SDF haben vollständige Kontrolle über Manbij

Die unter anderem vom US-Militär unterstützten Kräfte der kurdischen YPG und ihre Partner in den SDF haben am Freitag erklärt, die vollständige Kontrolle über die Stadt Manbij im Nordosten der syrischen Provinz Aleppo von ISIS-Terroristen errungen zu haben.

Nachdem es den Kräften der YPG/SDF vor knapp einer Woche mühsam gelungen war, den letzten Rest der von ISIS-Terroristen gehaltenen Bezirke on Manbij in zwei Teile zu spalten, ging nun am gestrigen Freitag alles plötzlich ganz schnell. Am Freitag Morgen waren die letzten ISIS-Terroristen in Manbij zusammen mit etwa Tausend Zivilisten nördlich des Stadtzentrums im Bezirk Al Sarb eingekesselt.

In den Vormittagsstunden des Freitags gelang es den Kräften der SDF dann während ihrer Offensive zur Eliminierung dieser letzten ISIS-Tasche in Manbij, mehrere Hundert Zivilisten aus dem Bezirk Al Sarb zu evakuieren, die ISIS fortan nicht mehr als menschliche Schutzschilde zur Verfügung standen. Anschließend erlaubten es die Kräfte der SDF dem Rest der im Bezirk Al Sarb verbliebenen ISIS-Terroristen zusammen mit ihren Verwundeten und rund 500 Zivilisten, über deren Rolle als Geiseln oder willige menschliche Schutzschilde man sicher trefflich streiten kann, über das 10 Kilometer nördlich von Manbij liegende Dorf Ayn Dadat in das noch von ISIS-Terroristen beherrschte Gebiet der Provinz Aleppo zu flüchten, womit die Kräfte der SDF die vollständige Kontrolle über die Stadt Manbij hatten.

Unabhängige Journalisten wie Mohammed Hassan von RT waren vor Ort und bestätigten die vollständige Kontrolle der SDF über Manbij:

Die kurdische Firat News Agency berichtet anlässlich der erfolgreichen Beendigung der 73 Tage dauernden Operation zur Eroberung von Manbij davon, dass dabei etwa 2000 ISIS-Terroristen getötet wurden und rund 280 Tote in den Reihen der SDF zu beklagen waren. Mit der Eroberung von Manbij durch die Kräfte der SDF dürfte die neue Lage im Nordosten der Provinz Aleppo auf einer Karte etwa wie folgt aussehen:

Nach der Eroberung von Manbij ist die große öffentlich diskutierte Frage, was die Kräfte der SDF sich als nächstes vornehmen: Jarabulus, Al Bab oder Raqqa? Das Parteibuch geht davon aus, dass die Kräfte der SDF als nächstes die Stadt Al Bab von ISIS erobern werden. Zur Begründung: das Parteibuch geht davon aus, dass die im März im YPG-Büro in Moskau ausgehängte Karte von Rojava – also Syrisch-Kurdistan – mehr war als nur ein Wunsch der YPG, nämlich der Kern eines mit Damaskus, Moskau und Washington abgestimmten Aktionsplanes.

Das auf der Karte eingezeichnete Gebiet von Rojava entspricht strategischen Interessen der YPG, weil es da eine Verbindung der kurdisch kontrollierten Gebiete von Kobane und Afrin gibt, es entspricht syrisch-russischen strategischen Interessen, weil das YPG-Gebiet in Nordwestsyrien wie ein syrischer Sperrgürtel gegen den von der Türkei exportierten Takfiri-Terrorismus wirkt, und es entspricht US-Interessen, weil die Terrorgruppen ISIS und Al Kaida damit vom Nachschub aus der Türkei abgeschnitten werden.

Der Karte zufolge soll die arabisch geprägte Stadt Raqqa nicht zum von der kurdisch geprägten YPG beherrschten Gebiet Rojava gehören und deshalb rechnet das Parteibuch nicht damit, dass die YPG versuchen wird, Raqqa zu erobern. Jarabuslus und Al Bab gehören auf der Karte beide zu Rojava, weshalb damit zu rechnen ist, dass beide Städte von der YPG erobert werden. In der Reihenfolge dürfte jedoch Al Bab aus taktischen Gründen zuerst drankommen, weil die Kontrolle über Al Bab erstens für die YPG bedeutet, den lang ersehnten Korridor zwischen Kobane und Afrin herzustellen, und zweitens Al Bab weiter von der türkischen Grenze entfernt als die grenzstadt Jarabulus liegt, sodass die Türkei da weniger Möglichkeiten hat, die Eroberung durch die YPG zu sabotieren. Nachdem Al Bab von der YPG erobert wurde und damit die kurdische Verbindung zwischen Kobane und Afrin hergestellt sein wird, verliert Jarabuslus zudem jegliche strategische Bedeutung, sodass die Eroberung für die YPG dann einfacher werden dürfte.

