Palmyra ist befreit

Nachdem die Befreiung zum Karfreitag noch nicht geklappt hatte, am Freitag und Samstag jedoch große Fortschritte erzielt werden konnten, ist es der syrischen Armee und ihren Partnern nun am Ostersonntag gelungen, Palmyra vollständig vom Terrorismus zu befreien.

Eine animierte Karte zeigt die Entwicklung der Lage in den letzten zwei Wochen bis zur Befreiung von Palmyra.

Videos von der Befreiung Palmyras wurden reichlich gesammelt bei Urs17982.

Dazu, wie die Operationen zur vollständigen Befreiung Syriens von Palmyra aus konkret fortgeführt werden, hält die syrische Armee sich noch bedeckt. Das Armeekommando hat lediglich erklärt, dass die Armee Palmyra als Plattform nutzen wird, von der sie die Militäroperationen gegen ISIS über unterschiedliche Achsen Richtungen ausweiten wird, allen voran Deir Ezzor und Raqqa. Nach Einschätzung des Parteibuchs dürfte es jedoch im nächsten Schritt darum gehen, die Landverbindung über Sukhna nach Deir Ezzor wiederherzustellen, um die dort von ISIS umzingelten Armee- und Bevölkerungsteile wieder besser versorgen zu können.

Nachtrag am Montag: von South Front gibt es ein Video mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln, in dem die Operationen zur Befreiung von Palmyra zusammengefasst werden:

17 Gedanken zu “Palmyra ist befreit

  1. Hallo,

    zuerst einmal ein sehr positive Nachricht. Für mich als interessierter Beobachter kommt die Befreiung von Palmyra vorallem eine bedeutende symbolische Bedeutung zu. Kann mich erinnern was für ein Schock war als die Stadt überrannt wurde. Kann mich noch sehr gut daran erinnern wie hoffnungslos die Lage damals war, idlib war gefallen, dann das Massaker und die Zerstörung in Palmyra.

    Vieler Sympathiesanten des syrischen Volkes haben damals hervorgebracht dass die Stadt letztlich militärisch unbedeutend war, die Niederlage somit nur eine symbolische war.

    Nun interessiert mich, als Frage an alle die ein besseren Überblick über die Lage haben, wie dieser Sieg wirklich militärisch zu deutend ist?! Falls jemand sich noch erinnert wurde der Sieg des syrischen Volkes in qalamoun als militärisch entscheidend gedeutet. Verfrüht, leider!

    Also: was ist mit diesem Sieg militärisch gewonnen? Ist es wirklich ein Sieg oder eher Einnahme nach Rückzug von paar hundert Kämpfer, die ohnehin schon aufgehen wurden? Kann jemand mir es mal näher bringen. Danke

    1. Doug

      Ganz grob, die Bedeutung von Palmyra jenseits des unzweifelhaft überragenden archäologischen Wertes, der die Befreiung von Palmyra für sich schon wichtig macht:

      – Palmyra ist die wichtigste Stadt auf dem Weg, um die Blockade von Deir Ezzor zu brechen
      – mit der Befreiung Palmyra dürfte die Armee über kurz oder lang auch Dominanz in weiten Wüstengegenden um Palmyra herum erzielen
      – damit ist es möglich, die Front von Westen her wieder bis Deir Ezzor zurückzurollen, um ISIS dann in der Perspektive aus sämtlichen Regionen westlich des Euphrat zu vertreiben
      – weil ISIS östlich des Euphrat im letzten Jahr viel an Kurden verloren hat, könnte das ISIS in mehrere Teile zerlegen
      – westliche Außenposten von ISIS wie Al-Qaryatayn dürften damit für ISIS schon bald unhaltbar werden
      – die Alloush-Bande verliert ihren Waffennachschublinie von ISIS in Raqqa nach East Ghouta an der Front in Damaskus

