Rubios Niederlage bedeutet den Niedergang der Neokonservativen

Nachfolgender Artikel ist eine Parteibuch-Übersetzung des vom liberalen jüdischen Journalisten Philip Weiss gestern in seinem Blog Mondoweiss veröffentlichten Artikels „Rubio’s defeat means the downfall of neoconservatives“ (Rubios Niederlage bedeutet den Niedergang der Neokonservativen), in dem er die historische Signifikanz des Aussscheidens des letzten neokonservativen Kandidatens aus dem Rennen um die US-Präsidentschaftswahl 2016 erklärt.

Rubios Niederlage bedeutet den Niedergang der Neokonservativen

Die schmerzliche Niederlage von Senator Marco Rubio in seinem Heimatstaat Florida gestern, und sein Rückzug aus dem republikanischen Rennen, haben sehr starke Bedeutung: der Pro-Israel-Neokonservatismus wurde aus der Republikanischen Partei gespült, 20 Jahre nachdem er diese Partei erobert hat, und den Irak-Krieg produzierte.

Rubio lief als Kandidat der neokonservativen Fraktion in der Republikanischen Partei. Er sammelte eine Menge Geld auf dieser Basis. Donald Trump lief gegen den Irak-Krieg und für eine ausgeglichenere Politik gegenüber der Israel/Palästina-Frage; und Trump hat Rubio auf seinem eigenen Boden zertrümmert.

Die Neokonservativen könnten nun zu Hillary Clinton auf der demokratischen Seite strömen. Robert Kagan hat das bereits gemacht. Im Moment gibt es für sie kein anderes Spiel im Land.

(Der prominente MSNBC-Moderator) Chris Matthews hat gestern Abend praktisch erklärt, dass Neokonservatismus eine jüdische Pro-Israel-Bewegung ist. So eine offene Beschreibung der Agenda der Neocons hat es in den Mainstream-Medien noch nicht gegeben, glaube ich, und das für sich ist schon ein Zeichen für den Verlust ihrer Macht:

Einer der großen Faktoren, der entfesselt worden ist … Es gibt eine sehr bedeutende, aber kleine Anzahl von Menschen, die Neokonservative genannt werden. Sie sind Söhne von Einwanderern oder Enkel von Einwanderern. Sie sind sehr Pro-Israel. Sie sind sehr Pro-Einwanderer. Weil sie selbst Kinder und Kinder von Einwanderern sind.

Sie haben Rubio als ihre Hoffnung unterstützt. Er ist ein Falke, er wirft mit Ausdrücken wie Judäa und Samaria um sich, ein Verweis auf die Tatsache eines Groß-Israels, das die Likudnik-Partei nie weg geben wollte.

Sie senden alle diese Arten von Signalen. Rubio war diese Art von Kerl gewesen. Jetzt ist er weg.

Sie sind sehr aktiv auf den Meinungsseiten. Sie sind sehr intellektuell. Ich mag viele von ihnen persönlich. Leute wie Bill Kristol, John Podhoretz, Robert Kagan, Charles Krauthammer, das sind sehr clevere Menschen, die die neokonservative Kultur und Ansichten hinter sich haben. Es wird interessant sein, sie jetzt zu beobachten. Ich glaube nicht, dass sie sich mit Trump und seiner neuesten Linie einer ausgeglichenen Haltung im Nahen Osten irgendwie anfreunden können. Das können sie überhaupt nicht leiden.

Sie mögen ihn nicht. Sie denken nicht, dass er edel genug ist ….

Dieser Kandidat [zu dem sie nun gehen] könnte sehr gut Hillary Clinton sein.

Das ist, wenn Sie einen echten Gezeitenwandel sehen werden, auf den Meinungsseiten unserer großen Zeitungen, die Menschen mit einem sehr starken Unparteilichkeit [bezüglich der beiden Parteien] schreiben werden …

Das ist eine große Entwicklung, die diese Nacht. Ihr Schiff ist gesunken. Jetzt werden sie im Wasser schwimmend weiter kämpfen.

Justin Raimondo:

Marcos Waterloo = das Ende des Neonconservatismus als eine politische Kraft in der republikanischen Partei. Hurra, hurra Hallelujah!

In ihrer Siegesrede gestern Abend machte Hillary Clinton eine implizite Anspielung auf Israel und auf Donald Trumps Unentschlossenheit diesbezüglich. Sie wiederholte Marco Rubios Angriff gegen Trump, dass er unsere Verbündeten nicht unterstützt.

