Irakische Armee befreit beim Anmarsch auf Fallujah nach Karmah auch Sajar

Die irakische Armee und ihre Partner kommen bei ihrer vor fünf Tagen begonnenen Offensive zur Befreiung der Großstadt Fallujah aus der Hand der Terrorgruppe ISIS schnell voran und haben von Nordosten kommend nach der Befreiung der nahegelegenen Stadt Karmah nun auch schon die noch näher gelegene Stadt Sajar befreit.

Mit der Befreiung von Al Karmah und Sajar ist die im Grunde schon während der Zeiten der US-Besatzung von den gleichen Extremisten beherrschte Tasche von Fallujah und Umgebung mittlerweile ziemlich überschaubar geworden.

Erklärbar sind die überraschend schnellen – Al Karmah war in Friendeszeiten eine Stadt mit beinahe 100.000 Einwohnern – Fortschritte auf dem Weg zur Befreiung von Fallujah nur dadurch, dass die Extremisten angesichts ihrer sich abzeichnenden Niederlage in der Region kaum noch kämpfen, sondern stattdessen ihr Heil in der Flucht suchen. Ob sich der Trend zur Flucht bei ISIS auch in der Stadt Fallujah selbst fortsetzen wird, bleibt freilich abzuwarten.

Günstig für die Befreiung von Fallujah ist für die irakische Armee und ihre Partner auch der Umstand, dass gleichzeitig die syrische Armee und ihre Partner im Raum Palmyra in Richtung Deir Ezzor und mit US-Spezialeinheiten verwobene kurdische Kräfte der YPG in Richtung Raqqa in der Offensive sind. Auch wenn bei den Offensiven in Richtung Deir Ezzor und Raqqa noch nicht soviel zählbares herausgekommen ist wie bei der Offensive der irakischen Armee und ihrer Partner in Richtung Fallujah, so limitieren die gleichzeitig an ganz unterschiedlichen Fronten erfolgenden Offensiven die Möglichkeiten von ISIS zur Konzentration von Ressourcen auf eine bestimmte Front.

Unklar ist unterdessen, welche Auswirkungen die Erfolge der von Iran, Russland und den USA unterstützten irakischen, syrischen und kurdischen Kräfte im Kapf gegen die Terrorgruppe ISIS in der Gegend der syrischen Millionenstadt Aleppo haben werden. Gleich eine ganze Reihe der von der Türkei und Saudi Arabien unterstützten Rebellen-Terroristen in der Gegend von Aleppo hatte am letzten Sonntag gemeinsam mit Al Kaida die Erfolge der syrischen Armee im Kampf gegen Al Kaida im Großraum Damaskus zum Anlass genommen, der syrischen Armee ein 48-stündiges Ultimatum zu stellen, in dem sie forderten, die Eliminierung von Al-Kaida-Terroristen einzustellen, oder sie würden den seit Februar bestehenden Waffenstillstand aufkündigen und die syrische Armee an allen Fronten angreifen. Russland hatte sich davon überrascht gezeigt, von den USA gefordert, ihre Schützlinge zum Einhalten des Waffenstillstandes zu bewegen, und erklärt, beginnend ab Donnerstag einen Großeinsatz der russischen Luftstreitkräfte gegen Terroristen im Raum Aleppo vorzubereiten. Die USA hatten daraufhin eine scharfe Warnung an die Rebellen-Terroristen veröffentlicht, in der sie ihren Schützlingen erklärten, ein solch offener und großer Bruch des Waffenstillstandes wie in dem 48-Stunden-Ultimatum wäre ein „strategischer Fehler,“ weil Russland nur darauf warte, solch einen Vorwand zu bekommen, um hart gegen sie zuzuschlagen. Russland hat anschließend erklärt, von den Rebellen-Terroristen Zusagen bekommen zu haben, sich um die Einhaltung des Waffenstillstandes und ihre Trennung von Al Kaida zu bemühen, und deshalb von der für Donnerstag geplanten Gegenoffensive im Raum Aleppo einstweilen Abstand zu nehmen. Tatsächlich ist es am Donnerstag im Raum Aleppo vergleichsweise ruhig geblieben. Obwohl es da einige tödliche Terrorangriffe von Terroristen gab, gab es weder eine große Terroroffensive noch eine großangelgte Angriffe der russischen Luftwaffe.

Am Donnerstag Abend hat die von der Türkei und Saudi Arabien unterstützte Rebellen-Terroristen-Gruppe Ahrar Al Sham im Einklang mit dem vorherigen 48-Stunden-Ultimatum dann doch in einem öffentlichen Statement erklärt, nun gemeinsam mit Al Kaida die Schlacht zu beginnen. Bis zur Stunde, Freitag morgens um zwei Uhr, sind dieser Erklärung jedoch keine besonderen Taten gefolgt. Die syrische Armee bereitet unterdessen mit ihren Tigertruppen eine potentielle Gegenoffensive im Raum Hreytan-Anadan nördlich von Aleppo vor, während die YPG im Nordwesten der Provinz Aleppo einen Ölkorridor zwischen ISIS in Raqqa und Al Kaida in Idlib geöffnet hat.

Die Lage in der Gegend von Aleppo bleibt damit sehr angespannt und jederzeit ist eine Explosion in Richtung schwerster Gefechte möglich. Im Hintergrund dürfte dabei die offene Frage stehen, welches Kalkül die Türkei und Saudi Arabien verfolgen, um den Kampf gegen ISIS zu sabotieren. Glauben die Türkei und Saudi Arabien, dass eine vom Kampf gegen ISIS ablenkende Großoffensive von Rebellen-Terroristen im Raum Aleppo ISIS an anderen Fronten hilfreich sein wird, oder glauben sie, dass eine Großoffensive von Rebellen-Terroristen im Raum Aleppo durch die Bindung vieler ansonsten zur Unterstützung von ISIS einsetzbarer türkisch-saudischer Kräfte ISIS eher schwächen wird? Von der Antwort auf diese Frage dürfte es abhängen, ob die Lage in Aleppo in nächster Zeit drastisch eskalieren wird. Die Einschätzung des Parteibuches ist es, dass keine der saudisch-türkischen Optionen im Raum Aleppo ISIS und Al Kaida vor den anstehenden schweren Niederlagen schützen kann.

Die in westliche Staaten mächtige Israel Lobby fordert angesichts dieser Lage mit einem Artikel vom israelischen Propagandisten Ehud Yaari, der dem AIPAC-Ableger WINEP angehört, in der Hsuszeitschrift des einflussreichen „Council on Foreign Relations“ indessen von der US-Regierung den Terrorkrieg gegen Syrien im Süden Syriens auszuweiten, um so den Krieg noch gegen die syrische Regierung in Damaskus zu drehen. Israel verspricht sich von einem Sieg im Terrorkrieg gegen Syrien die Möglichkeit, den seit Jahrzehnten widerrechtlich von Israel besetzten syrischen Golan dem israelischen Staatsgebiet endgültig einverleiben zu können.

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