      1. Palmyra war sicher wichtig, aber sicher nur Teil auf einen viel wichtigeren Teil.
        Die Kurden haben noch etwa 40km bis Deir Ezzor und wenn jetzt Palmyra sicher in SAA-Händen ist wird man da (hoffentlich) weiter voran. Und die SAA hat weitestgehend Wüste vor sich.
        Würde man sich da treffen, ist die ISIS praktisch in einen syrischen und einen irakischen Teil gespalten, das könnte bis Pfingsten möglich sein. Al-Qaryatayn wird vorher fallen. Das macht den Korridor nach Osten ziemlich breit und schwer für ISIS durch zu brechen.

    1. Tolles Photo clearly! Danke!

      Danke den Helden der syrischen Armee und den russischen Helden und Freunden Syriens!

      Ihr seid die Männer der Stunde und Euch verdanken wir alles.

  2. Ich hatte gelesen, dass auf Seiten von der SAA und Verbündeten ca. 100 Personen gefallen sind. Darunter auch jener Angehörige der russischen Spezialkräfte, welche Luftziele auskundschaftete.
    Dann sollen 500 bis 1000 Kämpfer von ISIS gefallen sein. Ein Verhältnis von 5:1 bzw. vielleicht auch 10:1.
    Falls man von noch weiteren 30.000 bis 50.000 Kämpfern auf Seiten von ISIS ausgeht, müsste man weitere 5.000 bis 10.000 gefallene Soldaten auf Seiten der SAA und verbündete befürchten. Ich hoffe, so mancher einheimische Stamm überwirft sich mit den ausländischen Kämpfern und wechselt die Seiten. Ohne die Perspektive auf ein Zivilleben werden sie eher noch den Selbstmordattentäter spielen und möglichst viele mit in den Tod nehmen wollen.

  3. Karim El-Gawhary von unabhängigen ORF meinte in der ZIB 2
    Palmyras Befreiung hat einen Wehrmutstropfen ist in etwa so wie die Befreiung Warschaus von der roten Armee , weil die syrische Armee auch niemand mag

    1. Sehr geehrter Manfred, da können die Kriegstreiber bei UNS, noch so viel Gift und Galle Kotzen, die Russische Armee hat Fakten geschaffen, da kommt selbst der Fürst der Finsternis Obama, nicht mehr dran vorbei und muss sich mit diesen Fakten arrangieren. Der Blutige Ketschup King und außerordentliche Repräsentant, der Skull& Bones, ist derzeit fast permanent in Moskau, um Auszuloten, was Russland, den USA / NATO überhaupt noch zulassen.

    2. Manfred
      Wer den ORF in den letzten Jahren verfolgt, wundert sich nicht mehr. Wer jedoch von den traditionellen Russlandbindungen Österreichs weiß, wundert sich sehr wohl. Da scheinen einige Atlantiker an höchsten Stellen zu agieren. Ich wüßte gern wer. Vielleicht kommts ja auch aus der Feinmannwarte..

    3. @Manfred

      Ob der ORF so viel unabhängiger ist, als ARD/ZDF darüber ließe sich ja noch streiten. Die Vita des Herrn El-Gawhary enthält jedenfalls wesentliche Merkmale, die auf einen transatlantisch-konformen Karriereaufstieg hinweisen. Auslandskorresspondent bei der ARD und Leiter des Nahost-Büros in Kairo. Es wäre mir jetzt neu, wenn solche Stellen mit unabhängigen Journalisten besetzt werden würden.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Karim_El-Gawhary