„Wir leben in einer komplexen und, ja, einer gefährlichen Welt. Amerikas nationale Sicherheit zu schützen, kann niemals ein Nachgedanke sein. Unser Oberbefehlshaber muss in der Lage sein, unser Land zu verteidigen, nicht, es in Verlegenheit zu bringen, unsere Verbündeten zu unterstützen, nicht, sie zu entfremden, unsere Gegner zu besiegen, nicht, sie zu ermutigen. Wenn wir einen Präsidentschaftskandidaten haben, der zum Zusammentreiben von 12 Millionen Einwanderern aufruft, für ein Verbot der Einreise aller Muslime in USA eintritt, wenn er Folter gutheißt, das macht ihn nicht stark, das macht ihn falsch.“

Scott McConnell sagt, von den Neocons wird nun angenommen, dass sie als Preise zu haben sind; und es bedeutet eine Menge, dass Matthews darüber redet:

Chris Matthews sagt, Cruz‘ Rede heute Nacht zielte auf die Umgarnung der Richtung [Sheldon] Adelson / [Paul] Singer / (Außenpolitische Falken) und Koch Bürder (Schafft die Unweltschutzagentur EPA ab). Prägnant für’s TV.

Der Neokonservative Bill Kristol bewegt sich auf eine neue Strategie zu: einen Establishment-Republikaner gegen Trump und Hillary Clinton laufen zu lassen.

Ein unabhängiger Republikaner könnte gewinnen, mit Clinton bei 56% Unbeliebtheitheit und Trump bei 67% und der Möglichkeit des Zusammenschmelzens von Trump im Allgemeinen.

Kristol weist sogar auf eine Kandidatur von Tom Cotton hin, den Arkansas-Senator, den die Neokonservativen im Jahr 2014 aufgebaut haben:

E-Mail von einem sehr ernsten Mann: „Sasse oder Cotton als unabhängiger Republikaner / konstitutionell Konservativer? Wenn einer von ihnen seinen Hut in den Ring werfen würde, wäre ich versucht, Urlaub zu nehmen, um ihm zu helfen.“

Wenn Kristol sagt, dass der Mann ernst ist, meint er damit, dass er viel Geld hat. Kristols Notfallkomitee für Israel (Anmerkung des Parteibuchs, Eigenbezeichnung auf englisch: „Emergency Committee for Israel“) hob Cotton mit $1 Million in seinem Senatsrennen 2014 auf den Sessel, und er versuchte sofort, die Iran-Einigung zu sabotieren. Und niemand hat darüber wirklich gesprochen. Aber jetzt werden sie es, weil die Neocons die Macht verlieren.

Wie Sie dies lesen, behalten Sie einige Dinge im Auge. Matthews sehr explizite Identifizierung von Neokonservativen als Juden ist in Ordnung. Neokonservatismus kam aus der jüdischen Gemeinschaft, und er beruhte auf aggressiven Pro-Israel-Ansichten; viele jüdische Autoren sagten das auch so – sogar Alan Dershowitz, hier. Zurück in den 1970er Jahren, haben die neokonservativen Gründer Norman Podhoretz und Irving Kristol die Bewegung erschaffen, als sie im Gefolge der Nominierung von George McGovern durch die Demokraten der Republikanischen Partei beisprangen; weil sie bezweifelten, dass die Demokraten militärische Gewalt zur Unterstützung Israels einsetzen würden. Ein schwacher Verteidigungshaushalt würde „ein Messer ins Herz von Israel treiben“, sagte Kristol gerade heraus in einer jüdischen Publikation. Das Credo war klar:

es ist jetzt ein Interesse der Juden ein großes und mächtiges militärisches Establishment in den Vereinigten Staaten zu haben … amerikanische Juden, die sich um das Überleben des Staates Israel kümmern, haben zu sagen, nein, wir wollen keine Einschnitte in den Militärhaushalt, es ist wichtig, dass das Militärbudget groß bleibt, damit wir Israel verteidigen können.

Dann in den 1990er Jahren, arbeitete sein Sohn Bill an der Entfernung von „Arabisten“ und Realisten aus dem republikanischen Establishment, Leute wie Jim Baker und Brent Scowcroft, die gegen den Marsch auf Bagdad waren. Kristol und Kagan produzierten das neokonservative Gedankengut, das half, uns den Irak-Krieg unter Bush zu geben.

Und die ganze Zeit über war der Neokonservatismus nicht politisch umstritten, weil es einen begleitenden Flügel auf der demokratischen Seite gab: die liberalen Interventionisten, der demokratische Block in Politik/Medien, der den Irak-Krieg unterstützt hat, von Jeffrey Goldberg, der auch ein Neocon hätte sein können, über Bill Keller, David Remnick und Chuck Schumer bis hin zu Hillary Clinton. Das gesamte außenpolitische Establishment war eine Einrichtung der Israel-Lobby; niemand, außer krasse Außenseiter, stritt sich etwa über eine militante Israel-tragende Außenpolitik in politischen Rennen.

