Fortschritte der Armee nördlich von Aleppo

Ziemlich genau ein Jahr nach ihrer letzten Offensive in dem strategisch überaus bedeutsamen Gebiet nördlich von Aleppo hat die syrische Armee am heutigen Montag überraschend eine Offensive begonnen und dabei die beiden Dörfer Duwayr Zeitun und Tel Jibbin unter Kontrolle gebracht.

Diese Information von SANA wurde sowohl von der Propaganda der Terroristen als auch von zahlreichen Terroristen selbst bestätigt.

@PetoLucem hat diese Geländegewinne der syrischen Armee und ihrer Partner bereits in eine Karte eingezeichnet:

Von @Miladvisor gibt es auch eine neue Karte, die den Fokus etwas mehr auf den Norden legt:

Die strategische Bedeutung dieses Gebiets ergibt sich daraus, dass es sich dabei um einen weniger als zehn Kilometer breiten Korridor handelt, der die einzige innersyrische Verbindung der Terroristen im nördlichen Aleppiner Umland zu den von Terroristen kontrollierten Vierteln in der Stadt Aleppo und in die Provinzen Idlib und Hama darstellt. Andererseits ist dieser schmale von Terroristen kontrollierte Korridor das einzige Hindernis, dass das von der Regierung kontrollierte Territorium von den von Terroristen seit über drei Jahren belagerten schiitisch geprägten Enklaven Zahraa und Nubl – und auch von der von YPG-Kräften kontrollierten Enklave um Afrin ganz im Nordwesten der Provinz Aleppo – trennt. Stellt die syrische Armee die Verbindung nach Nubl und Zahraa her, ist damit gleichzeitig der einzige Nachschubweg der Terroristen von Norden nach Aleppo unterbrochen.

Anders als vor einem Jahr, wo die syrische Armee die Verbindung nach Nubl und Zahraa durch die Erlangung der Kontrolle über die mitten im Korridor liegenden Dörfer Bashkui, Rityan und Hardatnin kurzzeitig hergestellt hatte, bevor sie nach einer von der Türkei unterstüzten massiven Gegenoffensive von Al-Kaida-Kräften Rityan und Hardatnin wieder aufgab, ist die syrische Armee heute am östlichen Rand des Korridors nach Norden ausgerückt und hat dabei die zwei Dörfer Duwayr Zeitun und Tel Jibbin von Al Kaida und Co befreit. Die Verbindung nach Nubl und Zahraa ist damit noch nicht hergestellt und die Nachschublinie der Terroristen in die Stadt Aleppo nicht unterbrochen, doch der Korridor ist dadurch noch schmaler und länger geworden. Sollte die syrische Armee sich dazu entscheiden, so könnte die syrische Armee nun jederzeit auf breiter Front von Bashkui bis Tel Jibbin nach Westen ausrücken, damit die Verbindung nach Nubl und Zahraa herstellen und den Nachschubweg der Terroristen nach Aleppo abschneiden. Die Unterstützung durch die russische Luftwaffe dürfte es der Türkei diesmal schwierig machen, eine solche Entwicklung aufzuhalten.

Dass sich die syrische Armee dafür entscheidet, ist allerdings noch keineswegs sicher. Ebenso ist es denkbar, dass die Armee in Duwayr Zeitun und Tel Jibbin nur einige besonders mörderische Terroristen eliminieren wollte und sich anschließend wieder zurückzieht. Was sicher ist, ist, dass die Terroristen im nördlichen Aleppiner Umland gegenwärtig versuchen, nördlich von Aleppo unter Aufbietung aller verfügbaren Kräfte eine massive Gegenoffensive zu starten und die Situation in der Gegend damit so oder so noch eine Weile im Fluss bleiben dürfte.

15 Gedanken zu “Fortschritte der Armee nördlich von Aleppo

  1. Khan-al-Asal oder al-Bab. Die offizielle Ankündigung der SAA vor zwei, drei Wochen als nächstes Khan-al-Asal aus den Händen des Terrors zu befreien hat die Marschroute mit Blick auf die Friedensgespräche augenscheinlich gemacht.

    1. Diese Ankündigung der SAA scheint ein Bluff gewesen zu sein….

      Irgendeine größere Offensive der SAA wird es wohl rund um Aleppo geben, fragt sich nur wo, also abwarten. Die Truppen der Terroristen werden mit solchen Nadelstichaktionen wohl in Bewegung gehalten.

  2. Jetzige Vorgehen SAA kann mann nicht mit einen bestimten Ziel erklären. Ich glaube, dass SAA will Islamisten in Gegend fahren. Gestern würde eingedeutet Befreiung von Latakia, dann würde in Nord Hama 2 Dörfer befreit. In Ost Aleppo würde Richtung Al Bab vorgestossen und dann gleich nach Westen. Es ist hervoragende Taktik. Islamisten wissen nicht was nächste dran ist. Sie können gar nicht Einheiten sammeln um eine Ofensive zu starten. Sie halten überall Soldaten und haben Angst ihre Linie zu verdünen. Auch SAA geht niergendwo ohne Luftunterstüzung. Da wird ein Vorschritt gemacht um am nächste Tag Luftwaffe bomberdiert ein andere Region und frisch eroberte Gegend wird befestigt. Es sieht viel profesioneler aus als vor 2 Monaten. Wenn Verluste noch grösser werden, dann wird oft passieren dass SAA in leere Raum vordringt und mehrere Dörfer in einen Schub befreit.

