Syrische Armee setzt Eliminierung von Terroristen südwestlich von Aleppo fort

Nach wie vor reichlich Ziele in einer von Zivilisten völlig freien Gegend vorfindend, setzen die syrische Armee und ihre Partner auch am heutigen Donnerstag die zügige Eliminierung einer großen Anzahl von unter Führung von Al Kaida agierenden Terroristen im Südwesten von Aleppo fort.

Terroristen hatten unter Führung von Al Kaida in der Nacht zum Donnerstag versucht, den Hügel Um Al Qara zu erobern, um so ihren verengten Korridor in die von Terroristen beherrschten Gebiete in der Stadt Aleppo wieder etwas aufzubohren, doch mussten die Terroristen ihre Offensive am Morgen nach hohen Verlusten abbrechen.

Wie SANA mitteilte, setzten die syrischen Streitkräfte und ihre Partner bei der Eliminierung der Terroristen in dem von Zivilisten freien Militärgebiet südlich von Aleppo insbesondere auf die Luftwaffe. Das Militärmediennetzwerk merkte zum erneuten Scheitern der Terroristen mit einer Offensive auf das Hügelchen Um Al Qara süffisant an, dass die Ziele des saudischen Al-Kaida-Führers Abdullah Muhaisny schon bescheidener geworden seien. Vor kaum mehr als zwei Wochen verkündete Muhaisny noch vollmundig den Beginn der großen Schlacht zur Eroberung der ganzen Millionenstadt Aleppo, doch nun versucht er seine Gefolgsleute nur noch zur Rückeroberung des Hügelchens Um Al Qara anzuspornen, und das auch noch vergeblich. Im Laufe des Tages unternahmen dann die syrische Armee und ihre Partner eine vorsichtige Gegenoffensive an verschiedenen Stellen am Rand des Jihadi-Korridors nach Aleppo.

Aus Sicht der syrischen Armee und ihrer Partner könnte es im Südwesten von Aleppo so wohl weitergehen bis Al Kaida und Kumpane die Terroristen ausgehen. So erklärt es sich auch, dass die syrische Armee zugestimmt hat, die noch rund 500 in Daraya südlich von Damaskus verbliebenen Jihadis in das westliche Umland von Aleppo zu transferieren. Die syrische Armee soll damit wieder die vollständige Kontrolle über Daraya bekommen, und wenn sich die Jihadis aus Daraya dann von Al Kaida für die Schlacht um ihren Korridor nach Aleppo einsetzen lassen, dürfte es nur wenige Tage dauern, bis sie dabei eliminiert worden sind.

Ein günstiger Umstand für die syrische Armee bei ihrem Versuch, den Terrorismus in und um Aleppo zu eliminieren und damit die vermutlich kriegsentscheidende Schlacht um Aleppo zu gewinnen, war auch am Donnerstag der türkisch-kurdische Zwist im östlichen Aleppiner Umland. Während die syrische Armee dabei ist, in der Metropole Aleppo den Krieg zu entscheiden, bekämpfen sich etwas weiter östlich nun unter großer Anteilnahme des westlichen Propaganda-Apparates mit von der türkischen Armee geführten Jihadisten und von der YPG geführten kurdischen Separatisten zwei Gruppen bewaffneter Regierungsgegner in Syrien, die beide von den USA unterstützt werden, wobei beide Seiten Fortschritte für sich reklamieren.

Militärisches Ziel der Türkei und ihrer Jihadi-Lakaien ist es Berichten zufolge, die Stadt Al Bab westlich von Manbij von ISIS zu erobern. Gleichzeitig macht die Türkei keinen Hehl daraus, dass das strategische Ziel der Militäroperation ist, es der kurdischen YPG unmöglich zu machen, ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet entlang der türkischen Grenze zu erobern.

