Liebe Parteifreunde und Funktionäre, werte Großspender

lassen Sie mich heute, dem Abend des 13. März 2016, ein paar Worte an Sie richten. Vor ein paar Wochen noch hat fast die ganze Republik gedacht, ich sei so etwas wie senil und gefühlsduselig geworden, irrational und von von den menschlichen Schicksale von Flüchtlingen geleitet, dass es schon fast komisch war. Heute müssen selbst diese Leute zugeben, dass ich rechnen kann.

Lassen Sie mich diese Gelegenheit nutzen, um die Stationen unseres heutigen Erfolges revue passieren zu lassen. Im Sommer 2015 sah es nicht gut aus für unsere Chancen bei den heutigen Wahlen. In Baden-Württemberg lag grün-rot auf Kurs Wiederwahl, in Rheinland-Pfalz lag grün-rot auf Kurs Wiederwahl und in Sachsen-Anhalt drohte die Wahl einer links-rot-grünen Regierung.

Sehen Sie, und dieser Notlage, da musste ich handeln. Ich habe etwas überlegt und gerechnet, und dann war alles glasklar: wir schaffen das! Der Gedanke ist ganz einfach: nichts auf der Welt verschiebt das ganze politische Spektrum in Deutschland so zuverlässig nach rechts wie eine satte Immigrationswelle nach Deutschland. Und wer ist rechts? Wir. Und mir persönlich, wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf, kommt das natürlich auch zugute, denn schließlich bin ich die Parteivorsitzende. Also gesagt, getan. Da die politischen Verhältnisse leider nicht so sind, dass wir ein Gesetz zur Einwanderung von einer Million Menschen oder mehr aus der arabischen Welt durchbekämen, verzeihen Sie mir sicherlich den kleinen Kunstgriff, die Zuwanderung anstatt per Gesetz einfach über Maßnahmen der Administration und der Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des Flüchtlingsschutzes ermöglicht zu haben. Und lassen Sie mich an dieser Stelle auch noch einmal dem freundlichen Herrn Finanzinvestor George Soros danken, ohne dessen Engagement unser Erfolg so kaum möglich gewesen wäre.

Und natürlich kommt eine satte Immigrationswelle auch der Wirtschaft zugute, zuallererst natürlich der Immobilienwirtschaft, denn irgendwo werden die vielen Flüchtlinge in Deutschland schließlich wohnen müssen, was insbesondere bei unseren risikofreudigen Großfinanzinvestoren in preisgünstigen Wohnraum, die kürzlich noch von einem üblen Zeitgenossen als Heuschrecken geschmäht wurden, für klingelnde Kassen sorgt. Mehr Nachfrage nach Wohnraum führt zu höheren Mieten und klingelnden Kassen bei den Vermietern, die Rechnung fiel mir nicht schwer. Und auch unsere Freunde von den Arbeitsgeberverbänden und ihre Mitglieder können natürlich geringeren Druck auf die Löhne nach oben durch mehr Konkurrenz bei der Nachfrage anch Jobs und die damit verbundenen allgemein besseren Geschäftsaussichten natürlich nur begrüßen. Auch diese Rechnung fiel mir ganz einfach: niedrige Löhne führen zu größeren Gewinnen.

Lassen Sie mich nun noch ein paar Worte zur politischen Mathematik sagen. Schon der Helmut aus der Pfalz wusste nur zu gut, dass man mit Einwanderungswellen nach Deutschland einen Rechtsruck in der Bevölkerung auslösen kann, der uns einen Wahlsieg nach dem anderen in die Urne spült, denn die Sozen, Grüne und Linke allesamt, reagieren auf Einwanderungswellen stets mit einem politisch unklugen Reflex nach mehr Willkommenskultur, der nicht vom Willen der Bevölkerung abgedeckt ist. Sie positionieren sich immer links von uns. Also, Sie verzeihen den rhetorischen Trick, habe ich diesmal die Latte extra sogar noch ein bisschen weiter nach links gelegt, indem ich selbst die Willkommenskultur ausgerufen habe. Und es ist ja auch nicht falsch, denn unseren Sponsoren aus der Wirtschaft ist Zuwanderung natürlich willkommen. Sozen, Grüne und Linke haben sich dann natürlich noch links von uns positioniert, und von da an konnten wir sie vor uns hertreiben: wir drücken immer ein klein wenig in Richtung etwas mehr Zuwanderungskontrolle und die Sozen, Grünen und Linken halten in die andere Richtung dagegen, und das, obwohl wir ohnehin schon viel mehr Willkommenskultur haben als es die Mehrheit der Bevölkerung will. Damit bekommen wir dann die Siege in die Wahlurne.

