SDF/YPG bauen Brückenkopf am Tishreen-Damm westlich des Euphrat aus

Die von den USA unterstützten kurdisch geprägten Kräfte der Syrian Democratic Forces (SDF) haben nach ihren gestrigen Erfolgen in der Gegend am heutigen Mittwoch ihren Brückenkopf westlich des Euphrat in der Nähe des Tishreen-Dammes weiter deutlich nach Norden ausgebaut.

Über Twitter verbreiteten Informationen zufolge soll es den SDF-Kräften dabei gelungen sein, die rund 30 Kilometer nördlich des Tishreen-Dammes gelegene und vor mehr als einem Jahr zerstörte Autobahnbrücke Qarah Qawzaq behelfsmäßig instand zu setzen und dann auch gleich die Kontrolle über die westlich der Brücke gelegenen Hammam-Berge von ISIS zu erlangen. Weiterhin gelang es den SDF-Kräften Berichten zufolge, westlich des Euphrat mehrere Örtlichkeiten zwischen dem Tishreen-Damm und der Qarah-Qawzaq-Brücke unter Kontrolle zu bringen, darunter die etwa auf halber Strecke am westlichen Ufer des Euphrat auf einem Berg gelegene historische Ausgrabungsstätte Njaim-Schloss und das Dorf Karsan an der Autobahn auf halbem Weg zwischen der Qarah-Qawzaz-Brücke und der Stadt Manbij. Schaut man sich die heutigen Erfolge der SDF auf einer Karte an, so erkennt man, dass der sich vorgestern noch über kaum mehr als 10 Kilometer des Euphrat-Ufers erstreckende Brückenkopf der SDF-Kräfte über den Euphrat sich nun von Nord nach Süd in der Luftlinie über 35 Kilometer des Euphrat-Ufers erstreckt.

Angesichts dieses großangelegten Vormarsches der SDF-Kräfte nach Westen kann natürlich überhaupt keine Rede mehr davon sein, dass der Vorstoß, wie es bei der Aufstellung der Kräfte vor zehn Tagen von den USA noch behauptet wurde, auf die Befreiung der ISIS-Hochburg Raqqa abzielt. Es ist offensichtlich, dass der Vormarsch der SDF/YPG-Kräfte über den Euphrat zunächst einmal darauf hinaus läuft, die Stadt Manbij im Nordosten der Provinz Aleppo aus der Hand von ISIS zu befreien, und das wird nun auch von der westlichen Propaganda offen so berichtet.

Die USA unterstützen den Vormarsch der SDF/YPG-Kräfte mit Spezialkräften und Luftangriffen, zu denen das Pentagon erklärte, die US-geführte Koalition habe allein gestern 18 davon im Raum Manbij geflogen, davon sechs auf von ISIS genutzte Brücken. Ziel der Zerstörung der Brücken scheint es gewesen zu sein, es der Terrorgruppe ISIS zu erschweren, Nachschub aus der Grenzstadt Jarabulus und der Türkei an die Front in Manbij heranzuführen.

Die Türkei, die seit Monaten heftige Drohungen gegen einen Vormarsch der YPG/SDF-Kräfte über den Euphrat nach Westen ausgestoßen hatte, scheint sich unterdessen aufgrund ihrer schlechten Position und mangels Alternativen mit der vagen Zusicherung abzufinden, nach der Befreiung von Manbij würde die Kontrolle der Stadt an arabische Kräfte übergeben, wer auch immer damit gemeint sein soll. Für die syrische Regierung dürfte es hingegen nicht das Schlechteste sein, wenn kurdische Kräfte der YPG die Kontrolle über Manbij und nach Möglichkeit dann auch die Region westlich von Manbij bekommen, weil das von Kurden beherrschte Gebiet an der Nordgrenze Syriens wie ein Sperrgürtel gegen den von der Türkei ausgehenden Terrorismus wirkt. Es ist deshalb auch durchaus denkbar, dass die syrische Armee den Kräften der SDF/YPG von der rund 50 Kilometer südwestlich des Tishreen-Dammes gelegenen Kuwairis-Airbase aus etwa entgegenkommt, um sie zu entlasten und dabei zu unterstützen, ISIS südlich und östlich der Linie Kuwairis-Tishreen-Damm komplett vom Nachschub aus der Türkei abzuschneiden.

