensive gestartet habe.

@watanisy zufolge dürfte dieser Vorstoß darauf abzielen, den Bezirk Salheen einzunehmen, der gegenwärtig geografisch etwa die Mitte des noch von Terroristen beherrschten Gebietes in der Stadt Aleppo bildet.

Inzwischen sind auch die westlichen Massenmedien und Politiker darauf aufmerksam geworden, dass es die Terroristentasche in Aleppo vermutlich nicht mehr lange geben wird. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini drohte deshalb der syrischen Regierung damit, dass ein Sieg der syrischen Armee in Aleppo den Krieg nicht beenden werde, was man als Ankündigung verstehen darf, dass die EU nicht beabsichtigt, ihre Unterstützung für Al Kaida und Konsorten, die nach wie vor den größten Teil der nordwestsyrischen Provinz Idlib beherrschen, einzustellen. Die von Al Kaida geführten Terroristen in Aleppo lehnen es unterdessen trotz ihrer aussichtslosen militärischen Lage nach wie vor ab, sich aus der Stadt Aleppo evakuieren, weshalb russisch-türkische Gespräche zur Beendigung der Kämpfe in Aleppo bislang nicht erfolgreich waren.

Nachtrag 16:30h: Soeben meldete Yusha Yussef, dass die syrische Armee nun die vollständige Kontrolle über die Bezirke Karm Al Tareb und Karm Al Jizmati errungen habe.

Nachtrag 17:10h: South Front hat gerade eine aktuelle Karte von Aleppo veröffentlicht, Stand 16:15h:

Schwere Kämpfe dauern an, weshalb mit weiteren Änderungen der Lage praktisch stündlich zu rechnen ist.

Nachtrag 19:40h: Der syrische Verteidigungsminister Freij hat heute die Frontlinien in und um Aleppo inspiziert:

Die Armee ruft unterdessen die Einwohner des letzte Woche befreiten Nordostens von Aleppo dazu auf, in ihre Wohnungen und Häuser zurückzukehren. Die Räumung der Bezirke von Sprengfallen und Kampfmittelrückständen ist sehr schnell gegangen, nicht zuletzt auch dank russischer Hilfe bei der Entminung.

Zuvor hatte der Governeur von Aleppo die befreiten und von Minen geräumten Stadtteile besichtigt, und sich außerdem persönlich in Notunterkünften davon überzeugt, dass die in den letzten Tagen aus Ost-Aleppo geflüchteten Personen gut versorgt werden.

Nachtrag 20:10h: @PetoLucem hat gerade eine neue Karte von Aleppo veröffentlicht:

Die Karte scheint die aktuelle Lage ganz gut widerzuspiegeln.

Nachtrag 20:20h: Die berühmte Journalistin Kinana Alloush hat eine kurze Tour mit dem Auto in Ost-Aleppo gefilmt:

Nachtrag 23:00h: Vom Militärmedienzentrum gibt es eine neue Karte von Aleppo:

Uns scheint es allerdings so zu sein, dass das Militärmedienzentrum da die Erfolge der Armee in den letzten beiden Tagen gezielt kleinredet, während die tatsächliche Lage eher so wie von @PetoLucem dargestellt aussieht.

Außerdem hat das Militärmedienzentrum noch einige Videos veröffentlicht.

Armeeoperationen in Karm Al Tarab, Myasar und Jasmati (Wikimapia verortet Karm Al Tarab übrigens hier, während das Militärmedienzentrum Karm Al Tarab – siehe Karte – etwas weiter südwestlich davon verortet):

Armeeoperationen in Marjah und Sheikh Lutfi:

Armeeoperationen in Myasar und Jazmati:

Aufschlussreiches aus den eingenommenen Gebieten ist auf den Videos aber nicht zu sehen. Vielmehr zeigen die Videos vornehmlich Artilleriepositionen vor der Stadt.

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42 Gedanken zu “Syrische Armee rückt im Osten der Stadt Aleppo weiter vor

  1. Das kontinuierliche Vorrücken der Armee vom Norden her macht duchaus Sinn, weil die Verteidiger dort durch die stetigen Rückzüge keine effektive Verteidigungslinie aufbauen können. Zudem wird sich bei einem weiteren Vorstoss auch automatisch die angedeutete Tasche an der Zitadelle schließen, aus der die Verteidiger sicher vorher fliehen werden, was dann widerum verlustfrei einnehmbares Gebiet wäre.
    Ob die noch besser motivierten Kampfeinheiten der Islamisten in Südost-Aleppo nur die reine Verteidigung bis zum letzten Haus vollziehen werden, wage ich zu bezweifeln. Da sie immernoch einen Teil von Ramouse erbittert verteidigen, wäre es eigentlich nur logisch, dass sie von dort einen Ausbruch Richtung Osten versuchen. Die Distanz ist ja nicht sehr weit und es bleibt ja zu erwarten, dass die verbündeten Terroristen einen Gegenstoss in die Fluchtrichtung führen würden. Genug Kämpfer sollten sie zumindest für so einen Angriff noch haben.

