Türkei will aus Isolation raus – gibt Erdogan den Krieg verloren?

Paukenschlag: Mit seiner klaren Entschuldigung für den Abschuss des russischen Kampfflugzeuges im letzten Herbst hat der türkische Machthaber Erdogan eine Grundvoraussetzung für eine Reparatur der Beziehungen zu Russland erfüllt. Wird er nun auch den Krieg gegen Syrien und Irak verloren geben?

Auf der Metaebene ist der Grund für die Entschuldigung klar. Bei einer Bestandsaufnahme der außenpolitischen Situation, in der die Türkei sich nach dem Abgang von Ahmet Davutoglu befand, ist unzweifelhaft herausgekommen, dass die Türkei ziemlich isoliert in der Region und der Welt ist. Aus der Null-Problem-Außenpolitik der Anfangstage von Erdogan hat sich in den letzten Jahren beinahe so etwas wie eine Ärger-Überall-Lage für die Türkei entwickelt. Außer dem klassischen Stress mit Armenien, Zypern und Griechenland hat die Türkei unter Erdogan und Davutoglu in den letzten Jahren ihre Beziehungen zu Syrien komplett verloren und obendrein angespannte, teilweise regelrecht giftige Beziehungen zu den USA, führenden EU-Staaten und Israel ebenso wie zu Russland, China, Irak und Ägypten entwickelt. Das bedeutet, dass die Türkei nun mit ihren Versuchen des Ausspielens der Größmächte gegeneinander in die Lage geraten ist, zwischen allen Stühlen zu sitzen, was sich auf die Türkei in vielfältiger Weise negativ auswirkt. Beziehungen zu Saudi Arabien, Katar, der Ukraine und Iran können der Türkei kein Ersatz dafür sein. Diese Betrachtung zur Lage der Türkei in der Welt erklärt, warum die Türkei durch eigenes Bewegen und Nachgeben soeben zu so unterschiedlichen Staaten wie Russland und Israel verbessert hat. Durchaus denkbar ist dieser Metalogik zufolge auch, dass Erdogan demnächst die türkischen Beziehungen zu weiteren Staaten durch Nachgeben verbessern wird.

Dass die Türkei die Beziehungen zu Israel angesichts gemeinsamer Interessen in Bezug auf Energie und Geopolitik nun auch formell wieder herstellt, war schon länger erwartet worden. Im Fall von Russland ist das anders, Und so klar die Motivation der Türkei zur Verbesserung der Beziehungen zu Russland auf der Metaebene ist, so unklar ist auch noch, was sie praktisch für die nahe und ferne Zukunft und die Rolle der Türkei in der Welt bedeutet.

Colonel Cassad meint, der Einbruch im Tourismus habe für Erdogan den Ausschlag zur Entschuldigung bei Russland gegeben. Die heutige Erklärung von Gazprom, Gazprom sei offen für einen Dialog zum Gasprojekt Turk Stream, legt nahe, dass auch Gas dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Und natürlich gibt es da noch weitere wirtschaftliche Motive, etwa die russischen Sanktionen gegen die türkische Baubranche und türkische Agrarexporte. Das mögen alles Motivationen sein, doch da ist noch etwas, was Erdogan viel mehr Kopfschmerzen bereiten dürfte. Es ist die Karte von Rojava, die im Büro des Vertreters der PYD in Moskau an der Wand hängt.

Diese Karte ist der ultimative Alptraum Erdogans. Das von Kurden Rojava genannte kurdische Gebiet Syriens erstreckt sich dort, bis auf einen kleinen Zipfel am Mittelmeer, wo Russland und die syrische Armee die Grenze zur Türkei sichern, entlang der gesamten syrischen Grenze zur Türkei. Wenn man dazu noch gleichzeitig einen Blick auf die Entwicklung der militärischen Situation am Boden in Syrien wirft, dann stellt man fest, dass diese Karte kein Traum ist, sondern ein mit Russland abgestimmter Plan, der in letzter Zeit Monat für Monat ein Stückchen mehr Realität auf dem Boden in Syrien geworden ist. Schon jetzt fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass die von den USA und Russland unterstützte kurdische YPG in wenigen Wochen von Manbij bis nach Afrin vorgestoßen sein wird. Folgt dann schließend noch eine von Russland unterstützte erfolgreiche Offensive der YPG nach Jisr Ash-Shughur im Südosten der Provinz Idlib, ist die Karte Realität. Wie das gegenwärtige Zermalmen der von der Türkei unterstützten Terroristen nördlich von Aleppo mit Hilfe der russischen Luftwaffe zeigt, gibt es nichts, was die Türkei dieser Entwicklung militärisch erfolgversprechend entgegensetzen kann. Ist die Entwicklung von Rojava von der syrisch-irakischen Grenze bis nach Jisr Ash-Shughur komplett, bedeutet das für die Türkei zweierlei.

