SANA meldet Beginn einer Operation zur Befreiung von Khan Al Assal

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete am Montag Vormittag, dass die syrische Armee und ihre Partner eine Operation zur Wiederherstellung der Kontrolle über die Vorstadt Khan Al Assal „20 Kilometer westlich“ von Aleppo begonnen habe und dabei auch bereits Fortschritte in Form der Befreiung der „Anhöhe al-Zaitoun“ und „Tuloul Hazmar“ gemacht hat.

Bereits am Sonntag hatte das Parteibuch zwar von Gerüchten berichtet, dass die syrische Armee und ihre Partner südlich von Aleppo starke Kräfte zusammengezogen haben sollen. Die Verkündung einer Operation zur Befreiung von Khan Al Assal ist nun trotzdem eine Überraschung. Um den außergewöhnlichen Charakter dieser Meldung von SANA zu verstehen, ist etwas Hintergrundwissen hilfreich. Khan Al Assal ist eine etwas mehr als einen Quadratkilometer große Vorstadt von Aleppo, die rund 12 km südwestwestlich von der Altstadt Aleppos liegt. Bebaut ist Khan Al Assal ganz überwiegend mit kleinen bescheidenen Häuschen, manche eher an Gartenlauben erinnernd, und viele der Häuschen haben auch wirklich einen Garten. Nicht wenige der rund 5000 Einwohner von Khan Al Assal vor dem Krieg hielten im Garten auch ein paar Tiere wie Hühner oder Ziegen. Freundlich formuliert, war Khan Al Assal vor dem Krieg eine bescheidene Gartenstadtidylle im Speckgürtel von Aleppo. Weniger freundlich formuliert, könnte man sagen, Khan Al Assal war einer von vielen etwas ländlichen und von Armut geprägten Aleppiner Vororten.

Als die NATO- und GCC-Staaten unter Federführung der Israel-Lobby den als Revolution vermarkteten unkonventionellen Krieg gegen Syrien starteten, stellten sich die Einwohner von Khan Al Assal im Unterschied zu den Einwohnern vieler anderer Vororte Aleppos mehrheitlich auf die Seite der Regierung. Auch als von NATO- und GCC-Staaten bezahlte Söldner im Sommer 2012 unter der Parole „Vulkan in Damaskus – Erdbeben in Syrien“ auch einen Großangriff gegen Aleppo führten und dabei weite Teile der Stadt und nahezu das gesamte Umland eroberten, blieb Khan Al Assal auf der Regierungsseite, obwohl dabei sicherlich jeder Flecken der Gegend, dessen Bevölkerung es wollte, sich ohne Probleme hätte auf die Seite der sogenannten „Revolutionäre“ stellen können. Im Gegenteil, während ein Teil der Bevölkerung vor dem Krieg flüchtete, versuchte ein anderer Teil der Bevölkerung Khan Al Assal mit etwas Unterstützung durch die syrische Armee, deren Ressourcen zu jener Zeit in der Provinz Aleppo allerdings extrem knapp waren, gegen die Erstürmung durch Terroristen zu verteidigen. Zu Beginn des Jahres 2013 sah die Lage für die syrische Armee in Aleppo nicht gerade rosig aus, doch die Verteidiger von Khan Al Assal hielten sich tapfer. Eine von Terroristenunterstützern gefertigte Karte vom März 2013 zeigt die damalige Lage in Aleppo, mit Khan Al Assal ganz im Südwesten des von der Regierung gehaltenen Gebietes:

Am 19. März 2013 setzten international unterstützte Terroristen bei ihren Versuchen zur Erstürmung von Khan Al Assal unter anderem Chemiewaffen ein, was international bekannt wurde, als der Chemiewaffenangriff auf Khan Al Assal. Doch auch der Chemiewaffenangriff, durch den mehr als ein Dutzend Menschen starben und rund 100 weitere verletzt waren, brachte die Verteidiger von Khan Al Assal nicht zum Aufgeben. Im Gegenteil, die syrische Regierung verlangte von der UNO die Entsendung von Inspektoren, um den Chemiewaffenangriff durch Terroristen in Khan Al Assal zu dokumentieren, wodurch die Unterstützer der Terroristen, von NATO bis GCC, international unter Druck gerieten. Die Vetostaaten der NATO nutzten ihre Machtposition in der UNO, um die Entsendung von Inspektoren zu verzögern, wodurch es möglich wurde, dass vor einer Dokumentation des Chemiewaffenangriffes von Khan Al Assal in der Türkei ein mehrere Tausend mann starkes Kontingent an Terroristen aufgestellt wurde, dem es gelang, Khan Al Assal am 22. Juli 2013 zu erobern. Im Zuge der Eroberung von Khan Al Assal massakrierten die Terroristen sämtliche Soldaten und Einwohner, deren sie habhaft wurden, was international als Massaker von Khan Al Assal bekannt wurde. Durch die Eroberung von Khan Al Assal durch Terroristen wurde die für die NATO-Staaten unangenehme Untersuchung des Chemiewaffenangriffes weiter behindert, eben weil von da an in Khan Al Assal Terroristen herrschten, die Sicherheit von UN-Inspekteuren deshalb nicht gewährleistet werden konnte und Zeugen nun tot waren. Als sich UN-Inspektoren im August 2013 dann doch endlich aufmachten, um zu versuchen, den Chemiewaffenangriff von Khan Al Assal zu untersuchen, wurden sie, kaum dass sie in Damaskus eingetroffen waren, durch die große False-Flag-Attacke mit Chemiewaffen in Ost-Ghouta davon abgelnkt, so dass bis heute immer noch kein UN-Inspektor versucht hat, sich zur Untersuchung des Chemiewaffenangriffes vom März 2013 wirklich nach Khan Al Assal zu begeben. Inzwischen ist das aber auch kaum noch nötig, weil nunmehr, außer in der primitiven Lügenpropaganda der Massenmedien einiger NATO- und GCC-Staaten, ohnehin praktisch unstrittig ist, dass Terroristen in Syrien von der Türkei mit Chemiewaffen versorgt wurden und sie sie auch schon mehrfach eingesetzt haben.

Nach der Massenflucht vor dem Terrorkrieg und der Ermorderung der letzten Bevölkerungsreste durch Terroristen im Juli 2013 haben sich in Khan Al Assal Terroristen, und zwar vornehmlich aus dem Ausland zugereiste, eingenistet. Die Frontlinie verläuft aufgrund weiterer Eroberungen von Terroristen im Jahr 2013 längst einige Kilometer westlich von Khan Al Assal. Auch die jüngsten Erfolge der syrischen Armee südwestlich von Aleppo haben die Front noch nicht wieder nach Khan Al Assal zurückgebracht. Wenn SANA nun also verkündet, eine Operation zur Zurückgewinnung der Kontrolle über Khan Al Assal sei gestartet worden, dann ist das also ein nur allzu gerechtes, aber auch ein ziemlich weitreichendes Ziel. Denn bevor die syrische Armee und ihre Partner Khan Al Assal befreien können, müssen sie da erstmal hinkommen. Deshalb ist von Kämpfen in Khan Al Assal bislang auch keine Rede. Die laut SANA am Montag befreite „Anhöhe al-Zaitoun“ und „Tuloul Hazmar“ befinden sich mehrere Kilometer weit weg von Khan Al Assal.

Der wirkliche Brocken auf dem Weg nach Khan Al Assal dürfte aus den verschiedenen von Terroristen beherrschten Vorstadtsiedlungen bestehen, die als Rashideen bekannt sind, und deren Teile zur Unterscheidung voneinander meist mit Nummern versehen werden. Das ist recht dicht bebautes Gelände, was einen Vormarsch der syrischen Armee und ihrer Partner schwierig macht.

Nachfolgende Karte vom Montag Abend zeigt, dass die meisten und schwersten Kämpfe am Montag sich offenbar am Rand der Vorstadt Rashideen abgespielt haben, obgleich die syrische Armee und ihre Partner da bislang eher am Rand agieren (bitte beachten: Norden ist „unten“ bei dieser Karte):

Bis die syrische Armee durch Rashideen durch ist, und mit der Befreiung von Khan Al Assal beginnen kann, wird es eine Weile dauern, Tage, Wochen, möglicherweise auch Monate.

