Syrische Armee befreit Großteil des Aleppiner Bezirks Ramouseh

Nach der Wiederherstellung der Kontrolle über die Militärbasis Ramouseh im Südwesten von Aleppo zu Beginn der Woche haben die syrische Armee und ihre Partner am heutigen Donnerstag zum Wochenausklang auch den Bezirk Ramouseh größtenteils von den von Al Kaida geführten Terroristen befreit, die vor rund drei Wochen die Kontrolle über diesen Industriebezirk übernommen hatten.

Aktuell gibt es unterschiedliche Meldungen darüber, ob die syrische Armee und ihre Partner bereits den ganzen Bezirk Ramouseh wieder unter Kontrolle haben oder ob in einigen Teilen des Bezirks noch Terroristen ausharren. Sympathisanten der Terroristen hatten bereits am heutigen Morgen erklärt, dass die Terroristen sich aus dem Bezirk vollständig zurückgezogen haben. Kurz darauf stellte sich jedoch heraus, dass das nicht stimmte, und in einigen Teilen des Bezirks noch Terroristen ausharrten.

SANA berichtet zur Stunde lediglich von der Widerherstellung der Kontrolle über die Gasfabrik, die Gerbereien, den Schlachthof, die Post und einen Militärcheckpoint im Bezirk Ramouseh. Außerdem berichtet SANA bei der Gelegenheit, dass die syrische Armee von der Frontlinie nahe Ramouseh auch in Richtung Khan Touman im Umland von Aleppo einige Höhen unter Kontrolle gebracht hat. Southfront und Al Masdar News gehen mittlerweile jedoch davon aus, dass die syrische Armee und ihre Partner inzwischen den gesamten Bezirk Ramouseh, einschließlich des Treibstofflagers Sadkop im Nordosten des Bezirks, unter Kontrolle gebracht haben.

Yusha Yuseef meldete demgegenüber um 16:30h Ortszeit, dass die syrische Armee und ihre Partner noch nicht die volle Kontrolle über den Bezirk Ramouseh wiedergewonnen haben. Einer Karte von Liwa Al Qods zufolge fehlen dazu noch der Nordteil des Bezirks sowie das Treibstofflager Sadcop, das schon vor langer Zeit von Terroristen erobert worden war.

Hassan Ridha meldet demgegenüber, dass das Treibstofflager Sadcop nun das erste mal seit vier Jahren wieder unter Kontrolle der Armee steht, und auch auf der Karte des Militärmedienzentrums sieht es so aus:

Wie dem auch sei, die Lage in Ramouseh ist im Fluss und die syrische Armee macht große Fortschritte in der Gegend. Der Ring um die nahezu menschenleeren Terroristengebiete der Stadt Aleppo ist am heutigen Donnerstag jedenfalls wieder ein Stück fester geworden. Die durch die Offensive der Terroristen vor vier Wochen gekappte Versorgungsroute durch Ramouseh für die rund eineinhalb Millionen Menschen in den von der Regierung kontrollierten Gebieten der Stadt Aleppo soll inoffiziellen Informationen des Militärs zufolge noch am heutigen Donnerstag Abend oder spätestens Morgen wieder geöffnet werden, sodass für die Einwohner der lange und gefährliche Umweg östlich rund um die halbe Stadt, um dann von Norden über die Kastello-Straße nach Westaleppo zu kommen, dann wieder entfällt.

Unklar ist noch, ob, und wenn ja, wo und wie weit die syrische Armee den durch hohe Verluste ausgrund ihrer eigenen ungestümen Offensive geschwächten Terroristen in und um Aleppo in den nächsten Tagen nachsetzen wird. Zu rechnen dürfte beispielsweise damit sein, dass die syrische Armee und ihre Partner die kurz nach dem Beginn des Waffenstillstandes im Februar von Terroristen eroberte Ortschaft Khan Touman wieder unter Kontrolle bringen, aber denkbar ist auch eine viel weitreichendere Verfolgung der Terroristen.

Nachtrag 17:10h MESZ: Gegen 17:30h syrischer Ortszeit meldete nun auch Yusha Yuseef, dass der bezirk Ramouseh sich vollständig unter Kontrolle der Armee befindet. Al Masdar News sagt nun auch in einem Artikel, dass die syrische Armee das erste Mal seit drei Jahren die volle Kontrolle über das Treibstofflager Sadcop hat. Treibstoff dürfte es da natürlich schon lange keinen mehr geben, aber die hohen Gebäude sind selbstverständlich exzellente militärische Stellungen. In einem in den Artikel von Al Masdar News eingebetteten Video vom Militärmedienzentrum aus Ramouseh ist das Sadcop Treibstofflager jedoch nicht zu sehen.

Ansonsten ist das knapp fünf Minuten lange Video jedoch recht aufschlussreich und belegt unter anderem die Kontrolle der syrischen Armee und ihrer Partner über den Bezirk Ramouseh, oder jedenfalls einen erheblichen Teil des Bezirks.

9 Gedanken zu “Syrische Armee befreit Großteil des Aleppiner Bezirks Ramouseh

  1. Luftschlag auf Al Nusra Führungstreffen mitten in Ost-Aleppo, vermutlich von den Amis.

    Das ist neu.
    Die „Rebellen“-Unterstützer schäumen; also wie kann man nur, Al Quaida angreifen,die sind doch gegen Assad, die muss man mit Waffen beliefern!