Erstens verliert die Türkei damit jeglich Zugang zu Syrien. Das gilt für die von der Türkei zur Wiedererrichtung des osmanischen Reiches unterstützten Terroristen genauso wie für die türkische Wirtschaft, die damit auch noch den Straßentransitverkehr in den Süden der arabischen Halbinsel dauerhaft verlieren dürfte. Von den blumigen Versprechen Erdogans, der vor dem türkischen Terrorkrieg gegen Syrien seinen Wählern versprochen hatte, die Türkei in die Top 10 der wirtschaftsstärksten Länder zu führen, würde ebenso nichts übrig bleiben wie von den von seinem Hiwi Davutoglu vor Investoren bei Goldman Sachs gemachten Ausführungen, Investoren in Istanbul sollten nicht nur die Türkei sehen, sondern auch das „Hinterland“ südlich der Türkei – dessen Inbesitznahme durch die Türkei die Türkei binnen zehn Jahren in die Top 10 der wirtschaftsstärksten Länder der Welt führen werde. Kommt das auf der Karte eingezeichnete Rojava würde die türkische Wirtschaft geografisch wieder in eine von im Süden und Osten umgebenen türkeifeindlichen Staaten gezeichnete Randposition wie zu Zeiten des kalten Krieges kommen. Die Türkei und Istanbul wären dann nicht mehr wie zu den blühenden Zeiten von Erdogans erfolgreicher Null-Problem-Politik das west-freundliche Tor zur arabischen Welt, sondern wieder ein ungeliebtes und wirtschaftlich funktionsloses Anhängsel des Westens.

Und zweitens könnte sich mit der Realisierung von Rojava von der irakischen Grenze bis nach Jisr Ash-Shughur die Tatsache, dass die rund 800 Kilometer lange Grenze zwischen der Türkei und Syrien kaum zu kontrollieren ist, in der Wirkung in ihr Gegenteil verkehren. In den letzten fünf Jahren hat Erdogan die Tatsache der nahezu unkontrollierbaren syrisch-türkischen Grenze dazu ausgenutzt, um Syrien mit der Unterstützung von Revolution, Aufstand und Terror zu destablisieren. Ist Rojava Realität, kann sich das Umdrehen: anstatt dass die Türkei Syrien über diese lange Grenze destabilisiert, könnte Russland das entlang der gesamte Grenze verlaufende Rojava dazu nutzen, um die Türkei nahezu entlang der gesamten Grenze mit der Unterstützung von kurdischem Separatismus zu destabilisieren. Dass Teile der westlichen Welt für Rojava und kurdische Aufständische in der durchaus einige Sympathien empfinden, macht das Problem für die Türkei nur noch größer. Anstatt, wie von Erdogan beabsichtigt, die Türkei mit der Eroberung von Syrien und anderen Teilen der arabischen Welt wieder, wie einst das osmanischen Reich, zu einer großen und starken Weltmacht zu machen, hätte dann Erdogan erreicht, die Türkei in einen langen und nicht zu gewinnenden Bürgerkrieg zu führen, der durchaus mit der Zerschlagung der Türkei und seiner eigenen Entmachtung enden könnte.

Ohne Russland kommt Erdogan aus diesem Szenario kaum heraus. Und Russland weiß das. So erklärt es sich, dass Konstantin Kosachyov, der Ausschussvorsitzende des Rates der russischen Föderation für internationale Angelegenheiten, in Reaktion auf die Entschuldigung von Erdogan erklärte, Edogan habe mit seiner Entschuldigung und seiner Bereitschaft, der Familie des getöteten Piloten Wiedergutmachung zu leisten, zwei fundamentale Bedingungen für die Verbesserung der Beziehungen zu Russland erfüllt, doch Russland erwarte neben den Entschuldigungen außerdem, dass die Türkei ihren Ansatz zu Syrien und zum Irak ändert. Die Türkei unterstütze dort Terroristen, und solange sich das nicht ändere, wären die Umstände, die zum Tod des russischen Piloten geführt haben, nicht beseitigt, sodass sich so etwas jederzeit wiederholen könne, führte er weiter aus. Russland fordert von der Türkei damit also nicht nur die Aufgabe der Unterstützung des Terrorismus in Syrien, sondern auch das Einnehmen einer völkerrechtskonformen Rolle im Irak, zu dem Anhänger von Erdogan in der Vergangenheit immer wieder erklärt haben, die Türkei könne die Souveränität der irakischen Regierung nicht achten, weil sie als wiederauferstehende Weltmacht auf die ungehinderte Ausbeutung der „osmanischen Ölvorkommen“ im Nordirak angewiesen sei.