Nachtrag 18:30h: Der türkische Machthaber Erdogan versucht angesichts der jüngsten Erfolge der YPG offenbar erneut, eine Gruppe von kurdischen Barzani-Lakaien zur Unterstützung des Kampfes von Al Kaida und Co gegen die YPG in Syrien aufzustellen. Dass sich von dem abgenutzten Trick des türkischen Terrorfürsten und seines Handlangers Barzani noch viele Leute in die Irre führen lassen, darf bezweifelt werden.

Nachtrag 21:00h: Al Manar hat ein paar Bilder von ANHA und anderen zusammengeschnitten:

Nachtrag Donnerstag 11:30h: Die gestrige Nachricht, dass die Qarah-Qawzaq-Brücke behelfsmäßig repariert wurde, ist falsch. Vielmehr sieht es so aus, dass die Kräfte der SDF/YPG da mit einem Floß über den Euphrat gekommen sind.

Ansonsten gehen am heutigen Donnerstag die Kämpfe der YPG/SDF zur Sicherung und Klärung des nun drastisch vergrößerten Brückenkopfes weiter. Zu den Ergebnissen dürfte es dann bald eine neue umfangreiche Lagekarte geben. Vorläufig möge es die hier tun:

20 Gedanken zu “SDF/YPG bauen Brückenkopf am Tishreen-Damm westlich des Euphrat aus

  1. Wenn die Graphik so stimmt, brauchte die SAA „nur“ an den Kanal Richtung Assad-Staussee nach Osten marschieren. Die Frage ist nur, was ist mit Dayr Hafir, was immer als ISIS-Hochburg galt und wo man die SAA praktisch auf dem Weg nach Südosten aufgehalten hat. Damit sollte wohl ein Angriff weiter nördlich zu erwarten sein, da über flaches Land hatte man schnelle Erfolge beim Scheinangriff auf Al Bab, nur dürfte da ISIS inzwischen Tonnenweise Minen gesäht haben.

    1. Lutz

      Ich sehe da überhaupt kein Problem für die SAA, die Kleinstadt Deir Hafer zu befreien, wann auch immer sie das für richtig hält. Die Frage ist nicht, ob die SAA Deir Hafer befreien kann, sondern ob, und wenn ja wann, sie das für richtig hält.

      1. Sehr geehrtes einparteibuch, Die Frage ist nicht, ob die SAA Deir Hafer befreien kann, sondern ob, die USA es ihr erlauben, oder ob es Gebiet ist, das in ihr US Protektorat in Syrien, integriert wird.

      2. Felix

        Die USA haben da gar nix zu melden, wenn Syrien machen würde, was die USA verlangen, wäre Assad längst nicht mehr Präsident und stattdessen Al Kaida an der Macht.

  2. @ Felix Klinkenberg

    Jo. Die Amies sind raus. Die können auch mit ihren lächerlichen 500 Mann Groundtroops nix bewegen außer symbolische Aktionen.🙂

    1. 500 Mann, das sind zwar nur halb so viele, wie die Russen in Syrien in etwa haben. Doch sie sind ja nicht alleine sondern können jeder Zeit die Luftwaffe anfordern, haben Nachschub über eine Flughafen. Sie trainieren SDF-Einheiten, markieren Luftziele. Sie haben in etwa die selbe Möglichkeiten und Probleme, wie die Russen. Einen Akteur zu überschätzen oder unterzuschätzen ist leichtsinnig. Diese 500 Mann sind doch ohne Frage jener Faktor, welche die SDF so überlegen gegenüber dem ISIS macht.

      Was doch viel entscheidender ist. Es sieht doch derzeit voll danach aus, dass die USA in ihrem Krieg gegen ISIS sich bei den Bodentruppen weiterhin auf die SDF-Einheiten verläßt. Sollte es dann mal wieder zu Verhandlungen in Genf kommen dann doch mal Vertreter die Gruppe auch dabei sein sollten.

      Jetzt wird ja die rote Linie der Türkei ausgetestet. Mal sehen, ob die Türkei sich bewegt. Das die Kurdischen Kräfte innerhalb des SDF die jetzt eroberten Gebiete dann arabischen Kräften überlassen ist ja sehr glaubhaft. Es gibt ja westlich davon noch jede Menge kurdische Dörfer, welche derzeit noch vom IS besetzt sind. Falls das jetzt erfolgt hat die Türkei am Ende überhaupt keine Karten mehr auf der Hand.

