Zum Putsch in der Türkei

Zur Stunde läuft in der Türkei ein Putsch des Militärs. Viele Dinge sind noch unklar, aber nachfolgend finden sich schon mal einige Gedanken des Parteibuchs dazu.

Die zwei wichtigsten Fragen dürften gegenwärtig erst mal sein:

1. Warum putscht das Militär?

und

2. Ist der Putsch erfolgreich?

Zur Frage, warum das Militär, offenbar unter Führung weiter Teile des Generalstabs, putscht, gibt es gegenwärtig keine belastbaren Informationen. Zwei völlig gegensätzliche Varianten werden gegenwärtig in der einen oder anderen Form diskutiert:

1. Das Militär putscht, weil es damit den türkischen Krieg gegen Syrien, Irak und die türkischen Kurden beenden will.

2. Das Militär putscht, weil Erdogan nach dem Rücktritt von Davutoglu Schritte unternommen hat, um die Türkei Russland und Syrien anzunähern.

Die Rhetorik der Putschisten, etwa sich selbst als Friedensrat zu bezeichnen, weist zwar auf die erste Variante hin, doch wäre es naiv, solche inhaltsleere Rhetorik von Putschisten unbesehen zu glauben.

Was jedoch ziemlich klar erscheint, ist, dass US-Außenminister John Kerry dem Putsch nicht negativ gegenübersteht. Anhand der freundlichen US-Reaktion lässt sich zumindest erahnen, dass es sich beim Putsch in der Türkei um einen von den USA auf den Weg gebrachten oder zumindest unterstützten Regime Change handelt. Und das ist auch in etwa das, was Erdogan selbst dazu sagt: der Putsch kommt aus Pennsylvania.

Nicht geklärt ist damit jedoch, was die USA damit bezwecken: die türkische Unterstützung für Jihadi-Terroristen zu beenden oder die türkische Wiederannäherung an Russland sabotieren? Was man allerdings jetzt schon sagen kann, ist, dass, wenn es dem türkischen Schnauzbart Erdogan gelingt, den Putsch abzuwehren, das Tischtuch zwischen der Türkei und der NATO vollständig zerschnitten sein dürfte. In dem Fall könnte der Putsch gravierende geopolitische Konsequenzen haben, bis hin zum sofortigen Austritt der Türkei aus dem US-geführten Militärbündnis NATO, wonach die Türkei ein klares Streben in die SCO entwickeln könnte.

Das führt zur zweiten wesentlichen Frage: wird der Putsch erfolgreich sein? Das lässt sich im Moment noch nicht beurteilen. Klar ist, dass Erdogan die Kontrolle über weite Teile des Militärs und der Sicherheitskräfte verloren hat. Andererseits hat Erdogan durchaus eine Menge echter und fanatischer Anhänger.

Wer sich da letztlich durchsetzen wird, vor allem, wo Erdogan sich zur Stunde noch in Freiheit befindet, darf also einstweilen als offen gelten. Es ist dabei gegenwärtig auch nicht auszuschließen, dass sich die Anhänger und Gegner von Erdogan als etwa gleichstark erweisen, und die Türkei vollständig in Bürgerkrieg abgleitet.

Welche geopolitischen Auswirkungen der Putsch hat, wird man also erst sehen, wenn klar ist, warum das Militär putscht und ob der Putsch erfolgreich ist.

Nachtrag 02:20h: Der Putsch scheint fehlgeschlagen zu sein.

In den nächsten Tagen dürfte es spannend werden, welche geopolitischen Auswirkungen der fehlgeschlagene Putsch hat. Erdogan hat nun allen Grund, der NATO und der EU den Rücken zu kehren.

