Bernie Sanders legt mit Kritik an Israel nach

Etwas mehr als eine Woche vor den wichtigen und schwierigen Vorwahlen in New York, einem der wenigen Bundesstaaten, wo nicht nur jüdische Großspender und die jüdische Lobby, sondern auch jüdische Wähler eine nennenswerte Rolle spielen, hat Bernie Sanders, der einzige jüdische US-Präsidentschaftskandidat, der jemals einen Delegierten gewonnen hat, Israel in einem Interview mit CNN vorgeworfen, beim militärischen Vorgehen in Gaza im Sommer 2014 „unverhältnismäßige Gewalt“ angewendet zu haben.

Während der jährlichen Großveranstaltung von AIPAC in Washington im März, wo sich alle anderen US-Präsidentschaftskandidaten Israel angebiedert haben, hat Bernie Sanders, der als einziger Präsidentschaftskandidat nicht an der AIPAC-Show teilgenommen hat, in Salt Lake City eine Rede zu Israel und der US-Politik im nahen Osten gehalten, die deutliche Kritik an Israel enthielt und eine ausgeglichene Positionierung der USA im nahen Osten forderte. Während die zionistische Propaganda-Maschine Sanders Kritik an Israel weitgehend ignorierte, wurde ihm von anderen Seiten Lob zuteil für seinen Mut, die Wahrheit, so wie er sie sieht, auszusprechen, und sich nicht mächtigen Interessengruppen wie der Israel-Lobby anzubiedern wie alle anderen Kandidaten es gemacht haben. Seinen Wahlergebnissen hat seine Kritik an Israel bis dato nicht geschadet, denn seitdem hat Sanders Vorwahl über Vorwahl gewonnen.

Vor etwas mehr als einer Woche hat Bernie Sanders nun der Mortimer Zuckerman, einem Ex-Vorsitzenden der zionistischen Mafia, gehörenden Gazette New York Daily News ein Interview gegeben. Darin sagte er auf eine Frage nach seiner Sicht zum letzten Konflikt in Gzaa 2014 unter anderem:

Ich denke, die meisten internationalen Beobachter würden sagen, dass die Attacken gegen Gaza rücksichtslos waren und dass eine Menge unschuldiger Menschen getötet wurden, die nicht hätten getötet werden sollen … Ich sage Ihnen nur, was ich glaube … hilf mir jemand aus, weil ich mich an die Zahlen nicht erinnere, aber meine Erinnerung ist, dass über 10.000 unschuldige Leute in Gaza getötet wurden. Klingt das richtig? … Ich habe das nicht in meiner Zahl … aber ich denke, es sind über 10.000. Mein Verständnis ist, dass eine ganze Menge Apartment-Häuser platt gemacht wurden. Krankenhäuser, denke ich, wurden bombardiert. So, ja, ich glaube, und ich denke nciht, dass ich mit dem Glauben allein bin, dass Israels Gewalt rücksichtsloser war als sie es hätte sein sollen. …

Etwas später in dem Interview hat ein Journalist von New York Daily News dann gesagt, dass er sein iPhone benutzt habe, um die tatsächliche Zahl zu googlen, und es seien etwa 2300 Tote und 10000 Verletzte gewesen, und im gleichen Atemzug hat er Sanders dann eine Frage zu einem anderen Thema gestellt. Sanders beantwortete die Frage und ging auf die Zahlen nicht weiter ein, womit er seine Akzeptanz der Zahlen ausdrückte.