Behauptungen von westlichen Propaganda-Outlets wie der staatlichen deutschen Märchenschau, die kurdische YPG habe sich auf Aufforderung durch die USA aus den Gebieten westlich des Euphrat zurückgezogen, sind unterdessen falsch. Richtig ist, dass die YPG auf die türkische und amerikanische Aufforderung zum Rückzug erklärt hat, sie hätte sich bereits vor einigen Tagen aus dem Gebiet zurückgezogen und die Kontrolle an den Militärrat Manbij übergeben. Daraus folgt dann messerscharf, dass es nun keiner Truppenbewegungen der YPG mehr bedarf, um die Anweisung der USA zu erfüllen. Praktisch sieht der „Rückzug“ der YPG mit Kontrollübergabe an den Militärrat Manbij natürlich so aus, dass die YPG westlich des Euphrat einfach zum Militärrat Manbij, dem sie ohnehin selbst führend angehört, umflaggt.

Diese Auseinandersetzungen zwischen Türkei und YPG sind so spannend, dass der westliche Propaganda-Apparat darüber seit einigen Tagen glatt vergisst, darüber zu berichten, dass die letzte Woche vom Westen mit Vehemenz geforderte und anschließend von Russland angebotene 48-stündige Waffenruhe in Aleppo zur Lieferung von Versorgungsgütern nach Aleppo immer noch nicht endgültig vereinbart wurde. Knackpunkt ist hier, wie der UN-Syrienbeauftragte De Mistura am Donnerstag mitteilte, dass die USA und ihre Verbündeten immer noch keine Garantie für die Sicherheit von Hilfslieferungen nach Aleppo und ihre Begleitung abgegeben haben, die dem russischen Angebot und einschlägigen Sicherheitsratsbeschlüssen entsprechend durch von der „moderaten bewaffnete Opposition“ kontrollierte Gebiete nördlich von Aleppo führen. Das Problem dabei ist natürlich, dass die Herrschaft einer „moderaten bewaffneten Opposition“ eine Fiktion westlicher Propaganda ist, und in den Gebieten in Wirklichkeit Al Kaida und ähnliche unberechenbare Terroristen herrschen, für die die USA keine tragfähige Garantie abgeben können.

Der syrischen Armee kann es nur recht sein. Während die Freunde von Al Kaida und YPG in der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft auf Kleinstädte wie Jarabulus, Manbij und Al Bab fixiert sind, können die syrische Armee und ihre Partner in der Millionenstadt Aleppo dem Sieg im Krieg um Syrien deutlich näher kommen, und ihn möglicherweise auch unumkehrbar entscheiden.

26 Gedanken zu “Syrische Armee setzt Eliminierung von Terroristen südwestlich von Aleppo fort

  1. Ihr seit euch sicher, das die Karte von Aleppo so stimmt?
    Zementwerk in Händen der Terroristen so wie ein breites Stück Land südlich der Autobahn, das würde bedeuten, das die Terroristen in Ostaleppo noch eine mächtige Kampfkraft haben. Ich habe zum Glück nirgend wo anders solche Informationen gefunden.
    Die Frage, ob die SAA nun wie hier gemalt noch immer 60 Prozent oder wie gestern gemeldet 90 ist da Kinderkram.
    Ich weiß, es gibt kaum aktuelle Karten, was heute SAA ist morgen Terroristenland und danach wieder SAA-Land, aber über die Karte bin ich erschrocken.

    1. Lutz

      nein, sicher ist das keineswegs, dass die Karte so stimmt, auch wenn Hamza üblicherweise schon recht gut informiert ist.

      Dass die Terroristen im Süden auch südlich des Stadtringes sitzen, ist schon seit Jahren so, war aber wohl auf vielen Karten nicht so dargestellt. Das Zementwerk befindet sich in den Händen der Armee, auch wenn einige Nebenflächen im Norden der Fabrik vermutlich von Terroristen kontrolliert werden. Siehe Position bei Wikimapia:

      http://wikimapia.org/#lang=de&lat=36.149935&lon=37.142200&z=13&m=b&show=/1983584/Cement-factory

      Islamic World News ‏@A7_Mirza schlägt allerdings die komplette Zementfabrik bis hin zum südlichen Stadtring der Armee zu:

      Was davon der Wahrheit näher kommt, lässt sich von außen sehr schwer beurteilen.

