Schlacht um Marea dauert an

Die in der Nacht zum Freitag mit einer Offensive der Terrorgruppe ISIS zur Trennung von Marea von Azaz und der Türkei begonnene und in der Nacht zum Samstag mit einem Frontalangriff von ISIS auf Marea fortgeführte Schlacht um Marea dauert an.

Seit dem Beginn des Terrorkrieges gegen Syrien war die zu Freidenszeiten zuletzt rund 25.000 Einwohner zählende Kleinstadt Marea das wesentliche Zentrum der von der Türkei und ihren Partnern unterstützten Terroristen. Aus Marea kam zum Beispiel Abdul Qader Saleh, auch bekannt als Hajji Marea, der Anführer der Tawheed-Brigaden, die im Sommer 2012 mit reichlich Unterstützung durch die Türkei und andere NATO-Staaten sowie Katar und Israel versucht hatten, die Millionenstadt Aleppo zu erobern und dabei trotz all ihrer Brutalität und Skrupellosigkeit nur teilweise erfolgreich waren.

Auch nachdem es der syrischen Luftwaffe im November 2013 gelungen war, Abdul Qader Saleh mit einem Angriff auf einen Kommandoraum in der Infanterieschule nördlich von Aleppo auszuschalten, blieben die Muslimbrüder in Marea unter variablen Namen führend beim von der Türkei unterstützten Terrorkrieg gegen Syrien. Daran änderte sich auch nichts, als ISIS zum Jahresende 2013 zeitweise Teile von Aleppo und weite Teile des Umlands von Aleppo einschließlich der nördlich von Marea gelegenen Stadt Azaz unter Kontrolle hatte, wobei ISIS um Marea selbst wohlweißlich einen Bogen machte. Auch als beim Krieg der von der Türkei unterstützten Muslimbrüder gegen ISIS Anfang 2014 die östlich von Marea gelegene und ebenfalls von Muslimbrüdern beherrschte Schwesterstadt Akhtarin unter Kontrolle von ISIS fiel, blieb Marea unter Kontrolle der gleichen von der Türkei unterstützten Terroristen wie seit dem Beginn des Krieges. Mehrere von ISIS im Verlauf des Jahres 2015 unternommene Versuche, Marea zu erobern, blieben für ISIS erfolglos, wobei diese Auseinandersetzungen die geschäftstüchtigen Leute aus Marea freilich nicht davon abhielten, über Marea und Umgebung den Ölhandel zwischen ISIS in Raqqa und Al Kaida in Idlib zu organisieren und davon zu profitieren.

Selbst als die syrische Armee, Hisbollah und die von den USA unterstützten Kräfte der kurdisch geprägten YPG und SDF zum Jahresanfang 2016 die Verbindung von Nordwest-Aleppo nach Nubl und Zahraa – sowie damit auch zur Kurdenhochburg Afrin ganz im Nordwesten der Provinz Aleppo – wiederherstellten und die YPG dabei die bis dato ebenfalls von Muslimbrüdern beherrschten, direkt westlich von Marea gelegenen Ortschaften Tel Rifaat und Sheikh Issa nach Abkommen mit der Bevölkerung zur Vermeidung von Blutvergießen unter Kontrolle nahm, zeigten sich die von der Türkei unterstützten Muslimbrüder in Marea unbeeindruckt. Anstatt ebenfalls ein Abkommen mit den SDF und YPG zu treffen und sich ihnen anzuschließen, reagierte der Operationsraum Marea, wie sich die von der Türkei unterstützten und unter verschiedenen Fahnen von FSA über unterschiedliche Jihadi-Flaggen bis hin zu Al Kaida agierenden Muslimbrüder von Marea inzwischen nannten, mit einem Gegenangriff auf die ungläubigen Kommunisten der PKK sowie die mit ihnen gemeinsame Sache machenden Apostaten, wobei sie unter anderem die direkt westlich von Marea gelegene Ortschaft Sheikh Issa von den Kräften der SDF und YPG zurückeroberten. Obwohl die Verbindung von der Türkei nach Marea nur noch über eine schmale Route via Azaz, Kafr Kalbin und Kaljibrin laufen konnte, fühlte sich der von der Türkei unterstützte Operationsraum Marea stark genug, sowohl seine Feindschaft zur YPG zu pflegen als auch den von der Türkei forcierten Kampf zum Umdrehen des ISIS-Territoriums in Rebellen-Territorium nache der türkischen Grenze zu führen, wobei freilich ein Teil des Operationsraumes Marea inzwischen aus praktischen Gründen über die Grenze ins türkische Kilis ausgelagert worden war und sich seitdem Operationsraum Kilis nennt.