Auf dieses Interview reagierten die Gatekeeper der zionistischen Lobby regelrecht wütend. ADL-Boss Jonathan Greenblatt rief Bernie Sanders öffentlich dazu auf, seine „Falschbehauptung zu palästinensischen Opferzahlen während des Gazakrieges“ zu korrigieren, in der Washington Post überschlug sich Jennifer Rubin in gleich zwei Artikeln mit Schaum vor dem Mund vor Zorn auf Sanders, die New York Post veröffentlichte einen an Juden gerichteten Aufruf, Bernie Sanders nicht zu wählen, weil er anti-israelisch sei, der israelische Politiker und Ex-Botschafter Israels in den USA Michael Oren, der einem breiteren Publikum vornehmlich durch seinen öffentlichen Aufruf zur Unterstützung von Al Kaida in Syrien bekannt sein dürfte, beschuldigte Bernie Sanders gar, mit der Nenneung der Zahl 10.000 und der Behauptung, Israel habe Krankenhäuser bombardiert, eine Verleumdung und anti-israelische Ritualmordlegende verbreitet zu haben und forderte eine Entschuldigung von Sanders, und so weiter und so fort. Die zionistische Mafia ist, vermutlich auch aus Angst davor, dass Sanders die Nominierung und die Präsidentschaft doch noch gewinnen kann, auf Hochtouren mit Propaganda gegen Sanders angelaufen, so wie sie es mit jeder öffentlichen Person machen, den sie bezüglich Kritik an Israel einschüchtern und zum Schweigen bringen wollen.

Doch Bernie Sanders lässt sich mit der Einschüchterungstaktik der zionistischen Mafia nicht zum Schweigen bringen, sondern er legt stattdessen nach. Am Freitag sagte er bei MSNBC, dass Israel in Gaza über 2000 Zivilisten umgebracht hat.

Im gestern ausgestrahlten Interview bei CNN war nun die wichtigste Angriffslinie von Bernie Sanders, dass Israel „unverhältnismäßige Gewalt“ gegen Palästinenser angewendet habe. Unverhältnismäßige Gewalt mag nach einem harmlosen Vorwurf klingen, ist es aber nicht: unverhältnismäßige Gewalt ist der Tatbestand eines Kriegsverbrechens in der Genfer Konvention. Jake Tapper von CNN schien ehrlich verblüfft, wohl auch darüber, dass Sanders seine scharfe Kritik an Israel ausgerechnet vor der Vorwahl im vergleichsweise jüdisch geprägten New York äußert, und sagte dann auch, er staune, dass ausgerechnet Sanders, der erste jüdische Präsidentschaftskandidat in der Geschichte der USA, der je einen Delegierten, ganz zu schweigen von Vorwahlen, gewonnen hat, so israel-kritisch ist, wo alle anderen Kandidaten doch immer zu Israel stehen, egal was Israel macht. Sanders, der als junger Mann in einem Kibbutz in Israel gelebt und auch Familie in Israel hat, antwortete darauf, dass er gar nicht Israel-kritisch, sondern er vertrete lediglich eine balancierte Position, und die sei nötig, wenn die Misere aus Gewalt und Krieg da jemals gestoppt werden soll, und außerdem sei es dazu nötig, nicht nur die Bedürfnisse der Israelis zu sehen, sondern auch die der Palästinenser und aller anderen Leute in der Region. Das sollten alle Menschen, egal ob jüdisch oder nicht, so sehen, meint Bernie Sanders.

Es wird sehr spannend sein, zu sehen, wie Sanders mit seiner Linie, Kritik an Israel zu üben und eine balancierte Position für den nahen Osten anzustreben, in New York abschneiden wird. Breitbart meint, es sei so etwas wie politischer Selbstmord, ausgerechnet vor Wahlen im zu deutlichen Teilen jüdisch geprägten New York harsche Kritik an Israel zu üben, gerade auch, wo in New York auf der demokratischen Spur geschlossene Vorwahlen stattfinden, wo unabhängige Wähler und Anhänger von Drittparteien sich schon im letzten Oktober, als die Kampagne von Sanders noch in den Kinderschuhen steckte, als Demokraten registrieren lassen mussten, um bei den Vorwahlen in New York für Sanders abstimmen zu dürfen. Darauf scheint die unter anderem von der Israel-Lobby unterstützte frühere New Yorker Senatorin und serielle Kriegsverbrecherin Hillary Clinton auch zu setzen, denn sie versucht nun, Sanders damit zu attackieren, dass er nicht fest genug zu Israel stehen würde. Es fehlt dabei eigentlich nur noch, dass sie den jüdischen Kandidaten Sanders des Antisemitismus bezichtigt.

