Fortschritte in Syrien

Die Fortschritte in Syrien sind mühsam, aber es gibt sie, und das auf der ganzen Linie. Am gestrigen Montag gelangen der syrischen Armee insbesondere in den Provinzen Latakia und Aleppo sichtbare Fortschritte.

Bezüglich der Lage in den Turkmenen-Bergen von Latakia wurde am Montag verkündet, der syrischen Armee sei es von Deir Hannah aus gelungen, die Position Haus Faris, rund fünf Kilometer nordöstlich von Ghamam unter Kontrolle zu bringen. Damit verfügt die syrische Armee nun über zwei Achsen, um zur wichtigen Bergstellung Qasab nahe der Autobahn Latakia – Aleppo vorstoßen zu können. Eine Karte von @miladvisor zeigt den aktuellen Frontverlauf in der Provinz Latakia:

Auf der Karte ist außerdem zu sehen, dass die syrische Armee, nachdem sie vor ein paar Tagen die Ortschaft und den Berg Arafit in den südlich der Turkmenen-Bergen gelegenen Kurden-Bergen von den von der Türkei unterstützten Terroristen von Al Kaida und Partnern befreit hat, sie nun auch die Ortschaft Ikko etwas nördlich davon befreit hat. Weiterhin wurde am Montag berichtet, dass die syrische Armee am Montag von Süden her kommend auch nach Mughayriyah, rund zwei bis drei Kilometer westlich von Arafit, vorgedrungen ist, doch wurde anschließend berichtet, die Armee habe sich aufgrund von schwerem Artilleriefeuer von Terroristen von dort sofort wieder zurückgezogen. Bis die Armee die Feuerpunkte der Terroristen unterdrückt hat und dann Mughayriyah wirklich beherrscht, wird es also wohl noch etwas dauern. Obgleich niemandem ganz klar zu sein scheint, wo genau die zerklüftete Front in dieser bergigen und schwierigen Region verläuft, zeigt der seit einiger Zeit erwartete Einzug der Armee in Ikko jedoch, dass es trotzdem tatsächlich kontinuierliche Fortschritte der Armee in der Provinz Latakia gibt. Eine rund einen Monat alte Karte von von @miladvisor mag als Vergleich dienen:

Für rund zwei Kilometer von Ruwaisat Alexander bis Ikko hat die Armee über einen Monat gebraucht. Die effektive Geschwindigkeit des Vormarsches der Armee auf Ikko betrug also rund einen halben Kilometer pro Tag, wobei da selbstverständlich die Tage eingerechnet wurden, in denen es keinen Geländefortschritt gab, sei es dadurch, dass die syrische Armee frisch befreite Gebiete zunächst sichern musste oder die Witterung zunächstmal abzuwarten ratsamer als einen Vormarsch erscheinen ließ. Sollte die Befreiung der Provinz Latakia in dem Tempo weitergehen, würde es also noch etwa zwei Jahre dauern, bis die restlichen rund zwölf Kilometer bis zur türkischen Grenze geschafft wären. Es könnte natürlich auch schneller gehen, etwa wenn die Front der Terroristen in Latakia komplett zusammenbricht, es könnte aber auch länger dauern, etwa wenn die Türkei und andere NATO-Staaten wie die USA, Britannien, Frankreich und Deutschland dem syrischen Kampf gegen Al Kaida und Co in der Zwischenzeit neue Hindernisse in den Weg legen sollten, etwa durch eine türkische Panzertruppeninvasion, so wie das gerade im Irak geschieht, oder durch eine britische Bombardierung der syrischen Armee, so wie das gerade in Deir Ezzor geschehen zu sein scheint.

Ebenfalls voran für die syrische Armee und ihre Partner ging es am Montag in der Provinz Aleppo, und auch da an unterschiedlichen Fronten. Zunächst mal gab es am Montag einen weiteren kleinen Fortschritt der Armee östlich von Aleppo im Kampf gegen ISIS. Nachdem vor einigen Tagen die Befreiung der Ortschaft Nasrallah rund zwei Kilometer nordöstlich des Militärflughafens Kuwairis verkündet wurde, gelang der syrischen Armee am Montag auch die Befreiung der nahegelegenen Ortschaft Shuwaylekh rund drei Kilometer östlich des Militärflughafens Kuwairis. Auch an dieser Front lässt sich sagen, dass die jeweiligen einzelnen Fortschritte gering sind, aber insgesamt wurde damit seit dem Bruch der Blockade des Militärflughafens Kuwairis vor knapp einem Monat ein rund zwei bis drei Kilometer großer Ring um diese Luftwaffenbasis gezogen, sodass die Position, anstatt wie noch vor zwei Monaten ein Schwachpunkt nun ein starkes Sprungbrett der Armee östlich von Aleppo ist. Es geht also langsam vorwärts, aber dennoch sind die Erfolge der Armee auch da unverkennbar, wie nachfolgende Karte von @A7_Mirza zeigt:

Al Masdar News betrachtet das von der syrischen Armee im Umfeld des Militärflughafens Kuwairis inzwischen befreite Gebiet sogar als noch etwas größer:

An der Front südwestlich von Aleppo tanzen die syrische Armee, Hisbollah und die von Qassem Suleimani organisierten irakischen Milizen mit Erdogans Handlangern von Al Kaida und Co weiterhin ein Tänzchen, dass den Terroristen schwindelig wird.

Der Krieg dort gleicht einem Walzer, zwei Schritte vor und dann wieder einen zurück, bevor es wieder zwei Schritte voran geht. Vor knapp vier Wochen haben die syrische Armee und ihre Partner südwestlich von Aleppo die Terroristenhochburg Al-Hadher, die Bergstellungen Al Eis westlich davon und das ICARDA-Gelände noch etwas weiter westlich befreit, woraufhin die Terroristen in den Abgrund des Verlustes ihrer Hochburgen und Nachschubwege in der Provinz Idlib blickten. Abdullah Mehesni, der saudische Anführer von Al Kaida und Co in der Region, zeigte sich daraufhin an der Front und flehte alle Terrorgruppen in Aleppo, Idlib, Hama und Latakia darum an, ihre Stellungen aufzugeben, um der zusammengebrochenen Terroristenfront im Süden von Aleppo zu Hilfe zu kommen. Viele Terroristen kamen und gaben dafür ihre Offensiven im Süden und ihre Stellungen im Westen der Idlib-Tasche auf. Die syrische Armee und ihre Partner zogen sich daraufhin in ihre Bergstellung Al Eis zurück und verteidigten von dort Al Eis und die ehemalige Terroristenhochburg Al Hadher. Zwar freuten sich die Terroristen, dass sie ICARDA und einige umliegende Dörfer zurückgeholt hatten, doch beim Anrennen auf Al Eis waren die Terroristen über das flache und ungedeckte Gelände kommend chancenlos. Ihre Reihen lichteten sich schnell. Auch der von der Türkei unterstützte Al-Kaida-Boss Abdullah Mehesni zog sich vor ein paar Tagen angesichts dessen, dass die Gegend von Al Eis für Terroristen sehr tödlich ist, unter dem Vorwand einer leichten Verletzung von der Front südlich von Aleppo zurück. Am gestrigen Montag meldete die syrische Nachrichtenagentur SANA, dass die syrische Armee und ihre Partner in der gegend wieder auf dem Vormarsch ist und die Ortschaften Khalsah, al-Qalajiyeh, al-Hamra und Zaitan, die seit mehr als zwei Jahren unter der Kontrolle von Terroristen waren, befreit wurden. Auf einer Karte von @A7_Mirza ist der neue Fortschritt der Armee und ihrer Partner südlich von Aleppo zu sehen:

Eine Karte von @PetoLucem stellt die Lage ähnlich dar:

Letztendlich haben die Terroristen mit ihrer Ausdünnung anderer Fronten und ihren hohen Verlusten an der Front südlich von Aleppo nichts erreicht. Zwar kontrollieren die Terroristen ICARDA und Umgebung, doch durch die Befreiung von Khalasah und Zaitan hat die syrische Armee nun sogar eine noch kohärentere Position als vor drei Wochen – und eine mindestens ebenso gute Ausgangslage für die Befreiung der Provinz Idlib vom Terrorismus. An den von den Terroristen ausgedünnten Fronten in den Provinzen Idlib und Hamah bringt die syrische Armee den Terroristen unterdessen ständig schwere Verluste bei, sodass an diesen Fronten demnächst auch mit Fortschritten der Armee in Bezug auf Geländegewinne zu rechnen sein dürfte.