Die gestern begonnene Offensive von ISIS-Terroristen könnte nun das Ende für Marea als Zentrum der von der Türkei unterstützten Terroristen bedeuten. Anders als 2015 ist ISIS diesmal beim Angriff auf Marea strategisch vorgegangen und hat zunächst im Raum Azaz einige Offensiven durchgeführt, um dort Kräfte des Operationsraumes Marea/Kilis zu binden, dann die kleinen Ortschaften Kafr Kalbin und Kaljibrin erobert, durch die die einzige Nachschublinie von Erdogans Terrorlieblingen von der Türkei nach Marea lief, bevor ISIS dann in der Nacht zum heutigen Samstag den frontalen Großangriff auf die nun umzingelte Terrorhochburg Marea begonnen hat.

In Marea dürften sich gestern Abend, nachdem die YPG es den noch in Marea verbliebenen Zivilisten es am Freitag erlaubt hatte, über Sheikh Issa in ihr Gebiet zu fliehen, anders als von der zionistischen Massenpropaganda behauptet, nur noch wenige Hundert einschlossene Terroristen der Muslimbrüder befunden haben. Die liefern sich nun seit der letzten Nacht heftige Kämpfe mit den angreifenden ISIS-Terroristen, wobei beide Seiten für den Kampf insbesondere Kinder einsetzen und auch sonst mit äußerster Brutalität vorgehen. Die von der Türkei und der Israel-Lobby unterstützten Muslimbrüder von Marea brüsten sich beispielsweise damit, angreifenden ISIS-Terroristen reihenweise die Köpfe abgeschnitten zu haben, während ISIS-Terroristen sich ihrerseits mit nunmehr über einem halben Dutzend Selbstmordanschlägen zur Erstürmung von Marea brüsten. Aufgrund ihrer heftigen Kämpfe mit ISIS um Marea haben Erdigans Lieblinge den östlich von Marea gelegnen Ort Sheikh Issa im Laufe des Samstags aufgegeben, so dass die YPG dort wieder einrücken konnte. @Hamza_780 zeichnete die Lage um Marea am Samstag Mittag nach der Übernahme von Sheikh Issa durch die YPG für Al Masdar News wie folgt:

So, wie es da aussieht, scheint die Lage von Erdogans Terrorlieblingen in Marea inzwischen aussichtslos zu sein. Auch wenn sich die vom staatlichen Propaganda-Arm der USA im Laufe des Samstags Die US-Staatspropaganda verbreitete Behauptung, dass die Muslimbrüder von Marea sich inzwischen mit der YPG darauf geeinigt haben sollen, der YPG nach Sheikh Issa auch die Kontrolle über Marea selbst zu überlassen, als zutreffend herausstellen sollte, sieht es angesichts der weitgehenden Einkesselung von Marea durch ISIS eher unwahrscheinlich aus, dass die YPG Marea nun noch gegen den ISIS-Angriff verteidigen kann.

Sollte es so kommen und ISIS Marea erobern oder Marea der Kontrolle der YPG unterstellt werden, dann würde Erdogan damit das wichtigste Kraftzentrum seiner Proxy-Terroristen im Raum nördlich von Aleppo einbüßen. Das dürfte auch erklären, warum, von schlechtem Wetter abgesehen, sich sowohl Syrien und Russland als auch die USA nicht übermäßig engagiert darin zeigen, ISIS die Eroberung von Marea mit Hilfe ihrer Luftwaffe zu erschweren. Erdogan und seine Proxy-Terroristen versuchen seit Monaten, den Waffenstillstand und eine politische Lösung in Syrien zu sabotieren, und nun müssen sie einen Preis dafür zahlen.

Nachtrag 18:30h: Für die lebensrettende Evakuierung von Zivilisten, oft Angehörige der Kämpfer von Erdogans Terrorlieblingen, aus Marea und der Region Azaz in das von der YPG kontrollierte sichere Kurdengebiet von Afrin, haben sich Erdogans Terrorlieblinge am heutigen Samstag mit dem Raketenbeschuss von Stellungen der YPG und von zumeist kurdischen Zivilisten in Sheikh Maqsud und Ashrafiya in Aleppo „bedankt“ – wodurch da heute bislang vier Menschen ungebracht und 18 weitere verletzt worden sein sollen. So sind sie halt, Erdogans Lieblingsterroristen – und dann wundern sie sich, dass so viele Leute sie nicht leiden können.

Nachtrag 19:00h: Die USA sollen nun angeblich, in ihrem Bemühen, den moderaten Terroristen in Marea im Kampf gegen ISIS zu Hilfe zu kommen, aus Versehen Erdogans Lieblinge in Marea bombardiert haben. Das wird den türkischen Sultan Erdogan sicherlich nicht amüsieren. Sehr traurig, sowas.

Nachtrag 19:15h: ISIS soll gegenwärtig angeblich den nordöstlichen Teil der Stadt Marea unter Kontrolle haben.