    Eine Frage an das Parteibuch: Ist eigentlich bekannt welche Kräfte sich im Kessel von Fu’ah/Kafarya aufhalten? Eigentlich müsste das ja eine völlig zusammengewürfelte Einheit aus verschiedenen Truppenteilen sein, die sich seinerzeit auf dem Rückzug dort festgesetzt haben. Da sie keinerlei militärischen Nachschub erhalten, ist mir immer etwas rätselhaft gewesen, wie sie sich dort gegen die wütenden Angriffe von Nusra behaupten konnten. Und das vor allem über einen so langen Zeitraum…
    Im Kessel von Deir ez-Zor lässt sich das noch nachvollziehen, weil dort mit der 104. RG Elitetruppen vor Ort sind, die zudem einen Flughafen halten, aber in Fu’ah grenzt das ja irgendwie an ein Wunder.

    1. Dietmar

      In Fu’ah/Kafarya sind lokale Einwohner, Flüchtlinge aus der Umgebung und einige Freiwillige von Hisbollah.

    2. Die Situation in Foua und Kafraya ist gewiss schwierig. Zweimal sind Versorgungskonvoys durchgelassen worden, nach den Waffenstillständen im Februar und September, ansonsten gibt es etwas Versorgung per Hubschrauber und das, was das Land hergibt und eventuell, was Schmuggler (die von den Terroristen mit dem Tod bedroht sind) bringen.

      Aber: Die 40.000 Menschen wissen, was ihnen bei einem Sieg der Terroristen bevorsteht, da wäre eine Eroberung der wohl befestigten Gebiete für die Terroristen kein Spaziergang. So viele Truppen haben sie nicht mehr, dass sie die dafur einsetzen können, zumal die russische und die syrische Luftwaffe da auch mitzureden hätten. Und es wäre schwierig für die westlichen Medien, da ihr übliches Mafia-Schweigegelübde aufrecht zu erhalten, auch wenn ich mir über die Skrupellosigkeit und Menschenverachtung etwa unserer Grünen keine Illusionen mache.

      Faktisch herrscht da seit längerem eine Waffenruhe, wie sie auch die SAA gegenüber einigen der weniger aggressiven Terrorgebiete abgeschlossen hat. Ob das so bleibt, wenn die SAA vom Süden des Gouvernorats Aleppo in Richtung Idlib vorstösst, ist eine andere Frage.

    3. @Dietmar
      „Ob die noch besser motivierten Kampfeinheiten der Islamisten in Südost-Aleppo nur die reine Verteidigung bis zum letzten Haus vollziehen werden, wage ich zu bezweifeln.“

      .

      Deshalb machen die Angriffe der SAA und ihrer Verbündeten im Südosten ebenfalls Sinn, wie wir in der Analyse von South Front sehen können. Das Ziel ist dort nicht einen Durchbruch zu schaffen, denn der wird wie Du es schon so schön aufgezeigt hast, im Norden erfolgen. Das Ziel dieser Aktion ist einfach nur zu verhindern dass diese Typen von dort abgezogen werden können und nach Norden gehen können um dort eine funktionierende Verteidigung aufzubauen.

  2. Die Zirkusnummer der „Koalition gegen den Terror“ geht weiter.
    ISIS bewegt seine schweren Waffen (Raketenwerfer, Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge) aus dem Irak nach Raqqa.
    Die bewegen sich in der Wüste wie auf dem Präsentierteller. Aber die Vollüberwachung der „Koalition“ ist keine, sie ist ein wirksamer Schutz vor Luftangriffen gegen die Terroristen.
    Die „Koalition des Terrors“ arbeitet weiterhin gut zusammen.

    Meldung über den Rückzug: https://www.almasdarnews.com/article/isis-moving-heavy-fighting-equipment-iraq-syria/

    Beste Grüße, ped43z

    1. @ped

      Ja, aber das ist keine Überraschung und die Russen wissen das.

      Aus Sicht der Russen sind das letzte (erbärmliche) Versuche. Sicher ist: DIE HABEN VERLOREN! Jedenfalls was den Krieg in Syrien betrifft. Aber es gibt noch andere Schlachtfelder.