Ansonsten gab es am Freitag aus der Provinz Aleppo zu berichten, dass die syrische Armee und ihre Partner dort weiterhin fleißig Terroristen eliminieren, während die Terroristen von Al Kaida und ihre Unterstützer in der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft mit jämmerlicher Propaganda versuchen, das US-Militär zu einem direkten Eingreifen zu Gunsten von Al Kaida zu bewegen. Der Iran erhält durch die militärisch unsinnige Sturheit der Terroristen, zu jedem Preis Ramousah im Südwesten von Aleppo halten zu wollen, außerdem die Möglichkeit, die jüngsten Errungenschaften iranischer Militärtechnik im Gefecht, so zuletzt bewaffnete Drohnen und nun auch die modernsten iranischen Panzerabwehrraketen.

Ein besonderer Dorn im Auge ist den Terroristen, dass es der syrischen Armee gelingt, trotz des Verlustes von Ramouseh im Südwesten von Aleppo über die erst vor wenigen Wochen befreite Kastello-Straße im Norden von Aleppo die im Gegensatz zu den weitgehend menschenleeren Terroristengebieten in Ost-Aleppo weit über eine Million Menschen zählende Zivilbevölkerung von West-Aleppo weiterhin mit Nahrungsmitteln, Wasser und Treibstoff zu versorgen, sodass das zivile Leben in West-Aleppo trotz der Terrorangriffe weiter geht.

Um die Versorgung der Millionen-Bevölkerung von West-Aleppo mit Nahrungsmitteln, Wasser und Treibstoff zu unterbinden, haben die von der westlichen Wertegemeinschaft unterstützten Terroristen von Al Kaida und ihre Partner am Freitag versucht, die einzige Verbindungsstraße nach Aleppo südlich von Khanasser anzugreifen.

Das hat aber nicht geklappt. Die syrische Armee hat auch diesen Angriff abgewehrt und gegenteiliger Propaganda der Terroristen und ihrer Unterstützer zum Trotz war die Straße die ganze Zeit über weiter normal benutzbar.

17 Gedanken zu “SDF haben vollständige Kontrolle über Manbij

  1. Zu dem Kurdengebiet direkt an der türkischen Grenze könnte auch die Meldung passen, dass aus den USA positive Signale hinsichtlich der Auslieferung von Fethullah Gulen kommen.
    Erdogan muss die bittere Pille eines Kurdengebietes an der Südgrenze schlucken, aber damit die Bevölkerung abgelenkt wird von dieser politischen Niederlage, kann er den Erfolg, die USA „in die Knie“ gezwungen zu haben, gross feiern.

    Die Kurden bekommen nicht ihren eigenen Staat, aber weitgehende Autonomie innerhalb Syriens.

    1. Erdogan kann zumindest eine Art Vorform eines kurdischen Staates auf syrischem Gebiet wohl nicht mehr verhindern. Die Kurden haben die USA hinter sich. Assad und Russland tun auch alles, um die Kurden für sich zu gewinnen. Es wird wohl erstmal auf ein weitestgehend autonomes kurdisches Gebiet in Syrien hinauslaufen. Damit kann Erdogan einigermaßen sein Gesicht waren, da die Türkei davon nicht betroffen wäre. Eventuell ein Deal zwischen Erdogan und Putin. Da die Amis das kurdische Projekt immer unterstützten, auch Mossad, ein Kurdenstaat meiner Meinung nach zum zionistischen Konzept der Raumaufteilung gehört (Teile und herrsche), bringt es Erdogan etwas mit den Russen zu liebäugeln (Druckmittel). Für alle Seiten, inklusive den Kurden wäre es erstmal ein Kompromiss.

  2. Bei der Strategie der SDF in Nordaleppo ist auch noch der „grüne“ Streifen zu beachten.

    Egal wie die türkisch-russische Einigung jetzt aussieht: wenn es Gruppen gibt, die gegen ISIS kämpfen und von denen Gebiete übernehmen, ist es aus russischer Sicht eher schwierig, die zu bekämpfen.

    Am einfachsten ist es, man sorgt dafür, dass der Streifen eher klein und unbedeutend bleibt.

    Wenn die Türken Aleppo-Stadt quasi aufgeben, könnten sie versucht sein, dort ihre Truppen abzuziehen und im norden der Provinz die Gebiete zu besetzen, die durch den erwartbaren Zusammenbruch des IS bei der kommenden Großoffensive der SDF quasi frei werden.