      Darum geht es aber sowieso nur rudimentär. Das primäre Ziel der syrischen Armee südwestlich von Aleppo ist nicht Geländegewinn, sondern in dem menschenleeren Gebiet möglichst viele Terroristen zu eliminieren, weshalb die Armee den Terroristen da schon ein bisschen was anbieten muss, damit sie auch anbeißen und kommen. Erst wenn die Terroristen nicht mehr können, dann dürfte die syrische Armee der Taktik folgend wieder vorrücken und Lücken im Gelände schließen.

    2. Da die Karte so deprimierend war, mal paar positive Gerüchte!!!
      Die SAA (oder besser Ihre Verbündete) geben wohl die Anhöhe(n) südlich der Militär-Akademien nicht mehr her. Es genügt wohl, die Angriffe zurück zu schlagen, da gibt es genug tote Terroristen.
      Siderenko meldet sogar, das die SAA die Straße nach Ostaleppo mit einem Sandwall blockiert hat. Da man die Feuerkontrolle über die Straße hat, wäre es möglich, das das Gerücht wahr ist. Dann müsste die UNO während der bevorstehenden Feuerpause ausschließlich über die Castelloroad nach Ostaleppo liefern, also über SAA-Gebiet.
      Laut FARS hat die SAA wohl inzwischen fast Ganz den Wohnkomplex genommen (bis auf 5 Gebäude). Damit hätte man den wohl schwierigsten Teil bei einer eventuellen Schließung des Korridors hinter sich. Wobei ich nicht sicher bin, ob man erst abwartete, wohin die jetzt nach Idlib gelieferten Terroristen gehen werden. Eventuell werden die ja im Kampf gegen die Kurden gebraucht.

    3. Das Wort Gerücht von einem Erdwall über die Straße nach Ostaleppo kann man wohl streichen. Er scheint seine Funktion voll zu erfüllen:

      Damit ist auf der Route auch kein rein und raus für Militärtransporte mehr möglich.

  2. Wenn die YPG Kurden sich der türk.Armee in den Weg stellen und als robust bewähren. Jaaa dann sieht es wieder sehr sehr gut aus. Dann hätten die „Guten“ aus Übersee mal richtig ins Klo gegriffen

    Mal sehen wie gross Barzanis Einfluss ist und wie die Kurdenmädels wirklich kämpfen.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt

    1. Wie soll man das werten… ;
      ANHA: der türkischen Armee mit chemischen Waffen in Manbij
      https://media.almasdarnews.com/wp-content/uploads/2016/08/Chemical-attack-218×150.jpg?f92882

      https://www.almasdarnews.com/article/anha-turkish-forces-use-chemical-weapons-manbij/

      Einerseits – die Kurden spinnen (tut mir eigentlich im Herzen weh), was sie so veranstalten in Hasakah – sie vertrauen dem US-Invasor. Nun kommt es, daß sie den Dolch in den Rücken erhalten, war auch nichts anderes geplant denn als Kanonenfutter zur Umsetzung von US-Interessen.
      Nun auf SAA zu hoffen, um denen – wie schon so oft (auf US-Anraten vermutlich) – anschließend in den Rücken zu fallen, der Zug ist abgefahren jetzt.

      Und TR zeigt nun, was sie für richtig halten einzusetzen. Und KEIN weltweiter westlicher Aufschrei.

      Ost-Kurden von Rojava, nun habt ihr was davon – umsonst die Hunderte Kämpfer verbraten, umsonst Leben geopfert dafür, daß nun alles westlich des Euphrats wieder zuerst unter TR und anschließend unter JAN/IS und noch schlimmer – unter Al Zenki-Schlächter kommt.

      Traurig für Syrien. Kurden, besinnt euch!

      – Konrad Fitz –

      1. Konrad

        „Wie soll man das werten…“

        Siehe folgenden Halbsatz von Al Masdar News:

        „This sensitive information has yet to be confirmed to be true“

        Ohne Bestätigung – also als Ente.

        Unbestätigte Giftgaspropaganda ist gerade en vogue.

  3. Ich stelle mir die Frage, wie weit Richtung Süden die Türkei mit einer Gruppe Proxy-Krieger vordringen wird? Es ist zwar schön, wenn die Anhängerschaft von Al Nusra sich reduziert. Doch der Südwesten von Aleppo bindet derzeit auch die Roten. Falls Gelb kein Schutzgürtel Richtung Norden darstellt werden doch türkische Verbände 70 km südlich auf rote Truppen stoßen. Was passiert dann? Gibt es zwischen der RF und der USA schon Absprachen auf welcher Linie sie sich treffen werden?