Bislang ist noch unbekannt, ob Erdogan diese russische Position, die darauf hinausläuft, dass Erdogan den Terrorkrieg gegen Syrien und Irak verloren gibt, vor seiner öffentlichen Entschuldigung bekannt war, und seine Entschuldigung möglicherweise bedeutet, dass Erdogan den Krieg, den er ohnehin nicht geiwnnen kann, verloren gibt, und durch eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland rettet, was noch zu retten ist. Bekannt ist jedenfalls, dass der türkische Außenminister am Freitag zu hochrangigen Gesprächen in Russland erwartet wird und der türkische Verteidigungsminister eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland erwartet. Da könnte es im Rahmen der russisch-türkischen Beziehungen auch schon um eine Nachkriegsordnung für Syrien und den Irak gehen, mit der alle Seiten leben können.

Denkbar ist auch, dass es dabei auch um die zukünftige Rolle der Türkei in der Welt gehen wird. Angesichts der großen Unbeliebtheit Erdogans in Deutschland und anderen EU-Staaten ist schließlich ziemlich klar, dass die Türkei auf absehbare Zeit nciht in die EU kommen wird. Russische Medien zitieren bereits türkische Politologen, die sagen, Erdogan bereite die türkische Gesellschaft darauf vor, dass es mit einem türksichen EU-Beitritt nichts wird und die britische Volksabstimmung zum Brexit macht die Position der Türkei in der EU auch nicht gerade einfacher. Und wenn die Türkei nicht Mitglied in der EU werden kann, dann könnte auch ein NATO-Austritt der Türkei folgen. Erdogan hat schließlich in der Vergangenheit bereits mehrfach damit kokettiert, dass er den russischen Präsidenten Putin öffentlich darum gebeten hat, ihn in die Shanghai 5 zu führen. Nach dem türksichen Abschuss des russischen Fliegers und der unmittelbar daran anschließenden Einberufung einer Dringlichkeitssitzung der NATO durch die Türkei dürfte das zwar einstweilen nicht mehr in den Karten sein, doch einer neuen Rolle der Türkei als eigenständiger und unabhängiger Macht würde ein NATO-Austritt der Türkei nicht entgegenstehen. In der erfolgreichen Phase der Null-Problem-Außenpolitik hat die Türkei schließlich auch die Rolle einer geopolitischen Brücke zwischen den Blöcken eingenommen. Und kaum etwas ist besser für eine Brücke als Neutralität. Außerdem könnte Neutralität durchaus Erdogans Ziel, die Türkei als eigenständige Macht auf der Weltbühne zu etablieren, nahekommen.

Denkbar ist das und schön wär’s. Sollte es so sein, so ist davon am Boden in Syrien leider noch nichts zu spüren. Da sieht es so aus, dass von der Türkei bestens ausgerüstete Al-Kaida-Terroristen soeben eine Entlastungsoffensive für Aleppo in der Provinz Latakia gestartet haben. Es ist also auch denkbar, dass Erdogan seine Entschudligung nur als Trick, oder Zuckerstückchen, betrachtet, um Russland vom Zermalmen der von der Türkei unterstützten Terroristen nördlich von Aleppo, und denen sich auch türksiche Soldaten befinden könnten, abzuhalten, und er ansonsten denkt, mit der Unterstützung von Terroristen in Syrien so weitermachen zu können wie bisher. Die Zukunft wird es zeigen.

Nachtrag Dienstag: Das Ding ist noch nicht durch. Die Türkei eiert rum. Sputnik: Türkischer Premier dementiert eigene Worte über Kompensation für Su-24 an Russland. Offensichtlich wird der Türkei der zu entrichtende Preis – die Beendigung des Terrorkrieges gegen Syrien und das Einnehmen einer konstruktiven Haltung im Irak – für die Wiederherstellung guter Beziehungen zu Russland erst jetzt bewusst.