    Insofern könnte ich mir auch einen Vorstoß in Richtung Al Rai und Royava (stratgisch eher unbedeutend, aber namensgebend für das gewünschte Gebiet schon symbolisch wichtig) vorstellen.

    Es bliebe dann erstmal ein größeres ISIS- Gebiet ganz im Nordosten; das fällt später quasi von alleine.

  3. Die Taktik der USA, ist doch völlig klar, da sie die Türkei verlieren, der Putsch war doch der letzte Versuch, denn sie Beobachten, doch schon lange, das sie in der Türkischen Bevölkerung VerhaSSt sind, also haben sie ihre Economic Hite Men, nach Kurdistan aus schwärmen lassen, um Charakterlose Kreaturen, in der Führungsebene der Kurden ausfindig zu machen, so das sie mit Kurdistan, einen Korridor, für ihre Pipelines, aus Quatar haben. Ansonsten würden sie die Kurden, nicht Unterstützen, sondern Bombardieren.Sie werden mit ihren Kurdischen Bodentruppen, auch noch nach Raqqa ziehen und zur Irakischen Grenze, dann haben sie den, von der Syrischen Regierung unabhängigen Korridor. Ich Schätze mal, die US Besatzer-macht, im Irak, wird den Irak, soweit neutral halten, so das die Pipelines, sowohl aus Quatar als auch aus dem Iran, da durch gehen werden. Ich schätze, das ist auch Teil, der Iran Atomvereinbarung.

    1. @F. Klingenberg, Ihre Theorie las ich schon vor Monaten, (habe leider die Veröffentlichungsquelle verloren), offenbar haben sich die Regierung der USA und der russischen Föderation auf diesen Handel geeinigt.

    2. Für solche Thesen ist es noch zu früh um darüber nachzudenken, zumindest für uns hier, da wir praktisch kaum Fakten über das politische Hintergrundgeschehen kennen(nur Vermutungen).

      Und wie die militärische Karte nach Kriegsende aussieht steht auch noch in den Sternen.

    3. Ich denke nicht, dass die Türkei jetzt vollkommen überkreuz mit den Amis und den Westen geht und sich komplett Russland zuwendet. Solange Erdogan, oder ein xbeliebiger türk. Präsident zwischen den Stühlen sitzt, hat er mehr Optionen als komplett auf einer Seite. Zudem ist die Türkei mit der NATO seit ewig so eng verbandelt, das wäre schwierig, allein was das Militär Equipment usw. anbelangt. Langfristig, wer weiß? Momentan provoziert Erdogan den Westen mit dem erneuten Russlandschmusekurs. Da er nach dem gescheiterten Putsch gehörig ausmistet, die Zügel anspannt, alles kontrollieren will, wird es schwierig für den Westen erneut Putschisten anzustupsen. Aber würde die Türkei tatsächlich aus der NATO gehen, würde der Westen das nicht hinnehmen. Schnell wär die Türkei wohl ein sog. Schurkenstaat, dessen Diktator aus dem Weg geräumt werden muss.

      Der Westen schraubt weiter an seiner modernen Variante des Vertrags von Sevres, wie die letzten Jahre oder Jahrzehnte. Dass die Amis die Kurden in Form der PKK unterstützen, ist ja nichts Neues. Durch erfolgreiche Schlachten gegen IS usw. haben die Kurden jetzt einen Stand, wo es ihnen keiner mehr vergönnt, also stützen die Amis die Kurden nun ganz offiziell. Erdogans Strategie ging auf jeden Fall nicht auf. Er hat sich verzockt, wie das Parzeibuch mal titelte und kann wohl nur seinen Arsch retten. Deswegen ist er auch so aggressiv gegen die Kurden, mit denen er ja die meiste Zeit den Ausgleich suchte, bevor er Krieg gegen sie führte.

  4. Djihadi Julian wieder mal

    Die FSA soll Gebiete zurückerobern, die die YPG illegal eingenommen hat.

    Die FSA ist demzufolge die legale Armee, oder wie?

    Scheint schwer zu knabbern zu haben an der Niederlage des IS in Manbic, der Mann.

  5. Der prosyrische Journalist Elijah J. Magnier vermutet, dass Russland und die Türkei sich Syrien praktisch aufgeteilt haben, wonach den Takfiris Aleppo und Idlib überlassen würde und Russland sich sein eigentliches Hauptziel eines loyalen Rumpfsyriens von Latakia über Homs und Hama bis Damaskus und Palmyra erhalten würde.
    Was haltet ihr davon?