    1. Reisender

      „Falls Gelb kein Schutzgürtel Richtung Norden darstellt werden doch türkische Verbände 70 km südlich auf rote Truppen stoßen. Was passiert dann? Gibt es zwischen der RF und der USA schon Absprachen auf welcher Linie sie sich treffen werden?“

      Nachdem die YPG der syrischen Armee in den Rücken gefallen ist, soll wohl Al Bab anstatt an die YPG an die türkischen Jihadi-Lakaien gehen. Damit hat die Türkei dann den kurdischen Korridor verhindert und um weiterzugehen hat die Türkei keine Genehmigung von Syrien, Iran, Russland und USA.

      So in etwa sagt das auch Ismail Pekin, Ex-Chef des Generalstabs der türkischen Geheimdienste, bei Sputnik:

      http://sputniknews.com/middleeast/20160825/1044645198/turkey-jarablus-operation.html

      So wie es ausschaut wird der russische Generalsstabschef Valery Gerasimov seinem türkischen Kollegen bei seinem anstehenden Besuch in der Türkei die Details dessen erläutern, was für Russland akzeptabel ist und was nicht.

      http://www.dailysabah.com/diplomacy/2016/08/25/russias-chief-of-general-staff-to-visit-turkey-to-discuss-syria-operation

  4. Die syrische Armee hat einen Kessel bei Damaskus geräumt und damit sollen 2500 kampfstarke Soldaten mit Erfahrung frei geworden sein. Hoffentlich können diese in East Ghouta eingesetzt werden, um den dortigen Kessel schneller zu schrumpfen.

  5. Liebes Parteibuch.

    Woran läßt sich erkennen, dass die türkischen Invasoren auch eine Rückfahrkarte für ihre Panzer aus Nord-Syrien gebucht haben?-

    Die Beschwerde Syriens bei der UN über diesen Völkerrechtsbruch der Türkei wurde von der UN vorsätzlich zeitgleich abgeschwächt, indem die UN Syrien für zwei Giftgasangriffe überführt hält. (-Was übrigens einmal mehr zeigt, dass in der UN der Geist von Jalta als zionistisch-imperialistische Triebkraft höchst lebendig ist.)

    Außerdem hat Biden der Türkei Beifall geklatscht. (Und in das politische Schachersystem der USA -alles hat seinen Preis- könnte es durchaus passen, dass die Türkei einen Puffer in Nordsyrien schafft und dafür den Gülen bekommt?)

    Und was will Erdogan?: Er will den Gülen haben aber kein ernsthaftes Theater mit den USA. Er will den Assad beseitigen aber kein ernsthaftes Theater mit Russland. Er will ein großosmanisches Reich aber ohne Beteiligung der Kurden am Staatsgeschäft. Er will keine Autonomie der Kurden in der Türkei also auch nicht im angestrebten großosmanischen Reich. Er will nicht aus der US-geführten Nato austreten, sich ihr aber auch nicht unterwerfen.

    Und er wird kaum in die SCO können, weil mindestens die Chinesen einen eitlen Esel in ihm erkennen, welcher nach jeder geostrategischen Möhre rennt, welche ihm vor das unersättlich große Maul gehängt wird. (Und am Ende steht er vielleicht mit leeren Magen da, iiiaah, iiiiaah.)

    Insofern scheint obige Frage zum Rückzugswillen der türkischen Streitkräfte aus Syrien nicht ganz unberechtigt.

    Oder glaubt tatsächlich irgendwer, dass die kürzlich erteilten Ohrfeigen den eitlen Esel vom Bosporus verständig gemacht hätten?; vorsichtiger mit Sicherheit und vielleicht noch eine Spur verschlagener (sprich: bockiger), aber verständiger, klüger, weitsichtiger oder sogar weiser??-

    Daran zumindest dürften zum jetzigen Zeitpunkt noch erhebliche Zweifel bestehen. Denn Erdogan fischt nach wie vor nach „Der Ring des Polykrates“…

    1. Hans

      „Woran läßt sich erkennen, dass die türkischen Invasoren auch eine Rückfahrkarte für ihre Panzer aus Nord-Syrien gebucht haben?“

      Verschwinden die Türken aus Nordsyrien nicht wieder, wenn es Zeit ist zu gehen, werden sie weitere Ohrfeigen wie nach dem Abschuss des russischen Jets bekommen bis sie gehen.