Nachtrag 21:50h: ISIS hat ein paar Bilder hochgeladen, die angeblich aus Marea und Umgebung sein sollen.

Nachtrag 23:50h: Die syrische Zeitung Al Watan kommentiert die Entwicklung um Marea und Azaz in einem längeren Artikel, und teilt unter Berufung auf ihre Quellen mit, sie rechne damit, dass ISIS Marea erobern wird, und Azaz wohl auch.

Nachtrag Sonntag 13:00h: Aktueller Stand scheint zu sein, dass es Erdogans Lieblingsterroristen in der Nacht zum Sonntag gelungen ist, ISIS wieder aus Marea zu vertreiben. Dabei soll es allerdings zur Situation einer Geiselnahme von am Freitag nicht aus Marea geflüchteten Zivilisten gekommen sein, die nach wie vor nicht gelöst, und wo ISIS nun gefangene Zivilisten als menschliche Schutzschilde einsetzt. Weiterhin wird berichtet, dass es Erdogans Lieblingen 20 km nördlich von Marea, nahe der türkischen Grenze, gelungen sein soll, die Dörfchen Baraghida und Kafrshush von ISIS zurückzuerobern. Da präzise und zuverlässige Informationen aus der Gegend nach wie vor Mangelware sind, bleibt es abzuwarten, wie sich die Informationslage weiter verdichten wird.

Nachtrag Sonntag 14:20h: Kurdstreet beziffert die Anzahl der Flüchtlinge, die in den letzten Tagen in Afrin eingetroffen ist, auf 6100 Personen. Ein Teil dieser Personen sei nach Azaz, Idlib oder Aleppo weitergereist. Anders als von westlichen NGOs und Medien behauptet, scheinen Flüchtlinge in der Umgebung von Azaz nicht eingekesselt zu sein, sondern es sieht vielmehr danach aus, dass alle Passagen durch Afrin für Flüchtlinge offen sind. Trotzdem wäre es natürlich ein logistischer Alptraum, wenn ISIS die Flüchtlingslager nahe Azaz angreifen würde, etwa weil „Rebellen“ dort Basen für ihre Kämpfer eingerichtet haben.

Nachtrag Sonntag 16:30h: Gegenwärtig sieht es so aus, dass die Kämpfe abgeflaut zu sein scheinen. Weder ISIS noch Erdogans Lieblingsterroristen scheinen gegenwärtig an den Fronten bei Marea oder Azaz zu weiteren erfolgreichen Offensiven fähig zu sein. @CnMedia_Sy hat als akutelle Lagekarte folgendes veröffentlicht:

Das könnte nun also erstmal eine Weile so bleiben, wobei es denkbat ist, dass Erdogans Lieblinge in Marea über kurz oder lang kapitulieren oder einen Deal mit der YPG oder ISIS machen.

Nachtrag Sonntag 17:30h: Hier ist noch etwas sehr interessantes: AP meldet ganz explizit, dass der Waffenstillstand Al Kaida in Syrien stärkt. Und dabei ghet es insbesondere um Aleppo und Nordsyrien. Interessant ist das nicht, dass das so ist – Mheisny rekrutiert seit Wochen ganz offen Kinder für Al Kaida und Sputnik hat darüber auch schon mehrfach berichtet -, sondern dass die CIA-nahe Propaganda-Schleuder AP das nun zugibt. Das deutet daraufhin, dass die USA demnächst gewillt sein könnten, zu akzeptieren, dass mehr gegen Al Kaida in Aleppo und Umgebung getan werden muss. Und das wird mit Sicherheit nicht sein, dass Assad weg muss, bevor die von den USA unterstützten „Rebellen“ sich bequemen, sich von Al Kaida zu trennen, sodnern dass die von den USA unterstützten „Rebellen“ vor die Wahl gestellt werden, sich entweder pronto von Al Kaida zu trennen, oder gemeinsam mit Al Kaida eliminiert zu werden.

Nachtrag Montag 03:00h morgens: Die US-geführten Koalitionskräfte sollen vor ein paar Stunden angeblich den zweiten Luftangriff zur Unterstützung von Erdogans Terrorlieblingen im Kampf gegen ISIS in Marea geflogen haben, und wieder sollen sie „aus Versehen“ anstatt ISIS Erdogans Terrorlieblinge in Marea getroffen haben. Da kann man wohl nichts machen, Erdogans Terrorlieblinge in Marea scheinen die Bomben der US-Luftwaffe geradezu magisch anzuziehen.