Sanders dürfte sich in New York jedoch auch auskennen. Er ist zwar Senator für Vermont, doch er sit in New York aufgewachsen. Man kann getrost annehmen, dass er reichlich jüdische Leute in New York kennt. Und möglicherweise liegt Sanders mit seiner Strategie, gerade vor den Vorwahlen in New York Kritik an Israel auf die Agenda zu setzen, goldrichtig. New York ist nämlich nicht nur die Heimat von Wall-Street-Juden, sondern auch die Heimat von Mondoweiss. Viele Leute glauben zwar, dass die jüdische Lobby und die jüdischen Großspender mit ihrer harten pro-israelischen Haltung die Interessen und Wünsche der jüdischen Wähler vertreten, doch da kann man starke Zweifel dran haben. Viele Juden in New York, und insbesondere jüdische Wähler der Demokraten, sind ausgesprochen liberal und wissen darüber, was in Israel geschieht, aufgrund ihrer vielfältigen Beziehungen zu Israel oft viel besser Bescheid als die meisten nicht-jüdischen Amerikaner. Und gerade deshalb sehen viele jüdische New Yorker das rassistische Apartheidregime von Tel Aviv ausgesprochen kritisch.

9 Gedanken zu “Bernie Sanders legt mit Kritik an Israel nach

  1. Sieht aus als ob „the Bern“ all in geht.

    Ich wünsche ihm jedenfalls viel Erfolg.

  2. Eine Frage die ich mir letztens schon mal stellte.. Ich bin da nicht ganz so drin wie vlt. viele andere hier. Aber mal angenommen Trump ist kein U-Boot und Diener der Lobby. Welche Präsidentschaft hätte dann wohl die positiveren Auswirkungen auf Europa und vor allem Deutschland, ohne jetzt einzelne Punkte der beiden aufzulisten? Die von Sanders oder Trump?

    1. Alberich

      ich würde sagen, dass das ganz schwer – geradezu unmöglich – zu sagen ist, eben gerade weil nicht mal klar ist, ob Trump ein U-Boot der Lobby ist oder nicht. Bei Sanders ist es ziemlich klar, was er für eine Politik machen wird, wenn er Präsident wird, aber bei Trump ist es ziemlich unklar, was er für eine Politik machen wird, falls er zum Präsidenten gewählt wird.

      Das einzige, was bei Trump klar ist, dass er Wahlversprechen brechen muss, weil er in sich widersprüchliche Versprechen abgegeben hat. Was unbekannt ist, ist, welche Wahlversprechen er brechen wird. Es mag sein, dass es dazu in den nächsten Monaten noch Erkenntnisse geben wird, die diesbezüglich Rückschlüsse zulassen, es mag aber auch sein, dass Trump es selbst nicht weiß, und er selbst sich das erst nach seiner eventuellen Wahl zum Präsidenten überlegen wird.

  3. DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT

    Man greift ja in der Not gerne nach allem, was wie ein Strohhalm aussieht. Sollten wir nicht aus den ganzen „Yes we can“- und „Change“-Lügen eins endgültig gelernt haben:

    Wenn einer in einem repräsentativen System praktisch 4 Jahre ein König ist, wenn er erstmal gewählt wurde, dann ist Versuchung groß, vor der alternativlosen Wahl auf Teufel komm raus zu lügen. Und das haben wir jetzt mehr als einmal erlebt. Statt „Change“ gab es statt dessen eine LÜCKENLOSE Fortführung der Neocon-Agenda. Das bedeutet: Es ist sinnlos, da noch irgendwie hinzuhören. Das Problem liegt im System, das die falschen Anreize setzt.

    Und wenn man schon irgendwie hinhören muß, ist es erforderlich, zwischen den Zeilen zu lesen: Wieso spielt das Interesse eines anderen Landes, das am entgegengesetzten Ende der Erde liegt, überhaupt eine Rolle? Dieses große Interesse sagt doch alles oder? Man kann nur einem Herren dienen …

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