27 Gedanken zu “Türkei will aus Isolation raus – gibt Erdogan den Krieg verloren?

  1. Hat Erdo die Transporte des geraubten Öls / Gas gestoppt ?
    Hat Erdo die Unterstützung der „Turkmenen“ gestoppt ?
    Hat Erdo Truppenverlagerungen über die Türkei gestoppt ?
    Hat Erdo was an Russland / die Familien der Toden gezahlt ?
    Hat Erdo die Kliniken für seine „Freiheitskämpfer“ in Gefängnisse umgewandelt ?
    Anstatt Heilung verdienten Knast .

    Was hat Erdo nun gemacht ?
    Nun er hat einfach nur eine Rede gehalten.
    ein Politiker ……

    1. Manzil

      Das ist genau der Punkt, wo, siehe oben im Artikel, Konstantin Kosachyov, mehr fordert, nämlich dass mit Erdogans Worten der Entschuldigung Handlungen am Boden einhergehen, die zeigen, dass er es ernst meint.

    2. mit dem geklauten Öl und Fabrik Maschinen finanzierten die Verbrecher aus Katar, VAE, Erdogan den Krieg mit Terroristen. Als die Russen das stoppten, verlor man die Kriegs Profite. Die NATO wollte nie das Verbrechen stoppen, war aktiver Financier wie die SWP-Berlin mit Volker Perthes, Westerwelle, Steinmeier usw..

  2. Ich möchte einen Aspekt hinzufügen: Erdogan angebliche Friedensmanöver betreffen zwar vermutlich Rojava bzw. die Kurden. Aber um diesen entstehenden kurdischen Machtraum zu verhindern oder wenigstens die Kurden im Südosten der Türkei ethnisch völlig ungestört zu vertreiben, will er sich vielleicht israelisches und russisches Stillschweigen oder Stillhalten sichern?

    Das wichtigste Ziel Erdogans ist mit Sicherheit immer noch die Umwandlung der Türkei in eine Präsidialdiktatur und eine Art Privatbesitz seiner Familie und seiner AKP-Anhängerschaft. Also die Errichtung einer kriminellen korrupten islamistischen Vetterwirtschaft. Im Südosten der Türkei betreibt er nach wie vor eine systematische Vertreibungs- und Vernichtungspolitik der dort lebenden Kurden, sogar Dorf für Dorf, inklusive Abfackeln der Dörfer, laut beigefügtem Presseartikel, wobei er komplette Städte bzw. Stadtteile schon zerbombt hat.

    Mit dieser Strategie soll dafür gesorgt werden, dass bei eventuellen Nachwahlen von inhaftierten HDP-Politikern keine kurdischen Strukturen mehr existieren, höchstens nur Lager von Ausgebombten, also eine ethnische Vertreibung und Vernichtung, und die Mandate natürlich an die AKP fallen, so dass dann die Zwei-Drittel-Mehrheit für die geplante Verfassungsreform bereit stände?

    http://www.heise.de/tp/artikel/48/48647/1.html

  3. Dass die offensichtlich vorgetäuschte Tel Aviv-Ankara-Kontroverse Erdogans absolute Mehrheit gesichert hat, ist aufmerksamen Beobachtern nicht entgangen.

    Sputnik News: Netanyahu Thanks Biden for Support During Israel-Turkey Talks

    Die Türkei ist Nato-Staat, die Nato ist US-geführt und dort gibt es für das Verhalten von einem wie Erdogan aller Regime-Change-Erfahrung kaum mehr als zwei Möglichkeiten: Es ist Schmierentheater oder über den Posten eines korrupten Dorfbürgermeisters wäre er nie hinausgekommen.

    Am Tag seiner Entschuldigung für den Mord, hat Erdogan den Mörder freigelassen: http://www.hurriyetdailynews.com/Default.aspx?pageID=238&nID=100970&NewsCatID=509

  4. Die Freilassung des Todesschützen (bzw. Verantwortlichen am Boden) gegen den Piloten ist auch ein politisches Signal, sollte man annehmen. Aber da gibt es ja auch wieder eine Ankündigung.

    NATO-Austritt, im Ernst? Um dann eine eigenständige Macht zu werden?
    Wie viele Beispiele gibt es denn dafür? Vielleicht kann man Frankreich, das auch nicht ganz ausgetreten war, anführen; als Atommacht und ständiges Mitglied im Sicherheitsrat.

    Die Türkei lässt sich auf Grund ihrer Kurden-Politik wunderbar destabilisieren; da braucht es gar keine 800 Km Grenze, das kriegen interessierte Dienste auch so hin.
    Also ich denke nicht, dass Erdogan diesen Schritt geht, wenn es um eine „Machtposition“ geht.
    Wenn er sich in ZUkunft rauszuhalten gedenkt aus dem großen Weltgeschehen und sein Land einfach wirtschaftlich nach vorn bringen will, dann ginge das vielleicht. Es ist ja ein Irrglaube, man muss politische „Macht“ haben, um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, die Dänen bspw. leben ja nicht so übel.