  3. The Times liefert folgende Überschrift:

    EU offers cash to Assad regime for Syria peace deal

    Und weiter:

    The EU is offering financial support for a Syria still ruled by President Assad in a last-ditch effort to retain western influence on the outcome of the war, The Times has been told.

    As the battle for Aleppo reaches an endgame, EU officials are said to have accepted that previous western demands that Assad step down are unrealistic. There is a growing sense that America has been sidelined as a western negotiating partner.

    Instead, the EU foreign policy chief, Federica Mogherini, put new proposals to opposition leaders at a meeting two weeks ago, with an offer of aid and investment as a sweetener for all sides.

    The proposals were in line with United Nations resolutions calling for a “political transition” in Syria. The United States, Britain and France have always backed the opposition’s insistence that the words “political transition” meant Assad’s removal from office, but now discussion of the precise outcome of the “transition” is being left to a future date.

    The EU proposals would involve devolution of power to Syria’s provinces, which would allow for “moderate rebel” forces to be integrated into local security forces. Central institutions of the state would remain, though eventually under more democratic control. The future of Assad is not mentioned.

    “What Mogherini wanted to do was present an EU plan — this is how to solve the conflict,” a source close to the opposition said. “There’s a transition, but the details are vague. In return, if all sides agree and everyone does what the EU says, there’s a huge pot of money.”

    Etwas länger zitiert, man kriegt nur zwei Artikel kostenlos.
    http://www.thetimes.co.uk/edition/world/eu-offers-cash-to-assad-regime-for-syria-peace-deal-w8shn8rjx

    Kurz gesagt: die EU ist völlig auf der Linie des politischen Prozesses im Sinne von Russland, und wie Assad ihn ohnehin schon geht?
    Gut.

    1. andreas

      Ich würde das anders sehen. Nachdem es der EU mit ihrem dreckigen Terrorkrieg nicht gelang, Einfluss in Syrien zu bekommen, versucht die EU nun, sich diesen Einfluss mit Geld zu kaufen – Gegenleistung für das EU-Geld scheint ja sein zu sollen, dass Syrien dezentralisiert wird, um so schwächer im Widerstand gegen Israel zu werden.

      Ich glaube, solche Spielchen, mit Cash als Wurst vor die Nase zu halten, zu bekommen versuchen, was ihr mit Krieg nicht gelang, kann die EU sich sparen, da macht sie sich nur lächerlich mit.

      1. Die Versöhnungsverhandlungen mit Teilung der lokalen Macht sind ja durchaus jetzt schon eine gewisse Dezentralisierung.

        Da die Russen aktiv daran beteiligt sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass man einfach davon wieder abrückt. Russlands Vorgehen ist bisher sehr konsistent.

        Danach braucht es irgendwann auch Formalien, wie es in den Gebieten mit Versöhnungsbereiten „Rebellen“ weiter geht. Auch mit den Kurden braucht es eine Einigung über den zukünftigen Status, da sehe ich auch nicht, dass es zu ernsthaften Kämpfen kommt, das ist nicht im Interesse Russlands, und auf dessen Unterstützung kann einfach nicht verzichten.

        Die EU andererseits braucht eine Lösung für ihr Flüchtlingsproblem, falls es jetzt mit Erdogan zum richtigen Krach kommt.

        Syriens Wiederaufbau zu unterstützen, ist da einfach naheliegend.

        Festhalten an der Assad-muss-weg-Doktrin ist ja auch nur noch lächerlich.

      2. andreas

        Mir ging es da um etwas ganz anderes, nämlich das hier:

        „The EU proposals would involve devolution of power to Syria’s provinces, which would allow for “moderate rebel” forces to be integrated into local security forces. Central institutions of the state would remain, though eventually under more democratic control.“

        Das geht das feindliche Bündnis EU einen feuchten Kehricht an, was die Syrer da vereinbaren, auch wenn die syrisch-syrische Lösung möglicherweise am Ende ähnlich aussieht. Einerseits unterstützt die EU in Syrien Terroristen, andererseits will die EU sich mit etwas Kleingeld ein Mitspracherecht bei der Lösung des Terrorproblems in Syrien erkaufen, und obendrein hat die EU dann auch noch ihre Sanktionen gegen Syrien verschärft, um Syrern möglichst viel Leid zuzufügen. Das Vorgehen der EU ist total unverfroren.

        Dass der auch von der EU geführte Terrorkrieg gegen Syrien das Potenzial hat, die EU zu zerlegen, das hätte sich die EU vor dem Krieg mal überlegen müssen. Wenn die EU sich mit Syrien wieder gut stellen will, weil sie Syrien zur Lösung ihres Flüchtlingsproblems braucht, dann sollte die EU erst mal mit der Unterstützung des Terrors aufhören, ihr Militär von illegalen Einsätzen auf syrischem Staatsgebiet fernhalten, ihre Sanktionen aufheben und Wiedergutmachung an Syrien für den durch den Krieg angerichteten Schaden leisten.