Hillary Clinton wird nun auch um die konservative Fraktion buhlen, weil dort eine Menge Geld ist. Lesen Sie diesen Kommentar, zu einem Leitartikel der New York Times von einem Hillary-Fan namens Peg, die gut informiert scheint:

Hillary hat 41 Reden im Jahr 2013 gemacht. Für eine bei einem jüdischen Dachverband erhielt sie 400.000 und für eine bei einer Organisation von Krankenschwestern bekam sie 300.000. Von Goldman bekam sie ihre durchschnittlichen 225.000. Das ist es, wie die Clintons ihren Lebensunterhalt verdienen und das Kapital ihrer Stiftung erhöhen. Es ist sehr häufig, dass große Organisationen viel Geld für Redner bezahlen. Abschluss-Redner können sogar so viel wie 100.000 erhalten.

Es ist eine Schande, dass Bernie daraus eine Verschwörung gesponnen hat, um Stimmen zu gewinnen.

Der Punkt ist, um wie viel Hillary Clinton durch ihre Anbiederung an die Pro-Israel-Konservativen und Neokonservativen – der jüdische Dachverband, das Saban Forum und AIPAC, was für American Israel Public Affairs Committee steht – ihre außenpolitischen Positionen verzerrt. Bernie Sanders hat daraus kein Problem gemacht; aber Donald Trump wird es möglicherweise machen. Clinton hat versprochen, in ihrem ersten Monat im Amt Benjamin Netanjahu im Weißen Haus zu empfangen. Sie hat Haim Saban – einem Großspender von Clinton und auch Barack Obama, der viele Positionen mit Sheldon Adelson, dem Großspender am rechten Flügel, teilt – versprochen, dass sie mit den Republikanern zusammenarbeiten wird, um die Bewegung Boycott, Desinvestition und Sanktionen, kurz BDS, zu bekämpfen.

Die gute Nachricht von der letzten Nacht ist, dass diese Positionen endlich politisiert werden: um sie kann sich der kommenden Wahl offen gestritten werden.

Ein paar Anmerkungen vom Prteibuch: Es geht bei der Entmachtung der Neocons natürlich mitnichten nur um den Irak-Krieg, sondern gleich um eine ganze Reihe von Angriffskriegen, die diese besonders aggressive und mächtige zionistische Strömung in den letzten Jahren und Jahrzehnten vorangetrieben hat, und teilweise noch vorantreibt, so etwa die US-geführten Kriege gegen Jugoslawien, Libyen, Syrien und die Ukraine, und natürlich den Krieg gegen den Iran, den die neokonservativen unbedingt wollten, aber einstweilen nicht durchsetzen konnten.

Und es geht um noch mehr: die Niederlage einer Bewegung, die mit aggressiven Mitteln zum vermeintlichen Wohle eines sich im Aufbau befindlichen Groß-Israels die Errichtung einer totalitären US-Weltdiktatur anstrebt. Kritik am expansiven israelischen Apartheid-Regime ist dabei zwar nicht unbedingt offziell verboten, aber jeder, der es als Person, Organisation oder Staat macht, wird von Neocons mit allen Mitteln attackiert, von persönlichen Attacken über diffamierende Lügen bis hin zum Angriffskrieg, wie etwa die Kriege gegen Irak, Libyen, Syrien und die permanenten Versuche der Neocons, einen Angriffskrieg gegen den Iran vorzubereiten, zeigen.