Nachtrag 08:30h: Mindestens 60 Tote, größtenteils vom „Friedensrat“ erschossene Anti-Putsch-Demonstranten, soll der fehlgeschlagene Putsch gefordert haben. Anführer des Putsches war offenbar Oberst Muharrem Kose, der im März wegen Verbindungen zu Gülen aus den türkischen Streitkräften entlassen worden war. 1563 Offiziere der türkischen Streitkräfte sollen bisher wegen des Verdachtes der Beteiligung am Putsch verhaftet worden sein.

Nachtrag 09:00h: Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu gibt die Zahlen der Opfer des fehlgeschlagenen Putsches inzwischen mit 90 Toten und 1154 Verletzten an.

Nachtrag 09:15h: Bemerkenswert ist, dass der saudische Außenminister Jubair der Türkei am Donnerstag nach einem Treffen mit Kerry und Rice mit einem Kollaps gedroht hat, falls die Türkei wie von Regierungschef Binali Yildirim angekündigt, die Beziehungen zu Syrien verbessert. Das wirft die Frage nach saudischem Vorabwissen oder gar einer saudischen Beteiligung an dem fehlgeschlagenen Putsch auf.

Nachtrag 11:00h: Vorläufigen Angaben des amtierenden Generalstabschefs Umit Dundar zufolge kamen 104 Putschisten ums Leben.

Nachtrag 13:45h: Es scheint sich zu bewahrheiten, was im Parteibuch schon vor einigen Stunden vorhergesagt wurde. Durch den fehlgeschalgenen Putsch scheinen die Beziehungen der USA zur Türkei zerrüttet worden zu sein. Es wird berichtet, dass der türkische Regierungschef Yildirim nach dem fehlgeschlagenen Putsch, an dem Gülenisten führend beteiligt gewesen sein sollen, erklärt hat, dass die Türkei jedes Land, dass Fethullah Gülen beschützt, als Feind der Türkei betrachtet. Fethullah Gülen lebt in den USA. Die USA weigern sich seit geraumer Zeit, Fethullah Gülen an die Türkei auszuliefern.

Nachtrag 16:00h: Der türkische Regierungschef Binali Yildirim hat erklärt, im Zusammenhang mit dem versuchten Putsch habe es 265 Tote, einschließlich 104 Putschisten, und 1440 Verletzte gegeben und 2839 Soldaten und Offiziere seien verhaftet worden.

Nachtrag 17:30h: Die deutsche Tagesschau meldet, dass den Informationen ihres Korrespondenten zufolge der Putschversuch von der Incirlik Air Base aus, auf der unter anderem amerikanische und deutsche Soldaten stationiert sind, mit Versorgungsflügen unterstützt wurde. Das dürfte erklären, warum die türkische Armee die Basis Incirlik blockiert, ihr den Strom abgestellt hat und auch eine Flugverbotszone über der Basis verhängt hat.

Nachtrag 19:30h: Hasbaretz meldet, dass der als Anführer der Putschisten geltende Ex-Luftwaffenchef General Akin Öztürk von 1998 bis 2000 als Militärattaché in Israel gedient habe. Sollte da demnächst noch eine Connection des Putsches zu Israel auftauchen, wäre das also wenig überraschend. Und zu den über durchaus enge Beziehungen zur Israel-Lobby in den USA verfügenden Gülenisten passen würde es auch.

40 Gedanken zu “Zum Putsch in der Türkei

    1. Wenn ich das richtig beobachtet habe, kam dieses eindeutige Pro-Erdogan-Statement erst zu einem Zeitpunkt, als man von einer Niederschlagung des Putsches ausgehen musste.

  1. Vielen Dank für die Analyse der Lage in der Nato-Türkei vor dem Hintergrund bisher bekannter Fakten: Erdogans Annnäherung an die RF, Aussage, die Beziehungen zu Syrien überdenken zu wollen mit Folge kompletter Kontrollverlust des US-geführten Westens über die Nordgrenze Syriens, während die vollständige Befreiung der syrischen Großstadt Aleppo vom US-geführten Wahhabi-Terrorismus bevorzustehen scheint.