      3. Mal sehen wie die Abstimmungen/Wahlen in Italien und Öesterreich ausgehen. Es könnte durchaus sein, dass die Bedeutung der EU als internationaler Player einen heftigen Dämpfer erhält, wenn der Euro unter Druck kommt. Da wackelt derzeit einiges und nicht nur die Währung, aber diese könnte der erste Stein sein.
        Die EU-Kommission hat man schon weitgehend aus der Öffentlichkeit verbannt.

      4. MAK

        Sehe ich auch so. Mal schauen, was der heutige Sonntag in Italien und Österreich bringt. Da könnte die Bestie EU schon beinahe mit erledigt sein.

      5. einparteibuch
        „Ich glaube, solche Spielchen, mit Cash als Wurst vor die Nase zu halten, zu bekommen versuchen, was ihr mit Krieg nicht gelang, kann die EU sich sparen, da macht sie sich nur lächerlich mit.“
        Die €U-Politiker machen sich damit nicht nur lächerlich, sondern sie zeigen damit auch, wie moralisch und geistig verkommen sie sind. Sie unterstellen Präsident Assad, dummt und käuflich zu sein. Da Menschen üblicherweise von sich auf andere schließen, lässt das den Schluss zu: die maßgeblichen €U-Politiker sind genau das, was sie anderen unterstellen.

    2. @Andreas
      „Festhalten an der Assad-muss-weg-Doktrin ist ja auch nur noch lächerlich.“

      .

      Das ist vollkommen richtig. Nur seit wann fressen Wölfe „freiwillig“ Kreide?

      1. „Nur seit wann fressen Wölfe „freiwillig“ Kreide?“

        Seit die Wölfe glauben, damit Rotkäppchen von der entscheidenden Frage abhalten zu können: „Großmutter, warum hast Du ein so großes Maul?“

    3. Die EU steht militärisch auf verlorenem Posten, jetzt versucht sie ihre „friedliche“ Art von Kriegsführung:
      – oppositionelle Politiker kaufen, damit sie die Zentralregierung schwächen
      – durch subventionierte Agragexporte die lokale Landwirtschaft zerstören, so dass Länder von Importen abhängig werden
      – und wenn ein Land zu selbständig wird, gibt es Wirtschaftssanktionen, um das Land auszuhungern
      Ich denke allerdings, die EU steht auch damit auf verlorenem Posten. In Damaskus macht man sich sicher keine Illusionen über die Absichten der EU. Und solange die EU die Sanktionen gegen Syrien aufrechterhält, wird man in Damskus freundlich lächeln, ein bisschen mit ihnen reden, aber sie ansonsten abblitzen lassen.
      Im Sommer diesen Jahres haben sich in Damaskus die Handelsvertreter aus China und Indien die Klinke in die Hand gegeben, während die EU noch auf Krieg gesetzt hat. Damit ist auch klar, wer das große Geschäft beim Wideraufbau des Landes machen wird: sicher nicht die EU, sondern die Länder, die Syrien auch in den schlimmsten Kriegszeiten die Stange gehalten haben: China, Indien, Iran und die Russische Föderation.
      Im Übrigen würde ich an der Stelle der syrischen Regierung erst einmal Reparationen con der EU fordern – zweistellige Milliardenbeträge wären wohl angemessen -, also Geld ohne irgendwelche Gegenleistungen, bevor man irgendein Wort über Handelsverträge redet. Der Bankenrettungsfond der EU hat ja genug Geld…

      1. Matthias

        Da möchte ich widersprechen. Nicht „zweistellige Milliardenbeträge“ wären da angemessen, sondern dreistellige Milliardenbeträge. Und da wäre das ganze von der EU und ihren Komplizen angerichtete menschliche Leid noch gar nicht mal eingerechnet.

