Mutige Entscheidung von Bernie Sanders für Simone Zimmerman

Die noch rechtzeitig vor den Vorwahlen in New York erfolgte Ernennung von Simone Zimmerman zur „Jüdischen Outreach-Direktorin“ könnte der entscheidende Moment der Präsidentschaftskampagne von Bernie Sanders werden. Während die rechtsradikalen israelischen Medien vor Wut kochen und die meisten US-amerikanischen Massenmedien ängstlich eine breite Diskussion dazu zu vermeiden suchen, schweigen sich die deutschen Medien dazu bislang komplett aus.

Simone Zimmerman ist jüdisch, Mitte 20, und frühere Präsidentin der Jugendorganisation der liberalen pro-israelischen, aber zur Mitgliedschaft in der „Konferenz der Präsidentennicht zugelassenen Lobbygruppe JStreet an der Universität Berkeley in Kalifornien. Video-Auszüge aus einem Interview vom Herbst 2014 vermitteln das Bild einer richtig sympathischen jungen Frau:

Wie diejenigen, die englisch verstehen, schon in den kurzen Interview-Schnipseln hören können, war Simone Zimmerman als Studentin mal angetreten, um Israel zu verteidigen, und sah sich dann bei J Street damit konfrontiert, dass die ihr zur Verteidigung Israels von der Hasbara mitgebenen Phrasen zur Verteidigung Israels hohl waren und die von rassistischer Gewalt geprägten Handlungen Israels ihren liberalen Werten so diametral gegenüberstehen, dass sie diese nicht mehr verteidigen kann.

Simone Zimmerman drückt ihre Ansichten zur israelischen Politik sehr klar aus. Bei den israelischen Massenmedien ist dabei ein Facebook-Post auf besonderes Interesse gestoßen, den sie anlässlich der mit Republikanern am demokratischen US-Präsident Barack Obama vorbei eingefädelten Rede Netanjahus vor dem US-Kongress im letzten März veröffentlichte. Nachfolgend hat das Parteibuch diesen von einer rechtsradikalen US-zionistischen Webseite wiederveröffentlichten Facebook-Post von ihr ins Deutsche übersetzt:

Bibi Netanjahu ist ein arrogantes, täuschendes, zynisches und manipulatives Arschloch. Er ist die Verkörperung der übelsten nationalen Überheblichkeit und Unmusikalität gegenüber der internationalen Gemeinschaft. Fick Dich, Bibi, dafür, dass du es wagst zu behaupten, dass Du auch nur einen Bruchteil der Juden in dieser Welt repräsentierst, für Deine beständige Angstmacherei, dafür, dass Du Israel, in Wort und Tat, immer weiter von der internationalen Gemeinschaft wegdrückst, und am Wichtigsten, dafür, dass Du versuchst, einen potentiell historischen Deal mit dem Iran zu sabotieren, um damit die Welt von der Tatsache abzulenken, dass Du letzten Sommer die Ermorderung von 2000 Leuten veranlasst hast, dass unter deiner Verantwortung eine brutale Besatzung von Millionen mehr fortgesetzt wird, und dass du Zeit und Geld in lächerliche Gelegenheiten zur Kampagne wie diese investierst, anstatt tatsächlich daran zu arbeiten, die wirklichen Bedürfnisse Deines Volkes zu erfüllen.

Netanjahu hat unseren Präsidenten beleidigt, aber er hat auch noch viel Schlimmeres getan. Er spricht nicht für mich als Jüdin, als Amerikanerin und als denkende Person.

#BibiSprichtNichtFürMich

Einige Stunden nach der Veröffentlichung des Facebook-Posts hatte Simone Zimmerman ihren Post dann an zwei Stellen geändert. Das Wort „Arschloch“ ersetzte sie durch das Wort „Politiker“ und an die Stelle von „Fick Dich“ setzte sie „Schande über Dich.“ Trotzdem blieb ihr Text in seiner Kritik an der israelischen Politik natürlich sehr deutlich.

Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass der Text, von den später ersetzten expliziten Ausdrücken abgesehen, kein Ausrutscher von Simone Zimmerman war. Im Gegenteil, wie JTA schon bei ihrer Ernennung zur „Jüdischen Outreach-Direktorin“ durch die Kampagne von Bernie Sanders berichtete, setzt sie sichschon eine ganze Weile intensiv für die Einhaltung der Menschenrechte in Palästina ein, verteidigt das Recht auf BDS und äußerte auch bei vielen anderen Gelegenheiten und auf vielen Plattformen, unter anderem auch in der israelischen Zeitung Haaretz, in Wort und Tat scharfe Kritik an den Schandtaten des mörderischen israelischen Apartheidregimes. Das kann man nicht übersehen.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass Bernie Sanders es nicht übersehen hat, wie kritisch Simone Zimmerman die Schandtaten des israelischen Regimes sieht, und dass er sie nicht trotzdem, sondern gerade deswegen eingestellt hat. Bernie Sanders hat sich ganz offenbar mutig dazu entschieden, an seinem bereits vor einigen Tagen eingeschlagenen Kurs festzuhalten, anstatt sich von der Lobby einschüchtern zu lassen, den Stier bei den Hörnern zu packen, mit Kritik am israelischen Regime weiter nachzulegen, im liberalen und jüdisch geprägten Bundesstaat New York die Schandtaten Israels zum bestimmenden Wahlkampfthema zu machen und damit die Entscheidung mit dem rechtsradikalen Regime in Tel Aviv und der Israel-Lobby in den USA zu suchen. Israels Pferdchen Hillary Clinton hat hingegen versprochen, zu Beginn ihrer Präsidentschaft Netanjahu umgehend ins weiße Haus einzuladen, um die Beziehungen zu verbessern.

Die ausgesprochen verhaltene Reaktion der Clinton unterstützenden US-Massenmedien darauf, lässt erahnen, dass die Israel-Loby befürchtet, Bernie Sanders könnte diese Schlacht gewinnen. Und das könnte durchaus klappen, denn wie die Biografie von Simone Zimmerman zeigt, ist es mitnichten so, dass die Israel-Lobby die Juden vertritt und alle Juden in den USA das rassistische Regime in Tel Aviv unterstützen. Im Gegenteil: insbesondere junge liberale Juden, aber auch viele Liberale anderer Glaubensrichtungen, sind von den Schandtaten des israelischen Regimes zutiefst angewidert. Bei den nächste und übernächste Woche anstehenden Vorwahlen wird sich zeigen, ob der Mut von Sanders mit Mehrheiten belohnt wird, oder ob die Lobby die Wähler nach wie vor im Griff hat.

Nachtrag Freitag 02:00h MEZ: Nach Forderungen von Ex-ADL-Boss Abe Foxman und WJC-Boss Ronald S. Lauder, Simone Zimmerman zu feuern, hat Bernie Sanders offenbar gerade kalte Füße bekommen, und Simone Zimmerman suspendiert, wie die New York Times soeben meldet.

Damit hat Bernie Sanders einen kapitalen Bock geschossen. Hillary Clinton und die Lobby werden ihn mit diesem „Fehler“ nun erst recht unter Druck setzen und die auf die Lobby hörenden Wähler damit Clinton zutreiben, und in den Augen der jungen Anhänger von Simone Zimmerman dürfte Bernie Sanders nun als ziemlich charakterlos erscheinen, weil er damit dem Druck führender Figuren der Lobby nachgegeben und seine Stimme der Wahrheit über Bord geworfen hat. Im Ergebnis vergrätzt Sanders damit nun also beide Wählergruppen, es sei denn, er würde die Suspendierung von Simone Zimmerman nun zügig wieder aufheben, etwa mit der Bemerkung, dass die zumeist von rechtsaußen und von den 1%-ern kommenden Vorwürfe gegen Simone Zimmerman stark übertrieben seien.

6 Gedanken zu “Mutige Entscheidung von Bernie Sanders für Simone Zimmerman

  1. Sehr enttäuschend, wie Bernie Sanders vor der Lobby eingeknickt ist. Da hat ja Barack Obama mehr Rückgrat gezeigt, als er das Iran-Abkommen durchgesetzt hat.

  2. Was wollt ihr mit dem Sanders? Derselbe Zionist wie die anderen, mit der Muttermilch aufgesaugt, nur anders gewickelt.

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