    Offenbar soll zudem das vom US-geführten Westen seit Jahren durch Unterstützung oder sogar Organisieren des islamisch getarnten Fascho-Terrorismus und das kriegsverbrecherische Eindringen in Syrien selbst geschaffene Flüchtlingsproblem, vor den Wahlen 2017 in Deutschland und Frankreich bis in die Terrorkriegsgebiete zurückgedrängt werden.

    Berichten zufolge einst von der CIA gepusht und später mit Krediten der Wallstreet auf Pump zum Helden eines angeblichen „Wirtschaftswunders“ auf die seit seiner Rolle als „der wahre ISIS-Kalif“ und dem faschistischen Terror gegen die Opposition inzwischen längst weitgehend abgeebbte Welle der Zustimmung gehoben, merkt der betroffene Erdogan vielleicht nun als Letzter, für Washingtons neoliberal-imperialistischen Westen kaum mehr als ein nützlicher Idiot gewesen zu sein. Unter dem Vorbehalt versteht sich, dass dies alles kein weiterer Akt des zur Täuschung aufgeführten Schmierentheaters ist.

    P.S.: Eine freundliche Anmerkung. Falls es sich bei „Friensrat“ um keine Wortschöpfung handelt, mag das Lektorat vielleicht in „Friedensrat“ ändern?

  2. 3. Variante: False Flag Putsch: Nach dieser Nacht kann Erdo jegliche Opposition unterdrücken.

    1. Und für diese Variante sprechen Videoaufnahmen der Ereignisse.

      1. Die Putsch-Soldaten wirken so hilflos, sie werden überall (im TV-Sender, am Flughafen, auf der Straße in den Panzern) vom AKP-Mob zusammengeschlagen. Kein Stacheldraht, kein erkennbarer Wille, die Menge zu kontrollieren.

      2. Die einzige Bombe auf den Präsidentenpalast trifft eine unbedeutende Ecke.

      3. Das Geheimdienstgebäude wird planlos beschossen. Gab es ein Abriegeln, Leitungen kappen, Aufgabe fordern?

      4. Die Putschisten fordern die Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben. Daß der AKP-Mob trotzdem anrücken würde, war vorhersehbar. Warum wurden die Erdogan-Gegner nicht aufgefordert sich dem Kampf anzuschließen? Z.B. am Flughafen, wo die Putschisten vor dem Mob geflohen sind.

      5. Erdogan entläßt am nächsten Morgen 3000 Richter.

      Ich sag nur: Reichstagsbrand

  3. Während meiner Bundeswehrzeit gab es mehrere „Probleme“ mit der Türkei, die sich auch auf die Zusammenarbeit im Rahmen der NATO erstrecken.
    Kurden, Zypern und Islamisierung waren die Hauptschwerpunkte.

    Dabei hieß es immer, wenn die Türkische Regierung umschwenken sollte in der Islamischen Frage, dann putscht das Militär die Demokratie zurück.
    Heißt am Ende, dass da die NATO ein Mitspracherecht hat.

    Wie hat diese denn sich zum Putsch geäußert ?

  4. Was ist das für ein Putsch, der Erdogan frei herumlaufen lässt?

    Entweder totale Dilettanten, oder wichtige Putschisten spielten doppelt.

    1. andreas

      Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Erdogan vor dem Putsch Bescheid wusste, den Putsch trotzdem nicht vorab gestoppt hat, damit seine Gegner aus der Deckung kommen und eleminiert werden können und er den Putsch statt zu stoppen infiltrieren lassen hat. Denkbar ist sogar, dass der Putsch eine Sting Operation von Erdogan selbst war.

      Sollte das so gewesen sein, dann dürften die Putschisten eine Menge unangehme Überraschungen erlebt haben, etwa dass Erdogan und Yildirim nicht da waren, wo die Putschisten gedacht haben, dass sie seien, und dass große Teile des Militärs, die sie für Unterstützer des Putsches gehalten haben, in Wirklichkeit loyal zu Erdogan waren und so weiter und so fort.