      2. @Parteibuch:
        Ja, als Gesamtschadenssumme schätze ich auch dreistellig, es sind ja nicht nur die Kriegsschäden, sondern auch die Schäden durch die Sanktionen.
        Die politisch taktisch und strategisch interessante Frage finde ich, von wem man was holt oder holen kann. An dem Maß der Verursacherschuld haben die USA, die Golfstaaten und die Türkei wahrscheinlich einen höheren Anteil als die EU.
        Die USA haben einen Militärhaushalt von 600 Milliarden Dollar pro Jahr, da könnte man auf die Idee kommen zu fordern, ein Jahr lang die Hälfte davon für Syrien, also 300 Milliarden US-Dollar (was nicht realistisch ist innerhalb eines Jahres, aber vielleicht innerhalb von zehn Jahren). Ich bin mir nicht sicher, ob die Reparationen in Trumps Plänen zum Wiederaufbau der USA schon eingepreist sind. Da wird er wohl was zu knabbern haben.
        Die Türkei – das zeichnet sich aus dem bisherigen Umgang der russischen Regierung mit der türkischen ab – hat wohl in Form eines NATO-Austritts und SCO-Beitritts zu „bezahlen“. Und ich vermute, wenn die Türkei in diesem Sinne mitspielt, wird man sie wirtschaflich eher schonen, nur mäßige Reparationszahlungen fordern und dafür das Geld anderswo holen.
        Bei Saudi-Arabien sieht es schlecht aus, es gab Berichte, dass bei gleichbleibenden Ölpreisen der Staatshaushalt in fünf Jahren pleite ist. Da scheint mir die Vorgehensweise noch nicht entschieden. Im Moment setzt Russland Saudi-Arabien unter Druck, den Ölpreiskrieg zu beenden. Und es ist klar, dass man nichts davon hat, einen Schuldner ganz pleite gehen zu lassen, denn dann kann man gar nichts mehr von ihm holen. Möglicherweise wird Saudi-Arabien moderat behandelt, wenn es politische Reformen gibt und die Verfolgung der Schiiten eingestellt wird. Außerdem wird Saudi-Arabien viele, viele Milliarden an den Jemen zu behzahlen haben. Da ist unklar, welchen Anteil man dann noch an Reparationen für Syrien holen kann. Wer offenbar noch keine Finanznöte hat, sind Katar und die anderen GCC-Staaten, da wird man wohl eher zuschlagen.
        Und was die EU anbetrifft: Russland hat kein Interesse daran, dass die EU ganz zusammenbricht. Die muss schließlich auch noch den Wiederaufbau der Ukraine bezahlen – da wären auch 200 bis 300 Milliarden nötig.

      3. Matthias
        Sie haben zweifellos recht.
        Nur, wer kann auf unserer Erde in der augenblicklichen Lage Recht durchsetzen ?
        „Ich bin mir nicht sicher, ob die Reparationen in Trumps Plänen zum Wiederaufbau der USA schon eingepreist
        sind. Da wird er wohl was zu knabbern haben.“
        Die Regierung Trump wird meiner Einschätzung nach keine Schuld gegenüber Syrien eingestehen und nichts für Syrien zahlen. Die U$Aner sehen sich als exceptional
        http://www.jukkarannila.fi/docs/American_Exceptionalism_GALLUP_2_American_Exceptionalism_Dec_22_2010.pdf
        https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2014/05/28/remarks-president-united-states-military-academy-commencement-ceremony
        (Suchbegriff: exceptionalism )
        und stehen nach deren Weltverständnis über jeglichem Recht, d.h. sie sind immer im Recht – Trump weist das zwar zurück, aber wenns um Geld geht …

      4. Wenn Wallstreets Washingtons Wertegemeinschaft ihre Strafe aus dem ICC-Urteil wegen Kriegsverbrechen des Terrorismus gegen Nicaragua bezahlt hat, können wir weiterreden.

      5. @ Heinz Göd

        Die USA sind schon recht kleinlaut geworden. Schön nachzulesen unter:
        http://analitik.de/2016/10/13/willkommen-in-der-multipolaren-welt/

        Dort wird auch beschrieben, wie die Russische Föderation Reparationen für die Sanktionen gegen sie UND !! die Gegensanktionen !! gefordert hat. Nun ist die Aussetzung des Nuklearabkommens eher belanglos. Es gibt aber ein wichtiges Druckmittel für die RF gegen die USA: das Schicksal Saudi-Arabiens. Der langjährige und wichtige Verbündete der USA, Saudi-Arabien, steht am Abgrund: es droht ein Staatsbankrott, ein Zurückfahren der Sozialleistungen birgt die Gefahr von Unruhen, der Krieg im Jemen entwickelt sich zur Katastrophe: jemenitische Milizen sind schon 10 bis 15 km auf saudischem Staatsgebiet und zerstören dort mit selbstgebastelten Raketen saudische Militärstützpunkte. Kürzlich bekamen sie offenbar moderne Antischiffraketen, vermutlich mit iransicher oder russischer Technologie, jetzt geht es den Kriegsschiffen an den Kragen, die eine Seeblockade des Jemen veranstalten, um die Bevölkerung auszuhungern. Womit sich die Unterstützer des jemenitischen Militärs offenbar noch zurückhalten, sind moderne Luftabwehrsysteme. Und das ist wohl die entscheidende Drohung gegenüber Saudi-Arabien (und damit den USA). Für die USA ist Saudi-Arabien von großer geopolitischer Bedeutung. Dass der Staat zerfällt, können sich die USA nicht leisten. Da könnte die RF den USA einen Deal anbieten: wir halten unsere schützende Hand über Saudi-Arabien, sorgen für eine Mäßigung der Schiiten und fördern mit unserem diplomatischen Geschick ene politische Transition in Saudi-Arabien, wenn, ja wenn ihr brav eure Reparationen an Syrien und Jemen zahlt.

