Syrische Armee hat Khanaser wieder befreit

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA am Donnerstag mitteilte, hat die syrische Armee die an der wichtigen einzigen Versorgungsstrecke nach Aleppo gelegene Stadt Khanaser wieder vom Terrorismus befreit, nach dem diese vor ein paar Tagen von ISIS und anderen Terrorbanden überfallen worden war.

Bilder aus der frisch befreiten Stadt Khanaser gibt es auch schon:

Auch sonst ist die Armee bei der Befreiung der Versorgungsstraße nach Aleppo ein gutes Stück weit vorangekommen, wie Kinana Alloush von vor Ort berichtete:

Die Versorgungsstraße nach Aleppo ist damit allerdings immer noch nicht ganz frei. Bevor die Straße nach Aleppo wieder geöffnet werden kann, muss die Armee noch eine handvoll Dörfer an der Strecke vom Terror befreien. Die etwa ein bis zwei Millionen Einwohner der nicht von Terroristen beherrschten Stadtteile von Aleppo sind also weiter komplett von Terroristen eingekesselt – ohne jede Straßenverbindung zur Außenwelt. Von @A7_Mirza gibt es eine neue Karte zur Lage an der Versorgungsstraße nach Aleppo:

Bei @Syria_Protector, der meldete, dass die syrische Armee auch das an der Straße gelegene Örtchen Magharat schon wieder unter Kontrolle hat, sieht die Lage so aus:

Ansonsten ist die syrische Armee im Kampf gegen ISIS, Al Kaida und andere Terroristen südlich von Damaskus in der Vorstadt Daraya ein gutes Stück vorangekommen, von wo es auch ein frisches Video von SANA gibt:

Was die von Russland und den USA vereinbarte Opt-In-Feuerpause angeht, so gibt es da immer noch kein klares Statement der für den Deal in Frage kommenden, von der Türkei und Saudi Arabien unterstützten Terrorgruppen. Die Erklärungen dieser Gruppen und ihrer Vertreter reichen von „ja, wenn, falls, aber“ über „vielleicht, falls auch Al Kaida in die Feuerpause einbezogen wird“ bis hin zur offenen Ankündigung einer neuen militärischen Offensive in der Provinz Aleppo durch die Terrorgruppe Ahrar Al Sham und Teile der sogenannten FSA, ganz gleich ob da eine Feuerpause vereinbart ist oder nicht. Es sieht also stark danach aus, dass mangels Unterstützung durch die von der Türkei und Saudi Arabien unterstützten Terrorbanden im Großraum Aleppo eine Feuerpause, wenn überhaupt, dann jedenfalls räumlich nur sehr beschränkt, realisiert werden wird. Für den wahrscheinlichen Fall, dass es im Raum Aleppo zu keiner Feuerpause kommt, skizziert @IRGC_QF die mutmaßlichen nächsten Züge der syrischen Armee vor neuen Verhandlungen über eine Feuerpause wie folgt:

Nach Abschluss dieser Züge würde die syrische Armee wieder ganz Aleppo kontrollieren, da sind die Terroristen dann selbst Schuld, wenn sie die CHance eines Waffenstillstandes nicht ergriffen haben, um dieses Szenario zu verhindern.

Eine weitere nach wie vor ungeklärte Frage ist, wie die Türkei sich selbst mit ihrem eigenen Militär verhalten wird. Der Chef des türkischen Regimes Davutoglu kündigte nämlich bereits an, dass die Türkei sich durch die vereinbarte Feuerpause „nicht gebunden“ fühle und das türkische Militär weiter nach Lust und Laune auf von den USA und Russland unterstützte Gruppen in Syrien schießen werde, wenn das Regime die Sicherheit der Türkei bedroht sehe. Die große Frage ist nun, ob die USA als Sponsor der Feuerpause ihrer damit eingegangenen Pflicht nachkommen wollen und können, die Türkei an Verletzungen der Feuerpause zu hindern. Sollten die USA und ihre europäischen Vasallen sich als nciht willig oder in der Lage erweisen, Erdogan zur Vernunft zu bringen und von weiteren Aggressionen gegen Syrien abzuhalten, wird diese Aufgabe wohl von der syrischen Armee und ihren Partnern mittels effektiver Abschreckung übernommen werden müssen.

Nachtrag 19:45h: Hussein Mortada meldete gerade, dass die Armee an der Straße nach Aleppo auch die Kontrolle über Shalalah Kabira wiederhat.

7 Gedanken zu “Syrische Armee hat Khanaser wieder befreit

  1. Laut Peto Lucem hat die ISIS nun die Hama-Raqqa-Straße als Teil der Aleppo-Lebensader blockiert:

    Irgendwie hat ISIS mächtig Mensch und Material um mit der SAA zu spielen, das sieht nicht so aus, als ob bereits am Ende wäre.
    Man kann nur hoffen, wenn die Tiger einmal da sind, etwas für sichere Straßen zu tun. Logisch, das damit um Aleppo sich erst einmal wenig tut und die Truppen Zeit für Befestigungen haben.