    2. Wie nannte Erdogan diesen „Putsch“ doch so bezeichnend „Gottesgeschenk“, also wunschgemäß und damit entgegen des für die Öffentlichkeit bereitgehaltenen Schauspiels, vielleicht sogar mit heimlich US-geführter Nato-Unterstützung, denn wer auch immer im Militär sich bisher zum Thema Überfall auf Syrien quergestellte, kann nun problemlos als Putschist rausgekegelt werden. Bereits der seinerzeit als großes Kino zum Stimmenfang inszenierte Streit mit Tel Aviv, hatte sich nach den Wahlen als weitgehend vorgetäuscht erwiesen.

  5. Dass er anstrebt, was von ihm „Präsidialsystem“ genannt wird, ist kein Geheimnis und auch nicht, dass er als ein solches „Präsidialsystem“ die Terrorherrschaft des Hitler-Faschismus bezeichnet hat. Mag sein, dass in bestimmten Kreisen des Militärs zum Putsch ermutigt wurde, doch Washingtons in solchen Fällen bekanntermaßen sofort einsetzende Unterstützung blieb aus. Keine Anerkennung neuer Machthaber, keine Reden von „Wiederherstellung der Demokratie“, nicht einmal die sonst auf allen Kanälen in Washingtons Westen verbreitete Fernsehansprache irgendeiner uniformierten Person, „die Ordnung im Land sowie die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger“ seien „nun wieder gewährleistet“. Statt das Parlament zu besetzen, wurde das Gebäude unbenutzbar beschädigt. Ist das Erdogans „Reichtagsbrand“?

  6. Auch der türkische Stauffenberg hat versagt.

    Jetzt hat auch Erdolf seinen Reichstagbrand. Damit wird er die Türkei wohl zu islamistischen Diktatur umformen.

    Dass die Türkei jetzt aus der NATO austritt wird wohl ein Wunschtraum bleiben, wenn man sich die Arschkriecherei nach dem Putsch von Obama bis Merkel bei Erdolf beobachtet.

    Die Option einer false flag Operation sollte man auch nicht aus dem Auge verlieren.

  7. Ein leeres Parlamentsgebäude mit dem armen Nachtwächter darin beschießen und bombardieren, Brücken und Straßen nach Art von Wegelagerern absperren und keinen namenhaften Kopf der aktuellen Regierung verhaften oder erschießen -das war kein Putsch, das war Punsch.

    Interessant ist vielleicht noch, ob und welche ausländische Macht die Finger im Spiel hatte. Denn die Gefahr eines Putsches in der Türkei wurde seit Anfang April 2016 weltweit besprochen (in Schland natürlich nicht).

    Zumindest könnte Erdo sich jetzt innenpolitisch unfallfrei aus der Nato verabschieden und zur SCO wechseln.

    Versuchen Kerry und Nuland auch dieses Thema in Moskau zu erörtern?-

  8. Ich verfolge hier jeden Beitrag und möchte dem Parteibuch für die extrem gut recherchierten Artikel danken.

    Vielleicht lässt sich in Lybien ein Putsch von einem „Oberst“ (er war ja damals noch Hauptmann) erfolgreich durchführen. In der Türkei denke ich braucht man ein bischen mehr, zumal die Türkei selbst auch wieder gespalten ist zwischen dem säkularen Westen und dem konservativen (in ermangelung eines einschlägigeren Wortes) Osten. Wo das hinführt kann man bestens an Thailand sehen, wo der Norden partout nicht (mehr) mit den Eliten aus dem Süden, und umgekehrt, paktieren will.

    Die Differenzen zwischen Osten und Westen gab es schon immer, nur wurden sie durch die politische Ausrichtung noch verstärkt. Warum wurde also erst so spät geputscht, wenn es um den Erhalt des Säkularen Staates ging? Auswüchse zum Regionalen Krieg sind zumindest nicht erkennbar. Somit dürfte ja auch die Motivation, Türkei aus der Schusslinie zu nehmen auch nicht ausreichend für einen Putsch sein. Terror gibt es überall.