      Die Aussage, „niemand“ möge die syrische Armee macht keine Einschränkungen und sie kann schon alleine aus diesem Grunde nicht stimmen. Das bedeutet dann auch ungefähr so viel wie „niemand mag Assad“. Diese Botschaft entspricht bekanntlich dem Tenor, den die westliche Medien bei jeder Gelegenheit anstimmen. So reden sie auch pauschal immer von der syrischen Armee, auch wenn die Kampfeinheiten sich aus unterschiedlichen Truppen, sogar aus verschiedenen Ländern zusammensetzen. Aufgedröselt sagt Herr El-Gawhary dann nämlich auch: niemand mag Hezbollah, niemand mag den Iran und niemand den Irak. Noch schräger wird es, wenn man die von den ÖR nie erwähnten Bürgerwehren (NDF= National Defense Forces) ins Spiel bringt. Offenbar soll niemand erfahren, dass tausende syrische Bürger freiwillig zur Waffe greifen und von der SAA im Schnelldurchlauf miltärisch geschult wurden, um die SAA zu unterstützen und um ihre Dörfer und Städte zu verteidigen. NDF, das sind vor allem daheimgebliebene Männer im fortgeschritttenem Alter (40 plus), aber auch Frauen. Auch die NDF war bei den Palmyra-Operationen beteiligt. Niemand mag also Syrer, die ihre Häuser und Eigentum verteidigen? Blödsinn.

      Es ist allerdings nicht ganz unwahrscheinlich, dass kaum jemand von den Menschen in Palmyra zum Zeitpunkt der Rückeroberung die syrische Armee mochte. Doch wen interessiert das und weshalb ist das ein Wermutstropfen, wenn ISIS und deren Anhänger die syrische Armee nicht ins Herz schließen? Offensichtlich Herrn El-Gawhary, der wie viele seiner Kollegen, die nach Brüssel im Hamsterrad heiß liefen, den miltärischen Erfolg Assads über ISIS mehr oder weniger unverhohlen mißgönnen. „Prinzipiell sei es zu begrüßen, dass Palmyra vom IS befreit wurde, doch leider von der falschen Armee“, bekam ich gestern zu hören. Somit läuft wieder alles auf die Frage hinaus, was denn für Syrien nun eigentlich schlimmer wäre: Assad oder der IS? Welche Nationen den IS angenehmer finden, kann man hier beim Parteibuch regelmäßig nachlesen.

  4. Wie geht es weiter nach der Befreiung von Palmyra? Hier die neueste Analyse von Peto Lucem mit zwei hübschen Karten:

    https://southfront.org/from-palmyra-to-deir-ezzor-the-upcoming-campaign-in-eastern-syria/

    Diese, wie ich finde, gut durchdachte Analyse, möchte ich gerne noch um einen Gedanken erweitern. Vieles spricht dafür, dass ISIS inzwischen unter akutem Personalmangel leidet, um a) die eroberten Gebiete zu halten und b) um erfolgreich selbst Großoffensiven zu starten, wobei ich diesen eigenartigen Push in der Provinz Dara’a mal außen vor lasse. Kurzfristig könnte sich die Zahl der brauchbaren IS-Kämpfer in Syrien m.M. nur dann signifikant erhöhen, sollten auf einmal in Scharen die Kollegen aus dem Irak nach Syrien flüchten. Das könnte schon in näherer Zukunft der Fall sein, sollte die irakische Armee insbesondere Mosul vom IS befreien. Nach dem hoffentlich baldigen Fall von Al Qaryatayn werden vermutlich SAA & Friends ohnehin mehrgleisig fahren. Es wäre daher m.M. auch strategisch sinnvoll, den Blick auf die relevanten irakisch-syrischen Grenzübergänge zu richten und versuchen, diese zu kontrollieren. Damit meine ich in erster Linie Tanf Boarder Crossing bzw. die Zufahrtswege dorthin.