    Rojava ist in der Karte schnell eingezeichnet; auf dem Boden ist es doch weniger einfach.
    Nicht alle Orte, wo mal ein kurdischer Bauer gelebt hat (um es mal zuzuspitzen), ist heute kurdisch geprägt und deshalb leicht einzunehmen und in ein Kurdengebiet zu integrieren.
    Deshalb ja auch die Bestrebungen, arabische Hilfstruppen in die SDF zu integrieren.

    Wenn jetzt nach der Einnahme Manbijs (und vielleicht notwendiger Konsolidierung)der nächste Offensivschritt in Nordostaleppo kommt, wird ISIL sehr wahrscheinlich aufgerieben. Bisher gab es noch wenige Verbrüderungn mit den „gemäßigten“ Rebellen, aber das könnte noch kommen, wenn der gemeinsame Feind so klar wird.

    Ich kenne nicht den Status der „Grünen“ ganz oben im Norden. Da sie keine gemeinsame Front mit dem Regierungsgebiet haben, und derzeit nur in Kämpfen mit ISIL verwickelt sind (dieses absurde Dörfchen-Wechsel-Dich), könnten sie sich ja auch leicht als Waffenstillstandsteilnehmer gerieren.

    Dann wird es eher schwierig mit dem zusammenbombardieren; Al Nusra darf man, und wer sich neben Al Nusra in den Schützengraben legt, muss logischerweise damit rechnen, aber das wäre ja eine andere Position.

    Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich ein schmaler grüner Streifen an der Grenze Nordaleppo/Türkei halten kann; wobei sie ja selbst mit türkischer Artillerieunterstützung immer wieder zurückgeworfen werden von ISISin Bedrängnis, also doll ist das nicht.

    Für Syrien und Russland an sich ist so ein Streifen auch relativ egal; nur für die Kurden nicht.

  5. Ich glaube eher, das die Türken mit Israel gemeinsam Syrien vernichten wollen. Und Russland versöhnlich stimmen, das die nicht so stören bzw. Türken oder Israelis in Syrien angreifen.
    Aufgeben tun die m.E. nicht.

  6. Drei Syrien-Fresser (Netanjahu, Erdogan, Kerry) lassen in Rom die Friedenspfeife kreisen. Und der kleinste dieser Syrien-Fresser (Erdogan) versucht diese Friedenspfeife anschließend an einen Syrien-Beschützer (Putin) weiter zu reichen-.

    Was mögen Netanjahu und Kerry dem Erdogan eingeflüstert haben?: „Überwinde deinen Stolz, dann bekommst du von dem syrischen Braten noch doch deine Scheibe (ähnlich wie Israel den Golan) ab.“ ?

    Der geneigte Beobachter könnte in dieser Scharade der drei blutversoffenen Friedenstauben einen nicht wirklich raffinierten Trick gegen Syrien und Russland vermuten.

    Herr Netanjahu reist gerne zu Präsident Putin (vier mal dieses Jahr), Herr Kerry telefoniert gerne mit Aussenminister Lawrow. Und das entgleiste Erdogan-NATO(T)-Männchen macht plötzlich einen Kotau an Russland, damit das Endziel für die blutbesoffenen Friedenstauben nicht doch noch verloren geht.

    Ist das der „Deal“: Und jeder zahlt seinen Preis?

    Ob diese Politik allerdings aufgeht, daß ist nicht gewiß! Insofern befindet sich die zionistische Elite durchaus in jener Kälte, welche sie durch kulturelle Einfrierung und Gleichmachung der Völker selbst angestrebt hat.

    -Esel, stürze nicht, die Frösche unter dem Eis sind nicht tot.

    Und nun müssen diese „Götter“ mit den langen Ohren und dem störrischen Gemüt gegen einen weltweiten Frieden sich alleine und selbst repräsentieren, dass sie auf geschliffener Kuffe über das Eis können ohne Genickbruch -im Winter der Völker…

    Insofern ist das schon ein tolles und auch unverschämtes Theater, welches auf dieser Bühne der Erde abgeliefert und geboten wird. Im Grunde primitiv, ja pervers.

    Am Ende wohl wird es an drastischen Strafen nicht fehlen.