      Das grundsätzliche geostrategische Problem der Türkei, den Osten, sprich Russland und die SCO als Ausgleich zu brauchen, um nicht völlig von EU und NATO abhängig zu sein, besteht ja weiter.

  6. „Mal sehen wie gross Barzanis Einfluss ist und wie die Kurdenmädels wirklich kämpfen.“

    Im offenen Gelände mit Gewehren gegen eine moderne Panzertruppe?

    Da geht nix.

    Die Kurden haben sich in den letzten Tagen oft an ihr Sprichwort erinnert:
    Die einzigen Freunde der Kurden sind die Berge.

    Tja, dabei haben sie mit ihrem Angriff in Hasakah kräftig mitgeholfen.

    Andererseits ist der Krieg in Syrien noch lange nicht vorbei.
    Und für Obama ist die deutliche Zurückdrängung des IS immer noch ein wichtiges Ziel in seiner Amtszeit. Es sieht zwar so aus, als sei der IS am Ende, aber die Gefahr ist noch nicht gebannt.
    Wenn Killary an die Macht kommt und sagen wir mal dringenden Bedarf hat, von ihrer E-Mail-Affäre oder der Finanzierung ihrer Stiftung durch wahabitische Terrorprinzen oder sonstwas abzulenken, oder einfach nur die Agenda ihrer Financiers durchdrücken will, und „ASSAD MUSS WEG“ zur Staatsräson wird, kann Syrien jederzeit noch in einem Dschihadistischen SUmpf versinken, bei dem am Ende der IS als härteste und „reinste“ Form Sieger sein kann.

    Das fällt dann zwar auf Killary zurück, aber natürlich auch auf Obama, der dann in den Geschichtsbüchern lesen darf, er war der Präsident, unter dem der IS zur lokalen Macht anwuchs.

    Also sollen bis zur Amtsübergabe Fakten da sein, und der IS in Syrien an denr Rand gedrängt sein.

    Jarublus ist für die Türken relevant, in ihrem Kampf gegen die Kurden; aber nicht für die Amis, wen juckt denn dieses Kaff da.

    Auch al Bab ist zwar regional wichtig und von strategischer Bedeutung, aber relevant im „Mantel der Geschichte“ ist einzig und allein Rakka.

    Lange Rede kurzer Sinn: dafür brauchen die Amis die SDF, und die SDF ohne die Kurden ist derzeit quasi nichts.
    Man kann versuchen, „moderate“ aller Art, bis zu den neugebrandeten Al Quaida oder „bekehrten“ IS-Kämpfern, in die SDF reinzudrücken, aber das dürfte auf dem Papier deutlich leichter fallen als in der Realität.

    Also, wie schaffen die Amis diesen Spagat, ihre wichtigste Fußtruppe gegen Rakka wieder in Angriffsstimmung zu versetzen?
    Denn nach der letzten Aktion, sie verjagen IS mit hunderten Toten aus Manbic, strategisch sehr wichtig um die Nachschublinien zu unterbrechen, und sollen dann abhauen, am besten damit türkische Proxys einziehen, dürfte die Lust auf einen Angriff auf Rakka mit eher Tausenden Toten gering sein.

    1. andreas

      „Also, wie schaffen die Amis diesen Spagat, ihre wichtigste Fußtruppe gegen Rakka wieder in Angriffsstimmung zu versetzen?“

      Gar nicht. Die YPG wird nicht nach Raqqa gehen, weil sie da nichts verloren hat. Raqqa ist für die syrische Armee, wird das aber erst dann ernsthaft angehen, wenn die kriegsentscheidende Schlacht um Aleppo gewonnen ist und in Idlib, Damaskus, Daraa und dem Rest von Westsyrien aufgeräumt wurde. Das wird passieren, aber nicht mehr in Obamas Amtszeit fallen.