Und diese Attacken schließen auch all diejenigen ein, die sich der von Neocons zum vermeintlichen Wohle Israels gelpanten globalen Politik in den Weg stellen, weshalb es sich beim Programm der Neocons tatsächlich um den Versuch der Errichtung einer globalen Diktatur handelt. Insbesondere geht es dabei um die BRICS und die ENtstehung einer multipolaren Welt, die in einiger Zeit stark genug werden könnten, um die globale US-Hegemonie ablösen zu können, wodurch die Macht über das US-Empire den Neocons nicht mehr reichen würde, um ihre Vision von Groß-Israel mit der Kontrolle über das US-Empire durchzusetzen. Neocons streben anstatt einer multipolaren Welt zunächst den Rückfall in einen kalten Krieg an, wobei das zionistische Apartheidregime von Israel für das US-Empire nicht mehr überflüssig wie ein Kropf wäre, sondern wieder wie im kalten Krieg Unterstützung als wichtige Frontstellung gegen den multipolaren Feind beanspruchen könnte. Den Rückfall in einen neuen kalten Krieg zu forcieren, ist auch das wesentliche Kalkül hinter dem von den Neocons durch Unterstützung von Nazis angezettelten Krieg gegen Russland in der Ukraine. Weiterhin basiert das regionale Konzept der Neocons im nahen Osten darauf, in enger Partnerschaft mit Saudi Arabien wahhabitischen Terror zu züchten, mit dem eine westliche Militärpräsenz in der Region zum Wohle Groß-Israels gerechtfertigt werden kann. Zu harsche Kritik, also über sanfte Lippenbekenntnisse hinaus, am menschenverachtenden wahhabitischen Terrorregime von Saudi Arabien, den größten Förderer von ISIS und Al Kaida, ist deshalb in der globalen Diktatur der Neocons tabu. Für die USA selbst, und andere westliche Kernländer des US-Empires, darunter Deutschland, bedeutet der Versuch der Errichtung einer globalen Diktatur durch die Neocons, dass ihre Mittelklasse der neoliberalen Ideologie folgend ausgeplündert wurde und wird, um so die Kassen und die Macht der Milliardäre der neokonservativen Bewegung zu stärken sowie ihren globalen Propaganda-Apparat und den gigantischen Militärapparat der USA zu finanzieren.

Es wird deshalb spannend sein, zu sehen, ob die Niederlage der Neocons in den USA demnächst auch in Deutschland dazu führen wird, dass die nahezu vollständige Dominanz neokonservativer Zionisten über die deutsche Politik und die deutschen Massenmedien aufgebrochen wird. Mit der Niederlage der Neocons in den USA hängen CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP politisch in der Luft, und den radikal neokonservativen deutschen Massenmedien von Bild über Spiegel, Zeit, Süddeutsche, DuMont und so weiter bis hin zu den Staatssendern ARD und ZDF fehlt für ihre extrem-zionistische Propaganda die geopolitische Grundlage aus den USA.

6 Gedanken zu “Rubios Niederlage bedeutet den Niedergang der Neokonservativen

  1. Nicht zu früh freuen, die beiden haben ihre Rollen in der peinlichen Hollywald-Inszenierung:

    Der letzte Präsident, der möglicherweise dem Land und der Welt etwas Positives gebracht hat, war John F. Kennedy (JFK). Kurz vor seiner Ermordung unternahm JFK Schritte, um aus dem Vietnamkrieg herauszukommen. (F. William Engdahl) > http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/f-william-engdahl/donald-trump-mafia-boss-mit-schmalzlocke.html;jsessionid=C70D408A0523EA3526921120262D8483

    Eine US-Präsidentin Hillary Clinton würde Krieg mit Russland bedeuten. Im Angesicht von Neocon-Nazis nach Art von Robert Kagan oder Max Boot, die ihre Kriegspolitik ungeniert betreiben (i.e. Libyen) > https://www.youtube.com/watch?v=yn6yktWU5qA http://www.cashkurs.com/kategorie/wirtschaftsfacts/beitrag/die-kommende-praesidentschaftswahl-wird-die-welt-dem-krieg-ein-gutes-stueck-naeher-bringen/

    1. Profil

      Zu Engdahl: Jedem, aber auch wirklich jedem, ist klar, dass Trumps Business-Karriere eine Aneinanderreihung von schmutzigen Geschäften ist. Sein Vorwurf, dass Trump Kontakte zur Mafia hat, ist total lächerlich. Die USA werden seit vielen Jahrzehnten von der Mafia beherrscht, heißen die Bosse da nun Adelson, Saban, Emanuel oder Trump. Siehe den Paten: wir sind größer als US-Steel.

      Den interessanten Teil lässt Engdahl dabei weg: innerhalb der Mafia gab es immer wieder Machtkämpfe. Das ist der interessante Teil: schafft es der Boss Donald (New Jersey) mit Hilfe der Südstaaten-Mafia (Deep South, KKK) der seit einigen Jahrzehnten herrschenden radikal-zionistischen Clique der Mafia-Bosse Adelson (Vegas), Saban (Kalifornien) und Emanuel (Chicago) die Macht zu entreißen, und wenn ja, was bedeutet das, vor allem für die Außenpolitik der USA.

      Darum geht es.

      1. Trump ist das kleinere Übel, aber er ist ein Finanz und Anlage Betrüger was man nicht vergessen sollte. Seine Insolvenzen sind Legende. Hillary Clinton hat längst Hitler und Konsorten überboten. Massenmord, Kinder Mord, Staaten Zerstörung, das gab es nicht einmal in dieser Form bei den Nazis

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