SDF/YPG machen beim Anmarsch auf Raqqa einen kleinen Fortschritt

Vor etwas mehr als einer Woche gab es reichlich Medienberichte dazu, dass die von den USA unterstützten kurdisch geprägten Kräfte der SDF/YPG eine Großoffensive zur Befreiung der syrischen ISIS-Hochburg Raqqa begonnen haben. Doch am Boden passierte dann nichts, zumindest nichts, was nach einer Großoffensive aussah. Nun git es aber doch einen kleinen Fortschritt.

Wie Al Masdar News und andere Quellen berichten, haben die SDF/YPG-Kräfte in der Nähe des Tishreen-Dammes östlich des Euphrat eine Reihe von Dörfern unter ihre Kontrolle gebracht. Obwohl diese Dörfer noch in der Provinz Aleppo liegen und weit weg von Raqqa sind, lässt sich das als kleiner Fortschritt beim westlichen Anmarschweg gen Raqqa entlang des Euphrat interpretieren. Außerdem haben die YPG/SDF-Kräfte gestern Abend noch drei Dörfer westlich des Euphrat Richtung Norden unter ihre Kontrolle gebracht. Folgende Karte zeigt den Fortschritt der von den USA unterstützten SDF/YPG-Kräfte.

Viel ist das nicht, aber seit dem Beginn der von den USA mit viel Tam-Tam angekündigten Großoffensive der SDF zur Befreiung von Raqqa ist nun das erste Mal tatsächlich eine Verschiebung der Fronten erkennbar, die man als Vorkommen der von den USA unterstützten SDF-Kräfte in Richtung Raqqa interpretieren kann.

Man kann das freilich auch anders interpretieren. Insbesondere die Eroberung der drei Dörfer westlich des Euphrat lässt auch die Interpretation zu, dass die von den USA unterstützten SDF/YPG-Kräfte statt gen Raqqa zu ziehen, in Wirklichkeit vorhaben, Richtung Westen gen Aleppo zu ziehen, um eine kurdische Verbindung nach Afrin ganz im Nordwesten der Provinz Aleppo herzustellen, was im Unterschied zur Befreiung von Raqqa ein seit langem ein von den YPG proklamiertes Ziel ist. Sollte das so sein, wäre die von den USA ausgerufene Großoffensive zur Befreiung von Raqqa bloß eine Maskierung dieser von der Türkei vehement abgelehnten Operation zur Vereinigung der von der YPG kontrollierten Gebiete im Nordosten und im Nordwesten Syriens.

Denkbar ist natürlich auch, dass die YPG/SDF flexibel sind und nehmen, was ihnen gerade günstig erscheint. Setzt die Terrorgruppe ISIS den Großteil ihrer Kräfte zur Verteidigung von Raqqa ein, könnte die YPG vom Tishreen-Damm aus nach Westen vorstoßen. Setzt die Terrorgruppe ISIS hingegen den Großteil ihrer Kräfte zur Verteidigung ihrer durch die Provinz Aleppo führenden Nachschublinien aus der Türkei ein, könnte die YPG leichter angreifen.

Erst die Zukunft wird also zeigen, wie es an dieser Front wirklich weitergeht.

Nachtrag 19:00h: Während dieser Artikel geschrieben wurde, kam die Nachricht, dass die YPG/SDF-Kräfte einige Dörfer und Hügel „südöstlich von Manbij“ befreit haben. Dabei handelt es sich um Gebiete, die im Westen an das westlich des Euphrat von der YPG gehaltene Territorium angrenzen. Was man nun unzweifelhaft sehen kann, ist, dass die SDF/YPG in den letzten zwei Tagen nahe des Tishreen-Damms ihren Brückenkopf westlich des Euphrat deutlich ausgebaut haben.

10 Gedanken zu “SDF/YPG machen beim Anmarsch auf Raqqa einen kleinen Fortschritt

  1. Also irgendwie scheinen jede Menge Falschinformationen unterwegs zu sein.
    Mal sichtet man SAA-Truppen bei Palmyra, mal weiter nördlich. Mal wird schon fast in Raqqa gekämpft, mal kämpfen sich die Kurden Richtung Westen.
    Man kann wohl davon ausgehen, das man in Syrien die Unterstützung für die Irakische Armee mit einer gezielten Aktion verbinden will und ich schließe mich an, lassen wir uns überraschen, was kommt.

  2. @Lutz
    Da gibt es eine Staumauer + eine See , mit dieser Staumauer kann man viel Unfug machen wenn man böses im Sinn hat. Weiterhin gab es früher, mehr Streit um das Wasser als um das Öl. Also sollte man ganz ganz vorsichtig sein, wenn man in der Umgebung irgendwas unternimmt

    Naja wenn man noch mehr spalten will in dieser Region nutzt man ganz einfach die Zuteilung des Wassers. Der eine bekommt gutes der andere weniger gutes Wasser ( verseucht ).

    Weiterhin es kommt bzw. ist gerade die Trockenzeit bis zur Ernte

    Bei Problemen mit Wasser, sitzen die Betroffenen dann nicht rum ( auf den Munitionskisten) und machen Siesta, die schauen in die Kiste und …..

    1. Es gibt nicht nur einen Stausee und es gibt Kanäle, die vom Assad-Stausee wohl z.B. bis Aleppo gehen.
      Und es gibt Berichte von Angriffen auf Dörfer westlich des Stausees.
      Und ISIS hat gezeigt, wie man nach Khanasser kommt, das muss keine Einbahnstraße sein.

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