        Und dann ist da noch Israel. Die sind auch nicht dumm und werden gemerkt haben, dass sie im Zweifelsfall von der US-Armee nicht mehr beschützt werden können, weil die Russen militärtechnisch überlegen sind und jetzt im Nahen Osten großen Einfluss haben. Da könnte man ebenfalls einen Deal andenken: es gibt einen Übergang von den USA zu Russland als Schutzmacht Israels, damit wird der US-Regierung der Rücken frei gehalten (weil ansonsten die einflussreichen
        Pro-Israel-Lobbies in den USA dem Präsidenten die Hölle heiß machen). Und der Preis dafür wären eben, wiederum, Reparationen an Syrien und Jemen, zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht auch an Libyen und die Ukraine. Und wenn es hart auf hart kommt, dann kann Russland den USA auch noch damit drohen, der USA in der internationalen Politik das Leben schwer zu machen und sich vielleicht militärisch in Südostasien mehr zu engagieren. Dazu kommt noch, dass das gegenwärtige Bestreben der Russischen Föderation, Saudi-Arabien zu einem Ende des Ölpreiskrieges zu bringen, auch der Ölindustrie in den USA nutzt – und das ist etwas, was Trump sehr gelegen kommen könnte (mehr Arbeitsplätze in den USA). Also, es mangelt nicht an Druckmitteln

      6. Matthias
        Ja, Ihre Argumente sind durchaus schlüssig.
        Solange der geisteskranke Russlandhasser Brzezinski noch politischen Einfluss in den U$A hat
        https://www.washingtonpost.com/news/the-fix/wp/2016/11/29/mika-brzezinski-attends-mysterious-meeting-at-trump-tower/
        befürchte ich eine extrem hinterhältige Politik der U$Aner.

        Durch Syrien lief die Seidenstraße

        die die Chinesen wiederbeleben wollen.
        Die Chinesen haben 4-stellige Milliarden-Beträge an U$-$, die sie langsam loswerden wollen. Dass es Präsident Assad noch gibt, dürfte meines Erachtens wohl auch den Chinesen zu verdanken sein – Syrien müsste nach 4 Jahren Krieg und €U-Sanktionen meiner Einschätzung nach pleite sein.
        Also ich setze bezüglich des Wiederaufbaus von Syrien auf China.

    4. Noch ein Wort zur EU:
      „Ein Sieg der Truppen von Präsident Assad in Aleppo werde den Krieg nicht beenden, sagte die EU-Außenbeauftragte Mogherini.“ (zitiert aus einem obem verlinkten Tagesschau-Artikel)

      Solang der Krieg gut lief für die europäischen Terroristenunterstützer hieß es „wer in Aleppo gewinnt, gewinnt den Krieg in Syrien“. Syrien hat den Krieg strategisch gewonnen, aber die EU will es einfach nicht einsehen. Sind das die Leute, mit denen man ernsthaft über Handelsbeziehungen und Investitionen redet?

      1. Was Mogherini da sagt, lässt sich auch als Freudscher Versprecher interpretieren. Denn die EU ist es offenbar, die beabsichtigt, ihren ganz eigenen Propaganda-, Wirtschafts- und verdeckten heißen Krieg gegen Syrien weiter zu führen. Dass dieser EU-Wirtschaftskrieg Syrien ausblutete und damit dessen Wirtschaft als Rückrat in einem Verteidigungskrieg enorm schwächte, wird in den Auswirkungen von vielen geradezu sträflich unterschätzt.