    Stauffenbergs Attentat war ja auch mehr als nur ein Attentat, nur konnte der Plan dahinter nicht vollständig ausgeführt werden. Warum also nicht Erdowahn ruhig stellen und dann nach Plan alle wichtigen Institutionen besetzen. Aber Erdowahn soll sich ja im Flugzeug nach Deutschland befunden haben. Ja klar als ob Auslandsbesuche Top Geheim sind. Von Fahrlässigkeit seitens der Putschisten zu sprechen wäre hier lächerlich.

    Waren nicht mehr Putschisten käuflich oder war es eher eine Verzweilungsputsch, nach dem Motto: „Besser spät als nie“?

  9. Und noch etwas, das zur Beurteilung beitragen kann, die FAZ beschwert sich und klagt :

    „Die Stunde der Rache

    Der Mob ist durch die Straßen Istanbuls gezogen, hat Putschisten verprügelt und gedemütigt.“

  10. Ich hab die Sache von Anfang an, rein zufällig, bei einem türkischen Bekannten auf Ulususal Kanal, einem kemalistischen Oppositionssender mitverfolgt. Dort war eigentlich relativ schnell klar, nach 2h, dass es sich bei dem Putschversuch nicht um Kemalisten, Demokraten oder Laizisten handelte usw., wenn auch die Putschisten, wohl in der Hoffnung Unterstützung im Volk zu finden, das vorgaben… „Friedensrat“ , „Verfassung wieder herstellen“ , „Menschenrechte“ usw… Scheinbar war das den zu Erdogan Oppositionelle, wie Kemalisten, recht schnell klar. Und da die Erdogananhänger natürlich zu Erdogan halten, war der „Putsch“ zum Scheitern verurteilt.

    Ich finde die Einschätzung hier auf dem Parteibuch die beste, die ich beim Überfliegen mehrerer Zeitungen in D las, während die Sache los ging.

    Viele Kommentatoren bejammern jetzt, dass der Putsch scheiterte. Aber es waren keine Putschisten, die das umsetzen wollten, was sie vorgaben. In der Türkei machte relativ schnell die Runde, dass es von den USA aus gesteuert sei und das nicht von AKP-Sendern, sondern von Kemalisten, was für mich vorstellbar ist. Es sollen ja auch der Pilot und Kommandeur beteiligt gewesen sein, die das russische Flugzeug abschossen. Scheinbar passt einigen Amis der „neue“ Kurs der Türkei nicht. Insofern konnte Erdogan nur gewinnen (das Dumme daran).

  11. Ein Teil der herrschenden Eliten der USA ist schon seit längerer Zeit mit Erdogan unzufrieden, weil sie fürchten, dass seine Politik die Stabilität und Zuverlässigkeit des NATO-Partners Türkei gefährden könnte und fordern einen Kurswechsel der US-Politik gegenüber der Türkei. Die US-Regierung dürfte damals eher der Meinung gewesen sein, dass Erdogan gegen Assad benötigt wird

    hier der Bericht einer Arbeitsbegruppe des Bipartisan Policy Center vom Oktober 2013
    http://bipartisanpolicy.org/wp-content/uploads/sites/default/files/US%20Turkey%20Policy.pdf

    Abramowitz und Edelman, die an der Spitze der Arbeitsgruppe standen, sind als Geostrategen keine unbeschriebenen Blätter

    Abramowitz hatte während der Reagan-Ära die Lieferung von Stinger-Raketen an die Mudschahedin in Afghanistan mit organisiert.