    1. Lutz

      Die syrische Armee ist in der Gegend locker stark genug, um mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Es ist durchaus denkbar, dass die Armee die Gebundenheit vieler ISIS-Terroristen an der Straße nach Aleppo ausnutzt, um gleichzeitig mit dem Kampf um die Straße Richtung Al Bab zu gehen.

      Auch der Kampf der SDF/YPG zur Vergrößerung des Einflussbereiches rund um Sheikh Maqsoud scheint erfolgreich weiterzugehen. Schauen wir mal.

      1. Liebe Lutz

        Ich glaube nicht, dass SAA so stark ist um Kampf in mehrere Gebiete zu führen. NDF ist schwachste Glied und verliert jede ernsthafte Kampf. Linie werden einfach aufgegeben und dann Eliten Einheiten müsssen sich bemühen verlorenes Gebiet wieder zu befreien. Seit 01.02. hat SAA in Nord Aleppo keine grösse Aktion durchgeführt. Front in Süd Aleppo ist seit scheitern Operationen bei Rashdeen ruhig. Auch Tiger Kräfte werden nicht in Lage sein Operationen in Richtung Al Bab durchzuführen weil sie keine Kräfte für so grösse Territorium haben. Ich hoffe, dass in nächsten Tagen und Wochen diese Korridor endlich Freigekämpft wird und auch verbreitet. Da ist nächste grösse Problem für SAA. Korridor verbreiten wäre nicht so ein Problem, weil es ist Wüsste und Dörfer sind relativ klein. Aber mit NDF Dörfer zu halten wird ein Problem sein. Diese Woche hat sich das gut gezeigt. Paar hundert Islamisten ohne schwere Waffen in einen Tag nehmen 14 Dörfer ein. Nach 5 Jahre Krieg hat SAA Qualität verloren. Leider.

    2. Hallo zgvaca
      Ganz so übertrieben würde ich es nicht schreiben. Man kann an mehreren Stellen kämpfen, die räumlich getrennt sind, Daraa, Latakia, Aleppo usw. aber in dieser Region geht nur ein Kampf. Es ist ja kein Geheimnis, die Personaldecke ist nicht üppig.
      Ganz besonders sieht man das in Aleppo. Da kommen noch paar andere Aspekte hinzu: Immer wieder sieht man, das die Terroristen, Rebellen oder wie man sie nennen will, mit Ihren Minitrucks sehr flexibel und schnell sind. Die SAA mit Ihren schweren Gerät ist eher langsam. Auch hatte man die schnellen Straßenverbindungen nicht, um schnell reagieren zu können. Jetzt erst hat man ein kurzes Stück Autobahn zwischen den beiden Flughäfen. Das kann und scheint der Gegner aus zu nutzen, wie man jetzt an der Aleppo-Hama-Strecke deutlich sieht.
      Als man in Nordaleppo kämpfte, hat man 2 mal Al Sinn verloren.
      Verstehe mich nicht falsch, die SAA macht eine gute Arbeit, ich habe aber etwas dagegen, sich wie Politiker alles schön zu reden. Ich sagen deshalb ehrlich, mit dem fantastischen Sieg um das Kraftwerk in Aleppo hat man sich wohl übernommen und das bestraft ISIS jetzt knadenlos. Nachdem Sieg waren alle siegessicher, Syrien sollte heute schon befreit sein, jetzt wissen wir, es wird noch dauern, damit müssen wir wohl leben… Nicht schön für die Menschen in Syrien aber halt Realität

  2. Liebe Parteibuch
    Ich habe niergendwo gelesen, dass Al Havaz befreit ist. Ohne Al Havaz ist kein Durchgang möglich. Dorf liegt fast an Hauptstrasse. Gleichzeitig ist auch Korridor so eng und werde auch in Zukunft gefährdet. Betreffend Waffenstilstanda sind SAA Einheiten in Provinz Daraa schon 2 Woche in Waffenstilstand Modus. Alle Fronte sind in Stilstand geratten. Nur in Latakia geht langsam voran. Nach viele kleine Erfolge sieht so aus, dass Islamisten Saraf wieder besetzt haben. Nähe an Turkei lohnt sich angeblich.

  3. Gute Neuigkeiten (so sie denn stimmen):

    Die Tiger haben wohl Shallalah Kabirah/Shilallah Al-Kabeera eingenommen (in der 2. Karte noch nördlich als IS-besetzt eingezeichnet).

    Quelle: https://www.almasdarnews.com/article/tiger-forces-liberate-important-village-from-isis-in-southeast-aleppo/

    Nach der gleichen Quelle stimmen die Aussagen von zgvaca, auch Al-Havaz soll zurückerobert worden sein. Außerdem will man nach Eroberung der restlichen relevanten Dörfer die Versorgungsstrecke Khanaser-Aleppo wieder eröffnen.

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