    – Und ich danke ganz herzlich meinem geliebten Parteibuch und den inzwischen vielen qualifizierten Kommentatoren dieses Blogs für das gute Gespräch!

  7. Parteibuch:

    ‚Ohne Russland kommt Erdogan aus diesem Szenario kaum heraus.‘

    Hans mein Igel:

    ‚– Und ich danke ganz herzlich meinem geliebten Parteibuch und den inzwischen vielen qualifizierten Kommentatoren dieses Blogs für das gute Gespräch!‘

    Beidem schließe ich mich an.

    1. Danke sehr. Und immer vielen Dank für die fleißige Arbeit meines geliebten Parteibuches.

  8. Die Türken hat das russische Embargo sicher härter getroffen als angenommen, wo noch dazu westliche Touristen ausbleiben. Diese Entschuldigung war nur mehr eine Frage der Zeit. Von eine neuen Achse Moskau-Ankara kann man wohl noch nicht ausgehen.

  9. Paßt dasd hier rein?? Ja, das paßt hier rein – denn umsonst einfach so wird nichts in die Türkei gebracht. Also vermute ich mal, daß dies auf Anweisung geschah, dieser Diebstahl, um Syrien zu schaden.

    https://www.almasdarnews.com/article/jihadists-loot-zayzoun-power-plant-transferring-turkey/

    Man schreckt also nicht einmal vor Diebstahl zurück, ergo scheint man massiv zu befürchten, daß es bald – also in Kürze? – erheblichen Gebietswechsel gibt in Latakia/Idlib.

    1. Ich empfinde den genannten Diebstahl in Kriegszeiten als vollkommen normal. Wenn man Krieg führen will braucht man Lebensmittel, Waffen, Kleidung, Söldner das kostet und selbstverständlich wird da alles zu angewendet was greifbar ist. Bei Chemischen und Biologischen Waffen fürchtet man eventuell das Echo aber ansonsten nimmt man alles was zur Verfügung steht.

      Aber was meint die Bevölkerung? Das Kraftwerk wurde ja einst gebaut um die Bevölkerung mit Strom zu versorgen die Plünderung und Demontage des Kraftwerkes bringt nur einen kleinen Ertrag, ein Bruchteil des Aufwandes welches zur Errichtung des Kraftwerkes für die syrische Bevölkerung notwendig war.

      Empfindet die Bevölkerung in Idlib die Demontage auch so, dass sie beraubt wurde?

    2. Solche Diebstähle wurden ja schon ziemlich zu Beginn gemacht. Ganze Industrieanlagen wurden in Aleppo ausgeplündert und in die Türkei verschachert, ebenso Mehlsilos, deren Getreide man für wenig Geld in die Türkei verkaufte und das fertige Brot für den zehnfachen Preis in die von den „Moderaten“ besetzten Gebieten aus der Türkei einführte.

      1. Als ob Assad seine Armee gegen den weltweiten Terrorismus aufstellt und keine Kompromisse eingeht, wenn es um die Souveränität des gesamt syrischen Teritorium geht, dann wird er sicher nicht den Dreck räumen um die Bude den kurdischen Rebellen zu überlassen. Syrien hat genug Blut gezollt und es wird sein gesamtes Teritorium zurück erlangen. Wer sich gegen so eine Terror Kampagne bewährt wird sicher die kurden auspielen, wenn sie die Souveränität syriens bedrohen sollten. Syrien hat seine verbündeten und Syrien wird sicher aus dieser Kriese stärker raus kommen.

        Danke an die qualifizierten Artikel und Kommentare auf mein Parteibuch. Sicher eines der besten Quellen sich infos über die globalen zusammenhänge zu holen.