  3. Und nach dem von Washington unterstützten Sieg im Kampf gegen Washingtons Terrorismus, wird der Nordosten mit der für die Erholung und den Wiederaufbau der Versorgungsinfrastruktur des Landes sicher unentbehrlichen Wasser- und Energiereserven an Syrien zurückgegeben oder soll dieser Teil der Syrischen Arabischen Republik eher ein zweites Kosovo werden, mit den Kurden in der Rolle der Albaner und der arabischen Version des US-Militärstützpunktes Camp Bondsteel, in der Hoffnung, im Zuge der dann nur sehr schwer möglichen Wiederherstellung, die Unzufriedenheit in Teilen des syrischen Volkes doch noch so weit schüren zu können, dass ein US-geführter Regierungssturz samt der von Beginn an geplanten Balkanisierung Syriens, einigermaßen plausibel als von der Bevölkerung bewirkt dargestellt werden kann?

    1. Sehr geehrter Herr clearly , das sollte die Welt doch mittlerweile gelehrt haben, das dort, wo die US Army, einmal mit ihren Stiefeln, alles in Grund und Boden getreten haben, dort bleiben sie auch und das Land, gehört, ab dem Moment , zum GB /US Empire, das gilt nun natürlich auch für den Irak und für das Gebiet, das für den Kurden Staat geplant wurde. Den Syrern, wird der Teil ihres Landes bleiben, den sie nach dem US- Israel überarbeiteten Plan: For the Greater Middel East , zugestanden bekommen. Ausnahmen, wie Vietnam, bestätigen die Regel.

      1. Das würde also bedeuten, dass verdeckt von taktischem Mediennebel, alle am imperialistischen Angriff auf Syrien beteiligten Vasallen-Regime, den ihnen von Washington und Tel Aviv zugewiesenen Rollen entsprechend, nach wie vor genau das tun, was sie sollen, inklusive US-Natos Erdogan.

  4. Ich glaube es gibt eine vernünftige Absprache zwischen DC und Moskau.
    Meine Vermutung:
    Die Kurden schließen die Lücke nördlich von Aleppo und sichern das Gebiet nördlich von Raqqa.
    Damit geben Sie dem IS den nötigen Tritt in die Magenkuhle womit die SAA und Co in der Lage sind sich Taqba und anschließend Raqqa zu holen.
    https://mobile.twitter.com/IvanSidorenko1/status/738414965225361408

    Nun wird sich zeigen ob Aleppo ein Bluff war oder ob die Takfiris nun von möglichst vielen Seiten in die Zange genommen. D.h. Hama, Aleppo, Raqqa….?
    Ich wüsste zu gerne was grade läuft, aber zum Glück ist es nicht so einfach zu durchschauen

  5. Also ich bin sehr nachdenklich über die #momentane Situation.
    Mit einem kurdischen Blockade, Gürtel im Norden, gibt es wirklich die totale EU „Medizin / Nahrungs“ Blockade

    was mich stutzig macht ist,
    es git keinen Aufschrei wie beim OXI der GR

    kein medialer Aufschrei in DE ist sehr verdächtig

    1. Kunz

      „Mit einem kurdischen Blockade, Gürtel im Norden, gibt es wirklich die totale EU „Medizin / Nahrungs“ Blockade“

      Versteh ich nicht. Glaubst Du, Syrien ist auf über die Türkei gelieferte Nahrung und Medizin aus der EU angewiesen? Das wäre totaler Quatsch. Syrien ist über mehrere Seehäfen für internationale Güter erreichbar, und natürlich auch auf dem Luftweg und über Land, etwa via Beirut.

    2. Rein Formal sind ja die Grenzen sowieso geschlossen und die Türkei wollte ja an ISIS nicht mehr liefern,
      also würde formal keine andere Situation in Richtung Türkei entstehen.
      Es würde aber eine Landverbindung vom Mittelmeer bis zum Kaspischen Meer entstehen, d.h. der Iran könnte über den Landweg liefern. D.h. es könnten ganz neue Handelswege entstehen. Russland wäre nicht mehr auf den Bospurus angewiesen….
      Eine Verbindung von SAA und PKK-Gebiet wäre für alle eine win-win Situation, außer natürlich die Türkei und ISIS.

  6. Sehr geehrter Herr clearly, wenn man den Gang der Dinge im mittleren Osten verfolgt, kann man nur sagen , ja die Vasallen machen alle mehr oder weniger ihren Job, die Höllenkreaturen, des Fürsten der Finsternis Obama, haben ihren Job, für die Ethnische Selektion zu sorgen Abgearbeitet, denn die Einflussgebiete, entsprechen haargenau dem PLAN.Ein Kurden Gebiet, ein Sunni Gebiet und ein Gebiet, hauptsächlich an der Küste, für den Rest ( Alawiten, Christen, Drusen, usw )

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