    http://www.sourcewatch.org/index.php?title=Morton_I._Abramowitz

    In den 1990er Jahre war er eine der Grauen Eminenzen bei der NATO-Balkanpolitik : gemeinsam mit Brzezinski und prominenten Neocons (Perle, Wolfowitz, Kirkpatrick, Dobriansky, Rumsfeld ….) war er Vorstandsmitglied im Balkan Action Council und Unterzeichner von Offenen Briefen des PNAC für den Sturz von Slobodan Milosevic und den NATO-Überfall auf Jugoslawien (mit der Lüge vom „Racak-Massaker“ als Aufhänger)

    http://www.historycommons.org/entity.jsp?entity=morton_i._abramowitz

    http://web.archive.org/web/20091211153329/http://www.southeasteurope.org/documents/pr199.pdf

    http://web.archive.org/web/20090310220153/http://www.newamericancentury.org/balkans_pdf_04.pdf

    http://web.archive.org/web/20090310220008/http://www.newamericancentury.org/balkans_pdf_03.pdf

    Eric Edelman ist ein alter Cheney-Mann und gegenwärtig Vorstandsmitglied der PNAC-Nachfolgeeinrichtung Foreign Policy Initiative
    http://rightweb.irc-online.org/profile/Edelman_Eric

    hier noch ein Artikel von Abramowitz und Edelman vom Februar 2014 (faktisch eine populäre Kurzfassung des Berichts der Arbeitsgruppe vom Oktober 2013)

    From Rhetoric to Realism US Needs to Get Real on Troubled Turkey
    http://web.archive.org/web/20140204214106/http://www.the-american-interest.com/articles/2014/02/04/us-needs-to-get-real-on-troubled-turkey/

  12. Kerry, Vertreter des weltimperialistisch terrorisierenden US-Regime, seit 14. Juli in Moskau zu ‚Verhandlungen‘ zur weiteren Vorgangsweise in Syrien.

    Französisches und türkisches Regime nähern sich der Russischen Föderation an.

    14. Juli, Nationalfeiertag in Frankreich – Terroranschlag in Nizza, soll jetzt plötzlich doch IS sich zu bekannt haben.

    15. Juli – ‚Putschversuch einer kleineren Militärgruppe‘, in Türkei was den Geheimdiensten somit bereits klar war.

    Zufall – oder Rache des US-Regime?

  13. Ein politisches Spiel Erdogans, der die Machtverhältnisse in der Türkei seit Jahren zu seinen Gunsten verändert, aber für „Säuberungen“ bei früheren Machteliten derartige Anlässe braucht. Vieles ist uns aus der deutschen Geschichte bekannt (Reichstagsbrand als damaliger Vorwand für erste KZs). Die AKP Partei ist nach meinem Eindruck faschistoid und Erdogan verbindet türkischen Nationalismus, Islam mit eigener Propaganda als gottgleicher Führer. Vermutlich war es so, dass die Putschpläne zu Erdogan vorab durchsickerten, er sich versteckt hielt und die Putschisten auflaufen ließ, um den Vorwand für die „Säuberungen“ zu haben. Das bisherigen Grauen, das dieser Despot verursacht hat, dürfte nun weiter gehen. Öffentliches Lynchen von Soldaten wurde schon dokumentiert. Die Politik des „Westens“ steht vor einem weiteren Scherbenhaufen!

    1. Erdogan war doch offiziell im Urlaub als der Putschversuch losging. Er hat sich also nicht versteckt. Es gab auch einen Angriff auf dieses Hotel…

      Die Theorie (fingierter Putsch) ist unstimmig. Allein weil jeder Türke weiß, wie mit sog. Verrätern umgegangen wird… es wird diskutiert ob für die Putschisten die Todesstrafe eingeführt wird…

      Von „linker“ Seite (Kemalisten) war es auch nicht. Wie es ausschaut war es von ehemaligen Unterstützern Erdogans, die von ihren Osmanenträumen nicht loskommen und gegen den neuen Kurs Erdogans rebellieren (er hat ja keine andere Möglichkeit mehr, weil die Türkei isoliert ist, die bisherige Syrienpolitik scheiterte usw.).