Lassen Sie mich nun noch ein Wort zur AfD sagen: das ist ganz schlimm, kann ich ihnen sagen, für die Sozen und die Grünen. Die Kombination aus Rechtsruck und AfD macht es praktisch unmöglich, eine Regierung ohne uns zu bilden. Das hat sich schon im Januar abgezeichnet. Schauen Sie etwa auf die ZDF-Umfrage zu Sachsen-Anhalt vom 14. Januar: die AfD bei 15% und wir bei 33%, die sonstigen bei 9%, und vorbei war es mit der Option Rot-rot-grün, die mit 19-19-5 Prozent zusammen gerade mal noch 43% schafften. In Baden-Würtemberg sagte eine ZDF-Umfrage vom 21. Januar im Grunde genommen das gleiche: wir bei 34%, die AfD bei 11%, und damit war grün-rot, die da nur bei zusammen 43% standen, praktisch schon Geschichte, außer sie machten es mit der FDP, die 6% hatte, aber das war nie realistisch. Und in Rheinland-Pfalz war es auch nicht anders: da zeigte eine ZDF-Umfrage vom 22. Januar uns bei 38% und die AFD bei 9%, womit sich in der Pfalz rot-grün – und jede andere Regierung ohne uns – erledigt hatte. Nicht bedacht hätte ich die Folgen für die Parteienkonstellation, sagte der Soze Müller damals. Ha, die hatte ich sehr wohl bedacht: wir gewinnen.

Lassen Sie uns heute nun feiern, dass wir in allen drei Ländern, wo heute gewählt wurde, den Ministerpräsidenten oder die Ministerpräsidentin stellen werden. Denn, wie Sie wissen, wenn sie nicht mit der AfD koalieren möchte, hat die SPD keine Alternative dazu, sich mit uns in eine große Koalition zu begeben, und da regieren natürlich wir, denn wir sind in allen drei Ländern jeweils stärker als die SPD. Bevor wir aber nun auf den Erfolg anstoßen, heute dank der von mir vorangetriebenen klugen Immigrationspolitik in allen drei Ländern die Stühle des Regierungschefs verteidigt beziehungsweise erobert zu haben, lassen Sie mich noch kurz einen Ausblick auf unsere kommenden Erfolge geben. Berlin wird trotz unserer klugen Immigrationspolitik schwierig, weil wir da seit langem weit zurück sind, Mecklenburg-Vorpommern wird nicht leicht, könnte aber klappen, und dann kommt Anfang 2017 Nordrhein-Westfalen, das dank meiner klugen Migrationspolitik und dem Versagen der Sozen und ihrer Polizei zu Silvester in Köln schon so gut wie in der Tasche einer von uns geführten großen Koalition ist. Anschließend gibt es dann im September 2017 die Wahlen im Bund, wo ich mir dank meiner klugen Einwanderungspolitik und der Nützlichkeit der AfD beim Sperren anderer denkbarer Regierungen praktisch schon jetzt sicher bin, danach wieder Kopf einer großen Koalition zu werden. Damit wir das schaffen, müssen wir bloß die Migrationsthematik immer etwas am Köcheln halten, der ein oder andere kleine Taharrush Gamea mag da gar nicht so unhilfreich sein, und so zusehen, dass die AfD nicht unter 5% abstürzt.

Nun liebe Parteifreunde und Funktionäre, bevor ich nun raus vor die Fernsehkameras trete, und denen erzähle, wie sehr mich die Wahlerfolge der AfD schockieren, lassen Sie uns mit reichlich Champagner feiern, und uns auf die Hoffnung anstoßen, dass die Migrationsströme nach Deutschland, die uns von Sieg zu Sieg tragen, nicht so bald versiegen werden. Und Sie, werte Großspender, halten Sie bitte ihr Scheckbuch bereit, um uns einen kleinen Teil ihrer schönen Profite abzugeben, damit wir auch morgen noch weiter gemeinsam von dieser Win-Win-Situation profitieren und kraftvoll zulangen können. Zum Wohl, meine Damen und Herren.

Sie dürfen mich jetzt feiern.

4 Gedanken zu “Liebe Parteifreunde und Funktionäre, werte Großspender

  1. Da ist ein ganzes Stückchen dran!!!
    Mehr fällt mir auf den ersten Blick auch nicht ein…..nur das die Dame dann bei aller Ironie fast schon eine bessere Schachspielerin wie der große Bruder im ewigen Reich im Osten wäre…..aber Intriganten und Hasardeure sind keine besseren Schachspieler….

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