    Jedenfalls deutet sich am Bosporus diplomatisch einiges an, bei Erdogans Besuch bei Putin kann man an der Delegation ablesen, dass Syrien definitiv Thema war. Türken scheinen über die Iraner auch mit den Syrern zu reden.
    Im Kontrast dazu haben die beiden Seiten bei Syrien definitiv unterschiedliche Interessen. Da werden beide Seiten sich entgegenkommen müssen. Fakt ist, dass die Versorgung der Takfiris im Laufe dieses Konfliktes nie abgerissen hat, sondern umgekehrt stetig zunimmt. D.h. von einer weißen Fahne, die von Erdogan hochgehalten werden würde, kann keine Rede sein.
    Die Kessel bei/um Homs, Rastan, Darayya, Yarmouk, Khan ash Shayk, Dumayr und selbst der große in & um Ghouta sind so gesehen lösbar.
    Aleppo und Deir Ezzor hingegen schwerlich.

    1. Rums

      Für die Takfiris gibt es keinen Platz in Syrien, die werden komplett eliminiert, egal, ob Erdogan das gefällt oder nicht. Das sind völlig friedensunwillige Extremisten, deren terroristische Selbstdefintion sich daraus speist, nicht friedlich und geichberechtigt mit anderen Menschen zusammenleben zu wollen. Die Takfiris sind deshalb inakzeptabel für Syrien, Iran und Russland und sie müssen und werden militärisch besiegt werden. Es kann deshalb auch keinen russisch-türkischen Deal geben, Aleppo und Idlib den Takfiris zu überlassen.

      Wie die geplante Landkarte aussieht, steht oben im Artikel. Die YPG bekommt einen zusammenhängenden Streifen Land entlang der syrisch-türkischen Grenze, vom Irak bis nach Jisr Shughur, der Syrien wie ein kurdischer Sperrgürtel vor Terroristen aus der Türkei schützt. Aleppo geht an die SAA, ebenso wie Rakka und Deir Ezzor. ie Schlacht um Aleppo hat die syrische Armee schon nahezu gewonnen, die Terroristengebiete in Aleppo sind bereits weitgehend menschenleer und hohl. Deir Ezzor und Rakka haben keine besondere strategische Dringlichkeit, werden deshalb später befreit werden.

      Putin und Erdogan dürften besprochen haben, wie im Rahmen dieser Lösung die Interessen der Türkei, was ihr eigenes Staatsgebiet betrifft, bestmöglich gewahrt werden können (Probleme: kurdischer Separatismus, Putsch-geneigtes Militär, US-Hegemonie, fehlende faktische staatliche Souveränität), und was die Türkei dazu tun kann, bei der Durchsetzung der oben beschriebenen Lösung zu helfen, anstatt sich vergeblich gegen diese Lösung zu stellen (z.B. Wiederaufnahme des Prozesses der Aussöhnung mit türkischen Kurden). Dass die Türkei mit freundlichen Worten zu Putin den von ihr verlorenen Terrorkrieg gegen Syrien noch in ihrem Sinne drehen kann, ist natürlich nicht zu erwarten.

      1. Bei ntv lief heute ein Interview mit Erdogahn interviewt von Antonia Rados
        Schon die ersten 10Minuten sind sehr sehenswert
        Nach einer Versöhnung mit Türkischen Kurden hörte sich das nicht an.

    2. @Rumrum
      Kann ich mir nicht vorstellen. Erdogan hat keine starke Verhandlungsposition. Dass Russland ihm „den Rücken stärkt“ kostet ihn auch was. Wäre Syrien so gelaufen wie es sich manche Strategen wünschten: Assad fällt in kurzer Zeit, das Land ebenso, hätte sich die Türkei wohl Gebietsansprüche „heim ins Reich“ ausgemalt. So hat Erdogan aber nichts zu melden. Und die USA supporten die Kurden… an einer türkischen Gebietserweiterung „New Ottoman“ hat da niemand Interesse, vor allem Israel nicht. Erdogan wird froh sein mit einem blauen Auge davon zu kommen.

  6. Hallo Parteibuch,
    bitte erkläre mir, warum sich die SAA und die Kurden sich in Hadakah bekämpfen?
    Habe ich nicht auf dem Schirm! Wobei ich schon registriert habe, dass es dort in der letzten Zeit immer wieder zu Kampfhandlungen kam.

    Vielen Dank

    1. Lenny

      Einige lokale kurdische Kräfte – insbesondere als „kurdische Polizei“ eingesetzte lokale Kräfte – wollen nicht, dass die SAA weiterhin in der Provinz Hasakah präsent ist und greifen die SAA deshalb an. Die kurdische Führung der YPG/PYD ist sich zwar bewusst, dass sie in Anbetracht der Gesamtlage, die etwa auch Afrin und Sheikh Maqsud sowie die Position Russlands mit einschließt, alles andere als einen Krieg gegen die SAA brauchen kann, aber manchen lokalen kurdischen Kräften in Hasakah ist das egal und sie handeln da auf eigene Faust.

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