Die positive Entwicklung der Situation südlich von Aleppo strahlt auf das ganze Land aus. So haben sich die Terroristen in den letzten Tagen beispielsweise aufgrund der düsteren Situation südlich von Aleppo sogar darauf eingelassen, die nordwestlich von Damaskus liegende Damaszener Vorstadt Qudsaya komplett aufzugeben, wenn ihre ein- bis zweihundert Kämpfer aus Qudsaya dafür in die Tasche von Idlib geschafft würden, wo sie ihre dortigen Kameraden verstärken könnten. Das hat die syrische Regierung natürlich prompt gemacht weil ein- bis zweihundert Terroristen in der Provinz Aleppo da weniger als eine Woche mehr Arbeit bedeuten, wohingegen die militärische Befreiung von Qudsaya ungleich aufwändiger gewesen wäre. Ein ähnlicher Deal wurde auch bereits für die Homser Vorstadt Waer getroffen, von wo aus dem Vernehmen nach demnächst mehr als 3000 Terroristen nach Norden geschafft werden sollen. Wenn der Deal umgesetzt wird, wäre die Stadt Homs damit endlich komplett frei von Terrorismus, was eine sehr erfreuliche Nachricht wäre.

Nördlich von Aleppo sind unterdessen unterschiedliche Terrorgruppen damit beschäftigt, sich gegenseitig zu massakrieren. Während die von den USA und Russland unterstützten Gruppen der SDF vor ein paar Tagen einen Teilwaffenstillstand mit dem von der Türkei unterstützten und von Al Kaida geführten Operationsraum Marea geschlossen hat, eliminieren sich Terroristen vom Operationsraum Marea und von ISIS nördlich von Aleppo in den letzten Tagen vermehrt gegenseitig. Während es ISIS dabei gelang, nördlich von Marea ein Dorf weiter nach Westen zu kommen, gelang es dem Operationsraum Marea nahe der türkischen Grenze, drei Dörfer in Richtung Osten gegen ISIS voranzukommen. Eine von @deSyracuse stammende Karte zeigt die jeweiligen Gewinne und Verluste:

Bislang haben es die Terroristen des Operationsraumes Marea geschafft, ihre schmale Nachschublinie von der Türkei in die Stadt Aleppo offenzuhalten. Im Bereich zwischen Kafrah und Maryamein könnte es aber angesichts der fortdauernden Kämpfe demnächst knapp werden, wenn es ISIS da gelingen sollte, noch zwei Dörfer weiter nach Westen vorzurücken. Die syrische Armee hält sich aus den Kämpfen der Terroristen untereinander bislang heraus und scheint es lediglich mit Interesse zu beobachten, wenn Terroristen sich gegenweitig eliminieren. Aber wenn die syrische Armee der Meinung sein sollte, von einem bestimmten Kampfausgang Vorteile zu haben, könnte sich das sicherlich auch mal ändern.

Aus der Provinz Daraa gibt es unterdessen Meldungen, dass dort 180 Terroristen der Nusra Front nach anhaltenden blutigen Streitereien mit rivalisierenden Terroristen von ISIS keine Lust mehr auf Revolution, Krieg und Jihad hatten, und sie sich der syrischen Armee ergeben haben.

9 Gedanken zu “Fortschritte in Syrien

  1. Dankeschön. Habe gelesen, dass in Zukunft auch vermehrt T-90 zum Einsatz kommen sollen. Bleibt halt abzuwarten, wie sich die Lage insgesamt so entwickeln wird siehe auch vorheriger Artikel. Ob das alles noch ein gutes Ende nehmen wird… Ich wage es mal zu bezweifeln. Schaut euch die Geschichte des 20. Jahrh. an. Diese Kriegstreiber-Clique mit ihren geisteskranken Handlangern wollen, das es kracht.

  2. Ist nun offenkundig, dass Erdogan alsPate des Terrors fungiert. Nun muss er sich aus dem Irak zurückziehen, nachdem diese türkischen panzer im Irak, dem Obama sauer aufgestoßen sind, weil sonst werden die Russen auch im Irak aktiv, das will die USA überhaupt nicht.

  3. Die neuen Barbaren ziehen in den nächsten Krieg in Syrien, um die o.a. Fortschritte zu torpedieren

    Um ihren neuen Krieg in Irak und Syrien starten zu können, haben Frankreich, Großbritannien und Israel am 20.11.2015 die Resolution 2249 im Sicherheitsrat verabschieden lassen. Während Frankreich eine ausgedehnte Propagandakampagne angekurbelt hat, um die öffentliche Meinung im Lande und die seiner Alliierten davon zu überzeugen, dass die UN-Resolution 2249 dazu berechtigt, ISIS/Daesh in Syrien zu bombardieren, ohne die Erlaubnis der Arabischen Republik Syrien – auf deren Sturz es hofft – einholen zu müssen, bildet sich ein Konsens zwischen den juristischen Experten, dass dem nicht so ist. > http://www.voltairenet.org/article189558.html