        Es gab ja 2004 schon die Ratifizierung eines EU-Assoziierungsabkommens mit Syrien. Die Wirksamwerdung machten die EU-Strategen von einer „Liberalisierung“ der syrischen Gesellschaft abhängig und diese Liberalisierung bezog sich vordergründig überhaupt nicht auf die Politik, sondern auf Wirtschaft und Finanzen. Schritt für Schritt öffnete Syrien seinen Markt, baute Zölle und Subventionen ab, was den sozialen Frieden vor allem auf dem Lande beeinträchtigte, denn es kam zu Zusammenbrüchen kleinbäuerlicher und handwerklicher Existenzen im vierstelligen Bereich. Das alles um die Möhre, die Syrien vor die Nase gehalten wurde, zu erhaschen. Das war vielleicht einer der größten Fehler der Assad-Regierung, der EU vertraut zu haben. Hierzu auch eine hervorragende IMI-Studie von Jürgen Wagner:
        http://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2012-12_web.pdf

        Syrien hatte wohl um das Jahr 2010 beschlossen, auf die Wirtschafts- und Politik-Berater der EU zukünftig zu verzichten … Da musste schon deshalb abgestraft werden:
        https://peds-ansichten.de/2016/11/die-eu-als-krieger-gegen-syrien/

        Beste Grüße an alle, ped43z

    5. einparteibuch
      „Ich glaube, solche Spielchen, mit Cash als Wurst vor die Nase zu halten, zu bekommen versuchen, was ihr mit Krieg nicht gelang, kann die EU sich sparen, da macht sie sich nur lächerlich mit.“

      In Jugoslawien – Montenegro, Serbien geht die fast gleiche Strategie JETZT auf.
      Was die Serben reitet werde ich glaube nie verstehen

      Diese Erfolge bestätigen dieses Pack auch noch

  4. @einparteibuch

    „Dass der auch von der EU geführte Terrorkrieg gegen Syrien das Potenzial hat, die EU zu zerlegen, das hätte sich die EU vor dem Krieg mal überlegen müssen. Wenn die EU sich mit Syrien wieder gut stellen will, weil sie Syrien zur Lösung ihres Flüchtlingsproblems braucht, dann sollte die EU erst mal mit der Unterstützung des Terrors aufhören, ihr Militär von illegalen Einsätzen auf syrischem Staatsgebiet fernhalten, ihre Sanktionen aufheben und Wiedergutmachung an Syrien für den durch den Krieg angerichteten Schaden leisten.“

    Besser kann man es nicht formulieren, absolute Zustimmung.
    Ich hoffe, wahrscheinlich vergeblich, dass nach diesem erneuten kläglichen Fehlschlag der menschenfeindlichen Versuche eines Regimewechsels gegen den Willen einer Mehrheit dieses „beglückten Volkes“ endlich ein Umdenken im Wertewesten stattfindet.

  5. Trump hat ja erklärt, dass es keinen Regime Change mehr geben soll; abwarten.

    Aus Europa kommen ja schrille Töne gegen Trump und seine (mögliche) Politik, aber praktisch können sie ohne die USA nicht viel machen.

    Wenn Regime Change keine Option mehr ist, muss man irgend eine realistische Position beziehen.

    Selbst wenn man große Töne spuckt, daneben gibt es ja meistens auch Realpolitik.

    Wenn es so kommt, wäre das eine positive Entwicklung.

  6. Kann mir mal jemdan erklären warum die Tasche nördlich der Zitatelle nicht zugemacht wird.
    Und überhaupt, warum um die Zitatelle herum keine weiteren Geländegewinne zu erzielen sind?
    Warum ich das nicht verstehe ist, weil doch von der hohen Festung aus ein guter Überblick gegeben ist und man doch von dort aus die ganze Gegend mit Scharfschützen und Granatwerfern belegen kann.

    Ansonsten muß ich als stiller Mitleser (nachdem mich der Chef mal rund gemacht hat) sagen, daß es im Moment sehr spannend ist und ich mich über jeden Gewinn der Regierungstreuen freue.
    Dort in Syrien entscheidet sich im Moment doch ob die USA weiterhin der Hegemon der Welt bleiben oder nicht.

    1. Im Septmeber hat man schon mal versucht die nördlich der Citadelle gelegen Viertel zu befreien. War verlustreich und Fortschritte waren wenig realisierbar, was nicht zuletzt an der verwinkelten Bauweise dieser Stadtteile lag
      Die Citadelle ist zwar relativ einfach zu verteidigen, aber das ist zugleich der grösste Nachteil dieser Position. Schwere Waffen wie Artillerie,Raketenwerfer u.s.w. dort zu positionieren ist ausser mit Helikoptern nahezu unmöglich. Tragbare Mörser haben aber nur eine eingeschränkte Feuerkraft. Damit ist auch die ünterstützende Wirkung der Citadelle für einen Umgebungsangriff sehr begrenzt.