    2. Ich würde es so sehen: die USA haben gerade keinen Plan mehr. Die Forderung von Biden, dass sich die YPG hinter das östliche Ufer des Euphrat zurückziehen soll, sehe ich als verzweifelten Versuch, bei der türkischen Regierung ein paar Punkte gut zu machen. Dass die Türkei für die USA geostrategisch verloren ist, ist zwar noch nicht sicher, aber relativ wahrscheinlich. Zu eindeutig haben sich die USA beim fehlgeschlagenen Militärputsch positioniert: die Vorbereitungen liefen gewissenmaßen vor den Augen der USA in Incirlik ab – unmöglich, dass denen das nicht aufgefallen ist. Jedoch haben sie ihren NATO-Partner Türkei nicht gewarnt – im Gegensatz zur russischen Regierung. Damit haben sich die USA eindeutig positioniert, unabhängig davon, ob man ihnen eine konkrete Beteiligung nachweisen kann. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr…

      Was Biden jetzt versucht, ist Schadensbegrenzung, um Incirlik noch ein paar Jahre nutzen zu können – bis die USA eine passende Alternative aufgebaut haben. Dass die USA Incirlik langfristig verloren gegeben haben, zeigen die Überlegungen, die dort lagernden taktischen Atomwaffen zu verlagern.

      Dass die kurdischen Milizen nicht nach Rakka marschieren werden, war schon Ende letzten Jahres klar. Die USA haben gerade keine Option, Rakka zu erobern. Für die syrische Regierung hat Rakka zwar hohe symbolische Bedeutung, aber wenig strategische Relevanz. Dort ist die Prioritätenliste ungefähr so:
      1. Das Kernland im Westen sichern (Aleppo, Idlib, Damaskus Umland, Homs)
      2. den Weg nach Deir Ezzor freikämpfen (200.000 Menschen aus der Luft zu versorgen ist ein hoher logistischer Aufwand)
      Rakka wird man sich für zum Schluss aufheben.

  7. „Im offenen Gelände mit Gewehren gegen eine moderne Panzertruppe? Da geht nix.“

    mal sehen.

    Die alt Herren „Armee“ in der Ostukraine hat gezeigt was da so alles im ganz offenen Gelände geht. Diese alten Herren haben Spitzhacke, Pflug und Kugelschreiber gegen Kalaschnikows getauscht. Jeder Vergleich hinkt aber die Kurden sollten nun wissen wer was will. Die konnten auch üben in den letzten Jahren.

    Bisschen Hilfe von Urlaubern, wie in der Ostukraine, wird sich auch finden lassen.

    Die müssen nur wollen und die Lektion gelernt haben.
    Dann sehe ich noch ganz viele Giftgasnachrichten, letzte zerstörte Krankenhauser und die berühmten Waffenstillstands-Forderungen

    Aber das wichtigste ist,
    sie würden zeigen heutzutage sind Armeen nicht mehr in der Lage, ein Land zu besiegen wenn die Bevölkerung es nicht will.

    Das würde einiges deeskalieren

    1. Wurst

      Ohne Quelle für vernünftige Waffen und Munition geht da im offenen Gelände nichts, und schon gar nicht offensiv. Und genau da sitzt das Problem der YPG, was die Donezker nicht hatten: die YPG liegt seit ihrer Unterstützung der Asayish-Attacke auf die syrische Armee in Hasakah mit allen Seiten über Kreuz. Wenn Russland, die USA und die Türkei gegen die YPG stehen, dürfte die YPG schon Probleme haben, an relativ einfache wie geführte/lenkbare panzerbrechende Raketen zu kommen.

      Dann bleibt der YPG noch ein von der Bevölkerung getragener Guerillakrieg, der auf langfristige Zermübung, Hit-and-Run-Attacken und Sprengsätze setzt, wie die PKK es in der Türkei macht. Doch wenn die kurdische YPG einen Korridor von Kobane nach Afrin will, dann muss sie dabei auch durch vornehmlich arabisch besiedeltes Gebiet, wo die YPG es ohnehin schwer hat, die lokale Bevölkerung von sich zu überzeugen. Fazit: defensiv in kurdisch geprägten Stadten wie ISIS in Tikrit, Ramadi und Fallujah kämpfen, kann die YPG auch ohne eine Unterstützungsmacht im Rücken eine ganze Weile, aber offensiv durch arabisch geprägtes ländliches Gebiet gehen, und das Gebiet dann auch noch zu halten, dürfte ihr völlig unmöglich sein.

