ISIS gewinnt Kampf gegen Nusra Front im Damaszener Stadtteil Yarmouk Camp

Weitgehend unbeachtet von den meisten Medien ist es Terroristen von ISIS in Kämpfen gegen Terroristen der Nusra Front in den letzten Tagen gelungen, den allergrößten Teil des exil-palästinensischen Stadtteils Yarmouk Camp in Damaskus zu erobern.

Vorgestern meldete die PLO, dass ISIS rund 60% von Yarmouk Camp unter Kontrolle gebracht habe, wo es neben 3000 Terroristen immer noch rund 6000 Zivilisten gebe. Auf einer von Al Masdar News vorgestern veröffentlichten Karte, die anscheinend auf von ISIS veröffentlichten Angaben basiert, sah die Kontrolle von ISIS über Yarmouk Camp sogar deutlich umfassender als 60% aus.

Die Differenz in den Angaben mag sich dadurch erklären, dass die mit der syrischen Armee kooperierende palästinensische Miliz PFLP-GC ganz im Norden von Yarmouk Camp noch einige Häuserblocks hält. Wie dem auch sei, jedenfalls haben ISIS-Terroristen gestern weitere Gebiete von Nusra-Front-Terroristen in Yarmouk Camp erobert, sodass die Kontrolle von ISIS zumindest über die ehedem von anderen Terroristen beherrschten Gebiete in Yarmouk Camp inzwischen ziemlich komplett sein dürfte.

Für die syrische Armee und die PFLP-GC ist diese Entwicklung, auch wenn sie zu einigen Kämpfen zwischen Einheiten der PFLP-GC und Nusra-Front-Terroristen geführt hat, erstmal für sich keine ganz schlechte Entwicklung.
Salopp formuliert: wenn sich zwei streiten freut sich der Dritte. Es macht für die syrische Armee im Grunde keinen Unterschied, was für Terroristen Yarmouk Camp beherrschen. Aber wenn Terroristen von zwei Al-Kaida-Gruppen sich da gegenseitig eliminieren, kann die syrische Armee nur gewinnen.

Ungünstig ist die Entwicklung hingegen für die von der Türkei und Katar unterstützten Verräter von Hamas im Yarmouk Camp. Vor vier Jahren hatte die bis dato von Syrien und der Achse des Widerstandes unterstützte Hamas sich im Kampf gegen Syrien und die PLFP-GC im Yarmouk Camp auf die Seite Israels und des imperialistischen Lagers geschlagen, später mutierten sie dann zu Al Kaidas Nusra Front und nun wurde diese Verräterbande in Yarmouk Camp von ISIS eliminiert. Das wohl unrühmlichste Kapitel der Hamas geht damit langsam zu Ende. Und auch die internationale Verwirrung in der internationalen Palästina-Solidarität, die Hamas durch den Verrat erzeugt hatte, dürfte damit zum Ende kommen. Die Fronten in Bezug auf Palästina werden damit wieder klar: Palästina, Syrien und die Achse des Widerstandes stehen auf der einen Seite, und Israel, die Terroristen in Syrien und ihre imperialistischen Unterstützer auf der anderen Seite. Durch die vollständige Eliminierung anderer Terroristen in Yarmouk Camp durch ISIS ist nun jedermann klar, dass in Yarmouk Camp keine unterstützenswerten Widerstanskräfte aktiv sind, sondern Terroristen, die bekämpft werden müssen. Diese wiedergewonnene Klarheit der Fronten kann der Entwicklung in Syrien nur guttun.

Des Weiteren sind die Kämpfe im Stadtteil Yarmouk Camp nicht isoliert von der Entwicklung der Situation in Ost-Ghouta zu betrachten. In der Karte auf Wikipedia sah die Lage im Großraum Damaskus am 1. April wie folgt aus:

Von Bedeutung ist da insbesondere die rund fünf Kilometer östlich von Yarmouk Camp beginnende Terroristentasche des Gartenstadtgebietes Ost-Ghouta. Ost Ghouta wird beherrscht von von Saudi Arabien und der Türkei unterstützten Terroristen, insbesondere der als „Islam Armee“ bekannten Mörderbande, die mit ISIS verfeindet ist, sowie von mit der „Islam-Armee“ kooperierenden Terroristen von Al Kaidas Nusra Front. Die syrische Armee arbeitet gegenwärtig insbesondere daran, im Süden von Ost-Ghouta nur wenige Kilometer östlich von Yarmouk Camp Gebiete von der Nusra Front und anderen Terroristen zu befreien und hat dabei in den letzten Wochen einige Erfolge erzielt, die darauf hinauslaufen, einen südlichen Teil vom nördlichen Teil der Terroristentasche Ost-Ghouta abzuschneiden und unter Kontrolle zu bringen, während gleichzeitig im Norden von Ost-Ghouta Kämpfe gegen starke Kräfte der sogenannten Islam-Armee weitergehen.