Ansonsten meldete der angeblich von Gaziantep in der Türkei (also direkt nördlich von Azaz) aus betriebene Twitterkanal Qasioun News am späten Abend, dass es Erdogans Lieblingsterroristen gelungen sei, ISIS die Kontrolle über den Ort Kaljibrin direkt nördlich von Marea abzunehmen. Wenn das stimmen sollte, wäre das ein wichtiger Erfolg für Erdogans Lieblingsterroristen. Um den Weg für Nachschub von Azaz nach Marea frei zu machen, fehlt Erdogans Lieblingen allerdings in jedem Fall noch die Rückeroberung des nördlich von Kaljibrin gelgenen Ortes Kafr Kalbin, der nach wie vor unter Kontrolle von ISIS steht.

Nachtrag Montag 14:40h: Das türkische Militär behauptet, am Sonntag bei grenzüberschreitenden Angriffen gegen ISIS 58 Positionen in Syrien attackiert und dabei mindestens 28 Terroristen getötet zu haben.

8 Gedanken zu “Schlacht um Marea dauert an

  1. Erklärungsversuche für diesen Angriff:
    1. ISIS braucht dringend militärische Erfolge. Nur wer erfolgreich ist, kann seine eigene Mitglieder motivieren.
    2. ISIS möchte zeigen, dass sie die einzige Kraft sind, welche den Regime Change in Syrien ausführen können. Das ist noch mal eine Bewerbung für Unterstützer.
    3. ISIS möchte seine Rivalen mit in den Abgrund reißen. Die „Glaubensbrüder“, welche sich ihnen nicht angeschlossen hatten, sind noch verhasster, als die Ungläubigen.
    4. Es gibt da irgend welche Absprachen. Grün vom Spielfeld zu nehmen würden einigen anderen Akteuren gefallen. Es gibt viel weniger gejammer, falls das Schwarz hauptsächlich macht.
    5. ISIS hofft, das die Türkei ihren Schützlingen zur Hilfe kommt. Falls die Türkei ISIS im Gebiet des Kalifat angreift darf das Kalifat sich auch auf dem Gebiet der Türkei verteidigen. In dem dann entstehenden Chaos, etwa russische Kampfflugzeuge bombadieren türkische Panzer auf syrischen Boden, hofft ISIS wieder ihre Nische zu finden.

    Die Frage ist ja vor allem. Der militärische Zusammenbruch von dem Kalifat ist absehbar. Mit welcher Strategie versuchen einzelne Mitglieder bzw. ISIS als ganzes zu überleben? Das verblendete Fußvolk kämpft bis zum Tod. Doch was macht die Ebene der Geschätsleute, der Bürokraten, der militärischen Anführer? Flucht, die Seiten wechseln, eine andere Identität annehmen oder den Krieg verlängern? ISIS als Organisation handelt ja sehr rational. Obgleich jedes Individuum sehr irrational handelt. Zumindest, falls es die 78 Jungfrauen eher ein Märchen sind.

    1. Reisender

      hier noch mal unser spkulativer Erklärungsversuch von gestern für den Angriff von ISIS auf Marea: es könnte dabei darum gehen, die neu errichtete Öltransportroute von Raqqa über Afrin nach Idlib gegen Störungen von Marea (und der Türkei) abzusichern. Nochmal: ISIS transportiert seit kurzem von Raqqa aus Erdöl durch das YPG-Gebiet von Afrin zu Al Kaida in Daret Izza in der Provinz Idlib – wobei die Ölroute durch Ahras weniger als 10 km südlich von Marea läuft, und der Operationsraum Marea an dem Ölgeschäft im Unterschied zum Jahr 2015 nicht beteiligt ist.

      Siehe zu dieser Ölroute etwa:

      http://syriadirect.org/news/new-north-aleppo-route-ends-fuel-crisis-bypasses-azaz-rebels/

      Fällt Marea nun in ISIS- oder YPG-Hand, können die Marea-Rebellen (und die hinter ihnen stehende Türkei) das Ölgeschäft nicht durch Attacken und ähnliche Maßnahmen sabotieren. Der Angriff von ISIS auf Marea könnte eine Nebenabrede bei diesem Ölgeschäft sein.

      Es ist dabei anzunehmen, dass die Hauptsponsoren der YPG, nämlich die USA und Russland, es durchaus begrüßen, wenn Erdogans Lieblinge in Marea kräftig auf die Nase bekommen – denn Erdogan und seine Schützlinge versuchen seit Monaten, den Waffenstillstand und den politischen Prozess in Syrien zu sabotieren. Wenn Erdogans Schützlinge in Marea eine krachende Niederlage erleiden, verliert Erdogan ein Mittel, um den internationalen Friedesprozess für Syrien zu sabotieren, hinter dem sowohl Russland als auch die USA stehen.

  2. „Nachtrag 21:50h: ISIS hat ein paar Bilder hochgeladen, die angeblich aus Marea und Umgebung sein sollen.“

    Müsste ein US-Warzenschwein sein da auf dem vorletzten Bild.

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