      1. @einparteibuch
        mal sehen

        Die Amis / Nato haben Massen an Krigsmaterial an die SDF übergeben. Auch die Russen. Wenn dieses Kriegsgerät keine Freund Feind Kontrolle hat, sehe ich schwarz für türk.Armee. Paar Panzer abschiessen geht ruck zuck. Dann gibt es Ärger im Palast und der Umland des obersten Muslimführers. In so einem Feldzug ( Türkei in Syrien ) misst man die Niederlage nicht in tausend Toten sondern in hunderten

        Wenn die Kurden ausgeschlafen sind kopieren sie die Vorgehensweise der Ostukrainer, Kessel bilden und zubomben. oder was änliches , Hauptsache die Motivation stimmt

        Weiterhin bin ich mir sicher Nachschub an Waffen wird kein Problem sein..
        Wir werden sehen

    2. Die „alt Herren Armee“ im Don-Bass ist sicherlich kampfkräftiger als die ganze deutsche Bundeswehr zusammen.

      Das sind wehrhafte Männer, die aus Dreck etwas machen und ihre Frauen und Kinder beschützen und verteidigen. -Und jeder Mensch mit Ehre neigt sein Haupt vor dem Kampfgeist dieser Männer.

      Und wer in Deutschland möchte sich mit diesen hart gesottenen Typen anlegen! Herr Volker Perthes vielleicht an vorderster Front ?-

  8. Parteibuch.

    Der Diskurs zu diesem Thema läßt folgenden Schluss zu: Erdogan ist ein Esel ohne geopolitischen Instinkt und Abstraktionsvermögen für die Zukunft, aber mit gesunden Machtgehabe für die Gegenwart und das Bestehende.

    Israel ist sehr leise im Moment, weil die Strategie des Yinon-Planes in der Phase der Peripetie gefährdet ist. Der Traum Israels, sich vom Nil bis zum Euphrat ausdehnen zu dürfen, scheint sehr fragwürdig.

    Die USA als Schläger und entzündeter Wurmfortsatz der Zionisten haben abgewirtschaftet und geben das retardiernde Moment zugleich.

    Und dann kommt der fünfte Akt!

    Es ist also ganz gleich, wie die Katastrophe sich gestaltet. Sie ist unabdingbar.

  9. Man mag es kaum glauben, aber die Westpropaganda in Form der „Bild“ hat eine neue Absurditätsstufe erreicht – man bettelt, ja fleht, um Ansehen und Verbreitung eines „Fassbomben“-Opfervideos:

    Es muss wahrlich schlimm stehen um die NATO-Interessen.

  10. Also bekommt die Türkei ihre Pufferzone und treibt ein Keil zwischen die beiden Kurdengebiete in Nordsyrien, die YPG kann aufgrund ihrer Überheblichkeit, Dummheit und US- Speichleckerei ihren Kurdenstaat vergessen. Die SAA bekommt Aleppo sowie alle anderen strategisch wichtigen Städte in im Westen des Landes. Nicht geschenkt, aber ohne starke Rückendeckung vom Sultan sind diese Banditen schnell Matsch. Die Türkei lässt die uneinsichtigen Terrorbrüder in Aleppo draufgehen, dann schließt die SAA den Kessel und es wird gekocht, während Ankara sich immer mehr mit der ,,Assad bleibt,,- Lösung zufrieden gibt bekommen die Zionisten und ihre Proxys den syrischen Stiefel in den Hintern.

    Ist es das, was die nächsten Monate passieren wird.

    Ah, und noch was: wenn es aus dem Pentagon wieder einmal heißt das Russland eine größere Gefahr für US- Weltherrschaffstansprüche als der IS darstellt, dann muss es gerade echt gut für den Widerstand laufen.

    1. Dem stimme ich zu, je verzweifelter und lauter das Geheule der Koyoten umso besser für den Rest der Welt!

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