Im Prinzip hätte SANA also am Montag auch einfach mitteilen können, dass die syrische Armee eine Operation zur Befreiung der Aleppiner Vorstadt Rashideen gestartet hat. Umso erstaunlicher ist es, dass SANA mitgeteilt hat, die Operation diene zur Befreiung von Khan Al Assal, einem Gebiet 20 Kilometer westlich von Aleppo. Khan Al Assal hat zwar aufgrund des aufopferungsvollen Widerstandes der dortigen Bevölkerung gegen den Terrorismus im Jahr 2013 unzweifelhaft einen Symbolwert, sodass das Nennen der Befreiung von Khan Al Assal als Operationsziel populär sein dürfte, aber dass die syrische Armee ihre mittelfristigen Pläne so öffentlich verkündet, ist trotzdem eine Neuheit. Bislang ist die Armee meist so verfahren, dass die Bevölkerung und die Terroristen es früher oder später schon mitbekommen werden, welche Strategie die Armee verfolgt. Dass die Armee ihre Pläne nun so offen legt, deutet darauf hin, dass die Armee sich gegenwärtig als sehr stark betrachtet, und den Terroristen durch die Nennung des Operationszieles soviel Angst machen will, dass einige von ihnen gleich weglaufen.

Außerdem hat die syrische Armee durch die Benennung von Khan Al Assal Freund wie Feind eine strategische Richtungsentscheidung verkündet: nämlich dass die Sicherung der Stadt Aleppo Priorität vor der Sicherung der Grenze zur Türkei hat. Nachdem die syrische Armee und ihre Partner im Dezember das südliche Aleppiner Umland gesichert hatte, haben Analysten, Freudn wie Feind, spekuliert, in welche Richtung die Armee von dort aus weiter vorstoßen würde. Angeboten hätte sich beispielsweise, nach Südweseten in Richtung der Provinz und der Stadt Idlib vorzustoßen, dort Fua und Kafraya aus der Umzingelung durch Terroristen zu befreien, eine Verbdinung nach Latakia herzustellen und dabei gleichzeitig die Grenze zur Türkei in der provinz Idlib dicht zu machen, um so die Terroristen vom Nachschub abzuschneiden. Mit der Nennung von Khan Al Assal hat die syrische Armee nun klargemacht, dass sie stattdessen beabsichtigt, zunächst das westliche Umland der Stadt Aleppo unter Kontrolle zu bringen und damit die westliche Flanke der Stadt Aleppo zu sichern. Was dabei ziemlich klar zu sein scheint, ist, dass die syrische Armee bei diesem Vormarsch von Khan Tuman nach Nordwesten nicht in Khan Al Assal stehenbleiben wird, sondern anschließend auch das weiter nördlich gelegene, weniger dicht bebaute Aleppiner Umland befreien und damit die nordwestliche Aleppiner Stadtgrenze besser sichern wird.

Was jedoch noch nicht ganz klar ist, wie weit die syrische Armee dabei nach Westen ausscheren will, um die westliche Flanke der Stadt Aleppo durch einen Vormarsch im Uhrzeigersinn zu sichern. Dass Khan Al Assal nur etwa 12 Kilometer südwestwestlich von Aleppo liegt, dürfte der syrischen Armee und SANA bestens bekannt sein. Wenn trotzdem davon gesprochen wird, mit Khan Al Assal das Gebiet 20 Kilometer westlich von Aleppo unter Kontrolle bringen zu wollen, so lässt das durchaus Spielraum für eine Interpretation, dass die syrische Armee das westliche Aleppiner Umland möglicherweise deutlich weiträumiger als nur bis Khan Al Assal reichend unter Kontrolle bringen wollen könnte. Eine vom Parteibuch modifizierte Karte von @Miladvisor zeigt die strategische Vormarschrichtung der Armee:

Der rot markierte Punkt südwestlich von Aleppo ist Khan Al Assal. Deutlich zu sehen ist, dass die syrische Armee bis zum bloßen Erreichen von Khan Al Assal noch ein ganzes Stückchen Weg entlang der roten Pfeile zurücklegen muss. Die blauen Pfeile markieren eine wahrscheinliche Erweiterung der Operation zur Befreiung von Khan Al Assal weiter im Uhrzeigersinn nach Norden bis zur Vereinigung der Kräfte mit der nördlich von Aleppo gelegenen Regierungsenklave Zahra/Nubol, einer vollständigen Umzingelung von Aleppo durch Vereinigung der Kräfte mit den Regierungskräften in Bashkui und die Herstellung einer Verbindung zwischen Bashkui und Zahra/Nubol. Es muss nicht sein, dass die syrische Armee den Ring um Aleppo komplett zumacht. In einiger Hinsicht könnte es vorteilhaft für die Armee sein, kurz vorher zu stoppen, und vor dem Schließen des Ringes etwa darauf zu warten, dass die Bevölkerung in den von Terroristen beherrschten Vierteln von Aleppo genug von der Terrorherrschaft hat. In Hellgrün eingezeichnet wurde auf der Karte der Fall, wie die Operation zur Befreiung von Khan Al Assal sich entwickeln könnte, falls die syrische Armee dabei vorhat, einen deutlich weiteren Teil des westlichen Aleppiner Umlandes zu sichern als es bislang den Anschein hat, etwa entlang der Linie Al Eis – Basis Regiment 46 – Basis Regiment 111 – kurdisches „Kanton“ Afrin. Würden da dann noch ein paar Abstecher nach Westen gemacht, wäre damit in dem Bereich die Grenze zur Türkei ebenfalls zu.

Die nächsten Tage, Wochen und Monate werden es zeigen, in welche Richtung und in welcher Geschwindigkeit die Operation zur Befreiung von Khan Al Assal voranschreiten wird. Wenn sich die deutlich sichtbaren Fortschritte dieser Großoperation demnächst zeigen, werden die Medien sicherlich voll davon sein.

6 Gedanken zu “SANA meldet Beginn einer Operation zur Befreiung von Khan Al Assal

  1. Alles wartet bei Nachrichten aus Westaleppo, das die 3 Phase endlich beginnt, also die Armee Richtung Idlib sich auf den Weg macht. Aber als ich hörte, wo gekämpft wird, war klar, diese Offensive muss noch warten.
    Erst habe ich gedacht, die SAA will die gesamte M4 aufrollen, aber das dürfte nicht das Ziel sein. Im Westen (nördlich der M4) ist die Berührungslinie sehr stabil, da macht es Sinn diese von hinten zu knacken. Außerdem kann man von hier besser Panzer einsetzen.
    Aleppo würde eine Art Schutzgürtel, damit der Beschuss nachlässt und die vielen Tunnel geknackt werden können.
    Geht man davon aus, das Vorankommen vom Militärflughafen nach Norden, ermöglicht einen Kessel, den man von Norden her austrocknen kann. Damit hätte man um Aleppo einen satten Speckgürtel.
    Jeder Kilometer, den man nach Westen mitnimmt ist gut, aber die Hauptrichtung dürfte Norden sein.
    Die Sicherung des Gebietes könnten dann die SAA-Truppen in Aleppo übernehmen und die Elitetruppen schnell nach Süden begeben, während die Rebellen sich im Norden konzentrieren. kann der Angriff südlich von Al Eis in Richtung Idlib erfolgen

  2. Ein ganz nettes Video:

    Zu sehen ein russischer General der die Schlacht um Salma live per Ferngals beobachtet. Da werden die Natofreunde wohl heulen und toben wenn die das sehen.

  3. Vielen Dank für den Artikel!

    Eine Anmerkung: Zum GCC gehört auch der Oman. Ich bitte um Aufklärung, an welcher Stelle sich dieser Staat in irgendeiner Form in Syrien beteiligt hat. Meines Wissens nach hält sich der Oman aus allen Streitigkeiten (auch im Nachbarstaat Jemen) heraus.

    1. Andre

      Der GCC-Staat Oman beteiligt sich nicht am Terrorkrieg gegen Syrien oder sonstwen. Im Gegenteil, der Oman verhält sich da in praktisch jeder Beziehung vorbildlich. Um das deutlich zu machen, wird im Parteibuch in vielen anderen Artikeln auch die Bezeichnung „die fünf wahhabitischen GCC-Staaten“ verwendet, was den ibaditischen Oman ausnimmt. Noch präziser wäre es wohl, von den oder die „wahhabitisch beherrschten GCC-Staaten“ zu sprechen, weil etwa der GCC-Staat Bahrain mitnichten wahhabitisch ist, sondern bloß eine wahhabitische Diktatur den Staat beherrscht.

      Bei den NATO-Staaten ist es übrigens ähnlich: auch da machen nicht alle Staaten die Terrorkriegspolitik der USA mit, Tschechien etwa macht nicht beim Krieg gegen Syrien mit, Ungarn ist da auch recht zurückhaltend und Island macht auch sehr wenig mit.

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