      Dass dann so ein Putschversuch wenig erfolgreich ist, ist klar, da weder Erdogananhänger, noch die Opposition dahinter stehen… Außerdem schossen die Putschisten auf Erdogananhänger. Das hätte „Sinn“ gemacht, wenn man es dem politischen Gegner (Kemalisten usw.) in die Schuhe schieben könnte. Die hielten sich aber ganz raus und dass der Pilot dabei war und der ehem. Kommandeur der Luftwaffe (russisches Flugzeug abgeschossen) Redelsführer war, sagt doch einiges aus…

  14. Was auch dahinter stecken mag, wir werden es sehen. Eines könnte für Erdowahn doch noch gefährlich werden, etwas unscheinbares aber trotzdem brandgefährliches: Die öffentliche Demütigung, Auspeitschung, Ermordung von Teils sehr jungen Soldaten, die wohl keinen Schimmer von allem hatten im IS- Stil vom Erdo- Mob. Ich wette, damit hat sich Erdowahn in der Türkei mehr Feinde gemacht unter der sekulären Bevölkerung bzw. in großen Teilen der sagen wir es mal“einfachen“ Armee als er bestimmt sowieso schon hatte. Es sei den dieser Mob landet im Knast. Wird er aber nicht, weil Erdowahn.. Sultan ..Reich😉

  15. Den Spekulationen über False Flag durch Erdogan schliesse ich mich nicht an.
    Zunächst einmal, wie wollen die Befürworter dieser Theorie erklären dass sich hohe Militärs darauf einlassen, wo denen doch wie man sieht jetzt gar die Todesstrafe winkt, so dämlich zu sein für Erdogan einen fingierten Putsch zu organisieren und dafür mit Orden (dicke Pension) belohnt zu werden kann ich nicht folgen.
    Als Argument für diese Theorie wird angeführt, das dilletantische Vorgehen. Dieses begründet sich für mich daraus, dass der „Putsch“ eine reine Verzweiflungshandlung war, die keinen weiteren Aufschub und Vorbereitung mehr duldete. In Sachen Syrien hat sich seit Russlands Einsatz die Lage grundlegend geändert und alle Assad-Stürzer die auch nur etwas Realismus bewahrt haben wissen, dass sie verloren haben. Das hat Erdogan vollkommen eingesehen und den Kanossagang nach Moskau angetreten, auch gab es Meldungen er sei bereit für ein Arangement mit Assad. Erdogan ist zweifellos ein Oportunist wie er im Buche steht und weiss, wann er sich auf die Seite des Siegers zu schlagen hat.
    Der Putsch wurde massgeblich vom Stützpunkt Ircilic aus geführt, auf dem die NATO stationiert ist, dessen Kommandeur soll einer der Hauptdrahtzieher sein, ebenso der für den Abschuss des russischen Jet verantwortliche Kommandeur. Nach Erdogans Entschuldigung mussten diese Leute damit rechnen in Verantwortung genommen zu werden, Erdogan hatte stets bestritten persönlich den Befehl zum Abschuss gegeben zu haben.
    Die NSA, die alles und jeden unbedeutenen Pupser abhört, wird da aber ganz und gar besonders wissen (und vor allem der Mossad), wenn da ein Putsch in Vorbereitung ist. Wenn es da keine Vorwarnung an Erdogan gab, kann man es als Unterstützung werten. Andere Variante, Erdogan wurde gewarnt und konnte daher entspechend reagieren und dem Putsch begegnen kann man auch bedenken, für mich aber eher unwahrscheinlicher.
    Wenn man gesehen hat, wie Kerry und Nuland wie begossene Pudel in Moskau aufgetreten sind, kann man ablesen sie wissen, dass das Spiel aus ist.