    1. Nicht zu vergessen, das man auch gern Falschinformationen streut. Wie lange hat man geglaubt, das man Al Bab einnehmen will. Und: die Luftwaffe hatte leichtes Spiel mit den „Verteidigern“.
      Inzwischen überlege ich doch eher, macht es Sinn? Für was braucht man jetzt ein Kraftwerk, wenn man nicht weiß, wie man Material dahin bekommt und die Leitungen sicher noch im Besitz der ISIS ist (Wärmekraftwerk östlich von Aleppo).
      Eine Verbindung nach Al Zahraa würde den Ring um Aleppo nicht schließen (In Anbetracht von Genf wohl derzeit auch nicht gewollt), aber würde das Problem bringen, das man einen schmalen Korridor hätte mit einem 2 Fronten Krieg. Also warum nicht erst noch weiter nach Norden oder Südwesten – den Korridor breiter machen und dann nach Westen.
      OK alle sollte wohl bei Spekulationen vorsichtig geworden, die SAA überrascht in letzter Zeit doch mächtig, aber die Taktik aus Ostaleppo (jede Tag ein Dorf) war doch erfolgreich.
      Wie viele Dörfer gibt es in Syrien?
      Aber eine Überraschung würde mich freuen: Ein Vormarsch nach Deir Ezzor würde mich freuen Von Khanaser nach Südosten oder von Palmyra nach Osten. Ja sind weite Wege, aber fast nur Wüste und die Jungs hätten es verdient und Ihnen steht wohl gerade das Wasser wieder mal bis zum Hals.

  3. Ihr schreibt: „Ebenso ist es denkbar, dass die Armee in Duwayr Zeitun und Tel Jibbin nur einige besonders mörderische Terroristen eliminieren wollte und sich anschließend wieder zurückzieht.“

    ???

    Die Nachschubwege zu trennen, ist einer der wichtigsten Kriegsziele überhaubt und der Garant für einen möglichst schnellen Gesamtsieg. Wieso sollte man nicht alles daran setzen das zu tun? Was ist es dagegen wert „einige besonders mörderische Terroristen“ zu töten? Aus Sicht der einzelnen Opfer natürlich alles – aber im Vergleich dazu den Krieg deutlich verkürzen zu können – NICHTS. Oder fehlt mir entscheidendes Wissen?

    1. Johanniskraut

      Die syrische Armee ist schon seit mindestens zwei Jahren in der Position, die Terroristen in der Stadt Aleppo komplett einkesseln zu können, wenn sie sich dazu entscheidet, aber sie hat es nicht getan. Stattdessen hat die syrische Armee sich dazu entschieden, so etwas wie einen fast geschlossenen Kessel mit einem Flaschenhals zu erzeugen, wo sie im Flaschenhals Terroristen eliminieren und größere Waffenlieferungen durch Beschuss verhindern kann.

      Zu den Gründen kann man nur spekulieren. Der wichtigste Punkt dürfte es sein, dass die Gegner der syrischen Armee keine Armee sind, sondern Gruppen von „Rebellen“ und Terroristen, die mit der Bevölkerung vermischt sind. EIne vollständige Einkesselung solcher Kräfte bringt als Nebenwirkung oft mit sich, dass diese Kräfte eine Wagenburgmentalität entwickeln, und sie ihre Reihen schließen. Die syrische Armee will aber das Gegenteil erreichen, nämlich dass sie sich trennen und auseinanderdividieren, untereinander und von Zivilisten, damit sich die Bevölkerung von den Terroristen löst und möglichst viele der Terrroisten aufgeben oder auf die Seite der Regierung überlaufen. Wenn das geschehen ist, kann dann der Kampf gegen die verbliebenen unverbesserlichen Terroristen mit mehr Unterstützung durch die Bevölkerung geführt werden. Möglicherweise ist dieser Punkt nun erreicht, und dann macht es natürlich Sinn, die Terroristen einzukesseln.

      1. Jo. Klingt plausibel und ist wohl sehr weit bzw. tief gedacht…
        Danke für die Erklärung.

  4. Genau….diese Strategie ist schon mehrmals festgestellt wurden. Ist auch für die Nachterroristenzeit sinnvoll und stärkt Vertrauen zur SAA.

  5. Wer die Bevölkerung von den T e r r o r i s t e n trennt, trennt sie von ihrer politische Repräsentanz. Das ist das, was sich bis dato in der Tat bei diesen Friedensgesprächen gezeigt hat, nämlich, dass man dort als ein Vertreter des Friedens in Erscheinung treten muss. Friedensgespräche sind also ein P r o z e s s, bei dem bestimmte Dinge notwendig in Fluß geraten müssen und sich nach und nach etwas Neues herausbildet.

    1. – … dass man dort als ein Vertreter des Friedens in Erscheinung treten muss.

      Ist das so? Erscheint deshalb z.B. der Wolf US im Schafspelz, weil er sonst gegen die Teilnahmebedingungen verstossen ”muss”?

      – … gespräche sind also ein P r o z e s s, bei dem bestimmte Dinge notwendig in Fluß geraten müssen und sich nach und nach etwas Neues herausbildet.

      Dieses theoretische Konstrukt gilt schlicht für alle Gespräche. PRaktisch kann man ”bestimmte Dinge” notwendig am ”Fluß” hindern, oder den ”Fluß” umleiten, die Zielsetzungen pervertieren und das Alte als ”etwas Neues” PRopagieren. Und dann setzt man neue (Friedens-) Gespräche an.

      (Friedens-) Gespräche sind also ebenso gut ein PRozess, bei dem Zeit gewonnen werden kann. Aber sowas muss man Zionisten ja nicht erst erklären.

      Die Amis auf Kurs
      kosh

      PS: Man tut was man kann und man kann was man tut.

  6. Derzeutige Strategie ist erfolgreich und nimmt Rücksicht auf die Bevölkerung.
    Die langen Nachschubwege machen die Terroristen anfällig auf Verluste, sie sind entweder a<uf Nachschub angewiesen, oder aufzugeben.

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