    In Großbritannien wurde die Resolution als echte Ermächtigung durch den Sicherheitsrat dargestellt: in einer Erklärung des britischen Regierungschefs am 26. November 2015 vor dem Unterhaus des Parlaments > https://www.gov.uk/government/speeches/pm-statement-responding-to-fac-report-on-military-operations-in-syria Deutsche Soldaten im illegalen Krieg gegen Syrien > http://www.heise.de/tp/artikel/46/46772/1.html

    Die Kolonisierung des Nordens von Syrien ist ein altes israelisches Projekt. Es geht darum, einen unabhängigen Staat im Norden des Landes zu erstellen, in der Art und Weise wie die Israelis 2011 den Staat Süd Sudan geschaffen haben, um Ägypten von hinten [vom Süden] zu überwachen. Im Jahr 2011 (Beginn des Bürgerkrieges in Syrien) unterzeichneten der französische Außenminister Alain Juppé und sein türkischer Amtskollege Ahmet Davutoglu einen Geheimvertrag. Er enthält mehrere wechselseitige Verpflichtungen, einschliesslich die »Regelung der kurdischen Frage« ohne »Schädigung der Integrität des türkischen Territoriums«, d.h. durch das Erstellen eines Pseudo-Kurdistans in Syrien. Wenn also die USA und Israel mit der Besiedlung des Nordens von Syrien beginnen, darf natürlich die Merkel (-Regierung) als US-Vasall und mit ihrer postulierten Staatsraison als zukünftig ambitionierte Gestaltungsmacht in Mittelost nicht fehlen Man konzentriert sich vorerst auf die Aufnahme von Millionen illegalen Immigranten (= Asylsuchenden) aus Irak und Syrien, die Möglichkeiten der Spionage (= Aufklärung) und lokale Kräfte auszurüsten. Das sind auf syrischer Seite die Kurden und »gemäßigte Rebellen«, auf irakischer Seite die Kurden und sunnitische Milizen. Die syrischen wie auch die irakischen Regierungstruppen werden nicht dazu-gezählt. > http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59269

  4. Es ist immer wieder putzig überall in den Mainstreammedien zu lesen, dass ISIS fast ausschließlich aus ehemaligen Militärs und ehemaligem Sicherheitsapparat von Saddam Hussein besteht.
    Erstens es kann nicht sein, da die ehemaligen BAATH-Partei Getreue eher mit Assad eine Allianz bilden würden, anstatt ihn zu bekämpfen.
    Zweitens die ehemaligen Militärs und der frühere Sicherheitsapparat von Saddam Hussein schlossen sich in einer Allianz zusammen und haben eine eigene Miliz und Partei gegründet schon vor mehr als 10 Jahren , die selbstsändig und unabhängig von der irakischen Regierung, unabhängig von Al-Qaida und unabhängig von ISIS operiert:
    https://en.wikipedia.org/wiki/1920_Revolution_Brigade
    https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_Resistance_Movement_(Iraq)
    https://en.wikipedia.org/wiki/General_Military_Council_for_Iraqi_Revolutionaries
    Im Gegenteil die Baath-Sicherheitskräfte waren eher linksgerichtet und säkular und hatten die Islamisten und Terror-Milizen immer mit schwerer Artillerie angegriffen um sie zu vernichten!

    Und drittens warum schalten die US-Amerikaner zur erfolgreichen Bekämpfung von ISIS nicht ihre pro-westliche irakische Geheim-Miliz ein, die mit großem Erfolg die Al-Qaida im Irak bekämpft und verjagt hatte?
    https://en.wikipedia.org/wiki/Sons_of_Iraq

    DIe Medien erzählen absichtlich nicht die ganze Wahrheit über das was im Nahen Osten sich abspielt!
    Für die ISIS-Entstehung sind angeblich Saddam’s Getreue und ehemalige SIcherheitskräfte verantwortlich.
    Man will uns nur einsuggerieren udn eintrichtern wie böse der Saddam war udn dass es angeblich richtig war Saddam Hussein ducrh das Amiland zu beseitigen. Das Gegenteil ist richtig. Wenn Saddam Hussein an der Macht geblieben wäre, dann wären die schiitischen udn sunnitischen Terror-Milizen gar nicht erst so mächtig geworden. Er hatte die Islamisten mit eiserner Hand bekämpft, was auch vollkommen richtig war!

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