    Nun noch ein allgemeiner Blick in die Zukunft: je mehr SAA & Friends die Oberhand in Syrien gewinnen, wird zusammenrücken, was zusammengehört – nämlich ISIS, Al Nusra und Friends. Damit wären alle Waffenstillstandsbrecher unter einem Hut, das Geschwätz von moderaten Rebellen vom Tisch und Lawrows Definition des Terroristen, der von Russland bekämpft wird, schlußendlich bestätigt. Diese Entwicklung der Zusammenschlüsse von Kampfbrigaden war schon vorher zu beobachten, zeigt sich nun aber überdeutlich bei den jüngsten Angriffen auf SAA-Stellungen in Süd-Aleppo (Provinz). Oppositionskräfte und Stammesführer, deren höchstes Ziel nicht eine fundamental islamische Staatsform ist, werden durch die Versöhnungsverhandlungen den Takfiris weitestgehend entzogen, dafür aber in den Wiederaufbau des syrischen Staates miteinbezogen. Das wäre sozusagen die versuchte Zerstörung der Assad-Regierung nur eben mit der Rolle rückwärts. So schätze ich jedenfalls die russische Strategie ein, finde sie hervorragend und hoffe natürlich, dass der Plan aufgeht.

    Zum Abschluss noch ein lesenswertes Interview vom 28. März mit einem russischen Militär über die Syrienintervention Russlands:

    http://thesaker.is/the-commander-of-the-russian-military-grouping-in-syria-gives-first-interview/

  5. Der Aktualität wegen hier ein paar Infos. Ich hatte in meinem vorhergehenden Beitrag schon die heutige Großoffensive der Nusrats in Süd-Aleppo erwähnt. Nachfolgende Infos habe ich von Twitter und bedanke mich insofern bei Ivan Sidorenko, Hassan Ridha und The ‚Nimr‘ Tiger.

    Offenbar haben heute etwa 4000 Kopfabschneider aus 11 verschiedenen Gruppen gemeinsam ihre angekündigte Offensive im Raum Südaleppo gestartet. Die Frontlinie sei 40 km lang und betrifft folgende Orte:

    Zum Auftakt der Offensive seien 4 VBIEDs zum Einsatz gekommen. Laut SAA aber ohne Erfolg. Hier einer der Selbstmordattentäter, der sich vorher noch filmen ließ. Ein Saudi, ein Deutscher und ein Syrer aus Aleppo (Vierter unbekannt) hätten sich heute vergeblich in die Luft gejagt.

    Hier ein Video eines aufgeregten Oppositionsreporters, der nur von Erfolgen zu berichten weiß:

    Ebenso diese Facebookpropagandaseite:

    SAA dementiert, behauptet die Situation unter Kontrolle zu haben und dass die Takfiris die Hölle auf Erden erleben werden:

    Wie so oft werden wir wahrscheinlich erst in 1-2 Tagen wissen, wie die Situation vor Ort tatsächlich aussieht. Ich schreibe diesen Beitrag auch nur, weil es sich hier eben nicht um eines der üblichen Scharmützel handelt. Es hat für mich so was wie ein letztes Aufbäumen und wenn diese Großoffensive niedergeschlagen wird (nicht vergessen, es herrscht Waffenstillstand mit den „Moderaten“), wovon ich überzeugt bin, so dürften viele dicke Eier auf ihre Ursprungsgröße zusammenschrumpfen.

    Vor ein paar Wochen haben mich Offensiven der Nusrats noch erschreckt, doch nun glaube ich zu wissen, dass dies einer der wenigen Möglichkeiten ist, diese instrumentalisierten bedauernswerten Existenzen im größeren Stil ins Jenseits zu befördern. Wenn sie sich in ihren Tunneln, Dörfern und Flüchtlingslagern verschanzen sind sie schlecht angreifbar. Anscheinend bedarf es nur etwas Geduld bis sie freiwillig aus ihren Löchern kommen. Es scheint in der Natur dieser größenwahnsinnigen Idioten zu liegen, wie Lemminge in ihr Verderben zu laufen, um Eroberungen zu verzeichnen, wobei neben der Kalashnikow natürlich auch immer die Kamera vorher, während und nur noch selten danach unbedingt dabei sein muss. Ein Fressen für jede strukturierte professionelle Armee mit guten Generälen.

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