  16. Wenn man sich die Uhrzeiten + Aktionen der Militärs so anschaut wird es glaube besser.

    gegen 22:00 gab es
    * Besetzung der Brücken
    * Ausgangssperre
    * Besetzung der staatl.TV Sender
    * Sperrung des Flughafens

    gegen 00:00 gab es
    * Angriff auf das Erdo Hotel
    * Sturm auf das Parlament
    * Hubschrauber angriffe
    * F16 Angriffe hier und da in TR
    * Besetzung der privaten Sender
    * Angriffe auf Polizeistationen usw.

    dazwischen gab es einige Gegenmassnahmen, Seitens der Regierung.
    * gegen 23:30 Aufruf von Erdo , geht auf die Strassen
    * gegen 23:45 Leute auf der Strasse
    * 0:00 staatl.Sender wieder frei.
    * 0:30 Flughafen wieder frei
    * Verschleierung wo Edo ist ( Flucht nach DE usw )

    ———————–

    Ich denke alles von 22:00 war inszeniert von Erdo,
    weil er Infos hatte

    das ab 0:00 war der richtige Plan der Putschisten.
    wurde aber durch den vorgezogener Putschstart und Aufruf + Gegenmassnahmen durch Erdo kompl.durcheinandergewirbelt.

    Chaos Chaos Chaos bei den Putschisten

    —————–
    Die Soldaten von 22:00 sollen ja auch normale Wehrpflichtige ( Kurden ) gewesen sein
    die von nix wusten, die dachten die sie sind im Manöver.

    1. Dass mag für die Anfangszeit möglich sein, im Glauben einer Übung zu sein… aber nach einer gewissen Zeit war die Nachrichtenlage entsprechend, dass man wissen konnte, was man tut. Insofern halte ich das vielfach für eine Schutzbehauptung einiger Teilnehmer. Hinzu kommt, dass ja bei weitem nicht das ganze Militär mitmachte, sonst wär es erfolgreich gewesen. Also gab es wie bei jedem Putsch entsprechende verschwörerische Absprachen. Dass „Lehrlinge“ als nützliche Idioten missbraucht wurden ist natürlich möglich. Ob Kurde, Türke hin oder her spielt dabei keine Rolle. Es gibt viele Kurden, die sich als Türke definieren und hinter Erdogans Kurs stehen, diesen auch wählen usw. Dass Kurden alle eins gegen Erdogan oder Türken seien, ist ein falsches Bild, das gerade in D gerne verbreitet wird.

  17. Erwähnenswerte Ergänzungen der Ereignisse:

    – Militärquellen berichten die Putschisten hätten am Freitagabend das Flugzeug Erdogans ins Visier genommen
    – Sie schossen jedoch nicht
    – „Wieso ist ein Mysterium“, sagte ein ehemaliger Offizier
    http://www.huffingtonpost.de/2016/07/17/erdogan-jet_n_11043384.html

    Im gleichen link schreibt ein nutzer erhellend:
    „Wurde gerade auf Bloomberg mit einem Lächeln gesagt: Der ‚Putsch‘ war extrem gut auf die Finanzmärkte abgestimmt. Kurz vor Börsenschluss am Freitag fängt er an und ist bei Börsenanfang am Montag vorbei. Würden Generäle sich um die Finanzmärkte kümmern? Das sieht eher nach einer internen Abstimmung der Regierungsspitze mit der Zentralbank aus“

    Und eine andere quelle zeigt abermals das anscheinend gott gegebene glück erdogans:

    „Der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan soll während des Putschversuchs in seinem Land nur knapp dem Tod entkommen sein, wie die Agentur Reuters berichtet. Medienberichten zufolge verließ Erdogan sein Hotel im Mittelmeer-Badeort Marmaris nur wenige Sekunden, bevor dort Militärs eintrafen, um ihn zu töten oder zu verhaften.“ http://de.sputniknews.com/politik/20160718/311533229/video-angriff-putschisten-hotel-erdogan.html

    Die sting-theorie (evtl. wg. erlangten Vorwissens) macht bisher neben false flag am meisten sinn.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.