    2. Aus ganz einfachen Grund. Es handelt sich um Alte Aleppo. Sehr enge Strasse mit alte Substanz. Viele vermuten, dass Abzug aus Sheick Saeed vor 3 Tage hängt damit zusammen. SAA will Islamisten ein Abzugs Gebiet lassen.

    3. Die Armee hat sich mit Stand von 18:00 Uhr von Osten her bis auf 500 Meter an die Zitadelle rangekämpft. Ich denke die Abesetzbewegung der feindlichen Kräfte aus der nördlichen Tasche wird deshalb schon am laufen sein. Das wird natürlich weder eine geordnete, noch eine zentral abgesprochene Absetzbewegung sein, was bei vielen kleinen Brigaden mit schlechter Kampfmoral und ohne gemeinsames Oberkommando auch nicht anders zu erwarten ist. Innerhalb der nächsten zwei Tage wird jedenfalls alles nördlich der Zitadelle unter Kontrolle der Armee sein. Alles andere würde an ein Wunder grenzen.

    4. Vielen Dank für die Erklärungen! Jetzt sehe ich das klarer.

      Mittlerweile gheht es ja rasant vorwärts und wenn die Prognonse von Dietmar eintritt, dann ist das Thema eh durch!

  7. @ andreas

    „Wenn Regime Change keine Option mehr ist, muss man irgend eine realistische Position beziehen.
    Selbst wenn man große Töne spuckt, daneben gibt es ja meistens auch Realpolitik.“

    Und bisher hat die REALPOLITIK der EU darin bestanden, Syrien möglichst viel zu schaden und Assad zu bekämpfen. Sicher wäre es schön, wenn da Vernumpft einkehren würde, aber dann könnte man sich ja auch gleich mit Russland anfreunden und das wird garantiert nicht passieren. Zumindest nicht unter Merkel.

    Die EU soll sich verpfeifen, nach allem, was sie da angerichtet hat! Keine Handbreit den tranznationalen Ziocons und ihren vergifteten Geschenken!

    1. Bezüglich REALPOLITIK einen kleinen Auszug aus dem DLF vor paar Tagen. Wirft ein Schlaglicht darauf, wie man sich in D. und EU die Entwicklungen mittelfristig vorstellt (aus der Erinnerung in Teilen sinngemäß zitiert):

      „Von Assad lernen, heisst siegen lernen. Man muss als Diktator nur lange genung aushalten, alle internationalen Warnungen in den Wind schlagen…. und kann mit starken partnern die Lage wieder unter Kontrolle bringen. …
      Aber Assad sollte sich nicht täuschen: Auch Gadaffi kehrte nach Jahren als Paria für einige Zeit auf die internatione Bühne zurück, um dannach vom arabischen Frühling hinweggefegt zu werden.“

      Es dürfte also jetzt Deutschland und der EU (u. sicher auch der USA!) darum gehen, dem gebeutelten Syrien ein paar Möhren vor die Nase zu halten, damit man nicht gänzlich rausgeschmissen wird. man will über Geld Einfluss behalten, damit man NGOs und gekaufte Politiker installieren kann.
      Alles beim alten.
      Der regime change ist also keineswegs abgeblasen. Man verschiebt ihn nur und wartet darauf, die alten Kräfte wieder zu reaktivieren.

      Solange die Sanktionen gegen die Syrer nicht aufgehoben sind (selbst die UN hat festgestellt, dass gegen Syrien *das umfassenste und ausgeklügeltste Sanktionssystem besteht, was jemals festgelegt wurde*), solange hält man auch am Regime change fest! „Aufbauhilfen“ hin oder her, ob 50 Mios oder 50 Mrd.

      Das Sanktionsregime ist und bleibt der Marker im Verhältnis Westen- Syrien.

    1. Salander

      Nein, der Artikel und das Video war mir bisher nicht bekannt.

      Was mir jedoch bekannt war, ist, dass Brexit und Trump im Finish die gleiche aggressive und sehr personalisierte Nachrichten über „Facebook-Freunde“ und Telefonkontakte ausspuckende Wahlkampf-Software benutzt haben, und dass diese Software offenbar so effektiv ist, dass sie Demoskopen verblüfft.

  8. Liebe Parteibuch
    es sieht an einen sehr schwarzen Tag für Islamisten in Aleppo. Zuerst bekämpfen sich wieder Gegenseitig und dann brechen Verteidigungs Linie. SAA hat ein grösse Schritt vorne gemacht. Es wäre schön ein beitrag zu lesen über heutige Situation. Angeblich steht SAA 200meter von national Spital?

  9. Danke für die schnelle Antwort. Das wird spannend werden zu beobachten, in welche Richtung uns die Raute in den nächsten Monaten „wirksam regieren“ wird.

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