    Es wird auch gesagt, dass es ein Treffen mit den „Gemäßigten“ war, kein rein internes. Aber Todesmeldungen bisher nur über Al Nusra, oder?

    Dies wäre ein deutliches Zeichen der Amis, wenn sich das bestätigt.

    Könnte relativ schnell zu Verhandlungen it den „Moderaten“ kommen, wenn sie jetzt mit solchen präzisen Schlägen jederzeit rechnen müssen.

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    Der IS soll Al Bab ordentlich befestigt haben.

    In Manbic haben sie sich quasi überennen lassen, und waren dann eingeschlossen, das Überraschungsmoment ist je nun nicht mehr gegeben.

    Jarablus war danach unhaltbar und wurde logischerweise aufgegeben.

    Im Kampf um Al Bab wird sich zeigen, wieviel Kraft sie noch haben; oder wie stark de Absprachen mit den Türken sind.

    Derzeit keine Bewegung der SAA; genug anderes zu tun (Aleppo, Ost Ghouta, Nordhama; in Latakia wartet immer noch das Bergnest Kabani), und da kann man erst mal zu schauen, wie sich Feinde gegenseitig bekriegen.

    Die SDF bewegt sich auch nicht mehr; abwarten.

  2. steter Tropfen höhlt den Stein

    Wobei ich schon mit der Nachricht rechne, dass die Rebellen das Stadtviertel zurück erobern werden und die SAA das Gebiet noch ein zweites und drittes Mal erobern müssen. Da es ein Industriegebiet ist, wohnen dort ja keine Zivilisten.

    Ich lese aber auch gerne Woche für Woche, dass ein weiteres Stadtviertel/Häuserblock in Ost-Aleppo befreit wurde.

  3. Sehr guter Bericht, wie immer vom Parteibuch. Vielen Dank dafür!

    Wie hoch schätzt das Parteibuch das verbliebene Terrorpotential in den Provinzen Aleppo und Idleb ein?

    1. sh4n

      Offensiv dürfte das Potential der Terroristen in der West-Rif-Aleppo/Idlib-Tasche, abegesehen von den Kräften, die Erdogan durch Verlegung nach Jarabulus vor der Eliminierung bewahrt hat, ziemlich erschöpft sein.

      Defensiv könnte das aber etwas anders sein. Für die Defensive brauchen die Terroristen nur relativ wenig freie Manpower und die Motivationslage der Kämpfer dürfte da auch etwas besser sein. In einigen Dörfern in Idlib und West-Rif-Aleppo dürfte es auch noch bewaffnete lokale Bevölkerung auf Seiten der Terroristen geben. Falls die syrische Armee und ihre Partner vorwärts geht, wird es sich dann zeigen, ob die Terroristen in der West-Rif-Aleppo/Idlib-Tasche oder in Ost-Aleppo-Stadt noch eine erntszunehmende Defensive hinbekommen, aber unwahrscheinlich ist das in einigen Orten nicht.

      Für wahrscheinlicher halten wir es deshalb, dass Putin mit Erdogan eine Teilnahme der Terroristen in der West-Rif-Aleppo/Idlib-Tasche am Waffenstillstand aushandelt. Sollten die Terroristen in ihren Dörfern in der Provinz Idlib dann von Terror und Offensivaktionen absehen und bei der Lieferung von Hilfsgütern nach Fua/Kafraya keinen Ärger machen, können sie dann in ihren Dörfern solange Loblieder auf Osama Bin Laden singen bis die lokale Bevölkerung da die syrische Armee wirklich zu ihrer Sicherheit zurückhaben will. Das könnte vor allem dann passieren, wenn die unterschiedlichen Jihadi-Gruppen in der West-Rif-Aleppo/Idlib-Tasche sich nun zerstreiten und mal wieder Krieg untereinander führen. Anzeichen dafür, dass das passiert gibt es schon. So gab es vor ein paar Tagen etwa in Ariha tödliche Auseinandersetzungen zwischen Terroristen von Jund Al-Aqsa und Terroristen von Ahrar Al Sham.

  4. „Befreiung durch Umflaggen“, das ist die Gefahr; denn dann sitzen auf einmal „moderat“ angestrichene Terroristen mit offizieller westlicher Unterstützung in großen Teilen Syriens.

    Die Türken werden versuchen, mit ihren Buddys vom IS im Hintergrund solche „Befreiungen“ zu verabreden (während vorn im Schützengraben unwissendes Kanonenfutter Bilder für die Öffentlichkeit liefern muss).

    Andererseits:

    Im Kampf gegen türkische Panzer kann der IS durchaus nochmal die Chance sehen, Rückenwind zu kriegen.
    Sie dürfen auch keinesfalls auffliegen, bei ihren Deals, sonst sind sie diskreditiert; damit wäre die naheliegende Variante, wenn es in Syrien den Euphrat runter geht, möglichst viele Ressourcen im Untergrund zu sammeln und bei passender Gelegenheit irgendwo wieder aufzutauchen, sehr erschwert.

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