Dadurch, dass Terroristen von ISIS nun die Terroristen der Nusra Front in Yarmouk Camp besiegt haben, während gleichzeitig die syrische Armee östlich davon Erfolge gegen die Nusra Front erzielt, dürften die Kräfte der Islam-Armee, die mit ISIS verfeindet sind, ihre strategische Tiefe in Richtung des Südwestens von Damaskus verlieren. Die Versorgungswege der „Islam Armee“ von Israel und Jordanien über Moadamiya und Yarmouk Camp nach Ost-Ghouta könnten damit praktisch unpassierbar werden. Das könnte sich für die syrische Armee beim Kampf gegen die Terroristen in Ost-Ghouta noch als nützlich erweisen. Die Aussicht auf eine weitere erfreuliche Entwicklung eröffnete sich gestern dadurch, dass Terroristen von ISIS gestern von Terroristen der Nusra Front beherrschtes Gebiet in Yalda, direkt östlich von Yarmouk Camp, erobert haben, denn damit könnte es möglicherweise dazu kommen, dass ISIS von dort nach Ost-Ghouta gelangt, und es in Ost-Ghouta dann zu Kämpfen zwischen Islam Armee und Nusra Front einerseits gegen ISIS andererseits kommt. Wie schon in Yarmouk Camp wäre das keine schlechte Entwicklung, wenn Terroristen sich dann auch in Ost-Ghouta gegenseitig eliminieren würden.

Nachdem die Terroristen mit ihrer gegenseitigen Eliminierung fertig sind, kann die syrische Armee sich dann darum kümmern, die nach den Kämpfen zwischen den Terroristen noch existierenden Reste an Terroristen zu eliminieren und die Gebiete vom Terrorismus zu befreien. Durch die Erfolge von ISIS in Yarmouk Camp und Yalda dürfte das also letztlich einfacher für die syrische Armee werden.

4 Gedanken zu “ISIS gewinnt Kampf gegen Nusra Front im Damaszener Stadtteil Yarmouk Camp

  1. Wieso kann der IS größere Gebiete innerhalb kurzer Zeit erobern welches die SAA scheinbar nur mit viel größerem Aufwand schafft?

    Ist da ein Zusammenhang mit der Zivilbevölkerung, dass Denen egal ist ob der IS oder eine andere islamische Terrororganisation herrscht, „Hauptsache nicht Assad? Oder hängt es mit den Kämpfern zusammen welche ein Gebiet verteidigen, dass sie zum Teil geflohen oder übergelaufen sind. Wobei zum IS Überlaufen scheint zZ finanzielle Nachteile zu haben.

    1. dirk

      Beim im Vergleich zur syrischen Armee oft schnellen Vorrücken von ISIS gibt es tatsächlich einen Zusammenhang mit der Zivilbevölkerung, und zwar den, dass ISIS bei Kämpfen im Unterschied zur syrischen Armee keinerlei Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nimmt.

      Dadurch kommt ISIS im Vergleich zur Armee manchmal schneller voran.

  2. Ich verstehe bei der Situation rund um Damaskus zwei Dinge grundsätzlich nicht:

    1. Wenn es so ist, dass in Nord-Aleppo an der türkischen Grenze nur Scheingefechte zwischen Al Kaida und ISIS mit dem Zweck der Waffenübergabe stattfinden, weshalb sollte es dann in Yarmouk Camp anders sein? Oder anders herum gefragt: Wenn Al Kaida und ISIS im Allgemeinen ganz gut kooperieren, weshalb sollten sie sich dann im Raum Damaskus gegenseitig eliminieren bzw. schwächen wollen?

    2. Wenn ich mir die Karte um Damaskus ansehe, so sehe ich dort lauter Inseln (selbst Ost-Ghouta), die von Al Kaida und Ähnlichem oder ISIS beherrscht werden. Wie können die sich dort so lange halten? Man sollte doch meinen, dass die Versorgungsrouten dort gänzlich abgeschnitten sind und dass gerade auf den kleineren „Inseln“ wie Daraya die sogenannten Rebellen schon längst am Stock gehen müßten. Kein Strom, keine neuen Waffen, Kämpfer und Munition.

    1. Constantin

      Da machst du dir falsche Vorstellungen. Etwas grob vereinfacht kann man Folgendes sagen:

      Die Terroristen in Syrien sind in Hunderten lokalen Banden oder Clans organisiert. Wie gut die sich mit einer benachbarten Bande verstehen, hängt nur begrenzt davon ab, welche Fahne sich die Banden gerade jeweils auf’s Dach gepappt haben. Die Kontrolle der nationalen „Terrormarkeninhaber“ über das Verhalten der Verwender ihrer „Marke“ oder Fahne ist eher gering. Im Übrigen herrschen Raum Aleppo Clans, die unter dem Banner der Nusra Front kämpfen. Im Raum Damaskus herrscht demgegenüber die Alloush-Bande, und die dortigen Kämpfer der benachbarten Clans, die unter dem Banner der Nusra Front kämpfen, unterstehen damit quasi Alloush. Dass ISIS sich in Yarmouk Camp mit der Nusra-Front bekämpft, bedeutet, dass die Alloush-Bande im Raum Damaskus echte Konkurrenz bekommen hat.

      Was die „Terror-Inseln“ im Raum Damaskus angeht, so ist bekannt, dass es zwischen diesen Inseln Schmuggelwege gibt. Anzunehmen ist, dass die teilweise durch Tunnel und teilweise durch von Waffenstillständen abgedeckte Gebiete verlaufen, weshalb es für die Armee nicht einfach ist, diese Verbindungen dicht zu machen.

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