  10. „Giftige Beziehungen“ zu den USA… Einen gewissen Bruch mit den USA nahm ich wahr, als Erdogan mit seinem ehemaligen Kompagnon Fetullah Gülen brach. Die einen halten Gülen für einen Islamphilosophen, andere (wie ich) halten den Mann, der in den USA im Exil lebt, für einen Terrorpaten. Leider finde ich Gülens ein paar Jahre altes Statement zum sog. Greater Middle East Prioject, das auf seiner Homepage zur Verfügung stand nicht mehr. Aber auf seiner Homepage gibt es neueres Statement (2015) dazu http://fgulen.com/en/gulen-movement/fethullah-gulen-and-the-gulen-movement-in-100-questions/48317-what-is-fethullah-gulens-view-on-the-greater-middle-east-project-is-this-project-feasible-to-implement-or-have-the-developments-in-iraq-forced-the-project-to-be-shelved-for-now
    Im älteren Statement ging es darum, dass Gülen davon schwärmte im Zuge der Realisierung des Projekts, in Deutschland sprach man von „Demokratisierung des Greater Middle East“ http://m.bpb.de/apuz/28717/demokratisierung-des-greater-middle-east?p=all , die Türkei zu einer Macht mit Vormachtstellung am Tor zur islamischen Welt zu machen. In dem kritischen bpb-Artikel von 2005 findet bereits ein Regimechange in Syrien Erwähnung. Das war zu jenen Zeiten als Bush „mit Gott persönlich“ sprach, in den Irak einfiel und von zu errichtenden „Tempeln der Demokratie“ schwadronierte. Diese Propaganda – um den Kriegen etwas „Gutes“ zu geben- war auch ewig bei uns verbreitet worden, so dass auch die Mainstreamlinke auf diesen Zug aufsprang, von wegen, „ein bisschen Gewalt muss sein“, danach habe man vor Ort eine bessere Welt. So sollte einst ja auch Libyen “ befreit“werden. Demokratie, Frauen- und Menschenrechte bringen war das Thema, quasi, der Westen wolle doch allen nur Gutes. Claus Kleber schwadronierte über die jungen Menschen in den Schurkenstaaten und wie sie per Facebook Revolution machen. Ganz toll sollte das sein. Kritische Stimmen wie Scholl Latour wurden auf einmal als alte Opis auf’s Abstellgleis befördert…

    Ein interessantes Video zum Thema Erdogan und dessen Aussagen zum Greater Middle East Project, es stammt von Ulusal Kanal. Einem türkischen Hardcorekemalistensender, den Erdogan seit Jahren bekämpft. http://m.liveleak.com/view?i=abf_1417876866 In Deutschland wird der Imperialistenplan ja nie erwähnt. Laut unseren Medien findet eh immer alles zufällig statt. Und der gute Westen sei eben genötigt zu helfen, zu intervenieren, heißt: Krieg machen.

    Erdogan spielte hier nur lange seine Rolle. Und mit der Türkei als Tor oder Vorhof auch eine bedeutende. Aber von einem Krieg der Türkei gegen Syrien zu sprechen halte ich für falsch, denn das lastet alles allein der Türkei an.

  11. Liebe Parteibuch
    In letzte Monaten hat Erdogan so viel material Aufrüstung und Soldaten über Grenze gebracht, dass Idlib und Aleppo Raum nicht mehr von SAA bedroht ist. Jetzt kann er Grösszügigen spielen.

  12. Ein kurdischer Nationalkongreß steht vor der Tür. Auf der Tagesordnung befindet sich angeblich die Gründung eines kurdischen Nationalstaates. Rojava beansprucht gegen den deutlichen syrischen Widerspruch schon heute Autonomie. Was das bedeutet sieht mensch im Irak. Die Autonome Region Kurdistan unter Clanchef und Mafiaboss Barsani stellt dauernd weitere Gebietsansprüche und versucht sie militärisch durchzusetzen. Wie ist es dann um die territoriale Integrität von Syrien bestellt, wenn das Regime von Saleh Muslim unter US-Kommando und mit NATO-Hilfe als neuer Staat – vielleicht gleich von Aleppo bis Mosul bis in die iranischen Grenzgebiete als neues Großkurdistan „etabliert” wird? Am Nationalkongreß werden Kurden aus Syrien, der Türkei, dem Irak und dem Iran teilnehmen. „Reicht” den Kurden Rojava oder marschieren sie unter US-Flagge gleich durch bis Lattakia? Was macht man dann mit den dort wohnenden 4 Millionen Alewiten? Man ist sich ja schon anders begegnet. In Aleppo und Afrin hat es in den letzten Jahren schon schwere militärische Auseinandersetzung zwischen der Syrischen Armee und kurdischen „Rebellen” gegeben. Für eine Endlösung hat das Pentagon bestimmt schon Pläne in der Schublade. IS und Al-Kaida streichen, PYD and friends einsetzen. Es gilt etwas zu erobern: Große Ölfelder befinden sich im kurdischen Irak, im kurdischen Syrien, dann kann man doch gleich auch das syrische Öl und Gas im Mittelmeer „mitnehmen”. An Menschen wird es dem neuen Staat nicht mangeln, denn Erdogan plant jetzt schon die Umsiedlung und Vertreibung der Kurden nach Syrien. Nach dem Krieg ist vor dem Krieg – und die Terrorchaoten in Washington reiben sich wieder die blutigen Hände.
    LG cw.

  13. Vielleicht ist es einzelnen Türken ja einfach aufgefallen, dass sie nicht etwas von Israel fordern können, was sie selbst nicht auch Russland gegenüber bereit sind. Sich bei den Familien zu entschuldigen ist auch was anderes als die juristische Frage, ob die Angriffe mit Todesfolge im Einklang mit dem internationalem Recht standen. Mit einem nationalistisch aufgeladenen Thema lässt sich nicht gleichzeitig Innen- und Außenpolitik betreiben.

  14. Na, auf der Karte haben sich die YPG-Kurden ja eine ganze Menge nichtkurdischen Landes unter den Nagel gerissen. Ganz so wie die Berazani-Clique im Irak.

  15. Das Video, bzw. der Spot ist auch interessant. Erschienen auf atv und yazete.com, einer populären Videoplattform. 2023 ist für viele Türken ein entscheidendes Datum. Es laufen Verträge aus, die Mustafa Kemal (Atatürk) bzgl. ehem. osmanischen Gebieten geschlossen hatte. Der Spot spielt das Amiszenario „Greater Middle East Project“ durch, geht über zum Israelszenario „Greater Israel“ um dann größenwahnsinnig oder je nach Sichtweise mit Humor festzustellen: die ganze Welt würde türkisch. https://m.youtube.com/watch?v=SbH6mXwseo8

    Immerhin hat es einen realen Hintergrund, der auf den Ersten Weltkrieg, dessen Ausgang und der Gründung der Türkei als Rest des Osmanischen Reiches zurückgeht. Dass die ganze Region Naher Osten seit 100 Jahren Spielball der Großmächte ist, lässt sich ja kaum bis nicht abstreiten. Und gewisse Karten, auch mit Kurdistan, einem größeren Armenien usw. ,tauchen immer mal wieder auf. Sicher alles Verschwörungstheorie🙂 , wird unter Türken aber halt hie und da rumgereicht. https://m.youtube.com/#/watch?v=6-l84yQHEH8&itct=CBwQpDAYACITCILSnM2ey80CFVOKFgodPqoD6jIHcmVsYXRlZEjKyJ3nrLbgvKQB

    Ich halte es für realistisch und will nur zu bedenken geben, dass sich jeder türkische Präsident mit solchen Imperialistenergüssen auseinandersetzten muss, vor allem, wenn er mit denselben Verbündeter spielen muss (NATO, USA, GB, EU) usw.

    Erdogan meinte wohl, er könne diese Jungs austricksen: Mitmachen und für sich und die Türkei am Ende was rausholen. Irgendwie so. Ich denke dass ist gescheitert und es könnte für die Türkei bedrohlicher werden als irgendein Greater Middle East Project Plan, oder Greater Israel etc. pp jemals erdachten. Man wird’s sehen. Auf jeden Fall ist die Türkei bzgl. ihren Träumen auf der Verliererseite, was auch damit zusammenhängt, dass der Syrienkonflikt zu lange dauerte, Assad schlau und eisern ist und die USA wohl nun andere Pläne spinnt, wo die Türkei und Erdogan gar nicht mehr gebraucht werden. So kann sich die USA eben auch nach Jahrzehnten offiziell hinter die Kurden stellen – wohl auch aus der Not geboren: Assad und Russland umwarben die Kurden ja mehr und mehr…

    Servus, bis denne

    1. Wenn man den Neuen Nahen Osten betrachtet, wie er von den US-Eliten zur Jahrtausendwende ausgeheckt wurde, kommt aber die Türkei gar nicht gut weg:

      Vielleicht fällt das Erdogan gerade mal wieder ein? Und die Diskrepanz zwischen den eigenen Machtansprüchen und denen der vermeintlichen Partner?

      Starke Beiträge und Kommentare hier. NocheinParteibuch ist zu einer festen Adresse für mich geworden.

      Viele Grüße
      ped43z

  16. Die türkisch-gedeckten „Rebellen“ in Latakia geben den Krieg offenbar nicht verloren;
    zumindest verbal, sie vermelden etliche Eroberungen von Orten, die sie auf ihren eigenen Karten fett in grün eingezeichnet hatten.🙄

    Die Tiger haben inzwischen 65% der Al-Mallah Farmen eingenommen.

    wow. (na gut, es war klar, dass es dort nicht leicht vorwärts geht, da fehlen ja nur ein paar Meter bis zur Castello-Road, also dem Cut von Ostaleppo.

    Und Labour kickt Corbyn raus, super.

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